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Veröffentlicht am 22.09.2020

Queer literature, aber leider verfehlt

When Katie met Cassidy
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Aufmachung:
Ich bin ein großer Fan des Covers!
Mir gefällt es wirklich gut, wie man im Hintergrund leicht den Umriss einer Großstadt wie New York City, wo das Buch spielt, erkennen kann, davor eine Frau, ...

Aufmachung:
Ich bin ein großer Fan des Covers!
Mir gefällt es wirklich gut, wie man im Hintergrund leicht den Umriss einer Großstadt wie New York City, wo das Buch spielt, erkennen kann, davor eine Frau, die augenscheinlich dabei ist, gerade den Arm zu heben, um ein Taxi zu rufen. Ich mag die Dynamik des Bildes wirklich sehr.
Gleichzeitig gefällt mir auch die Farbgebung: Das Cover ist vollständig in den Farben der lesbischen Flagge gehalten! 😊

Meine Meinung:
Ich habe mich wirklich gefreut, als mir das Buch vom Verlag zugeschickt wurde. Bisher habe ich eher wenige LGBT+-Bücher gelesen, und wenn, dann auch hauptsächlich m/m-Geschichten. When Katie met Cassidy ist tatsächlich mein erstes Buch, in dem es hauptsächlich um eine w/w-Liebesgeschichte geht. Ich denke, dass ist ein gutes Indiz dafür, dass es auf dem Buchmarkt leider immer noch viel zu wenige Geschichten wie diese gibt!
Entsprechend gespannt war ich dann natürlich auch.

Am Anfang der Geschichte lernt man Katie kennen, unsere Protagonistin. Sie hat sich vor Kurzem von ihrem Verlobten getrennt. Man erfährt, wie es ihr dabei geht und bekommt einen ersten Einblick in ihre Gefühlswelt. Dadurch fühlt man direkt schon ein bisschen mit ihr mit und die Gute ist einem sofort sym-pathisch.
Gleichzeitig merkt man, dass dieses Buch mit etwas mehr Humor geschrieben ist. Schon auf den ersten paar Seiten musste ich über das Eine oder Andere schmunzeln!
Der Humor bleibt dem Buch übrigens die ganze Zeit erhalten, was ein dicker Pluspunkt für den Roman ist. Er sorgt nämlich dafür, dass man nur so durch die knapp 270 Seiten fliegt und macht aus When Katie met Cassidy eine schöne leichte Sommerlektüre.

Dann lernt man Cassidy etwas besser kennen, und für mich ging es ab dem Zeitpunkt bergab.
Sie verkörpert leider wirklich jedes Klischee, das man über Lesben haben könnte. Natürlich gibt es auch im echten Leben „Butches“, die ihr vielleicht sehr ähnlich sind. Würden die Klischees auch bei Cassidy aufhören, würde mich das Ganze auch gar nicht so stören. Aber dadurch, dass sie so ziemlich alle Kli-schees bedient, fällt einem alles andere Stereotypische noch einmal mehr auf.
In diesem Roman gibt es nämlich gefühlt nur schwarz und weiß, oder – anders ausgedrückt – männlich und weiblich. Nicht ganz das, was ich mir unter einer queeren w/w-Liebesgeschichte vorgestellt hatte.
Während Cassidy der typische „Kerl“ ist, ist Katie demgegenüber das good catholic girl (buchstäblich), das von nichts weiß, total unschuldig ist und gar nichts mehr versteht. Zum Beispiel kann sie es gar nicht begreifen, dass sie sich zu Cassidy – einer Frau! – hingezogen fühlt, obwohl sie vorher nur mit Männern ausgegangen ist. Sie fragt sich permanent, wie das denn sein kann und ob sie jetzt lesbisch ist. Dass sie selbst nicht auf die Idee kommt, dass es auch noch andere Sexualitäten als hetero- oder homosexuell gibt, kann ich ja noch verzeihen, immerhin ist sie die „Ahnungslose“. Aber irgendwer hätte ja erwähnen können, dass zum Beispiel Bisexualität existiert???
Ich würde jetzt nicht so weit gehen und behaupten, dass das Buch bi erasure betreibt (wobei das schon grenzwertig ist meiner Meinung nach), aber schwer enttäuscht war ich trotzdem.

Und wo wir schon bei Klischees sind: Viel mehr Persönlichkeit hat da kein Charakter. Im Gegenteil: Es ist bloß eine Woche her, dass ich das Buch beendet habe, und trotzdem kann ich mich an kaum einen der Figuren erinnern.
Da ist Cassidys beste Freundin, die klein und frech ist (Klischee?), Katies Ex, ein Snob.

Auch die Liebesgeschichte an sich zeichnet sich leider durch nichts Besonderes aus. Sie hätte genau so mit anderen Figuren in jedem anderen Liebesroman stattfinden können.
Homophobie ist hier ein kleines Thema. Allerdings wird nur am Rande angeschnitten, dass Cassidy (ir-gendwann dann auch mit Katie zusammen) blöd angeguckt oder für einen Mann gehalten wird. Wirklich in die Tiefe geht die Autorin dabei nicht, was ich eher schade fand. Dadurch hätte gerade Cassidy viel mehr Persönlichkeit bekommen können, aber das Potenzial wurde leider nicht ausgenutzt.

Perris Schreibstil hat mir hingegen wieder sehr gut gefallen. Sie schreibt leichte kurze Sätze, durch die man gut durchs Buch kommt. Vor allem merkt man auch, wenn gerade die Perspektiven von Katie und Cassidy gewechselt werden, da sich der Stil der Autorin minimal verändert, je nachdem, aus wessen Sicht gerade erzählt wird.
Das kann nicht jeder, aber der Autorin ist das wirklich gut gelungen!


Fazit:
Das Buch lebt leider von sehr vielen Klischees. Besonders gestört hat mich jedoch Katies Blindheit für andere Sexualitäten, insbesondere Bisexualität, die auch von keinem anderen (etwas „erfahreneren“) Charakter angesprochen wird.
Die Charaktere sowie die Story bleiben eher flach und vorhandenes Potenzial wird nicht ausgenutzt.
Allerdings sorgen der Schreibstil und der Humor der Autorin dafür, dass das Buch mit seinen 270 Seiten trotzdem gut gelesen werden kann. Als leichte Sommerlektüre zur Ablenkung zwischendurch kann ich es durchaus empfehlen, man sollte jedoch nicht zu viel erwarten. Insbesondere nicht im Hinblick auf eine queere w/w-Story.
3/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2020

Wo ist die Fortsetzung?????

Die Furcht des Weisen (2)
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Aufmachung:
Ich finde es wunderbar, wie gut die Cover zueinander passen. In ihrem Aufbau sind sie alle identisch, es ändert sich immer nur Kvothes Position und der Hintergrund. Das ist dann darauf angepasst, ...

Aufmachung:
Ich finde es wunderbar, wie gut die Cover zueinander passen. In ihrem Aufbau sind sie alle identisch, es ändert sich immer nur Kvothes Position und der Hintergrund. Das ist dann darauf angepasst, wo er sich in seiner Erzählung gerade befindet.
Auch der Titel findet sich im Inhalt wieder.

Meine Meinung:
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah, ich weiß gar nicht, was ich hier alles schreiben soll, es gibt nichts, was ich auszusetzen hätte.

Die Furcht des Weisen (2) knüpft direkt dort an, wo Band 2.1 aufgehört hat, es geht also sofort spannend weiter. Das ist natürlich insofern logisch, dass der zweite Teil in der deutschen Übersetzung gesplittet wurde. Ich zwar immer noch, dass – wenn eine Aufteilung denn schon notwendig war – Band 2.1 auch gut noch an einer anderen Stelle hätte aufgeteilt werden können, aber auch dort, wo Band 2.2 weitergeht, ist ein guter Ort für eine Trennung.

In diesem Band lernt man einiges über Felurian und auch Lethani, was ich wirklich interessant fand. Klar wurde beides schonmal früher erwähnt, aber so richtig verstanden habe ich es nie. Das macht aber ja auch Sinn, weil Kvothe ebenfalls sowohl über die Fae als auch über Lethani nur Legenden gehört hat; jetzt lernt er sie selbst erst richtig kennen.
Beides beweist übrigens wieder einmal, was für ein großartiges Genie Rothfuss ist. Ich kann es nicht oft genug sagen: Was dieser Mann mit der Königsmörder-Chronik für ein Epos geschaffen hat, ist einfach unglaublich! Die Reihe bekommt meiner Meinung nach immer noch nicht genug Aufmerksamkeit.

Das große Oberthema, das auch diesen Teil beherrscht, ist natürlich die Frage nach den Chandrian. Man weiß immer noch nicht wirklich, was genau es sich mit diesen Wesen auf sich hat, aber man erfährt häppchenweise immer mehr über sie. Dennoch entsteht für jede beantwortete Frage natürlich mindestens eine neue Frage, sodass es stets spannend bleibt. Ein weiterer Beweis für das Genie Rothfuss´: alles ist miteinander verbunden und fügt sich nach und nach zusammen, so hat bspw. das sprechende Baumwesen (ich habe seinen Namen vergessen) einen Bezug zu den Chandrian. Welcher das ist, wird natürlich noch nicht verraten. 😉

Noch einmal: diese riesige, einzigartige Fantasywelt ist wirklich unglaublich, so etwas ist mir noch nie untergekommen. Man kann nie erahnen, was als nächstes passiert, die Königsmörder-Chronik ist eine wahnsinnig komplexe, gut durchdachte Saga, die immer wieder Neues einführt und gleichzeitig auf bereits Gesagtes zurückgreift.

Dazu kommt der einzigartige, wunderbare poetische Schreibstil des Autors. Unmatched! Muss man einfach selber lesen, das kann man gar nicht in Worte fassen.
ABER WO BLEIBT BITTE DER NÄCHSTE BAND?????? Die Furcht des Weisen (2) endet so unglaublich fies, ich habe schon einige sinnvolle, wirklich gute Theorien gelesen, wieso das passiert ist, was da eben passiert. Aber ich hätte jetzt echt gerne die richtige Version der Geschichte! Es macht mich wirklich verrückt, nicht herausfinden zu können, wie es weitergeht. ☹
Der letzte Satz, wirklich der allerletzte Satz hat mich so krass schockiert! Total gemein.

So. Also: Die Geschichte an sich ist schon der absolute Wahnsinn. Aber was das Ganze noch einmal in die Höhe treibt: Stefan Kaminski, der Sprecher des Hörbuchs.
Wirklich, ich habe seitdem schon einige andere Hörbücher gelesen, aber kein Sprecher überzeugt einfach so wie er. Wenn es nach mir ginge, könnte er ruhig jedes Hörbuch sprechen! :D
Er hat ein sehr angenehmes Sprechtempo; nicht zu schnell, aber auch nicht so langsam, dass man die Geschwindigkeit höherstellen muss. Auch seine Stimme ist echt angenehm; ich könnte ihm den ganzen Tag zuhören! Für jede Figur hat er eine andere Tonlage, sodass man immer weiß, wer gerade spricht. Dabei ist es nicht unangenehm, wenn er seine Stimme bspw. für Frauen verstellt, was man ja doch öfter bei Hörbüchern hat.
Kaminskis Stimme ist wie geschaffen für Hörbücher! :D

Fazit:
Lieblingsreihe. Mehr muss ich nicht sagen. Absolut geniales Fantasy-Epos, etwas Vergleichbares ist mir noch nie untergekommen.
Einziges Manko: Das Buch endet soooo fies und Rothfuss braucht viel zu lange für die Fortsetzung! D:
5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2020

Eine ungewöhnliche Geschichte über einen Jungen und seinen Hund

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt
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Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Ich bin eigentlich nicht so der Orange-Fan, aber hier passt es sehr gut zum postapokalyptischen Setting. Gut gefällt mir auch, dass man die Silhouette des Protagonisten ...

Aufmachung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Ich bin eigentlich nicht so der Orange-Fan, aber hier passt es sehr gut zum postapokalyptischen Setting. Gut gefällt mir auch, dass man die Silhouette des Protagonisten mit seinem Hund sieht, die am Rand einer Klippe oder ähnliches sitzen und in die Ferne schauen. Das passt natürlich zu der Suche von Griz nach seinem Hund.
Trotz der auffälligen Farbgebung ist das Cover doch sehr minimalistisch gehalten, was zur Stimmung des Buches passt.
Der Titel gefällt mir auch gut, insbesondere, da er einfach nur übersetzt wurde (der Originaltitel lautet A Boy and His Dog at the End of the World).

Meine Meinung:
Der Einstieg ist mir ein wenig schwergefallen. Das lag hauptsächlich an dem sehr ungewöhnlichen Erzählstil.
Das Buch wird von Griz erzählt, allerdings nicht so, wie man es normalerweise von einem Ich-Erzähler gewohnt ist. Es scheint zunächst nämlich so, als würde er mit dem Leser direkt sprechen. Aus diesem Grund gibt es in dem ganzen Buch auch nicht eine einzige wörtliche Rede – Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt ist tatsächlich eine einzige lange Erzählung von Griz.

Das führt dazu, dass man erst einmal eine Weile braucht, um überhaupt zu verstehen, was vor sich geht. Griz erzählt chronologisch, aber man weiß lange Zeit gar nicht, worauf er eigentlich hinauswill. Natürlich möchte er seinen Hund zurückholen, aber man fragt sich die ganze Zeit, ob da nicht noch mehr passiert.
Der Erzählstil an sich ist auch ein großes Geheimnis des Buches, das erst später gelüftet wird. Dennoch bleibt dem Leser Vieles bis zum Schluss noch verborgen, vorher versteht man es einfach nicht in Gänze.
Das alles macht das Lesen natürlich ein wenig anstrengend.

Das möchte ich aber gar nicht kritisieren! Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt ist nämlich keinesfalls ein schlechtes oder langweiliges Buch, im Gegenteil. Es hat unwahrscheinlich viel Tiefe, die sich einem erst nach und nach erschließt. So stellt das Buch zum Beispiel immer wieder Bezüge zu unserer Gegenwart her und spricht Aspekte an, die selbstverständlich sind und über die man schlicht nicht nachdenkt. Beispielsweise ist uns die Überbevölkerung natürlich allen bewusst. Aber welche (auch banalen) Auswirkungen das auf unseren Alltag hat, eher nicht so. Beispielsweise kann ich mir gar nicht vorstellen, rauszugehen und einfach absolute Stille zu hören. Vor allem hier in der Stadt ist es ja nie wirklich still. Für Griz ist das ganz normal.
Man kann das Buch also nicht „mal eben so“ durchlesen. Um wirklich zu verstehen und zu verarbeiten, worum es geht, braucht es Zeit und Ruhe und vielleicht auch die eine oder andere Pause zwischendurch. Aber gerade das ist es, was das Buch auszeichnet, denn obwohl es keine leichte Lektüre ist, kann man es nur schwer aus der Hand legen.
Das hinzubekommen, ohne dass der Leser sich langweilt oder überanstrengt, muss ein Autor auch erstmal hinbekommen!

Der Protagonist Griz ist noch ein Kind, was man auch merkt. Er trifft einige übereilte, emotionale Entscheidungen, die er hauptsächlich fällt, weil ihm die Erfahrung fehlt. Trotzdem kann man sich gut in ihn hineinversetzen und fühlt mit ihm mit; man sieht die Welt eben durch seine Augen. Das liegt wohl vor allem an dem besonderen Erzählstil, durch den man ihm viel näher kommt als gewöhnlich. Es ist so, als würde er dem Leser die Geschichte persönlich erzählen. Dadurch gewinnt das Buch an Emotionalität und berührt den Leser. Es passiert an sich nicht viel in Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt. Aber Griz schafft es durch diese Nähe trotzdem, den Leser mitzureißen. Deshalb ist es auch nicht so schlimm, dass einem der Einstieg schwerfällt und der Anfang sich zieht.

Das Ende hält auch noch einmal eine Überraschung bereit, mit der man nicht rechnet.


Fazit:
Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt ist kein Buch für zwischendurch. Der Einstieg ist zäh und schwierig, aber wenn man sich erst einmal auf den besonderen Schreibstil einlässt, beweist das Buch, wie viel emotionale Tiefe und Bedeutung in ihm steckt. Die Erzählung ist eher ruhig, aber dafür umso berührender.
4/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2020

Sehr kurzweilige, aber vollkommen überzeugende Fantasy

MAGIC: The Gathering - Die Kinder des Namenlosen
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Aufmachung:
Zwar gefällt mir die Farbgebung des Covers nicht so gut, aber es kann ja auch nicht jedes Cover in Pink oder Pastellfarben gehalten sein. 😉
Was mir gut gefällt, ist der Mann auf dem Cover, ...

Aufmachung:
Zwar gefällt mir die Farbgebung des Covers nicht so gut, aber es kann ja auch nicht jedes Cover in Pink oder Pastellfarben gehalten sein. 😉
Was mir gut gefällt, ist der Mann auf dem Cover, der vermutlich Davriel sein soll. Genauso habe ich mir den Magier jedenfalls vorgestellt! Durch die Totenkopf-Maske, die sein Gesicht halb verdeckt, bekommt er etwas Geheimnisvolles, Mystisches, was durchaus zu seinem Charakter passt. Am besten finde ich jedoch, dass das Cover gezeichnet ist! Normalerweise mag ich Gesichter auf Covern ja nicht so, weil ich es komisch finde, wenn mich auf dem Buch jemand anguckt, aber bei einer Zeichnung ist es wieder etwas anderes, weil dahinter kein „echter“ Mensch steckt.
Der Titel Die Kinder des Namenlosen passt sehr gut zum Inhalt.

Meine Meinung:
Das Buch ist mit seinen 270 Seiten für ein Fantasybuch sehr kurz, also wird am Anfang nicht viel Zeit „verschwendet“ um in die Welt einzuführen. Man wird quasi auf Anhieb in die Geschehnisse geworfen.
Dadurch braucht man zuerst zwar ein bisschen Zeit, um zu verstehen, was alles passiert und wie die Regeln des MAGIC-Multiversums lauten. Das Buch basiert nämlich auf dem Kartenspiel MAGIC: The Gathering, diejenigen, die das Spiel kennen, werden vermutlich noch schneller in die Geschichte finden. Ich kannte das Spiel bis dato nicht, aber ich hatte nach einer kurzen Eingewöhnung auch kein Problem, mich in der Welt zurechtzufinden. Man kann also auch dann viel Spaß beim Lesen haben, wenn man das Spiel nicht kennt!

Das Buch ist, wie gesagt, recht dünn, deshalb ist es von vornherein klar, dass Sanderson sich hier nicht groß ums Worldbuilding gesorgt hat. Wer dennoch enttäuscht davon ist, dass hier wenig zur Umgebung geschrieben hat, hatte also vielleicht nicht die richtigen Erwartungen, denn dann hätte das Buch viel dicker sein müssen, um die Komplexität einer High Fantasy-Welt zu erfassen. Eben so, wie man es normalerweise von dem Genre gewohnt ist.

Die Kinder des Namenlosen hat jedoch andere Qualitäten, mit denen es überzeugen kann, allen voran die beiden Protagonisten Tacenda und Davriel, deren Perspektiven wechseln.
Tacenda wirkt sehr erwachsen für ihr Alter, aber das hat mich nicht gestört. Ich bin ja immer für Authentizität, weshalb ich finde, dass man als Leser merken sollte, ob die Figur ein Kind oder schon älter ist. Aber obwohl Tacenda noch ein Kind ist, passt ihr reifes Verhalten meiner Meinung nach sehr gut zu ihrem Charakter, wenn man bedenkt, was sie durchgemacht hat und dass sie für ihr Dorf schon sehr früh Verantwortung übernehmen musste. Außerdem ist es auch mal erfrischend, eine junge Protagonistin zu haben, die vernunftbegabt ist und nicht völlig hitzköpfig.
Trotz allem muss ich sagen, dass sie, obwohl sie ein gut durchdachter, sympathischer Charakter ist, im Vergleich zu Davriel eher blass wirkt.

Dieser ist nämlich zwar sehr arrogant, herablassen und nur auf seinen Tee und Nickerchen fokussiert – was mit anderen passiert, kümmert ihn nicht groß. Allerdings – und das finde ich gerade so interessant – ist er nicht der typische Antiheld, der ja doch ein ganz weiches Herz hat und viel empathischer ist, als es zunächst den Anschein hat. Davriel ist tatsächlich genau der egoistische Mistkerl, der er anfangs zu sein scheint, der aber auch seine Prinzipien hat und nach diesen handelt.
Dabei sind seine Dialoge sehr amüsant, was ihn zu dem großen Highlight des Buches macht. Ich habe oft gelacht. Gleichzeitig erfährt man aber auch einiges über seine Vergangenheit, wenn auch nicht besonders viel. Er muss anscheinend etwas Schlimmes durchgemacht haben. Ich hoffe, man kann bald noch mehr von ihm lesen!

Die Kinder des Namenlosen führt ein wenig in das Gathering-Multiversum ein. Es nimmt Bezug auf andere Dimensionen und auch auf die „Wesenheit“, ein Etwas mit großen Mächten, anscheinend weder gut noch böse. Das macht Lust auf mehr, ich fand diese Thematik wirklich spannend.
Zum Schluss werden einige Fragen offengelassen, insbesondere was Davriels Schicksal angeht, aber das stört nicht weiter, da die Geschichte rund um Tacenda in sich geschlossen ist. Außerdem wird so die Hoffnung genährt, dass es tatsächlich bald noch mehr über Davriel zu lesen gibt. 😊

Sandersons Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen. Er hat es hervorragend geschafft, Tacendas und Davriels Charakter zu erfassen und über einen unterschiedlichen Stil zu transportieren. Besonders durch Davriel beweist Sanderson, wie erwähnt, dass er einen wunderbaren Humor hat. Das und sein insgesamt flüssiger, leicht zu lesender Schreibstil führt dazu, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Gerne möchte ich bald mehr von ihm lesen!


Fazit:
Die Kinder des Namenlosen ist eine gelungene, spannende Einführung in eine neue Buchreihe, die vor allem mit den Protagonisten, dem Schreibstil und viel Humor überzeugt. Man darf nicht so viel in puncto Worldbuilding erwarten, weil es so ein kurzes Buch ist, aber bei nur 270 Seiten bleibt eben nicht so viel Platz, um eine so komplexe Welt wie das Gathering-Multiversum zu beschreiben.
4,5/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2020

Feminism Who?

Love factually
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Aufmachung:
Das Cover von Love Factually finde ich optisch sehr schön, auch wenn außer dem Titel und der Farben nicht viel darauf zu sehen ist. Zwar haben die Farben keinen Bezug zum Inhalt, aber das ist ...

Aufmachung:
Das Cover von Love Factually finde ich optisch sehr schön, auch wenn außer dem Titel und der Farben nicht viel darauf zu sehen ist. Zwar haben die Farben keinen Bezug zum Inhalt, aber das ist in dem Genre ja so gut wie immer so (oder man sieht halbnackte Männer, da sind mir Farben lieber), von daher nehme ich dem Buch sein Cover gar nicht übel.
Im Gegenteil gefällt es mir sogar sehr gut, dass man hier knallige Farben auf einem schwarzen Hintergrund hat, sonst sind die Cover ja meistens in Pastellfarben gehalten.
Der Titel ist durchaus passend, wenn man sich das Wesen der Protagonistin anguckt, die sich sehr auf Fakten aufhängt. Der Originaltitel lautet allerdings Neanderthal seeks Human, was ebenso gut – wenn nicht sogar besser – auf den Inhalt passt. Hier haben wir wieder das klassische Englische-Titel-bei-deutschen-Büchern-Problem, das ich einfach nicht verstehe. Es ist ja völlig legitim, wenn man den Originaltitel nicht übernehmen möchte, aber wieso übersetze ich den dann nicht einfach oder suche mir einen passenden deutschen Titel? Wieso muss es unbedingt ein anderer englischer Titel sein? Dann kann man meiner Meinung nach genauso gut den Originaltitel übernehmen. Ich kann diesen Trend leider nicht nachvollziehen.

Meine Meinung:
Uff, also ich weiß wirklich nicht, was ich zu diesem Buch alles sagen soll.
Ich habe auf eine leichte, teilweise amüsante Liebesgeschichte gehofft, die nicht mal unbedingt besonders in die Tiefe gehen sollte, gerne auch mit ein bisschen Kitsch.
Kitsch habe ich dann auch bekommen, habe aber leider dabei wenig Romantik gefühlt, wobei der Anfang gar nicht mal so schrecklich war.

Die Protagonistin ist anfangs nämlich noch ganz sympathisch. Sie hat die Eigenart, dass sie in den unmöglichsten Situationen über Dinge nachdenkt, die einem sonst eher nicht so in den Sinn kommen, zum Beispiel Teppichfasern. Das führt dazu, dass sie über ein ganz verrücktes Faktenwissen verfügt, mit dem sie dann unerwartet um die Ecke kommt.
Das fand ich zunächst noch auf niedliche Art sehr skurril und vor allem im Vergleich zu den anderen 08/15-Nette-Mädchen-Protagonistinnen eine erfrischende Abwechslung.
Allerdings ist das so ziemlich das einzige, was Janie ausmacht, und das wurde mir als Leser irgendwann zu viel. Sie hängt sich wirklich in jeder Situation an ihren Fakten auf und hört nicht zu, was andere ihr sagen bzw. geht überhaupt nicht darauf ein. Das führt dann dazu, dass ihr anfänglicher Charme flöten geht und sie nur noch nervig ist. Ich hätte gerne noch andere Facetten von Janie kennengelernt, aber leider scheint sie nur aus ihrem Faktenwissen zu bestehen.

Janies Eintönigkeit ist allerdings nicht der Aspekt, der mich an Love factually am meisten genervt hat. Am allernervigsten sind ihre Strick-Club-Freundinnen, die wirklich jedes Klischee amerikanischer Hausfrauen erfüllen. Sie sind allesamt charakterlose gackernde Hühner, die einem 50er-Jahre-Werbespot entsprungen scheinen und der Kampf der Frauen um richtige Repräsentation ca. 70 Jahre zurückwirft. An dieser Stelle entschuldige ich mich direkt für meine harten Worte, aber das hat mich wirklich wütend gemacht. Man fragt sich bei diesem Buch durchgehend: Hat die Autorin schon einmal etwas von Feminismus gehört? Wieso kriegt Janie alleine nichts auf die Reihe und muss sich immer von großen, starken, muskelbepackten Männern helfen lassen? Sind wir Frauen wirklich so hilflos? Reicht es nicht schon, wenn Frauen die letzten Jahrhunderte immer als Damsel in distress dargestellt wurden – und zwar hauptsächlich von Männern! –, die einen Mann brauchen, damit sie nicht eingehen? Muss eine gestandene Frau – und ich gehe mal davon aus, das ist Penny Reid als erfolgreiche Autorin – es ebenfalls so darstellen, dass eine Frau nicht ohne Mann leben kann? Das hat mich wirklich schwer enttäuscht.

Quinn ist in diesem Roman die einzige Figur, die anscheinend gesunden Menschenverstand hat (welch eine Ironie: ausgerechnet der männliche Protagonist), selbst wenn auch er als Reicher-Cooler-Chef-Der-Alles-Kann-Und-Dazu-Noch-Ein-Gentleman-Ist-Aber-Trotzdem-Geheimnnisse-Hat keine besonders tiefgründige Figur ist. Seine „Geheimnisse“ sind allesamt sehr offensichtlich (dadurch hat man noch weniger Verständnis für die Protagonistin) und seine Handlungen vorhersehbar. Das führt dazu, dass man sich vieles schon vorher denken kann, sodass es an Spannung fehlt.

Hin und wieder – vor allem anfangs – ist das Buch zwar durchaus noch unterhaltsam. Ich will hier nicht nur meckern: Es gab durchaus einige Stellen, an denen ich auch mal lachen konnte. Das kann Love factually aber nicht halten; der Humor gerät durch die vielen störenden Faktoren irgendwann sehr stark in den Hintergrund.

Fazit:
Man erhofft sich bei Love factually eine humorvolle Lektüre, die durchaus mal mit Klischees spielen darf. Dann wird man jedoch so intensiv von Klischees überrollt, dass man sich fragt, ob es jemals sowas wie Entwicklung an der Feminismus-Front gegeben hat. Die Protagonistin wirkt auf dem ersten Blick wie ein quirliges Persönchen mit Charakterzügen, die durchaus schon autistisch sind, entpuppt sich dann aber als eindimensionale Figur, die bloß aus ihrem Faktenwissen besteht. Ihre Hilflosigkeit, die sich einstellt, sobald kein Mann in einem Zehn-Meter-Radius zur Verfügung steht, der ihr aus der Patsche helfen kann, bestätigt den Eindruck, dass das Buch die Frauenbewegung und -repräsentation in Medien um gefühlt 70 Jahre zurückwirft.
2/5 Lesehasen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere