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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2022

Jahreshighlight!

Zwischeneinander
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"Lass dir von einem Außenseiterkönig höchstpersönlich gesagt sein: Wir sind überall. Man erkennt uns nicht immer sofort, weil wir gelernt haben, uns gut zu tarnen. Aber du wirst welche finden, die sind ...

"Lass dir von einem Außenseiterkönig höchstpersönlich gesagt sein: Wir sind überall. Man erkennt uns nicht immer sofort, weil wir gelernt haben, uns gut zu tarnen. Aber du wirst welche finden, die sind wie du. Und einer reicht schon aus […]. Ein guter Mensch und man nimmt die Arschlöcher kaum noch wahr.“

Es ist mir unglaublich schwergefallen, euch nur ein Zitat rauszusuchen, denn das ganze Buch ist bei mir mit Post-its versehen, weil es einfach nur GENIAL ist. Ich versuche mal euch zu erklären, warum:

Das war meine erste Gay-Romance und ich dachte immer: In dem Sub-Genre liegt der Schwerpunkt zwangsläufig darauf, dass manche Menschen es eben nicht so leicht haben mit der Liebe, weil zu viele sich das Recht herausnehmen „normal“ definieren zu können.

Das Thema wird hier durchaus auch angeschnitten, aber eben ganz anders: Ist es immer leicht, sich einfach auf die Liebe zu stürzen? Welche Gründe kann ein Mensch haben, es nicht zu können? Wie hoch können die Mauern um ein Herz sein, bis es niemandem mehr gelingt, sie zu erklimmen?

Das sind die Säulen, und damit auch die drei Abschnitte, in denen dieses Buch meiner Meinung nach aufgeteilt ist. Dieser Aufbau hat für mich zusätzlich die Spannung gehalten.

Das Alles mit einem Wortschatz, den ich selten erlebt habe. Jedes Streitgespräch, jeder intime Moment und sogar jede alltägliche Szene wird mit kleinen Metaphern bespickt, die Bilder direkt in den Kopf malen. Jede Stelle kitzelt mit dem lyrischen Satzbau einen Nerv in mir und ruft damit sämtliche Emotionen hervor.

Ich musste Schmunzeln, ich wurde nachdenklich, war auch mal kurz schockiert, aber vor allem habe ich mich durchgehend unterhalten gefühlt.

Ich habe mich gefragt, warum die Autorin bei so einem tiefgründigen Buch nicht in der Ich-Perspektive geschrieben hat. Unerwarteter Weise war das ein weiterer Pluspunkt für mich, denn sie schreibt nicht wie jemand, der meint, es genau zu wissen, sondern wie jemand, der einfach unglaublich emphatisch ist und genau beobachtet.

Die Kirsche auf der Sahnetorte war dann noch Stella. Sie ist die beste Freundin von Richie und hier wird eine Freundschaft beschrieben, die dich schon als Außenstehender zum Lachen bringt. Geniale Dialoge und was die beiden verkörpern ist die Definition von Loyalität, Vertrauen und Zuverlässigkeit.

Catherine Strefford hat auch „Nur kurz Leben“ geschrieben. Das kann ich euch ebenfalls wärmstens ans Herz legen, auch wenn es einen ganz anderen Schwerpunkt hat. Es gehört zu Richies Geschichte, kann aber ganz unabhängig von diesem Buch gelesen werden. Wo es zeitlich einzuordnen wäre, seht ihr im zweiten Bild.

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Veröffentlicht am 23.04.2022

Schurig und tiefgründig- Gänsehaut auf mehreren Ebenen

Mach das Licht an
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„Ich beobachte dich. Ich sehe dich. Dein Lächeln, das so viel mehr sagt, als das, was du signalisieren willst. Ich sehe die Momente, in denen du schüchtern bist, deine Maske vergisst, ich sehe die starke ...

„Ich beobachte dich. Ich sehe dich. Dein Lächeln, das so viel mehr sagt, als das, was du signalisieren willst. Ich sehe die Momente, in denen du schüchtern bist, deine Maske vergisst, ich sehe die starke Löwin in dir […]. Deine Haut riecht verführerisch, ist samtweich wie ein Schaumbad und ebenso heiß. Ich möchte mich in deiner Haut baden.“

Ich liebe die Thriller von Sandy Mercier und auch die Bücher unter dem Pseudonym Jule Pieper.
Dementsprechend habe ich mich auch auf diesen Thriller gestürzt und muss sagen: Diese Autorin bleibt sich ihrer Linie treu und hat Widererkennungswert. Was ihre Thriller ausmacht ist, dass sie auch immer einen spannenden Roman-Anteil haben, der auch mal tiefgründig sein kann und das kenne ich so aus keinem bislang gelesenen Thriller.

Man findet Handlungsstränge über:
-eine Ehefrau und Mutter, die den Problemen des Alltags gegenübersteht, bis sie sich fragen muss: „Was für eine Frau will ich sein?“
-Über eine Frau, die sich selbst verloren hat, weil sie zu viel gegeben hat und sich in Partys flüchtet
-Über das Leben als Autor*in
-Über Freundschaften, die vielleicht einmal mehr hätten sein können.

Dazu gibt es zwischendurch ein Setting, das gerade Bücherwürmen bekannt vorkommen könnte: Die Frankfurter Buchmesse. Und was macht all das mit dem Leser?
->Man kann sich leichter hineinversetzen, hat alles bildlich vor Augen, fühlt sich vielleicht sogar wohl auf bekannten Terrain. Und GENAU DAS macht die Gänsehaut-Momente für mich noch intensiver.

Es ist nicht nur spannend aufgebaut und die Thriller-Momente so schaurig detailliert beschrieben, man steckt einfach mitten drin. Ich bin immer wieder überrascht über die Vielseitigkeit und frage mich: Wooo kommen dann noch diese völlig kranken Szenen her?

Jedes weitere Wort zur Handlung würde wohl spoilern, also vertraut mir einfach und lest es!

Aber vielen Dank noch Sandy, dass die Liste von Orten, die ich nie wieder unbehelligt aufsuchen kann, mit jedem Buch von dir länger wird.

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Veröffentlicht am 30.03.2022

Magisches Finale

Magical Lights: Die Lichter der Sterne
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Ich kann es immer noch nicht glauben, dass diese erste Reise schon vorbei ist. Ich habe jetzt schon Sehnsucht. Das war es also, das grandiose Finale einer magischen Romantasy-Trilogie. Wer die ersten beiden ...

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass diese erste Reise schon vorbei ist. Ich habe jetzt schon Sehnsucht. Das war es also, das grandiose Finale einer magischen Romantasy-Trilogie. Wer die ersten beiden Bände noch nicht kennt, bitte den Klappentext nicht lesen.

Wir haben hier ein sehr komplexes World-Building, weshalb ich begeistert bin, wie geschickt zu Anfang Wiederholungen zu den ersten beiden Bänden eingeflochten werden, um den Einstieg zu erleichtern. Wodurch mich die Story dieses Mal etwas später erst richtig gepackt hat, aber ich habe mich zuvor auch sehr intensiv mit der Welt auseinandergesetzt.

Wir begegnen wieder alten Gesichtern, aber auch Neuen. Auf drei Bücher verteilt ist einfach soooo viel passiert, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen hätte, weil man von allen Büchern so an die Hand genommen wird, dass man kein Problem hat, sich Länder, Namen, Rollenverteilungen zu merken, oder gar gänzlich in ihnen zu versinken.

Die Protagonistin Elena macht so eine riesige Charakterentwicklung mit, dass man nicht anders kann, als ihr zu verfallen. Sie weckt im dritten Band ihren Kampfgeist, ist verbissen, herzlich und nimmt es nicht nur mit der ganzen Unterwelt auf, wenn es sein muss, sondern auch mit ihren inneren Dämonen.

Es fällt schwer, das hier ohne Spoiler zu verfassen, deshalb haue ich einfach nochmal raus, warum mich dieses Buch begeistert:
-Es hat Herz, Freundschaft, beschäftigt sich aber auch mit den Schwächen und Abgründen des Lebens
-Es hat eine Lovestory mit Feuer, die auch die letzte Eiskönigin zum Schmelzen bringt (ein bisschen Kitsch muss ja sein)
-Es hat Magie, malerische Kulissen, Wesen die man sich in seinen fantastischsten Vorstellungen ausmalt und solche, die man in den schlimmsten Alpträumen nicht haben will
-Selbst die mystischsten Elemente sind gut durchdacht, recherchiert und ausgebaut
-Schon in den ersten Bänden wurde Passagen eingebaut, die erst im letzten Band ihre Tragweite entfalten, bis du denkst: Ohhh Karen, du Genie, das hast du dir aber schlau ausgedacht

Und wer ist noch nicht überzeugt?

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Veröffentlicht am 30.03.2022

Erwartungen übertroffen...

Dunbridge Academy - Anywhere
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Ich fühle mich oft „zu alt“ für Young Adult Bücher, das habe ich hier allerdings kaum gemerkt.

Wie manche schon mitbekommen haben: Ich lese keine Klappentexte (selten) und deshalb fand ich den Einstieg ...

Ich fühle mich oft „zu alt“ für Young Adult Bücher, das habe ich hier allerdings kaum gemerkt.

Wie manche schon mitbekommen haben: Ich lese keine Klappentexte (selten) und deshalb fand ich den Einstieg überraschend und mal keinen Standard Einstieg in eine Lovestory.
Der erste Hinweis darauf, was einen in diesem Buch erwartet und das ist meiner Meinung nach: Realität. Menschen leben sich auseinander, Menschen machen Fehler, Menschen erleiden Rückschläge.

Jede Emotion ist nachvollziehbar und fühlt sich echt an, nicht unnötig überspitzt oder teenie-mäßig überdramatisiert. Es werden einfach die richtigen Werte vermittelt.

Bevor manche widersprechen: Die Protagonisten Emma und Henry sind zwar erst 17, was man allerdings nicht vergessen darf ist, wie sie leben. Emma macht sich sogar ganz alleine aus Deutschland auf den Weg nach Schottland, um ein Auslandsjahr an der Dunbridge zu verbringen. Ich denke das macht einfach schneller erwachsen.

Das Internatsleben fordert Selbstständigkeit und auch Disziplin. Immerhin müssen die Schüler der Dunbrige JEDEN Morgen laufen gehen. Erstaunlicherweise sind es sogar diese Laufszenen, die mich begeistert haben, denn sie unterstützten den Entwicklungsprozess der Protas und in ihnen sind so manche tiefgreifende, emotionale Momente versteckt.

Und da sind wir schon beim Kernpunkt: Das Setting. Ich habe mich sehr auf eine Internats-Story gefreut und wurde nicht enttäuscht. Urige Einrichtung, geheime Plätze, geheime Gänge, geheime Partys. Ich denke dieses ganze Buch ist einfach das gewesen, was ich aktuell gebraucht habe: Eine harmonische, echte Geschichte mit unglaublich authentischem Setting, gut ausgebauten Charakteren und unerwarteten Schockmomenten, die emotional gepackt haben.

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Veröffentlicht am 13.03.2022

Ist nach dem Tod vielleicht doch vor dem Tod?

Schweigende Seele
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„Seine Muskeln erschlaffen, in seinem Kopf drehte sich alles und er kämpfte gegen die Ohnmacht. Seine Seele bekam eine neue Narbe“

Wo fängt man hier bloß an… Dieses Buch habe ich in einer Nacht durchgezogen ...

„Seine Muskeln erschlaffen, in seinem Kopf drehte sich alles und er kämpfte gegen die Ohnmacht. Seine Seele bekam eine neue Narbe“

Wo fängt man hier bloß an… Dieses Buch habe ich in einer Nacht durchgezogen und das passiert mir selten (lese eher im Schneckentempo). Warum?

Zum einen am Aufbau: Die Autorin fängt immer im Wechsel mit drei Zeitsträngen an, die sich schleichend einander nähern. Der letzte handelt 2020, das macht es leicht, sich in die Gegebenheiten einzufinden.
Dazu habe ich selten so eine gute Kapitel-Einteilung erlebt. Kurz, aber trotzdem hält sich der Spannungsbogen, bis man unwillig doch wieder in die nächste Zeitzone geschmissen wird, die mindestens genauso viel Spannung und Grauen bereithält, bis man gar nicht mehr weiß, ob man bleiben, oder zurückspringen will.
Tja, so wird aus „Nur noch ein Kapitel“ -> „Ups, jetzt bin ich schon durch“.

Als nächstes die Täterin. Richtig gelesen, wir haben hier mal eine weibliche Hauptfigur, oder wie ich sie zwischendurch betitelt habe: durchgeknallte Psychopatin. Gut ausgebaut und absolut passend zu der ganzen Handlung.

Und tjaaa, die Handlung… Ich denke, wer Thriller liest, weiß, dass die Guten generell nichts für schwache Nerven sind, aber hier geht es auch um Kindesmisshandlung, also Obacht, wer zu diesem Buch greift. Mich hat es absolut gepackt, ich habe jedes Wort aufgesaugt, mit gefiebert und die meiste Zeit einfach nur eine tosende Wut verspürt.

Kennt ihr diesen: „Ohhh, ich wusste es, ich wusste es verdammt“- Moment? Also genau den hatte ich auch hier und wenn ich so in der Story gefangen bin, kann das nur bedeuten: Echt kranker Scheiß.
Wie Arthur Conan Doyle es schon gesagt hat, machen auch genau diese Momente das Buch aus. Der Leser will mit fiebern, das Gefühl haben, es zu durchschauen, um dann doch überrascht zu werden. Also das hat Andrea Reinhardt geschafft . Definitiv nicht mein letztes Buch von ihr.

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