Profilbild von Wacaha

Wacaha

Lesejury Star
offline

Wacaha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wacaha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2022

Ein mir bisher unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte

Die Diplomatenallee
0

Im Bonn der 1970er Jahre betreibt Heike gemeinsam mit ihrem Mann einen Schreibwarenladen. Sie hat zwei Kinder und ein bürgerliches Leben und genießt die Arbeit im Diplomatenviertel der Stadt. Nichts erinnert ...

Im Bonn der 1970er Jahre betreibt Heike gemeinsam mit ihrem Mann einen Schreibwarenladen. Sie hat zwei Kinder und ein bürgerliches Leben und genießt die Arbeit im Diplomatenviertel der Stadt. Nichts erinnert mehr an ihre Vergangenheit, als sie die talentierteste Studentin von Professor Buttermann am Institut für Graphologie war und die damals aufstrebende Wissenschaft der Schriftanalyse studiert hat. Doch nach einem Gutachten mit schrecklichen Konsequenzen hat Heike der Universität den Rücken gekehrt und ein bürgerliches Leben gewählt. Doch eines Tages steht plötzlich ihr alter Professor und Mentor in ihrem Laden und möchte sie dazu überreden, zurück zu kommen – denn niemand kann Handschriften so gut auslesen wie sie. Hintergrund des Werbens ist der Plan der DDR, eine ständige Vertretung in Bonn anzusiedeln und sich hierfür die Dienste der Graphologie zu bedienen. Heike weigert sich zunächst, doch die DDR hat ihre eigenen erpresserischen Methoden, um Menschen zur Kooperation zu zwingen…

Das Cover von Annette Wieners „Die Diplomatenallee“ ist hübsch und passt optisch gut in die 1970er Jahre. Die Dame ist schön dargestellt und eindeutig im Vordergrund – wie auch in der folgenden Geschichte. Die gelbe Farbe ist auffällig und sticht hervor und auch das gelbe Lesebändchen gefällt mir gut.

Inhaltlich fand ich den Spannungsbogen gut aufgebaut, erst nach und nach wird Heikes Geschichte aufgedeckt und der Bezug zur DDR deutlich. Insbesondere deren Methoden, eine ganz normale Familie unter Druck zu setzen waren gut und realistisch dargestellt. Auch ist der Zeitgeist der damaligen Zeit gut wiedergegeben und ich konnte mich gut ins Diplomatenleben im Bonn der 1970er eindenken. Das ist auch dem flüssigen Schreibstil der Autorin zu verdanken, die auf passende Weise und in angenehmem Tempo die Geschichte geschildert hat – auch wenn sie für mich an manchen Stellen etwas schneller hätte auf den Punkt kommen können. Auch ist es mir teilweise etwas schwer gefallen, mich in die Personen hinein zu versetzen. Heike blieb mir bis zum Ende hin etwas distanziert, ihr Mann Peter blass, der Professor undurchschaubar. So wirklich warm geworden bin ich mit keinem der Charaktere.

Als wahnsinnig interessant habe ich das Thema Graphologie empfunden. Natürlich habe ich schon etwas darüber gehört, aber sämtliche Details und vor allem die frühere Betrachtung als Wissenschaft und seine Bedeutung zu erfahren hat mich dann doch überrascht. Mir war bislang nicht bewusst, wie ernst sie genommen wurde und zu welchen Zwecken – und mit welchen teils lebensverändernden Konsequenzen – sie eingesetzt wurde. Das hat mich in Teilen wirklich sehr schockiert. Auch von der ständigen Vertretung der DDR habe ich bis dato kaum gewusst und somit bin ich der Autorin sehr dankbar, dass sie mir Einblick in dieses mir bisher unbekannte Thema der deutsch-deutschen Geschichte ermöglicht hat. Sie hat mich definitiv zum Nachlesen und -recherchieren animiert. Toll fand ich deshalb auch das ausführliche Nachwort zur historischen Einordnung der Thematik.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2022

Viel Sex, wenig Story

Only Us – Unerreichbar
0

Meg ist erfolgreich im Beruf, hat aber ständig Pech in der Liebe. Gerade ist wieder eine Beziehung in die Brüche gegangen und Meg braucht dringend Abstand von ihrem Leben in New York. Da kommt ihr gerade ...

Meg ist erfolgreich im Beruf, hat aber ständig Pech in der Liebe. Gerade ist wieder eine Beziehung in die Brüche gegangen und Meg braucht dringend Abstand von ihrem Leben in New York. Da kommt ihr gerade recht, dass ihre Schwester Fran bald heiraten wird. Meg freut sich auf die Auszeit bei ihrer Familie auf Cloverleigh Farms – auch, weil sie dann ihren langjährigen besten Freund Noah wiedersehen wird. Dieser hat Meg als Teenager das Leben gerettet und ist inzwischen Sheriff in der Stadt. Die beiden verbindet eine innige Freundschaft, doch als sie sich plötzlich wieder persönlich gegenüberstehen fliegen die Funken. Doch Noah möchte keine feste Beziehung und Meg ist nur zu Besuch in ihrer Heimatstadt - und beide möchten ihr freundschaftlich-vertrauensvolles Verhältnis nicht aufs Spiel setzen. Haben die Gefühle der beiden eine Chance?

„Only us – Unerreichbar“ ist der dritte Band von Melanie Harlows Reihe um die Schwestern der Cloverleigh Farm. Ich habe bisher noch keinen anderen Band gelesen, hatte aber dennoch nicht das Gefühl, dass mir Informationen gefehlt hätten. Leider muss ich aber auch sagen, dass es bei mir wohl bei diesem einen Band bleiben wird, da mich das Buch ganz und gar nicht überzeugt bzw. sogar sehr enttäuscht hat.

Aber zunächst zu den positiven Aspekten: Mir gefällt das einfach gehaltene, romantische Cover sehr gut, ebenso der locker-flüssige da recht einfach gehaltene Schreibstil der Autorin. Die Geschichte wird sowohl aus Noahs, als auch aus Megs Sicht erzählt, so dass man Einblick in beiderlei Gefühls-, Gedanken- und Lebenswelt bekommt. Leider gelingt das nur in Teilen, da diese offenbar nur aus einem besteht: Sex.

Wo zunächst ein Prickeln und eine Anziehung bestanden hat – die den Leser als ganz plötzlich und unverhofft aus einer Freundschaft entstanden verkauft werden soll – geht es sehr schnell zur Sache. Insbesondere Noahs Gedanken werden immer lüsterner und er wurde mir mit jedem Kapitel unsympathischer. Ebenso Meg, welche als taffe Business-Frau präsentiert wurde, seltsamerweise aber nie an ihren Job denkt, sehr schnell einknickt und gefühlt alles mit sich machen lässt. Das rein freundschaftlich-platonische Verhältnis zwischen den beiden habe ich ihnen in keiner Sekunde abgenommen und deshalb bestand die Story für mich auch überwiegend aus künstlich herbeigeführtem Drama und einem absehbaren Ablauf. Insgesamt habe ich nichts gegen erotische Szenen in Romanen, aber hier war es einfach viel zu viel, gefühlt hat das gesamte Buch nur aus Geschlechtsverkehr in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen bestanden. Irgendwann konnte ich nur noch mit den Augen rollen und weiterblättern, insbesondere, als urplötzlich „Shades-of-Gray“-mäßige Elemente hinzukamen – für mich absolut unnötig. Dadurch kamen für mich die eigentlichen Emotionen viel zu kurz und ich habe den Protagonisten vor lauter Lust und Begierde die große Liebe einfach nicht abgenommen. Ebenfalls nicht, dass es sich dabei um gestandene Individuen in ihren Dreißigern handeln soll: Bei so viel sexuellen Anspielungen, obszönen Gedanken und kindischem Verhalten hätte ich sie eher als Teenager eingeschätzt. An jeder passenden und unpassenden Stelle wird jedes Problem mit Sex gelöst, es findet so gut wie keine Kommunikation zwischen den beiden statt. Einfach nur unglaubwürdig und wahnsinnig ermüdend. Inhaltlich passiert dafür kaum etwas Erwähnenswertes. Am Ende gibt es noch etwas Drama, bevor es Schlag auf Schlag zum perfekten Happy End kommt. Gähn!

Wo die beiden Protagonisten durch ihr inkonsistentes und unsympathisches Verhalten Minuspunkte gesammelt haben, konnten einige Nebenfiguren hingegen überzeugen. Insbesondere Megs Schwestern und vor allem Noahs Bruder Asher waren für mich die Sympathieträger des Buches, mit ihnen fanden tiefgründige, ehrliche Gespräche statt und sie wurden als Personen authentisch dargestellt. Auch schön eingefangen wurde die Atmosphäre einer amerikanischen Kleinstadt.

Insgesamt für mich trotzdem leider kein Buch, das ich weiterempfehlen könnte. Mir war die Geschichte zu seicht und die erotischen Szenen in ihrer Masse zu häufig, es gab keinerlei Spannung und unvorhergesehene Wendungen, dafür viel zu viel unausgesprochenes und direkt Teaser für den Folgeband, die so gar nicht in dieses Buch passen wollten. Für mich leider ein Flop.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 15.04.2022

So liebevoll gemacht!

Glücksfisch: Meine liebste Mama
0

„Meine liebste Mama“ ist eine wunderschöne, kindgerechte Hommage an alle Mütter! Veranschaulicht durch süße Mama-Kind-Duos aus dem Tierreich wird die Mutterrolle wertgeschätzt, indem bereits den Kleinsten ...

„Meine liebste Mama“ ist eine wunderschöne, kindgerechte Hommage an alle Mütter! Veranschaulicht durch süße Mama-Kind-Duos aus dem Tierreich wird die Mutterrolle wertgeschätzt, indem bereits den Kleinsten aufgezeigt wird, wie wichtig Vertrauen, Geborgenheit und Zuneigung sind. Zudem wird verdeutlicht, dass Mütter im Allgemeinen ihren Kindern Sicherheit und Schutz geben: Die Ottermutter versteckt ihr Kind im sicheren Schilf, die Hasenfamilie kuschelt sicher im unterirdischen Bau, die Kängurumama hält ihr müdes Baby im Beutel geborgen.

Jede Seite ist wunderschön anschaulich illustriert, durch kurze, eingängige Reime zum Vorlesen verspricht das Buch jede Menge Spaß für Klein und Groß! Besonders hervorzuheben sind die durchdachten, passend eingebauten Spielideen, die sicherlich jedem Kind Freude bereiten: So taucht die Robbenmutter mithilfe eines Schiebers aus dem Wasser auf, um ihrem Kind einen Kuss zu geben, eine Drehscheibe zeigt das trubelige Geschehen rund um die Tiger oder durch eine Klappe kann das Kind unter den Entenflügel spicken.

Ein wirklich tolles Buch für ca. zweijährige Kinder, um mit Mama zu kuscheln, die Tierwelt zu erleben und langsam müde zu werden – ich kann das Buch nur wärmstens weiter empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2022

Vom Verlieren und (Wieder-)Finden

Das Fundbüro der verlorenen Träume
0

Dot liebt ihren Job im Fundbüro: Umgeben von Dingen, die verloren und zurückgelassen wurden kann sie ihren eigenen Schmerz, entstanden aus einem tragischen Verlust, ignorieren. Und wenn sie einem Menschen ...

Dot liebt ihren Job im Fundbüro: Umgeben von Dingen, die verloren und zurückgelassen wurden kann sie ihren eigenen Schmerz, entstanden aus einem tragischen Verlust, ignorieren. Und wenn sie einem Menschen einen Gegenstand zurückgeben kann blüht Dot auf. Umso mehr trifft sie die Geschichte von Mr. Appleby, einem sympathischen älteren Gentleman, der eine Tasche im Bus hat stehen lassen. In dieser befindet sich das Portemonnaie seiner verstorbenen Frau und somit ein Gegenstand von großem ideellen Wert. Dot setzt alles daran ihn zu helfen und macht auf der Suche nach Mr. Appelbys Tasche ohne es zu bemerken auch selbst eine Entwicklung durch, die sie wieder näher ans Leben und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse führt.

Zugegebenermaßen hat mich das Cover von „Das Fundbüro der verlorenen Träume“ zunächst nicht vom Hocker gehauen. Es wirkt auf mich etwas altmodisch und irgendwie zu leer, auch wenn das Motiv durchaus zum Inhalt passt. Leider ist es so unauffällig, dass ich es im Buchladen wohl kaum bemerkt hätte. Der Titel hat indes sofort mein Interesse und meine Neugierde geweckt.

Helen Frances Paris´ Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, ich habe etwas gebraucht, um mich in diesen einzulesen. Lässt man sich darauf ein liest sich das Buch dann aber flüssig, wenn auch an einigen Stellen etwas ausschweifend aufgrund unnötig detaillierter Beschreibungen. Gut gefallen mir der unterschwellige Humor und insgesamt die Dialoge. Wobei besonders herausragend die göttlichen, oftmals doppeldeutigen und gut durchdachten Kapitelüberschriften sind – hier musste ich einige Male laut loslachen! Auch sehr kreativ, dass diese optisch als die im Buch beschriebenen Anhänger für die Fundgegenstände dargestellt werden. Authentisch und sensibel beschrieben wurden ebenfalls emotionale Stellen wie beispielsweise alles zum Thema Verlust. Gut beschrieben waren auch Atmosphären, wobei besonders die nostalgische im Fundbüro hervorzuheben ist. Der Blick hinter die Kulissen wirkte auf mich authentisch und war interessant.

In die Geschichte an sich bin ich gut hineingekommen, Dots Arbeit im Fundbüro konnte ich mir gut vorstellen. Schwieriger wurde es dann, je weiter sich die Geschichte entwickelt hat und weitere Nebenstränge, insbesondere aus Dots Privatleben, hinzukamen – irgendwann wusste ich gar nicht mehr, in welche Richtung der Inhalt sich gerade bewegt. Schade fand ich zudem, dass der Handlungsstrang um Mr. Applebys Tasche so abrupt endet, ich hätte mir nach dem Klappentext einen verstärkten Fokus hierauf erhofft. Das war mir persönlich zu wenig behandelt. Irgendwann überschlagen sich die Ereignisse und rutschen teilweise ins Abstruse. Hier kam dann nach längeren zähen Stellen plötzlich alles auf einmal. Einige Begebenheiten erschienen mir unpassend und unglaubwürdig, dann gab es aber auch wieder herzerweichende, wunderschöne Szenen. Für mich war das Buch ein Hin- und Her der Gefühle und ich habe lange geschwankt, ob es mir nun gefällt oder nicht. Insbesondere das Ende hatte für mich große Schwächen und ich war absolut nicht davon überzeugt.

Auch Dot als Protagonistin konnte ich bis zum Ende hin nicht wirklich greifen. Einerseits wirkt sie sehr empathisch und liebevoll im Umgang mit den verlorenen Gegenständen und ihren Kunden; sobald es ins Private geht aber labil und unnahbar. Sie zieht sich zurück und verkriecht sich so sehr, dass ihr Verhalten irgendwann pathologische Züge annimmt. Ihr Schmerz und ihre Trauer werden greifbar, ihr daraus resultierendes Verhalten allerdings nicht unbedingt.

Insgesamt stehe ich dem Buch zwiespältig gegenüber. Ich wurde zwar gut unterhalten von der Geschichte, aber richtig überzeugt hat sie mich dann doch nicht.
Schade, denn das ungewöhnliche Setting im Fundbüro und die Story um Mr. Applebys Tasche hatte durchaus Potenzial, welches in meinen Augen aber nicht optimal ausgeschöpft wurde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2022

(K)Eine gute Idee?!

Offen für alles
0

Ärztin Viviane hat scheinbar das perfekte Leben: Einen guten Job, zwei pubertierende Töchter und mit Karl einen Mann, auf den sie sich zu einhundert Prozent verlassen kann. Und doch gibt es eine Sache, ...

Ärztin Viviane hat scheinbar das perfekte Leben: Einen guten Job, zwei pubertierende Töchter und mit Karl einen Mann, auf den sie sich zu einhundert Prozent verlassen kann. Und doch gibt es eine Sache, mit der sie unglücklich ist: Ihrem eingeschlafenen Sexleben. Ihre Freundin Claudia hat hierfür ein Geheimrezept: Die offene Beziehung. Claudias lässt ihren Mann Diego mit anderen Freuen schlafen, ohne dass es sie stört und ist deshalb zufrieden mit ihrer Beziehung. Viviane ist zunächst entsetzt, doch je intensiver sie sich mit der Idee auseinandersetzt, umso prickelnder findet sie sie. Und auch Karl steht dem offen gegenüber. Das Ehepaar legt ein paar Regeln fest und schon kann es losgehen – wird es den beiden gelingen, sexuelle Erfüllung zu finden oder riskieren sie damit am Ende noch ihre Ehe?

Das Cover von „Offen für alles“ ist bunt und auffällig. Ehrlich gesagt stehe ich ihm aber etwas zwiespältig gegenüber, da mir zwar die kräftigen Farben gefallen, ich das Herz-Motiv allerdings als etwas kitschig empfinde. Auf jeden Fall passt es aber zum Inhalt und lässt auf ein humorvolles Buch hoffen, dessen Zielgruppe ich aber als etwas jüngere Frauen eingeschätzt hätte. Das ist etwas schade, da ein Buch zum Thema Sexualität von über 40jährigen eher Seltenheitswert trotz hohem Potenzial hat. An der Optik hervorzuheben sind auch die attraktiv und informativ gestalteten Innenklappen, welche Autorin, Beziehungsregeln des Protagonistenpaares und Personenbeschreibungen präsentieren.

Inhaltlich wurde ich zunächst überrascht, da nicht nur Vivianes, sondern insgesamt die Geschichten dreier unterschiedlicher Frauen erzählt werden – das hatte ich vom Klappentext so nicht erwartet. Da mir Vivianes Geschichte aber bald auf die Nerven ging war ich froh um den unverhofften Handlungsstrang rund um Elena. Alle drei Frauen befinden sich in besonderen Lebensphasen mit ihren verschiedenen Herausforderungen und es war interessant zu verfolgen, wie sie mit diesen umgehen. Gut gemacht war das Verweben der drei Handlungsstränge, da insbesondere die Rolle Elenas sich erst spät aufklärt – diesen Zusammenhang fand ich passend hergestellt. Insgesamt hat es bei mir aber leider etwas gedauert, bis ich in die Geschichte hinein gefunden habe. Vielleicht lag es daran, dass ich mich bzgl. Alter und Lebenssituation gar nicht mit Claudia und Viviane identifizieren kann? Den Schreibstil konnte ich gut verfolgen, habe mir insgesamt aber etwas mehr Humor versprochen. Es gab einige Szenen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, aber ich hatte mir anhand von Klappentext und Cover mehr solcher Szenen erhofft. Auch waren manche Entwicklungen sehr absehbar, es wurden Klischees bestätigt und stellenweise hat sich das Buch für meinen Geschmack gezogen. Durch große Überzeichnungen erschienen manche Begebenheiten zu konstruiert und unlogisch. Gut fand ich hingegen den offenen Umgang und die klaren Worte zum Thema Sexualität – das war sehr erfrischend. Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas weniger Alround-Happy-End sein können, da mir dies sehr realitätsfern erschien.

Womit ich ein großes Problem hatte waren die Protagonistinnen Viviane und Claudia – die beiden haben mich irgendwann so genervt, dass ich einfach nichts mehr von ihnen lesen wollte. Ich konnte sie einfach beide nicht leiden: Viviane hat für mich eine arrogante, kindische Art, sie hat einige Meinungsumschwünge vollzogen, die für mich nicht nachvollziehbar waren und unauthentisch wirkten. Claudia ist scheinheilig und selbstgerecht, sie lügt sich selbst an und will immer die Überlegene sein. Insgesamt fand ich beide Damen unheimlich anstrengend und nervig. Mit Elena, Karl, Mathilda, Felix und Frau Heimplatz waren aber auch sympathische Figuren dabei – erstaunlich, dass in diesem Buch die Kinder und Ehemänner die weitsichtigeren und empathischeren Charaktere waren.

Insgesamt war „Offen für alles“ meinem Empfinden nach ein unterhaltsames Buch, das mich an vielen Stellen hinterfragen ließ, wie ich wohl reagieren würde. Mir war das Buch aber an vielen Stellen zu überzeichnet und klischeehaft, außerdem bin ich bis zum Ende mit den Protagonistinnen nicht warm geworden. Irgendwie hat der Klappentext eine andere Geschichte für mich suggeriert. Dennoch war "Offen für alles" ein nettes Buch für Zwischendurch, aber leider kein Highlight für mich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere