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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2019

Überspitzt und unverständlich

Bring Down the Stars
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Bring down the stars
Nach einer schlimmen Trennung will die College-Studentin Autumn eigentlich nichts von einer neuen Beziehung wissen und sich nur noch auf ihr Studium konzentrieren – wäre da nicht der ...

Bring down the stars


Nach einer schlimmen Trennung will die College-Studentin Autumn eigentlich nichts von einer neuen Beziehung wissen und sich nur noch auf ihr Studium konzentrieren – wäre da nicht der attraktive Connor, der ihr so süße Texte schreibt, dass sie ihm einfach nicht widerstehen kann. Was sie nicht weiß: Die hinreißenden Gedichte sind eigentlich von seinem besten Freund Wes, der sich auch in Autumn verliebt hat. Mit jedem Satz verstricken sich die Freunde damit immer mehr in ein gut gemeintes Netz aus Lügen, das für keinen gut ausgehen kann…


Meine Meinung


Bring down the stars ist das erste Buch von Emma Scott, das den Sprung in mein heimisches Bücherregal geschafft hat. Vor allem besticht es durch das Cover: Der typische Coverstil aus dem Hause Lyx mit einfacher Farbgestaltung, aber trotzdem sehr vielversprechender Aufmachung. Ich habe schon lange keinen New Adult Roman mehr in den Händen gehabt, aber das Cover hat mich neugierig gemacht – leider hat sich mir aber wieder gezeigt, warum ich das Genre nur noch selten lese. Doch dazu später mehr…
Der Anfang des Buches überrascht nur wenig mit einem angenehmen Schreibstil, der sich schnell weglesen lässt und gut zu den sprechenden Charakteren passt. In wechselnden Perspektiven wird wird die Geschichte von Autumn und Wes gleichermaßen erzählt, die sich im dritten Studienjahr über den Weg laufen. Mehr ist an dem Schreibstil aber auch nicht dran – er ist schön, aber nichts besonderes. Vor allem von den angepriesenen Gedichten hatte ich mir mehr erhofft, da sie im Buch (allerdings ganz nach Autumns Geschmack) extrem kitschig und fast schon übertrieben daherkamen. Vielleicht liegt das an der Übersetzung (die englischen Gedichte sind glücklicherweise hinten im Buch enthalten), aber mir kamen sie recht langweilig und abgekupfert vor – nichts, was mir im Gedächtnis bleiben würde.
Autumn, Wes und Connor sind die Hauptfiguren des Romans und stehen deutlich im Zentrum – die Nebenfiguren, vor allem Autumns Mitbewohnerin, bleiben sehr weich gezeichnet und für den Leser im Dunkeln. Dafür werden die Eigenschaften der drei Protagonisten extra viel wiederholt – mir kam es so vor, als wollte die Autorin uns ja nicht vergessen lassen, dass Autumn sehr romantisch veranlagt ist, Connor ein zehntausend Watt Lächeln hat und Wes von einer erdrückenden Last Schuldgefühle geplagt wird. Anstatt diese Eigenschaften in der Geschichte zu verstecken und nur anzudeuten, entschied Ema Scott sich hier dafür, sie immer und immer wieder zu erwähnen. So erschienen mir die Protagonisten die ganze Zeit recht einseitig charakterisiert – was ich wirklich schade fand, denn vor allem Wes hätte einiges an Potenzial gehabt und war mir eigentlich noch der liebste der drei.
Vor allem anderen, konnte mich allerdings die Handlung nicht überzeugen. Am Anfang konnte ich noch verstehen, wie Connor und Wes in die ganze Geschichte gerutscht sind, aber irgendwann wurde es in meinen Augen nur noch unglaubwürdig und mein Verständnis für die beiden war aufgebraucht. Natürlich ist kein Charakter perfekt und ein Anspruch auf Perfektion wäre sinnlos, aber ich brauche in den Büchern immer eine gewisse Nachvollziehbarkeit und einen Realitätsbezug, der mir in der Mitte des Buches nur noch gefehlt hat. Ich konnte immer stärker feststellen, wie sehr die Autorin in die Handlung eingriff und versuchte eine Spannung aufzubauen, die natürlicherweise gar nicht da war – irgendwann wurden die Entscheidungen der Charaktere und die Geschehnisse daher nur noch surrealistisch und für mich nicht mehr durchschaubar.
Lediglich das Ende hat das gesamte Buch für mich nochmal aufgewertet. In typischer Emma Scott Manier drehte sie die Handlung ins Unerwartbare und schloss den Kreis zum Beginn des Buches, sodass selbst ich am Ende noch gefesselt war.

Mein Fazit


Für Fans von Emma Scott und vielbelesene New Adult Fans ist das Buch mit seinen stark gezeichneten Charakteren und der Wendung am Ende sicher ein guter Fang, aber für viele Leser, die dem New Adult Genre kritisch gegenüberstehen, ist das Buch definitiv nicht das Richtige. Die Handlung war für mich so überspitzt und aufgedreht, dass ich sicher kein Emma Scott Fan mehr werden kann. Von mir gibt es daher leider nur 3 Sterne.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl/Erotik
Veröffentlicht am 20.11.2019

Der Geist von Shadowbrook

Das Geheimnis von Shadowbrook
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Das Geheimnis von Shadowbrook- Inhalt
Die junge Londonerin Clara Waterfield leidet an der Glasknochenkrankheit – ihre gesamte Kindheit bestand lediglich aus sehnsüchtigen Blicken aus dem Fenster, ihrer ...

Das Geheimnis von Shadowbrook- Inhalt


Die junge Londonerin Clara Waterfield leidet an der Glasknochenkrankheit – ihre gesamte Kindheit bestand lediglich aus sehnsüchtigen Blicken aus dem Fenster, ihrer Mutter, die ihr Geschichten über das fremde Indien erzählte, und aus unzähligen Büchern. Als sich ihr eine Gelegenheit bietet, als Botanikerin auf dem Anwesen Shadowbrook zu arbeiten, packt sie die Möglichkeit beim Schopf und entflieht der Großstadt London. Doch womit sie nicht gerechnet hatte, sind die vielen düsteren Gerüchte, die sich um Shadowbrook und seine Bewohner ranken – und die auch Clara unweigerlich mit ihrer Vergangenheit konfrontieren.


Meine Meinung


Ein geschwungenes, goldenes S zieht sich schlängelnd über den Hintergrund aus dunklen, geheimnisvollen Blumen – äußerlich ist Das Geheimnis von Shadowbrook ein wahrer Schatz und für viele sicher ein klares Muss, um das heimische Bücherregal zu verschönern. Vor allem aber, läutet das Cover die Atmosphäre sehr gut ein: Der geheimnisvolle, ein wenig melancholisch gehaltene Roman ist bei weitem kein Page Turner, den man innerhalb von ein paar Stunden lesen kann. Dieses Buch fordert ohne Zweifel Konzentration und muss verdaut werden – denn so wenig wie der Klappentext an sich verrät, desto mehr wird in dem Buch verarbeitet.
Clara, die Protagonistin des Romans, hatte es in ihrem Leben nicht leicht – aufgrund ihrer Krankheit konnte sie nie wirklich das Haus verlassen und musste alles aus Büchern lernen. Umso weniger ist sie bewandert in sozialen Gepflogenheiten und stößt mit ihren unverblümten Kommentaren und vielen Fragen an – was in einem Buch, das zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, besonders erfrischend war, da sich niemand wirklich zu trauen schien, etwas direkt zu sagen. Nur Gerüchte gingen in dieser Dorfgemeinschaft und in Shadowbrook um wie ein Lauffeuer. Ansonsten bestach Clara vor allem wegen ihrer Neugier herauszufinden, was es mit dem Anwesen wirklich auf sich hat, und ihrer Unbeholfenheit in vielen Situationen – sie war ein liebenswerter Charakter, der zwar etwas Zeit brauchte, um das Leserherz zu erobern, und deren Gedankengänge nicht immer nachvollziehbar waren, aber durch ihre unkonventionelle Sicht auf die Dinge bekam man häufig einen neuen Blickwinkel auf die Situation. Die anderen Charaktere neben ihr blieben zwar alle in einem graueren Licht, dafür wurde die Dorfgemeinschaft an sich und ihr enormer Hang zu Gerüchten sehr gut charakterisiert und passte ausgezeichnet zu der Handlung. Auch wenn ich von ihnen nicht viel erfahren habe, sind vor allem Hollis und Mrs Bale schöne, ungewöhnliche Charaktere gewesen.
Die Handlung konnte mich dagegen leider nicht so sehr faszinieren wie Clara selbst. Am Anfang kam die Geschichte nur sehr schwer in Gang und ließ Fragen offen, warum ausgerechnet sie erzählt werden muss. Und auch mit der Zeit, in der mehr Fragen aufgeworfen wurden als beantwortet werden konnten, erschloss sich das Ziel der Handlung nicht wirklich – und ich bin ein großer Fan davon, die Sinnhaftigkeit einer Geschichte ausfindig zu machen. Somit plätscherte die Handlung lange vor sich hin, Clara kam nicht vor und zurück, weil sie einerseits nichts neues erfuhr und andererseits die Geschichte auch nicht einfach ruhen lassen konnte. Im Laufe der Geschichte passierten immer mal wieder kleine Dinge, die den Leser wahrscheinlich bei der Stange halten sollten, für mich waren sie allerdings einfach nicht genug, um Spannung aufzubauen. Und so quälte ich mich vor allem durch die Mitte der Geschichte, in der die Handlung sich enorm zu ziehen drohte und praktisch nur Claras Alltag beschrieben wurde. In Folge dessen war das Ende zwar gespickt von vielen kleinen Andeutungen, kam aber bei dem bisherigen Tempo des Buches viel zu schnell und klang dann auf den letzten Seiten wieder so sehr ab, dass ich einige Seiten nur noch überspringen wollte. Das Buch braucht eben seine Zeit, um gelesen zu werden.


Fazit


Obwohl Das Geheimnis von Shadowbrook ein so schönes Cover besitzt, kann der Inhalt nur bedingt mit ihm mithalten. Clara war eine außergewöhnliche Protagonistin, von der ich gerne mehr gelesen hätte, aber die Handlung, in die sie geworfen wurde, wurde ihr nicht gerecht. Obwohl ich am Ende froh war, das Ende doch noch gelesen zu haben, hatte ich in der Mitte wirklich überlegt das Buch wegen mangelnder Spannung wegzulegen. Von mir gibt es daher nur eine Empfehlung an Menschen, die sich von ruhigeren Handlungen nicht stören lassen und eher an einem Gesellschaftsbild vom Anfang des 20. Jahrhundert interessiert sind.

Veröffentlicht am 25.08.2019

Über die Einsamkeit

Alles okay
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Alles okay:
Marin ist tausende Kilometer geflohen, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Keine lauen kalifornischen Sommer mehr, kein Meer, nichts, das sie an die ersten 18 Jahre ihres Lebens erinnern ...

Alles okay:
Marin ist tausende Kilometer geflohen, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Keine lauen kalifornischen Sommer mehr, kein Meer, nichts, das sie an die ersten 18 Jahre ihres Lebens erinnern könnte. Doch selbst im weihnachtlichen Upstate New York ist sie vor ihrer Vergangenheit nicht sicher, als auf einmal ihre alte Freundin Mabel vor der Tür des Wohnheims steht – und mit ihr kommen all die Erinnerungen zurück, an die Marin niemals mehr denken wollte.


Meine Meinung:
Alles okay ist zuerst augenscheinlich nur ein Buch für zwischendurch – mit seinen knapp 200 Seiten ist es das kürzeste Buch, das ich außer der Schullektüre in den letzten Jahren in den Händen hatte. Platziert im weihnachtlichen Staat New York passt es auch anscheinend nicht in den sommerlichen Lesestoff, den man sich am Strand zu lesen wünscht.
Aber keine der beiden Annahmen sind richtig, wenn man sich auf das Buch einlässt und in der richtigen Stimmung zu fassen bekommt – denn meiner Meinung nach, entfaltet sich das Potenzial erst in der Dunkelheit, wenn man sich auf Marin einlässt und wenn man versteht, dass sie genau das ausspricht, vor dem sich jeder von uns fürchtet.
Beginnen wir allerdings erst einmal mit dem Schreibstil. Über ihn gab es am Anfang nicht viel zu berichten, er war einfach und locker, sehr schön, aber nichts, was hervorstechen würde. Aber sobald auch die Geschichte an Fahrt aufnahm und ich mich deutlich besser in Marins Lage hineinversetzen konnte, wurde auch der Schreibstil einzigartig. Nina LaCour, die Autorin, versteht sich in einer Präzision darauf, die richtigen Wörter für die passenden Emotionen zu finden, die mich verblüffte und ein wenig neidisch machte. Manchmal war nur ein Satz, gar das richtige Wort nötig, um mich vom Hocker zu hauen – und sie hat genau diese Meisterschaft mit Bravour bestanden.
Bei einer Handlung von 200 Seiten ist man als Leser erst einmal etwas skeptisch, vor allem wenn man ein eher schweres Thema erwartet. Am Anfang hatte ich auch so meine Probleme, in die Geschichte herein zu finden. Marin war zwar eine angenehme Protagonistin, aber man bekam am Anfang nicht viel von ihr mit, da sie sich sehr von ihrer Vergangenheit abzuschirmen versuchte. Mit Mabel zusammen wurde immer wieder auf ein einschneidendes Ereignis hingedeutet, aber es erklärte mir nicht Marins Gefühle, wodurch ich mich nicht sofort mit ihr identifizieren konnte. Die Geschichte plätscherte ein wenig dahin, als die zwei Mädchen um einander herumschlichen, ohne wichtige Dinge zu besprechen – nur gelegentliche Kapitel, die den Sommer des Geschehens zeigten, machten deutlich, wie anders Marins Leben noch vor einem halben Jahr gewesen war.
Nach etwas 100 Seiten allerdings, als Marins altes Leben immer mehr zu wackeln schien, erwischte mich das Buch in der richtigen Stimmung und entfaltete sein ganzes Potenzial. Nina LaCour sprach in mir etwas an, das ich schon lange als eine meiner eigenen größten Ängste gesehen hatte und legte Marin Worte in den Mund, die in mir selbst etwas zum Schwingen brachten. Marins größtes Problem, ist nämlich die tief sitzende Einsamkeit, die sie schon ihr ganzes Leben befällt. Mit der schneidenden Präzision, die ich bereits erwähnt habe, schaffte sie es dieses Thema so gut anzuschneiden und mich mit der Geschichte so zu berühren, dass ich zeitweise komplett in Tränen aufgelöst war. Ich fühlte mit ihr und konnte ihre Gedankengänge auf einmal viel besser verstehen. Noch jetzt, Tage nachdem ich das Buch beendet habe, würde ich meine Nase gerne noch einmal in den Roman versenken und Ninas Worten lauschen.
Am Ende waren es aber leider doch nur 200 Seiten an Buch und so schön die zweite Hälfte auch war, kam das Ende viel zu kurz. Marins und Mabels Beziehung kam mir in dem ganzen Rückblick etwas zu kurz, sodass ich leider mit ihnen wenig mitfiebern konnte und auch Marins Wandel am Ende war dadurch schwer verständlich. Letztendlich hat Nina LaCour in meinen Augen das Thema wunderbar angesprochen, aber weniger gut verarbeitet. Da ging so viel Potenzial verloren, dass ich die Autorin am liebsten schütteln würde!


Fazit:
Trotz des winterlichen Settings ist das Buch eine wahre Sommerlektüre mit Tiefgang, die mich in der zweiten Hälfte wunderbar berühren konnte. Mit ein paar Seiten mehr hätte die Autorin allerdings die Beziehungen der Charaktere deutlich verbessern und das Thema viel schöner verarbeiten können – ganz davon abgesehen, dass ich auch den Titel des Buches verändert hätte. Alles in allem gebe ich aber eine klar Empfehlung an die Leute ab, die sich nicht von einem kürzeren, aber emotionalen Buch abschrecken lassen und am Ende das Thema lieber selbst reflektieren wollen!

Veröffentlicht am 30.07.2019

Der Kampf zwischen Gute und Böse

Licht und Schatten
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Licht und Schatten

Mit Vidas Geburt soll sich das Schicksal, der Welt verändern. Ihre Ankunft wurde schon vor Äonen vorausgesagt, denn sie soll die eine sein, die die Dunkelheit und das Böse bannt und ...

Licht und Schatten

Mit Vidas Geburt soll sich das Schicksal, der Welt verändern. Ihre Ankunft wurde schon vor Äonen vorausgesagt, denn sie soll die eine sein, die die Dunkelheit und das Böse bannt und das Gute auf die Welt zurückbringt. Aber die bösen Mächte wissen von ihr und der Preis für Vidas Geburt ist hoch - ihr Leben im 18. Jahrhundert ist alles, aber nicht einfach.

Meine Meinung

Auf das Buch von Zoran Drvenkar bin ich nur durch Zufall auf Vorablesen gestoßen - ein ansprechendes Cover, aber mit nichtssagendem Klappentext. Die Leseprobe dagegen besticht mit einer Seltenheit: Mit einem einmaligen Schreibstil, distanziert, aber so detailliert, das jeder Satz wie ein kleines Kunstwerk erscheint. Auch hier gibt die Probe noch nicht viel von Vida preis, aber es reicht, um neugierig zu machen. Denn der Tod lauert auf sie...

Was sich dann an Geschichte enthüllt, ist interessant, aber verwirrend zugleich. Dank des Klappentextes und der Leseprobe erwartet man eine Art düstere Geschichte über den Tod, über dunkle Magie und über die Zeit des 18. Jahrhunderts, in der Vida lebt. Dieser Eindruck prägt sich so in den Erwartungen ein, dass der eigentliche Kern der Geschichte überraschend kommt - man sollte in dem Buch weniger etwas historisches, als viel mehr einen geschickten Fantasyroman erwarten, der sich kaum auf ein Alter beschränken lässt. Es ist zu brutal für Kinder und zu kindlich für Erwachsene. Wer sich zu sehr auf seinen Erwartungen versteift, könnte da enttäuscht werden, vor allem da die Geschichte selbst sehr fantasievoll und manchmal auch reichlich verwirrend erscheint. Ein Setting in der heutigen Zeit hätte da vielleicht besser geholfen.

Der Schreibstil selbst ist genau wie in der Leseprobe sehr gut und unfassbar belebend. Der Roman wird eigentlich von einem Erzähler erzählt, aber die Perspektiven wechseln immer zwischen verschiedenen Personen und manchmal sogar zu anderen Wesen - so hat man verschiedene Winkel und auch verschiedene Erzählarten, die allesamt sehr interessant und sehr kreativ sind. Langweilig wird es bei den Personen nicht, auch wenn nicht jede Person oder jede Geschichte hätte dabei sein müssen.

Das große Manko des Buches waren nämlich vor allem die langatmigen Stellen. Vidas Kindheit in der ersten Hälfte des Buches zb war kaum bis wenig relevant für die gesamte Geschichte und diente nur dazu, Vida zu charakterisieren. Ich habe mich noch zuletzt bis zum Ende gefragt, was der Autor mir mit der Geschichte sagen wollte - denn den Kampf Gut gegen Böse wollte ich ihm irgendwie nicht abnehmen. Und auch manche Personen, wie zb ein Bär, erschienen mir zwar kreativ, aber so unnötig für die Handlung, dass ich mehr als einmal versucht war, die Seiten quer zu lesen. Irgendwie fehlte mir eine Note Glaubwürdigkeit,  da der Fantasyaspekt in meinen Augen nur bruchstückhaft mit dem Setting in Verbindung zu passen schien.
Vor allem aber das Ende machte mich stutzig: Es wird wohl mindestens einen 2. Teil geben.

Mein Fazit

Licht und Schatten ist ein außergewöhnliches Buch, das man so nicht oft findet. Der Schreibstil ist der größte Pluspunkt, während die Handlung selbst noch Entwicklungspotenzial hätte - man braucht eine ganze Weile, ehe man das Thema verstanden und mit seinen Erwartungen überein gebracht hat. Wenn man sich durch einige trockene Stellen gearbeitet  hat, macht das Ende neugierig auf mehr. Umgehauen hat mich das Buch allerdings trotz des tollen Schreibstils nicht.

Veröffentlicht am 25.03.2019

Ein wirklich abstruses Ding

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Ein wirklich erstaunliches Ding:
April May wird über Nacht zu einer Berühmtheit – die Kunststudentin, die gerade noch auf einem Berg Unischulden saß und einen ungeliebten Job machte, wird durch ein nächtliches ...

Ein wirklich erstaunliches Ding:
April May wird über Nacht zu einer Berühmtheit – die Kunststudentin, die gerade noch auf einem Berg Unischulden saß und einen ungeliebten Job machte, wird durch ein nächtliches Video von einem plötzlich auftauchenden Roboter in der New Yorker Innenstadt zum gefragtesten Menschen der Welt. Doch niemand weiß wo der sogenannte „Carl“ herkommt - oder die anderen 63 Kopien von ihm. Und so legt es April darauf an, zur Carl-Expertin aufzusteigen – doch die Berühmtheit hat auch ihre Schattenseiten...


Meine Meinung:
Hank Green, gefeierter Videoblogger und Musiker, hat endlich seinen ersten Roman veröffentlicht. Mit „Ein wirklich erstaunliches Ding“ wurde er sofort international bekannt und zwar nicht nur als John Greens kleiner Bruder. Bei den Meinungen geht es allerdings etwas weiter auseinander als gedacht – und auch mir viel es sehr schwer, meine Gedanken zu seinem Debutroman zu äußern. Nicht einmal das Genre ist eindeutig, das Buch ist eine Mischung aus Sci-Fi, politisch-kritischem Roman und einer Art seltsamer Dystopie.
Hanks Schreibstil ist dabei noch das einfachste zu bewerten: Er schreibt locker und leicht, mit ein paar eingeschobenen Witzen und Einwürfen, wie man sie aus seinen Videos gewohnt ist. Ein paar tiefgründigere Gedanken sind auch ab und zu eingestreut, die aber neben der sehr einzigartigen Story eher auf der Strecke und sehr wirr geblieben sind.
April May als Hauptcharakterin war am Anfang noch recht gut einzuordnen, doch je weiter das Buch fortschritt, desto schwerer viel es mir, sie einzuschätzen. Sie schien mir eher wie eine verplante Künstlerin, die noch auf ihre Chance wartete, erkannt zu werden - allerdings artete das dann in einer Sucht darin aus, weiter im Rampenlicht zu stehen. Dabei trampelte sie vor allem auf ihren sozialen Beziehungen herum und erschuf um sich herum eine ganze Marke, die ich nie wirklich nachvollziehen konnte. April widersprach sich in Gedanken meiner Meinung nach oft selbst, schwenkte von einem Gedanken zum anderen und änderte ihre Meinung im Sekundentakt. Es war für mich extrem schwer, sie zu verstehen und daher hätte ich am liebsten oft die Hände vors Gesicht geschlagen, wenn sie mal wieder eine dumme Entscheidung traf. Wenn ich jemanden in diesem Roman am wenigsten mochte, dann wohl April selbst.
Noch unverständlicher als April, war nur noch die Handlung selbst. Ohne ein klares Genre, ging es auch in dem Buch ziemlich wirr zu – zuerst schien er ein sehr realistischer Roman zu sein, rund um die Gefahren und Vorzüge von Berühmtheit und Social Media, aber mit Carl bekam es nicht nur eine Sci-Fi-Seite, sondern wurde wegen mancher seltsamer Ideen sogar noch ins Abstruse gezogen. Wenn eine Roboterhand abfällt und sich wie eine Spinne verhält, davon rennt und in einem Zaubererhaus (wo sich keiner über sie zu wundern scheint) verschwindet, wundert man sich schon, wie ernst Hank seinen ersten Roman wirklich genommen hat. Zudem schien er Messages vermitteln zu wollen, die beim Leser aufgrund der abstrusen Details einfach nicht ankommen wollten und so stellte ich mir immer die Frage, warum Hank genau diese Geschichte erzählen wollte bzw. musste. Ich könnte beim besten Willen nicht genau wiedergeben, worum es eigentlich genau ging.
Am Ende bleib es dann dementsprechend auch viel zu offen und ich blieb zurück, ohne eine genaue Ahnung davon zu haben, was ich gerade gelesen hatte.


Fazit:
Hank Greens erster Roman ist auf jeden Fall einzigartig, ob in gutem oder in schlechtem Sinne muss jeder selbst entscheiden. Allerdings ist Hank sich selbst treu geblieben, weshalb das Buch wohl für immer in meinen Erinnerungen bleiben wird.