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Veröffentlicht am 27.06.2019

Das Uhrwerk der Unsterblichen

Uhrwerk der Unsterblichen
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Zuerst ist mir das Cover des Buches ins Auge gesprungen und hat mich dazu gebracht, mich mit dem Inhalt der Geschichte näher zu beschäftigen und das Buch auch zu kaufen. So gesehen, hat es seine Aufgabe, ...

Zuerst ist mir das Cover des Buches ins Auge gesprungen und hat mich dazu gebracht, mich mit dem Inhalt der Geschichte näher zu beschäftigen und das Buch auch zu kaufen. So gesehen, hat es seine Aufgabe, die Aufmerksamkeit des potentiellen Lesers auf sich zu ziehen, bei mir schon mal erfüllt. Die filigrane Taschenuhr und das, fast schon realistisch anmutende, von oben herabfließende Gold sprachen mich dabei besonders an. Die Bedeutung der Elemente ist auch erst nach dem Lesen des Buches so richtig klar, was ich persönlich ein ganz faszinierendes Merkmal finde und auch noch nicht so häufig bei einem Buch gesehen habe.

Die Idee der Geschichte, dass Magie und damit auch magische Wesen sich unter uns „Normalsterblichen“ in unserer Welt befinden, gefällt mir, wie auch bei anderen Geschichten dieses Typs, sehr gut. Den generellen Handlungsablauf finde ich dafür auch schlüssig und inhaltlich gut aufgebaut. Es beginnt damit, dass wir den Hauptcharakter Avery kennen lernen und was so besonders an ihm ist. Außerdem erhalten wir bereits einen kleinen Einblick darin, welche Probleme auf ihn zukommen. Bei seiner Arbeit in der Pariser Oper trifft er dann auf die Tänzerin Giulia, die seine magischen Fähigkeiten aus noch unerklärlichen Gründen erkennen kann und sich ihm offenbart. Als beide mehr über die Hintergründe erfahren möchten, geschieht ein grausamer Mord und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Dabei wird sie immer häufiger unterbrochen von kleinen historischen Einschüben, die für den Ausgang der Geschichte noch interessant werden.

Leider muss ich dagegen halten, dass der für mich durchaus noch flüssige Einstieg, keine so starke Entwicklung erfährt, wie ich es mir erhofft habe. Die Beschreibung der menschlichen Welt und der einzelnen Charaktere bleibt relativ flach.
Ab und zu tauchen zudem Personen auf, die für den weiteren Ablauf der Geschichte keine wirkliche Bedeutung mehr haben und höchstens am Ende der Geschichte nochmal kurz Erwähnung finden. Näher beschrieben wird ihre Rolle im Zusammenhang mit der Geschichte aber nicht.
Häufig gestolpert bin ich auch über das oftmals wechselnde, vielleicht sogar als sprunghaft zu bezeichnende Verhalten vor allem der Hauptcharaktere. Erst wird über Gefühle gesprochen, man berührt sich kurz, errötet, nur um bereits auf der nächsten Seite, genervt von dem Anderen, mit den Augen zu rollen. Allgemein bleibt mir bis zum Schluss, als Giulia eindeutige Worte verwendet, die Art der Beziehung der beiden zueinander unklar.

Die Wahl der Sprache ist besonders in den kämpferischen Szenen im letzten Drittel des Buches sehr graphisch und beschreibt das Geschehen mitunter sehr deutlich. Das macht diese Abschnitte zwar, in meinen Augen, im Vergleich zu dem Rest der Geschichte flüssiger und aufregender zu lesen, jedoch sollte man sowas auch mögen oder sich nicht zu sehr daran stören, sonst geht dieser Aspekt für denjenigen verloren.
Bezüglich des Schreibstils sind mir die häufigen Wortwiederholungen aufgefallen und die eine oder andere grammatikalische Unstimmigkeit, was zu dem eher holprigen Leseeindruck beiträgt.

Im Großen und Ganzen gefiel mir der Roman aber ganz gut und ich habe ihn gerne und ohne große Mühe gelesen. Vieles, was ich als weniger gelungen empfunden habe, wie die Einführung vermeintlich unwichtiger Charaktere als auch die leicht irritierenden Verhaltensweisen, resultiert meiner Meinung nach aus der bereits erwähnten, zu oberflächlichen Vorstellung der einzelnen Personen dem Leser gegenüber. Eine etwas umfangreichere Beschreibung hätte hier dem Roman bestimmt noch mehr Tiefe und Farbe gegeben.
Und auch wenn ich mit ein paar offenen Fragen zurückgelassen worden bin, würde ich mich an einen weiteren Roman des Autors wagen und mich gerne positiv überraschen lassen.

Ich bewundere außerdem den Mut des Autors von seiner eigentlichen Tätigkeit als Coverdesigner, einmal quasi die Seiten gewechselt und dieses Buch geschrieben zu haben und das meine ich wirklich aufrichtig. Ich denke, viele Leute spielen mit dem Gedanken, selber in ein Buch zu schreiben, wagen es jedoch nie. Er selbst beschreibt in seiner Danksagung, dass die Arbeit an einem Buch dem Mount Everest gleicht. Ich finde seine Erstbesteigung hat er trotz allem gut gemeistert.

Veröffentlicht am 16.03.2021

Ein Engel für das Schicksal

Sieben Tage am Meer
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Die drei Freundinnen Marlies, Cornelia und Gitta sind unglücklich. Alles, was sie sich je gewünscht und erhofft haben in ihrem Leben, ist ausgeblieben. Kinder, eine steile Karriere als Sängerin oder die ...

Die drei Freundinnen Marlies, Cornelia und Gitta sind unglücklich. Alles, was sie sich je gewünscht und erhofft haben in ihrem Leben, ist ausgeblieben. Kinder, eine steile Karriere als Sängerin oder die Liebe für das ganze Leben. Jede der drei Frauen hat ihren Rucksack zu tragen. Daher beschließen sie, sich für eine kleine Auszeit vom traurigen Alltag auf der Insel Sylt zu treffen. Doch bereits in der ersten Nacht im Ferienhaus erscheint ihnen im Schlaf ein Engel, der sie in den „Club der Engel“ aufnimmt und ihnen aufträgt, andere Menschen glücklich zu machen. Am nächsten Morgen sind sich die drei sicher. Da war zu viel Alkohol im Spiel. Oder doch nicht?

Obwohl der Roman sehr leicht und flüssig geschrieben und damit angenehm zu lesen war, habe ich mich gleichzeitig sehr gehetzt gefühlt. Das mag zum einen an den, speziell für den Beginn einer Geschichte, relativ kurzen Erzählabschnitten gelegen haben. Möchte man doch die einzelnen Charaktere erst einmal in Ruhe kennen lernen. Hauptsächlich lag es aber daran, dass sich die Handlung, für meinen Geschmack, als eine stete Aneinanderreihung von Superlativen entpuppt hat. Anstatt sich intensiver mit den persönlichen Gefühlen auseinander zu setzen, stolpert eine Freundin nach der anderen, immer noch frustriert über das eigene Schicksal, in eine verrückte Situation nach der anderen. Dabei wirkten diese Situationen sehr oft so gemacht und konstruiert, dass sie nur wenig glaubwürdig waren (auch mit Engelskräften).
Mit den Charakteren an sich, konnte ich mich ebenfalls nur schwer identifizieren. Für mich fehlte es ihnen an Individualität. Das hat sich auch während des Lesens bemerkbar gemacht, indem es mir schwer fiel, die einzelnen Frauen auseinander zu halten und ich mich ständig fragte: Ist das jetzt die, welche von ihrem Mann verlassen wurde oder die, ohne glitzernde Karriere? Ein Mitfühlen mit den drei Frauen war damit kaum möglich.
Die Idee mit dem Engel als Unterstützer und Vertrauter in schwierigen Lebenssituationen fand ich dagegen sehr schön, muss aber auch hier sagen, dass sie mir nicht tief genug ging. Viele Fragen bleiben hier unbeantwortet und damit die Handlung für mich in großen Abschnitten nur schwer greifbar. Nur am Ende des Buches nahm die Geschichte für mein Empfinden nochmal einen positiven und realistischen Verlauf, den ich mir für das ganze Buch gewünscht hätte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Geschichte deutlich gezeigt hat, dass es nie gut ist, sich und sein Leben ständig mit dem Anderer zu vergleichen und man ein Stück weit sein Schicksal, oder wie man es auch nennen möchte, einfach annehmen sollte. Das ist immer einfacher gesagt als getan und einen Engel zur Seite gestellt zu bekommen, der einen das Vertrauen in das eigene Leben wieder zurückgibt, ist sicher für jeden ein beruhigender Gedanke. Einfach zu wissen, dass alles, was passiert, vielleicht doch einen Sinn ergibt und man so einen Engel einfach mal lassen machen kann.
Leider fühlte ich mich zu oft an eine Daily Soap, wie Sturm der Liebe, oder auch an Sketch Comedy Szenen erinnert. Mal übertrieben kitschig dann wieder unglaublich komödiantisch. Diese sind für sich genommen gut und zu Recht erfolgreich, aber in einem Buch zusammengewürfelt und mit einem Engel gespickt doch etwas zu viel des Guten und damit nicht mein Lesegeschmack.

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Veröffentlicht am 17.12.2019

Da ist noch Luft nach oben

Das Ministerium der Welten - Samhain 1: Geisterwelten
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Die Welt ist von Rissen durchzogen. Seit Jahrhunderten schon tauchen sie an den verschiedensten Orten auf und öffnen damit die Welt der Menschen für Geister und Kreaturen aller Art. Manche sind harmlos ...

Die Welt ist von Rissen durchzogen. Seit Jahrhunderten schon tauchen sie an den verschiedensten Orten auf und öffnen damit die Welt der Menschen für Geister und Kreaturen aller Art. Manche sind harmlos und halten sich versteckt. Andere Wesen dagegen sind nicht so pflegeleicht. Als immer wieder Leichen und ungeklärte Schleimhaufen auftauchen, ist das Ministerium der Welten alarmiert und setzt die Jäger Norrick und River auf den Fall an. Doch auch Scotland Yard entgeht der Mord nicht und schickt ebenfalls seine beste Ermittlerin zum Tatort. Melody ist fasziniert von den Geistern, stellt aber sehr bald fest, dass diese nach ihren eigenen Gesetzen handeln. Glücklicherweise kann sie sich auf River und Norrick verlassen und gemeinsam begeben sie sich auf die Jagd nach Spuren und nur der Leser erfährt, dass der Fall größer ist, als die Detektive zu Anfang ahnen.

Der Einstieg in das Buch fiel mir leider etwas schwer. Die Umgebung und die Charaktere werden nicht sehr ausführlich vorgestellt und beschrieben, sodass ich den Eindruck hatte, einen Vorläufer der Geschichte verpasst zu haben oder mich mehr mit der Welt der Geister und Monster im Allgemeinen hätte beschäftigen zu müssen. Allerdings sollte das auch keine unbedingte Voraussetzung sein, um einen Fantasy-Roman inhaltlich verstehen zu können. Aber auch die Epoche, in der die Handlung spielt, wird auch so gut wie gar nicht inhaltlich ausgearbeitet, was mich immer wieder stutzig werden ließ. Sie fühlt sich eher zeitlos an und könnte ebenso fast in jeder anderen Zeit spielen. Die ersten Kapitel wirken dadurch relativ chaotisch und man fragt sich, wie die einzelnen Begebenheiten zusammenhängen sollen und worauf die Geschichte eigentlich hinaus möchte.
Im weiteren Verlauf klärt sich dieses Bild glücklicherweise etwas. Ein roter Faden lässt sich erkennen und man kommt in die Geschichte rein. Das hat mich etwas mit dem Anfang versöhnt. Der nun parallele Verlauf der einzelnen Handlungsstränge, die zwar immer noch nicht wirklich zusammenhängen, macht das Buch trotz allem recht spannend und es wird möglicherweise bei dem einen oder anderen Leser der Ehrgeiz geweckt, herauszufinden, welche Ausmaße die Geschichte noch nimmt. Dabei helfen auch der schöne und flüssig zu lesende Sprachstil, sowie die gut gesetzten Dialoge der Figuren. So kann man doch noch eine Art der Verbindung zu ihnen aufbauen. Das vorläufige Ende oder der Höhepunkt des ersten Buches ist dann, in meinen Augen, etwas zu aufgebauscht und damit aufregender, als der eigentliche Inhalt nötig hat, aber es lässt zumindest auf eine originelle Auflösung in den Folgebänden hoffen.

Möglicherweise ist der erste Band für sich gesehen, die große Einleitung einer umfangreicheren Fantasy-Geschichte. Was ich mir wünschen würde. Denn so ist der Roman zwar an sich sehr schön geschrieben, mit spannenden Momenten und sehr vielseitig, aber auch etwas farblos und mit langatmigen Passagen. Mein Interesse auf eine Fortsetzung ist durchaus vorhanden, ich überlege aber noch, ob ich mir das nächste Buch so bald kaufen werde.

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Veröffentlicht am 18.11.2019

Entsprach leider nicht meinem Geschmack

Erntedank in Vertikow
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Peer sitzt im Rollstuhl und ist frustriert. Während seine Frau die Woche über in Berlin arbeitet, sitzt er in Vertikow fest und kann selber seiner Arbeit als Organist der Gemeinde nicht mehr nachgehen. ...

Peer sitzt im Rollstuhl und ist frustriert. Während seine Frau die Woche über in Berlin arbeitet, sitzt er in Vertikow fest und kann selber seiner Arbeit als Organist der Gemeinde nicht mehr nachgehen. So trifft es sich fast gut, dass er eines Tages beobachten muss, wie die alte Frau Kuhn von einem Auto überfahren wird. Denn Peer ist sich sicher, das war Absicht. Seine Frau und die Bewohner von Vertikow halten ihn für verrückt, doch er bekommt unerwartet Amtshilfe von der gutaussehenden Kommissarin, die trotz fehlender Anhaltspunkte in dem Fall ermitteln soll. Und auch die Frau des Pfarrers unterstützt Peer lieber, als dass dieser sich alleine auf die Suche begibt. Als sie zunehmend aus Widerstand seitens des einen oder anderen Einwohners stoßen, wird deutlich, dass da mehr als nur der Mord ungeklärt ist.

Der Roman war ein Spontankauf von mir, da sich der Klappentext sehr gut las und ich auf der Suche nach einem neuen Krimi war. Leider muss ich vorweg nehmen, dass er mich nicht ganz überzeugen konnte. Obwohl sich die Geschichte, dank eines guten Schreibstils, sehr flüssig und angenehm lesen lässt, konnte sie kein näheres Interesse bei mir wecken. Die Ereignisse in dem Fall reihen sich, für mein Empfinden, stur aneinander. Wenn Peer mal mit seiner Befragung nicht weiter kommt, dann erhält er spontan Unterlagen, die ihn dann doch weiterbringen. Sind diese ausgeschöpft, geht er in die Dorfkneipe und findet dort weitere Informationen. Unterbrochen wird diese Aneinanderreihung von einem ewigen Hin und Her zwischen der Entscheidung weiter zu ermitteln oder nicht und der, für mich etwas unverständlichen, Beziehung von Peer zu der Kommissarin.
Insgesamt bleiben die Charaktere größtenteils farblos und sind in der gesamten Geschichte dadurch kaum präsent. Oft tauchen sie auf, wenn sie gebraucht werden, verschwinden aber schnell wieder, wenn der Zweck erfüllt ist.
Allgemein haben mir auch dafür, dass es das erste Buch einer Reihe ist, ein paar grundlegende Informationen gefehlt. zB. was für eine Beziehungsform Peer und seine Frau überhaupt miteinander führen. Das hätte, mir persönlich, manche Reaktion verständlicher gemacht.
Um aber wieder mit etwas Positivem zu enden, möchte ich die Grundidee der Geschichte loben, die einen sehr spannenden und leider auch realen Hintergrund hat. Gerade so eine, historisch belegbare, Vergangenheit ist ein wunderbarer Aufhänger für eine spannende Kriminalgeschichte. Leider wurde das hier nicht ganz ausgeschöpft.

„Erntedank in Vertikow“ ist gut geschrieben und in sich rund. Leider hat der allgemeine Aufbau der Geschichte nicht meinem Geschmack entsprochen und mich auch sonst nicht fesseln können, womit es wohl das einzige Buch bleiben wird, was ich davon lesen werde.