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Veröffentlicht am 19.10.2020

Gladiatorinnen und Königinnen: Ein starker Auftakt

Kill the Queen
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Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
So ein cooles Cover! Mir gefällt ...

Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
So ein cooles Cover! Mir gefällt vor allem die schlichte Farbgebung. Gut ist auch, dass die Frau auf dem Cover nur in Umrissen zu sehen ist. Sehr spannend sind die Details in dem Kleid und die Federn neben der Frau – beides mit Bezug zum Inhalt.
Auch der Titel ist toll gewählt. Wenn man den Klappentext liest, ist der Bezug offensichtlich. Wenn man den Inhalt kennt, fällt einem sogar die doppelte Bedeutung auf!

Meine Meinung:
Kill the Queen ist mein erstes Buch der Autorin, aber weil ich schon so viel Positives über ihre Reihen gehört habe, waren meine Erwartungen natürlich entsprechend. 😉
Schon auf den ersten paar Seiten wird klar, wieso Frau Estep so hoch gelobt wird. Denn auch wenn erstmal nicht besonders viel passiert, lässt einen der grandiose, bildhafte Schreibstil der Fantasy-Autorin nicht mehr los.

Der Einstieg ist also relativ ruhig. Man lernt erst mal alles grob kennen und erfährt, wie der Hase in Bellona so läuft. Dann dauert es jedoch nicht lange, bis die Autorin das Tempo etwas anzieht und schon die ersten Dinge passieren, die den Leser sehr überraschen. Wenn man also anfangs schon unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, dann lässt einen Kill the Queen jetzt erst recht nicht mehr los.

Es kommen schnell viele Fragen auf, zum Beispiel, was es mit Evies Gabe auf sich hat, welches Geheimnis die Königin seit ihrer Vergangenheit hütet und was Lucas und die anderen Gladiatoren verbergen.
Zwar bekommt häppchenweise Antworten zugeworfen, die werfen dann jedoch nur neue Fragen auf.
Man hat als Leser nicht wirklich eine Ahnung, was da passiert und will deshalb unbedingt weiterlesen. Die Autorin versteht sich darauf, einem gerade so viel zu verraten, dass man nicht wahnsinnig wird, aber nicht so viel, dass man schon erschließen kann, was als nächstes geschieht oder gar das Interesse verliert. Das bleibt bis zum Ende so, das dann aber übrigens echt fies ist. ☹

Zu den unvorhersehbaren Plottwist gesellt sich dann auch noch eine neue, spannende Idee: Gladiatoren! Ich habe schon einige Geschichten gelesen, in denen Könige und Königinnen gestürzt werden sollen, aber über Gladiatoren habe ich außer im Lateinunterricht noch nicht viel gelesen. :D
Die Umsetzung des Ganzen in Kill the Queen macht aus einem weiteren High Fantasy-Buch eine blutige, gefährliche Geschichte. Sie ist absolut gelungen und macht das Buch zu einem Pageturner.

Hinzu kommen die tollen Charaktere, allen voran Everleigh und Lucas.
Evie ist eine coole Protagonistin, die anders als so viele andere YA-Protagonisten erst einmal lernen muss, für sich selbst einzustehen. Während sie anfangs bedingt durch ihr Leben bei Hofe ihre wahren Gefühle versteckt, wird sie durch die Ereignisse gezwungen, aus sich herauszukommen und Situationen, die ihr nicht gefallen, zu konfrontieren. Man erlebt als Leser mit, wie sie an ihren Aufgaben wächst, ohne sich selbst zu verlieren. Gleichzeitig sieht man auch, wie sie immer wieder scheitert oder Fehler macht. Dass sie sich davon nicht unterkriegen lässt, macht sie zu einer starken, sympathischen und vor allem menschlichen Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann.

Lucas ist vor allem anfangs noch sehr geheimnisvoll und nebulös. Man ahnt, dass er eine dunkle Vergangenheit hat, kann aber trotzdem nicht einschätzen, auf welcher Seite er steht. Gerade diese Undurchsichtigkeit macht ihn zu einer spannenden Figur. Gleichzeitig ist er – anders als so viele andere männliche Love Interests in Romantasy-Geschichten – dazu fähig, Evie (und anderen) gegenüber auch echte Gefühle zu zeigen. Nach und nach erfährt man mehr über ihn, und er entpuppt sich als vielschichtiger Charakter, der einiges mehr draufhat, als es zunächst den Anschein hat.
Ich freue mich darauf, in Protect the Prince mehr über ihn zu erfahren.


Fazit:
Kill the Queen ist ein Wahnsinnsauftakt zu einer spannenden neuen Fantasy-Reihe, die mit unvorhersehbaren Plottwists, vielseitigen Charakteren und originellen Ideen punktet.
Typische „Auftaktkrankheiten“ wie ein langwieriger Einstieg oder unausgereifte Figuren sucht man hier vergebens.
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2020

Timehopping ohne Probleme

Beastmode 2: Gegen die Zeit
1

Vielen lieben Dank an NetGalley und den Planet!-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Die Cover sind absolut genial! ...

Vielen lieben Dank an NetGalley und den Planet!-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Die Cover sind absolut genial! Ich liebe es ja, wenn die einzelnen Teile einer Reihe auch im Aussehen zueinander passen und die Cover von Beastmode sind da ein Paradebeispiel.
Dazu kommt, dass sie auch wunderbar zum Inhalt passen: Die Gesichter, halb Mensch, halb Maschine, sehen in etwa so aus, wie ich mir Jenny vorgestellt habe. Wer die Bücher kennt, weiß, wie relevant sie für die Geschichte ist. 😉

Meine Meinung:
An Es Beginnt fand ich besonders schade, dass weder die Protagonisten noch der Plot sich mich in irgendeiner Weise überraschen konnten, obwohl die Idee dahinter wirklich genial ist – zumal Zeitreisegeschichten sehr tricky sind, da sich schnell Logikfehler einschleichen können!
Leider muss ich schon direkt zum Anfang der Rezension sagen, dass Gegen die Zeit sich gegenüber seinem Vorgänger in den Punkten leider nicht verbessert hat.

Positiv bleibt nach wie vor, dass es dem Autor wirklich gut gelungen ist, ein Zeitreiseproblem zu konstruieren, das in sich schlüssig und logisch ist und am Ende kaum Fragen offenlässt. Gerade in Geschichten mit Zeitreisen ist das keine Selbstverständlichkeit.
Um so trauriger fand ich es, dass mich die Handlung an sich so gut wie gar nicht mitreißen konnte.
Es passiert zwar einiges; die Plotdichte ist hoch und hätte durchaus Potenzial zum Pageturner. Allerdings bleibt die Handlung die meiste Zeit sehr vorhersehbar, was vor allem daran liegt, dass für die fünf Protagonisten keine Aufgabe eine wirkliche Herausforderung zu sein scheint.
Sie reisen von einem Ort zum anderen und lösen jedes Problem mit links, ohne dass sie mal wirklich länger als gefühlt fünf Minuten daran arbeiten müssen. Natürlich gibt es auch das eine oder andere „Hindernis“, aber selbst die sind in Nullkommanichts überwunden.
So bekommt die Geschichte natürlich kaum die Chance, den Leser richtig zu packen. Man macht sich keine Sorgen um die Protagonisten, da man weiß, dass sie innerhalb weniger Minuten ja schon ohne große Verluste weitermachen können.

Man „fliegt“ also regelrecht durch die Handlung, was aber nicht an der Spannung liegt, sondern vielmehr daran, dass sich Gegen die Zeit anfühlt, wie eine Zusammenfassung einer größeren Geschichte. Auch die Auflösung am Ende ist keine große Überraschung und nichts, was einen „vom Hocker haut“. Es gibt eben keine Spannung, die sich im großen Finale am Ende hätte entladen können.
Ich hätte mir hier gewünscht, dass der Autor an manchen Stellen etwas mehr in die Tiefe geht und die Protagonisten auch mal vor das eine oder andere größere Problem stellt, an dem sie vielleicht auch mal scheitern. Dann hätte mich die Geschichte vielleicht auch mehr packen können und es wäre nicht alles so vorhersehbar gewesen.

Ähnliches gilt auch für die Protagonisten. Ich hatte in meiner Rezension zum Vorgängerband schon kritisiert, dass alle fünf Charaktere auf mich sehr farblos wirkten. Das hat sich in Gegen die Zeit leider nicht geändert. Weiterhin zeichnet sich keiner von ihnen durch irgendetwas aus, das sie von anderen Jugendbuch-Protagonisten abhebt; vielmehr bleiben sie alle in ihrer Schublade, ohne mich groß zu überraschen. Zwar erfährt man hier einiges mehr über sie, vor allem über Jenny, aber trotzdem hatte ich den Eindruck, dass es hier kaum Entwicklung gab. Dadurch hatte ich so meine Schwierigkeiten, Beziehungen zu den Protagonisten aufzubauen.

Fazit:
Beastmode hätte also durchaus Potenzial gehabt, eine großartige Zeitreisegeschichte zu werden.
Dafür fehlt es der Dilogie jedoch hauptsächlich an Tiefe. Die fünf Protagonisten hüpfen von einem Problem zum anderen, ohne das diese für sie tatsächliche Herausforderungen darstellen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie trotz ihrer Fähigkeiten auch mal an ihre Grenzen kommen und eventuell sogar versagen, oder sich zumindest nicht so schnell erholen und weitermachen können. Dem ist jedoch nicht so und die Handlung wird nicht nur vorhersehbar, es kommt auch leider keine Spannung auf. Das wird nur noch einmal verstärkt durch die Farblosigkeit der Hauptcharaktere, die sich kaum durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen.
Die Dilogie ist also vielleicht ganz nett für zwischendurch – dafür kann man sie wirklich flott lesen! –, wer jedoch ein Zeitreiseepos sucht, wird hier eher enttäuscht.
2/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2020

Von Voodoo und Revolution

LOA
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Aufmachung:
Das Cover gefällt mir richtig gut. Die ganze Covergestaltung erinnert vom Aussehen an Zeichnungen aus dem Voodoo-Bereich – es passt also hervorragend zum Inhalt. Gleichzeitig wird ihm durch ...

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir richtig gut. Die ganze Covergestaltung erinnert vom Aussehen an Zeichnungen aus dem Voodoo-Bereich – es passt also hervorragend zum Inhalt. Gleichzeitig wird ihm durch die Farbgebung und das Spiel von Licht und Schatten etwas Geheimnisvolles verliehen. Das Cover ist ein Hingucker und macht neugierig auf mehr.
Der Titel Die Weiße Mambo passt ebenfalls. Man hat diese Begriffe zumindest mal vorher gehört, allerdings konnte ich mir nicht so richtig etwas darunter vorstellen. Das hat sich beim Lesen dann auch ergeben. 😉

Meine Meinung:
Hmmm… Joa, ehrlich gesagt tue ich mich etwas schwer damit, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Es ist keinesfalls so, dass mir LOA nicht gefallen hat. Allerdings hat es mich auch nicht wirklich umgehauen und ehrlicherweise bin ich auch froh, dass ich das Buch beendet habe. Wirkliche sachliche Gründe dafür gibt es jedoch nicht, es ist vielmehr einfach so ein Gefühl. Deshalb habe ich lange überlegt, was ich in diese Rezension schreiben könnte…

LOA erzählt in zwei verschiedenen Zeitlinien, die Kapitel sind abwechselnd aus Zoés und Mokabis Sicht geschrieben. Dabei ist mir positiv aufgefallen, dass Meineke die Cuts so gesetzt hat, dass sie beim Lesen nicht stören und auch die Spannung nicht beeinträchtigen, sondern im Gegenteil sogar steigern. Oft hat man es ja bei unterschiedlichen Perspektiven oder Zeitlinien, dass durch einen abrupten Wechsel die Spannung unterbrochen wird. Das ist hier eben nicht der Fall.

Allerdings muss ich im gleichen Atemzug auch betonen, dass es auch gar nicht viel Spannung gab, die man hätte unterbrechen können. Die meiste Zeit ist leider nicht besonders viel passiert, das gilt vor allem für Zoés Handlungsstrang. Das Buch zeichnet sich eher durch viele Dialoge und Erklärungen aus und verhältnismäßig wenig Handlung.
Dadurch bleibt die Spannungskurve, wie gesagt, durchgehend im unteren Bereich, wodurch sich die 408 Seiten sehr in die Länge ziehen. Obwohl ich die Thematik des Buches grundsätzlich interessant fand und die Handlung die meiste Zeit auch so gut wie gar nicht vorhersehbar war, hatte ich beim Lesen nicht dieses Gefühl, dass ich mich nicht mehr vom Buch lösen konnte und unbedingt weiterlesen musste.
Erst zum Ende hin wird kommt einiges an Spannung auf, die dann auch in einem guten Cliffhanger endet. Ob das ausreichend ist, dass ich dem Erscheinungstermin des Folgebandes herbeisehne, kann ich jetzt noch nicht wirklich sagen, da noch keiner veröffentlicht wurde. Aktuell würde ich sagen, dass mich der Fortgang von Zoés Geschichte nicht allzu sehr reizt, aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja, sobald mehr von Band zwei bekannt wird.

Sehr gut hingegen hat mir gefallen, dass die Charaktere allesamt sehr gut ausgereift und dadurch ohne Ausnahme vielschichte Figuren sind. Selbst die Nebenfiguren sind etwas Besonderes, das man nicht so ohne Weiteres in irgendeine Schublade stecken kann; auch vom Schreibstil her kann man sie so gut voneinander unterscheiden kann, dass keine Nennung von Namen notwendig ist, um zu wissen, um wen es gerade geht. Ähnliches ist auf die unterschiedlichen Zeitlinien übertragbar: Die Autorin hat ihren Schreib- und Sprechstil auf die Gepflogenheiten der jeweiligen Zeit angepasst. Selbst wenn es also keine Hinweise in den Kapitelüberschriften gegeben hätte und keine Namen genannt worden wären, hätte man allein anhand des Schreibstils gut erkennen können, zu welcher Zeit die Erzählung gerade stattfindet.

Trotz allem muss ich auch hier leider sagen, dass mir weder Zoé noch Mokabi großartig ans Herz wachsen konnten.
Mokabi weist zwar unter allen Figuren die stärkste Charakterentwicklung auf, dennoch fand ich ihn durchgehend unsympathisch. Das hat nicht mal unbedingt einen greifbaren Grund, ich konnte mit ihm einfach nicht warmwerden.
Zoé trifft in meinen Augen viel zu oft (selbst für ihre noch jungen 16 Jahre) sehr kindische, unüberlegte Entscheidungen, was beim Lesen irgendwann anstrengend wird. Ihre stark ausgeprägte Naivität macht das Ganze leider nicht viel besser.
Gerade was meine Empfindungen gegenüber beiden Protagonisten angeht, kann ich der Autorin trotzdem nichts vorwerfen. Sie hat bei der Charakterisierung, wie gesagt, auf jeden Fall alles richtig gemacht. Dass ich weder mit Zoé noch mit Mokabi eine richtige Bindung aufbauen konnte, ist sehr subjektiv.

Am allerbesten hat mir an LOA gefallen, dass man merkt, wie intensiv die Autorin an allem recherchiert hat. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich, dass Voodoo als Glaubensrichtung existiert, viel mehr war mir darüber jedoch nicht bewusst. Meineke bringt einem in diesem Buch die Grundzüge des Voodoo-Glaubens näher; kompliziertere Sachverhalte erklärt sie sehr gut verständlich, was davon zeugt, dass sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt und sie verstanden hat. Auch über die haitianische Revolution von 1791, von der ich ehrlicherweise vorher noch nie etwas gehört hatte, lernt man hier einiges. Bemerkenswert dabei ist, dass die Autorin sogar echte historische Figuren in ihre Erzählung mit eingebaut ist, über die man in dem Glossar hinten etwas mehr erfährt. Damit habe ich bei dem Buch gar nicht gerechnet; diesbezüglich wurde ich also positiv überrascht.

Fazit:
Die Weiße Mambo ist ein solider Auftakt, bei dem es durch das sehr langsame Erzähltempo allerdings bis zum Ende dauert, dass sich etwas Spannung aufbaut. Das führt dazu, dass sich die gut 400 Seiten sehr zäh anfühlen und man trotz wirklich interessanten Inhalts nicht das Bedürfnis verspürt, unbedingt weiterlesen zu müssen. Die Figuren, insbesondere die Protagonisten, sind allesamt außerordentlich gut ausgereift. Trotzdem konnte ich mit den Figuren nicht so richtig warmwerden, was jedoch einfach auf subjektiven Empfindungen berührt und nichts ist, was man der Autorin vorwerfen kann.
Besonders positiv fällt die intensive Recherche der Autorin hinsichtlich des Voodoos, aber auch der haitianischen Revolution auf. Obwohl es sich hierbei um ein (weitgehend) fiktives Werk ist, kann man also beim Lesen einiges lernen! 😊
3,5/ 5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2020

Ein Querschnitt der letzten zehn Jahre

Gefolgt von niemandem, dem du folgst
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Aufmachung:
Dieses Buch ist etwas anderes: Es ist eine Zusammenstellung der Tweets von Jan Böhmermann von 2009 bis Anfang 2020. Daher war ich erst etwas skeptisch, als ich den stolzen Preis des Buches ...

Aufmachung:
Dieses Buch ist etwas anderes: Es ist eine Zusammenstellung der Tweets von Jan Böhmermann von 2009 bis Anfang 2020. Daher war ich erst etwas skeptisch, als ich den stolzen Preis des Buches von 22,00 € gesehen habe. Mein Gedanke: So teuer müssen Tweets doch nicht sein!
Aber: Das Buch ist das Geld wirklich wert! Es ist sehr aufwendig verarbeitet, der Einband ist fest und „rau“ (?),im Titel und auf dem Buchrücken sind silberne Details, was das Cover trotz seiner Schlichtheit edel aussehen lässt. Innen ist das Buch teilweise farbig gedruckt und das beste: Es hat ein Lesebändchen! Diese Tweets dürfen also mit Fug und Recht 22,00 € kosten.

Meine Meinung:
Gefolgt von niemandem, dem du folgst ist, wie gesagt, ein ungewöhnliches Buch, das auch ein wenig schwierig zu bewerten ist. Als ich mich jetzt für diese Rezension hingesetzt habe, habe ich das Buch angeschaut und mich gefragt: Wie soll ich Tweets rezensieren?
Das Buch ist allerdings nicht bloß eine Aneinanderreihung von einigen Tweets, sondern vielmehr durchaus das, was es im Titel verspricht: Ein Tagebuch.
Es ist nicht „spannend“ im herkömmlichen Sinne, wie die Romane, die ich sonst lese, aber dennoch hat es mich gefesselt.
Gefolgt von niemandem, dem du folgst beginnt 2009. Da habe ich in der Politik noch nicht allzu viel mitbekommen, ich war ja erst 9 bzw. 10 Jahre alt. Dank der Erklärungsspalten am Rand, in denen man nähere Infos zu erwähnten Personen erhält oder Ereignisse erläutert werden, konnte ich die meisten von Böhmermanns Tweets jedoch gut nachvollziehen. An einiges, das ich damals aufgeschnappt hatte, konnte ich mich sogar noch erinnern. Da war ich dann ganz erstaunt, dass das doch schon so lange her ist! Ich bin erst 21, aber ich merke, ich werde alt.
Man erhält also eine gute Zusammenfassung der Dinge, die in den letzten zehn Jahren passiert sind, und die man teilweise gar nicht mehr wirklich auf dem Schirm hatte. Dabei erwähnt Böhmermann hin und wieder natürlich den einen oder anderen Politiker oder auch Journalisten, den man auch heute noch regelmäßig in den Nachrichten sieht, und ist manchmal echt erschrocken, was sich so mancher schon geleistet hat, bspw. Äußerungen in Bezug auf die gleichgeschlechtliche Ehe oder Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare ebenso wie rassistische Aussagen. Es ist ja keine Überraschung, dass (gerade die „konservativeren“) Politiker eine verquere und absolut veraltete Ansicht von Ehe und Elternschaft, sowie von vielen anderen Themen, bei denen man sich fragt, ob einige auch schon im 21. Jahrhundert angekommen sind, haben, aber dass so mancher Kommentar immer noch einfach totgeschwiegen wird, frustriert dann doch schon. Oder dass Xavier Naidoo nicht erst während Corona total komisch geworden ist, der war ja schon immer so! Das wusste ich gar nicht. Weil darüber nicht geredet wurde.
Gerade in der Hinsicht dokumentiert Gefolgt von niemandem, dem du folgst das (deutsche) politische und gesellschaftliche Leben hervorragend!
Vor allem ab 2015 wird das Buch sehr spannend – jedenfalls für mich, was aber wohl auch daran liegt, dass ich mit 15 bzw. 16 angefangen habe, mehr Dinge im Leben mitzubekommen, als die Geschichten aus meinem Bücherregal. xD
Ab dort setzt der Autor sich auch verstärkt mit Rassismus und Rechten auseinander; vorher zwar auch schon, aber durch die Fluchtmigration sind ja leider viele Rechte aus ihren braunen Höhlen gekrochen. Das merkt man, und an dem Buch kann man sehr gut den „Rechtsruck“ der Gesellschaft und die Radikalisierung Vieler (auch Politiker) beobachten, sowie bspw. auch die Gründung der AfD und wie sie unheimlich schnell von einer Außenseiterpartei zu einer leider salonfähigen wurde – anhand von Kommentaren und Reaktionen auf Tweets des Autors, die mich echt am Verstand so mancher zweifeln lassen haben. Also die Reaktionen, nicht die Tweets von Böhmermann.
Das traurigste an der ganzen Sache ist, dass man manche Situationen in der Retrospektive natürlich ganz anders beurteilt und erkennt, dass sich in den letzten paar Jahren nichts geändert hat, im Gegenteil. In der Hinsicht regt Gefolgt von niemandem, dem du denkst zum Nachdenken an.
Generell sollte man die Tweets des Autors mit etwas Hirn lesen – Böhmermann ist ein Satiriker und das merkt man auch. Hinter vielen Tweets, die zunächst etwas sinnlos anmuten, steckt viel mehr dahinter.
Auf der anderen Seite ist er natürlich auch ein großer Quatschkopp und fast genauso viele Tweets ergeben einfach wirklich keinen (tieferen) Sinn. Ich habe auch das Gefühl, dass Haribo die Rezeptur für Tropi Frutti verändert hat, die fühlen sich beim Kauen irgendwie matschiger an. Früher waren die außen fester und dafür innen nur matschiger, aber jetzt sind die anders.

Fazit:
Gefolgt von niemandem, dem du folgst ist nicht bloß eine Aneinanderreihung alter Tweets des Satirikers Jan Böhmermann. Es ist einerseits ein sehr unterhaltsames, andererseits aber auch ein absolut politisches Buch, das ein Querschnitt der letzten Dekade darstellt. Der Autor hat über den Kurznachrichtendienst Twitter über die letzten Jahre viele Probleme beim Namen genannt und den Finger ohne Rücksicht auf die Wunde gelegt – das Buch stellt diese Ereignisse zusammen und beim Lesen merkt man: Es hat sich in vielen Dingen leider nicht viel geändert. Nicht nur Politikinteressierten kann ich Gefolgt von niemandem, dem du folgst nahelegen, sondern jedem, dem Demokratie wichtig ist (auch wenn das jetzt polemisch klingt, aber gerade angesichts der rechtsnationalen Entwicklung innerhalb der EU und Deutschlands kann man das nicht anders sagen).
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2020

Wichtiger Inhalt, aber mangelhafte Umsetzung

Im Kernschatten des Mondes - Die unbekannten Heldinnen der NASA
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Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Man sieht die Silhouette einer Frau im klassischen 50er-Jahre-Dress, die Winkel einzeichnet und mit mathematischen Gleichungen beschäftigt ist – genau diese ...

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Man sieht die Silhouette einer Frau im klassischen 50er-Jahre-Dress, die Winkel einzeichnet und mit mathematischen Gleichungen beschäftigt ist – genau diese Tätigkeit machte Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden zu so bedeutenden historischen Figuren. Dabei kann die Silhouette für jede der vier Frauen stehen, genauso gut allerdings für alle anderen unbenannten Frauen des NACA, die letztlich zur Mondlandung beigetragen haben. Der Rest des Covers ist sehr schlicht gehalten.
Im Kernschatten des Mondes: Die unbekannten Heldinnen der NASA ist ein ebenso gelungener Titel (wenngleich sehr lang). Ich finde tatsächlich sogar, dass er besser passt als der Originaltitel Hidden Figures, der, wie die Autorin auch in ihrem Nachwort schreibt, es eher so darstellen lässt, als seien die Frauen versteckt worden anstatt einfach nur nicht gebührend beachtet.
Mit der Aufmachung bin ich also sehr zufrieden! 😊

Meine Meinung:
Vorweg: Ich finde es sehr schwierig, eine Rezension über dieses Buch zu schreiben. Man ist hier als Leser gezwungen, das Buch aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu bewerten: einmal in Bezug auf den Inhalt und einmal die Umsetzung der Autorin.
Wenn ich nur den Inhalt bewerten müsste, würde Im Kernschatten des Mondes von mir zweifellos die volle Punktzahl bekommen. Es würde es wahrscheinlich sogar zum Monatshighlight schaffen, wenn nicht sogar zu einem meiner Jahreshighlights!

Denn die Informationen, die das Buch bereithält, sind – gerade in der heutigen Zeit zu BLM, aber auch in der Feminismus-Debatte – unfassbar wichtig und gut. Im Kernschatten des Mondes zeigt nicht nur die wesentliche Arbeit der vier o. g. Frauen beim NACA bzw. später bei der NASA und ihren Beitrag zum Fortschritt in der Flugtechnik und zur Mondlandung auf.
Es beleuchtet auch das ganze „Drumherum“, mit dem sich Schwarze, insbesondere schwarze Frauen während der 40er- bis 70er-Jahre herumschlagen mussten. Man bekommt einen Einblick in die Arbeitswelt und die soziale Situation der schwarzen Frauen zu der Zeit und erhält so eine winzige Vorstellung davon, wie es gewesen sein muss, für die Position, die einem eigentlich zustehen sollte und die (vor allem weiße) Männer wie selbstverständlich bekamen, zu kämpfen, und vor allem auch dafür zu kämpfen, in dieser Position zu bleiben.

Gleichzeitig umschreibt das Buch die Segregation und die Bürgerrechtsbewegung in allen möglichen gesellschaftlichen Situationen. Natürlich schneidet man als Schüler dieses Thema im Englischunterricht an. Aber bevor ich dieses Buch gelesen hatte, war mir gar nicht bewusst, wie riesig meine Wissenslücke in diesem Thema immer noch ist! Es wird nicht ansatzweise alles besprochen und eine richtige Vorstellung, wie weitgreifend die Rassentrennung gewesen ist, kann eigentlich keine weiße Person haben, glaube ich.
So werden beispielsweise die traditionellen Seifenkistenrennen für Kinder angesprochen. Jeder von uns hat das, denke ich, schonmal in amerikanischen Serien oder Filmen mitbekommen. Dass es für schwarze Jungen allerdings praktisch unmöglich gewesen ist, an diesen Rennen teilzunehmen, wird natürlich nicht kommuniziert. Ähnliches gilt für die Bildung. Ich schätze, jeder von uns weiß im Prinzip, dass Segregation auch bedeutete, dass schwarze Kinder nicht dieselbe Schule besuchen durften wie Weiße. Dass der Bildungsweg allerdings nicht bloß beschränkt war, sondern aktiv kurzgehalten wurde, wird in der Schule ebenfalls nicht diskutiert.

Weiterhin beleuchtet das Buch auch gut die Ambivalenz des US-Amerikanischen Verhaltens im Krieg gegen die Achsenmächte und später auch im Kalten Krieg gegen die UdSSR: Wie kann ein Land für sich beanspruchen, die Demokratie und Gleichberechtigung zu bewahren, wenn es Teile seiner eigenen Bevölkerung wie Menschen zweiter Klasse behandelt? Eine Frage, die offensichtlich ist, auf die ich aber weder im Englisch- noch im Geschichtsunterricht aufmerksam gemacht wurde und über die ich ehrlicherweise auch nie nachgedacht habe. Das ist dann wohl ein weiterer Aspekt meiner White Privileges.

Zusammengefasst zeigt Im Kernschatten des Mondes also sehr gut, was es bedeutete Schwarz und insbesondere eine Schwarze Frau in einem von Weißen dominierten und reglementierten Land zu sein.
Vieles davon ist auch aus heutiger Perspektive noch relevant. Nicht selten habe ich darüber nachgedacht, was sich im Vergleich zu damals alles geändert hat, und eigentlich immer bin ich zu dem Schluss gekommen: Nicht wirklich viel. Die Frage, die ich oben schon gestellt habe, kann man immer noch stellen, und zwar nicht nur in Bezug auf die USA!
Im Kernschatten des Mondes ist also unwahrscheinlich wertvoll in der eigenen Auseinandersetzung mit Rassismus, insbesondere im Hinblick darauf, wie fundiert Margot Lee Shetterlys Arbeit ist: Man merkt, dass sie sich mit Zeitzeugen und Angehörigen sowie einer Menge Fachliteratur auseinandergesetzt hat. All ihre Quellen sind übrigens auch im Anhang verzeichnet.

Aber leider bin ich ja immer noch hier, um das Buch als solches zu beurteilen und nicht nur seinen Inhalt. Heißt also, dass ich in meiner Bewertung auch die Umsetzung der Autorin berücksichtigen muss. Da kann man leider nur sagen: Im Kernschatten des Mondes ist schlicht nicht gut geschrieben.
Früh fällt auf, dass man für die gut 350 Seiten (ohne Anhang) länger braucht als für ein gewöhnliches Buch. Das ist in erster Linie nicht verwunderlich, denn es ist ja immer noch ein Sachbuch. Dennoch finde ich, dass auch ein Sachbuch für sich beanspruchen sollte, flüssig lesbar zu sein. Das kann dieses Buch nicht, was zunächst daran liegt, dass es sehr viele Details in Bezug auf Aeronautik und Physik enthält, was den Lesefluss gerade eines physikalischen Laien doch erheblich mindert.
Das ist natürlich einfach der Thematik geschuldet, allerdings geht es hier ja primär um die Arbeit und das Leben der vier Frauen – wie bestimmte Flugzeugmodelle aufgebaut sind und was die Schwierigkeiten des transsonischen Bereichs sind, sind meines Erachtens nicht so relevant, dass dies gleich auf mehreren Seiten beschrieben werden muss.

Ähnlich verhält es sich mit den „Anekdoten“ oder Erläuterungen der Autorin zum Umfeld der Protagonistinnen, die sie nahezu immer in die eigentliche Erzählung dazwischenschiebt. Natürlich ist es wichtig zu wissen, was auch außerhalb der Arbeit im NACA um die Frauen herum passiert, insofern ist es nachvollziehbar, dass diese Einschübe ihren Platz im Buch haben.
Allerdings sind sie dermaßen mit Details gespickt, die nicht immer relevant sind und das Buch daher nicht bereichern, dass es das Lesen zunehmend schwieriger macht. Es fiel mir oft schwer, den Faden beizubehalten, sodass ich teilweise nach zwei oder drei Absätzen eines solchen Einschubs schon nicht mehr wusste, was das eigentliche Thema war und worauf die Autorin hinauswollte. Sie driftet unheimlich schnell in ihren Erzählungen ab und verliert dadurch unterwegs den Leser.

Dies führt zum einen leider dazu, dass man nicht lange am Stück in Im Kernschatten des Mondes lesen kann und gezwungen ist, das Buch zwischendurch auf Seite zu legen.
Gleichzeitig hat ihre sehr sachliche, aber dadurch auch emotions- und farblose Darstellung und die Liebe zu vielen Details zur Folge, dass Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden kein Leben eingehaucht wird. Ich hatte echt meine Schwierigkeiten, die vier Frauen auseinanderzuhalten, wobei ich jetzt im Nachhinein zu Dorothy Vaughan und Katherine Johnson immerhin ein bisschen was sagen könnte; über Mary Jackson und Christine Darden habe ich leider nichts behalten. Das ist wirklich schade, da sie alle sicherlich sehr beeindruckende Persönlichkeiten sind!

Fazit:
Im Kernschatten des Mondes ist ein wahnsinnig wichtiger Wissensfundus, der den Leser über das Leben Schwarzer, insbesondere schwarzer Frauen in den 40er- bis 70er-Jahren und ihren Beitrag zu (amerikanischen) Geschichte aufklärt. Gleichzeitig bewegt es einen dazu, Rückschlüsse auf die Gegenwart zu schließen und es fällt auf, dass sich leider sehr wenig geändert hat.
Man fragt sich nicht nur, wie – auch heutzutage und nicht nur in den USA – eine vermeintlich zivilisierte Gesellschaft von sich behaupten kann, Demokratie und Gleichberechtigung zu schützen und zu leben, während zur selben Zeit Teile dieser Gesellschaft wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden und diese Werte nicht zu spüren bekommt.
Außerdem fragt man sich auch die ganze Zeit, wieso einem die Informationen, die Im Kernschatten des Mondes bereithält, nicht in den Köpfen der Allgemeinheit ebenso bekannt ist, wie die Tatsache, dass Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond war. Die Antwort ist klar: Weil wir in einer von Weißen, primär Männern, dominierten und reglementierten Welt leben. Das dürfte auch die Antwort auf die andere Frage sein.
In der Hinsicht ist das Buch von unschätzbaren Wert auch für die eigene Auseinandersetzung mit Rassismus.
Leider muss man auch erkennen, dass Margot Lee Shetterly hier keine schriftstellerische Glanzleistung hingelegt hat. Ihren Erzählungen ist durch seitenlange Erläuterungen, viele Einwürfe und teils unnötige Details gerade im Hinblick auf die physikalischen Aspekte nur sehr schwer zu folgen. Zudem fehlt es der Darstellung von Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden an Emotionalität und Farbe, sodass sie kaum auseinanderzuhalten sind.
Dadurch kann man von dem eigentlichen Wert des Buches nicht mehr viel mitnehmen.
Deshalb kann ich Im Kernschatten des Mondes: Die unbekannten Heldinnen der NASA auch nur 2,5/5 Lesehasen geben, obwohl es allein für den Inhalt 5/5 Lesehasen verdient hätte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere