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Veröffentlicht am 17.12.2020

Das etwas andere Mexiko

Der erste Tote
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Im Mexiko der heutigen Zeit sind der Auslandskorrespondent Andrew und sein mexikanischer Kollege, der Fotograf Carlos, plötzlich mit einem Mord an einem jungen Umweltaktivisten konfrontiert. Doch dieses ...

Im Mexiko der heutigen Zeit sind der Auslandskorrespondent Andrew und sein mexikanischer Kollege, der Fotograf Carlos, plötzlich mit einem Mord an einem jungen Umweltaktivisten konfrontiert. Doch dieses scheinbar normale Ereignis hat eine viel tiefere Bedeutung und führt die beiden Reporter auf eine Reise in die dunkelsten Ecken der mexikanischen Kriminalität. Dabei müssen viele Risiken eingegangen werden, die auch ihre Opfer fordern.

Der Thriller ist als crónica geschrieben, einer Mischung aus Sachbericht und Roman. Dadurch wirkt die Geschichte sehr realitätsnah und kann den Leser fesseln. Dies ist durch das ganze Buch hinweg spürbar, die Beschreibungen der Umstände vermitteln den Eindruck, man sei mit vor Ort und im Geschehen. Damit wird streckenweise die etwas nachlassende Spannung, vor allem im Mittelteil, ausgeglichen. Dennoch gibt es nur wenige Punkte, an denen man geneigt ist, das Buch zur Seite zu legen. Insbesondere die Aussicht, dass „Der erste Tote“ der Auftakt einer Trilogie ist, lädt dazu ein, das Werk mit umso mehr Aufmerksamkeit zu lesen.
Diese ist auch nötig, um einen Überblick über die viele verschiedenen Figuren und die Handlungen zu bewahren. Besonders der Einbezug realer Ereignisse führt dazu, dass die Lektüre streckenweise etwas Nachforschung bezüglich der angesprochenen Personen und historischen Momente bedarf. Sieht man über diese aber einfach hinweg, tut das dem Leseverständnis keinen allzu großen Abbruch. Auch die verwendeten spanischen Begriffe sind keine große Hürde und tragen sehr dazu bei, die Authentizität des Thrillers zu verstärken.
Andrew als Protagonist der Geschichte ist ausführlich und stimmig charakterisiert und nimmt bei seiner Entwicklung mit fortlaufender Handlung den Leser mit. Es ist ihm deutlich anzumerken, wie ihn sein Leben in Mexiko verändert hat und wie er dennoch versucht, dort etwas zu verändern, wenn auch nur im Kleinen. Die Unterstützung in Form seiner ehemaligen Englischschülerin Maya ist auch eine weitere Unterstützung, um das Leben und die Vorgänge in Mexiko zu verstehen.
Der poetische Schreibstil kann nicht über die Brutalität hinwegtäuschen, die sich durch den gesamten Thriller zieht, verschafft der Geschichte aber einen Hauch von Wehmütigkeit, der dem Werk einen ganz eigenen Charakter verschafft. Dieser kann ein Spiegelbild der Entstehung des Buches sein, dessen Autor Tim MacGabhann selbst in Mexiko lebt und eine investigative Recherche über die Kriminalität und Korruption in Mexiko als Anlass für diesen Thriller genommen hat. Das findet sich deutlich in der Handlung wieder, deren Realitätsnähe immer wieder überrascht und ein herausstechendes Werk in der Fülle der Bücher über die Kriminalität Mexikos ist. Das lädt zum Lesen der bald erscheinenden Folgebände ein. Spannend ist auch das Cover des Buches, dessen Bedeutung sich im Laufe der Handlung nach und nach erschließt.

„Der erste Tote“ von Tim MacGabhann ist ein fesselndes Buch über eine teilweise fatale Recherche in einem Mexiko, welches Touristen selten zu Gesicht bekommen. Dies fordert allerdings auch einige Opfer. Die Auflösung bleibt bis zum Schluss spannend und bietet einen Ausblick auf die folgenden Werke der packenden Trilogie.

  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere