Profilbild von Woerterkatze

Woerterkatze

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Woerterkatze ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Woerterkatze über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2021

Wiewürdest du dich entscheiden?

Dreieinhalb Stunden
0



Klappentext von der Verlagsseite


Wie entscheidest du dich?

Heute bauen sie die Mauer. Du sitzt im Zug zurück in die DDR. Bleibst du im Westen, oder fährst du nach Hause?

13. August 1961, 8:10 Uhr. ...



Klappentext von der Verlagsseite


Wie entscheidest du dich?

Heute bauen sie die Mauer. Du sitzt im Zug zurück in die DDR. Bleibst du im Westen, oder fährst du nach Hause?

13. August 1961, 8:10 Uhr. Pünktlich verlässt der Interzonenzug D-151 die bayrische Hauptstadt in Richtung Ost-Berlin. Die meisten Passagiere sind auf dem Weg zurück in ihre Heimat, die DDR. Plötzlich macht im Zug das Gerücht die Runde, dass die Grenze dichtgemacht wird – für immer. Unter den Reisenden sind Familien mit Kindern, eine Musikband, ein Kommissar, eine Spitzensportlerin. Sie alle haben ihre Vergangenheit, ihre Geheimnisse und ihre Sehnsüchte im Gepäck. Und jede und jeder Einzelne hat nun dreieinhalb Stunden Zeit, Halt für Halt, die Entscheidung des Lebens zu treffen: «Fahre ich zurück, oder steige ich vor der Grenze aus und beginne neu?» Die Zeit läuft.

«Dreieinhalb Stunden» ist ein soghaft spannender Roman, der, angelehnt an den großen TV-Film, packend und emotional deutsch-deutsche Zeitgeschichte erzählt – und uns zugleich eine existenzielle Frage stellt: «Was würde ich machen, wenn ich innerhalb weniger Stunden die Entscheidung meines Lebens treffen müsste?»


Autoreninfo von der Verlagsseite:


Robert Krause wurde 1970 in Dresden geboren. Mit 19 Jahren floh er in die Bundesrepublik und studierte in München und Los Angeles Film. Heute arbeitet er erfolgreich als Regisseur und Drehbuchautor und ist Professor für kreatives Schreiben. Mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen lebt er in Miesbach bei München. «Dreieinhalb Stunden» ist sein erster Roman.


Erster Satz:


Gerd hatte sich für ihren Jungfernflug die Theresienwiese ausgesucht.


Meinung:


Ein Roman über den Tag des Mauerbaus, hört sich spannend an und es war auch ein Roman, der mich gut unterhalten hat. Aufgefallen ist mir das Buch zunächst durch sein Cover mit dem prägenden Titel “Dreieinhalb Stunden. Wie entscheidest du dich?”, so ein Titel regt mich immer direkt zum Nachdenken an und der Klappentext hat dann sein Übriges getan. Das Buch musste einfach gelesen werden.


Gut, die Handlung ist fiktiv, darüber klärt Robert Krause einen auf, aber wie er auch sagte, standen Menschen an jenem 13. August 1961 vor der Entscheidung gehe ich zurück oder bleibe ich im Westen? Den Menschen fiel die Entscheidung sowohl für die eine als auch für die andere Seite nicht leicht, dies merkt man auch den Charakteren der Handlung an. Man spürt ihren Zwiespalt und gerade dies fand ich sehr gut herausgearbeitet.


Sei es der Flugingenieur mit seiner Familie; das alte Paar, welches eine Urne nach Dresden überführen will; der Mann, der heiraten will; die DDR-Rock-Gruppe, die ihren ersten Gig im Westen hatte oder die Trainerin mit ihrer Turnerin. Jede überlegt, einige haben mehr zu verlieren, andere können durch das Bleiben im Westen gewinnen.


In der DDR wartet ein Vater auf die Rückkehr seiner Tochter. Eine Lokführerin muss entscheiden, wie sie handelt, wenn sie den Interzonenzug an der Grenze abholt. Aber wie entscheiden sich die Menschen im Zug und die Menschen in der DDR?

“Dreieinhalb Stunden” von Robert Krause zeigt die ganze Bandbreite des Tages, auch die Politik in der DDR mit dem Machtapparat in Berlin, den Vorgehen im Westen, die Entscheidung der Lokführer in der DDR. Die Entscheidungen des Machtapparats werden immer mit Einschüben gekennzeichnet, in denen über den Fortschritt des Mauerbaus berichtet wird. Erst denkt man gut, gibt einen guten zeitlichen Einblick der Situation, aber schnell wird einem die Verbindung zum Interzonenzug D 151 aus München deutlich.


Robert Krause hat ein Stück Zeitgeschichte aufgegriffen und spart dabei auch nicht mit den Unterschieden zwischen der noch jungen Bundesrepublik und der DDR auf. Auf der einen Seite der wirtschaftliche Aufschwung, auf der anderen Seite die Freiheit der Frau zu arbeiten, Kinderbetreuung und unbeschwertes Leben für Homosexuelle. Ohne Kritik zu äußern, bringt er neben diesen Unterschieden auch noch das Recht auf freie Meinungsäußerung im Westen und der Überwachung durch die Staatssicherheit im Osten unter. Dabei ist er nie wertend, sondern fügt diese nahtlos in die Handlungen und Dialoge seiner Charaktere ein.


Sprachlich ist das Buch leicht zu lesen. Durch die kurzen Kapitel, die manchmal nicht mehr als eine Seite sind, fliegt man geradeso durch das Buch. Dank den Überschriften der Kapitel mit der erzählenden Person sowie Orts- und Zeitangabe erfolgt, hatte ich einen guten Überblick und es wurde Spannung aufgebaut, je mehr die Zeit verstrich und je näher man an die Grenze kam.


Fazit

“Dreieinhalb Stunden” von Robert Krause ist ein leicht zu lesender Roman über den Tag des Mauerbaus, der seinen Schwerpunkt stärker auf die persönliche Auseinandersetzung mit der Entscheidung, bleibe ich oder gehe ich zurück, legt, als auf die Geschichte des Mauerbaus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Wissenschaft verständlich erklärt

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit
0

Klappentext von der Verlagsseite


Fakten gegen Fakes!

Die bekannte Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim untersucht mit analytischem Scharfsinn und unbestechlicher Logik brennende Streitfragen ...

Klappentext von der Verlagsseite


Fakten gegen Fakes!

Die bekannte Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim untersucht mit analytischem Scharfsinn und unbestechlicher Logik brennende Streitfragen unserer Gesellschaft. Mit Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen kontert sie Halbwahrheiten, Fakes und Verschwörungsmythen – und zeigt, wo wir uns mangels Beweisen noch zurecht munter streiten dürfen.

Themen:

Die Legalisierung von Drogen, Videospiele, Gewalt, Gender Pay Gap, systemrelevante Berufe, Care-Arbeit, Lohngerechtigkeit, Big Pharma vs. Alternative Medizin, Homöopathie, klinische Studien, Impfpflicht, die Erblichkeit von Intelligenz, Gene vs. Umwelt, männliche und weibliche Gehirne, Tierversuche und von Corona bis Klimawandel: Wie politisch darf Wissenschaft sein?

Fakten, wissenschaftlich fundiert und eindeutig belegt, sind Gold wert. Gerade dann, wenn in Gesellschaft und Politik über Reizthemen hitzig gestritten wird, braucht es einen Faktencheck, um die Dinge klarzustellen und Irrtümer und Fakes aus der Welt schaffen. Leider aber werden Fakten oft verkürzt, missverständlich präsentiert oder gerne auch mit subjektiver Meinung wild gemischt. Ein sachlicher Diskurs? Nicht mehr möglich. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim räumt bei den derzeit beliebtesten Streitthemen mit diesem Missstand auf.

Bestechend klarsichtig, wunderbar unaufgeregt und herrlich kurzweilig ermittelt sie anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse das, was faktisch niemand in Abrede stellen kann, wenn es beispielsweise um Erblichkeit von Intelligenz, Gender Pay Gap, Klimawandel oder Legalisierung von Drogen geht. Mai Thi Nguyen-Kims Suche nach dem Kern der Wahrheit zeigt dabei nicht nur, was unanfechtbar ist und worauf wir uns alle einigen können. Mehr noch: Sie macht deutlich, wo die Fakten aufhören, wo Zahlen und wissenschaftliche Belege fehlen – wo wir also völlig berechtigt uns gegenseitig persönliche Meinungen an den Kopf werfen dürfen.

Ein spannender und informativer Fakten- und Reality-Check, der beste Bullshit-Detektor für unsere angeblich postfaktische Zeit.


Autoreninfo von der Verlagsseite:

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim ist Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin. Sie ist bekannt aus der WDR-Wissenssendung Quarks und produziert den mehrfach ausgezeichneten und millionenfach abonnierten YouTube-Kanal maiLab. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie 2020 das Bundesverdienstkreuz. Bei Droemer erschien 2019 ihr erstes Buch „Komisch, alles chemisch“, das sofort zum Bestseller wurde.

youtube.com/maiLab

instagram.com/maithink

twitter.com/maithi_nk


Erster Satz:

“Nur weil Alkohol gefährlich ist, unbestritten, ist Cannabis kein Brokkoli”, antwortete Daniela Ludwig.


Meinung:

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim ist vielen durch ihren Youtube-Kanal mailab bekannt und von da auch mir. Sehr gerne verfolge ich ihre wissenschaftlichen Erklärungen und nehme davon auch immer etwas mit. So sollte es ja auch sein und erst recht bei einem Sachbuch bei dem es um das richtige Streiten, um Wissenschaft und Studien geht.

In acht Kapiteln erklärt Dr. Mai Thi Nguyen-Kim dem Leser wissenschaftliche Studien, Forschungsansätze und Kontroversen und wie man wissenschaftliche Studien zu lesen hat. Sie erläutert dies sehr deutlich und eindrücklich, sei es in dem Kapitel um Drogen und “die nicht auf erkennbar wissenschaftlichen und rationalen Schädlichkeitsbewertungen” deutschen Drogenpolitik, oder auch im Kapitel “Gender Pay Gap” und “Homöopathie”. Immer wieder belegt sie die Thesen mit wissenschaftlichen Studien und beantwortet sie so fern dies möglich ist.

Nicht alles ist immer einfach zu lesen und oft musste ich ein Kapitel zwei oder dreimal lesen um es vollständig erfassen zu können und auch jetzt gerade, in dem Moment wo ich die Besprechung schreibe, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich wirklich alles richtig verstanden habe.

“Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit” ist kein Buch, das man einfach so weglesen kann. Es ist äußerst informativ und fordert einen zum stetigen Nachdenken.

Ausführliche Erläuterungen und mit Grafiken belegt ist jedes Kapitel ein wissenschaftliches Werk für sich. Positiv finde ich auch, das Dr. Mai Thi Nguyen Kim deutlich macht, dass es Aspekte gibt bei Fragen, die man einfach nicht beantworten kann, will man nicht unwissenschaftlich oder populistisch rüberkommen. Dank dem Werk sind mir alte, längst verschüttet geglaubte Erinnerungen an den Biologie-, Statistik und Chemieunterricht aufgetaucht. Sei es der Blick auf Methodik, Unterscheidung von Korrelation und Kausalität oder Reproduzierbarkeit von Studien.

Zum Ende des Buch “Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit” fasst Dr. Nguyen-Kim noch einmal ihre Ausführungen zusammen und rät zum besseren Streiten und nicht zu weniger. Und guten Argumenten sollte man sich nicht verschließen.


Fazit

Ich habe dieses Buch mit großer Freude gelesen und es ist dank der guten Sprache gut zu lesen, auch wenn es stellenweise sehr theoretisch wurde und es mir immer wieder schwerfiel direkt zu folgen. Es regt zum Nachdenken und Hinterfragen an. Eine klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Spannender nervenaufreibender Thriller

Die Verlorenen
0

Klappentext von der Verlagsseite:

Die Körper der toten Frauen sind in Plastikfolie eingewickelt, daneben liegt die Leiche seines ehemaligen Kollegen Gavin. Das düstere Bild gibt Jonah Colley von der Spezialeinheit ...

Klappentext von der Verlagsseite:

Die Körper der toten Frauen sind in Plastikfolie eingewickelt, daneben liegt die Leiche seines ehemaligen Kollegen Gavin. Das düstere Bild gibt Jonah Colley von der Spezialeinheit der Londoner Polizei Rätsel auf. Denn Gavin selbst hat ihn kurz zuvor um ein Treffen in der verlassenen Lagerhalle gebeten. Als Jonah erkennt, dass eine der Frauen unter der Folie noch am Leben ist, wird er hinterrücks attackiert, kann den Angreifer aber überwältigen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Serienkiller Owen Stokes. Jonah wird als Held gefeiert, doch als er der Frau wieder begegnet, die überlebt hat, behauptet sie, es sei noch ein Mann in der Lagerhalle gewesen. Jonah ermittelt auf eigene Faust und stößt auf eine Spur, die ihn an Stokes Schuld zweifeln lässt; und die ein ganz neues Licht auf die Entführung seines eigenen Sohnes wirft, der vor 10 Jahren spurlos verschwand.

Autoreninfo von der Verlagsseite:

Simon Beckett arbeitete als freier Journalist und schrieb für bedeutende britische Zeitungen wie Times, Daily Telegraph oder Observer. Im Laufe seiner journalistischen Arbeit spezialisierte er sich auf kriminalistische Themen. Heute ist er einer der bedeutendsten englischen Autoren von Kriminalromanen, dessen Bücher und Hörbücher sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten finden. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Sprecherinfo von der Verlagsseite:

Johannes Steck, als Theater- und Fernsehschauspieler sehr erfolgreich, widmet sich heute vorrangig seiner vielgelobten Sprechertätigkeit. Seine ausdrucksstarke, tiefe Stimme mit dem rauen Timbre zieht jeden Hörer in ihren Bann.

Erster Satz:

Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.

Meinung:

“Die Verlorenen” ist der Auftakt einer neuen Thriller-Reihe von Simon Beckett, mit Jonah Colley, Polizist einer Spezialeinheit, als Protagonisten und London als Handlungsort. Da ich die Reihe um den Forensiker David Hunter sehr liebe, musste auch unbedingt die neue Reihe gelesen werden. In Gegensatz zu meinen sonstigen Gewohnheiten, dieses Mal nicht als Printausgabe, sondern als Hörbuch. Leider in der gekürzten Ausgabe, aber dies macht in diesem Fall nichts.

Zu Beginn war ich skeptisch. Kann Beckett auch noch etwas anderes als David Hunter? Denn mit seinen Einzelbänden “Obsession” und “Flammenbrut” habe ich so meine Schwierigkeiten und so stehen, sie noch ungelesen im Regal. Nach mehreren Versuchen. Und ja er kann, so viel zu Beginn.

Simon Beckett hat wieder einen spannenden und nervenaufreibenden Thriller geschaffen. Er hält den Spannungsbogen konstant bei und durch die raschen Wechsel der Kapitel kommt überhaupt keine Langweile auf. Ein weiterer Grund dafür ist die Handlung, die auf zwei Zeitebenen spielt. Zum einen in der Gegenwart, in der Jonah Colley von einem ehemaligen Freund um Hilfe gebeten wird, und dann die Rückblende auf zehn Jahre davor, an dem sein Sohn Theo verschwand. Beide Handlungsstränge verwebt Beckett gekonnt ineinander und immer wieder habe ich mich gefragt, was mit Theo passiert ist und wer die Taten am Slaughter Quai begangen hat. Allein der Name Slaughter Quai ist schon passend für die Handlung und es schaudert mich immer noch bei dem Namen des Ortes, denn Beckett der mit den Schleuserbanden, Drogendelikten und Verschwinden von Personen schon harte Themen anpackt, beschreibt auch Szenen schwerer Gewalt, die einen Schlucken lassen.

Mit Jonah Colley bin ich schnell warm geworden. Er ist sympathisch und hat eine traurige Vergangenheit, die ihn traumatisiert hat. Dadurch handelt er oft impulsiv, leichtsinnig und schießt oft über das Ziel hinaus. So weit, dass die beiden Ermittler Fletcher und Bennet ihn als Mordverdächtigen führen.

Ein Hörbuch und eine Geschichte steht und fällt mit dem Sprecher. Johannes Steck hat schon immer die Simon Beckett Bücher eingesprochen und so war es auch in meinen Augen selbstverständlich, dass er auch “Die Verlorenen” vorliest. Ich mag dunkle Männerstimmen und so eine hat Johannes Steck, eine sehr angenehme Stimme, mit der er während der gesamten Aufnahme spielt. Er variiert das Tempo des Vorlesens mit der Handlung. So macht es noch mehr Freude, der Handlung zu folgen. Gerade wenn es spannend ist, liest er schnell und der Herzschlag des Hörers erhöht sich, zumindest meiner, da man genau weiß nun passiert was.

Besonders schön und unheimlich passend fand ich auch, dass er jedem Charakter eine eigene Stimmmelodie mitgegeben hat. So kann man sie immer gut unterscheiden und es ist ein wahrer Genuss, wenn er Fletcher spricht. Kommt dieser schon per Handlung als Widerling daher, so schafft es Steck mit seiner Stimme noch mehr aus dem Charakter herauszuholen. Manche werden als zu viel empfinden, aber ich fand es passend, dass er ihm eine so schneidende und sarkastische Stimme verlieh. Einfach stimmig mit dem Charakter. Gerade in den Dialogen kommt Stecks Fähigkeit, den Charakteren eine eigene Stimme zu verleihen zu bekommen, sehr gut zur Geltung.

Gerade Stecks Stil macht das Buch zu einem Genuss und die kurzen Pausen zwischen den Kapiteln sind passend eingefügt. Gelegentlich fällt es auf, dass das Buch gekürzt ist, aber da ich das Printbuch nicht kenne, stört es mich nicht. Denn der Handlung kann man immer noch sehr gut folgen und ich gehe mal davon aus, dass nichts für die Handlung wesentliches ausgelassen wurde.

Auch das Ende des Buches war stimmig und ließ noch vieles offen, sodass ich gespannt auf den zweiten Band um Jonah Colley warte.

Fazit

“Die Verlorenen” von Simon Beckett, gelesen von Johannes Steck, ist ein spannender Thriller mit einigen Wendungen, der mich am Ende noch mit Fragen zurückließ. Dennoch empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Als hätten sie Land betreten

Als hätten sie Land betreten
0

Klappentext von der Verlagsseite:

Die besondere Freundschaft zwischen der jüdischen Veza und der nichtjüdischen Lotti in den 1930er-Jahren ist Ausgangspunkt einer Geschichte über sechs Frauen. Über mehrere ...

Klappentext von der Verlagsseite:

Die besondere Freundschaft zwischen der jüdischen Veza und der nichtjüdischen Lotti in den 1930er-Jahren ist Ausgangspunkt einer Geschichte über sechs Frauen. Über mehrere Generationen hinweg werden Lebensentwürfe skizziert, die geprägt sind von Abhängigkeit und Selbstständigkeit, vom Zweifeln und Sich-Finden, vom Glauben an eine höhere Macht und dem Festhalten an der Erinnerung. Erst nach ihrem Tod erfährt Lottis Familie von Vezas Existenz und der gemeinsamen Zeit, eine Entdeckung, welche die Enkelin dazu ermutigt, neue Wege zu gehen.

“Sammer gelingt es allerdings kraft ihrer klaren, unaufgeregten Sprache, diesen Frauen eindringliche Stimmen zu geben und ihre Ängste, Nöte, Wünsche und Träume plastisch und nachvollziehbar zu


machen. Freiheitsbedürfnisse, Gefühlsstürme und Glaubenszweifel beschreibt sie so kunstvoll wie empathisch, so schonungslos wie intensiv. Neben einer berührenden Erzählung über eine ganz besondere Freundschaft ist Sammer mit Als hätten sie Land betreten auch ein spannender Roman über die Vielschichtigkeit weiblicher Lebenswelten gelungen.”


Literaturhaus.at, Veronika Hofeneder


Autoreninfo von der Verlagsseite:

Claudia Sammer, geboren 1970 in Graz, studierte Rechtswissenschaften und Literarisches Schreiben. Nach beruflichen Stationen in Wien und Mailand lebt sie mit ihrer Familie in Graz.


Zuletzt bei Braumüller erschienen: Ein zögerndes Blau (2019)


Erster Satz:

Der Tod war gestern unerwartet gekommen.


