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Veröffentlicht am 15.11.2020

Kleine, leckere Hapse für zwischendurch

Gaumenkuss und Gugelhaps
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„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker ...

„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker mit einem Haps im Mund sind – „Gugelhapse“ eben! Der Autorin ist hier ein tolles Wortspiel gelungen, das ich mir auch gleich zu Eigen gemacht habe

Wie vielfältig diese schmackhaften Leckereien gestaltet sein können zeigt uns Carola Heine in ihrem zweiten kleinen Büchlein. Egal ob die klassische Variante als Mini-Marmorkuchen oder ausgefallener als pinke Hingucker mit Drachenfrucht, eher deftig mit roter Bete oder süß mit Obst oder Schokolade – für jeden Geschmack ist in diesem Buch etwas dabei!

Das Büchlein ist aufgrund seines kompakten Formats und geringer Seitenanzahl super als Geschenkidee geeignet. Auch das farbenfrohe Cover gefällt mir gut, dieses und der Titel regen sofort den Appetit an und wecken die Lust zum selbst Backen. Die kunterbunten Mini-Gugelhupfe sehen wirklich zum Anbeißen aus, die Bilder im Buch könnten insgesamt nur etwas schärfer sein.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei dem tollen Büchlein noch zusätzlich, die man beim Durchblättern der Rezeptideen zunächst gar nicht vermutet: Alle Rezepte sind rein pflanzlicher Natur und somit ideal für die vegane Ernährung! Dabei sind die Zutaten trotzdem nicht ausgefallen, sondern lassen sich in jedem Supermarkt finden – eine tolle Alternative für Veganer oder Allergiker. Passend dazu liegt dem Buch ein Info-Flyer bei, der weitere Tipps dazu gibt, durch welche Alternativprodukte sich Eier ersetzen lassen.

Ich habe einige der Rezepte ausprobiert, sie ließen sich schnell und unkompliziert umsetzen. Änderungen im vorgegebenen Rezept mussten kaum vorgenommen werden, ich habe mich nur zugegebenermaßen nicht ganz so streng an die vegane Rezeptvorgabe gehalten, da ich tierische Milchprodukte einfach zu gerne esse. Auch das hat gut funktioniert und war superlecker, ich freue mich aber auch darauf, die vegane Variante bei Gelegenheit auszutesten. Die fertigen Gugelhapse sahen nicht nur zum Anbeißen aus, sie waren auch superlecker und haben meiner Familie und meinen Arbeitskollegen ganz wunderbar geschmeckt. Die kleine Haps-Form hat für viele Lacher, Nachfragen und für Begeisterung gesorgt - und erwartungsgemäß waren die Gugelhapse schneller weg als ich schauen konnte. Ich werde definitiv ganz bald wieder ein Rezept aus diesem Buch backen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 15.11.2020

Tolles Leseabenteuer auf Münchner Volksfest im Jahr 1900

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
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Colina glaubt fest daran, dass das Leben mehr für sie bereithält, als Bier auszuschenken. Doch als einfache Schankmagd 1990 im München ist das Leben hart: Sie lebt lediglich vom Trinkgeld der Gäste, hat ...

Colina glaubt fest daran, dass das Leben mehr für sie bereithält, als Bier auszuschenken. Doch als einfache Schankmagd 1990 im München ist das Leben hart: Sie lebt lediglich vom Trinkgeld der Gäste, hat noch einen kleinen Sohn zu versorgen und ist permanent auf der Flucht vor dem gewalttätigen Ehemann. Selbstbewusst beschließt Colina, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und bewirbt sich bei einem reichen Bierbrauer aus Nürnberg als Gouvernante für dessen Tochter Clara. Diese hat jedoch ihren eigenen Kopf und agiert ganz und gar nicht so, wie Colina und ihr Vater es sich wünschen…

„Oktoberfest 1990 – Träume und Wagnis“ ist das Erstlingswerk der bayrischen Autorin Petra Grill und wurde als begleitender Roman zur gleichnamigen ARD-Serie anhand der Drehbücher verfasst. Trotz dieser Vorlage steht das Buch als eigenständiges Werk da, welches sich vor der Serie keinesfalls verstehecken muss, meiner Meinung nach diese sogar übertrifft. Es lassen sich aber problemlos Buch und Serie genießen, da es sich zwar um dasselbe Geschehen handelt, dieses aber aus anderen Blickwinkeln und aus Perspektive unterschiedlicher Figuren beleuchtet wird.

Petra Grill ist es ganz wunderbar gelungen, die Stimmung und das Flair der 1990 mit allen Licht- und Schattenseiten einzufangen. Auch der typisch Münchnerische Lokalkolorit inklusive Dialekt zieht sich durch das gesamte Buch, als Leser hat man wirklich sofort das Gefühl, in die bayrische Landeshauptstadt zur damaligen Zeit katapultiert worden zu sein. Sehr gut gefallen hat mir insbesondere der Einbezug tatsächlich existierender Personen oder historischer Ereignisse, es ist spürbar, dass sich die Autorin intensiv und mit viel Herzblut befasst und jede Menge recherchiert hat. Chapeau vor dieser wunderbaren Leistung!

Dies hängt insbesondere mit dem lebendigen und anschaulichen Schreibstil Petra Grills zusammen. Sie beschreibt Menschen, Gebäude und Gegebenheiten sehr detailliert und authentisch, so dass man sich als Leser ein genaues Bild machen kann. Noch dazu lässt sich das Buch flüssig und angenehm lesen, die Kapitel haben eine angenehme Länge. Emotionen sind nachvollziehbar beschrieben und greifen auf den Leser über, ich habe eine regelrechte Achterbahn der Gefühle erlebt.

Inhaltlich gibt es in „Oktoberfest 1990“ mehrere Handlungsstränge, die parallel laufen, sich miteinander verflechten, wieder auseinanderdriften und letztendlich aber doch alle Bestandteile eines großen und ganzen sind. Dabei gibt es einen permanent hohen Spannungsbogen, der verschiedene Höhepunkte erlebt, auch durch teilweise wirklich überraschende Wendungen. Am Ende sind mir noch einige Fragen offen geblieben, aber diese werden sich im Verlauf der Serie noch klären – insofern hat das dem positiven Gesamteindruck keinerlei Abbruch getan. Verschiedene Figuren erfahren in den einzelnen Phasen des Buches mal mehr, mal weniger Beachtung, so dass sie nach und nach dem Leser immer vertrauter werden, er sie aber dennoch gut auseinanderhalten kann. Einige davon wachsen einem richtig ans Herz, andere benötigen etwas Zeit, bis man sie einschätzen kann, wieder andere sind von Beginn an unsympathisch. Jede für sich ist aber facettenreich und durchgängig konzipiert und somit absolut glaubwürdig. Eine tolle Mischung!

Insgesamt haben mich das Buch und das Münchner Oktoberfest mich sehr schnell in seinen Bann gezogen und ich war wirklich traurig, als ich mich von Colina, Clara und Co. Verabschieden musste. Die toll recherchierten Hintergrundinformationen und die dadurch treffend vermittelte Atmosphäre haben dem Buch eine Authentizität gegeben, die man oft in historischen Romanen vermisst. Auch die Figuren waren lebensnah und sind mir ans Herz gewachsen. Ein Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.10.2020

Sympathische Protagonistin ermittelt im dänischen Sektenumfeld

Helle und der falsche Prophet
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Kommissarin Helle Jespers wird jäh aus ihrem Frankreich-Urlaub gerissen, als sie die Nachricht eines toten Mädchens im Zuständigkeitsbereich ihres Polizeibezirks Skagen erhält. Viel schlimmer noch, bei ...

Kommissarin Helle Jespers wird jäh aus ihrem Frankreich-Urlaub gerissen, als sie die Nachricht eines toten Mädchens im Zuständigkeitsbereich ihres Polizeibezirks Skagen erhält. Viel schlimmer noch, bei der jungen Frau handelt es sich nicht nur Merle, eine Jugendfreundin ihres eigenen Sohnes, sondern ihr Leichnam weist zudem Hinweise auf ein Fremdverschulden auf. Bei der Rekonstruktion von Merles letzten Stunden stößt Helle auf eine Begegnung mit einem jungen Paar, das sich seltsam verhält. Dieses taucht wenige Zeit später in Kopenhagen auf – und kurz darauf gibt es einen weiteren Toten. Helle und ihre Kollegen machen sich auf die Jagd nach dem mysteriösen Paar, um die Zusammenhänge der beiden Todesfälle zu klären. Doch sie sind nicht die einzigen, die die beiden suchen. Ungewollt wirbelt Helle Staub der Vergangenheit auf, der plötzlich ihre eigene Familie in Gefahr bringt.

„Helle und der falsche Prophet“ ist der dritte Band der Autorin Judith Arendt rund um die dänische Ermittlerin Helle Jespers. Auch ohne die Vorgängerbände gelesen zu haben ist ein Einstieg problemlos möglich, alle relevanten Informationen aus den ersten Bände werden geschickt eingestreut, so dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, nicht durchzublicken. Zur Orientierung ist vorne im Buchdeckel die Karte des nördlichen Dänemarks abgedruckt, die dem Leser hilft, die im Buch genannten Schauplätze mitzuverfolgen. Auch sehr passend und ansprechend ist das Cover mit dem geheimnisvollen alten Auto am Nordseestrand.

Das skandinavische Setting und Lebensgefühl wurde durchgehend sehr gut transportiert und hat mir gut gefallen. Auch die wechselnden Perspektiven, aus denen die Kapitel geschrieben sind, haben Spannung und Story temporeich vorangetrieben und mir verschiedene Gedanken und Beweggründe näher gebracht. Ein toller Schreibstil, der mal heimelige, mal gruselige Atmosphäre hervorzurufen vermag. Das Buch liest sich flüssig, nimmt schnell an Tempo zu und lässt sich kaum aus der Hand legen. Mir hat gut gefallen, dass auch aktuelle Themen wie die „Fridays for future“-Bewegung oder die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher aufgegriffen wurden. Auch das Thema der – leider heute noch immer existierenden – Sekten hat mich fasziniert und wirkte auf mich sehr gut recherchiert und durchdacht. Auch wie am Ende nach einigen überraschenden Wendungen alle Handlungsstränge geschickt ineinander gelaufen sind, war nachvollziehbar und sehr geschickt geschrieben.

Auch die facettenreich konzipierten Figuren wirkten auf mich authentisch und haben überzeugt. Helle ist eine sehr sympathische Ermittlerin mit Ecken und Kanten, sie ist bodenständig, geht oftmals ihren eigenen (weniger regelkonformen) Weg und ist dennoch ein herzensguter Mensch, der alles für die Menschen die sie liebt tun würde. Ich kann mich sehr gut mit ihr identifizieren und mit ihr mitfühlen. Auch die Nebenfiguren wie Willem oder Niklas konnte ich mir aufgrund der detaillierten Beschreibungen gut vorstellen.

Mein Fazit: Das war definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin! Eine sympathische, authentische Protagonistin, die optimale Mischung aus Spannung und Emotion und ganz viel Herz haben mir wunderbare Lesestunden bereitet, die ich nicht missen möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2020

Plädoyer gegen Mobbing

Wenn das Meer leuchtet
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Marie freut sich auf ihren Neuanfang: Nach schrecklichen Jahren voller Mobbing und Ausgrenzung hat sie die Highschool in Alabama hinter sich gelassen und möchte auf dem College in Monterey, Kalifornien ...

Marie freut sich auf ihren Neuanfang: Nach schrecklichen Jahren voller Mobbing und Ausgrenzung hat sie die Highschool in Alabama hinter sich gelassen und möchte auf dem College in Monterey, Kalifornien noch einmal ganz von vorne beginnen. Große Hoffnung setzt sie dabei auf ihre Zimmergenossin Tiffany, mit der sie sich gerne anfreunden möchte. Nachdem diese aber Maries Geheimnis entdeckt wendet sie sich nicht nur von ihr ab, sondern gegen sie: Als Anführerin der coolsten Clique des College beginnt diese systematisch, Marie das Leben zur Hölle zu machen. Doch plötzlich erhält Marie unverhofft Hilfe von Jayden, Tiffanys Ex-Freund. Kann sie ihm wirklich trauen oder steckt etwas anderes hinter seinem Interesse?

Die Spiegel-Beststeller-Autorin Jessica Koch wendet sich in „Wenn das Meer leuchtet“ einem traurigen und leider immer noch sehr aktuellem Thema zu: Mobbing und psychische Gewalt unter jungen Menschen. Auf eindrückliche Art und Weise schildert sie Maries Martyrium und insbesondere die Folgen der Bösartigkeiten auf ihren emotionalen und seelischen Zustand. Durch die Ausgrenzung und Ablehnung hat sie Angst vor sozialen Kontakten, sehnt sich gleichzeitig aber nach Gesellschaft. Insbesondere die verheerenden Konsequenzen, die dieses Verhalten einer starken Gruppe gegenüber ihrem wehrlosen Opfer nach sich ziehen, fand ich schockierend. Jessica Koch ist es gelungen, mich als Leser emotional komplett abzuholen, ich war in den Mobbing-Szenen gleichsam traurig und wütend und habe sehr stark mit Marie mitgelitten. Ich hoffe, möglichst viele Menschen lesen diese Plädoyer gegen Mobbing und hinterfragen in entsprechenden Situationen auch ihr eigenes Verhalten. Ein Buch, das nachdenklich stimmt.

Insbesondere die Protagonistin Marie wurde von der Autorin sehr realistisch dargestellt und vermittelt das authentische Bild eines Menschen, der die Konsequenzen seelischer Misshandlungen tragen muss: Sie wirkt psychisch gebrochen, hat sich fast schon selbst aufgegeben, sie wehrt sich nicht mehr sondern akzeptiert ihre Opferrolle, was dazu führt dass sie sich zurückzieht und einsam ist. Lediglich für ihren kleinen Bruder lohnt es sich noch zu leben. Tiffany und ihre Clique hingegen sind wahre Hassobjekte für den Leser, so viel Gemeinheit und Bösartigkeit, aber auch Ignoranz und keinerlei Schuldbewusstsein angesichts schlimmster Ereignisse machen sprachlos. Vielleicht wurde hier der Kontrast zwischen Gut und Böse etwas zu stark und eindeutig gezeichnet, aber nur so kann wird das Geschehen in all seiner Niedertracht deutlich und berührt den Leser so stark.

Das Cover des Buches passt sowohl perfekt zum Titel, wie auch zum Inhalt, auch wenn ich in der abgebildeten weiblichen Person nicht unbedingt Marie erkannt hätte (diese wird als eher kurvig beschrieben und würde sich niemals trauen, einen Minirock anzuziehen). Das Farbspiel mit dem hellen Mond, in dem der Titel abgedruckt wird sowie dem blauen Meer und dem Liebespaar auf dem Segelschiff, welches nur als Umrisse erkennbar ist, empfinde ich als absolut ansprechend und stimmig.

Das einzige, was mich an der Geschichte gestört hat, ist Jayden. Ich habe nicht wirklich verstanden, was seinen plötzlichen Sinneswandel hervorgerufen hat und warum genau er sich in Marie verliebt – schließlich hat er zu Anfang beim Mobbing mitgemacht und ein richtiges Kennenlernen hat auch nie stattgefunden. Vielmehr ist der Kontakt aus Mitleid entstanden, tiefgreifende Gespräche zum Kennenlernen gab es nicht. Auch das „Wetten“ fand ich komplett daneben, das hat nicht zu seinem liebenswerten Charakter gepasst, den die Autorin versucht hat zu zeichnen. Für mich war Jayden somit schwer greifbar, sondern aufgrund einiger gegensätzlicher Verhaltensweisen eher unauthentisch und ich habe ihm seine Entwicklung und plötzlichen Gefühle für Marie nicht abgenommen. Insgesamt ging mir die Liebesgeschichte zwischen den beiden viel zu schnell – gerade hatte Marie noch Angst vor ihm und im nächsten Moment kann sie sich fallen lassen und verlieben. Aufgrund des jahrelangen Zurückziehens und der schwere ihrer psychischen Verletzungen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich so schnell einem ehemaligen Peiniger öffnen kann. Ihre Reaktion auf Tiffanys „Enthüllung“, die zum Showdown und Maries tragischer Reaktion geführt hat war vorsehbar und hätte sich mit Kommunikation vermeiden lassen. Auch das Ende ging mir zu schnell, hier hätten einige Seiten mehr gut getan, um die Hinter- und Beweggründe sowie die neuen Lebensumstände der Protagonisten nachvollziehen zu können.

Mein Fazit:
„Wenn das Meer leuchtet“ ist ein tolles Buch, das eindringlich über ein wichtiges Thema aufklärt und den Leser mitfühlen lässt was es bedeutet, ausgeschlossen zu werden. Der berührende Schreibstil der Autorin macht kleinere inhaltliche Schwächen wett und ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2020

Mysteriöse Brandunfälle und Verschwörungen in Russland

Incendium
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Der Journalist Thomas Papst hat schon bessere Zeiten hinter sich – beruflich wie privat läuft es nicht besonders gut bei dem exzentrischen Einzelgänger und er benötigt dringend mal wieder eine wirklich ...

Der Journalist Thomas Papst hat schon bessere Zeiten hinter sich – beruflich wie privat läuft es nicht besonders gut bei dem exzentrischen Einzelgänger und er benötigt dringend mal wieder eine wirklich gute Story, um an frühere Erfolge anzuknüpfen und wieder auf die Beine zu kommen. Da erfährt er von dem Brandunfall eines Industriellen, der mehr Fragen als Anworten aufweist – niemand kann sich erklären, was mit Johannes Kottal passiert ist. Thomas´ journalistische Neugier ist geweckt und er findet bei seiner Recherche zahlreiche weitere Fälle, die ebenso mysteriös und unerklärbar sind. Die Spur führt nach Moskau und ohne zu ahnen, in welch gefährliche Machenschaften sich Thomas einmischt, macht er sich auf die Reise ins ferne, unwirtliche Russland.

Der Thriller „Incendium“ ist das Debüt des Heilbronner Autorenduos Thorsten Frank und Stefan Zörner. Das Cover stellt passend zur Übersetzung des Titels einen Feuerball im Schnee dar, allerdings wirkt das Motiv verschwommen und der Druck nicht besonders hochwertig. Die verbrannt anmutende Schrift hingegen ist absolut stimmig. Der Feuerball wirkt geheimnisvoll und gefährlich und lässt auf ein hochspannendes Buch hoffen.

Spannend ist das Buch auch durchaus, auch wenn es etwas langatmig beginnt, da zunächst die zahlreichen unterschiedlichen Handlungsstränge und Personen eingeführt werden. Die Perspektiv- und Zeitwechsel wirkten zunächst sprunghaft und haben mich verwirrt, erst ab ca. der Hälfte des Buches war mein Verständnis groß genug, dass ich zu Beginn der Kapitel diese Problemlos den Strängen und Personen zuordnen konnte. Solche Startschwierigkeiten habe ich beim Lesen selten und leider haben sie meinen Lesefluss doch sehr gestört. Auch die noch vorhandenen Schreib-, Grammatik- und Satzbaufehler fielen mir auf. Die Kapitel an sich sind eher lang gehalten und in einem erzählenden, temporeichen Schreibstil verfasst. Nach und nach hat mich die Handlung dann aber doch gepackt und der rote Faden wurde erkennbar. Zahlreiche überraschende Wendungen und neue Handlungsstränge erklären den Umfang des Buches und haben mich rätseln lassen, wie all diese Geschichten wohl am Ende zusammenhängen werden. Abstrus wurde es dann bei Thomas´ komischem Selbstfindungstrip bei den Tugusen, der die Gesamthandlung dann doch sehr verzögerte und das eigentliche Hauptthema fast vergessen ließ. Dies fand ich etwas weit hergeholt und nicht wirklich stimmig zur Gesamtgeschichte. Auch mit den mysteriösen, übernatürlichen Entitäten konnte ich wenig anfangen – sehr fantasievoll, aber für meinen persönlichen Geschmack zu unrealistisch und abgehoben. Der Showdown am Ende wäre auch ohne diese spannend genug gewesen, der Kampf auf dem Götzenberg war Action pur und hat für krasse, brutale Szenen gesorgt. Nicht ganz so glücklich war ich auch mit dem offenen Ende, da mir zu viele wichtige Fragen unbeantwortet blieben.

Mit diesem als Protagonisten bin ich leider auch nicht warm geworden, da er mir durch und durch unsympathisch war. Ich empfand ihn als sehr selbstbezogen, undankbar, naiv und zynisch. Er ist nur an seiner Story interessiert und riskiert durch seine Unbedachtheit das Leben seines Freundes. Sehr unprofessionell, kein Wunder, dass er trotz guter Intuition beruflich erfolglos bleibt. Seine große Wandlung und Selbstfindung habe ich ihm überhaupt nicht abgenommen und gerade sein Abgang war schon sehr heroisch und pathetisch.

Insgesamt war ich mir lange Zeit nicht sicher, wohin die Geschichte möchte und was sie eigentlich ist: Handelt es sich um eine journalistische Enthüllungsstory, einen Thriller mit historischen Bezügen oder um Science Fiction? Gerade diese übernatürlichen Elemente in einem Thriller habe ich nicht erwartet und sie haben mir auch nicht besonders gut gefallen. Insgesamt gab es für meinen Geschmack zu viele zu unterschiedliche Handlungsstränge, deren Zusammenhänge teilweise etwas konstruiert wirkten und die sich über Seiten hinweg etwas lang dahinzogen. Einen Extrapunkt gibt es jedoch für die permanent hohe Spannung, die man dem Thriller keinesfalls absprechen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere