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Veröffentlicht am 08.08.2020

Faszinierender Fantasy-Roadtrip in dystopisch gesellschaftskritischen Kleid - spannend und fesselnd

Elbendunkel 1: Kein Weg zurück
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Dieses Buch durfte ich freundlicherweise über Netgalley lesen. Nicht nur das Cover hat mich angezogen, auch den Klappentext fand ich ziemlich interessant! Ich mag ja Elben sehr, dabei hat das düstere und ...

Dieses Buch durfte ich freundlicherweise über Netgalley lesen. Nicht nur das Cover hat mich angezogen, auch den Klappentext fand ich ziemlich interessant! Ich mag ja Elben sehr, dabei hat das düstere und futuristische Setting meine Aufmerksamkeit geweckt. Die Autorin Rena Fischer ist mir vom Namen her bekannt, bisher hatte ich noch keine Titel von ihr gelesen. An dieser Stelle möchte ich mich auch beim Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

Coverbild
Das Cover scheint wie ein Kunstwerk. Auf dem Bild steigt eine Rauch ähnliche Säule aus aquarellistischen Farbklecksen empor. Da Drinnen sind mehrere Silhouetten von San Francisco abgebildet, vor allem ist die Golden Gate gut zu erkennen. Im oberen Drittel steht der Titel des Buches in sehr schlanken und klaren Lettern. Das ganze ist in dunklen Farben zwischen Türkis und dezenten rosa Flecken. Das Cover hat mich erst auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich finde es einen tollen Eyecatcher, der absolut auch auf den Inhalt der Geschichte passt.

Handlung
2044 wird die Welt nicht mehr nur von Menschen, sondern auch von Elben bevölkert, deren Aufenthalt unter der Aufsicht der Elbensicherheitsbehörde steht. Luz, die Tochter des Obersten aus der Elbensicherheitsbehörde, stolpert mehr oder weniger bei einem heimlichen Date mit dem hübschen Lichtelbenmischling Niall in die ihr unbekannte Untergrundszene zu einem Poetry-Slam, bei dem sie magisch von dem jungen Mann Darel angezogen wird und begeistert von der Untergrundszene ist. Doch plötzlich wendet sich ihr wohlbehütetes Leben: wegen einer Razzia muss Luz flüchten und Darel hilft ihr dabei, und auf einmal kann sie nicht mehr zurück, denn ihr Vater wird zu ihrem Feind und sie entdeckt immer mehr Geheimnisse und Lügen um ihr Leben. Sie ist gezwungen sich vor ihrem Vater zu verstecken und begibt sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip.

Buchlayout / eBook
Die 480 Seiten werden in 77 sehr kleine Kapitel aufgeteilt. Die Kapitel haben einen kurzen Titel und darunter steht der Name aus dessen Perspektive der Abschnitt erzählt wird.
Ansonsten bleibt die Gestaltung des eBooks recht schlicht. Im Anhang gibt es eine ausführliche Personenübersicht und ein Sachverzeichnis.

Idee / Plot
Eine sehr brisante und immer noch top aktuelle Thematik greift hier die Autorin auf. Denken wir an die Gastarbeiter aus Italien oder die türkischen Einwanderer, nicht zuletzt an die letzten Zuwanderungen der Flüchtlinge. Elben flüchten aus ihrem zerstörten, von Tyrium vergifteten Land in die Menschenwelt, werden zunächst mit offenen Armen empfangen. Doch Jahr um Jahr wird der Argwohn und die Skepsis größer, die Rufe nach Sicherheit vor den Elben immer größer. Die Lichtelben sollen friedlich sein und genießen eine höhere Akzeptanz bei den Menschen. Die Dunkelelben hingegen gelten als aggressiv und unberechenbar und müssen mit technischen Mitteln, wie implantierten Tyrium-Transponder, in Schach gehalten werden, die auf Knopfdruck aktiviert werden und den Dunkelelben auf der Stelle töten können.
Doch was weiß die Gesellschaft wirklich über die Elben und die politischen Entscheidungen? Rena Fischer fädelt hier geschickt einen fantasievollen Politkrimi in einem dystopischen Hightech-Setting mit vielen Geheimnissen und Intrigen.

Emotionen / Protagonisten
Luz lebt mit ihren Eltern in einem herrschaftlichen Haus und gehört zur gehobenen Gesellschaftsschicht, ist wohlbehütet und kennt nur ihre Sicht der Dinge. Ich finde ihre Entwicklung wirklich toll mitzuerleben.
Klar ist sie anfangs etwas naiv, aber ich finde sie sehr schlau und reflektiert. Ihr Vater ist übermächtig und sie muss erkennen, dass ihre Welt viel mehr Geheimnisse verbirgt und vieles auf Lügen aufgebaut wurde.

“Ich habe wie in einer Schneekugel gelebt, dachte Luz bitter. Mit ein paar winzigen Flöckchen Wirklichkeit, die mich ab und an streiften, bis das Date mit Niall meine kleine, schöne Welt ins Rollen gebracht hat und sie an der Wahrheit zerschellt ist.”

Rena Fischer “Elbendunkel - Kein Weg Zurück (Band 1)”, Pos. 1530 (Natgalley-DOC, © 2020 Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag)

Zunächst ist sie ein bisschen in Niall verschossen, doch die Umstände, dass Darel sie auf ihrer Flucht begleitet und hilft, lassen ihre Gefühle zu Niall langsam abebben. Darel ist sehr geheimnisvoll, hat seine eigenen Absichten und zieht knallhart sein eigenes Ding durch. Dass Luz zunächst Mittel zum Zweck ist, wird schnell klar. Aber auch bei ihm scheint die gemeinsame Zeit mit Luz nicht spurlos vorüber zu gehen. Dabei finde ich die Kabbeleien zwischen Luz und Darel ziemlich witzig.

“»Schon außer Atem, Prinzessin? Wie schade, dass Niall keine Sänftenträger angeheuert hat.« Sie fuhr herum und warf ihm einen tödlichen Blick zu. Dann stapfte sie schnellen Schrittes an ihm vorbei. Darel schmunzelte. Es funktionierte. Jedes Mal.”

Rena Fischer “Elbendunkel - Kein Weg Zurück (Band 1)”, Pos. 2202 (Natgalley-DOC, © 2020 Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag)

Niall bemüht sich sehr um Luz, wirkt aber im Vergleich zu Darel ziemlich unbeholfen. Er ist der Sohn vom erbittertsten Gegner von der Politik von Luz’ Vater. Aber auch er erzählt Luz nicht die volle Wahrheit. Luz wendet sich mit der Zeit von ihm ab, wo er mir tatsächlich ein bisschen leid tut.

Die Liebesgeschichte steht hier gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern vor allem Luz’ Flucht und Trip durch das Ungewisse. Trotzdem hat mir hat die Dreiecksbeziehung gut gefallen und die Charakterentwicklung der Drei konnte ich sehr gut nachvollziehen.

“Luz schenkte ihnen ein zaghaftes Lächeln, Salz in der offenen Wunde seiner Schuldgefühle, seiner inneren Wut, gerade der richtige Cocktail, um Niall endgültig die Fassung verlieren zu lassen.”

Rena Fischer “Elbendunkel - Kein Weg Zurück (Band 1)”, Pos. 2570 (Natgalley-DOC, © 2020 Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag)

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Mir hat die Umsetzung der dystopischen und futuristischen Idee sehr gut gefallen. Zunächst muss die Autorin uns Leser in die Welt der Menschen, Licht- und Dunkelelben einführen, was sie geschickt durch die Darstellung der sich verändernden Gesetzestexte gelöst hat, bei denen man die Entwicklung der Antipathie den Elben gegenüber super nachvollziehen kann. Auch die Einführung in die technologischen Veränderungen und Errungenschaften fand ich sehr spannend. Trotzdem geht die Geschichte sehr bald los, und wir begleiten Luz zu dem Poetry-Slam. Ab der Razzia geht es rasant weiter, Luz wird zunächst von Darel gerettet, muss dann aber vor ihm flüchten. Durch Umstände entpuppt sich Darel aber als der Einzige, der Luz vor ihrem Vater schützen kann. Gemeinsam mit Niall und zwei anderen Dunkelelben begleiten wir das Mädchen auf ihrem Roadtrip durch San Francisco und der Umgebung. Am Ende bleibt man mit einem Cliffhanger zurück. Obwohl viele Fragen aufgeklärt wurden, ist die Geschichte nicht beendet und viele neue Fragen bleiben noch offen. Einen richtigen Showdown gibt es nicht, durch die rasante Entwicklung, die ständigen Lügen und Intrigen, bleibt es durchweg spannend und fesselnd.

“Sie schmeckte Blut auf ihrer Zunge und das knallende Geräusch des Schusses ertrank in einem dunklen, zornigen Aufschrei.”

Rena Fischer “Elbendunkel - Kein Weg Zurück (Band 1)”, Pos. 977 (Natgalley-DOC, © 2020 Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag)


Szenerie / Setting
Ein futuristisches aber auch dystopisches Setting, dass sozialkritischer nicht sein könnte. Viele Parallelen zu geschichtlichen Ereignissen und politischen Umständen lassen sich in dieser Geschichte wiedererkennen. Arbeitslager, aber auch Zukunftsvisionen von zum Beispiel den Kindern, die die Blüten wegen den ausgestorbenen Bienen mit der Hand bestäuben müssen. Die technisierte Gesellschaft nutzt ihre Errungenschaften zur Unterdrückung der Elben, vor allem der verhassten Dunkelelben. Datenschutz ist obsolet, die Elben werden wie moderne Sklaven behandelt und haben keine bürgerlichen Rechte. Da ist es klar, dass sich Untergrundorganisationen gegen die Diskriminierung formen und sich dem Regime feindlich gegenüberstellen. Amerika und San Francisco passt zu diesem gesellschaftskritischen Politkrimi.

Sprache / Schreibstil
Rena Fischer hat mich mit ihrer Sprache voll überzeugt und sehr begeistert. Sie hat eine sehr ausgefeilte und bildhafte Sprache, die gekonnt pointiert und oft auch sehr poetisch ist.

“Zeit war ein eigenartiges Gewand. Manchmal rutschte sie einem durch die Finger wie Seide. Oder wärmte einen wie Wolle. Gerade schnürte sie sich um ihren Körper wie eine Zwangsjacke.”

Rena Fischer “Elbendunkel - Kein Weg Zurück (Band 1)”, Pos. 1032 (Natgalley-DOC, © 2020 Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag)

Die Geschichte erleben wir aus den drei Perspektiven von Luz, Niall und Darel, jeweils als personaler Erzähler im Präteritum. Mir gefällt das sehr gut, da die Autorin sich auch streng an den Perspektivenwechsel pro Kapitel hält und durch die häufigen Wechsel gekonnt die Spannung aufbauen kann. Es gibt ein paar wenige Rückblicke, bzw. zu Anfang auch die Einführung in die politische Lage, die zum Verständnis der Geschichte wichtig sind.

FAZIT
Ein Roadtrip in einer faszinierenden und futuristischen Welt mit sozialkritischem Unterton, der mich nicht nur sprachlich absolut begeistert hat, sondern auch durch die Entwicklung und Aufdeckung der ganzen Intrigen und Geheimnisse voll mitgerissen hat. Auch wenn mir das Ende ein bisschen zu plötzlich kam, möchte ich unbedingt weiterlesen und wissen, wie es mit Luz, Niall und Darel weiter geht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2020

Spannender Auftakt und tiefgründige Idee mit ein bisschen zu stereotypischem Setting

Stolen 1: Verwoben in Liebe
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Emily Bold ist eine Autorin, die ich auf der Häppchenlesung auf der LBM 2019 kennengelernt und daraufhin tatsächlich ein paar Bücher von ihr gelesen habe. Mir gefällt insbesondere ihr authentischer Sprachstil. ...

Emily Bold ist eine Autorin, die ich auf der Häppchenlesung auf der LBM 2019 kennengelernt und daraufhin tatsächlich ein paar Bücher von ihr gelesen habe. Mir gefällt insbesondere ihr authentischer Sprachstil. Da ich gerade auch Silberschwingen beendet hatte, habe ich ganz frech beim Team vom Thienemann-Esslinger Verlag nach einem Rezensionsexemplar gefragt, welches sie mir dann auch überraschenderweise zugestellt haben! Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle noch mal an den Thienemann-Esslinger Verlag!

Coverbild
Mal wieder ein ganz anderes Cover, welches sich im Moment aus der Masse der Romantasy-Cover deutlich abhebt. Ganz untypisch wird der Titel “STOLEN” in fetten serifen Großbuchstaben einzeln diagonal über das gesamte Bild verteilt. Im O und L kann man Augen und Mund eines Frauengesichts durchscheinen sehen. Das gesamte Cover ist in blautürkisen bis fast schwarzen marmorierten Farbverläufen gehalten, welche die in dem Buch vorkommenden Weben darstellen sollen. Tatsächlich ist das Genre des Buches, Urban-Romantasy, mit diesem Cover schwer zu erkennen. Trotzdem ist es ein wirklich toller Eyecatcher.

Handlung
Die Vollwaise Abigaile Woods wird von ihrer neuesten Pflegemutter Florence nach Darkenhall in London, eine Besserungsanstalt für die betuchte Oberschicht Englands, gebracht. Denn Abby ist eine geschickte Diebin und dieser Aufenthaltsort ist ihre letzte Chance, um nicht in den Knast gehen zu müssen. Ihr Aufenthalt auf dieser Schule verläuft dann aber anders, als sie erwartet hatte. Ihr Lehrer Mr Cross gibt ihr den nahezu unlösbaren Auftrag, einen Ring zu klauen. Dafür bringen die Brüder Tristan und Bastian Abby komplett aus dem Konzept. Der Macho Tristan umgarnt sie gekonnt und sehr offensiv. Sein älterer Bruder Bastian hat eine magische Anziehungskraft auf sie, bleibt aber total unnahbar und auf Distanz. In dem Moment, als Abby ihren Auftrag erfüllt, steht plötzlich alles auf dem Kopf und sie muss gemeinsam mit Bastian und Tristan in ihre Vergangenheit reisen.

Buchlayout / Haptik
Die Gestaltung des Buches ist sehr schön. Das Hintergrundbild des Schutzumschlages findet sich auf den Buchdeckeln und bei den Kapitelanfängen wieder, und vor allem auch auf dem Buchschnitt. Die 432 Seiten werden in sehr viele kurze Kapitel aufgeteilt, die Kapiteltitel werden in einer klaren Antiqua gesetzt. Die verschiedenen Perspektiven werden nicht optisch hervorgehoben, was es manchmal ein bisschen verwirrend macht.

Idee / Plot
Spannend ist die Idee, dass jeder Mensch Weben von drei unterschiedlichen Arten besitzt: Seelenweben, Herzweben und Erinenrungsweben. Nehmen eine Sorte Weben überhand, ist das seelische Gleichgewicht gestört. Wenn es nun die Möglichkeit gäbe, diesen Menschen den Überschuß an dieser Webenart abzunehmen, könnte man sich langfristige und teure Therapien sparen.
Nun konkurrieren hier zwei Brüder um die Gunst eines Mädchens, welches sehr viele bedrückende Seelenweben in sich trägt. Aber diese dunklen Weben sind ein Schutzschild, die Abby davor bewahren, Gefühle zulassen zu müssen. Ein Leben lang wurde das arme Mädchen nach dem Unfalltod ihrer Eltern von Waisenheim zu Pflegefamilie geschubst. Gefühle haben in ihrer Welt keinen Platz, um daran nicht zu zerbrechen.
Eine wirklich schöne Idee, die Emily Bold sich hier einfallen lassen hat, die bei näherer Betrachtung auch sehr tiefgründig ist.

“Florence dachte, ich könnte hier ankommen … dabei fühlte es sich eher so an, als würde ich aus einem fahrenden Wagen geschleudert. Ankommen und glücklich sein, wie sollte das gehen, wenn man dabei die Windschutzscheibe durchschlug und gegen die Wand eines marineblau tapezierten Dreibettzimmers krachte?”

Emily Bold “Stolen - Verwoben in Liebe”, S. 32 (© 2020 Thienemann-Esslinger Verlag, Gebundene Ausgabe)

Emotionen / Protagonisten
Abby ist wirklich einsam. Auch wenn Florence die einzige Pflegemutter ist, die ihr doch mehr bedeutet, wird sie in das Internat abgeschoben, und so fühlt sie sich auch. Um Florence auch den Gefallen zu tun und ihre letzte Chance nicht verstreichen zu lassen, geht sie ein großes Risiko ein, indem sie den Ring stiehlt. Ich konnte ihre innere Zerrissenheit ob der Tat sehr gut nachvollziehen. Was mich dann aber doch gegen Ende des Buches ab und zu genervt hat, war die mantra artige Wiederholung des Kusses, die etwas naive Art das Verhalten der Brüder falsch zu interpretieren, und ihr oft sehr schwaches Selbstwertgefühl. Leider hat Abby für meinen Geschmack dann doch ein paar stereotypische Züge.

Die beiden Brüder haben eine spezielle Gabe, mit der beide sehr unterschiedlich umgehen. Tristan Tremblay ist ein Macho und Womanizer, aber dennoch charmant auf seine Art und Weise. Zwischen ihm und Abby entwickelt sich eher eine Freundschaft, wobei Abby anfangs nicht klar ist, warum er so sehr an ihr interessiert ist. Als sie davon weiß, geht er ziemlich offen mit ihr damit um, und irgendwie gefällt mir das an ihm.

“»Abby klingt süß«, stellte er fest, und dieses Funkeln, das ich bei ihm schon mehrfach gesehen hatte, trat in seine Augen. »Kurze Namen kann man gut zwischen zwei heißen Küssen stöhnen.«”

Emily Bold “Stolen - Verwoben in Liebe”, S. 69 (© 2020 Thienemann-Esslinger Verlag, Gebundene Ausgabe)

Der ältere Bruder Bastian hingegen fechtet mit sich und seiner Gabe allzeitlich einen schweren Kampf aus. Er hat das schwerere Los der beiden Brüder gezogen und zieht sich komplett aus der Gefühlswelt zurück. So ganz kann ich aber nicht nachvollziehen, wie sich seine Zuneigung zu Abby entwickelt hat. Denn eigentlich lese ich nur über seinen “Hunger”, sein “Wüten” nach ihren Weben, was auch sehr oft wiederholt wird. Ich hatte irgendwie nie das Gefühl, dass er sich überhaupt für sie interessiert und was er an dem Menschen Abby mag.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Der Einstieg wird durch den Prolog sehr spannend, die Handlung braucht dann aber ein bisschen, um in Schwung zu kommen, was auch ein bisschen durch den häufigen Perspektivenwechsel hervorgerufen wird. Trotzdem wird die Spannung stetig über das Buch aufgebaut und man muss anfangs erstmal die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen. Der Höhepunkt kommt relativ spät und endet in einem Cliffhanger, der alles wieder auf den Kopf stellt.

Szenerie / Setting
Das Setting hat mich leider nicht so wirklich überzeugt und wirkt auf mich doch zu altbacken. Ein Urban-Fantasy in einer typischen Londoner Highschool der Upper-class in dem das Underdog-Mädchen mit einer noch nicht entdeckten Gabe dem Charme von zwei ultimativ gut aussehenden Bad-boys verfällt.

Sprache / Schreibstil
Ich schätze Emily Bolds lebhafte und authentische Sprache sehr. Auch ihr typischer Perspektivenwechsel, auch zwischen Ich-Erzähler und personalen Erzähler, lässt die Geschichte lebendig wirken und man hat die Möglichkeit auch die Gefühle der anderen Figuren besser zu verstehen. Dennoch kam mir der Wechsel zu häufig und mit zu vielen Personen. Das wirkte auf mich nicht ganz ausgewogen. Außerdem kamen mir doch zu häufige Wiederholungen von Gedanken, Vorgängen (der “Kuss”, das “Wüten”) und der auch zu klischeehaften Beschreibungen der unfassbaren Augen der männlichen Protagonisten.

“Die Schule war scheiße! Ein Abstellgleis für die verzogenen Rotzgören neureicher Eltern, die die Chance auf ein gutes College für ihre Kinder noch nicht aufgegeben hatten.”

Emily Bold “Stolen - Verwoben in Liebe”, S. 16 (© 2020 Thienemann-Esslinger Verlag, Gebundene Ausgabe)

FAZIT
Spannender Auftakt einer Dilogie die hoffentlich noch ein paar offene Fragen beantwortet. Vor allem die tiefgründige Idee hat mir an diesem Buch gut gefallen, auch wenn mir das Setting und die Protagnistenkonstellation etwas zu stereotypisch ist. Eigentlich ist es kein schlechtes Buch, es hat mir schon viel Spaß beim Lesen bereitet, dennoch hat mich die Geschichte nicht vollends abgeholt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2020

Stimmungsvolle Höhen und Dramatische Tiefen - ein mitreißend fantastischer Auftakt

Sister of the Stars
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Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Marah Woolf Fan bin und natürlich alles gleich lese, was sie veröffentlicht. Das sollte sich bei ihrer neuen Trilogie, der HexenSchwesternSaga, auch nicht ...

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Marah Woolf Fan bin und natürlich alles gleich lese, was sie veröffentlicht. Das sollte sich bei ihrer neuen Trilogie, der HexenSchwesternSaga, auch nicht ändern. Besonders bemerkenswert ist hier, dass Marah Woolf dieses Buch in Eigenregie selbst über den Nova Verlag publiziert hat. Sprich, sie hat nicht nur eine wunderbare Geschichte gezaubert, das Lektorat mit Nikola Hotel und Korrektorat mit Jil Amiée Bauer selber beauftragt, sondern auch mit Carolin Liepins und Laura Newman - zwei unglaublich kreative Köpfe für die Innen- und Außengestaltung - ein wirklich phantastisches Buch selber kreiert. Und genau dieses Buch ist auf der Spiegelbestseller-Liste gleich in der ersten Woche auf Platz 17 für Hardcover Belletristik gelandet. Für einen SP-Titel in Deutschland ein Novum!

Coverbild
Was soll ich sagen, klar gefällt mir das Cover. Obwohl ich zugeben muss, dass diese Art von Cover gerade auch sehr modern ist und in dem gleichen Genre schon ein paar ähnliche Varianten zu sehen sind. In der Mitte des Bildes wabert dunkelblauer bis nachtschwarzer Rauch um einen Dornenast auf einem hellen Hintergrund. In dieser Wolke findet man viele verschiedene Dinge wie zwei dunkelblaue Blüten, ein Schmetterling, goldene Sternchen und die Rückansicht einer Person mit einem dunkelblauen Umhang. Der Buchtitel ist mit einer geometrisch akkuraten Font genau Mittig platziert. Handwerklich eine wunderschöne Arbeit und definitiv ein Eye-catcher.

Handlung
Die ganze Welt ist in Gefahr, immer mehr Dämonen dringen durch die Quelle nach Frankreich, das aber durch eine hohe Mauer von der Außenwelt abgeschottet ist. Nach einem Dämonenfieber, welches der 19 jährigen Vianne Grandier all ihre magischen Kräfte entzogen hat, kehrt sie mit ihren Schwestern nach zwei Jahren aus Glastonbury zurück in ihre französische Heimat Paimpont. Sie hofft, in Frankreich nicht nur ihre Magie wieder zu finden, sondern auch im Auftrag der Kongregation den Großmeister der Loge, die die Quelle beschützt, zu einem neuen Pakt mit dem Dämonenanführer überreden zu können. Doch Ezra Toqueville, ihre große Liebe, der sie damals bei ihrem Weggang rüde zurückgewiesen hat, verfolgt ganz andere Strategien und weißt Vianne immer noch von sich.

Buchlayout / Haptik
Das Buchlayout ist der Hammer! Alleine der Buchdeckel ohne Schutzumschlag ist genauso schön gestaltet wie das Cover. Jedes Kapitel wird mit der Kapitelnummer, einer eigenen filigranen Zeichnung und einer großen Initiale eingeleitet, und teilen die 441 Seiten in 21 Abschnitte mit angenehmer Leselänge ein. Für Marah eher untypisch, da ihre Kapitel sonst gerne länger sind. Nach dem Nachwort befindet sich eine Übersicht der Zaubersprüche - Nachmachen nur auf eigene Gefahr! - und am Ende natürlich schon fast obligatorisch ein Rezept mit einer für das Buch typischen, leckeren Bäckerei. Und besonders hervorheben möchte ich, dass das Buch auch ein Lesebändchen hat.

Idee / Plot
Gut, seien wir ehrlich, das Thema Hexen ist schon ziemlich altbacken. Spätestens mit Harry Potter und der Fernsehserie Charmed sind Hexen ein ganz klassisches Film- oder Buchmotiv. Aber hier verbindet Marah die Hexenzunft mit ihren typischen Elementen wie Kräuterkunde auch mit magischem Zauber und vor allem mit einer interessanten Dämonenwelt, dessen Ursprung in der Artuslegende liegt. Hier kommt Marah ihrem Bildungsauftrag natürlich wieder mit vollem Einsatz nach und mich begeistert es, wie sie die vielen Fäden zu einem großen Ganzen zusammen spinnen kann, so dass es bewegend und fesselnd wird, und dabei wieder was ganz Neues und Eigenes erschafft.

»Er isst Aimées verhexte Marmeladen?«, flüsterte Ezra schockiert. [..] »Der arme Tropf«, sagte er leise. »Er hat keine Ahnung, oder?« »Er weiß, dass Aimée sie gemacht hat und dass Pfeffer drin ist. Das sollte als Warnung reichen. Denkst du, sie wirken auch bei einem Dämon?«

Marah Woolf “Sister of the Stars: Von Runen und Schatten (HexenSchwesternSaga 1)” S. 172 (kindle Edition ©2020 Marah Woolf in Selbstpublikation)

Emotionen / Protagonisten
Die Geschichte lebt von den 3 Schwestern Aimée, Moëlle und Vianne, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, aber trotzdem eine sehr harmonische Einheit bilden. Vianne ist die jüngste der Dreien und durch die fehlende Magie wird sie von ihren Schwestern sehr behütet, was ihr auch oft gegen den Strich geht. Sie ist ihrer großen Liebe Ezra sehr verfallen und hat hier anfangs schon ein bisschen das verklärte Trotzverhalten, versucht sich aber davon loszusagen. Sie macht eine interessante Wendung durch und wird von Seite zu Seite immer tougher, obwohl sie immer wieder in diese teenyhafte Schwärmerei verfällt, was sie mir aber nur wieder sympathisch und authentisch macht.

»Es gab nie ein uns. Du hast es mir oft genug klargemacht, ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen.«

Marah Woolf “Sister of the Stars: Von Runen und Schatten (HexenSchwesternSaga 1)” S. 269 (kindle Edition ©2020 Marah Woolf in Selbstpublikation)


Begleitet wurden die Schwestern von dem Hexer Ash, der sich ebenfalls sehr um Viannes Wohlergehen sorgt, dem ich das aber von Anfang an nicht abgekauft habe. Er ist mir zu wischiwaschi und scheint ganz eigene Ziele zu verfolgen.

Ezra Toqueville hat es von anfang an nicht leicht, von seiner Mutter und seinem Bruder verlassen wurde er unfreiwillig zum Großmeister der Loge ernannt und muss seine Pflichten erfüllen. Ich mag Ezra sehr gern, denn er stellt seine Bedürfnisse nicht über die der anderen und gibt sein ganzes Leben zum Wohle seiner Mitmenschen auf. Aber klar ist dabei, dass er damit auch einzelne Personen verletzen wird. Es ist ein hartes Los, und mir tut er wirklich leid. Und trotzdem nehme ich ihm seine Gefühle total ab, verstehe aber auch total seinen Zwiespalt.

Alle Personen hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Zu erwähnen wäre natürlich noch Caleb, der sich in unser aller Herzen geschlichen hat. Nein, es wird keine Dreiecksgeschichte, aber Caleb ist ein Nebencharakter mit außerordentlich prickelnden und faszinierenden Eigenschaften, von dem ich mir erhoffe noch ganz viel mehr zu lesen. Ebenso wie sein Tächtelmächtel mit Aimée, die ihn über das ganze Buch sauber abblitzen lässt. Da gibt es so viele unheimlich großartige Begegnungen, die einfach nur köstlich sind!

»Eine Frau, die nichts Süßes mag, ist mir noch nie begegnet. Sie wird immer interessanter.«

Marah Woolf “Sister of the Stars: Von Runen und Schatten (HexenSchwesternSaga 1)” S. 141 (kindle Edition ©2020 Marah Woolf in Selbstpublikation)

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Schon im Prolog wird deutlich, dass wir es mit älteren Protagonisten zu tun haben und bei dem einem schon das Herz stehen bleibt. Von Kapitel zu Kapitel führt uns Marah geschickt in die Hexen-, Magier- und Dämonenwelt mit einigen spannenden Höhepunkten ein, bis sie einem schon in der Mitte dieser Geschichte das Herz aus der Brust reißt, es später wieder zusammengeflickt nur um es gleich darauf wieder zu zerfetzen. Obwohl ich Ezra so gut verstehen kann, habe ich mit Vi mitgelitten und bin entsetzt über die Intrigen und Wendungen, die mich am Schluss mit einem fetten Cliffhanger zurücklassen.

Szenerie / Setting
Marah hat wieder eine ganz eigene und bezaubernde Welt geschaffen. Ich liebe das verwunschene Haus mit all seinen Eigenheiten und Geistern. Frankreich mit dem sagenhaften Wald Brocéliande und die Legende von Merlin und Viviane passen auf magische Weise wie die Faust aufs Auge zu der Geschichte mit den Hexen und Dämonen, welches Marah mir so glaubhaft darstellen kann. Das war schicksalhafte Fügung, zumal ich weiß, dass Marah ursprünglich die Geschichte in Salem in der USA stattfinden lassen wollte.

Sprache / Schreibstil
Jedes Buch von Marah Woolf ist ein Genuss. Sie zaubert mit einer Leichtigkeit die passende Stimmung und Dramatik, die Seiten fliegen nur so dahin und jeden Moment habe ich einfach nur genossen gelitten und wurde verzaubert. Wir erleben die Geschichte aus Viannes Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum, und trotzdem schafft es Marah mir die Gefühle der anderen Figuren glaubhaft rüber zu bringen.

FAZIT
Fantasievolle Geschichte mit vielen Höhen und dramatischen Tiefen, die mich mal wieder voll verzaubert hat. Eine faszinierende und stimmungsvolle neue Welt und ein absolut mitreißender Auftakt einer neuen Trilogie! Ich liebe es!

Veröffentlicht am 25.06.2020

Mitreißendes und humorvolles Abenteuer in einer mystischen Welt

Zane gegen die Götter, Band 1: Sturmläufer
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Dieses Buch habe ich bei Vorablesen.de mit meinen Wunschpunkten eingelöst. Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich durch das Vorwort vom Autor Rick Riordian. Da ich auf der Suche nach einem Buch für meinen ...

Dieses Buch habe ich bei Vorablesen.de mit meinen Wunschpunkten eingelöst. Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich durch das Vorwort vom Autor Rick Riordian. Da ich auf der Suche nach einem Buch für meinen 11 jährigen Sohn bin, der die Percy Jackson Reihe als Hörbuch liebt (denn lesen ist leider nicht so sein Ding), hoffe ich vielleicht mit diesem Buch, ihn wieder mehr zum Lesen animieren zu können.

Coverbild
Das Cover ist für ein Jugendbuch typisch gestaltet und gefällt mir sehr gut. In dem gemalten Bild erkennt man im unteren Drittel den Jungen Zane mit seinem Stock in der Hand. Zwischen ihm und einer Gewitterwolke in Form eines Pantherkopfes schießen Blitze hin und her. In der Mitte prangt der Buchtitel in klobig gestalteten Lettern. Im oberen Drittel erkennt man ebenfalls einen katzenähnlichen Tierkopf, dessen Augen einen grün anstarren und das Maul aufgerissen ist. Eine Maya anmutende eckige Zeichnung ist über den Tierkopf gelegt.

Handlung
Zane Obispo lebt mit seiner Mutter in New Mexico in der Wüste, direkt an einem inaktiven Vulkan. Bei einem Abendspaziergang mit seinem Hund Rosie stürzt ein Flugzeug in den Krater und ab dem Zeitpunkt passieren lauter merkwürdige Dinge. Das Gesicht des Bruchpiloten erinnert Zane an einen Dämon aus seinem Mayabuch. Die hübsche Brooks, die er in der Schule kennengelernt hat, ist gar nicht in der Schule bekannt und verwandelt sich vor seinen Augen in einen Falken. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen, als Brooks ihm offenbart, dass der Todesgott Ah-Puch in einem Artefakt im Vulkan eingesperrt ist und Zane ein Teil einer mysteriösen Prophezeiung ist.

Buchlayout / Haptik
Das Buch mit seinen 512 Seiten ist recht dick, zumal die Schriftgröße normal groß ist. Leider ist das für meinen lesefaulen Sohn schon ein Ausschlusskriterium, der fühlt sich dann schon gleich zu Beginn überfordert. Ansonsten ist das Buch schlicht gestaltet. Die 44 Kapitel teilen die vielen Seiten in sehr angenehme kurze Leseabschnitte auf, was wieder ein Vorteil angesichts der Dicke des Buches ist. Die Kapitel werden mit der lateinischen Kapitelnummer und dem entsprechenden Maya-Zahlzeichen eingeführt, was mir gut gefällt.

Idee / Plot
Jeder hat schon in der Schule die römische oder auch griechische Götterwelt durchnehmen müssen. Sie gehören zu unserer Europäischen Kultur. Umso unbekannter aber ist uns die Mayakultur, da es darüber noch so wenig Geschichten gibt. Sie ist uns fremd und das macht sie uns nur noch mystischer. Diese Welt ist viel martialischer und bildgewaltiger. Auch wenn der Plot nicht ganz neu ist: Ein Junge findet heraus, dass er Bestandteil einer Prophezeiung ist, magische Fähigkeiten nutzen kann und etwas ganz besonderes ist - spätestens jetzt werden alle Harry Potter Fans aufhorchen - fand ich die Idee mit der Mayakultur sehr interessant und verspricht ein ein fantasievolles Abenteuer in einem Umfeld, das der westlichen Kultur noch so ungewohnt ist.

Emotionen / Protagonisten
Anfänglich hat Zane so den typischen Looser-Charakter. Mit einem verkürzten Bein wurde er früher in der Schule oft gemobbt und musste deswegen eine Zeit lang zu Hause unterrichtet werden. Sein einziger Freund und treue Begleiterin ist seine dreibeinige Hündin Rosie, die er als halb verhungerter Streuner in der Wüste aufgelesen hat.

Er rutscht ungewollt in das Abenteuer rein und anfangs geht ihm das auch gewaltig gegen den Strich. Aber als er dann Brooks kennenlernt, die zwar eine nervige kleine Besserwisserin ist, handelt er selbstlos, uneigennützig und wird immer mutiger. Er zeigt seinen Freunden sehr viel Mitgefühl und beisst sich durch die Ereignisse durch. Mir hat er sehr gut gefallen und seine bissigen Zwischenkommentare waren sehr lustig.

Brooks war mir anfangs etwas unnahbar. Man hat schnell gemerkt, dass sie doch einige Geheimnisse mit sich rumträgt. Es war nicht ganz klar, auf welcher Seite sie wirklich steht. Trotzdem ist sie immer für Zane da und hilft ihm durch das Abenteuer. Sie wird ihm eine sehr gute Freundin und am Schluss habe ich sie richtig ins Herz geschlossen.

Zanes Onkel Hondo ist zwar so ein großschnäuizger Macho, dem kein Abenteuer gefährlich genug sein kann, der aber trotzdem ziemlich tollpatschig wirkt. Besonders gemocht habe ich aber Jazz, ein Mayariese, der den jungen Abenteurern eine große Hilfe und auch so etwas wie der Ruhepol darstellt, und einfach ein witziger Charakter voller Charme ist.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Der Einstieg ist sehr flott, und zieht den Leser auch gleich sofort in den Bann. Das ist gut, denn man möchte natürlich wissen, was da los ist, wer Brooks ist und warum sie Zane in den Geheimgang seines Vulkan lockt. Ab dem Zeitpunkt passiert ständig was und der Leser stolpert mit Zane und seinen Freunden von einem spannenden Moment in den nächsten. Es gibt kaum Verschnaufspausen und der Spannungsbogen wird stetig in die Höhe getrieben. Am Ende gibt es natürlich den aufreibenden Höhepunkt, der mit einigen Wendungen für Überraschungen sorgt! Die Handlung ist in diesem Buch abgeschlossen, aber der zweite Band steht schon in den Startlöchern.

Szenerie / Setting
Natürlich funktioniert eine Geschichte um die Mayakultur und Mayagötter am besten in der Gegend, wo die Mayas früher gesiedelt haben: in Mittelamerika. Besonders mitreißend fand ich aber, dass die Autorin die Götter in die Gegenwart transportiert hat und diese zum Beispiel ganz aktuell gekleidet sind. Zane und seine Mitstreiter bleiben aber nicht in New Mexico, die Autorin nimmt uns auch mit in ganz moderne Orte wie zum Beispiel Los Angeles, aber auch in die “Alte Welt” der Mayagötter und erklärt uns so ganz nebenbei die Entstehungsgeschichte nach mayanischer Mythologie der heutigen Welt.

Sprache / Schreibstil
Passend für ein Jugendbuch benutzt die Autorin eine erfrischend jugendliche, freche und humorvolle aber auch sehr abwechslungsreiche Sprache. Wir erleben die Gesichte aus der Perspektive von Zane als Ich-Erzähler im Präteritum. Ich bin besonders begeistert von den vielfältigen und stimmigen Metaphern, die die Geschichte und ihre Figuren wirklich lebendig erscheinen lassen. Cervantes benutzt hin und wieder Fremdwörter, deren Bedeutung und Übersetzung sie wirklich geschickt in den Erzählstrang einflechtet. Sie lässt uns damit in die Mayakultur eintauchen und beschreibt uns die wichtigsten Götter und ein paar Legenden.

FAZIT
Ein mitreißendes Abenteuer von der ersten Seite an, die uns geschickt in die Welt der Mayakultur eintauchen lässt. Absolut humorvoll und kurzweilig mit großem Lesevergnügen trotz einem etwas stereotypischen Grundmuster.

Veröffentlicht am 23.06.2020

Bildgewaltige und filmreife Fantasy-Story

Silberschwingen 2: Rebellin der Nacht
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Obwohl mir der erste Band von Silberschwingen etwas zu stereotypisch angefangen hatte, war es zum Ende hin doch so fesselnd, dass ich den 2. Band, “Rebellin der Nacht” doch noch unbedingt lesen wollte. ...

Obwohl mir der erste Band von Silberschwingen etwas zu stereotypisch angefangen hatte, war es zum Ende hin doch so fesselnd, dass ich den 2. Band, “Rebellin der Nacht” doch noch unbedingt lesen wollte. Emily Bold gehört zu den Autoren, von denen ich noch nicht sehr viel gelesen habe, die mich aber mit ihrem Schreibstil schon sehr begeistert hat.


Coverbild

Ähnlich dem Cover vom ersten Band, ist auch hier eine Frauengestalt vom Kopf bis zu den Hüften zu sehen, die seitlich zum Betrachter steht aber mit einem etwas skeptischen Blick in die Kamera schaut. Diesmal erscheint aber das ganze Bild etwas dunkler, so dass es auch einen düsteren Inhalt verspricht. Im unteren Bereich sind Ruinen zu erkennen, um die Haare wabern auch hier wieder ein paar Wölkchen. Das Cover hat Carolin Liepins erstellt und die Bildkomposition finde ich gelungen und gefällt mir besser als das Cover vom 1. Buch.


Handlung

Nachdem Thorn Riley aus dem Kerker von Darlighten Hall gerettet hat und mit ihm flüchtete, muss sie sich vor dem Clan der Silberschwingen verstecken, und vor allem auch vor dem Sohn des Clanführers, Lucien. Aber dieser ist ihr auf den Fersen und verfolgt sie auch, als sie mit Riley auf der Suche nach den Shades ist. Doch das Wiedersehen mit Sam, Conrad und Garret endet in einem Desaster und die Shades flüchten mit Thorn nach Glastonbury. Dort soll sich entscheiden, ob die Rebellen mit Aric Chrome ein neues Leben beginnen oder sie sich gegen Kanes tyrannischer Herrschaft stellen.


Buchlayout / eBook

Wie schon im ersten Band ist die Gestaltung des eBooks einfach, aber hübsch und stilvoll. 33 Kapitel unterteilen die 384 Seiten, die nur mit der Kapitelnummer und einem geschwungenem Ornament verziert werden. Die verschiedenen Perspektiven werden auch hier nicht sonderlich visuell abgesetzt und können auch innerhalb eines Kapitels wechseln.


Idee / Plot

Eigentlich wollen die Halbwesen und Rebellen um Aric Chrome in Frieden leben und ihr Glück weitab vom Clan der Londoner Silberschwingen neu versuchen. Aber ist es nicht erstrebenswerter das von Kane mittelalterlich geführte Regime in Frage zu stellen und die Silberschwingen in eine moderne Welt mit demokratischen Grundsätzen zu führen? Die Oberen der Silberschwingen sind von der Angst vor der Übermacht der Halbwesen voller Hass und blind, und bekämpfen ihre Stellung mit aller Macht.


Emotionen / Protagonisten

War mir Thorn im ersten Band noch zu oft unbedacht und stereotypisch, hat sie in diesem Buch eine interessante Wandlung gemacht. Sie hinterfragt die Dinge mehr und muss sich mit ihrem Schicksal ein Halbwesen zu sein abfinden. Obwohl sie Lucien liebt, hat sie sich gegen den Londoner Clan gestellt. Mir hat sie in diesem Teil wesentlich besser gefallen, sie hat sehr viel Mitgefühl und ist nicht mehr so unbedacht, sie zeigt am Schluß sogar sehr viel Stärke und Mut, für sich und ihre Existenz einzustehen, aber auch für ihre Liebe zu Lucien.


“»Loslassen ist der schwerste Teil der Liebe«, [..]”


Emily Bold “Silberschwingen 2: Rebellin der Nacht” S.331 (©2018 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag, eBook Kindle-Version)


Lucien ist anfangs wahnsinnig zwiegespalten. Zum einen verzehrt er sich nach Thorn, zum anderen kämpft er mit den ihm eingebläuten Traditionen der Silberschwingen. Er weiß, dass er Thorn liebt, kann es sich aber anfangs nicht eingestehen und ist tatsächlich persönlich schwer getroffen wegen ihrer Flucht vor ihm. Aber er macht auch im Laufe des Buches eine tolle Kehrtwende und beginnt die Zusammenhänge zu hinterfragen und zu begreifen.


Riley tut mir wirklich sehr leid, aber er ist ein trotziger und mutiger junger Mann, der sich seinem Schicksal stellt und auch am Schluß das Richtige tut. Mir hat er sehr gut gefallen und ich mochte ihn die ganze Zeit über sehr.


Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Die erste Hälfte des Buches war der Spannungsbogen eher seicht und es passiert nicht allzuviel. Ab etwa der Hälfte aber zieht der Bogen stetig an und es mündet in einem fulminanten und spannenden Showdown. Im letzten Viertel konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Nach dem Showdown war ich erstmal am Boden zerstört und habe sehr mit Thorn gelitten. Das Ende hat mich dann zufrieden zurückgelassen.


Szenerie / Setting

Die Flucht der Rebellen führt uns nach Glastonbury in eine alte Ruine. Emily Bold kann mir die Umgebung gut bildhaft darstellen, vor allem auch der Showdown auf der Silver-Isle war sehr eindrucksvoll und absolut passend zu diesem filmreifen Finale mit den geflügelten Wesen. Nichts ist mehr von dem anfänglichen Highschool-Setting aus dem ersten Band übrig, da es sich zum Ende hin in ein bildgewaltiges Fantasy verwandelt hat.


Sprache / Schreibstil

Emily Bold hat mich in diesem Buch mit ihrer Sprache absolut beeindruckt und begeistert! Gerade der Showdown ist in einem rasanten Stil und in einer außerordentlich bildhaften Sprache dargestellt und konnte mir diese gewaltige und düstere Stimmung authentisch rüberbringen. Wirklich WOW! Hat mich absolut mitgerissen!


“Die Wellen tosten meterhoch und brandeten donnernd gegen die Felsen. Die weiße Gischt spritzte nach oben wie Zähne. Das Meer war lebendig wie ein Tier. Ein tollwütiges, zähnefletschendes Monster.”


Emily Bold “Silberschwingen 2: Rebellin der Nacht” S.265 (©2018 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag, eBook Kindle-Version)


Ungewöhnlich aber ist trotzdem der mehrmalige Perspektivenwechsel nicht nur zwischen Thorn und Lucien, wobei Thorn aus der Ich-Perspektive erzählt und Lucien als personaler Erzähler. Hier gab es sogar mehrere Abschnitte aus anderen Perspektiven wie Nyx und Jake.


FAZIT

Zum Ende hin eine bildgewaltige und filmreife Fantasy-Story die mich vor allem durch die sprachliche Fulminanz absolut umgehauen hat. Ein schönes Ende einer wunderbaren Geschichte.