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Veröffentlicht am 31.01.2020

Peter Maffay, der rockende, philosophische Landwirt mit großem Herz

Hier und Jetzt
2

„Hier und Jetzt“ ist mehr als Peter Maffays Biographie – es ist vielmehr seine Auseinandersetzung mit unserer heutigen Zeit und ihren Herausforderungen: „Es geht um Themen wie umwelt- und Naturschutz, ...

„Hier und Jetzt“ ist mehr als Peter Maffays Biographie – es ist vielmehr seine Auseinandersetzung mit unserer heutigen Zeit und ihren Herausforderungen: „Es geht um Themen wie umwelt- und Naturschutz, gesunde Ernährung, Glaube und Spiritualität, Familie, Erziehung und Bildung, Formen des friedlichen Zusammenlebens, verbindliche Werte im Umgang miteinander, um Respekt und gleiche Augenhöhe und vieles mehr…“ (S.42). Peter Maffay lebt seine Version dieses Lebenskonzepts auf dem Biobauernhof Gut Dietlhofen aus. Dies ist ein Begegnungs-, Erholungs- und Erlebnisort für Menschen jeglicher Herkunft und sozialer Schicht, auf dem naturnahe Landwirtschaft und gesunde Ernährung genauso gelebt wird wie zwischenmenschliches Miteinander, Tierschutz und Kinderhilfe.

Durch bildhafte Beschreibungen bringt er dem Leser diesen Hof als wunderbaren Ruhepol näher, das Gut war teilweise so anschaulich beschrieben, dass ich Einzelheiten des Hofes direkt vor mir gesehen und in einigen, detailliert beschriebenen Passagen die Ruhe und Friedlichkeit gespürt habe, von der Maffay schwärmt. Der Schreibstil des Buches ist somit absolut nachvollziehbar und gelungen.

Unterstützt wird dies durch die Aufmachung des Buches: Nicht nur das Cover wirkt hochwertig, auch über zahlreiche Fotographien im Mittelteil habe ich mich sehr gefreut, unterstützen sie das Gelesene und tragen auch visuell dazu bei, Maffays Gefühl von der Harmonie des Hofes in Dietlhofen genauso nachzuvollziehen wie einen Einblick in seine karitativen Werke in Rumänien und Mallorca zu bekommen. Anfangs empfand ich das Coverbild als befremdlich, wie viele andere auch ist mir Peter Maffay eher als Rocker in Lederjacke auf dem Motorrad bekannt gewesen. Nach dem Lesen des Buches habe ich meine Meinung aber grundlegend geändert: Kein anderes Motiv hätte Maffays Wertvorstellungen und Lebenseinstellung treffender darstellen können. Schön, dass das Buch dies bewirken konnte.

Für mich war Peter Maffay bisher nur ein Musiker und Idol einer älteren Generation, durch „Hier und Jetzt“ habe ich nun auch das Gefühl, ihn als Menschen kennengelernt zu haben – und zwar als einen sehr reflektierten, visionären und außerordentlich sympathischen Menschen. Er ist ein Freigeist und stellt begeistert seine kreativen Ideen einer nachhaltigen Zukunft für kommende Generationen vor, er legt bei allem was er tut großen Wert auf die Sinnhaftigkeit, präsentiert sich als toleranter Menschen- und vor allem Kinderfreund und überrascht mit tiefgründigen, fast schon philosophischen Gedanken.

Auch teilt er mit dem Leser seine eigene, persönliche Geschichte: Seinen kulturellen und familiären Hintergrund und bewegend-traurige Kindheitserlebnisse, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist. Das hat mir sehr geholfen zu verstehen, warum er so denkt und handelt, wie er es im Buch darstellt. Deutlich wird, mit wie viel Herzblut und Engagement Maffay seine karitative Arbeit vorantreibt. Vor allem im Kinderschutz, aber auch im landwirtschaftlichen Bereich ist er mit seiner Stiftung wahnsinnig aktiv. Das Buch zeugt von sehr großem, ehrlich gemeintem Engagement, was ich sehr bewundere und mit großem Respekt betrachte. Des Weiteren legt er nicht nur seine persönliche Sichtweise dar, sondern belegt diese an vielen Stellen auch mit Fakten, beispielsweise Studien und Zahlen zum Wasserverbrauch und Verschmutzungsgrad unseres Trinkwassers. Auch scheut er sich nicht vor polarisierenden Themen und nimmt kein Blatt vor den Mund, auch seine politischen Ansichten – beispielsweise zur Flüchtlingskrise – begründend darzulegen.

Positiv aufgefallen ist mir auch, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt: So lässt er an einigen Stellen einen selbstironischen Humor spüren (z.B. hinsichtlich seiner Körpergröße) und schreibt auf sehr wertschätzende Art und Weise über die Menschen, die ihm geholfen haben seine Visionen zu verwirklichen. Ich finde sehr schön, dass diesen wichtigen Personen im Hintergrund viel Raum und Würdigung im Buch zuteilwird – sie haben diese mehr als verdient.

Mein Fazit:
„Hier und Jetzt“ zeigt das optimistische Zukunftsbild eines sehr engagierten, reflektierten Denkers, der kein Blatt vor den Mund nimmt und offen seine Meinung, Vision und Wünsche äußert. Mir hat das Buch den Peter Maffay hinter dem Musiker näher gebracht und einen wunderbaren Menschen mit interessanten Ansichten, Visionen und vor allem einem großen Herz aufgezeigt. Ein tolles Buch für alle Fans von Peter Maffay und solche wie mich, die es durch das Buch werden.

  • Cover
  • Thema
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 02.01.2021

Explosive Love-Story

Sweet Little Lies
1

Der Knall, mit dem Betty Dawsey ihren langweiligen Verlobten, den Versicherungsvertreter Thom, verlassen möchte, gerät etwas größer als gedacht: Gerade als sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen möchte ...

Der Knall, mit dem Betty Dawsey ihren langweiligen Verlobten, den Versicherungsvertreter Thom, verlassen möchte, gerät etwas größer als gedacht: Gerade als sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen möchte fliegt diese in die Luft. Nur leicht verletzt wird Betty gerettet – von den echten Kollegen ihres Verlobten. Denn Thom hat die ganze Zeit ein Doppelleben geführt und Betty die komplett durchschnittliche, normale Beziehung nur vorgespielt – in Wirklichkeit ist er ein Geheimagent, der für eine private Organisation zur Verbrechensbekämpfung arbeitet. Betty ist wütend und überrascht gleichermaßen, doch wohl oder übel müssen die beiden zusammenarbeiten, um zu überleben, denn irgendjemand hat es auf die Agenten abgesehen – und durch ihre Beziehung zu Thom ist Betty mit ins Fadenkreuz geraten. Durch die gemeinsame Flucht lernt Betty ihren Verlobten neu kennen… und plötzlich ist sie sich nicht mehr so sicher, ob sie ihn wirklich immer noch verlassen möchte…

„Sweet little lies“ von Kylie Scott ist ein Roman, in dem auf wenigen Seiten sowohl romantische, als auch spannungsreiche Momente untergebracht sind. Der Schreibstil der Autorin lässt sich sehr flüssig lesen, so dass ich regelrecht durch die Seiten geflogen bin. Am besten hat mir der ironische Humor der Geschichte gefallen, welcher sich insbesondere in den Dialogen zwischen Betty und Thom findet. Des Öfteren habe ich laut auflachen müssen, denn die Autorin hat wunderbar-amüsante Ideen und Themen aufgebracht, nüchtern erscheinende Szenen urplötzlich aufgepeppt oder mich durch einen von Bettys sarkastischen Sprüchen überrascht.

Bereits der Anfang des Buches kommt sehr rasant, der Leser befindet sich sofort mitten in der Geschichte und wird – gemeinsam mit Betty – von den Ereignissen überrollt und mitgezogen. Insgesamt weist das Buch eine hohe Geschwindigkeit auf, die Ereignisse überstürzen sich regelrecht. Einerseits fesselt das den Leser natürlich an das Buch, andererseits ging es mir an vielen Stellen zu schnell und ich hätte mir mehr Hintergrundinformationen und tiefergehende Einblicke ins Geschehen und die Wahrnehmung durch die Protagonisten gewünscht. Für nicht einmal 300 Seiten ist hier unheimlich viel geschehen! Dabei gefällt mir die Idee hinter der Story ausgesprochen gut, es wird schnell deutlich, dass es sich bei „Sweet little lies“ um keine typische New Adult-Geschichte handelt. Der Titel des Buches passt einfach perfekt! Auch das Cover ist stimmig und ansprechend. Leider blieb es lange Zeit undurchsichtig, für welche Organisation Thom arbeitet und insgesamt erfährt der Leser relativ wenig Hintergründe zur Agententhematik. Hier hätte ich mir eine etwas tiefergehende Erarbeitung gewünscht. Gut dargestellt waren insbesondere die actionreichen Szenen, in denen es – auch mal unvermittelt – gefährlich wurde. Insgesamt konnte mich das Buch an vielen Stellen durch unvorhergesehene Wendungen überraschen, was mir gut gefallen hat. Was jedoch leider etwas zu kurz gekommen ist, war die Darstellung von Emotionen. Den Dialogen der Protagonisten hat es oftmals an Tiefe gefehlt und somit war die Entwicklung der Beziehung zwischen Betty und Thom teilweise nicht besonders gut nachvollziehbar. Auch ging die Wendung von Beziehungsende bis großer Liebe, von unschuldiger Floristin bis hin zu versierter Agentenfrau in meinen Augen zu schnell um noch authentisch zu wirken. Auch gegen Ende des Buches geht es Schlag auf Schlag, so dass man als Leser kaum noch mitkommt, es wurde alles untergebracht, was man von einer Agentenstory erwartet. Die letzten Handlungsstränge hätte es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht und gingen zulasten der vorher aufgebauten Liebesgeschichte. Insbesondere dem Schluss hätten einige Seiten Erklärungen gut getan, die Story wirkte am Ende leider sehr überladen, war vorhersehbar und kaum mehr glaubwürdig.

Auch den Protagonisten stehe ich eher zwiegespalten gegenüber. Betty und Thom konnten für mich als Paar nicht überzeugen, auch wenn ich ihre Wortgefechte amüsant und sehr unterhaltsam fand. Vieles aus dem Alltag der Beziehung erfährt der Leser durch Bettys Rückblicke und lernt so den „früheren“ Thom kennen. Im weiteren Verlauf lernt ihn der Leser ganz anders kennen, als von Betty beschrieben und ich wusste ihn lange Zeit nicht einzuordnen. Was kann man ihm glauben, wo lügt er erneut? Trotzdem fand ich ihn einen spannenden Charakter, auch wenn mir seine tiefen Gefühle für Betty nicht begründet genug waren. Seine Entwicklung vom manipulativen, gefühlskalten Profi hin zum liebevollen emotionalen Traummann ging mir zu schnell. Betty hingegen habe ich auf zweierlei Arten erlebt: Einerseits war sie mir sympathisch, da durch und durch normal und unschuldig in diese Geschichte hineingezogen. Ihre schlagfertige, ironische Art fand ich sehr amüsant. Dann hat sie mich über weite Teile der Story aber auch einfach nur genervt. Sie jammert ständig herum, kritisiert Thom wo es nur geht und verhält sich sehr kindisch und eingeschnappt. Auch passt ihr Verhalten an vielen Stellen nicht zusammen und wirkt konstruiert und unglaubwürdig. Ich habe mir schwer getan, sie als Person zu greifen und konnte mich auch nicht wirklich mit ihr identifizieren. Die Nebenfiguren aus Thoms Agentengruppe hingegen haben mir gut gefallen und waren facettenreich konstruiert.

Insgesamt hatte ich eine unterhaltsame Lesezeit und konnte gut in das Buch eintauchen, auch wenn es mich emotional nicht ganz so mitgerissen hat. Dies ist insbesondere der Kürze des Buches geschuldet, das wenig Platz für die tiefergehende Beschreibung von Emotionen und Hintergründen gelassen hat. Die kreative Idee hinter dem Buch und die aufregende Darstellung verbunden mit jeder Menge amüsanter Dialoge haben für mich inhaltliche Schwächen aber wieder wettgemacht. Eine schöne Mischung aus actionreicher Agentengeschichte und humorvoller Lovestory.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 06.08.2020

Psychodrama um das Haus auf den Klippen

Ich will dein Leben
1

1986: Die 16jährige Tamsyn lebt in der hintersten Ecke Cornwalls. Arbeitslosigkeit, Trostlosigkeit und Mutlosigkeit prägt ihr Umfeld und seit ihr geliebter Vater bei einer Seenotrettung ums Leben gekommen ...

1986: Die 16jährige Tamsyn lebt in der hintersten Ecke Cornwalls. Arbeitslosigkeit, Trostlosigkeit und Mutlosigkeit prägt ihr Umfeld und seit ihr geliebter Vater bei einer Seenotrettung ums Leben gekommen ist gibt es für Tamsyn nur eine Sache, an der sie noch Freude findet: Hoch auf einer Klippe über dem Meer steht ein wunderschönes weißes Herrenhaus, in dessen Pool sie verbotenerweise mit ihrem Vater schwimmen war und an das sie die besten Erinnerungen ihres Lebens hat. Das junge Mädchen ist fasziniert von dem Haus und beobachtet alles akribisch, was dort abläuft. Sie entwickelt eine regelrechte Obsession hinsichtlich der Bewohner des Hauses, der Familie Davenport aus London. Als diese eines Sommers ihre Tochter Edie mitbringen freundet sich diese mit Tamsyn an, nichtsahnend, dass diese eigentlich nur eines möchte: Ein Leben, wie Edie es lebt.

Das Cover des Buches ist absolut passend und fasst gut seine Quintessenz zusammen: Ein rothaariges Mädchen, das auf die weiße Villa auf den Klippen schaut. Insofern passt der Originaltitel des Buches „The Cliff House“ auch ideal und hätte meiner Meinung nach auch für die deutsche Ausgabe verwendet werden können, da „Ich will dein Leben“ etwas falsche Erwartungen bei mir als Leser geweckt hat – denn es ist tatsächlich das Haus, das Dreh- und Angelpunkt und Ziel von Tamsyns Streben ist und nicht Edies Leben als Ganzes. Sie ist von der Haus und der Vorstellung dort zu leben besessen, nicht von Edie als Person.

Die beiden Mädchen im Mittelpunkt des Geschehens sind auf den ersten Blick extrem unterschiedlich: Tamsyn hat früh ihren Vater verloren und kommt aus ärmlichen, aber liebevollen Verhältnissen. Sie ist sehr introvertiert und wirkt teilweise noch sehr kindlich-naiv. Edie hingegen ist die rebellische Tochter reicher Eltern, die krampfhaft um deren Aufmerksamkeit buhlt und insgesamt sehr selbstbewusst auftritt. Doch beide Elternteile sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie der Tochter die Liebe und Aufmerksamkeit geben könnten, die sie braucht und geben ihr lediglich finanzielle Sicherheit. Tamsyn jedoch glaubt in den Davenports die personalisierte Perfektion vorzufinden, sie ist absolut verblendet und besessen von dem Wunsch, Edies Leben zu führen. Sie ist besessen davon, in dem geliebten Haus auf den Klippen zu blieben und tut alles, um Zugang zur Familie zu haben. Dabei gerät sie immer mehr in eine Opferrolle und lässt sich von der abgebrühten Edie sowie ihrer Mutter respektlos und demütigend behandeln. Die beiden Frauen der Familie Davenport haben mich in ihrer mangelnden Empathie und ihrem Egoismus teilweise richtig angeekelt. Beide Mädchen verbindet die Einsamkeit, die jede auf ihre eigene Art und Weise verspürt; die unterschiedlichen, aber dennoch schwierigen Familienverhältnisse und die erschreckenden psychischen Abgründe, die sich bei beiden auftun. Letztlich teilen beide ein ähnliches Schicksal in verschiedenen sozialen Schichten.
Sämtliche Personen sowie deren Konstellation hätten großes Potenzial für ein spannendes Buch, das sogar als psychologische Charakterstudie hätte durchgehen können, geboten. Leider blieb jedoch die Charakterentwicklung der einzelnen Figuren etwas auf der Strecke, die Personen haben nach meinem Geschmack etwas zu wenig Tiefe und sind blass geblieben. Auch waren sie in ihren Handlungen teilweise inkonsistent und unberechenbar und somit wenig authentisch. Auch das Spiel mit typischen Klischees wurde etwas übertrieben.

Gut gefallen hat mir hingegen der langsame Spannungsaufbau, welcher der Autorin ganz wunderbar geglückt ist. Über dem gesamten Buch schwebt eine düstere, bedrohliche Atmosphäre, als Leser spürt man das Unheil regelrecht langsam unterschwellig näherkommen. Der Schreibstil ist flüssig und unaufgeregt, eine permanente undefinierbare Bedrohung schwingt jedoch bereits sehr früh mit den Zeilen mit. Amanda Jennings ist es ganz großartig gelungen, die Emotionen ihrer Protagonisten zu beschreiben, so dass diese direkt auf mich als Leser übergesprungen sind. Auch gut gefallen haben mir die zahlreichen Perspektivwechsel – so gut wie jede Figur kommt hier einmal in den Fokus. Warum lediglich Jagos Sicht aus der „Ich“-Perspektive in Gegenwart geschildert wurde hat sich mir aber leider nicht erschlossen. Die geheimnisvollen mit „Heute“ überschriebenen Kapitel haben Spielraum für Fantasie und Spekulation gelassen, sie waren bis zum Schluss sehr vage und haben keinerlei Hinweis auf das Ende des Buches gegeben. Dieser Mix aus Vergangenheit und Gegenwart hat noch zusätzlich die Spannung erhöht und auf das Ende hinfiebern lassen.
Dieses spielt sich eigentlich komplett im letzten Drittel des Buches ab, was vorher langsam vor sich hingebrodelt hat entlädt sich alles auf einmal. Sehr viele Entscheidendes und Dramatisches passiert in wenigen Kapiteln, so dass das eigentliche Ende sogar etwas unspektakulär wirkt. Für mich war die Auflösung der „Heute“-Kapitel allerdings überraschend und nicht vorhersehbar, leider aber auch ein wenig unglaubwürdig. Die Geschichte als Ganzes war aber schlüssig, da ein Happy End wäre hier sehr konstruiert gewesen wäre.

Ganz nebenher wird Cornwall mit all seiner Schönheit, aber auch Problemen sehr gut beschrieben. Sehr anschaulich zeigt die Autorin, wie der wirtschaftliche Niedergang eine ehemals florierende Provinzstadt getroffen hat und welche sozialen und gesellschaftlichen Probleme (Drogen, Arbeitslosigkeit, Mutlosigkeit) dadurch entstehen.

Alles in Allem hatte ich eine gute Lesezeit und der langsame Verlauf der Geschichte mit der düsteren, unterschwelligen Bedrohung hat mir gut gefallen. Psychologisch hätte ich mir allerdings mehr erhofft und auch die Handlung hätte besser verteilt werden können. Alles in allem ein nettes Buch, das mich aber nicht hundert prozentig überzeugt hat.

  • Cover
  • Handlung
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.05.2020

Prickelnder Business-Roman

Dirty Rich - Verbotene Sehnsucht
1

Carrie West hat jede Menge geschäftliche Probleme zu lösen: „West Enterprises“, die Firma ihrer Familie, wurde ihr durch eine feindliche Übernahme entrissen, ihr Vater als Geschäftsführer abgesetzt. Carrie ...

Carrie West hat jede Menge geschäftliche Probleme zu lösen: „West Enterprises“, die Firma ihrer Familie, wurde ihr durch eine feindliche Übernahme entrissen, ihr Vater als Geschäftsführer abgesetzt. Carrie möchte alles dafür tun, das Familienunternehmen und ihre Angestellten zu retten, doch dazu muss sie an einem Mann vorbei: Reid Maxwell ist Unternehmensanwalt der Sohn des Mannes, der Carries Firma zerstört hat. Noch dazu ist Reid Maxwell skrupellos, arrogant – und wahnsinnig gutaussehend. Carrie kämpft für das Überleben von West Enterprises, auch wenn das bedeutet, eng mit Reid zusammenarbeiten zu müssen. Doch trotz ihres Hasses auf den Mann kann sie sich auch seiner Anziehungskraft nicht wiedersetzen, der auch er sich nicht entziehen kann … und so beginnt eine Geschichte voller Leidenschaft, Geheimnisse und einer Familienfehde, in die die beiden unwillkürlich mit hineingezogen werden.

„Dirty Rich – Verbotene Sehnsucht“ ist der dritte Band der „Dirty-Rich“-Reihe von Lisa Renee Jones und auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände problemlos zu durchdringen. Erfahrene Leser der Reihe werden sich über ein Wiedersehen mit Charakteren aus den ersten beiden Bänden freuen, Neueinsteigern wird es an keinerlei Hintergrundinformationen fehlen. Allerdings besteht für letztere akute Suchtgefahr, das dringende Bedürfnis sich die ersten beiden Bände zuzulegen lässt sich nicht abstreiten, da das Lesen einfach nur Spaß macht.

Dies liegt nicht zuletzt am sehr anschaulichen und flüssigen Schreibstil von Lisa Renee Jones (lediglich gestört durch ein paar unschöne Ausdrücke, die sich leider aber wiederholen). Die Emotionen und insbesondere das erotische Knistern zwischen den Protagonisten wird deutlich spürbar, als Leser wird man regelrecht mitgerissen und fühlt stark mit Carrie und Reid mit. Das Buch ist in Ich-Perspektive geschrieben, wobei sich hier je nach Kapitel die Sichtweisen der beiden Protagonisten abwechseln und er Leser somit beide Persönlichkeiten mit all ihren Gedanken und Gefühlen gut kennenlernt und das Geschehen so tiefer durchdringen und verstehen kann. Leider besteht bei diesem Perspektivenwechsel ein deutliches Ungleichgewicht in Richtung Carrie, ich hätte mir hier etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht.

Bereits der Einstieg in die Geschichte erfolgt sehr schnell, es geht direkt heiß los und die Neugier des Lesers über die Hintergründe dieses außergewöhnlichen Zusammentreffens ist sofort geweckt. Im Mittelteil kommt es teilweise zu Wiederholungen, die das Buch unnötig in die Länge ziehen (z.B. ständige Erwähnung des „Handschellen-Vorfalls“ aus den ersten Kapiteln) und hätten gestrafft werden können. Des Weiteren werden immer wieder dieselben Punkte in aller Ausführlichkeit thematisiert, so dass ich von Neugier zu Erwartung zu Langeweile wechseln musste, bis sich endlich die häufig angedeuteten Punkte geklärt haben. Der Schlussteil wiederum überzeugt genauso wie die clever eingestreuten erotischen Szenen voller Prickeln und Emotionen.

Carrie und Reid sind als Protagonisten gut und facettenreich ausgearbeitet und wirken beide auf ihre Art und Weise authentisch. Carrie ist eine starke Frau, die sich kämpferisch gibt und dem scheinbar übermächtigen Anwalt selbstbewusst die Stirn bietet. Jedoch hat sie auch eine sensible Seite, die sie jedoch im Business gut verstecken kann. Ich mag ihre Schlagfertigkeit sowie ihren gezielt eingesetzten Charme und kann mir gut vorstellen, dass sie als Geschäftsfrau sehr erfolgreich ist. Reid hingegen war für mich zunächst schwerer zu greifen, es dauert bei ihm länger, bis er sympathisch wird und auch den Leser hinter seine „Mistkerl“-Fassade blicken lässt. Gerade hierdurch ist es der Autorin aber wunderbar gelungen, eine Entwicklung in Reids Persönlichkeit zu vollziehen und den Leser wunderbar an dieser teilhaben zu lassen. Dadurch, dass diese Entwicklung langsam vonstattengegangen ist und er auch ab und an wieder in das alte Verhalten zurückgefallen ist, erscheint sein Wandel sehr authentisch und lebensnah. Auch wird deutlich, wie die Mauer um ihn herum bröckelt und Carrie es schafft herauszufinden, warum er zu dem rücksichtslosen Anwalt geworden ist, den er nach außen hin zeigt. Auch Nebenfiguren wie Cat, Connie oder Sallie überzeugen.

Ich fand es sehr interessant mitzuverfolgen, wie sich die Beziehung von Carrie und Reid permanent gewandelt hat: Von Hass zu reiner Geschäftsbeziehung über Affäre hin zu Vertrauen(sbruch) bis zu Liebe wurden sämtliche Entwicklungen nachvollziehbar dargestellt. Die ständigen Machtspielchen um Dominanz und Oberhand zwischen den beiden waren gut ausgearbeitet, ebenfalls die Geheimnisse und versteckten Fehden. Auch gab es interessante Einblicke in geschäftliche Situationen des Investmentbusiness, die aber sicherlich für manchen Leser schwer zu verstehen sind. Als Kontrast zum Arbeitsalltag werden immer wieder Situationen und Gespräche über die Themen Vertrauen und Familie eingestreut, was für mich eine gute Verbindung aus Privat- und Berufsleben der beiden Karrieremenschen darstellt.

Fazit:
Lisa Renee Jones ist ein sehr guter Business-Roman gelungen, der eine super Mischung aus Arbeitssituationen, Erotik, Gefühl und tiefergehenden Themen beinhaltet und unterhaltsame Lesestunden garantiert.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 22.02.2020

Ereignisreicher Auftakt der Trilogie um Sophia

Die Farben der Schönheit – Sophias Hoffnung
1

Im Berlin der 1920er Jahre hat die Drogerie-Tochter Sophia eine aussichtsreiche Zukunft vor sich: Als eine von wenigen weiblichen Studenten kann sie ihrer Passion, der Chemie, professionell nachgehen und ...

Im Berlin der 1920er Jahre hat die Drogerie-Tochter Sophia eine aussichtsreiche Zukunft vor sich: Als eine von wenigen weiblichen Studenten kann sie ihrer Passion, der Chemie, professionell nachgehen und erregt durch ihre Klugheit sogar die Aufmerksamkeit eines Professors. Dieser macht sie zu seiner Assistentin und Sophia darf ihm im Labor behilflich sein. Leider ist sein Interesse an der jungen Frau aber nicht nur rein beruflicher Natur, Sophia verliebt sich in den verheirateten Mann und beginnt eine Affäre mit ihm. Sie wird schwanger – ein Skandal in der damaligen Zeit. Der Professor macht ihr deutlich, dass er nicht zu ihr stehen wird und Sophias konservativer Vater fürchtet den Imageschaden für sein Geschäft und verstößt seine Tochter. Völlig mittellos zieht sie mit ihrer Freundin Henny nach Paris, wo diese ein Engagement als Tänzerin hat. Dort möchte Sophia mit ihrer chemischen Rezeptur einer Creme erfolgreich werden und schafft es tatsächlich, die Aufmerksamkeit einer der mächtigsten Frauen im Kosmetikbereich auf sich zu ziehen: Helena Rubinstein glaubt an Sophias Talent und möchte sie mit nach New York nehmen.

„Sophias Hoffnung „ ist der Auftakt von Corina Bomanns neuer Trilogie „Die Farben der Schönheit“, welche im Puderkrieg der 1920er/30er Jahre angesiedelt ist. Der historische Bezug ist sehr gut gelungen, neben der Geschichte erfährt der Leser viel zum gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Alltag der damaligen Zeit. Die Thematik der Konkurrenz in der Kosmetikbranche wurde gut recherchiert und aufgegriffen, ich habe sehr viel dazu gelernt.

Die Protagonistin Sophia ist zwar insgesamt eine starke Frau, wirkt an einigen Stellen aber auch naiv und fremdgesteuert. Nichtsdestotrotz ist sie dem Leser sehr sympathisch, es ist der Autorin wahnsinnig gut gelungen, ihr Leben einzuhauchen. Man lässt sich Sophias Optimismus, Mut und Hoffnung auf ein besseres Leben regelrecht anstecken. In jeder Lebensphase fiebert, leidet und freut man sich mit ihr mit, es werden sämtliche Emotionen bedient.

Sophias Leben wird als ein großes Auf und Ab dargestellt. Corina Bomanns fesselnder Schreibstil lässt die (doch über 500) Seiten nur so dahin fliegen. Durch die ausschließliche Konzentration auf eine Protagonistin ist der Roman gut nachvollziehbar. Für meinen Geschmack bestimmen etwas zu viele Zufälle Sophias Schicksal, aber das hält die Geschichte spannend und treibt die Handlung voran. Der Schluss bleibt wie erwartet offen, es folgen ja noch zwei weitere Bände. Da aber gerade gegen Ende noch einige offene Punkte und ein großer Cliff-Hanger dazukommen, bin ich als Leser doch etwas unbefriedigt zurückgeblieben – Sophias Schicksal ist an dieser Stelle nun doch wieder völlig ungewiss.

Das Buch an sich ist sehr hochwertig aufbereitet, das Cover hat mich direkt angesprochen, da es ästhetisch und gleichzeitig geheimnisvoll wirkt. Für mich drückt die junge hübsche Frau, die auf eine Stadt blickt, Optimismus aus. Unterstützt wird das durch die kräftige rosa Farbe und die ansprechende Prägung. Hintergrundinformationen zu Protagonistin, Autorin und geschichtlichem Hintergrund sowie ein zum Inhalt passendes Rezept für einen Lippenbalsam in der Buchklappe setzen ein weiteres Highlight.

Fazit:
„Sophias Hoffnung“ ist eine tolle Zeitreise in die 1920er Jahre, die ein Thema aufgreift, mit dem man bisher kaum in Berührung gekommen ist. Ich wurde durch den angenehmen Schreibstil schnell und einnehmend in die Geschichte hineingezogen und habe beim Lesen alles um mich herum vergessen. Ein absolut gelungener Auftakt der Trilogie, ich freue mich jetzt schon auf die Folgebände und möchte unbedingt wissen, wie es mit der sympathischen Protagonistin weiter geht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere