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Veröffentlicht am 24.09.2020

Wichtiger Inhalt, aber mangelhafte Umsetzung

Im Kernschatten des Mondes - Die unbekannten Heldinnen der NASA
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Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Man sieht die Silhouette einer Frau im klassischen 50er-Jahre-Dress, die Winkel einzeichnet und mit mathematischen Gleichungen beschäftigt ist – genau diese ...

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Man sieht die Silhouette einer Frau im klassischen 50er-Jahre-Dress, die Winkel einzeichnet und mit mathematischen Gleichungen beschäftigt ist – genau diese Tätigkeit machte Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden zu so bedeutenden historischen Figuren. Dabei kann die Silhouette für jede der vier Frauen stehen, genauso gut allerdings für alle anderen unbenannten Frauen des NACA, die letztlich zur Mondlandung beigetragen haben. Der Rest des Covers ist sehr schlicht gehalten.
Im Kernschatten des Mondes: Die unbekannten Heldinnen der NASA ist ein ebenso gelungener Titel (wenngleich sehr lang). Ich finde tatsächlich sogar, dass er besser passt als der Originaltitel Hidden Figures, der, wie die Autorin auch in ihrem Nachwort schreibt, es eher so darstellen lässt, als seien die Frauen versteckt worden anstatt einfach nur nicht gebührend beachtet.
Mit der Aufmachung bin ich also sehr zufrieden! 😊

Meine Meinung:
Vorweg: Ich finde es sehr schwierig, eine Rezension über dieses Buch zu schreiben. Man ist hier als Leser gezwungen, das Buch aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu bewerten: einmal in Bezug auf den Inhalt und einmal die Umsetzung der Autorin.
Wenn ich nur den Inhalt bewerten müsste, würde Im Kernschatten des Mondes von mir zweifellos die volle Punktzahl bekommen. Es würde es wahrscheinlich sogar zum Monatshighlight schaffen, wenn nicht sogar zu einem meiner Jahreshighlights!

Denn die Informationen, die das Buch bereithält, sind – gerade in der heutigen Zeit zu BLM, aber auch in der Feminismus-Debatte – unfassbar wichtig und gut. Im Kernschatten des Mondes zeigt nicht nur die wesentliche Arbeit der vier o. g. Frauen beim NACA bzw. später bei der NASA und ihren Beitrag zum Fortschritt in der Flugtechnik und zur Mondlandung auf.
Es beleuchtet auch das ganze „Drumherum“, mit dem sich Schwarze, insbesondere schwarze Frauen während der 40er- bis 70er-Jahre herumschlagen mussten. Man bekommt einen Einblick in die Arbeitswelt und die soziale Situation der schwarzen Frauen zu der Zeit und erhält so eine winzige Vorstellung davon, wie es gewesen sein muss, für die Position, die einem eigentlich zustehen sollte und die (vor allem weiße) Männer wie selbstverständlich bekamen, zu kämpfen, und vor allem auch dafür zu kämpfen, in dieser Position zu bleiben.

Gleichzeitig umschreibt das Buch die Segregation und die Bürgerrechtsbewegung in allen möglichen gesellschaftlichen Situationen. Natürlich schneidet man als Schüler dieses Thema im Englischunterricht an. Aber bevor ich dieses Buch gelesen hatte, war mir gar nicht bewusst, wie riesig meine Wissenslücke in diesem Thema immer noch ist! Es wird nicht ansatzweise alles besprochen und eine richtige Vorstellung, wie weitgreifend die Rassentrennung gewesen ist, kann eigentlich keine weiße Person haben, glaube ich.
So werden beispielsweise die traditionellen Seifenkistenrennen für Kinder angesprochen. Jeder von uns hat das, denke ich, schonmal in amerikanischen Serien oder Filmen mitbekommen. Dass es für schwarze Jungen allerdings praktisch unmöglich gewesen ist, an diesen Rennen teilzunehmen, wird natürlich nicht kommuniziert. Ähnliches gilt für die Bildung. Ich schätze, jeder von uns weiß im Prinzip, dass Segregation auch bedeutete, dass schwarze Kinder nicht dieselbe Schule besuchen durften wie Weiße. Dass der Bildungsweg allerdings nicht bloß beschränkt war, sondern aktiv kurzgehalten wurde, wird in der Schule ebenfalls nicht diskutiert.

Weiterhin beleuchtet das Buch auch gut die Ambivalenz des US-Amerikanischen Verhaltens im Krieg gegen die Achsenmächte und später auch im Kalten Krieg gegen die UdSSR: Wie kann ein Land für sich beanspruchen, die Demokratie und Gleichberechtigung zu bewahren, wenn es Teile seiner eigenen Bevölkerung wie Menschen zweiter Klasse behandelt? Eine Frage, die offensichtlich ist, auf die ich aber weder im Englisch- noch im Geschichtsunterricht aufmerksam gemacht wurde und über die ich ehrlicherweise auch nie nachgedacht habe. Das ist dann wohl ein weiterer Aspekt meiner White Privileges.

Zusammengefasst zeigt Im Kernschatten des Mondes also sehr gut, was es bedeutete Schwarz und insbesondere eine Schwarze Frau in einem von Weißen dominierten und reglementierten Land zu sein.
Vieles davon ist auch aus heutiger Perspektive noch relevant. Nicht selten habe ich darüber nachgedacht, was sich im Vergleich zu damals alles geändert hat, und eigentlich immer bin ich zu dem Schluss gekommen: Nicht wirklich viel. Die Frage, die ich oben schon gestellt habe, kann man immer noch stellen, und zwar nicht nur in Bezug auf die USA!
Im Kernschatten des Mondes ist also unwahrscheinlich wertvoll in der eigenen Auseinandersetzung mit Rassismus, insbesondere im Hinblick darauf, wie fundiert Margot Lee Shetterlys Arbeit ist: Man merkt, dass sie sich mit Zeitzeugen und Angehörigen sowie einer Menge Fachliteratur auseinandergesetzt hat. All ihre Quellen sind übrigens auch im Anhang verzeichnet.

Aber leider bin ich ja immer noch hier, um das Buch als solches zu beurteilen und nicht nur seinen Inhalt. Heißt also, dass ich in meiner Bewertung auch die Umsetzung der Autorin berücksichtigen muss. Da kann man leider nur sagen: Im Kernschatten des Mondes ist schlicht nicht gut geschrieben.
Früh fällt auf, dass man für die gut 350 Seiten (ohne Anhang) länger braucht als für ein gewöhnliches Buch. Das ist in erster Linie nicht verwunderlich, denn es ist ja immer noch ein Sachbuch. Dennoch finde ich, dass auch ein Sachbuch für sich beanspruchen sollte, flüssig lesbar zu sein. Das kann dieses Buch nicht, was zunächst daran liegt, dass es sehr viele Details in Bezug auf Aeronautik und Physik enthält, was den Lesefluss gerade eines physikalischen Laien doch erheblich mindert.
Das ist natürlich einfach der Thematik geschuldet, allerdings geht es hier ja primär um die Arbeit und das Leben der vier Frauen – wie bestimmte Flugzeugmodelle aufgebaut sind und was die Schwierigkeiten des transsonischen Bereichs sind, sind meines Erachtens nicht so relevant, dass dies gleich auf mehreren Seiten beschrieben werden muss.

Ähnlich verhält es sich mit den „Anekdoten“ oder Erläuterungen der Autorin zum Umfeld der Protagonistinnen, die sie nahezu immer in die eigentliche Erzählung dazwischenschiebt. Natürlich ist es wichtig zu wissen, was auch außerhalb der Arbeit im NACA um die Frauen herum passiert, insofern ist es nachvollziehbar, dass diese Einschübe ihren Platz im Buch haben.
Allerdings sind sie dermaßen mit Details gespickt, die nicht immer relevant sind und das Buch daher nicht bereichern, dass es das Lesen zunehmend schwieriger macht. Es fiel mir oft schwer, den Faden beizubehalten, sodass ich teilweise nach zwei oder drei Absätzen eines solchen Einschubs schon nicht mehr wusste, was das eigentliche Thema war und worauf die Autorin hinauswollte. Sie driftet unheimlich schnell in ihren Erzählungen ab und verliert dadurch unterwegs den Leser.

Dies führt zum einen leider dazu, dass man nicht lange am Stück in Im Kernschatten des Mondes lesen kann und gezwungen ist, das Buch zwischendurch auf Seite zu legen.
Gleichzeitig hat ihre sehr sachliche, aber dadurch auch emotions- und farblose Darstellung und die Liebe zu vielen Details zur Folge, dass Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden kein Leben eingehaucht wird. Ich hatte echt meine Schwierigkeiten, die vier Frauen auseinanderzuhalten, wobei ich jetzt im Nachhinein zu Dorothy Vaughan und Katherine Johnson immerhin ein bisschen was sagen könnte; über Mary Jackson und Christine Darden habe ich leider nichts behalten. Das ist wirklich schade, da sie alle sicherlich sehr beeindruckende Persönlichkeiten sind!

Fazit:
Im Kernschatten des Mondes ist ein wahnsinnig wichtiger Wissensfundus, der den Leser über das Leben Schwarzer, insbesondere schwarzer Frauen in den 40er- bis 70er-Jahren und ihren Beitrag zu (amerikanischen) Geschichte aufklärt. Gleichzeitig bewegt es einen dazu, Rückschlüsse auf die Gegenwart zu schließen und es fällt auf, dass sich leider sehr wenig geändert hat.
Man fragt sich nicht nur, wie – auch heutzutage und nicht nur in den USA – eine vermeintlich zivilisierte Gesellschaft von sich behaupten kann, Demokratie und Gleichberechtigung zu schützen und zu leben, während zur selben Zeit Teile dieser Gesellschaft wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden und diese Werte nicht zu spüren bekommt.
Außerdem fragt man sich auch die ganze Zeit, wieso einem die Informationen, die Im Kernschatten des Mondes bereithält, nicht in den Köpfen der Allgemeinheit ebenso bekannt ist, wie die Tatsache, dass Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond war. Die Antwort ist klar: Weil wir in einer von Weißen, primär Männern, dominierten und reglementierten Welt leben. Das dürfte auch die Antwort auf die andere Frage sein.
In der Hinsicht ist das Buch von unschätzbaren Wert auch für die eigene Auseinandersetzung mit Rassismus.
Leider muss man auch erkennen, dass Margot Lee Shetterly hier keine schriftstellerische Glanzleistung hingelegt hat. Ihren Erzählungen ist durch seitenlange Erläuterungen, viele Einwürfe und teils unnötige Details gerade im Hinblick auf die physikalischen Aspekte nur sehr schwer zu folgen. Zudem fehlt es der Darstellung von Dorothy Vaughan, Mary Jackson, Katherine Johnson und Christine Darden an Emotionalität und Farbe, sodass sie kaum auseinanderzuhalten sind.
Dadurch kann man von dem eigentlichen Wert des Buches nicht mehr viel mitnehmen.
Deshalb kann ich Im Kernschatten des Mondes: Die unbekannten Heldinnen der NASA auch nur 2,5/5 Lesehasen geben, obwohl es allein für den Inhalt 5/5 Lesehasen verdient hätte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2021

Eine Fortsetzung, die die Sogwirkung der Reihe noch verstärkt!

Night Rebel 2 - Biss der Leidenschaft
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Vielen lieben Dank an den blanvalet-Verlag und das Penguin Random House Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!
Meine Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Ich ...

Vielen lieben Dank an den blanvalet-Verlag und das Penguin Random House Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!
Meine Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Ich muss sagen, dass ich auf diese Reihe nur über die Cover aufmerksam geworden bin. Der Klappentext alleine hätte mich nicht neugierig genug gemacht, dass ich das Buch gelesen hätte, aber die Cover sind so wunderschön gestaltet, dass ich die Bücher unbedingt in meinem Regal stehen haben musste!
Mir gefällt es vor allem sehr gut, dass sie sich einzeln auf den ersten Blick nur durch die Farbe unterscheiden, die aber auch alle super zusammenpassen. Auf dem zweiten Blick fällt dann auf, dass auch minimale Unterschiede in den Details zu finden sind, wie bspw. unterschiedliche Blumen. Das gefällt mir sehr gut!

Meine Meinung:
Wow, also ich kann jetzt schonmal vorweg sagen, dass diese Rezension inhaltlich nicht besonders anspruchsvoll wird, weil ich wirklich gar nichts an dem Buch auszusetzen habe und eigentlich nur eine Lobeshymne singen könnte.
Teil 1 der Reihe war die Überraschung des Monats und nach dem Cliffhanger war ich sehr froh, dass ich Band 2 direkt im Anschluss lesen konnte!

Biss der Leidenschaft setzt nämlich direkt dort an, wo Kuss der Dunkelheit endet: Ian lebt wieder und versucht, Veritas zu finden. Dabei denkt sie weiterhin, er könne sich nicht an sie erinnern, aber wie man im Epilog vom Auftakt schon erfahren hat, weiß er sehr wohl noch, dass es sie gibt und dass sie ihm wichtig ist.
Für den Leser ist das natürlich sehr tragisch. Die beiden haben zusammen eine unfassbar einnehmende Chemie, sodass man logischerweise will, dass sie wieder zueinander finden. Alleine deshalb kann man sich schon von Anfang an nicht von dem Buch lösen, und das bleibt auch bis zum Ende so.

Ian hat man allerdings in Kuss der Dunkelheit schon als jemanden kennengelernt, der weiß, was er will und dafür sorgt, dass er es auch bekommt. Logisch, dass er also auch in Bezug auf Veritas nicht aufgibt, sich an ihre Fersen heftet und ihr dadurch wieder gehörig auf die Nerven geht. Das nimmt der ganzen Situation etwas Tragik und verleiht ihr Humor, allerdings ohne, dass es albern wird, gleichzeitig spürt man praktisch die Anziehungskraft der beiden Protagonisten zueinander.
Die Autorin findet auch in diesem Teil wieder die perfekte Balance zwischen Gefühl, Humor und Spannung. Das ist das, was Night Rebel zu einem Pageturner schlechthin macht!

Auch hinsichtlich des Plots ist Biss der Leidenschaft eine großartige Steigerung zu Kuss der Dunkelheit. Zwar gibt es zwischendurch auch mal ruhigere Szenen mit viel Dialogen, die aber nicht weniger fesseln als bspw. die Kampfszenen. Allerdings streut Frost hier und da Plottwists ein, mit denen man so nicht rechnet und die die Spannung oben halten. Man hat stets eine Erwartung, was als nächstes passiert, aber wird doch immer wieder aufs Neue überrascht.
An dieser Reihe gefällt mir besonders gut, dass sich die Bedrohung durch Dagon so real anfühlt. Oft hat man es ja in Büchern, dass der Weg bis zum finalen Kampf für die Protagonisten sehr schwierig ist, aber ein Sieg ist ihnen am Ende dann doch sicher. Dagon dagegen scheint immer einen Ausweg zu finden, mit dem man nicht rechnet, sodass man sich gar nicht mehr so sicher ist, ob Ian und Veritas ihn am Ende besiegen können. Beim Lesen begleitet einen die ständige Angst, dass er die Protagonisten wieder einmal überlisten könnte, und auch das hält das Spannungsniveau oben.

Aber auch die Tatsache, dass man Ian und Veritas abkauft, Jahrhunderte bzw. Jahrtausende alte Vampire zu sein, weil sie sich auch entsprechend verhalten, hat mir hier gut gefallen. Ich lese mittlerweile eigentlich gar nicht mehr so gerne Vampirromane, weil sie in meinen Augen irgendwann alle gleich geworden sind. Alter Vampir trifft auf Menschen und sie verlieben sich und er ist ja doch gar nicht so böse? Langweilig.
Ian und Veritas dagegen sind beides alte Vampire, die schon viel erlebt haben, dementsprechend selbstbewusst sind und sich in keiner Situation zurückhalten müssen. Logisch, dass es dann auch einige explizite Sexszenen gibt.
Den einen oder anderen mag das beim Lesen vielleicht stören, ich fand es sehr passend und auch gar nicht geschmacklos oder so. Auch wenn Veritas und Ian doch relativ viel Sex haben, geht es bei den beiden nicht nur darum. Sie zeigen genauso gut, dass sie auch gefühlvoll oder ernst miteinander umgehen können, und vor allem, dass sie sich gegenseitig respektieren und eine gleichberechtigte Beziehung führen, in der mal der eine, mal der andere die Oberhand hat.
Vor allem Ian hat mir hier sehr gut gefallen! Er ist so supportive seiner „Frau“ gegenüber, egal was Veritas macht, er liebt es und er liebt sie. I love it! :D
Auch in diesem Aspekt zeigt die Autorin also, dass sie ein Händchen für eine gute Balance hat.


Fazit:
Von Band 1 konnte ich mich schon kaum lösen, aber Biss der Leidenschaft MUSSTE ich regelrecht in einem Rutsch durchlesen. Night Rebel entfaltet eine unglaubliche Sogwirkung, die sich mit der Fortsetzung nur gesteigert hat.
Ian und Veritas sind tolle Protagonisten, die einem sofort ans Herz wachsen, und bei deren Beziehung man mit allem, was man hat, mitfiebert.
Jeaniene Frost beweist auch in diesem Teil, dass sie es versteht, die perfekte Balance zwischen Gefühl, Humor und Spannung zu finden, und schafft mit Night Rebel einen Pageturner, den man nicht so schnell wieder aus der Hand legen kann. Ich freue mich auf den Abschluss!
5/5 Lesehasen.


„Du solltest dich eher darüber aufregen, dass ich in einer Welt gelebt habe, die mich gezwungen hat zu verbergen, was ich bin“, erwiderte ich. „Ich bin anders, aber das heißt nicht, dass ich falsch bin. Niemand ist falsch. Was falsch ist, sind Gesetze, die Leute wie mich dazu zwingen, ihre wahre Natur zu verbergen, nur weil andere zu engstirnig oder zu ängstlich sind, um uns in Frieden zu lassen.“ (S. 364)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2021

Eine Lieblingsreihe findet ein gelungenes Ende!

Die Meisterin: Alte Feinde
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Vielen lieben Dank an den Knaur Fantasy-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Meine Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Auch das Cover dieses Teils sieht ...

Vielen lieben Dank an den Knaur Fantasy-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Meine Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Auch das Cover dieses Teils sieht auf dem ersten Blick genauso aus, wie die Cover der Vorgängerbände. In den Details erkennt man jedoch den Bezug zum Inhalt, wie hier sehr prägnant die Phiole mit der roten Flüssigkeit um das Heilersymbol und einen Friedhof im Hintergrund rechts. Beides spielt in Alte Feinde eine sehr große Rolle. Diese Liebe zum Detail machen die Cover der Reihe für mich zu etwas Besonderem, auch wenn ich sie auf dem ersten Blick nicht als schön bezeichnen würde (wegen der Menschen). :D
Die Aufmachung der Reihe gefällt mir also insgesamt sehr gut.

Meine Meinung:
Och Mensch, ich bin ja echt etwas traurig. ☹
Schon Der Beginn hat sich angefühlt wie der Auftakt zu einer Lieblingsreihe, in Spiegel & Schatten hat sich dieses Gefühl bestätigt. Jetzt nach Alte Feinde kann ich sagen: Die Meisterin hat einen ganz besonderen Platz in meinem Regal verdient!
Ich werde in dieser Rezension nicht allzu viel Inhaltliches sagen können, weil ich eigentlich wieder gar nichts zu meckern habe.

Zwar ist Alte Feinde nicht perfekt, was hauptsächlich daran liegt, dass mir das Ende persönlich etwas zu schnell und die Auflösung zu leicht kam – sowohl bezüglich des Handlungsstrangs der Gegenwart als auch der Vergangenheit –, aber trotzdem passt das Ende sehr gut zur Geschichte. Es ist hier mehr ein subjektives Gefühl, was möglicherweise auch mehr daher rührt, dass ich einfach nicht will, dass Die Meisterin vorbei ist, als dass hier wirklich etwas fehlte. Daher ist das kein Grund für einen Punktabzug! :D

Abgesehen davon kann ich Alte Feinde aber nur in den höchsten Tönen loben. Vor allem die Protagonisten Geneve und Alessandro haben sich in mein Herz geschlichen, sowohl als einzelne Figuren als auch die beiden als Team gemeinsam.
Geneve ist nach wie vor eine unfassbar tolle Protagonistin, die nicht nur mit ihrem Wissen beeindruckt, sondern mir auch deshalb sympathisch ist, weil sie anderen und auch sich selbst zu helfen weiß. Dabei kennt sie ihren Wert und lässt sich von anderen nicht in ihr Handwerk reinreden. Gleichzeitig hat sie einen wunderbar trockenen Humor, der mich oft zum Lachen bringen konnte.

„‚War das ein Kampf?‘
‚Nein. Er … stürzte. Gegen den Krug in meiner Hand. Und danach gegen den Becher. Auch in meiner Hand.‘“ (S. 147)

Alessandro ist ein toller Gegenpart für ihren Charakter. Er ist ein Cutie, und auch wenn er in der Vergangenheit vielleicht Fehler gemacht hat, kann man ihm nicht böse sein. Dieser Teil der Trilogie ist für Alessandro-Fans besonders hart, da er hier ganz schön viel ertragen muss. Das war wirklich fies vom Autor, mir blutet immer noch das Herz. ☹

Fans der anderen Bücher des Autors werden in Alte Feinde sicherlich auch auf ihre Kosten kommen, da man hier wohl auf alte Bekannte trifft. Ich habe außer der Trilogie bisher keins seiner Bücher gelesen, daher kann ich es nicht beurteilen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich der eine oder andere hier bestimmt freut. Wenn man die bekannten Figuren nicht kennt, hat man jedenfalls auch keine Verständnisprobleme. 😉
Was Die Meisterin besonders auszeichnet und was auch hier wieder nicht zu kurz kommt, sind die „Fun Facts“ über die (deutsche) Henkersgeschichte und verschiedene Mythen. Das ist nicht nur für Geschichtsnerds ein tolles Vergnügen, sondern bindet sich auch wunderbar in den Plot ein. Der Autor schafft es hierbei, Historik mit Fiktion so zu verbinden, dass man von beidem gleichermaßen gefesselt ist.

Gleiches gilt für die unterschiedlichen Handlungsstränge: Wie auch in den Vorgängerbänden erzählt Geneves tote Mutter dem Leser von einem Fall der Meisterin in der Vergangenheit und von den aktuellen Geschehnissen in der Gegenwart. Beide stehen sehr gut für sich alleine, und es hat auf den ersten Blick den Anschein, als würden sie nicht miteinander zusammenhängen. Wie man es aber schon aus Band 1 und 2 kennt, läuft beides am Ende logisch zusammen und rückblickend wird einem wieder sehr viel klar. Nicht nur, dass der Leser in die Ermittlungen aktiv mit eingebunden wird und daher die ganze Zeit auch selbst wieder versucht, auf die Lösung zu kommen, gefällt mir dabei sehr gut, sondern auch, dass so nach dem Lesen besonders deutlich wird, wie durchdacht Alte Feinde, wie auch die gesamte Trilogie ist. Deshalb gehört sie zu meinen Lieblingsreihen!

Fazit:
Auch wenn ich also das Gefühl hatte, dass das Ende etwas zu schnell kam, kann ich nicht anderes, als Alte Feinde die volle Punktzahl zu geben. Vielleicht auch, weil das Gefühl hauptsächlich auch daher kommen könnte, dass ich einfach nicht wahrhaben will, dass Die Meisterin mit diesem Band einen (vorläufigen? :D) Abschluss gefunden hat. Ich kann mich nunmal nicht so leicht von meinen Lieblingsfiguren trennen, und das sind Geneve und Alessandro ganz bestimmt.
Auch in Alte Feinde überzeugt der Autor wieder mit seiner Fähigkeit, Historik und Fiktion spannend zu verbinden und einen Plot so zu verdichten, dass man erst am Ende begreift, wie sehr alles miteinander zusammenhängt. Einfach toll!
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Eine neue Lieblingsreihe? JA!!!

Nevernight - Die Prüfung
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Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Das Cover finde ich absolut genial ...

Vielen lieben Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Das Cover finde ich absolut genial und einfach nur gelungen. Die Schatten? Mega! Die Maske? Genauso habe ich sie mir vorgestellt. Die Nicht-Katze? Seht euch das rote Auge an und sie ist durchscheinend! Das grabbeinerne Stilett? Yas.
Ich werde mir die Bücher definitiv als Hardcover zulegen, haha.

Meine Meinung:
Oha! Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich hier groß schreiben soll, daher denke ich, dass die Rezension auch eher kurz ausfallen wird. Allzu viel habe ich jedenfalls nicht zu sagen! :D
Der Hype auf Instagram um diese Reihe ist definitiv gerechtfertigt.

Nevernight ist so ganz andere Fantasy als die, die ich sonst gewohnt bin. Viel düsterer, blutiger und moralisch fragwürdiger, aber gleichzeitig fehlt es dem Buch auch nicht an Humor (der erste Satz des Buches sagt schon alles darüber aus). Jay Kristoff hat hier die perfekte Mischung gefunden!

Mia als Protagonistin hat mir sehr gut gefallen. Einerseits ist sie sehr hitzköpfig, macht viele Fehler und ist einfach ein 16-jähriges Mädchen. Andererseits weiß sie, sich sowohl körperlich als auch verbal zu verteidigen, ist schlagfertig und vor allem lernt sie auch aus ihren Fehlern und nimmt auch mal (nicht immer) den Rat von ihrem Begleiter Herrn Freundlich an.
Besonders interessant an ihr finde ich, dass sie nicht die typische nette Protagonistin ist, die jedem alles rechtmachen will, sondern ihr eigenes Ziel verfolgt: Sie will Rache für ihre Familie. Dazu ist sie bereit, alles zu tun und man kauft ihr ab, dass sie das Zeug zur Assassinin hat. Dabei ist sie sehr willensstark und lässt sich nur wenig von außen beeinflussen.
Man kann sich gut in sie hineinversetzen und fiebert von Anfang an mit ihr mit. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich möchte unbedingt wissen, wie es mit ihr weitergeht!

Aber nicht nur mit seiner Protagonistin kann Nevernight überzeugen. Vor allem das ganze Worldbuilding, das viele Parallelen zum Römischen Imperium hat, hat mir sehr gut gefallen! Sowohl das politische System in Gottesgrab als auch einige Namen (Scaeva  Caesar) sind stark daran angelehnt, und auch die alte Sprache Askahisch ist dem Lateinischen sehr ähnlich. Der Latein-Geek in mir hat sich darüber sehr gefreut, und Nevernight erhält dadurch zusammen mit der Roten Kirche und dem Rätsel um Dunkelinn Originalität! :D

Der Schreibstil hat mich ebenfalls sehr mitreißen können. Besonders ist hierbei, dass Mias Geschichte von einem unbekannten Schreiber (nicht Jay Kristoff :D) erzählt wird, der den Leser vereinzelt direkt anspricht – aber so, als gehöre der Leser selbst in die Welt von Nevernight! Dadurch wird man logischerweise nur noch mehr in die Geschichte gezogen und alles fühlt sich noch realer an.
Die Fußnoten, die zwischendurch in den Text eingestreut sind, haben mich zugegebenermaßen anfangs etwas verwirrt (wann hat man schon Fußnoten in einem fiktiven Text?), aber sie passen dazu, dass Nevernight die Erzählung eines Chronisten ist. Darüber erhält man zudem viele weitere Informationen über die Geschichte der Roten Kirche, von Gottesgrab und allem, was dazugehört, die nicht wesentlich zum Hauptplot beitragen, aber ihn durchaus bereichern.

Fazit:
Zusammenfassend gibt es also nichts auszusetzen. Die Prüfung ist hervorragender Auftakt zu einer spannenden Reihe, der mich von Anfang an mit seiner Originalität, den Parallelen zum Römischen Reich, und der Düsternis, die er durch den Assassinenplot erhält, fesseln konnte. Hinzu kommt mit Mia eine tolle Protagonistin und ein einzigartiger Schreibstil, der den Leser mit in die Geschichte einbindet, und man hat ein neues Monatshighlight!
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Langsame, aber hochkomplexe High Fantasy

Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin
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Vielen lieben Dank an das Penguin Randomhouse-Bloggerportal und den Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Das ...

Vielen lieben Dank an das Penguin Randomhouse-Bloggerportal und den Verlag für das Rezensionsexemplar!
Die Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Das Cover von Band 2 ist genau das gleiche wie von Band 1 nur mit einer umgekehrten Farbgebung. Das gefällt mir sehr gut, da es das Originalcover ist und somit deutlich wird, dass es sich im Original um einen Einzelband handelt, während man im Deutschen trotzdem noch gut Band 1 und 2 voneinander unterscheiden kann.
Toll finde ich auch die Karten im Einband sowie das Glossar im Anhang. Das hilft bei der Orientierung im Buch auf alle Fälle weiter!
Das Buch hat übrigens auch ein Lesebändchen.

Meine Meinung:
Der Orden des Baumes ist schwierige, hochkomplexe High Fantasy, die definitiv nichts für Fantasy-Anfängerinnen ist! Selbst geübte Fantasyleserinnen wie ich haben unter Umständen Schwierigkeiten, sich in die Welt des Ordens einzufinden. 😉

Das liegt zum einen auch an dem Schreibstil von Samantha Shannon, der keiner ist, über den man mal so eben hinwegliest. Er hat mir zwar für ein High Fantasy-Buch sehr gut gefallen, aber ich habe dennoch eine Weile gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Sie schreibt relativ hoch und eher wenig umgangssprachlich, was aber durchaus zum mittelalterlichen Setting passt – eben sehr typisch für High Fantasy. Dennoch musste ich vor allem zu Beginn einige Sätze mehrfach lesen, um den Sinn dahinter zu verstehen. Das legt sich jedoch mit steigender Spannung: Wenn man einmal „drin“ ist, ist man „drin“.

Zum anderen umfasst der Orden aber auch sehr viele verschiedene Figuren, die natürlich alle ungewöhnliche, teils auch ähnlich klingende Namen haben, eine ganze Welt voller unbekannter Orte und dazu besondere Wesen und Begriffe, bspw. der Ichneumon Aralaq oder Siden für eine Form der Magie. Das alles muss man erst einmal „lernen“, bevor man die Wörter auseinanderhalten kann, aber dabei hilft das Glossar am Ende besonders. Anfangs ist es daher etwas schwierig, in die Geschichte einzufinden, aber gerade diese Komplexität macht Der Orden des Geheimen Baumes meiner Meinung nach aus. Man merkt einfach, wie viele Gedanken die Autorin sich über dieses Buch gemacht hat.

Vor allem ist jedoch das zu Beginn eher langsame Erzähltempo hinderlich. Der Orden ist im Original, wie gesagt, ein Einzelband. Dennoch hat man selbst hier in Buch 2 – also in der zweiten Hälfte des Originals – anfangs noch lange das Gefühl, dass sich die Geschichte erst aufbauen muss. Zwar ist die Handlung nicht mehr ganz so zäh wie in Die Magierin, aber ein wenig Geduld, bis alles endlich zusammenläuft, braucht man dennoch. Etwa nach der Hälfte von Die Königin war es dann soweit, dass ich mich nur noch schwer von der Geschichte lösen konnte. Bis dahin musste ich mich allerdings fast schon überreden, noch ein weiteres Kapitel zu lesen.

Das ist schade, da Der Orden des Geheimen Baumes so unglaublich originell ist. Nicht nur das Magiesystem, das nach und nach immer mehr erklärt wird und man so mit fortlaufender Handlung immer besser versteht, sondern auch der neue Blickwinkel auf Drachen, nämlich dass es feuerspeiende „Lindwürmer“ gibt und solche Drachen, die ihre Kraft aus dem Wasser ziehen, haben mir wahnsinnig gut gefallen.
Hier macht sich dann aber auch der lange Aufbau bezahlt: Nur, weil die Autorin sich zu Beginn so viel Zeit gelassen hat, in die Welt einzuführen und alles zu erklären, kann das Buch in dieser Hinsicht überzeugen. Insofern ist es natürlich nicht nur schlecht, dass der Anfang so langwierig ist – auch wenn man sagen muss, dass dem Buch ein paar spannende Sequenzen mehr nicht geschadet hätten.

Die Figuren des Ordens sind ebenso komplex wie das Magiesystem. Die Geschichte wird von vier handelnden Personen erzählt: Eadaz, eine Dienerin des Ordens vom Orangenbaum, Loth, ein Adliger aus Inys, Tané, eine Drachenreiterin, und Niclays, einen in Ungnade gefallenen Alchemisten.
Alle vier sind dabei so grundverschieden, wie es nur möglich ist – dadurch fällt es nicht nur sehr leicht, sie voneinander zu unterscheiden, sondern auch, sich in jeden einzelnen von ihnen hineinzuversetzen: In allen findet man auch sich selbst wieder.
Gleiches gilt aber auch für die Nebenfiguren: Sie dienen nicht, wie es so oft bei Nebenfiguren ist, den Protagonisten als „Plot Device“, sondern haben alle einen ebenso ausgeformten, einzigartigen Charakter, wodurch auch sie umso lebensechter erscheinen.
Am meisten hat mir dabei Sabran, die Königin von Inys gefallen: Während sie mich anfangs aufgrund ihrer Starrsinnigkeit noch genervt hat, war ich zum Ende hin wirklich beeindruckt, wie sie sich ihre Unabhängigkeit erkämpft hat und aus allem, was sie erlebt hat, stärker und selbstbewusster herausgewachsen ist. Sie hat eine wirklich tolle Entwicklung durchgemacht!

„‚Die, die die Ketten trägt, ist tausendmal größer als der, der sie anlegt‘, erwiderte Nayimathun. ‚Ketten sind Feigheit.‘“ (S. 70)

Was abschließend noch erwähnenswert ist: Der Orden des Geheimen Baumes zeigt, dass High Fantasy nicht sexistisch sein muss. In so gut wie allen HF-Büchern, die in einem mittelalterlichen Setting spielen, ist es Gang und Gäbe, dass Frauen von Männern unterdrückt, ausgenutzt und belächelt werden. Eben, weil es im „echten“ Mittelalter so war. Aber wer sagt denn, dass das in Fantasy auch so sein muss? Fantasy ist doch gerade das Genre, in dem alles erlaubt ist!
Und das zeigt Der Orden des Geheimen Baumes: Das Königinnenreich Inys bspw., oder auch der Orden des Orangenbaumes sind Matriarchate. Auch in vielen anderen Teilen dieser Welt sind Frauen diejenigen, die leitende Positionen und Macht innehaben – nicht in allen, es gibt auch Könige und Kaiser!
Frauen und Männer sind hier also gleichberechtigt, und das wird nicht einmal zum Thema gemacht, sondern ist einfach so. Ein Beispiel: Die Ritter des Leibes der Königin von Inys sind sowohl Männer als auch Frauen, und das ist dort eine Selbstverständlichkeit. Und all das, ohne dass die Geschichte darunter „leidet“! Wer hätte das gedacht? (Achtung, Sarkasmus hier)

„‚Unfruchtbar.‘ Sie lächelte kühl. ‚Wir sollten uns ein anderes Wort dafür ausdenken, meine ich. Dieses jedenfalls klingt so, als wäre ich ein Stoppelfeld. Ein brachliegendes Stück Land, das nichts mehr zu geben hat.‘“ (S. 188)

Gleiches gilt übrigens auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Es gibt hier mehrere Figuren, die sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, und auch das wird nicht weiter kommentiert, sondern einfach dahingestellt.
In der Hinsicht ist Der Orden des Baumes also ein Vorreiter für moderne High Fantasy!

Fazit:
Insgesamt ist Der Orden des Baumes eine schlüssige und runde Fantasy, die vor allem damit überzeugen kann, das von dem Weltenaufbau über die Charakterisierung der Figuren bis hin zum Magiesystem alles komplett durchdacht ist. Zwar wird die Geschichte dadurch ebenso komplex, aber das ist bei High Fantasy ja nichts Neues.
Eine weitere Besonderheit, die eigentlich nicht „besonders“ sein sollte, aber den Orden auszeichnet: Er beweist, dass gerade High Fantasy auch ohne klischeehafte Rollenbilder und Sexismus geht.
Etwas schade ist, dass der Anfang, der im Original sogar schon der Mittelteil ist, immer noch sehr langatmig ist und es entsprechend viel Zeit und Nerven braucht, bis es zum spannenden Teil kommt. Das hat mein Lesevergnügen hier etwas eingeschränkt, weshalb ich einen Punkt abziehe.
4/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere