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Veröffentlicht am 14.05.2021

Die ersten Minuten entscheiden zwischen Leben und Tod

Zwischen zwei Herzschlägen
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Was für ein wichtiges Buch über ein viel zu häufig vernachlässigtes, aber extrem relevantes Thema: Der Notwendigkeit der Ersten-Hilfe! Die Aussage des Buches, dass wirklich jeder Leben retten kann und ...

Was für ein wichtiges Buch über ein viel zu häufig vernachlässigtes, aber extrem relevantes Thema: Der Notwendigkeit der Ersten-Hilfe! Die Aussage des Buches, dass wirklich jeder Leben retten kann und das Verhalten eines jeden in den ersten Minuten eines Herzstillstands über Leben und Tod entscheiden können, wurde wunderbar vermittelt und auch im Nachwort des Buches noch einmal betont. Und so zieht sich das Thema Medizin und Erste-Hilfe auch durch das komplette Buch, verpackt in die Lebensgeschichte dreier Beteiligter:

Am Abend der Millennium-Nacht trifft sich die gesamte Jugend Brightons am Strand, um gemeinsam zu feiern. Etwas abseits davon stehen auch Kerry und Tim, zwei langjährige Freunde, die nicht wirklich Anschluss zu den „coolen“ Jugendlichen haben, da sie eher als Nerds mit seltsamen Hobbies wie dem Engagement in der Sanitäterjugend gelten. Doch in dieser Nacht kommen Kerry genau diese Kenntnisse zu Gute als Joel, der Held des ansässigen Fußballteams, plötzlich auf dem Strand zusammenbricht. Kerry reagiert als einzige und bringt Joel durch eine Herzmassage zurück ins Leben, während Tim paralysiert danebensteht und nichts tun kann. Durch dieses Ereignis sind die drei jungen Menschen auf ewig miteinander verbunden – auf positive wie negative Art und Weise, wie die nächsten zwei Jahrzehnte voller Irrungen und Wirrungen, aber ständiger Wiederbegegnungen zeigen werden.

„Zwischen zwei Herzschlägen“ ist ein sehr einfühlsames Buch, das neben der Relevanz der medizinischen Erstversorgung auch noch einige andere wichtige Themen beinhaltet: Drogensucht, Krebs, Verlust, elterliche Liebe, Adoption, Depression und vieles mehr. An manchen Stellen wurde meines Geschmacks nach versucht, zu viel ernstes Thema in einer Geschichte unterzubringen und so haben sich die Ereignisse manchmal etwas zu sehr überschlagen. Insgesamt hat mir aber sowohl die Story, als auch die Sprache des Buches sehr gut gefallen. An der Hörbuchversion fand ich besonders herausragend, dass die drei Hauptfiguren, aus deren Perspektiven das Buch abwechselnd spielt, von drei unterschiedlichen Sprechern gelesen wurden: Madiha Kelling Bergner, Jacob Weigert und Marian Funk. Die Stimmen waren gut voneinander zu unterscheiden, die von Kerry fand ich sehr passend, die von Joel so eindringlich, dass sie Gänsehaut bei mir verursacht hat. Die drei Stimmen haben sich perfekt ergänzt und das Buch noch lebendiger wirken lassen.

Es war ebenfalls interessant, Kerry, Tim und Joel über so viele Jahre hinweg auf ihren Lebenswegen begleiten zu können, die alle auf ihre Art und Weise Höhen und Tiefen zu bewältigen hatten. So konnte ich jede Person mit all ihren Facetten, Stärken und Schwächen gut kennenlernen, habe mit ihnen mitgefiebert und sie sind mir sehr ans Herz gewachsen. Zunächst fand ich die Personen etwas klischeehaft: Tim der Nerd, Kerry die Heilige, Joel der Badboy. Aber diese Stereotypen verschwimmen mit der Zeit und wir lernen, dass hinter jeder Person mehr steckt als das anfänglich vermutete. Die Entwicklungen der drei waren interessant mit zu verfolgen. Immer präsent und als verbindendes Glied stand das Thema Medizin/ Herzstillstand/ Erste-Hilfe-Maßnahmen zwischen den dreien und hat sich wie ein roter Faden durchs Buch gezogen.

Insofern ist der Titel des Buches meiner Meinung nach sehr passend, da er sowohl auf die Emotionen zwischen den drei Protagonisten, als auch das medizinische Ereignis in der Silvesternacht anspielt. Auch das Cover ist sehr ansprechend, ich mag den Kontrast zwischen dem dunkelblauen Hintergrund und den zarten goldenen Grafiken und Figuren in One-Line-Technik.

Insgesamt hat mir „Zwischen zwei Herzschlägen“ vor allem aufgrund der großen Relevanz des Themas Erste-Hilfe, eingebaut in die unterschiedlich verlaufenden Lebensgeschichten dreier Protagonisten sehr gut gefallen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, genau wie ich jedem empfehlen kann, sich mit Erste-Hilfe-Notfallmaßnahmen vertraut zu machen und in regelmäßigen Abständen einen entsprechenden Kurs zu besuchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2021

Spannung pur mit Gänsehautfaktor

Todeskalt
9

Caro Löwenstein ist höchst beunruhigt: Soeben wurde der Anruf ihrer Studienfreundin Melanie abrupt unterbrochen. Aber auch ohne dieses plötzliche Ende wäre die junge Kriminalpsychologin alarmiert gewesen: ...

Caro Löwenstein ist höchst beunruhigt: Soeben wurde der Anruf ihrer Studienfreundin Melanie abrupt unterbrochen. Aber auch ohne dieses plötzliche Ende wäre die junge Kriminalpsychologin alarmiert gewesen: Melanie hat um Hilfe gebeten, sie klang gehetzt, verzweifelt und in großer Gefahr. Sofort eilt Caro nach Oberweildorf, dem kleinen Ort im Taunus, von dem aus Melanies Hilferuf kam. In der verschneiten Burgruine des Ortes findet Caro zwar nicht ihre Freundin, dafür aber die Leiche einer jungen Frau, die im Burgturm an einer Schlinge hängt. Auf den ersten Blick wird nicht klar, ob es sich um Selbstmord handelt, oder ob jemand nachgeholfen hat. Der örtlichen Polizei war die Frau als Unruhestifterin bekannt und somit werden die Ermittlungen nicht weiter vorangetrieben. Caro gibt sich damit nicht zufrieden, unterstützt von ihrem Chef Kommissar Simon Berger ermittelt sie auf eigene Faust im Dorf weiter und stößt auf jede Menge dunkler Geheimnisse, eine selbstorganisierte Bürgerwehr und die alte Legende der Erlöserin, welche verlorene Seelen in den Selbstmord treibt. Bestrebt danach, Melanie zu finden hinterfragt Caro die Selbstverständlichkeiten des kleinen Dorfes und bringt dadurch nicht nur sich, sondern auch ihren Kollegen in tödliche Gefahr.

„Todeskalt“ ist der zweite Thriller des Autors Nikolas Stoltz rund um Kriminalpsychologin Caro Löwenstein, Kommissar Simon Berger und ihr Team. Leider kannte ich den ersten Band noch nicht, was auch nicht schlimm ist, da die wichtigsten Zusammenhänge und Hintergründe ausreichend erläutert werden. Je weiter das Buch vorangeschritten ist, desto neugieriger wurde ich aber auf die Geschehnisse aus Band 1, insbesondere was Bergers Geschichte betrifft – seine Kapitel haben so auf mich lange Teile des Buches eingeschoben gewirkt.

Nikolas Stoltz Schreibstil zeichnet sich für mich insbesondere durch einen durchgängig hohen Spannungsgrad aus. Kurze Kapitel und häufige Cliffhanger an deren Ende sorgen dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und unbedingt wissen musste, wie es weiter geht. Auch das Setting ist perfekt für einen Thriller gewählt, aufgrund der anschaulichen, gruseligen Beschreibungen habe ich die düstere Burgruine und das Dorf im Schneesturm quasi vor mir gesehen. Auch gab es passende Metaphern und die Emotionen, Ängste und Gedanken der handelnden Personen waren nachvollziehbar geschildert. So habe ich das ganze Buch hindurch aufgeregt mitgefiebert – perfekt gelungen für einen Thriller!

