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Veröffentlicht am 08.07.2019

Das Licht der Toskana - das Dunkel der USA

Das Licht der Toskana
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Drei gut situierte, aber einsame Amerikanerinnen treffen sich auf der Kreuzung zu ihrem letzten Lebensabschnitt: bei der Besichtigung von Seniorenwohnungen...

Alle drei, Susan, Camille und Julia, fühlen ...

Drei gut situierte, aber einsame Amerikanerinnen treffen sich auf der Kreuzung zu ihrem letzten Lebensabschnitt: bei der Besichtigung von Seniorenwohnungen...

Alle drei, Susan, Camille und Julia, fühlen sich noch nicht recht dem "alten Eisen" zugehörig und freunden sich an. Hierbei entsteht die Idee, eine alte Villa in der Toskana anzumieten und dort eine Art "Alters-WG" zu gründen, fernab von den unterschiedlichen Schicksalsschlägen, die sie in den USA ereilt haben.

In der Toskana angekommen treffen sie auf Schriftstellerin Kit, aus deren Perspektive die Geschichte eigentlich erzählt wird, und sie freunden sich an.

Sie entdecken die Toskana und ihre vergessenen oder verborgenen Fähigkeiten wieder: malen, kochen, neugierig sein auf das Leben...

Die Idee der Geschichte, dass im "Alter" das Leben noch nicht vorbei sein muss, sondern man nochmal ganz von vorne anfängt und sich von Dingen inspirieren lassen kann, die man vorher einfach nicht ausleben konnte oder durfte, ist eine sehr schöne von Frances Mayes.

Die Umsetzung des ganzen ist ein wenig schwieriger in meinen Augen: Zwar ist Kit die eigentliche Erzählerin der Geschichte, aus deren Ich-Perspektive der Roman erzählt wird, allerdings gibt es viele Bereiche, in denen Kit die ausführlich beschriebenen Sichtweisen der anderen Damen gar nicht so genau kennen konnte. Somit ergibt sich eine ständig die Sichtweise wechselnde Erzählstruktur, bei der man sich ständig fragt, aus wessen Perspektive (also von wem) hier gerade berichtet wird. Besonders am Anfang, wenn man die Charaktere noch nicht so gut kennt und wie später einfach vermuten kann, wer wie denkt und handelt, macht dies den Einstieg in das Buch äußerst schwerfällig. Da am Anfang auch der Großteil der Lebensgeschichten der Damen in den USA erzählt wird und dieser Teil des Buches wohl eher der "Dunkle" ist, kam ich sehr schwer in die Geschichte rein und fand die ständigen Perspektivwechsel sehr anstrengend.

Im "Licht der Toskana" wird dies etwas leichter, allerdings schwenkt der Erzählstil nun um auf einen sehr beschreibenden... also irgendwie alles beschreibenden Stil... das bedeutet, es wird nicht nur die Landschaft, die Blumen, die Gerüche und die typischen toskanischen Gerichte beschrieben (diese gefielen mir durchaus gut und ich bekam immer Hunger), sondern auch sämtlichen Einzelheiten eines jeden Geschäfts etc. oder es wurde auf Bücher und Schriftsteller eingegangen, die ich - Asche auf mein Haupt - nicht kannte und nichts damit anzufangen wusste, was mir gelegentlich das unangenehme Gefühl des "Belehrtwerdens" beim Lesen einbrachte oder eben des "Dummerchens", das mit diesen Begriffen nichts anzufangen weiß.

Weiterhin wartete ich immer auf eine wirkliche Story, einen Spannungsbogen, einen Plot, in dem sich tatsächlich ein "Problem" mit einer Lösung befindet, also etwas, woraus man etwas lernen kann... den gewissen Aha-Effekt, den man doch eigentlich bei den meisten Büchern bekommt...

Diesen habe ich nicht gefunden. Dass die Toskana schön ist und die Damen sich richtig entschieden haben, in die Toskana zu gehen, ist für mich das hauptächliche Fazit der Geschichte.

Wer in einem Buch keine wirkliche Handlung braucht, Dinge nicht allzu realistisch hinterfragt (Woher kommt das ganze Geld, das die Damen ausgeben? Wer putzt und repariert eigentlich Dinge in der alten Villa? Gibt es wirklich keinerlei Probleme beim Wechsel in eine völlig andere Welt in einm etwas gesetzteren Alter? Kann man im Alter wirklich noch so einfach so eng mit bislang völlig Fremden zusammenwohnen? etc.) und gleichzeitig sich vom Charme der Toskana mit all seinen Möglichkeiten einlullen lassen möchte, für den ist dies das richtige Buch...

