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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2019

Beamtentum und Seelenstripteas

»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
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Martin Schörle, seines Zeichens Beamter, Kabarettist und Schriftsteller, zeigt in seinen zwei Theaterstücken ein sicheres Gespür für Humor, Dramatik und Zwischenmenschlichkeit.
Sprachgewaltig und pointiert ...

Martin Schörle, seines Zeichens Beamter, Kabarettist und Schriftsteller, zeigt in seinen zwei Theaterstücken ein sicheres Gespür für Humor, Dramatik und Zwischenmenschlichkeit.
Sprachgewaltig und pointiert bringt er den Leser zum Lachen und lässt diesen auch immer mal wieder entzückt den Kopf schütteln.

"Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" ist der Monolog des Vollblutbeamten Hans Fredenbek, der uns einleitend die wichtigen Unterschiede diverser Radiergummitypen erklärt und sich nahezu pausen- und beeindruckend nahtlos durch Themen jeglicher coleur arbeitet und dabei selber das eine oder andere Mal den Faden verliert.
Fredenbek ist einer der sympathischsten und gleichzeitig verrücktesten Charaktere, die je den Weg auf's Papier gefunden haben.
Man möchte ihn schütteln und knutschen und aus dem Fenster werfen.

" Einladung zum Klassentreffen" entwickelt sich völlig anders, als erwartet und führt uns durch die verschiedenen Stadien der Liebe.Es wird geflirtet, geweint, gelauscht und überrumpelt.
Es entsteht Bewegung im Inneren und im Äußeren und überzeugt mit einem äußerst befriedigenden Ende.

Beide Theaterstücke sind so unterschiedlich, dass sie gar nicht gemeinsam bewertet werden können und doch für sich genommen ohne jegliche Einschränkung die volle Punktzahl verdient haben.

Nicht jedes Theaterstück punktet ausschließlich auf der Bühne, diese beiden schaffen es, auch den theaterfernen Leser zu begeistern.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Tragikomische Jugend

Blackbird
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Das vom Autor Matthias Brandt selbst gelesene Hörbuch "Blackbird" erzählt die Geschichte des
15-Jährigen Morten, genannt Motte, dessen Leben aus den Fugen gerät, als bei seinem besten Freund Krebs diagnostiziert ...

Das vom Autor Matthias Brandt selbst gelesene Hörbuch "Blackbird" erzählt die Geschichte des
15-Jährigen Morten, genannt Motte, dessen Leben aus den Fugen gerät, als bei seinem besten Freund Krebs diagnostiziert wird.
Mit diesem schrecklichen Umstand klarzukommen fällt natürlich nicht leicht und wenn dann auch noch die erste Liebe und sich entfremdende Eltern hinzukommen, kann ein junger Mensch schon einmal an seine Grenzen geraten.

Die trockene Art, in der Matthias Brandt diese Geschichte liest, steht in wirksamem Kontrast zu der stimmigen Situationskomik und den teils abwegigen, teils regelrecht philosophischen Gedankengängen Mottes.

Die Hürden des Erwachsenwerdens mit all seinen Ängsten, Zweifeln und zwischenmenschlichen "Unfällen" spiegelt nicht nur eine bestimmte Generation, sondern auf die eine oder andere Art die Erfahrungen eines jeden, wider.
Der Leser/Hörer, egal ob Mann oder Frau, kann sich mit Motte identifizieren und lacht, liebt, leidet mit ihm.

Matthias Brandt hat mit seinem zweiten Buch ein sprachlich ansprechendes und inhaltlich gelungenes Werk erschaffen.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Grandioser Spannungsroman mit viel schwarzem Humor

Achtsam morden
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Björn Diemel ist Anwalt für Strafrecht und sein einziger Mandant ist ein absolut brutaler und gewissenloser Mafiaboss. Björn wird seit Jahren von diesem Mandanten dermaßen beansprucht und muss diverse ...

Björn Diemel ist Anwalt für Strafrecht und sein einziger Mandant ist ein absolut brutaler und gewissenloser Mafiaboss. Björn wird seit Jahren von diesem Mandanten dermaßen beansprucht und muss diverse undurchsichtige Geschäfte für ihn auf mehr oder weniger legalem Weg erledigen, dass kaum noch Zeit für seine Frau und Tochter ist. Außerdem merkt Björn zunehmend, dass er körperlich und psychisch unter seinem Job leidet.
Als er zu einem dreimonatigen Achtsamkeits-Seminar geht und dort anschaulich beigebracht bekommt, was er gegen die negativen Auswirkungen seines Jobs auf sein Leben machen kann, ändert sich schlagartig alles für Björn.
Er bringt seinen Mandanten kurzerhand, aber äußerst achtsam, um.

Von der ersten Seite an schlägt Björn den Leser mit seiner schwarzhumorigen und ehrlichen Art in seinen Bann.
Er verstrickt sich im Laufe der Geschichte immer mehr in ein Geflecht aus Gewalt, Nötigung und Mord; bleibt dabei jedoch stets achtsam und behält einen kühlen Kopf.

Abgesehen von kleinen Logikfehlern im Handeln von Björn Diemel ist dies ein stimmiger, neuartiger und extrem humorvoller Spannungsroman.

Veröffentlicht am 10.10.2019

Leider viel verschenktes Potenzial

The Lie She Never Told
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Faith Rochester hatte vor drei Jahren einen Autounfall mit ihrer besten Freundin Emma als Beifahrerin. Im tiefsten Winter sind sie auf dem Heimweg von einer Party von der Straße abgekommen und in den Wald ...

Faith Rochester hatte vor drei Jahren einen Autounfall mit ihrer besten Freundin Emma als Beifahrerin. Im tiefsten Winter sind sie auf dem Heimweg von einer Party von der Straße abgekommen und in den Wald gebrettert. Als Faith wieder zu sich kommt ist ihr Auto voll mit Emmas Blut und von Emma selbst ist ansonsten keine Spur zu finden.
Faith wird trotz ihres jungen Alters des Mordes verdächtigt, kann aber nicht verurteilt werden, weil es nicht genug Beweise gibt.
Als anschließend eine nervenaufreibend Hetzjagd gegen sie beginn, verlässt Faith ihren Heimatort und kommt erst drei Jahre später wieder zurück, um endgültig herauszufinden, was damals mit Emma geschehen ist.

Was auf den ersten Blick nach einem spannenden Thriller klingt, entpuppt sich schnell als eher semi spannender Jugendroman, der versucht ein Thriller zu sein, das aber nicht so richtig schafft.

Faith ist mittlerweile 20 Jahre alt, war also 17, als sie ihren Heimatort verlassen musste, weil sie wie Frankensteins Monster durch die Straßen gehetzt wurde. Ziemlich unrealistisch war an dieser Stelle, dass die 17-jährige Faith ohne ihren Vater nach Chicago zieht und sich dort ein neues Leben aufbaut, um nach knapp drei Jahren einfach wieder zurück zu kommen, um mal eben das Verbrechen an Emma aufzuklären.
Obwohl vorher alles so schrecklich war, geht Faith nun mit den nach wie vor übertriebenen Anfeindungen der Bewohner ziemlich cool um und schützt sich mit ihrem Trotz.
Schnell sind zwei neue Freundinnen gefunden, die ihr natürlich gerne helfen und eine unpassende Liebesgeschichte entwickelt sich auch noch; so etwas darf ja leider in keinem Jugendbuch mehr fehlen.

Der herausragende Schreibstil der Autorin rettet das ganze Buch in einem gewissen Maße und sorgt dafür, dass der Leser schnell voran kommt.

Die Handlung und Charaktere lassen jedoch sehr zu wünschen übrig, so dass dieser Roman eher etwas für unerfahrene jugendliche Leser sind, die noch keinen allzu hohen Anspruch an ihre Lektüre stellen.

Veröffentlicht am 10.10.2019

Etwas eindimensional

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe
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Max Bischoff ist Oberkommissar bei der Düsseldorfer Mordkommission und wird kurz nach seinem Dienstantritt in der neuen Dienststelle einem mysteriös anmutenden Fall stellen.
Plötzlich steht ein stadtbekannter ...

Max Bischoff ist Oberkommissar bei der Düsseldorfer Mordkommission und wird kurz nach seinem Dienstantritt in der neuen Dienststelle einem mysteriös anmutenden Fall stellen.
Plötzlich steht ein stadtbekannter Journalist blutbesudelt im Kommissariat und kann sich nicht erinnern, was passiert ist. Er weiß nur noch, dass er von einem Informanten bezüglich korrupter Bankgeschäfte in eine ihm unbekannte Wohnung zitiert wurde, in der scheinbar ein blutiges Verbrechen begangen worden ist. Max Bischoff wird schnell klar, dass dieser Fall facettenreicher ist, als es auf den ersten Blick scheint, als im Laufe der nächsten Wochen immer wieder brutal zugerichtete Frauenleichen auftauchen.

Mit Max Bischoff und den anderen Ermittlern und auch den restlichen Protagonisten hat Arno Strobel authentische und gut gezeichnete Charaktere erschaffen. Bischoff und sein Kollege Böhmer schlagen sich auch mit privaten Problemen und Liebeleien herum, was ihnen eine zusätzliche menschliche Seite gibt; diese Seite wird jedoch an manchen Stellen schon fast zu sehr ausgebreitet.
In einem guten Thriller sollte es eher zweitrangig sein, ob sich einer der Ermittler frisch verliebt hat oder ob seine kleine Schwester ganz böse an Liebeskummer leidet.
Wenn sich die eigentliche Polizeiarbeit und die sich häufenden Verbrechen zusätzlich eher eindimensional und stereotypisch gestalten, ist der erfahrene Thriller-Leser schnell eher gelangweilt, als von Spannung gepackt.

Besonders ab der Mitte wurde die Entwicklung des Falls immer vorhersehbarer, so dass das Ende schon fast weh tat und man nur noch müde schmunzeln konnte.

Der flüssige Schreibstil und die gut ausgearbeiteten Charaktere lassen auf weitere Teile hoffen, die dem Leser auf allen Ebenen etwas mehr zu bieten haben.

Bischoff und Böhmer zu begleiten hat trotz überflüssiger Privatangelegenheiten viel Spaß gemacht.