Bereits der Einstieg in die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, ab Seite eins befinden wir uns bereits mitten im Geschehen. Der Plot war durchdacht aufgebaut und Caros Ermittlung somit schlüssig und auf ein klares Ziel hinarbeitend. Zwar gab es für meinen Geschmack etwas viele Alleingänge der Ermittler, aber da diese sich auch der Situation ergaben und dem Spannungsaufbau dienten kann ich in diesem Fall darüber hinwegsehen. Die Geschichte der Erlöserin war mysteriös und hat mich fasziniert. Super auch, dass wir zwischendurch auch ihre Gedankengänge mitverfolgen konnten, so hat sich für uns Leser das Motiv herauslesen lassen. Die Auflösung, wer dahinter steckt, hat mich total überrascht, war aber für mich schlüssig und gut erklärt. Das Ende lässt mich befriedigt zurück, auch wenn bereits auf einen dritten Band hingedeutet wird, da insbesondere Bergers Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.

In „Todeskalt“ spielen sehr viele Personen eine Rolle, die aber allesamt authentisch und individuell beschrieben werden. Gefühlt hat fast jede mit eigenen Dämonen zu kämpfen, der Großteil wirkt auf seine eigene Art getrieben. So ist Berger regelrecht vom Mörder seiner Verlobten besessen – so sehr, dass ich mich immer mehr gefragt, wie man es denn verantworten kann, ihn weiterhin als Polizisten arbeiten zu lassen. Protagonistin Caro mochte ich indessen sehr, ich konnte mich mit ihr gut identifizieren und bewundere ihren Mut, ihre Beharrlichkeit und ihre Entschlossenheit. Gerade wie sie sich in dem Dorf behauptet war klasse. Auch ihr Instinkt, der kleinen Rafaela zu vertrauen anstatt sie als nicht zurechnungsfähig abzustempeln, fand ich toll.

Insgesamt ist Nikolas Stoltz mit „Todeskalt“ ein Thriller mit Hochspannungsgarantie und vielen gruseligen Gänsehautmomenten gelungen, den ich jedem weiterempfehlen würde, der aufregende Lektüre mag und etwas Zeit hat – denn weglegen und am nächsten Tag weiterlesen ist bei diesem Buch wirklich schwierig!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 01.05.2021

Eine Adoption, ihr Hintergrund und ihre Folgen

Eines Tages für immer
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Luke und Hannah sind gerade erst Eltern des kleinen Samuel geworden und sehr glücklich mit ihrer kleinen Familie. Doch gerade dies reißt bei Luke eine alte Wunde auf, denn er selbst wurde als Baby zur ...

Luke und Hannah sind gerade erst Eltern des kleinen Samuel geworden und sehr glücklich mit ihrer kleinen Familie. Doch gerade dies reißt bei Luke eine alte Wunde auf, denn er selbst wurde als Baby zur Adoption freigegeben und möchte gerne mehr über seine Wurzeln erfahren. Er sucht den Kontakt zu seiner leiblichen Mutter Alice, eine Beziehung bahnt sich an und Alice bietet sich sogar als Tagesmutter für Samuel an, damit Hannah wieder arbeiten gehen kann. Alles scheint perfekt zu laufen, doch Luke fühl sich zunehmend unwohler: Alice verhält sich seltsam, meidet den Kontakt zu ihm und wird immer einnehmender Samuel gegenüber. Nichtsahnend sind auch bei Alice alte Wunden aufgerissen, die sowohl sie, als auch ihren Sohn drohen in die Tiefe zu reißen.

Bereits das Cover zu „Eines Tages für immer“ gefällt mir unheimlich gut: Die satten, dunklen Farben mit dem hervorstechenden gelben Titel sind ansprechend, das Blumenmuster ist hübsch, verrät aber noch nichts über den Inhalt der Geschichte. Die im Buchdeckel abgedruckten Zitate aus dem Buch sind absolut passend gewählt und fassen gut die Kernaussagen des Buches zusammen. Außerdem passt die Optik sehr gut zu Clare Empsons vorangegangenem Buch, der Wiedererkennungswert ist groß.

Der Schreibstil der Autorin hat mich verzaubert und gefesselt, er ist teilweise locker-leicht, dann wieder philosophisch-tiefgründig. Clare Empson schreibt sehr gefühlvoll, dabei aber häufig zwischen den Zeilen versteckt, so dass sich der Leser Emotionen selbst erschließen muss. Durch diese Feinfühligkeit entsteht an vielen Stellen Tiefe und der Leser wird zur Reflexion über die eigene Einstellung zum Thema Adoption angeregt. Ich mag außerdem die kurzen Kapitellängen und die beiden unterschiedlichen Handlungsstränge: Lukes Sicht in der Gegenwart und Alice Erlebnisse in der Vergangenheit. Dieser Wechsel zwischen Perspektive und Zeitebene erhöht die Spannung enorm, der Leser hat bereits einen Wissensvorsprung und kann sich anhand der Vergangenheit einiges erklären, was in der Gegenwart noch unbekannt ist, aber sehr relevant werden wird. Dies führt zu einer Grundstimmung, die – trotz äußerlich scheinbarer heiler Welt – immer angespannter wird und man fiebert als Leser darauf hin, dass die Bombe platzen wird. Dadurch wird Showdown zwar etwas vorhersehbar, aber das hat mir in diesem Fall nichts ausgemacht.

Beide Einzelstränge haben mich sehr gefesselt und ich war überrascht davon, dass die Geschichte gleich an einem entscheidenden Punkt los, dem Treffen mit Luke und seiner leiblichen Mutter, beginnt. Auch die Hintergründe der jungen Alice werden erläutert und ich mag ihre Geschichte rund um die Kunsthochschule, ihren guten Freund Rick und die Zeit mit Jake sehr gerne. Der Leser kann sehr gut die Entwicklung der Beziehung zwischen Luke und Alice mitverfolgen, aber auch die Zuspitzung der Situation aufgrund der fehlenden Annäherung. Der Showdown fand demensprechend nicht unvorhergesehen, aber dann doch überraschend und anders als gedacht statt. Die Ereignisse haben sich überschlagen, ich konnte nicht mehr aufhören zu Lesen und wurde von den Emotionen schier überrollt. Wirklich harter Tobak dieses tragische Ende! Schön, dass dieses von dem noch folgenden Epilog wieder etwas abgemildert wurde, der dann einfach nur schön war und die Geschichte rund beenden konnte.

Die Figuren waren mir zunächst sympathisch, je weiter sich die Geschichte entwickelt, umso seltsamer wird aber ihr Verhalten. Alice ist einerseits sehr distanziert, dann aber wieder aufdringlich. Immer deutlicher wird ihr Versuch, die verlorene Zeit wieder aufzuholen und die Adoption wieder gut zu machen. Auch Luke wird zunehmend drängender, als sein Wunsch nach Nähe nicht erfüllt wird. Er wirkte auf mich zunehmend zerrissen und tut mir leid, da er viel Hoffnung in die Begegnung mit seinen leiblichen Eltern gesetzt hat. Beide haben große Hemmungen, miteinander zu sprechen, was letztendlich das Konfliktpotenzial ihrer Beziehung immer größer werden lässt.

„Eines Tages für Immer“ behandelt ein ernstes Thema, dem oftmals viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteilwird: Was macht eine Adoption mit Mutter und Kind? Dazu hat die Autorin jeweils passende Auszüge aus dem Buch "Wer bin ich? Das verborgene Trauma adoptierter Kinder" von Joel Harris ihren Kapiteln vorangestellt. Diese psychologischen Einblicke waren für mich lehrreich, erhellend und erschütternd gleichzeitig, insgesamt aber sehr bereichernd. Clare Empson hat dieses Thema gefühlvoll und sensibel umgesetzt, ohne den Anflug von Kitsch oder Verharmlosung. Ebenfalls wurde das Thema Depression und psychische Krankheiten mit all seinen Folgen für Betroffene und Angehörige angemessen thematisiert.

Insgesamt habe ich die Lektüre von „Eines Tages für immer“ sehr genossen. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, das psychisch-emotionale Dilemma eines adoptierten Kindes in Romanform darzustellen und eine stimmige Geschichte herum zu erzählen, die den Leser berührt und mitnimmt. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen, warne aber vor triggernden Inhalten für Personen, die selbst Beteiligte an einer Adoption sind, da es durchaus Wunden aufreißen könnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2021

Kurzweiliger Borkum-Krimi mit überraschendem Ende

Mordseestrand
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Caro Falk lebt mit Sohn Justus und Hündin Aila seit einem Jahr auf Borkum und ist dort inzwischen richtig angekommen. Auch der Tourismus boomt auf der Nordseeinsel. Als Caro und Justus an einem sonnigen ...

Caro Falk lebt mit Sohn Justus und Hündin Aila seit einem Jahr auf Borkum und ist dort inzwischen richtig angekommen. Auch der Tourismus boomt auf der Nordseeinsel. Als Caro und Justus an einem sonnigen Tag am Strand unterwegs sind, wird ihre Aufmerksamkeit durch den schrillen Schrei eines kleinen Jungen auf dessen Sandspielzeug gelenkt: Zwischen den zu erwartenden Meeresgetier schwimmt ein menschlicher Finger! Sofort ist Hobbydetektivin Caros Spürsinn geweckt, denn sie hat eine düstere Ahnung, wem dieser gehören könnte: Einem bekannten Borkumer Naturschützer, der sich durch seinen Aktionismus bereits mächtige Feinde gemacht hat… und den Caro seit einigen Tagen bei ihren täglichen Runden mit Aila vermisst. Doch was steckt dahinter? War es ein Unglück oder Mord? Caro und Türsteher Jan Akkermann machen sich gemeinsam auf Spurensuche…

„Mordseestrand“ ist der zweite Teil der Borkum-Krimis von Emmi Johannsen rund um die Hobbyermittlerin Caro Falk. Auch ohne Band 1 „Mordseeluft“ zu kennen kommen Quereinsteiger sehr gut in die Geschehnisse und Begebenheiten vor Ort, da keinerlei Vorkenntnisse notwendig sind und die wichtigsten Personen und Hintergründe aus Band 1 nochmals kompakt dargestellt werden.

Das Cover gefällt mir gut, es weckt direkt Nordsee-Feeling bei mir und die witzige Möwe in Seemannstracht lässt noch dazu vermuten, dass es im Buch auch humorvoll zugehen wird. Durch den Eimer im Schnabel, dass einen durchstochenen Seestern zeigt, wird aber auch klar, dass es sich um einen Krimi handelt. Ebenfalls schön fand ich die Karten im Einband des Buches. Auch wenn diese einfach gehalten waren haben sie einen guten Überblick über die Insel Borkum und wichtige Schauplätze geliefert. Etwas detaillierter hätte mir die Karte allerdings noch besser gefallen, da ich des Öfteren vergeblich versucht habe mich zu orientieren und weitere im Buch erwähnte Plätze zu finden. Auch finde ich die kleine abgedruckte Möwe zu Beginn eines jeden Kapitels lustig.

Emmi Johannsens Schreibstil zeichnet sich durch eine Mischung aus beschreibend und humorvoll aus – durch ihn komme ich auf Anhieb ganz wunderbar und unkompliziert in die Geschichte hinein. Die humorvollen Dialoge und Anekdoten haben mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht, es gelingt der Autorin ganz wunderbar, die Situationskomik eigentlich alltäglicher Geschehnisse aufzubereiten. Des Weiteren schreibt Emmi Johannsen wahnsinnig atmosphärisch! Das Inselfeeling auf Borkum, seine Menschen und die dortige Natur werden sehr anschaulich dargestellt, ich hatte jede Menge Bilder vor Augen und konnte die salzige Luft quasi schmecken – eine tolle gedankliche Reise, zu der die Autorin ihre Leser hier einlädt! Interessant fand ich auch die kursiv geschriebenen kurzen Kapitel, welche die Gedanken des Täters darstellen. Die Texte sind sehr mysteriös und bis zum Ende nicht zuordenbar – und wecken somit noch mehr meine Neugier.

Mit einem solchen Text beginnt das Buch und sagt somit das Unglück bereits voraus. Im Folgenden lässt sich dieses allerding noch nicht erahnen, da zunächst Caro und ihr Leben auf Borkum eingeführt werden. Die Autorin hat mir somit ein langsames, entspanntes Ankommen auf der Insel ermöglicht, so dass ich bereits gedanklich voll auf Caro eingestellt war, bevor der Finger gefunden und somit auch die eigentliche Krimihandlung in Gang gesetzt wurde. Der Plot ist sehr geschickt durchdacht und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen, um herauszufinden, wer hinter dem Mord steckt. Das Ende hat mich dann komplett überrascht, es war unvorhersehbar, kreativ und sehr geschickt eingefädelt. Permanent habe ich mitgerätselt und verdächtigt, aber auf diese Lösung des Falls bin ich nicht gekommen – große Klasse! Die Autorin hat es somit geschafft, auch ohne großes Blutvergießen meine volle Aufmerksamkeit zu fesseln. Toll fand ich auch, dass das aktuelle Thema des Naturschutzes so intensiv, aber ohne erhobenen Zeigefinger behandelt wurde. Den Drogenfund hätte es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht, aber das war wohl Teil der Verwirrungstaktik der Autorin. Auch war für mich einige Male nicht nachvollziehbar, warum sich Caro nicht an die Polizei wendet.

Sehr gut gefallen hat mir auch die liebevolle und gut durchdachte Figurenzeichnung. Jede der eingeführten Figuren, inklusive Hündin Aila, war individuell und authentisch konstruiert. Caro, Justus, Hinnerk und Aila sind mir sofort ans Herz gewachsen, sie sind total liebenswert. Caro ist zwar an manchen Stellen etwas blauäugig, aber diese Ecken und Kanten machen sie auch so nahbar. Ich liebe ihre inneren Dialoge und ihre unkonventionelle Ermittlungsarbeit. Gerne hätte ich noch mehr über Jan erfahren, aber er bleibt wohl bewusst für die Folgebände noch etwas geheimnisvoll.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, es ist ein handwerklich toll gemachter Cosy-Crime mit toller Nordsee-Atmosphäre und viel Humor. Es wird alles geboten, was einen guten Krimi ausmacht: Jede Menge Verdächtige, noch mehr falsche Fährten und am Ende eine absolut überraschende Auflösung. Das Ende hat mich zufrieden, aber auch ein bisschen traurig das Buch zuklappen lassen. Ich freue mich auf weitere Bände mit Hobbydetektivin Caro Falk.

  • Cover
  • Spannung
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 23.03.2021

Baden und Yoga schließt sich aus?! – Von wegen!

Sonnengruß im Badeschaum
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Lesen entspannt mich unheimlich. Baden auch. Und hier das übliche Dilemma: Warum kann ich nicht die doppelte Entspannung erfahren, indem ich beides kombiniere?! Dieser Herausforderung hat sich der Wannenbuch-Verlag ...

Lesen entspannt mich unheimlich. Baden auch. Und hier das übliche Dilemma: Warum kann ich nicht die doppelte Entspannung erfahren, indem ich beides kombiniere?! Dieser Herausforderung hat sich der Wannenbuch-Verlag angenommen und Bücher für die Badewanne kreiert – auch hochwertigem, wasserfestem Material, das auch mal baden gehen darf. Die Bücher sind dabei darauf ausgelegt, innerhalb von 15 Minuten – der Zeit einer gemütlich-warmen Badewanne – vollständig durchgelesen zu werden. Einfach genial!

Und es wird noch besser – Yoga entspannt mich nämlich auch sehr! Und hier kommt wieder das Wannenbuch ins Spiel: Mit „Sonnengruß im Badeschaum“ des Yoga-Lehrers Joachim Becker ist der Geniestreich gelungen, gleich drei entspannende Hobbies zu kombinieren! Natürlich war ich am Anfang auch skeptisch: Yoga in der Badewanne? Geht das? Joachim Becker beweist: Das geht sehr wohl! Und es macht zudem wahnsinnig Spaß!

„Sonnengruß im Badeschaum“ startet mit einer kurzen, interessanten Erläuterung zur Herkunft des Yogas. Es folgen sieben verschiedene Yoga-Übungen, jeweils bestehend aus Hintergrundinformation zum Asana und Erklärung zur Durchführung. Joachim Becker beschreibt die Asanas so, dass sie einfach zu verstehen und gut umsetzbar sind. Von rein entspannenden Übungen, bei denen der Fokus auf dem Atmen liegt bis hin zu herausfordernden Asanas, bei denen ich froh um die Wasserdichte des Buches war findet jeder die passende Übung für sich. Vom Einsteiger zum Profi, hier ist für jeden eine Übung dabei. Trotz Nässe bleibt das Buch gut lesbar und ist auch schnell wieder getrocknet – ganz große Klasse!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr viel Spaß hatte und es wirklich lustig war, Yoga mit Lesen mit Baden zu kombinieren! Ich bin begeistert von der Möglichkeit, meine Badewannenzeit sinnvoll zu nutzen und bin ab heute großer Wannenbuch-Fan!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung