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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2025

Schaurige Symbolik in Schweden

Schwüre, die wir brechen
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Das ungleiche Malmöer Ermittlerpaar Jon Nordh und Svea Karhuu in ihrem zweiten Fall, in dem es gleich mächtig zur Sache geht. Es wird nämlich eine Leiche mit falschem Kopf gefunden, nämlich mit ...

Das ungleiche Malmöer Ermittlerpaar Jon Nordh und Svea Karhuu in ihrem zweiten Fall, in dem es gleich mächtig zur Sache geht. Es wird nämlich eine Leiche mit falschem Kopf gefunden, nämlich mit dem eines Tieres. Auch vor seinem Tod musste der Verstorbene einiges erleiden. Dazu kommen geheimnisvolle Hieroglyphen, mit denen weder die Ermittler noch ihre Kollegen zunächst etwas anzufangen wissen. Es folgen weitere Morde auf - wenn möglich - noch grausigere Art, doch ist die Handschrift des Mörders unverkennbar.

Doch was steckt dahinter? Was könnte die Motivation des/der Mordenden sein? Ist es ein politischer oder eher ein persönlicher Hintergrund? Zunächst tappt das Team - Nordh und Karhuu werden durch einige Kollegen ergänzt - noch so ziemlich im Dunkeln und als es endlich ein wenig lichter wird, sehen sie sich selbst im Zuge der Ermittlungen großen gefahren ausgesetzt.

Mir gefallen in dieser Reihe insbesondere die Beschreibungen der Protagonisten, vor allem in den Reihen der Ermittler und deren nicht gerade unkomplizierte Dynamik. Obwohl die Fälle so weitreichend sind, kommen deren Privatleben sowie ihre berufliche Vorgeschichte keineswegs zu kurz.

Auch wenn es hier immer wieder gruselig-grausig zugeht, steht doch das menschliche Miteinander auf allen Ebenen im Vordergrund und gerade deswegen gefällt mir diese Reihe, die hoffentlich noch viele spannende Fälle beinhalten wird, so gut.

Veröffentlicht am 31.08.2025

Eine sehr besondere Frau

Peggy Guggenheim
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Das war Peggy Guggenheim in der Tat! Geboren in den Ausläufern des 19. Jahrhunderts, war sie ganz klar ein Kind beziehungsweise eine Frau des 20. Jahrhunderts und zwar eine ausgesprochen prägende.

Sie ...

Das war Peggy Guggenheim in der Tat! Geboren in den Ausläufern des 19. Jahrhunderts, war sie ganz klar ein Kind beziehungsweise eine Frau des 20. Jahrhunderts und zwar eine ausgesprochen prägende.

Sie hat Kunst, Kultur, aber auch die gesellschaftliche, politische und soziale Haltung wie kaum eine andere beeinflusst. Wobei es für sie dadurch leichter wurde, dass sie quasi von Kind auf ordentlich was an den Füßen hatte, sprich: ihre Familie war eine der Reichsten in den Vereinigten Staaten. Doch was für ein Segen, dass es gerade Peggy traf, denn ihr verdanken wir die Entdeckung und nicht zuletzt auch die Rettung nicht weniger moderner und avantgardistischer Künstler, die ansonsten häufig nicht ernst genommen wurden.

Sie war immer neugierig und zwar in jeder Hinsicht - ihr Verschleiß an Männern war ein beachtlicher, sie reiste um die Welt wie keine andere und scheute sich nicht davor, gerade auch in Krisenregionen aufzuschlagen. Da war sie tapfer, ja furchtlos. Für ihre Kinder war das Leben mit dieser Mutter allerdings kein einfaches.

Mona Horncastle schildert das Leben dieser Frau, die am Ende desselben einen Palazzo in Venedig und eine beträchtliche Kunstsammlung nicht nur dort hinterließ, auf mitreißende, aber auch informative Art und Weise. Mir tut es allerdings Leid, dass die vielen Personen um sie herum oft nur Namen bleiben. Es sind so viele, dass ich während der Lektüre nicht immer zum Nachschlagen kam, hilfreich wäre eine kurze Ausführung zur Person im hinten angehängten Verzeichnis gewesen.

Insgesamt jedoch ist dies ein sehr lesens- und damit empfehlenswertes Buch, das mir die Person - um nicht zu sagen: das Phänomen - Peggy Guggenheim deutlich näher gebracht hat.

Veröffentlicht am 01.08.2025

Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Onigiri
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Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, ...

Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, aber mit ihren beiden Kindern dennoch in Deutschland blieb.

Inzwischen ist sie dement - aber ihre kulturelle wie auch nationale Verlorenheit besteht weiterhin. Auch in ihrem Heimatland? Aki, inzwischen selbst verheiratet und Mutter mehrerer Kinder fliegt kurzerhand mit der Mutter nach Kobe, deren Heimatstadt, nachdem sie verspätet erfährt, dass ihre Großmutter verstorben ist.

Die Leser:innen erleben nicht nur die Reise der beiden, sondern tauchen während der Lektüre tief in die Biographien beider Protagonistinnen - und auch einiger mehr - ein.

Eine faszinierende, ungewöhnliche Lektüre, während der ich mir wieder und wieder die Frage stellte, ob bzw. inwiefern Akis Geschichte mit der der Autorin übereinstimmt. Wie auch immer, ich könnte es mir sehr gut vorstellen und mich hat diese Darstellung immer wieder sehr bewegt. Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein in einem Land, in das man nicht, oder nur teilweise (in Akis Fall zur Hälfte) geboren ist, das sind große zeithistorische Themen, die auch mich selbst betreffen. Autorin Yuko Kuhn vermag das Dilemma derer, die "dazwischen" leben, eindringlich darzustellen - nur an einigen Stellen springt sie ein wenig zu sehr hin und her, die jeweiligen Sequenzen wirken dadurch etwas zerfahren bzw. verwirrend. Doch habe ich immer wieder in die Handlung zurückfinden und mich an den teils traurigen, teils sehr unterhaltsamen oder gar lustigen Schilderungen bereichern können.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Dem Feminismus den Weg ebnen

Wohin du auch gehst
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Das ist meiner Ansicht nach eines der Ziele dieses Romans - sicher wird manch einer nun sagen, dass der Feminismus bereits seit Jahrzehnten auf dem Weg zu wasauchimmer ist und es vom jeweiligen persönlichen ...

Das ist meiner Ansicht nach eines der Ziele dieses Romans - sicher wird manch einer nun sagen, dass der Feminismus bereits seit Jahrzehnten auf dem Weg zu wasauchimmer ist und es vom jeweiligen persönlichen Hintergrund abhängt, ob und in welcher Form dies angenommen wird. Das ist zweifellos bei uns der Fall, ebenso in zahlreichen Ländern Westeuropas und anderer westlicher Länder, doch in dem Umfeld, in dem dieser Roman angesiedelt ist, nämlich im Kongo und unter kongolesischen Emigranten, findet dies deutlich weniger statt.Wobei die Handlung des Romans in den 1980er und den 2000er Jahren spielt, aber auch da tickten die Uhren in vielen der genannten Länder schon deutlich anders.

Die Männer beherrschen die Politik wie auch das Heim in vielen Fällen, zudem hindert das soziale Gefüge sowohl im Land selbst als auch außerhalb die Frauen daran, sich in vielerlei Form freizuschwimmen.

Im vorliegenden Roman lernen wir Bijou kennen, die irgendwann von ihren Eltern aus Kinshasa zu ihrer Tante Mireille nach London verfrachtet wird und dann einfach nicht wieder zurückgeholt wird. Das Tantchen bezieht sie in ihr Leben ein, wozu vor allem eine intensive Anbindung zur kongolesischen Gemeinde der Stadt wie auch generell zu Gepflogenheiten des Landes, seinen es Speisen, Traditionen oder auch die Achtung Älteren gegenüber gewahrt werden sollen. Bijou fühlt sich darin überhaupt nicht wohl, zumal sie zum ersten Mal so richtig verliebt ist und eine Beziehung pflegt - und zwar zu einer Frau. Und dann soll sie auf einmal einen Mann heiraten, einen, den die Gemeinde ihr ausgesucht hat.

Bijou will sich von allem lösen, doch irgendwie klappt das nicht...

Ein eindringlicher Roman, den ich mit Interesse, teilweise auch mit Faszination gelesen habe, wenn ich auch einigen Darstellungen nicht ganz folgen konnte bzw. mehr Zeit brauchte, um diese zu verstehen bzw. in Gänze nachvollziehen zu können. Ein Familienroman, der stellenweise schockiert, dann aber wieder richtig warmherzig daher kommt. Etwas für Leser*innen, die auch gern mal Neues kennen lernen!

Veröffentlicht am 17.06.2025

Jahrelang daran vorbeigegangen

Einfach Literatur
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Das Buch "Einfach Literatur" von Klaus Willbrand und Daria Razumovich handelt im Wesentlichen von (oft alten oder zumindest älteren) Büchern, wobei das eine sehr vereinfachte Beschreibung des Inhalts ist. ...

Das Buch "Einfach Literatur" von Klaus Willbrand und Daria Razumovich handelt im Wesentlichen von (oft alten oder zumindest älteren) Büchern, wobei das eine sehr vereinfachte Beschreibung des Inhalts ist. Wesentlich zutreffender ist, dass es sich hier um die Darstellung eines Lebens mit und für Bücher handelt. Denn Klaus Willbrand, den ich jahrelang jede Woche hinter Glas sah, konnte nicht ohne sie leben und so wählte er in unterschiedlichen Lebensphasen verschiedene Arten des Zusammenseins mit Büchern.

Vertraut war er mir durch den allwöchentlichen Blick in sein Antiquariat - Woche für Woche eilte ich daran vorbei auf meinem Weg ins Qi Gong-Studio, das sich wenige Häuser weiter befindet. Dabei sah ich stets einen Menschen in einer anderen Welt - eigentlich blickte er immer in ein Buch.

Anfang dieses Jahres war es dann ein trauriger Anblick ohne den Chef, ein Blick in ein mit Kerzen, Blumen und Beileidsbekundungen geschmücktes Fenster. Ein Leben mit Büchern hatte ein Ende gefunden und es gab viele Menschen, die hier, am letzten Lebensmittelpunkt von Klaus Willbrand, Abschied nehmen wollten.

Im vorliegenden Buch wird die Geschichte seines Lebens mit Büchern und seine Sicht auf selbige beschrieben und das ist aus meiner Sicht spannender als jeder Roman. Das Buch enthält auch manche Liste mit Büchern aus verschiedenen Kulturkreisen oder auch Listen mit Büchern bestimmter Autoren. Dass diese dort ganz kommentarlos in den Text eingebaut sind, finde ich schade. Ein ganz kleiner Makel an einem größtenteils bezaubernden Buch, das Daria Razumovich, im letzten Lebensjahr Willbrands seine Partnerin in seinem Buchblog - mehr dazu im Buch - mit ihm gemeinsam verfasste und nach seinem Tod fertig stellte.