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Veröffentlicht am 11.01.2022

Gratwanderung zwischen Literatur und Informationstext

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Kim Jiyoung, geboren 1982, ist eine mehr als nur durchschnittliche Südkoreanische Frau. Schon ihr ganzes Leben über erlebt sie Sexismus und Benachteiligung ihres weiblichen Geschlechts wegen. Sei es in ...

Kim Jiyoung, geboren 1982, ist eine mehr als nur durchschnittliche Südkoreanische Frau. Schon ihr ganzes Leben über erlebt sie Sexismus und Benachteiligung ihres weiblichen Geschlechts wegen. Sei es in der Schule, in der Erziehung, im Arbeitsleben oder bei der Gründung ihrer eigenen Familie.


Das, so ziemlich, ist alles, was mir hinsichtlich des Inhalts zu diesem viel gelobten und vergötterten Buch einfällt. Meine Erwartungen waren innerhalb der ersten paar Seiten noch einigermaßen hochgesteckt. Allerdings musste ich sehr schnell erkennen, dass ich diese Stück für Stück immer weiter zurückschrauben musste. Inhaltlich ist in diesem Buch nämlich wirklich tote Hose. Zwar waren die Schilderungen von Sexismus einer der gesellschaftlich wohl problematischsten, aber dennoch hochangesehenen Republik unserer Erde ohne Frage spannend zu verfolgen, leider nur nicht in einem spannungs- und unterhaltungstechnischen Umfeld. Die Autorin scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, auf knöcherne Weise die Missstände in ihrem Heimatland anzuprangern - zu Recht meiner Meinung nach, und auch dringend notwendig - allerdings fällt so ziemlich alles, was ich ansonsten an guten Büchern schätze hinter den Vorhang. So bekam ich beim Lesen mehr und mehr das Gefühl, mich in einen Informationstext verirrt zu haben, ähnlich einem Sachbuch. Wo wir dann auch schon beim sprachlichen Aspekt meiner Kritik sind. Kurz und knapp: der Schreibstil war mir viel zu geradlinig und nüchtern, per se nicht das Problem, wenn der Inhalt ansonsten etwas hergeben würde, was leider hier nicht der Fall war. Vor allem die Fußnoten, die sich alle paar Seiten finden, haben mich massiv irritiert und irgendwann zu stören begonnen. die ganzen 200 Seiten über werden nur Fakten hinausgeballert, die insgesamt ein Skelett ergeben, die jede der faden und schlecht gezeichneten weiblichen Personen des Buches tragen hätte können. Die Zeichnung der Charaktere war es nämlich, die mich am meisten schockiert hat. Als Leser:in hat man hier beinahe nichts, das man greifen könnte. Farb- saft- und geschmacklos kommen diese daher, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.


Kurz gesagt: Ich bin enttäuscht. Nicht von der Idee des Buches, aber von dessen Umsetzung. Cho Nam-Joo hat mit der Umsetzung in meinen Augen das Potential, das in der unterdrückten südkoreanischen Durchschnittsfrau lauert, ziemlich gegen die Wand gefahren. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die Lektüre dieses Buches durchaus auch seine informativen Seiten hat. Das war es dann leider aber auch schon wieder.

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Veröffentlicht am 21.08.2021

Die Buchvorlage zu Outlander

Outlander – Feuer und Stein
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Schottland 1945: Claire verbringt mit ihrem Mann die Flitterwochen in einem beschaulichen Dorf auf dem schottischen Land. Doch dieser ist komplett fasziniert von der Geschichte seiner Ahnen, nach denen ...

Schottland 1945: Claire verbringt mit ihrem Mann die Flitterwochen in einem beschaulichen Dorf auf dem schottischen Land. Doch dieser ist komplett fasziniert von der Geschichte seiner Ahnen, nach denen er hier forscht, und scheint seine Frau langsam zu vergessen. Als sie eines Tages alleine einen Spaziergang macht, trifft sie auf einen alten, mysteriös wirkenden Steinkreis. Fasziniert schreitet sie hindurch, und befindet sich plötzlich im Jahr 1743. Claire scheint in der Fremde gefangen zu sein und muss sich dort erst einmal zurechtfinden. Da trifft sie auf Jamie, der zwar nicht aus der selben Zeit kommt wie sie, aber ihr gehörig den Kopf verdreht.

Sowohl die Serie, als auch die Bücher werden ja in den Himmel gelobt, und insofern war ich neugierig, ob mich diese Geschichte auch so in ihren Bann ziehen könnte, wie sie es mit abertausenden tat. Da mich auch der Klappentext ansprach fackelte ich nicht lange rum und begann zu lesen. Allerdings merkte ich recht schnell, dass meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt werden würden. Mein erstes und größtes Problem ist sicherlich einmal der Schreibstil. Andere mögen ihn vielleicht wunderbar und fantastisch finden, aber er ist mir für meinen Geschmack viel zu flach und platt. Dabei zieht sich das ganze auch noch so dermaßen in die Länge. Die Autorin hält sich mit viel zu vielen unnötigen Beschreibungen auf, mit denen sie glaube ich eine besondere Atmosphäre erschaffen will, die meiner Meinung nach aber eher das Gegenteil bewirkt haben. Was mich auch gestört hat war, dass auf langen Strecken einfach nichts passiert ist. Vor allem der Anfang und das Ende des Buches haben mich dermaßen gelangweilt, dass ich an diesen Stellen einfach quergelesen habe. Die Autorin erzählt über Seiten von Dingen, die eigentlich für die Handlung der Geschichte eigentlich komplett überflüssig waren. Im Mittelteil nahm die Handlung dann allerdings an Fahrt auf, und da kam ich dann auch eigentlich recht gut durch die Geschichte. Zwischendurch gab es dann aber wieder mal kurze Stellen, etwa 20-30 Seiten lang, die sich dann wieder ewig gezogen haben. Insgesamt kam ich also mehr schlecht als recht durch das Buch und musste mich stellenweise wirklich quälen. Auch mit den Protagonisten hatte ich so meine liebe Not. Zwar sind sowohl die Hauptcharaktere, als auch die Nebencharaktere sehr facettenreich und außerordentlich gut gezeichnet, und auch kommen eigentlich alle handelnden Personen recht authentisch herüber, doch weder Jamie, noch Claire waren mir wirklich sympathisch. Und ich kann auch beim besten Willen nicht verstehen, warum so viele Menschen so hart für Jamie simpen. Gefallen haben mir hingegen die Beschreibungen des Lebens in der damaligen Zeit, und ich erfuhr viel neues, über die Spannungen zwischen Schottland und England im 18. Jahrhundert. Viele, die ich kenne wurden, nachdem sie das Buch gelesen haben, zu riesigen Schottland und Highland-Fans. Auch hier kann ich sagen, dass der Funke nicht auf mich übergesprungen ist. Zwar mag ich Schottland, insbesondere Edinburgh finde ich enorm faszinierend und ich war auch letztes Jahr dort, aber dieses Buch oder die Serie Outlander haben in keinster Weise was damit zu tun.

Letztendlich muss ich sagen, dass mich das Buch enttäuscht hat. Ich hätte wirklich gerne den Zauber von Outlander für mich entdeckt, aber der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Und ehrlich gesagt kann ich das Buch auch nicht weiterempfehlen und werden vermutlich auch die Finger von den anderen Teilen lassen.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Debut mit Beinahe-Bruchstart

Flucht durch Schwaben
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Schwaben im 10. Jahrhundert: Eigentlich ist das Land befriedet und die Menschen leben in Harmonie, doch da fallen plötzlich die Heerscharen der Ungarn über das Land. Als sie eine Befestigung am Bodensee ...

Schwaben im 10. Jahrhundert: Eigentlich ist das Land befriedet und die Menschen leben in Harmonie, doch da fallen plötzlich die Heerscharen der Ungarn über das Land. Als sie eine Befestigung am Bodensee bedrohen, werden der junge Krieger Marcus und die junge Anna, die sich gerade noch vor den herannahenden Kriegern hier her retten hatte können, losgeschickt, um aus den umliegenden Dörfern und Gegenden Hilfe zu holen. Doch schon bald merken sie, dass nicht nur die Region um den Bodensee bedroht ist, sondern ganz Schwaben droht, unterzugehen. Nun geht es für die beiden um den Kampf für ihr Volk und deren Existenz und sie merken , dass sie mehr für einander empfinden, als ihrer Sache zuträglich wäre.

Also, ich muss sagen, dass ich so gehypt auf das Buch war, da ich mich in das 10. Jahrhundert entführen lassen wollte, denn es ist wirklich schwer, Bücher zu finden, die in dieser Zeit spielen, und dann auch noch so einen ansprechenden Klappentext haben. Allerdings hab ich recht schnell gemerkt, dass mir der Schreibstil des Autors eigentlich kaum zusagt. Ich würde ihn als recht flach, eindimensional und unerfahren beschreiben, sodass kaum die Atmosphäre aufkam, die ich mir erhofft hatte. So war es für mich kaum möglich, mich in die Geschichte hineinzuversetzen. Auch von der Handlung her finde ich die Geschichte recht einseitig geschichtet. Wir haben diesen einen Handlungsstrang - die Flucht vor den herannahenden Ungarn inklusive dem Versuch, das Land vor dem Untergang zu bewahren - und nebenbei noch ein wenig junger, naiver heterosexueller Liebe. Wobei letzterer der beiden Handlungsstränge nicht gerade gut ausgebaut war. Es kam hier alles ein wenig lahm und zäh herüber, wohingegen das herannahen der Ungarn vor allem im ersten Drittel des Buches sehr gehetzt wird, sich anschließend aber legt und hier durchaus einen guten Spannungsbogen aufbaut. Hinsichtlich der Protagonist:innen bin ich der Meinung, dass diese definitiv ein Make-over vertragen würde. Marcus und Anna wirken recht blass, ungeschliffen und sehr sehr oberflächlich, während die Nebencharaktere zu einer einzigen grauen und gesichtslosen Masse verschwimmen, die mehr und mehr ersetzbar wird. Ich konnte die Figuren einfach nicht greifen, mich in sie hineinversetzen, eine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen. Einmal ganz davon abgesehen, dass es Marcus, dem Ich-Erzähler der Geschichte scheinbar komplett an Emotionen bzw. Gedankengängen, die die Geschichte auflockern und ihn als Protagonisten interessanter machen würden, fehlen zu scheint. Zu diesem unwohlem Gefühl bei den Protagonisten hat sicherlich auch deren Sprache - also die Dialoge - beigetragen. Sie wirkt unnatürlich modern, nicht dem 10. Jahrhundert angepasst, viel mehr, als würde man aus einem heutigen Jugendbuch lesen. Damit will ich nicht sagen, dass ich gerne auf Althochdeutsch die Gespräche mitverfolgt hätte, sondern viel mehr, dass mir einfach beim Lesen das Gefühl gefehlt hat, hier an der richtigen Stelle zu sein. Was mich dafür aber wirklich begeistern und wo mich der Autor überzeugen konnte, sind die historischen Fakten. Man merkt hier deutlich, welche Studiengänge Rafael Wagner belegt hat. Umfangreiches Wissen über den Bodenseeraum und den Verlauf des Rheins in Schwaben paart sich hier mit den historisch überlieferten geografischen Bezeichnungen der Region. Für Menschen mit Interesse in Geschichte eine wirkliche Freude.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch auf weiten Längen nicht überzeugen können, auch wenn es mich vor allem gegen Ende der Geschichte hin wirklich gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 20.07.2022

Absolut nicht mein Fall

Der Duft der Kirschblüten
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Durch die Krankheit ihres Vaters übernimmt Clara mehr und mehr die geschäftliche Verantwortung für den Teesalon ihrer Eltern. Finanzielle Vorteile bringen sie zu der Entscheidung, ihren wohlhabenden Jugendfreud ...

Durch die Krankheit ihres Vaters übernimmt Clara mehr und mehr die geschäftliche Verantwortung für den Teesalon ihrer Eltern. Finanzielle Vorteile bringen sie zu der Entscheidung, ihren wohlhabenden Jugendfreud Franz zu ehelichen. Allerdings stellt sich recht schnell heraus, dass Claras ehemals bester Freund einem brutalen und rücksichtslosen Mann gewichen ist. Hinzu kommt noch, dass Clara mehr und mehr Gefühle für den japanischen Handelsreisen Akeno hegt. Doch Clara kann sich nicht einfach aus ihrer verhängnisvollen Ehe befreien, denn damit würde sie das familiäre Teehaus mit in den Untergang reißen.

Ich ging eigentlich ohne große Erwartungen an das Buch heran, erhoffte bzw. erwartete mir kurzweilige Unterhaltung, eine cute Liebesgeschichte, die historisch angehaucht ist. Leider wurden ich auf breiter Front enttäuscht. Da ist zunächst einmal der sprachliche Stil der Autorin. Der Einstieg ins Buch verlief recht holprig, weil ich immer wieder über Satzkonstruktionen und Formulierungen stolperte, die mich ein wenig stutzig machten. Mit der zeit besserte es sich, doch der Schreibstil blieb in meinen Augen nicht mehr als gewöhnlich, und auch im Rest des Buches stieß ich immer wieder auf ein wenig merkwürdige Formulierungen, wie beispielsweise "Schienenbahn". In meinen Augen umso enttäuschender, da die Autorin selbst auch als Lektorin tätig ist. Das ist allerdings bei weitem noch nicht mein Hauptkritikpunkt. Da wäre noch der für meinen Geschmack viel zu konstruierte Plot. Eine Folge von Zufällen und Verkettungen, die ich einerseits zum Teil vorhersehen konnte, und die auf der anderen Seite ein beklemmenden Unwohlsein bei mir auslöste. Als ebenso klischeehaft stellten sich auch die Protagonist:innen bzw, deren Beziehungen zu einander heraus. Clara ist die starke und unabhängige Frau, so weit so gut; Franz der bösartige Ehemann; August der naive und übermännliche Bruder. Man merkt sehr schnell, dass der Facettenreichtum auf der Strecke geblieben ist, wenn jeder der Protagonisten eine einzige Charaktereigenschaft zugeschrieben bekommt. Und am Ende war es auch wenig überraschend, dass jede der Protagonist:innen sich zufälligerweise genau in eine andere wichtigere Figur der Geschichte verliebt hat. Für meinen Geschmack definitiv zu viel Kitsch. Auch ist es so, dass man teilweise sehr wenige Gefühlsregungen und Gedankengänge der Personen mitbekommt, sodass - vor allem Claras Liebe zu Akeno - überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Da blieb lange etwas aus, und plötzlich sollen die beiden verliebt sein? Vor allem von Akeno hat man nichts gemerkt, dass er Gefühle für Clara haben soll. Ein weiterer Punkt, der mir aufgestoßen ist, sind, wie unpassend die Protagonist:innen in manchen Situationen reagieren. Cringe, beschreibt das noch am ehesten. Naiv, unpassend, unstandesgemäß, sodass ich mich mit der Zeit fragte, ob unser Figurenpotpourri nicht komplett hirnlos geboren wurde. Zu guter letzt möchte ich noch anmerken, dass das Buch einige kleinere Logikfehler aufweist, zwar nichts gravierendes, dass den Plot beeinträchtigen würde, doch als Aufmerksamer Leser habe ich mich dann doch ab und zu gefragt, ob dieses Buch jemals korrekturgelesen wurde. Da wäre zunächst einmal der Ausflug nach Hamburg zur Beerdigung des alten Stargart, in dem der neue Geldadel per Schnellzug auf den Holzbänken der Dritten Klasse reist. Oder aber auch, dass Claras Nachtzugreise von Amsterdam nach Berlin scheinbar wie im Flug, tagsüber und binnen eines angeregten Gespräches verging.

Wie man sehen kann, bin ich von vorne bis hinten nicht überzeugt und kann das Buch absolut niemanden weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

leider eine Enttäuschung auf voller Länge

Janin
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Die Familie der jungen Charlotte von Neubeck fällt einer politischen Intrige zum Opfern und fortan muss sie sich unter dem falschen Namen Janin Steinborn ihren Lebensunterhalt als Stubenmädchen auf einem ...

Die Familie der jungen Charlotte von Neubeck fällt einer politischen Intrige zum Opfern und fortan muss sie sich unter dem falschen Namen Janin Steinborn ihren Lebensunterhalt als Stubenmädchen auf einem Gut bei Frankfurt am Main verdienen. Nicht nur, dass das komplett unerfahrene Mädchen nun alles von neu auf erlernen muss und ihre Tarnung aufrecht erhalten muss, sie will auch nicht hinnehmen, dass ihre Familie hinter Schloss und Riegel sitzt und macht sich auf die Suche nach rechtlichen Beistand.

Joa! das trifft meine Gefühle nach dem Ende des Buches recht gut. Der Roman ist als erotisch flagellantischer Roman gekennzeichnet, ein Genre, in dem ich mich normalerweise kaum bewege, und so wollte ich Neues ausprobieren. Allerdings habe ich recht schnell gemerkt, dass mir dieser Genremix aus historischen Roman und erotischen Roman nicht zusagt. Angefangen beim Schreibstil, der mir überhaupt nicht zugesagt hat. Ich kam in keinen guten Lesefluss, stolperte immer wieder über Begrifflichkeiten und gesprochene Sprache, die viel zu modern für das 19. Jahrhundert ist, und musste das Buch immer wieder auf die Seite legen und mich anderer Lektüre widmen, um nicht ganz den Geist aufzugeben. Denn obwohl mich das Buch schon ab Anfang enttäuschte, hoffte ich im Laufe der Geschichte auf Besserung. Was mich aber massiv störte, war das Fehlen von Komplexität in Handlung und bei den Protagonist:innen. Die Handlung ist dermaßen geradlinig Erzählt, dass es nur diesen einen Handlungsstrang gibt, eine einzige Richtung in die sich die Geschichte entwickelt. Das Schicksal von Janins Familie und ihr Kampf für Gerechtigkeit hätten Unmengen an Potential geboten, um der Geschichte ein komplexes Gewand zu geben. Allerdings ist Janin nur damit beschäftigt, nicht als Stubenmädchen unterzugehen und verprügelt zu werden. Zwar versucht sie dann einen Anwalt anzuheuern, der sich darum kümmern sollte, dass ihre Familie freikommt, allerdings verläuft hier die Geschichte sehr im Sande:

1. Man erfährt bis zum Ende nicht, wie es um ihre Familie steht und schon gar nicht, warum diese überhaupt inhaftiert ist.

2. Janin wird bekommt die Anstellung von der Besitzerin des Gutes und wird von dieser gedeckt. Warum, das erfährt man auch nie.

Auch mit Janins Charakter konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Einerseits hat sie immer sehr blass auf mich gewirkt, hatte sich charakterlich nicht sehr stark von den anderen beiden Stubenmädchen Elli und Hannah unterschieden. Gefehlt hat mir definitiv ein reflektierter Geist. Janin wächst kaum während der Handlungszeit. Zwar erlernt sie früher oder später die notwendigen Stubenmädchen-Skills, ihr Charakter bleibt aber in festgefahrenen Mustern. Leider muss ich auch sagen, dass sie für mich keine Sympathieträgerin dargestellt hat. Sie war mir zu naiv und unbedacht, was teilweise beim Lesen recht ansträngend war, sich zum Glück aber in Grenzen gehalten hat. Ein Punkt, der mich auch immer wieder innhalten lies, war die fehlende historische Atmosphäre. Zwar hat man die Dampfeisenbahn und die Dienstmädchen, die den ganzen Tag auf Knien durch das Herrenhaus rutschen, aber sprachlich und oft auch von den Beschreibungen - die im Übrigen recht knapp ausfallen - hat mir da einfach sehr viel gefehlt. Das Buch hätte genau so gut im 16. Jahrhundert spielen können, wie zur Zeit des NS-Regimes. Hier hat sich das Setting leider sehr stark verloren.

Leider muss ich wirklich sagen, dass es sehr wenige positive Aspekte an dem Buch für mich gegeben hat.

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