Ich persönlich konnte immer nur zeitweise (beim Beschreiben der Landschaft oder der leckeren Gerichte) voll in die Geschichte einsteigen, ansonsten habe ich immer darauf gewartet, dass nun endlich etwas Entscheidendes auf den 600 Seiten des Buches passiert...

Fazit:
Leider hat es mich nicht so richtig gepackt, aber es ist ein inhaltlich leichtes, sehr bildlich beschriebenes Buch, das sicher auf den einen oder anderen seinen Charme wirken lässt!

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Figuren
Veröffentlicht am 06.03.2019

Tief emotional mit großem Potential...

Loveless - Eine Liebesgeschichte
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Brynn und Cassidy, zwei vom Schicksal gebeutelte Menschen, treffen in einer dramatischen Situation aufeinander:
Brynn möchte der depressiven und apathischen Trauer um ihren bei einem Amoklauf getöteten ...

Brynn und Cassidy, zwei vom Schicksal gebeutelte Menschen, treffen in einer dramatischen Situation aufeinander:
Brynn möchte der depressiven und apathischen Trauer um ihren bei einem Amoklauf getöteten Verlobten ein Ende setzen und den auch bei Experten als schwierig verschrieenen Mount Katadhin besteigen - ohne Begleitung und Erfahrung bei schlechtem Wetter...
Bei einem Zwischenstopp wird sie jedoch brutal niedergestochen und in letzter Sekunde gerettet von Cassidy - dem Sohn eines Vergewaltigers und Serienmörders, der einsam und verlassen in einer Berghütte lebt, seitdem die letzten geliebten Menschen, seine Mutter und sein Großvater, gestorben sind. Beide haben ihm seit frühester Kindheit eingebläut, dass auch er auf Grund seiner Gene eines Tages zu einem "Monster" wird und er niemanden an sich heranlassen oder gar sich fortpflanzen darf.

Cassidy rettet ihr Leben und pflegt sie in seiner einsamen Hütte gesund... und sie kommen sich trotz ihrer schweren Vergangenheit näher...

Dieses Buch habe ich verschlungen... Gerade im ersten Teil leidet man mit beiden so sehr mit. Ganz extrem mit Cassidy. Als Mutter eines Sohnes ist die Vorstellung, seinem Kind ein Leben in ewiger Einsamkeit und ohne Liebe vorzuschreiben einfach unerträglich... Umso mehr hofft man darauf, dass sich Brynn trotz ihrer Vergangenheit und seines dunklen Geheimnisses Cassidy die Liebe schenkt, die er so sehr verdient.
Als sie sich annähern, freut man sich so sehr mit beiden - ich noch mehr mit Cassidy - wobei man dennoch die ganze Zeit Angst vor der Wahrheit und der Enthüllung hat... und auch vor Cassidys Angst, sich ihr zu öffnen und lieber eine Dummheit zu begehen...

Die plötzliche Wendung ist daher überraschend und ermöglicht einerseits eine allseits "anerkannte" Auflösung. Dennoch ist hier m.E. eine "zu einfache Lösung" gefunden worden. Stärker und auch wegweisender wäre der Schluss gewesen, wenn die überraschende Wendung nicht zutage getreten wäre, denn es hätte die Bedingungslosigkeit ihrer Liebe viel stärker bewiesen.

Fazit:
Ein toller und emotionaler Liebesroman, der Potential zu einer ganz großen Aussage gehabt hätte... so ist es ein am Ende gut geschlossener Roman geworden, der durchaus gut unterhält und einen in der Aussage weiter mitnimmt.

Anmerkung:
Das Cover des Buchs ist in meinen Augen am Thema vorbei: vermutlich soll es Cassidy darstellen, jedoch bei der ersten Beschreibung des männlichen Protagonisten wird klar, dass es nicht der nette Hipster auf dem Cover sein kann... Dieser ist, um einen vereinsamten Eigenbrötler darzustellen, einfach am Thema vorbei...

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Gefühl
Veröffentlicht am 28.01.2019

Die Liebe ist ein seltsames Spiel...

Vom Glück und den Tagen dazwischen
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Emmi geht langsam aber stetig auf die 40 zu und hat in ihrem Leben diverse Erfahrungen mit den Männern gemacht... in ihren Augen jedoch nie die richtigen...
Daher und dem Streben ihrer Eltern nach einem ...

Emmi geht langsam aber stetig auf die 40 zu und hat in ihrem Leben diverse Erfahrungen mit den Männern gemacht... in ihren Augen jedoch nie die richtigen...
Daher und dem Streben ihrer Eltern nach einem soliden Schwiegersohn zum Trotz entscheidet sie sich gegen die Männer und will ihrem Leben eine Chance geben, männerlos glücklich zu werden...
Um dieses Unterfangen noch zu unterstreichen, begibt sie sich incognito auf die Hochzeit ihres Ex... allerdings verläuft diese ganz anders als geplant...
Um diesen Ereignissen und einem Urlaub mit ihren Spießer-Eltern zu entkommen, begibt sie sich mit ihrer Nachbarin, die nach dem Tod ihres Mannes Unterstützung braucht, deren 2 Freundinnen und einer anderen Nachbarin, die sich spontan den Damen anschließt, auf eine ereignis- und folgenreiche Reise in die Normandie...

Das Buch fliegt mit seinem flüssig geschriebenen, leichten Textstil nur so dahin und nimmt einen humorvoll mit in das Leben der Emmi und der anderen, auch mit Männererfahrung gespickten Damen...
Manchmal überschlagen sich die Ereignisse, dann wieder nimmt Emmi einen mit in ihre Gedankenwelt und ihre Vergangenheit oder die wunderschöne Normandie wird authentisch beschrieben.

Jede der Damen macht im Laufe der Geschichte eine Wandlung und (die meisten) eine Weiterentwicklung durch - wenn auch an manchen Stellen sehr überraschend und für den Leser nicht immer ganz nachvollziehbar. Gerade am Ende passiert ganz viel, ohne dass der Weg dahin beschrieben wird. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Nachvollziehbarkeit gewünscht.

Alles in allem aber eine gut zu lesende, leichte Frauengeschichte mit Humor, die einen mitnimmt - gut für Sommerurlaube oder eben genau das Gegenteil: gemütliche Couchabende, wenn es draußen nass und grau ist.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Humor
  • Geschichte
  • Gefühl
Veröffentlicht am 20.07.2020

Noch eine Spur heftiger als ohnehin schon erwartet...

Mehr als wir uns erträumten
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Die autobiographische Erzählung des Autors berichtet in einer sehr offenen und schonungslosen Art von der Zeit zweier (!) Schwangerschaften der Frau des Autors, die beide nicht komplikationslos verlaufen.

Denkt ...

Die autobiographische Erzählung des Autors berichtet in einer sehr offenen und schonungslosen Art von der Zeit zweier (!) Schwangerschaften der Frau des Autors, die beide nicht komplikationslos verlaufen.

Denkt man sich schon beim Lesen des Klappentextes und der Leseprobe, dass dies keine leichte Kost ist, wird man beim Lesen des Buches noch schonungsloser erwischt:
Nicht nur, dass der Autor absolut ehrlich wirklich jede Gefühlsregung und Kommunikation mit seiner Frau oder anderen Personen "ungeschönt" berichtet - teilweise auch in epischer Breite, was allerdings zu dem Warten auf Neuigkeiten bzgl. der Babies entspricht, nein, im Gegensatz zur Leseprobe, in der man noch fasziniert ist von der Zärtlichkeit des Paares und dem erwachsenen Umgang miteinander, schockt der Inhalt dann doch mit Untiefen und auch emotionalen Krisen, die man durchaus als "feige" oder "kindisch" bezeichnen möchte - an verschiedenen Stellen bei den unterschiedlichen Personen.

Auch inhaltlich hatte ich nach dem Klappentext des Buches erwartet, dass die dort genannte Schwangerschaft zwar schwierig, aber am Ende dennoch als Happy End verläuft - dies, ACHTUNG SPOILER! - ist nicht so. Im Untertitel des Leseexemplars lautet dieser dann "Wie wir erst ein Baby verloren und dann zwei dazugewannen".

Und genau so ist es dann auch:
Das Buch ist in zwei "Bücher" unterteilt, jede Schwangerschaft für sich bekommt ein "Buch".
Hierbei ist es wirklich ein krasser Unterschied, wie die Stimmung, aber auch die handelnden Personen sich dabei verändern.

Am Ende gibt es eben ein Happy End von zwei gesunden Babies der zweiten Schwangerschaft - das Baby der ersten Schwangerschaft schaffte es jedoch nicht. Und auch wenn man sich am Ende über die zwei gesunden Babies freut, bleibt einem das ganze Buch über dieses "verlorene" Baby im Kopf und vor allem in der Stimmung... Das zweite Buch mochte ich aus Trauer um das erste Kind erst gar nicht anfangen...

Nun ist es natürlich so, dass es eine tatsächlich so erlebte Geschichte ist und man dem Autor so schlecht vorwerfen kann, die Handlung nicht "schöner" gemacht zu haben - es ist ihm und seiner Familie (und dazu gehören auch die beiden "großen" Kinder, was ein nicht zu unterschätzender Faktor ist) eben genau so passiert und er hat sie ungeschönt und schonungslos offen erzählt, mit all seinen oder auch anderer Personen Schwächen...

Diese Ehrlichkeit ist auch sicher ein großer Pluspunkt dieser Geschichte - dennoch hat man oft das Gefühl, hier in einen Intimbereich einzutreten, der einen in dieser heftigen Form nichts angeht: nicht nur der Autor ist ja namentlich genannt und in Finnland auch durchaus bekannt - seine Frau und die Kinder sind ja auch "echte" Menschen und nun bis in die tiefsten Emotionen nun der Leserschaft vorgestellt.

Für mich als Mutter eines gesunden Kindes mit abgeschlossener Familienplanung ist dieses Buch ein äußerst heftiges, aber eben auch schonungslos ehrliches Buch mit interessanter, schicksalsträchtiger Geschichte. Wenn ich mir aber vorstelle, dass Menschen, die sich noch Kinder wünschen oder gar gerade ein Kind erwarten, dieses Buch lesen, würde ich schon befürchten, dass hier Horrorvorstellungen bildlich gemacht werden, was in einer solchen Situation zu Angst und Panik führen kann. Ähnliches bei Menschen, die evtl. ein Kind verloren oder ähnliches mitgemacht haben: wer weiß, ob hier nicht irgendwelche Trigger angesprochen werden, die man nun nicht unbedingt wecken muss...

Fazit:
Wer mit der Familienplanung abgeschlossen hat oder eben keine Kinder möchte, seelisch stabil ist und sich gern autobiographische Schicksalschläge mit Wegen aus der Krise durchliest, hat hier ein ganz eigenes Buch mit durchaus so interpretierbarem Happy End gefunden!

Wer evtl. auch ein Kind verloren hat und Angst vor einer erneuten Schwangerschaft hat, kann in diesem Buch vielleicht auch eine Entscheidungshilfe sehen...

Wer jedoch aktuell ein Kind erwartet und/ oder in näherer Zukunft ein Kind plant oder/ und bereits Schicksalschläge im Bereich von Tod und Kindern erlebt und seelisch hier nicht stabil ist, dem rate ich von diesem Buch ab - so unfassbar wertvoll ist der Inhalt da nicht, dass man sich dafür evtl. in Angst und Panik versetzen lässt...

  • Cover
  • Erzählstil
  • Thema
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2020

Großes Potential zu wenig genutzt - über das Leben und Lieben eines Popstars...

Als du mich sahst
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Die Geschichte von Soléne, einer 40-jährigen, frisch geschiedenen Kunsthändlerin, die ihre pubertierende Tochter zu einem Konzertbesuch ihrer Lieblingsband begleitet und dabei mit deren 20-jährigem Leadsänger ...

Die Geschichte von Soléne, einer 40-jährigen, frisch geschiedenen Kunsthändlerin, die ihre pubertierende Tochter zu einem Konzertbesuch ihrer Lieblingsband begleitet und dabei mit deren 20-jährigem Leadsänger Hayes eine Affäre beginnt, birgt eine Menge Potential:

- der Altersunterschied der beiden, wobei die Frau den wesentlich älteren Part übernimmt
- die Beziehung einer "normalen" Frau mit einem Star
- der Konflikt mit der pubertierenden Tochter, die als "aktiver" Fan in Hayes "verliebt" ist
- die Reaktion der Öffentlichkeit auf all diese Punkte

Meine Erwartungshaltung nach dem Lesen der Leseprobe waren als Mutter (eines allerdings wesentlich jüngeren Sohnes ) im Alter der Protagonistin entsprechend hoch, hier ein Feuerwerk der Emotionen zu erleben - natürlich verbunden mit einer wunderschönen Liebesgeschichte.

Durch den tollen Schreibstil der Autorin mit diversen Schmunzelmomenten kam ich schnell in die Geschichte hinein und konnte mir vor meinem inneren Auge nicht nur ein gutes Bild von den beiden Protagonisten machen, sondern auch verstehen, warum Soléne dem Charme des witzigen, smarten, gutaussehenden, für sein Alter durchaus reif wirkenden Hayes erliegt.

Am Anfang war ich wirklich begeistert von der Geschichte, konnte auch den inneren Konflikt von Soléne nachvollziehen, einfach mal etwas "für sich" machen zu wollen, mal nicht immer nur Mutter, Ex-Frau, erfolgreiche Geschäftsfrau sein und ein solch "unerwartetes Geschenk" wie Hayes einfach genießen zu wollen. Auf der anderen Seite jedoch zu merken, dass es gar nicht so einfach ist, loszulassen und so unbeschwert wie als ungebundene 20-Jährige ohne Verpflichtungen den Dingen einfach seinen Lauf zu lassen.
Hier am Anfang braute sich dann schon einiges zusammen, von dem man als geneigter Leser anfing, vor allem Soléne in Gedanken warnen zu wollen, etwas vorsichtiger zu sein. Hier passte es noch zur Geschichte, dass sie etwas unbedarft heran ging, schwebte sie doch auf Wolke 7 und war selbst überwältigt von Hayes und überrannt vom Rummel um seine Person.

Ab der Mitte jedoch begann für mich, die Geschichte anstrengend zu werden. In meinen Augen wurde Soléne zunehmend unsympathischer, weil sie die Dinge einfach nicht wie eine gestandene Geschäftfrau und liebevolle, empathische Mutter behandelte, als die sie im ersten Teil dargestellt wurde, sondern sich in meinen Augen zunehmend unreif verhielt. Im Gegenzug schloss ich Hayes mehr und mehr ins Herz, der sich wesentlich reifer (bis auf ganz wenige Ausnahmen) verhielt und charakterstark und trotz seines Ruhms geerdet wirkte. Auch die Sexszenen, die große Teile des Zusammentreffens der beiden ausmachten und entsprechend ausführlich beschrieben wurden und im ersten Teil noch unter "frisch verliebt" gut passten, wurden zunehmend nerviger, da hier jetzt eigentlich (laut Aussagen der Protagonisten) der Teil einsetzen sollte, der tiefergehende Gefühle bis hin zu Liebe vermitteln sollte. Dies kam jedoch nicht wirklich rüber, die Protagonisten redeten davon, manche Handlungen, speziell von Hayes ließen das auch schlussfolgern, aber der Funke sprang nicht über. Ggf. ist hier auch die Idee, nahezu nur die Treffen der beiden (mit Kapitelüberschriften des jeweiligen Treffortes) zu beschreiben, Problem des ganzen. Mir hätten die Teile dazwischen, das Leben der beiden, wenn sie getrennt waren, Solénes Leben und Handeln mit ihrer Tochter außerhalb des Hayes-Kontextes vielleicht mehr Nähe und Tiefgang zu den Gefühlen der Protagonisten gegeben. Da die Geschichte aus Solénes Perspektive geschrieben war, aber immer nur die Abschnitte mit oder im Zusammenhang zu Hayes, wirkte die Geschichte einerseits sehr aktionsreich, andererseits aber dann auch langatmig, weil sich in meinen Augen zwischen Soléne und Hayes vieles wiederholte, was langsam nervig wurde.

Am Ende dagegen überschlugen sich die Ereignisse jedoch, wirkten aber gar nicht mehr nachvollziehbar und schienen, als müsste das Buch nun schnell zu einem Ende führen - in meinen Augen zu einem überstürzten, in Gänze nicht nachvollziehbarem Ende.

Hier liegt auch der Hauptkritikpunkt an diesem Buch:
Mir fehlt die Aussage, die Kraft, die Bedeutung, die es dem Leser am Ende mitgeben soll...
Wem es als reine Lektüre zum Zeitvetreib dienen soll, der verbringt hier eine interessante Zeit mit einem gut zu lesenden Buch, in der die Protagonisten mal mehr, mal weniger nachvollziehbar handeln.
Wer jedoch auf Grund der diversen oben genannten Themen mehr Potential für eine tiefergehende Geschichte mit einer dahinter stehenden Aussage oder gar Kraft lesen will - oder einfach eine locker leichter Liebeschnulze mit Happy-End - dem würde ich von diesem Buch eher abraten.

Fazit:

Gut und locker zu lesen mit einem witzigen Schreibstil und einer interessanten Geschichte um einen Rockstar mit allerlei Starrummel und den Geschichten dahinter - die Liebesgeschichte und die Bedeutung der Aussage hinter dem Buch kommen in meinen Augen jedoch zu kurz! Schade, um das Potential des Buches mit interessanten Themen!

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Figuren