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Veröffentlicht am 25.10.2022

Große Liebe, Familientragödie und Schuld

Feldpost
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Cara Russo ist Rechtsanwältin, sitzt 2 Tage vor Weihnachten im Jahr 2000 in einem Café in Kassel und schreibt Weihnachtskarten. Eine ältere Frau setzt sich zu ihr an den Tisch. Im Gespräch mit der Frau ...

Cara Russo ist Rechtsanwältin, sitzt 2 Tage vor Weihnachten im Jahr 2000 in einem Café in Kassel und schreibt Weihnachtskarten. Eine ältere Frau setzt sich zu ihr an den Tisch. Im Gespräch mit der Frau erfährt Cara, dass diese versucht hat einer Freundin, die sie das letzte Mal nach dem Krieg gesehen hat, eine Tasche mit alten Unterlagen zu bringen. Sie ist sich sicher, die richtige Adresse zu haben, doch dort wurde ihr mitgeteilt, dass ihre Freundin Adele den Bewohnern nicht bekannt sei. Die Frau verschwindet aus dem Café und lässt Cara durch die Bedienung mitteilen, dass sie die Tasche mitnehmen soll. Cara ahnt nicht, was sie mit ihren Nachforschungen die sich macht, auslösen wird. In dem Koffer befinden sich Feldpostbriefe, sie erzählen von einer großen Liebe.
Wir erfahren in dem Buch die Geschichte zweier Familien in der Zeit zwischen 1935 und 1945. Es geht um Familie Kuhn, Gerhard und Katharina, deren Kinder Albert und Adele und um Familie Martens, Hermann und Sophia, deren Kinder Richard und Diethild. Die Familien sind befreundet und verbringen gerne Zeit miteinander. Das ändert sich allerdings als Gerhard Kuhn 1935 wegen hitlerfeindlicher Äußerungen eine Haftstrafe erhält. Um die Freunde zu unterstützen kauft Hermann die Villa seiner Freunde zu einem geringen Preis, in einem Zusatzvertrag sind die Modalitäten für den Rückkauf festgelegt.
Mechtild Borrmann erzählt die Geschichte der Familien auf zwei Zeitebenen. Einmal die Zeit zwischen 1935 und 1945 und die zweite Ebene zwischen 2000 und 2001. Über jedem Kapitel ist der Zeitraum angegeben und aus welcher Sicht erzählt wird. Die Sprache der Autorin ist sehr klar und schnörkellos und steckt doch voller Emotionen. Nach und nach wird die Geschichte einer großen verbotenen Liebe und einer Familientragödie aufgedeckt. Oft passieren Dinge mit denen man nicht rechnet, der Verlauf der Geschichte ist nicht vorhersehbar. Es wird deutlich wie schnell man Schuld auf sich laden kann, obwohl man sich sicher war, durch seine Handlung jemandem zu helfen.
Der Autorin ist es wieder gelungen uns ein Stück Zeitgeschichte näherzubringen.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Eine Frau und ein Weingut

Gretas Geheimnis
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Gretas heiratet den Kellermeister Bruno Bachstern, das ist die Bedingung, die ihr Vater in seinem Testament gestellt hat. Die beiden verbindet die Liebe und Begeisterung für den Wein. Durch die Heirat ...

Gretas heiratet den Kellermeister Bruno Bachstern, das ist die Bedingung, die ihr Vater in seinem Testament gestellt hat. Die beiden verbindet die Liebe und Begeisterung für den Wein. Durch die Heirat gehört Greta jetzt eines der größten Weingüter der Pfalz. So eine arrangierte Ehe ist, auch wenn man Gemeinsamkeiten hat, natürlich nicht einfach. Hinzu kommt noch, dass Bruno ein sehr schweigsamer und introvertierter Mensch ist. Greta wird von ihrer Großmutter Adela stark unterstützt. Bruno hält stark am herkömmlichen Weinbau fest, Greta allerdings ist der Meinung, dass Veränderungen notwendig sind und möchte neue Wege beschreiten.
Wie schon beim Vorgängerband gelingt es dem Autorenteam die Geschichte von Greta flüssig und anschaulich zu erzählen. Das Zeitkolorit der 1980 und 1990-ziger Jahre wird hervorragend beschrieben, man fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Das Buch unterhält bestens und ich bin sehr gespannt auf den letzten Band der Triologie.

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Veröffentlicht am 13.06.2022

Deutsch-deutsche Geschichte spannend erzählt

Das zweite Geheimnis
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1973 – In Ostberlin finden die Weltfestspiele der Jugend statt. Ria Nachtmann macht in Bulgarien Urlaub und trifft dort heimlich den westdeutschen Journalisten Jens, der ihre große Liebe ist. Sie war bis ...

1973 – In Ostberlin finden die Weltfestspiele der Jugend statt. Ria Nachtmann macht in Bulgarien Urlaub und trifft dort heimlich den westdeutschen Journalisten Jens, der ihre große Liebe ist. Sie war bis vor 12 Jahren Spionin des Bundesnachrichtendienstes. Ihr Schwager Henning ist Grenzsoldat und wird bei einer versuchten Flucht angeschossen und verhaftet. Durch diesen Fluchtversuch gerät Ria ins Visier der Stasi, sie wird in Bulgarien festgenommen, in die DDR gebracht und dort verhört. Die Vernehmerin Marga merkt, dass Ria sich anders verhält als andere Verdächtige und beschäftigt sich näher mit ihr. Ihre Vorgesetzten veranlassen allerdings, dass Ria freigelassen wird. Doch Marga folgt Ria weiter privat.
Da Ria die DDR verlassen will, nimmt sie verdeckt Kontakt zum BND auf. Ihr früherer Kontaktmann meldet sich und die Flucht wird geplant.
Titus Müller schildert die Geschehnisse die im Frühjahr und Sommer 1973 passieren, sehr anschaulich. Die Vernehmung von Verdächtigen durch die Stasi, das Training und Doping von jugendlichen Sportlern, die moralische Manipulation von Menschen, damit sie als Spitzel für die Stasi tätig werden, der Drill der Grenzsoldaten, hier könnte man noch vieles mehr auflisten, werden uns vor Augen geführt. Der Autor erzählt das alles in einer klaren Sprache, ohne zu emotional zu werden. Die Geschichte von Ria und ihrer Familie wird spannend erzählt, man möchte immer wissen, wie es weiter geht.
Wer sich für die jüngste Geschichte interessiert, sollte diesen Roman nicht verpassen. Der letzte Band der Trilogie erscheint lt. Verlag im Sommer 2023, ich werde ihn auf keinen Fall verpassen.

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Veröffentlicht am 11.05.2022

Chemie ist Veränderung und damit Leben

Eine Frage der Chemie
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Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin, keineswegs durchschnittlich, pragmatisch, direkt, sieht gut aus, ist nicht eitel. Und dann stellen wir uns die 1950ziger und Anfang der 1960ziger Jahre vor, wir wissen ...

Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin, keineswegs durchschnittlich, pragmatisch, direkt, sieht gut aus, ist nicht eitel. Und dann stellen wir uns die 1950ziger und Anfang der 1960ziger Jahre vor, wir wissen sofort wie schwer es sie hatte. Elizabeth ist Chemikerin und arbeitet am Hastings Forschungsinstitut, einer Männerdomäne. Dort lernt sie Calvin Evans kennen, ebenfalls ein herausragender Chemiker. Die beiden verlieben sich ineinander, werden ein Paar und leben zusammen. Calvin möchte Elizabeth heiraten, aber sie lehnt ab, weil sie weiß, dass die Gesellschaft sie dann nur noch als Calvins Frau wahrnehmen würde. Bei einem tragischen Unfall stirbt Calvin. Verzweifelt und schwanger bleibt Elizabeth allein zurück.

Ende 1961, Elizabeths Tochter Madeline geht inzwischen zur Schule, beginnt sie mit der Moderation der Kochshow „Essen um sechs“ und wird zum Star. Für Elizabeth ist das keine Kochshow, sondern eine Unterrichtsstunde in Chemie und sie fordert die Frauen dazu auf, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

Ich habe mit Interesse und Spannung das Leben von Elizabeth Zott verfolgt, geschmunzelt, gelacht, bin teilweise sehr nachdenklich gewesen. Elizabeth und Calvin hatten beide keine einfache Kindheit, sind trotz Hürden ihren Weg gegangen. Sie holt sich oft symbolisch eine blutige Nase, weil sie mit dem Kopf durch die Wand will, Diplomatie ist nicht ihr Ding. Gleichberechtigung ist für Elizabeth selbstverständlich.

Lernen sie Elizabeth Zott kennen, die keine Küche, sondern ein Labor hat in dem sie kocht und natürlich forscht und Experimente durchführt. Ich hätte sie gerne persönlich getroffen, diese ungewöhnliche Persönlichkeit. Lesenswert!

Seite 270: Kochen ist Chemie. Und Chemie ist Leben. Ihre Fähigkeit, alles zu ändern – Sie selbst eingeschlossen –, beginnt hier.

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Veröffentlicht am 29.04.2022

Ein spannender alter Fall in der Provinz

Das versunkene Dorf
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Beim Einsatz in einem Pariser Vorort wird Hauptkommissarin Noémie Chastain durch Schüsse eines Drogenhändlers schwer verletzt. Ihr Leben wird gerettet, allerdings ist eine Gesichtshälfte für immer entstellt. ...

Beim Einsatz in einem Pariser Vorort wird Hauptkommissarin Noémie Chastain durch Schüsse eines Drogenhändlers schwer verletzt. Ihr Leben wird gerettet, allerdings ist eine Gesichtshälfte für immer entstellt. Trotzdem möchte sie so schnell wie möglich zurück in den Polizeidienst. Nicht nur ihr Lebensgefährte Adriel, sondern auch ihre Vorgesetzten und Teile ihres Teams sind damit überfordert. Noémie wird für einige Wochen in die Provinz nach Avalone abgeschoben. Überstützt wird sie vom Psychologen Melchior, der ihr mit Direktheit, Geduld, Sarkasmus und Fürsorge durch den Alltag hilft und ihr wieder neuen Lebensmut gibt.

Noémie muss zuerst lernen, dass es in der Provinz viel ruhiger zugeht als in Paris und die Dinge in manchen Fällen anders gehandhabt werden. Eines Tages taucht eine Tonne im Stausee auf, in dieser Tonne wird eine Leiche gefunden. Jetzt kann Noémie ihre Fähigkeiten einsetzen. Bei den einsetzenden Ermittlungen tritt ein alter Fall wieder zutage. Zur Zeit des Baues des Stausees und der Umsiedlung des Dorfes sind drei Kinder verschwunden, angeblich wurden sie entführt. Die Hauptkommissarin holt viele Dinge, die unter der Oberfläche schwelen hervor. Es kommt soweit, dass das Wasser des Stausees abgelassen wird und eine weitere Leiche entdeckt wird.

Olivier Norek treibt die Geschichte kontinuierlich voran, es bleibt bis zum Schluss spannend. Die Charaktere der Hauptprotagonistin, der Mitarbeiter und der Dorfbewohner sind sehr gut beschrieben. Die angespannte Atmosphäre im Dorf nach Entdecken der ersten Leiche spürt man. Durch diesen Fall findet Noémie wieder zu sich selbst.

Ein lesenswerter spannungsreicher Kriminalroman, nur zu empfehlen.

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