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Veröffentlicht am 16.10.2019

Eine spannende Dystopie mit allerlei Abwechslung

Die Arena: Grausame Spiele
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Der Plot spielt in nicht allzu ferner Zukunft in London. Alle ausländischen Mitbürger wurden ihrer Rechte beraubt. Einst angesehene, erfolgreiche, seit Jahrzehnten vollwertige Mitglieder wurden von den ...

Der Plot spielt in nicht allzu ferner Zukunft in London. Alle ausländischen Mitbürger wurden ihrer Rechte beraubt. Einst angesehene, erfolgreiche, seit Jahrzehnten vollwertige Mitglieder wurden von den Pures - den einzig "reinen" Menschen - in Slums zusammengepfercht, ohne Nahrung, ohne Hoffnung. Man nennt sie Dregs. Und man interessiert sich nicht für sie, denn ein toter Dreg ist ein guter Dreg. Doch kann man ihren Tod vielleicht auch unterhaltsam gestalten? Kann man! Und so werden junge Kinder mit besonderen Talenten aus den Slums geholt, die im "Zirkus" vor den Pures auftreten müssen. Ein Fehler könnte der Letzte sein. Und selbst da kann man sich nicht sicher sein, denn die Pures bezahlen nicht, um Dregs überleben zu sehen. Nein, sie wollen möglichst grausame Tode besonders spannend inszeniert sehen. Die liefert Zirkusdirektor Silvio Sabatini ihnen gerne, selbst wenn es bedeutet, seine fähigsten Artisten zu ermorden.

Hoshiko ist eine der HauptprotagonistInnen. Sie arbeitet als Hochseilartistin und wurde bereits mit 5 Jahren ihrer Familie entrissen. Seit 11 Jahren bangt sie jeden Abend um ihr Leben. Der einzige Halt, den sie hat, sind Amina, die Zirkusheilerin und die Kleine Greta, die Hoshiko seit ihrer Ankunft ausbilden muss und extrem ins Herz geschlossen hat. Es ist schön, dass in dieser Gemeinschaft, trotz all der zerbrochenen Träume und Tode ringsherum, Hilfsbereitschaft aufkommt. Doch wenn man etwas oder jemanden liebt, kann das gut als Druckmittel gegen einen verwendet werden.

Anfangs war ich tatsächlich etwas genervt von einem weiteren Charakter: Ben. Er wurde eine ganze Weile als naiv dargestellt, doch im Laufe der Geschichte macht er eine spürbare Entwicklung durch, die mir letztendlich gut gefallen hat. Er wirft Fragen auf und bezieht Stellung, entgegen aller um ihn herum.

Dadurch, dass die Kapitel immer zwischen Ben und Hoshikos Sicht wechseln und relativ kurz gehalten sind, erwischte ich mich dabei, wie ich immer noch ein, zwei Kapitel mehr las, als ich geplant hatte. Die Spannungen zwischen den beiden plus die Schicksalschläge und Auftritte haben mich, vor allem zum Ende hin, sehr gefesselt! Authentische, jugendliche Charaktere, denen ich ihre Emotionen und Handlungen abnehmen konnte. Man muss hier auch beachten, dass das Buch eine Altersempfehlung von ab 12 Jahren hat. Unter diesem Aspekt kann ich nur sagen: gut gelungen!

Persönliches Fazit: Eine spannende Dystopie mit allerlei Abwechslung, die es schafft, einen zum Nachdenken zu bewegen und mitzunehmen. Trotz Jugendbuch auch für Erwachsene empfehlenswert!

© Recensio Online, Alice

Veröffentlicht am 29.09.2019

Interessantes Buchthema

The Chain - Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind
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Die Hauptprotagonistin Rachel ist gerade auf dem Weg zu ihrer Ärztin, als sie den schlimmsten Anruf ihres Lebens erhält: Ihre Tochter wurde entführt. Für Rachel bricht eine Welt zusammen und man spürt ...

Die Hauptprotagonistin Rachel ist gerade auf dem Weg zu ihrer Ärztin, als sie den schlimmsten Anruf ihres Lebens erhält: Ihre Tochter wurde entführt. Für Rachel bricht eine Welt zusammen und man spürt förmlich, wie ihr Herz stehen bleibt. Mitten auf dem Highway stehend und mit der schlimmsten Nachricht ihres Lebens konfrontiert, versucht Rachel den Anweisungen der Anruferin zu folgen, um den perfiden Plan „der Kette“ ausführen zu können, denn nur so kann sie ihre Tochter retten.

Die Figur Rachel war mir sofort sympathisch. Nicht nur, weil sie in dieser ernsten Lage steckt. Sie wird dem Leser als starke Frau und Mutter beschrieben und wurde genau aus diesem Grund auch ausgewählt, Teil der Kette zu werden.

Für Rachel beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie muss ihre Tochter retten und dafür ein großes Opfer bringen – selbst ein Kind entführen. Eine absolut unvorstellbare Situation, die von Rachel einfach alles abverlangt. Ihre Stärke, Willenskraft und vor allem ihr Mut haben mich schwer beeindruckt und mir beim Lesen beinahe den Atem geraubt. Oft habe ich innegehalten und mich gefragt, wie ich in dieser Situation reagiert hätte. Könnte ich ein fremdes Kind entführen? Wohlwissend, welche Konsequenzen das für die Eltern hat und was dieses Erlebnis mit ihnen macht.

Dem Leser bleibt also keine andere Wahl, als mit Rachel mitzufiebern, mitzuleiden und mit ihr allerlei Emotionen einer verzweifelten Mutter zu durchleben. Dem Autor ist das meiner Meinung nach wirklich fabelhaft gelungen.

Der Schluss fährt dann nochmal ordentlich an Spannung auf und der Leser darf sich hier auf ein spektakuläres Ende freuen.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir mehr Hintergrundinformationen gewünscht, vielleicht auch mehr Passagen aus Sicht des Netzwerkes. Zwar konzentriert sich der Plot mit seinem Hauptthema auf die Kindesentführungen, es wird jedoch für mich nicht sehr deutlich, wie solch eine Organisation so lange verdeckt agieren kann, wie das System im Kern funktioniert und wie das in der heutigen Gesellschaft möglich ist. Das gehört für mich nun mal zur Story dazu.

Persönliches Fazit: Für mich ein absolut gelungener Psychothriller, der mich von Seite 1 bis Ende prima unterhalten hat. Es war stets Abwechslung im Plot und auch deshalb konnte mich das Buch so fesseln. Klare Leseempfehung für Freunde des Genres!

© Recensio Online, Sabrina

Veröffentlicht am 20.09.2019

Ziemlich umfangreiche Story

Outback - Fünf tödliche Schüsse. Eine unfassbare Tat. Mehr als eine Wahrheit
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Der Reporter Martin Scarsden soll eine Reportage über die Ereignisse in der Stadt Rivers End machen. Vor einem Jahr hat Reverend Swift mehrere Einwohner der Stadt getötet und sich am Ende selber töten ...

Der Reporter Martin Scarsden soll eine Reportage über die Ereignisse in der Stadt Rivers End machen. Vor einem Jahr hat Reverend Swift mehrere Einwohner der Stadt getötet und sich am Ende selber töten lassen. Das Gerichtsverfahren steht kurz bevor, aber richtige Beweise gibt es bisher nicht. Kaum jemand hat dem Reverend dies zugetraut. Zwischen all den Gerüchten, die sich um die Tat ranken, gibt es jedoch auch Menschen, die ihn verteidigen. So wehren zum Beispiel die Jugendlichen, mit denen er zusammengearbeitet hat, die Vorwürfe des Missbrauchs und der Pädophilie zurück.

Mit Scarsden hat der Autor einen sehr interessanten Charakter erschaffen. Als ehemaliger Korrespondent für den Gaza-Streifen hat er nach dem Einsatz seine mentale Stärke dort gelassen. Er verbeisst sich in den Fall, möchte nicht wie seine Kollegen reißerische Überschriften und schlecht recherchierte Artikel abgeben. Stattdessen macht er sich auf die Suche nach Zeugen und Berichten, um seine Erkenntnisse zu stützen und so Licht in das Dunkel des Falls zu bringen. Während seiner Recherche vor Ort offenbaren sich immer mehr Ungereimtheiten und es tauchen weitere Leichen auf.

Die Polizei will nicht weiter ermitteln – schließlich lebt der Täter nicht mehr – und jeder im Ort scheint ein Geheimnis zu haben. Statt jedoch eins nach dem anderen zu lüften und so den Fall aufzuklären, kommen immer mehr Geheimnisse dazu, die das Buch ab einer gewissen Länge undurchsichtig und anstrengend zu lesen machen.

Der Schreibstil hat mich die Hitze von Rivers End spüren lassen, die Weite des Landes. Die Atmosphäre wurde mit fortschreitender Handlung immer drückender. Je tiefer der Journalist wühlt, desto mehr lose Fäden ergeben sich. Was mir zugegebenermaßen irgendwann zu viel war, denn es war weit und breit keine Auflösung in Sicht. Es gab immer mehr Zufälle, Straftaten und Begebenheiten, dennoch war es unklar, ob die alle mit dem Fall des Reverends im Zusammenhang standen. Zugleich sollen alte Geheimnisse nicht ans Licht kommen. Das war mir insgesamt ein bisschen zu viel des Guten.

Persönliches Fazit: Ziemlich umfangreiche Story mit einem spannenden Fall und einem zynischen Ermittler.

© Recensio Online, Katharina

Veröffentlicht am 19.09.2019

Kurzweilig, aber mit Tiefgang

Long way down
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Dieses Werk ist gänzlich anders als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe: eigenwillig, poetisch, stilistisch völlig diffus und dadurch neuartig.

Wills Bruder Shawn wurde gerade erschossen. Will weiß, ...

Dieses Werk ist gänzlich anders als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe: eigenwillig, poetisch, stilistisch völlig diffus und dadurch neuartig.

Wills Bruder Shawn wurde gerade erschossen. Will weiß, dass es in seiner Verantwortung liegt, die Regeln seines Umfeldes einzuhalten und den Mörder zur Strecke zu bringen - mit der Waffe seines Bruders.

1. Regel: Niemals weinen
2. Regel: Niemals jemanden verpfeifen
3. Regel: Rache nehmen

Im Aufzug des Gebäudes, in dem Will Shawns Mörder finden soll, besuchen ihn Geister aus der Vergangenheit, die alle ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Als der Fahrstuhl herunterfährt und die Geister die Umstände ihres Todes enthüllen, wird der Leser durch das Chaos von Wills trauerndem Geist hinuntergezogen.

Shawn ist tot.
Shawn ist tot.
Shawn ist tot.
Komisch das zu sagen.
Einfach traurig.
Aber es kam vielleicht
nicht überraschend
was vielleicht noch komischer ist
und noch trauriger.
(Zitat Seite 16)

In kurzen Sequenzen erzählt Will aus seiner Sicht, was passiert ist und wie seine Gedanken dazu sind. Das erinnerte mich an Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte mit Ebenezer Scrooge, dem ebenso die Geister erschienen sind, um ihm Lektionen zu erteilen. Das Gefühl der Hilflosigkeit war mir sehr vertraut, auch wenn die Regeln, die es in meiner Realität gibt, mit seinen nicht konform gehen. Wir alle aber können uns womöglich in einen trauernden Bruder hineinversetzen. Oder den Schmerz nachvollziehen, wenn Eltern den Verlust eines Kindes erleben müssen. Der Autor erweckt eine gewisse Empathie, die den Leser dazu bringt, das Leid der Protagonisten mitzuerleben oder gar mitzuempfinden. Wie das Trommeln der Herzschläge wird die Geschichte unermüdlich vorangetrieben und offenbart bei jedem Öffnen der Aufzugstüren einen neuen Todesfall.

Der Roman liest sich wie ein Gedichtband, wie Lyrik in Versen. Obwohl mir das Buch samt seiner tieferen Aussage gut gefallen hat, muss ich jedoch sagen, dass 14.95 € für 300 Seiten, die nicht einmal zur Hälfte beschrieben sind, einfach zu teuer ist. Letztlich ist es eine Kurzgeschichte für Jugendliche, die eine Lehre daraus ziehen sollen, wo Rache hinführen kann.

Und dann passierte es.
Er zog die Waffe
aus meinem Hosenbund.
Und hielt sie mir an den Kopf.
(Zitat Seite 232)

Persönliches Fazit: Eine kurzweilige, aber interessant geschriebene Geschichte mit Tiefgang, die mich etwas sprachlos zurücklässt.

© Recensio Online, Daniela

Veröffentlicht am 16.09.2019

Aufwendig konstruiert

Das Böse in ihr
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Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Zunächst geht es um Clara, deren Freund Luke plötzlich spurlos verschwunden ist. Dieser Teil spielt in der Gegenwart, und das Verschwinden von Luke ...

Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Zunächst geht es um Clara, deren Freund Luke plötzlich spurlos verschwunden ist. Dieser Teil spielt in der Gegenwart, und das Verschwinden von Luke wird immer mysteriöser und bald auch zur Gefahr für Clara.

Der zweite Teil spielt in der Vergangenheit. Hier geht es um Beth, ihren Mann Doug, ihren Sohn Toby und deren Tochter Hannah, die bereits im Kleinkindalter alle Auffälligkeiten einer Soziopathin aufweist.

Zitat Position 2208
Sie war klug genug, um zu wissen, dass damit die Freiheit, die ihre Macht über uns gewährte, ein Ende hätte. Außerdem führte sie etwas Größeres im Schilde, wie wir bald zu spüren bekommen sollten.

Dieser Teil lässt einem vor Grusel die Haare aufstellen.

Beide Geschichten sind sehr spannend geschrieben und spitzen sich im Laufe der Seiten immer mehr zu. Doch man findet keinerlei Verbindung und rätselt verzweifelt, wie das alles zusammenhängen könnte. Erst nach der Hälfte des Buches gewährt uns die Autorin häppchenweise Einblicke in die gut durchdachten Verwebungen. Und erst im letzten Drittel versteht man die Ausmaße dieser Tragödie.

Persönliches Fazit: Ein sehr spannender und emotional aufwühlender Psychothriller, der aufwendig konstruiert ist und eine entsetzliche Realität beinhaltet.


© Recensio Online, Daniela