Meinung:

Ich liebe Novellen und so war ich auch sehr begeistert Claudia Sammers Novelle “Als hätten sie Land betreten” in den Händen zu halten. Ein sehr schmales Buch wie es sich für eine gute Novelle gehört, gerade mal 176 Seiten umfasst die Geschichte um die Freundschaft von Lotti und Veza. Ich war gespannt, wie man auf so kleinen Raum nicht nur die Geschichte der beiden, sondern auch noch die der nachfolgenden beiden Generationen unterbringen kann.

Claudia Sammer hat es geschafft, dass kann ich schon mal sagen und es ist durchaus gelungen, wenn man dran bleibt. Und das Dranbleiben ist so manches Mal das Problem. Es liegt zu einem an den poetischen und bildhaften Schreibstil, der mir gefällt, da ich so etwas liebe und gerne ein Kopfkino habe. Aber nun kommen wir zum Problem, es teilweise langatmig und monoton, vor allem die Spannungsbögen sind etwas eigen gesetzt. Der eine zu Beginn und der andere zum Ende hin, dazwischen passiert leider sehr wenig bis hin zu nichts. Dies ist mein größter Kritikpunkt an der ganzen Geschichte.

Der Sprachstil mit seiner Poetik, die wunderschönen kurzen Kapitel mit den einleitenden Worten und der Kapitelüberschrift machen die Monotonie in der Handlung etwas weg. Ja, nur etwas weg. Denn man muss wie gesagt an der Novelle dranbleiben. Man kann sie nicht in einem Rutsch weglesen, denn die Sätze fordern aufgrund der Sprache. Gelegentlich verhaspelt sich Sammer in den Umschreibungen und Umschreibungen der Begebenheiten, oft musste ich sie immer wieder und wieder lesen, um auch wirklich jede Bedeutung fassen zu können. Es ist anstrengend, aber es lohnt sich dranzubleiben, denn dieses Buch ist ein Kleinod an Poesie und literarischer Sprache, welches mir doch durch seine besagten Schwächen gefallen hat.


Fazit

Eine kleine zarte melancholische Novelle mit ihren Stärken und Schwächen. Nichts für schnell zwischendurch. Ein Buch für das man sich Zeit lassen muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2021

Interessant und langatmig

Flucht nach Patagonien
0

Klappentext von der Verlagsseite:


„Ich liebe Anfänge. Anfänge erfüllen uns mit Erstaunen.“ Eugenia Errázuriz Februar 1937: Eugenia Errázuriz, die einflussreichste Kunstmäzenin der Pariser Moderne, hat ...

Klappentext von der Verlagsseite:


„Ich liebe Anfänge. Anfänge erfüllen uns mit Erstaunen.“ Eugenia Errázuriz Februar 1937: Eugenia Errázuriz, die einflussreichste Kunstmäzenin der Pariser Moderne, hat die Karrieren von Coco Chanel, Pablo Picasso und Blaise Cendrars gefördert. Jetzt lädt sie den jungen jüdischen Innenarchitekten Jean-Michel Frank auf eine Reise nach Patagonien ein. Sie hat ihr gesamtes Vermögen in den Bau des ersten Grandhotels der Anden investiert, das ihn weltweit bekannt machen soll. In Wahrheit ist dieses Projekt am südlichsten Ende der Erde aber ihre gemeinsame Flucht aus Europa, das sie von Hitler und dem Nationalsozialismus bedroht sieht. Jana Revedin erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Paris, Patagonien, Buenos Aires und New York.


Autoreninfo von der Verlagsseite:


Jana Revedin, geboren 1965 in Konstanz, ist Architektin und Schriftstellerin. Nach dem Studium von Architektur und Städtebau in Buenos Aires, Princeton und Mailand promovierte und habilitierte sie an der Universität Venedig und ist heute ordentliche Professorin für Architektur und Städtebau an der Ecole Spéciale d´Architecture Paris. 2018 erschien ihr Bestseller über Ise Frank, „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“, 2020 ihr Roman “Margherita” über die Renaissance Venedigs in den 1920er Jahren, der ebenfalls zum Bestseller wurde. Sie lebt in Venedig und Wernberg in Kärnten.


Erster Satz:


Am achten Tag ihrer Überfahrt holte Jean ein neues rotes Kassenbuch aus seiner Aktentasche und legte es vor sich auf den Tisch.


Meinung:


Jana Revedin entführt uns mit “Flucht nach Patagonien”in drei Teilen in die Zeit von 1937. Es ist die Zeit des Nationalsozialismus in Europa und die bekannte Kunst-Mäzenin Eugenia Errázuriz, der es vor den Nationalsozialisten graut, versucht den jungen jüdischen Innenarchitekten Jean-Michel Frank nach Patagonien in Sicherheit zu bringen.


Der erste Teil erzählt von der Überfahrt nach Patagonien mit dem Postschiff und erzählt hauptsächlich von Franks Leben vor 1937. Wie er Errázuriz kennengelernt hat, wie sie ihn und andere gefördert hat. Dieser Teil hat mir sehr gut gefallen, zeigt er doch die Verletzlichkeit von Jean-Michel Frank, der ein Onkel von Anne Frank ist, und gibt wunderschön, die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Paris wieder. Außerdem werden viele berühmte Persönlichkeiten vorgestellt, denn Errázuriz fördert sie fast alle: Coco Chanel, Blaise Pascal oder Pablo Picasso. Jean-Michel Frank reiht sich dort ein und er wird ein bedeutender Innenarchitekt. So schön wie die Sprache ist, so langatmig ist auch der erste Teil. Bis ins Kleinste wird seine Profession beschrieben. Zugegeben, viele mag es interessieren, aber mich hat es stellenweise gelangweilt. Da hilft auch nicht das Namedropping oder die melodische Sprache, die auf der einen Seite so gut die Stimmung der Zeit wieder gibt und auf der anderen Seite so distanziert ist, dass einem die Charaktere einfach nicht nahekommen. Für mich ein Manko.


Der zweite Teil, auf dem ich mich nach dem schleppenden ersten Teil so gefreut hat, da das Schiff endlich in Buenos Aires und Patagonien angekommen ist, hat mich enttäuscht. Wieder unheimlich viel Namedropping, wieder viel Architektur. Alles sicher interessant, aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich hätte mir mehr Zeitgeschehen, mehr Historie gewünscht, wie die Leute denken, über den drohenden Krieg und nicht ein Name nach dem anderen. Das hat mir eindeutig gefehlt und leider wurde es auch im letzten Teil nicht besser.


Der letzte Teil erzählt von Jean-Michel Franks Leben nach 1937. Dieser Teil hätte ich sehr interessant gefunden, so war ja eine herausragende Persönlichkeit mit seinem Minimalismus in der Innenarchitektur und seiner Fluchthilfe für Juden im dritten Reich, aber er war viel zu knapp. Leider kam mir dieser Teil wie ein Bericht vor, als ob man schnell fertig werden wollte und es wurde auch nicht mit Namedropping gespart. Dabei wird hier der Stil wieder besser, er stellenweise wieder melancholisch und ich spürte die bedrückende Stimmung, die die Nationalsozialisten und der Krieg mit sich bringen. Aber es war mir zu wenig, um mich zu überzeugen.

Gerade das Namedropping hat mich gestört. Nichts dagegen, dass die Namen erwähnt werden, wenn sie zur Handlung etwas beitragen, aber viele wurden einfach nur genannt, ohne dass sie für Frank oder Errázuriz im Laufe der Handlung von Belang gewesen wären, oder etwas für den Fortgang der Geschichte wichtiges beigetragen hätten.


Ein Plus ist der Epilog, der mir zeigte, was aus den einzelnen Namen geworden ist und auch die Literaturliste am Ende des Buches ist interessant.


Ein Highlight ist das Cover, was eine Frau an der Reling zeigt. Es schlicht gehalten und hat mich auch direkt angesprochen und macht auch Lust auf das Buch, da ich glaubte, einen spannenden Roman vorzufinden. Stattdessen bekam ich einen gut recherchierten Roman über die berühmten lebenden Personen der Zeit, einiges an Kunstverständnis und eine Handlung, die zwar stellenweise schön erzählt war, aber mich nicht überzeugen konnte.


Fazit


“Flucht nach Patagonien” von Jana Revedin ist ein ruhiger, melancholischer und stellenweise langatmiger Roman für Kunst- und Architekturinteressierte, aber nichts für jemanden, der sich für historische Begebenheiten aus der Zeit der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts interessiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere