Profilbild von SofiaMa

SofiaMa

Lesejury Profi
offline

SofiaMa ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SofiaMa über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2021

Adventskalender zum Augenrollen

Take A Chance On Me. Adventskalender zum Verlieben
1

Aufmachung:
Ich bin bekanntlich nicht der größte Fan von riesigen Gesichtern auf dem Cover, und das hier stellt da leider keine Ausnahme dar. Vor allem diese unnatürlich blauen Augen finde ich etwas irritierend…
Allerdings ...

Aufmachung:
Ich bin bekanntlich nicht der größte Fan von riesigen Gesichtern auf dem Cover, und das hier stellt da leider keine Ausnahme dar. Vor allem diese unnatürlich blauen Augen finde ich etwas irritierend…
Allerdings muss ich sagen, dass der Mensch meine Vorstellung von Alex tatsächlich sehr gut trifft. Auch gefällt mir die Farbgebung insgesamt, die ins Bläulich-Weiße, also Winterliche geht, sehr gut.
Den Titel Take a Chance on Me finde ich jetzt nicht so besonders – wieso muss im Deutschen immer ein englischer Titel gewählt werden? –, aber inhaltlich trifft er zu.

Meine Meinung:
Der Untertitel Adventskalender zum Verlieben legt bereits nahe, dass es sich bei diesem Buch um ein Adventskalenderbuch, also eines mit 24 Kapiteln, handelt. Die einzelnen Kapitel sind alle jeweils sehr kurzgehalten, sodass man sie durchaus gut in seinen Alltag als Adventskalendertürchen einfügen kann. Das hat mir gut gefallen!

Der Anfang war dabei schon sehr vielversprechend: Der Tag endete jeweils mit einem großen Cliffhanger, sodass ich es zunächst kaum abwarten konnte, das nächste „Türchen“ zu öffnen.
Man lernt Alex kennen, der von seiner besten Freundin quasi genötigt wird, an ihrem Programm teilzunehmen – ein Algorithmus, der anhand einiger Fragen den perfekten Partner unter den Teilnehmern herausfindet.
Die Idee, dass Alex ein anderer Mann zugeordnet wird, was er gar nicht verstehen kann, fand ich ganz interessant. Witzige Situationen sind da ja vorprogrammiert! Gerne auch mit etwas Kitsch und einigen Klischees, denn welche Zeit ist passender für solche Geschichten als die (Vor-) Weihnachtszeit?

Tja, diese Erwartung wurde dann relativ schnell enttäuscht, als Alex das erste Mal auf Cash trifft. Alex wurde mir da zunehmend unsympathischer – es ist kaum zu fassen, wie blind er für die offensichtlichsten Dinge ist! Hinzu kommt, dass er anscheinend überhaupt nicht fähig ist, anständig mit Cash zu kommunizieren. Die größten Probleme (oder eigentlich alle) hätten vermieden werden können, wenn sich die beiden Protagonisten mal miteinander unterhalten und einander auch zugehört hätten. Das finde ich immer besonders ärgerlich und nervig.
Anfangs mögen die Aufgaben also noch ganz unterhaltsam und süß sein, aber je länger das geht, desto anstrengender wird die ganze Geschichte.
Man hat das Gefühl, Alex geht die ganze Zeit einen Schritt vorwärts, aber im nächsten Moment wieder drei zurück, weil er einfach nicht in der Lage ist, den Mund aufzumachen. Dadurch macht das Buch, das anfangs noch so gut unterhält, spätestens ab der Hälfte kaum noch Spaß.

Hinzu kommt schließlich noch der Schreibstil, über den ich zu Beginn noch hinwegsehen konnte, der mich aber zunehmend gestört hat. Man hat beim Lesen nicht das Gefühl, dass Frau Heinzmann ihr Geschriebenes noch einmal überarbeitet hat; der Text war zwar weitestgehend fehlerfrei, aber das Geschriebene wirkte trotzdem unausgereift und wie ein erster Entwurf. Ich weiß nicht so recht, wie ich das alles erklären soll…
Kennt ihr das, wenn ein Autor nur wenige Worte braucht, um einen mit seiner Geschichte zu fesseln, weil man gar nicht mehr merkt, dass man liest? Genau das fehlt hier. Man ist sich stets bewusst, dass man ein Buch in der Hand hält, und kann dementsprechend schlecht in der Geschichte abtauchen.


Fazit:
Der Anfang von Take a Chance on Me – Adventskalender zum Verlieben ist wirklich vielversprechend, man kann es die ersten Tage kaum abwarten, das nächste „Türchen“ zu öffnen. Die Einführung in das Buch lässt auf eine lustige, kitschige, herzerwärmende Geschichte hoffen.
Je weiter die Handlung jedoch fortläuft, desto mehr verliert man das Interesse. Alex‘ Blindheit für alles Offensichtliche wird immer anstrengender und der Schreibstil immer störender, bis man am Ende nur noch froh ist, dass es vorbei ist.
2/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2020

Gladiatorinnen und Königinnen: Ein starker Auftakt

Kill the Queen
1

Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
So ein cooles Cover! Mir gefällt ...

Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
So ein cooles Cover! Mir gefällt vor allem die schlichte Farbgebung. Gut ist auch, dass die Frau auf dem Cover nur in Umrissen zu sehen ist. Sehr spannend sind die Details in dem Kleid und die Federn neben der Frau – beides mit Bezug zum Inhalt.
Auch der Titel ist toll gewählt. Wenn man den Klappentext liest, ist der Bezug offensichtlich. Wenn man den Inhalt kennt, fällt einem sogar die doppelte Bedeutung auf!

Meine Meinung:
Kill the Queen ist mein erstes Buch der Autorin, aber weil ich schon so viel Positives über ihre Reihen gehört habe, waren meine Erwartungen natürlich entsprechend. 😉
Schon auf den ersten paar Seiten wird klar, wieso Frau Estep so hoch gelobt wird. Denn auch wenn erstmal nicht besonders viel passiert, lässt einen der grandiose, bildhafte Schreibstil der Fantasy-Autorin nicht mehr los.

Der Einstieg ist also relativ ruhig. Man lernt erst mal alles grob kennen und erfährt, wie der Hase in Bellona so läuft. Dann dauert es jedoch nicht lange, bis die Autorin das Tempo etwas anzieht und schon die ersten Dinge passieren, die den Leser sehr überraschen. Wenn man also anfangs schon unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, dann lässt einen Kill the Queen jetzt erst recht nicht mehr los.

Es kommen schnell viele Fragen auf, zum Beispiel, was es mit Evies Gabe auf sich hat, welches Geheimnis die Königin seit ihrer Vergangenheit hütet und was Lucas und die anderen Gladiatoren verbergen.
Zwar bekommt häppchenweise Antworten zugeworfen, die werfen dann jedoch nur neue Fragen auf.
Man hat als Leser nicht wirklich eine Ahnung, was da passiert und will deshalb unbedingt weiterlesen. Die Autorin versteht sich darauf, einem gerade so viel zu verraten, dass man nicht wahnsinnig wird, aber nicht so viel, dass man schon erschließen kann, was als nächstes geschieht oder gar das Interesse verliert. Das bleibt bis zum Ende so, das dann aber übrigens echt fies ist. ☹

Zu den unvorhersehbaren Plottwist gesellt sich dann auch noch eine neue, spannende Idee: Gladiatoren! Ich habe schon einige Geschichten gelesen, in denen Könige und Königinnen gestürzt werden sollen, aber über Gladiatoren habe ich außer im Lateinunterricht noch nicht viel gelesen. :D
Die Umsetzung des Ganzen in Kill the Queen macht aus einem weiteren High Fantasy-Buch eine blutige, gefährliche Geschichte. Sie ist absolut gelungen und macht das Buch zu einem Pageturner.

Hinzu kommen die tollen Charaktere, allen voran Everleigh und Lucas.
Evie ist eine coole Protagonistin, die anders als so viele andere YA-Protagonisten erst einmal lernen muss, für sich selbst einzustehen. Während sie anfangs bedingt durch ihr Leben bei Hofe ihre wahren Gefühle versteckt, wird sie durch die Ereignisse gezwungen, aus sich herauszukommen und Situationen, die ihr nicht gefallen, zu konfrontieren. Man erlebt als Leser mit, wie sie an ihren Aufgaben wächst, ohne sich selbst zu verlieren. Gleichzeitig sieht man auch, wie sie immer wieder scheitert oder Fehler macht. Dass sie sich davon nicht unterkriegen lässt, macht sie zu einer starken, sympathischen und vor allem menschlichen Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann.

Lucas ist vor allem anfangs noch sehr geheimnisvoll und nebulös. Man ahnt, dass er eine dunkle Vergangenheit hat, kann aber trotzdem nicht einschätzen, auf welcher Seite er steht. Gerade diese Undurchsichtigkeit macht ihn zu einer spannenden Figur. Gleichzeitig ist er – anders als so viele andere männliche Love Interests in Romantasy-Geschichten – dazu fähig, Evie (und anderen) gegenüber auch echte Gefühle zu zeigen. Nach und nach erfährt man mehr über ihn, und er entpuppt sich als vielschichtiger Charakter, der einiges mehr draufhat, als es zunächst den Anschein hat.
Ich freue mich darauf, in Protect the Prince mehr über ihn zu erfahren.


Fazit:
Kill the Queen ist ein Wahnsinnsauftakt zu einer spannenden neuen Fantasy-Reihe, die mit unvorhersehbaren Plottwists, vielseitigen Charakteren und originellen Ideen punktet.
Typische „Auftaktkrankheiten“ wie ein langwieriger Einstieg oder unausgereifte Figuren sucht man hier vergebens.
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2020

Timehopping ohne Probleme

Beastmode 2: Gegen die Zeit
1

Vielen lieben Dank an NetGalley und den Planet!-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Die Cover sind absolut genial! ...

Vielen lieben Dank an NetGalley und den Planet!-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Die Cover sind absolut genial! Ich liebe es ja, wenn die einzelnen Teile einer Reihe auch im Aussehen zueinander passen und die Cover von Beastmode sind da ein Paradebeispiel.
Dazu kommt, dass sie auch wunderbar zum Inhalt passen: Die Gesichter, halb Mensch, halb Maschine, sehen in etwa so aus, wie ich mir Jenny vorgestellt habe. Wer die Bücher kennt, weiß, wie relevant sie für die Geschichte ist. 😉

Meine Meinung:
An Es Beginnt fand ich besonders schade, dass weder die Protagonisten noch der Plot sich mich in irgendeiner Weise überraschen konnten, obwohl die Idee dahinter wirklich genial ist – zumal Zeitreisegeschichten sehr tricky sind, da sich schnell Logikfehler einschleichen können!
Leider muss ich schon direkt zum Anfang der Rezension sagen, dass Gegen die Zeit sich gegenüber seinem Vorgänger in den Punkten leider nicht verbessert hat.

Positiv bleibt nach wie vor, dass es dem Autor wirklich gut gelungen ist, ein Zeitreiseproblem zu konstruieren, das in sich schlüssig und logisch ist und am Ende kaum Fragen offenlässt. Gerade in Geschichten mit Zeitreisen ist das keine Selbstverständlichkeit.
Um so trauriger fand ich es, dass mich die Handlung an sich so gut wie gar nicht mitreißen konnte.
Es passiert zwar einiges; die Plotdichte ist hoch und hätte durchaus Potenzial zum Pageturner. Allerdings bleibt die Handlung die meiste Zeit sehr vorhersehbar, was vor allem daran liegt, dass für die fünf Protagonisten keine Aufgabe eine wirkliche Herausforderung zu sein scheint.
Sie reisen von einem Ort zum anderen und lösen jedes Problem mit links, ohne dass sie mal wirklich länger als gefühlt fünf Minuten daran arbeiten müssen. Natürlich gibt es auch das eine oder andere „Hindernis“, aber selbst die sind in Nullkommanichts überwunden.
So bekommt die Geschichte natürlich kaum die Chance, den Leser richtig zu packen. Man macht sich keine Sorgen um die Protagonisten, da man weiß, dass sie innerhalb weniger Minuten ja schon ohne große Verluste weitermachen können.

Man „fliegt“ also regelrecht durch die Handlung, was aber nicht an der Spannung liegt, sondern vielmehr daran, dass sich Gegen die Zeit anfühlt, wie eine Zusammenfassung einer größeren Geschichte. Auch die Auflösung am Ende ist keine große Überraschung und nichts, was einen „vom Hocker haut“. Es gibt eben keine Spannung, die sich im großen Finale am Ende hätte entladen können.
Ich hätte mir hier gewünscht, dass der Autor an manchen Stellen etwas mehr in die Tiefe geht und die Protagonisten auch mal vor das eine oder andere größere Problem stellt, an dem sie vielleicht auch mal scheitern. Dann hätte mich die Geschichte vielleicht auch mehr packen können und es wäre nicht alles so vorhersehbar gewesen.

Ähnliches gilt auch für die Protagonisten. Ich hatte in meiner Rezension zum Vorgängerband schon kritisiert, dass alle fünf Charaktere auf mich sehr farblos wirkten. Das hat sich in Gegen die Zeit leider nicht geändert. Weiterhin zeichnet sich keiner von ihnen durch irgendetwas aus, das sie von anderen Jugendbuch-Protagonisten abhebt; vielmehr bleiben sie alle in ihrer Schublade, ohne mich groß zu überraschen. Zwar erfährt man hier einiges mehr über sie, vor allem über Jenny, aber trotzdem hatte ich den Eindruck, dass es hier kaum Entwicklung gab. Dadurch hatte ich so meine Schwierigkeiten, Beziehungen zu den Protagonisten aufzubauen.

Fazit:
Beastmode hätte also durchaus Potenzial gehabt, eine großartige Zeitreisegeschichte zu werden.
Dafür fehlt es der Dilogie jedoch hauptsächlich an Tiefe. Die fünf Protagonisten hüpfen von einem Problem zum anderen, ohne das diese für sie tatsächliche Herausforderungen darstellen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie trotz ihrer Fähigkeiten auch mal an ihre Grenzen kommen und eventuell sogar versagen, oder sich zumindest nicht so schnell erholen und weitermachen können. Dem ist jedoch nicht so und die Handlung wird nicht nur vorhersehbar, es kommt auch leider keine Spannung auf. Das wird nur noch einmal verstärkt durch die Farblosigkeit der Hauptcharaktere, die sich kaum durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen.
Die Dilogie ist also vielleicht ganz nett für zwischendurch – dafür kann man sie wirklich flott lesen! –, wer jedoch ein Zeitreiseepos sucht, wird hier eher enttäuscht.
2/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2020

Von Voodoo und Revolution

LOA
1

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir richtig gut. Die ganze Covergestaltung erinnert vom Aussehen an Zeichnungen aus dem Voodoo-Bereich – es passt also hervorragend zum Inhalt. Gleichzeitig wird ihm durch ...

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir richtig gut. Die ganze Covergestaltung erinnert vom Aussehen an Zeichnungen aus dem Voodoo-Bereich – es passt also hervorragend zum Inhalt. Gleichzeitig wird ihm durch die Farbgebung und das Spiel von Licht und Schatten etwas Geheimnisvolles verliehen. Das Cover ist ein Hingucker und macht neugierig auf mehr.
Der Titel Die Weiße Mambo passt ebenfalls. Man hat diese Begriffe zumindest mal vorher gehört, allerdings konnte ich mir nicht so richtig etwas darunter vorstellen. Das hat sich beim Lesen dann auch ergeben. 😉

Meine Meinung:
Hmmm… Joa, ehrlich gesagt tue ich mich etwas schwer damit, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Es ist keinesfalls so, dass mir LOA nicht gefallen hat. Allerdings hat es mich auch nicht wirklich umgehauen und ehrlicherweise bin ich auch froh, dass ich das Buch beendet habe. Wirkliche sachliche Gründe dafür gibt es jedoch nicht, es ist vielmehr einfach so ein Gefühl. Deshalb habe ich lange überlegt, was ich in diese Rezension schreiben könnte…

LOA erzählt in zwei verschiedenen Zeitlinien, die Kapitel sind abwechselnd aus Zoés und Mokabis Sicht geschrieben. Dabei ist mir positiv aufgefallen, dass Meineke die Cuts so gesetzt hat, dass sie beim Lesen nicht stören und auch die Spannung nicht beeinträchtigen, sondern im Gegenteil sogar steigern. Oft hat man es ja bei unterschiedlichen Perspektiven oder Zeitlinien, dass durch einen abrupten Wechsel die Spannung unterbrochen wird. Das ist hier eben nicht der Fall.

Allerdings muss ich im gleichen Atemzug auch betonen, dass es auch gar nicht viel Spannung gab, die man hätte unterbrechen können. Die meiste Zeit ist leider nicht besonders viel passiert, das gilt vor allem für Zoés Handlungsstrang. Das Buch zeichnet sich eher durch viele Dialoge und Erklärungen aus und verhältnismäßig wenig Handlung.
Dadurch bleibt die Spannungskurve, wie gesagt, durchgehend im unteren Bereich, wodurch sich die 408 Seiten sehr in die Länge ziehen. Obwohl ich die Thematik des Buches grundsätzlich interessant fand und die Handlung die meiste Zeit auch so gut wie gar nicht vorhersehbar war, hatte ich beim Lesen nicht dieses Gefühl, dass ich mich nicht mehr vom Buch lösen konnte und unbedingt weiterlesen musste.
Erst zum Ende hin wird kommt einiges an Spannung auf, die dann auch in einem guten Cliffhanger endet. Ob das ausreichend ist, dass ich dem Erscheinungstermin des Folgebandes herbeisehne, kann ich jetzt noch nicht wirklich sagen, da noch keiner veröffentlicht wurde. Aktuell würde ich sagen, dass mich der Fortgang von Zoés Geschichte nicht allzu sehr reizt, aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja, sobald mehr von Band zwei bekannt wird.

Sehr gut hingegen hat mir gefallen, dass die Charaktere allesamt sehr gut ausgereift und dadurch ohne Ausnahme vielschichte Figuren sind. Selbst die Nebenfiguren sind etwas Besonderes, das man nicht so ohne Weiteres in irgendeine Schublade stecken kann; auch vom Schreibstil her kann man sie so gut voneinander unterscheiden kann, dass keine Nennung von Namen notwendig ist, um zu wissen, um wen es gerade geht. Ähnliches ist auf die unterschiedlichen Zeitlinien übertragbar: Die Autorin hat ihren Schreib- und Sprechstil auf die Gepflogenheiten der jeweiligen Zeit angepasst. Selbst wenn es also keine Hinweise in den Kapitelüberschriften gegeben hätte und keine Namen genannt worden wären, hätte man allein anhand des Schreibstils gut erkennen können, zu welcher Zeit die Erzählung gerade stattfindet.

Trotz allem muss ich auch hier leider sagen, dass mir weder Zoé noch Mokabi großartig ans Herz wachsen konnten.
Mokabi weist zwar unter allen Figuren die stärkste Charakterentwicklung auf, dennoch fand ich ihn durchgehend unsympathisch. Das hat nicht mal unbedingt einen greifbaren Grund, ich konnte mit ihm einfach nicht warmwerden.
Zoé trifft in meinen Augen viel zu oft (selbst für ihre noch jungen 16 Jahre) sehr kindische, unüberlegte Entscheidungen, was beim Lesen irgendwann anstrengend wird. Ihre stark ausgeprägte Naivität macht das Ganze leider nicht viel besser.
Gerade was meine Empfindungen gegenüber beiden Protagonisten angeht, kann ich der Autorin trotzdem nichts vorwerfen. Sie hat bei der Charakterisierung, wie gesagt, auf jeden Fall alles richtig gemacht. Dass ich weder mit Zoé noch mit Mokabi eine richtige Bindung aufbauen konnte, ist sehr subjektiv.

Am allerbesten hat mir an LOA gefallen, dass man merkt, wie intensiv die Autorin an allem recherchiert hat. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich, dass Voodoo als Glaubensrichtung existiert, viel mehr war mir darüber jedoch nicht bewusst. Meineke bringt einem in diesem Buch die Grundzüge des Voodoo-Glaubens näher; kompliziertere Sachverhalte erklärt sie sehr gut verständlich, was davon zeugt, dass sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt und sie verstanden hat. Auch über die haitianische Revolution von 1791, von der ich ehrlicherweise vorher noch nie etwas gehört hatte, lernt man hier einiges. Bemerkenswert dabei ist, dass die Autorin sogar echte historische Figuren in ihre Erzählung mit eingebaut ist, über die man in dem Glossar hinten etwas mehr erfährt. Damit habe ich bei dem Buch gar nicht gerechnet; diesbezüglich wurde ich also positiv überrascht.

Fazit:
Die Weiße Mambo ist ein solider Auftakt, bei dem es durch das sehr langsame Erzähltempo allerdings bis zum Ende dauert, dass sich etwas Spannung aufbaut. Das führt dazu, dass sich die gut 400 Seiten sehr zäh anfühlen und man trotz wirklich interessanten Inhalts nicht das Bedürfnis verspürt, unbedingt weiterlesen zu müssen. Die Figuren, insbesondere die Protagonisten, sind allesamt außerordentlich gut ausgereift. Trotzdem konnte ich mit den Figuren nicht so richtig warmwerden, was jedoch einfach auf subjektiven Empfindungen berührt und nichts ist, was man der Autorin vorwerfen kann.
Besonders positiv fällt die intensive Recherche der Autorin hinsichtlich des Voodoos, aber auch der haitianischen Revolution auf. Obwohl es sich hierbei um ein (weitgehend) fiktives Werk ist, kann man also beim Lesen einiges lernen! 😊
3,5/ 5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2020

Ein Querschnitt der letzten zehn Jahre

Gefolgt von niemandem, dem du folgst
1

Aufmachung:
Dieses Buch ist etwas anderes: Es ist eine Zusammenstellung der Tweets von Jan Böhmermann von 2009 bis Anfang 2020. Daher war ich erst etwas skeptisch, als ich den stolzen Preis des Buches ...

Aufmachung:
Dieses Buch ist etwas anderes: Es ist eine Zusammenstellung der Tweets von Jan Böhmermann von 2009 bis Anfang 2020. Daher war ich erst etwas skeptisch, als ich den stolzen Preis des Buches von 22,00 € gesehen habe. Mein Gedanke: So teuer müssen Tweets doch nicht sein!
Aber: Das Buch ist das Geld wirklich wert! Es ist sehr aufwendig verarbeitet, der Einband ist fest und „rau“ (?),im Titel und auf dem Buchrücken sind silberne Details, was das Cover trotz seiner Schlichtheit edel aussehen lässt. Innen ist das Buch teilweise farbig gedruckt und das beste: Es hat ein Lesebändchen! Diese Tweets dürfen also mit Fug und Recht 22,00 € kosten.

Meine Meinung:
Gefolgt von niemandem, dem du folgst ist, wie gesagt, ein ungewöhnliches Buch, das auch ein wenig schwierig zu bewerten ist. Als ich mich jetzt für diese Rezension hingesetzt habe, habe ich das Buch angeschaut und mich gefragt: Wie soll ich Tweets rezensieren?
Das Buch ist allerdings nicht bloß eine Aneinanderreihung von einigen Tweets, sondern vielmehr durchaus das, was es im Titel verspricht: Ein Tagebuch.
Es ist nicht „spannend“ im herkömmlichen Sinne, wie die Romane, die ich sonst lese, aber dennoch hat es mich gefesselt.
Gefolgt von niemandem, dem du folgst beginnt 2009. Da habe ich in der Politik noch nicht allzu viel mitbekommen, ich war ja erst 9 bzw. 10 Jahre alt. Dank der Erklärungsspalten am Rand, in denen man nähere Infos zu erwähnten Personen erhält oder Ereignisse erläutert werden, konnte ich die meisten von Böhmermanns Tweets jedoch gut nachvollziehen. An einiges, das ich damals aufgeschnappt hatte, konnte ich mich sogar noch erinnern. Da war ich dann ganz erstaunt, dass das doch schon so lange her ist! Ich bin erst 21, aber ich merke, ich werde alt.
Man erhält also eine gute Zusammenfassung der Dinge, die in den letzten zehn Jahren passiert sind, und die man teilweise gar nicht mehr wirklich auf dem Schirm hatte. Dabei erwähnt Böhmermann hin und wieder natürlich den einen oder anderen Politiker oder auch Journalisten, den man auch heute noch regelmäßig in den Nachrichten sieht, und ist manchmal echt erschrocken, was sich so mancher schon geleistet hat, bspw. Äußerungen in Bezug auf die gleichgeschlechtliche Ehe oder Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare ebenso wie rassistische Aussagen. Es ist ja keine Überraschung, dass (gerade die „konservativeren“) Politiker eine verquere und absolut veraltete Ansicht von Ehe und Elternschaft, sowie von vielen anderen Themen, bei denen man sich fragt, ob einige auch schon im 21. Jahrhundert angekommen sind, haben, aber dass so mancher Kommentar immer noch einfach totgeschwiegen wird, frustriert dann doch schon. Oder dass Xavier Naidoo nicht erst während Corona total komisch geworden ist, der war ja schon immer so! Das wusste ich gar nicht. Weil darüber nicht geredet wurde.
Gerade in der Hinsicht dokumentiert Gefolgt von niemandem, dem du folgst das (deutsche) politische und gesellschaftliche Leben hervorragend!
Vor allem ab 2015 wird das Buch sehr spannend – jedenfalls für mich, was aber wohl auch daran liegt, dass ich mit 15 bzw. 16 angefangen habe, mehr Dinge im Leben mitzubekommen, als die Geschichten aus meinem Bücherregal. xD
Ab dort setzt der Autor sich auch verstärkt mit Rassismus und Rechten auseinander; vorher zwar auch schon, aber durch die Fluchtmigration sind ja leider viele Rechte aus ihren braunen Höhlen gekrochen. Das merkt man, und an dem Buch kann man sehr gut den „Rechtsruck“ der Gesellschaft und die Radikalisierung Vieler (auch Politiker) beobachten, sowie bspw. auch die Gründung der AfD und wie sie unheimlich schnell von einer Außenseiterpartei zu einer leider salonfähigen wurde – anhand von Kommentaren und Reaktionen auf Tweets des Autors, die mich echt am Verstand so mancher zweifeln lassen haben. Also die Reaktionen, nicht die Tweets von Böhmermann.
Das traurigste an der ganzen Sache ist, dass man manche Situationen in der Retrospektive natürlich ganz anders beurteilt und erkennt, dass sich in den letzten paar Jahren nichts geändert hat, im Gegenteil. In der Hinsicht regt Gefolgt von niemandem, dem du denkst zum Nachdenken an.
Generell sollte man die Tweets des Autors mit etwas Hirn lesen – Böhmermann ist ein Satiriker und das merkt man auch. Hinter vielen Tweets, die zunächst etwas sinnlos anmuten, steckt viel mehr dahinter.
Auf der anderen Seite ist er natürlich auch ein großer Quatschkopp und fast genauso viele Tweets ergeben einfach wirklich keinen (tieferen) Sinn. Ich habe auch das Gefühl, dass Haribo die Rezeptur für Tropi Frutti verändert hat, die fühlen sich beim Kauen irgendwie matschiger an. Früher waren die außen fester und dafür innen nur matschiger, aber jetzt sind die anders.

Fazit:
Gefolgt von niemandem, dem du folgst ist nicht bloß eine Aneinanderreihung alter Tweets des Satirikers Jan Böhmermann. Es ist einerseits ein sehr unterhaltsames, andererseits aber auch ein absolut politisches Buch, das ein Querschnitt der letzten Dekade darstellt. Der Autor hat über den Kurznachrichtendienst Twitter über die letzten Jahre viele Probleme beim Namen genannt und den Finger ohne Rücksicht auf die Wunde gelegt – das Buch stellt diese Ereignisse zusammen und beim Lesen merkt man: Es hat sich in vielen Dingen leider nicht viel geändert. Nicht nur Politikinteressierten kann ich Gefolgt von niemandem, dem du folgst nahelegen, sondern jedem, dem Demokratie wichtig ist (auch wenn das jetzt polemisch klingt, aber gerade angesichts der rechtsnationalen Entwicklung innerhalb der EU und Deutschlands kann man das nicht anders sagen).
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere