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Veröffentlicht am 25.12.2021

Ein Werk, dass man zwar nicht gelesen haben muss, aber trotzdem sehr empfehlenswert ist.

Kabale und Liebe
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Ferdinand von Walter, ein stattlicher Major und Sohn eines Adeligen und hohen Hofbeamten eines Fürsten, verliebt sich unsterblich in die hübsche und reizende Luise. Doch es gibt ein großes Problem: Luise ...

Ferdinand von Walter, ein stattlicher Major und Sohn eines Adeligen und hohen Hofbeamten eines Fürsten, verliebt sich unsterblich in die hübsche und reizende Luise. Doch es gibt ein großes Problem: Luise ist als Tochter eines Hofmusikanten aus dem Bürgertum und die Beziehung wäre ein Skandal, würde sie an die Öffentlichkeit geraten. Als Ferdinands Vater dann trotzdem von der verbotenen Liebe erfährt ist er sehr erbost und schmiedet einen Plan, um die junge Liebe zu zerstören. Doch sein intrigantes Spiel droht ihm immer mehr aus den Fingern zu gleiten.

Wir mussten das Buch gerade in der Schule lesen, und dementsprechend waren die Erwartungen bei mir nicht gerade sehr hoch geschraubt. Aber ich wurde definitiv überrascht. Am meisten wohl von der Sprache und vom Stil. Ich hatte mir das ganze viel zäher und altertümlicher vorgestellt, als es letztendlich war. Zwar finden sich viele Begriffe und Satzkonstruktionen, die so heute niemand mehr sagen würde, und es gab viele Wörter in Französisch, wobei ich nur bei wenigen von ihnen nachschlagen musste, was sie bedeuten. Und doch kam ich locker flockig durch das Buch. Zwar gab es immer wieder mal Stellen die ich ein wenig langatmig fand, aber die konnten die Spannung und den Lesefluss im Gesamten nicht bremsen. Kritisch fand ich hingegen einige der Personen. Zwar sind meiner Meinung nach alle, angefangen bei der Dienerin Sophie bis hin zum hinterlistigen Wurm alle Charaktere sehr ausführlich ausgearbeitet und wirken auf mich sehr authentisch. Allerdings wurde ich mit keinem der beiden Hauptcharaktere richtig warm. Luise fand ich ein wenig langweilig und unbedacht, und Ferdinand war in meinen Augen unangenehm impulsiv, herrisch und gestelzt. Vollends begeistern konnte mich hingegen Lady Milford mit ihren interessanten Ansichten auf die Welt und ihren beiden komplett unterschiedlichen und gegensätzlichen Charakterzügen: Berechnung auf der einen und Mitgefühl auf der anderen Seite. Ich möchte zwar nicht das Ende verraten, doch dieses kam für mich nicht gerade überraschend. Da hätte sich Schiller damals meiner Meinung nach etwas anderes ausdenken können, auch wenn diese Form etwas zu Ende zu bringen in der damaligen Zeit hoch im Kurs stand.

Alles in Allem bietet das Stück das Drama, das es verspricht, ohne dass es zu viel des guten werden würde. Ich bin im Nachhinein wirklich überrascht, dass mir Schiller doch so gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 25.12.2021

Das wohl bekannteste bürgerliche Trauerspiel

Emilia Galotti
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Der Prinz hat ein Auge auf die bürgerliche Emilia Galotti geworfen, ohne zu ahnen, dass diese bereits vergeben ist. Dies erfährt er erst, als es schon fast zu spät ist. Es ist der Tag der Hochzeit zwischen ...

Der Prinz hat ein Auge auf die bürgerliche Emilia Galotti geworfen, ohne zu ahnen, dass diese bereits vergeben ist. Dies erfährt er erst, als es schon fast zu spät ist. Es ist der Tag der Hochzeit zwischen Emilia und dem ihr Angetrauten. Doch auf dem Weg zur Eheschließung fallen die beiden einem vom Prinzen inszenierten Komplott zum Opfer und Emilia Galottis Zukünftiger stirbt. Als Emilias Vater davon erfährt, beschließt er, den Prinzen zu ermorden, richtet letztendlich aber seine eigene Tochter, um deren Ehre zu schützen.

Von vorne herein sei gesagt, dass ich ein großer Fan des bürgerlichen Trauerspiels bin, auch wenn diese meist im 21. Jahrhundert ihre Aktualität verloren haben. Das merkt man auch sehr stark bei diesem Werk von Lessing. Rückwirkend mag "Emilia Galotti" in seiner Entstehungszeit, den 1770er Jahren als politisches Mittel im Kampf gegen die übermächtige Herrschaft der Fürsten und die damaligen Ständekonventionen gut funktioniert haben. Allerdings hat ein junges Mädchen, dass freiwillig den Tod wählt, damit ihre Jungfräulichkeit und ihre Ehre geschützt bleiben, nicht mehr viel mit der Realität zu tun. Trotzdem ist und bleibt das Trauerspiel spannend. Tragik und das Bewusstsein darüber, dass mindestens eine:r der Protagonist:innen am Ende den Freitod wählen wird, drängen dazu weiterzulesen. Auch kann mich Lessing mit seiner Sprache überzeugen. Die Dialoge wirken keineswegs angestaubt und veraltet und machen beim Lesen immer noch Spaß. Kritik muss ich allerdings auch an den Protagonist:innen, allen voran Emilia Galotti, üben. Diese sind in meinen Augen wahrlich keine Sympathieträger:innen. Emilia war mir zu naiv und obwohl sie klug und intelligent gewirkt hatte, konnte ich ihr Handeln nicht immer nachvollziehen. Im Übrigen muss ich sagen, dass mich das Werk von den Figuren und der Handlung sehr stark an "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller erinnert. Der Vater, der meint alles besser zu wissen, die naive Tochter und der böse Handlanger, der am Ende alle Schuld in die Schuhe geschoben bekommt.

Wie dem auch sei, habe ich mich gut unterhalten gefühlt und kann Lessings Werk von Herzen weiterempfehlen, da es einen anschaulichen Einblick in den Geist und das Denken des 18. Jahrhunderts gibt.

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Veröffentlicht am 12.12.2021

gelungener Thriller

Das Therapiezimmer
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Der Psychotherapeut Sam zieht zusammen mit seiner Ehefrau Annie aus New York City fort in eine kleiner verschlafene Stadt im New Yorker Oberland. In dieser kleinen Stadt, in der Sam aufgewachsen ist, ...

Der Psychotherapeut Sam zieht zusammen mit seiner Ehefrau Annie aus New York City fort in eine kleiner verschlafene Stadt im New Yorker Oberland. In dieser kleinen Stadt, in der Sam aufgewachsen ist, arbeitet er alleine in seiner Privatpraxis mit fast ausschließlichen weiblichen Klient:innen. Doch etwas, was Sam nicht weiß, ist, dass sich im Eck seines Praxiszimmers ein Lüftungsschacht befindet, der geradewegs in das Zimmer im Sock darüber führt. Und schon bald lässt sich die erste Person am anderen Ende nieder, der Versuchung nicht widerstanden, nicht zu lauschen.

Meiner Erwartungen an das Buch waren eigentlich recht hoch. Ich erhoffte mir vom Stil und von der Spannung her ein Buch, ähnlich "Girl on the Train" von Paula Hawkins, also diese ruhige Beobachterin, die einen Vorfall mitbekommt und dabei selbst sich selbst ein wenig in den Verdacht rückt. Allerdings spielt im Buch dieser Lüftungsschacht zum Lauschen nicht diese große Rolle, die der Klappentext des Buches verspricht. Abgesehen davon, hat mir der Schreibstil des Buches recht gut gefallen. Kurz angebunden, rasant, Potential für einen Pageturner, als der sich der Thriller letztendlich dann auch herausstellt. Zwar geht die Geschichte im ersten Drittel noch recht ruhig los, doch dann jagt eine überraschende Wendung die nächste und die Spannung steigert sich bis zum Finale hin kontinuierlich an. Erwähnenswert ist vielleicht auch noch der besondere Humor der Autorin, der mich schon auf den ersten Paar Seiten für das Buch begeistern konnte. Nicht ganz überzeugen konnten mich allerdings die Protagonist:innen. Zwar sind sie recht facettenreich gestaltet, vor allem auf psychologischer Ebene glänzen sie, allerdings blieben mir sie teilweise, obwohl ein Teil der Handlung aus der Sicht der Protagonisten geschildert wird, recht fremd. So konnte leider keiner der Protagonist:innen mich für sich gewinnen.

Nichts desto trotz konnte mich das Buch überzeugen und ich habe mich während des Lesens wirklich sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Ein Roman mit Page-Turner-Potential

Die Ullsteinfrauen und das Haus der Bücher
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Berlin in den 20er Jahren: Die geschiedene Rosalie Gräfenberg genießt ein glamouröses Leben zwischen Paris und Berlin. Sie ist unabhängig und abenteuerlustig, verdient sich ihr Geld mit Reisereportagen ...

Berlin in den 20er Jahren: Die geschiedene Rosalie Gräfenberg genießt ein glamouröses Leben zwischen Paris und Berlin. Sie ist unabhängig und abenteuerlustig, verdient sich ihr Geld mit Reisereportagen und Journalismus. Auf einer Gala in Berlin lernt sie Franz Ullstein, den Generaldirektor des großen Verlages, für den auch sie arbeitet, kennen. Franz Ullstein verliebt sich sofort in die intelligente Frau und schon bald macht ihr der um Jahre ältere Mann einen Heiratsantrag. Es scheint schon so, als würde Rosalie mit einer Traumhochzeit in die Ullstein-Familie einziehen, doch sie hat nicht mit den Verwandten ihres Mannes gerechnet. Diesen ist Rosalie ein Dorn im Auge und ihnen ist jede Intrige recht, um die Ehe des frisch vermählten Paares zu zerstören. Doch Rosalie lässt sich nicht unterkriegen und probt zusammen mit ihrer Freundin, der Autorin Vicky Baum und deren Tippfräulein Lilli den Aufstand.

Mit den 20er Jahren, Liebe und Intrigen scheint eine perfekt Mischung für einen spannenden und guten Unterhaltungsroman gegeben zu sein, und für mich hat das Buch gehalten, was Aufmachung und Klappentext versprechen. Der Schreibstil ist leicht, locker und zügig, perfekt für einen Pageturner. Zusätzlich hält die Geschichte einen mit einem sich immer weiter aufbauenden Spannungsbogen an der Stange, sodass die Seiten wirklich nur so fliegen. Insofern konnte auch ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Auch die Protagonisten konnten mich im Anbetracht dessen, was die Geschichte vorgibt zu sein, überzeugen können. Rosalie fand ich fantastisch. Mit ihrem willensstarken und freiheitsliebenden, gleichzeitig auch kompromisslosen Charakter hatte sie es schnell geschafft, mich für sich einzunehmen. Vicky Baum war als die wohlhabende Freundin gestaltet die sie ja auch ist und Lilli ist das typische Mädchen, ausgeschlossen aus vermögenden Kreisen, dass nach gesellschaftlichen Aufstieg strebt. Die beiden sind insgesamt also ein wenig klischeehaft, was mich allerdings nicht gestört hat. Hinsichtlich der historischen Hintergründe hätte ich mir teilweise ein wenig mehr erhofft. Zwar ist die Verknüpfung von Realität und Fiktion rund um den Ullstein-Verlag - hier klärt das Nachwort auch ausführlich auf - sehr gut gelungen und man bekommt einen tollen Abriss davon, wie es dort in den damaligen Zeiten zugegangen sein muss. Das Berlin der Goldenen Zwanziger wurde für mich allerdings nicht immer greifbar. Zwar wurden gesellschaftliches Leben und politische Umbrüche immer wieder kurz angerissen, allerdings hätte ich mir da wirklich mehr erhofft und andere Unterhaltungsromane, die zu dieser Zeit spielen, konnten mir in dieser Hinsicht definitiv mehr geben.

Nichts desto Trotz konnte mich das Buch wirklich mitreißen und ich kann es aus vollem Herzen weiterempfehlen, auch wenn es definitiv nicht den Geschmack von jedem und jeder trifft.

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Veröffentlicht am 21.11.2021

Ein Buch mit thematischer Schlagkraft

Erfahrungen eines schönen Mädchens
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Sasha wächst in einem Vorort von Cleveland in Ohio auf und merkt schon früh, was es heißt, ein Mädchen zu sein, welchen Bestimmungen sie sich unterwerfen sollte. Doch alles in ihr sträubt sich. Sasha will ...

Sasha wächst in einem Vorort von Cleveland in Ohio auf und merkt schon früh, was es heißt, ein Mädchen zu sein, welchen Bestimmungen sie sich unterwerfen sollte. Doch alles in ihr sträubt sich. Sasha will nicht nur schön sein. Sie ist geistreich, aufgeschlossen und hat ihren eigenen Kopf. Und so flieht sie schon früh aus der Provinz in den Osten um zu studieren, in der Hoffnung sich hier voll entfalten zu können. Doch auch hier ist nicht alles so schön, wie sie gern hätte. Sie erlebt Affären, Enttäuschung, Flucht vor sich selbst und der ständige Kampf gegen die Vorstellungen der Männer und der Gesellschaft.

Das Buch enthält definitiv einige Überraschungen. Stilistisch zuerst einmal die unchronologische Erzählweise. Man begleitet Sasha an den verschiedenen Abschnitten ihres Lebens und hat so den direkten Vergleich zwischen ihr in den frühen 20ern, den späteren 20ern und als junges Mädchen. An jeder dieser Stellen ihres Lebens muss sie den gleichen Kampf führen, auch wenn er sein Gesicht verändert und sich auch Sasha immer weiter charakterlich steigert. Im Generellen finde ich Sasha als Protagonistin brillant umgesetzt. Zunächst einmal, dass sie die alleinige Position als Hauptcharakterin des Buches innehat und man alle anderen Akteure der Geschichte durch ihre Augen wahrnimmt, zwar durchaus subjektiv, aber dafür umso interessanter und für die Leser:innen verständlicher. Vor allem nimmt man den Kampf eine Frau zu sein in all seiner Intensität beim Lesen direkt wahr. Beeindruckt hat mich auch, wie reflektiert Sasha mit ihrem Schicksal umgeht. Mann bekommt dadurch einen ganz anderen Blick auf alltägliche Dinge der 40er, 50er und 60er Jahre, aber auch auf Dinge, die heute noch alltäglich sind. Der Schreibstil der Autorin ist im Großen und Ganzen auch überzeugend, allerdings merkt man sehr oft beim Lesen auch, dass das Buch bereits rund 50 Jahre alt ist, was an und für sich nicht störend ist, bei mir allerdings nicht diese sogartige Wirkung erzeugen konnte, die ich bei Büchern schätze, die mich sprachlich komplett überzeugen konnten. Ein stilistisches Mittel, das mir besonders ins Auge gestochen ist, sind die Ausschnitte aus einem Fachbuch zur Kindererziehung, die im letzten Drittel des Buches mit eingebaut wurden. Man bekommt direkt Einblick darin, was damals als perfekte Erziehung für Babys galt. Interessant und gleichzeitig schauderhaft. Letztendlich möchte ich auch noch die Übersetzung loben, da diese für mich wirklich sehr gut gelungen ist.

Rundum gefällt mir das Buch sehr gut, und ich muss sagen, dass inhaltlich bei mir definitiv ein Nerv getroffen wurde.

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