Profilbild von Yeirah

Yeirah

Lesejury Profi
offline

Yeirah ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Yeirah über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2020

Wenn Wissen zur Gefahr wird...

Die Wahrheit
1

»Die Wahrheit« von Sam Bourne ist der vierte Band mit Maggie Costello, ehemalige Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Zwar enthält der Thriller ein paar Anspielungen rund um Maggies Vergangenheit, er kann ...

»Die Wahrheit« von Sam Bourne ist der vierte Band mit Maggie Costello, ehemalige Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Zwar enthält der Thriller ein paar Anspielungen rund um Maggies Vergangenheit, er kann jedoch unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden.

Ist es möglich, die Vergangenheit der Menschheit auszulöschen? Ihr jegliches Wissen zu nehmen, um einer neuen Wahrheit ins Auge blicken zu können?
Was mit der Ermordung eines Historikers begann, gipfelt nur allzu bald in Vernichtung und Tod. Bibliotheken auf der ganzen Welt gehen in Flammen auf, moderne Kommunikationswege werden abgeschnitten und Zeitzeugen ermordet. Maggie Costello sieht sich mit einer Verschwörung konfrontiert, die sie an ihre Grenzen bringt. Ob sie es schaffen wird, die Drahtzieher zu entlarven und das Wissen der Menschheit zu schützen?

Mit erschreckender Aktualität beleuchtet Bourne, wie einfach die Wahrheit infrage gestellt werden kann. Für diesen Zweck hat Bourne vor allem mit William Keane und Crawford McNamara zwei Charaktere geschaffen, die mit rhetorischer Brillanz die Wahrheit zu ihren Gunsten auslegen können. In Folge ihrer Ermittlungen trifft Maggie auf beide Männer und kommt der Verschwörung rund um die Anschläge immer näher. Dabei gerät sie in den Fokus der Gruppierung und droht, für immer aus dem Spiel genommen zu werden – doch Maggie gibt nicht auf.
Hier sind wir auch schon bei der starken Hauptprotagonistin angelangt, die mit ihren Ecken und Kanten sehr authentisch wirkt. Dennoch bleibt sie im Verlauf des Thrillers für meinen Geschmack ein wenig blass. Maggie hat als Protagonistin viel Potenzial und viel Persönliches aufzuarbeiten, doch diese privaten Konflikte werden nur angerissen, wenn es eben gerade passt. Im Vordergrund stehen natürlich die Ermittlungen.
Abgesehen von Keane und McNamara, die zwar innerhalb des Thrillers nicht viele Seiten einnehmen, aber dennoch immer präsent sind, bleiben auch die anderen Charaktere leider unnahbar. Für Maggie taucht eine ehemalige Liebe auf, ihre Schwester Liz bleibt eine Stimme am Telefon und weitere Agenten und Politiker erhalten wenig Raum.

Trotz dieser kleinen Kritikpunkte kann »Die Wahrheit« mit einer spannenden Atmosphäre aufwarten. Zu anfangs dauert es, bis der Leser sich ganz auf das Geschehen einlassen kann, doch dann entfaltet sich durch Bournes flüssigen Schreibstil eine wahre Prosa. Da klingt dann auch das Abbrennen einer Bibliothek wie Poesie, auch wenn gleichzeitig das Leserherz weint. Sehr interessant ist zudem, dass in einigen Zwischenkapiteln immer neue Aspekte über die geheimnisvolle Organisation ans Tageslicht kommen – und dieses Wissen wird Maggie vorenthalten!

»Die Wahrheit« war für mich eine tolle Unterhaltung mit aktuellem Thema, dessen Realitätsbezug mir manches Mal den Atem geraubt hat. Das Ende konnte mit einer überraschenden Enthüllung aufwarten und hat einen die Handlung noch einmal rekapitulieren lassen. Für mich hat teilweise der richtige Nervenkitzel eines Thrillers gefehlt, dennoch kann ich für Sam Bournes eine Empfehlung aussprechen.

  • Cover
  • Handlung
  • Thema
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 08.08.2019

»Bücher berühren die Seele«

Das Glück hat viele Seiten
1

In ihr Heimatdorf in der Eifel wollte Hannah auf keinen Fall zurückkehren! Dieses Leben hat sie vor langer Zeit hinter sich gelassen – bis ihr Tante Marlies ihren Buchladen vererbt. Mit dem Geschäftsmann ...

In ihr Heimatdorf in der Eifel wollte Hannah auf keinen Fall zurückkehren! Dieses Leben hat sie vor langer Zeit hinter sich gelassen – bis ihr Tante Marlies ihren Buchladen vererbt. Mit dem Geschäftsmann Ben findet sich zum Glück schnell ein Käufer und Hannah ist die Verantwortung los. Doch der regionale Buchclub, bestehend aus vier taffen, älteren Damen, ist entsetzt von dem bevorstehenden Verkauf.
Wird es Hannah gelingen, den Buchladen zurückzuerobern? Und welche Pläne hat der attraktive Ben mit dem Geschäft?

Mit einem wunderbar flüssigen Schreibstil lockt Ella Zeiss in die Gedankenwelt der Hautprotagonistin Hannah. Schnell findet sich der Leser in der chronologischen Handlung zurecht und fiebert den nächsten Ereignissen entgegen. Leider bewahrt sich die junge Frau ein naives Verhalten, welches ihre Versuche, den Buchladen zurückzugewinnen, leicht kindisch wirken lässt. Zwar sorgen in diesem Rahmen einige Szenen für Schmunzler, doch Hannah als Person sorgt mindestens genauso für ein Kopfschütteln. Innerhalb des Romans findet kein charakterliches Voranschreiten der Protagonistin statt, im Gegenteil; immer wieder begeht sie dieselben Fehler, ohne daraus zu lernen.

Zwischen Hannah und dem Geschäftsmann Ben sprühen nur allzu bald die Funken. Hin- und hergerissen zwischen der aufkeimenden Leidenschaft und Bens Zielen für den Buchladen, liefern sich beide kreative Machtkämpfe. Somit nimmt Ben den Part des Gegenspielers ein, der trotz seiner Pläne und seines Sturkopfes dennoch mehr Sympathien wecken kann als Hannah. Sein Verhalten wirkt authentischer als Hannahs, doch leider bleiben die Hintergründe beider Protagonisten recht vage.

Gut gelungen ist die Atmosphäre innerhalb des Dorfes: Voller Tatendrang halten die Bewohner zusammen und vermitteln ein Gemeinschaftsgefühl, das berührt. Auch die Damen des Buchclubs tragen, trotz fragwürdiger Verschwörungen, zu diesem Gefühl bei. Vor diesem Hintergrund versöhnt vor allem das Ende des Romans, das mit einer unerwarteten Überraschung aufwarten kann.

Ella Zeiss hat somit einen leichten, unterhaltsamen Roman für Bibliophile geschaffen. Eine kleine Hommage an die Magie der Bücher, die Menschen zusammenbringt. Dennoch schaffte es die Hauptprotagonistin nicht immer, mich zu überzeugen; ihre Magie blieb leider blass.

  • Cover
  • Geschichte
  • Lesespaß
  • Figuren
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.04.2019

Das "Licht im Dunkeln" lässt auf sich warten...

Dunmor Castle - Das Licht im Dunkeln
1

Eins hatte die junge Designerin Lexie Cavendish definitiv nicht erwartet, als sie im Auftrag ihres Chefs nach Irland reist. Die Umgebung kommt ihr seltsam vertraut vor, genauso wie das Anwesen Dunmor Castle, ...

Eins hatte die junge Designerin Lexie Cavendish definitiv nicht erwartet, als sie im Auftrag ihres Chefs nach Irland reist. Die Umgebung kommt ihr seltsam vertraut vor, genauso wie das Anwesen Dunmor Castle, das sie renovieren soll. Liegen hier Hinweise auf ihre Wurzeln vergraben? Als Vollwaise sucht die junge Frau schon lange nach ihrer eigenen Vergangenheit. Ausgerechnet in Cerigh überrennen sie die Erinnerungen und quälende Alpträume plagen Lexie. In dem kleinen Dörfchen scheint jeder etwas über sie zu wissen; nur nicht sie selbst.

Mit "Dunmor Castle – Das Licht im Dunkeln" hat Kathryn Taylor einen spannenden Roman geschaffen, der in einem zweiten Band fortgeführt wird. Von Beginn an deckt man gemeinsam mit Lexie Stücke ihrer Vergangenheit auf und versucht, einen Blick hinter die Masken der Dorfbewohner zu erhaschen. Immer wieder werden geheimnisvolle Anspielungen laut, doch ein eindeutiges Bild lässt sich nicht zusammensetzen. Wer sagt wirklich die Wahrheit? Und wer nutzt das Vertrauen der jungen Frau nur aus?
Auch Grayson Fitzgerald, Lexies beruflicher Gegenspieler, sorgt für jede Menge Rätsel. Dass zwischen den beiden die Funken sprühen, wird von Anfang an klar. Dennoch verhält sich der erfolgreiche Geschäftsmann sehr sprunghaft. Im einen Moment ist er die Freundlichkeit in Person und im anderen misstraut er Lexie zutiefst.

Dennoch schafft es Kathryn Taylor, diese vermeintlichen Widersprüche unter einen Hut zu bekommen. Der wundervoll flüssige Schreibstil sorgt für einen stetigen Lesefluss und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Sehr bildlich wird das Dorf Cerigh beschrieben, sodass man sich selbst schon fast in Irland wähnt.

Besonders erwähnenswert an "Das Licht im Dunkeln" ist die aufkommende Spannung. Gemeinsam mit Lexie versucht der Leser zu erkunden, wer nun vertrauenswürdig ist und wer nicht. Es wird mitgefiebert, mitgelitten und wer gerne Verschwörungstheorien entwickelt, ist hier genau an der richtigen Stelle. Geschickt werden immer wieder neue Informationen eingebaut, dem Geheimnis kommt man dennoch nicht näher. Das macht "Das Licht im Dunkeln" zu einem wunderbar spannenden Roman, der den Leser atemlos zurücklässt; verzweifelt auf die Fortsetzung wartend!

Doch genau dies kann auch als Manko an der Handlung gedeutet werden. Zwar bekommt der Leser immer wieder winzige Informationsbrocken und versucht, diese zu einem Bild zusammenzusetzen, doch das Bild ist schwer zu fassen. Was diesem Roman seine Spannung verleiht, kann genauso gut schnell frustrierend wirken: Immer wieder werden wichtige Gespräche auffällig unterbrochen, keiner wagt es, zu viel zu sagen… und -schwupps!- ist der Leser am Ende, ohne auch nur ein kleines Geheimnis gelüftet zu haben. Für mich persönlich sind das zu viele, unbeantwortete Fragen. Wenigstens einen kleinen Happen, ein kleines "Licht im Dunkeln", hätte ich mir gegen Ende gewünscht.

Nichts desto trotz ist "Dunmor Castle – Ein Licht im Dunkeln" ein besonderer, empfehlenswerter Roman. Die liebevollen Beschreibungen, wundervollen Spannungsmomente und das bunte Rätselraten macht diesen Roman zu einem absoluten Lesevergnügen. Band zwei erscheint voraussichtlich im August 2019.

  • Cover
  • Geschichte
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Gefühl
Veröffentlicht am 03.02.2019

Viele Geheimnisse wiegen schwer...

Das kleine Theater am Meer
1

Mit 33 Jahren wagt Faye einen Sprung ins kalte Wasser: Nach der Trennung ihres Freundes und dem Abschluss ihres Studiums nimmt sie kurzerhand das Angebot ihrer Schulfreundin Charlotte an, ein paar Tage ...

Mit 33 Jahren wagt Faye einen Sprung ins kalte Wasser: Nach der Trennung ihres Freundes und dem Abschluss ihres Studiums nimmt sie kurzerhand das Angebot ihrer Schulfreundin Charlotte an, ein paar Tage auf Sardinien zu verbringen. Doch was wie ein Urlaub beginnt, entwickelt sich bald zu einem Job, der sich in Fayes Herz schleicht. Sie soll das Theater der kleinen Stadt Deriu renovieren, nicht wissend, dass die Bewohner davon alles andere als begeistert sind. Denn jeder von ihnen scheint ein Geheimnis zu haben, das er um jeden Preis bewahren will…

"Das kleine Theater am Meer" erweckt zuerst den Eindruck einer leichten Sommerlektüre. Doch wer denkt, dass sich dieser Roman in die Kategorie "Liebesroman" einordnen lässt, liegt weit daneben! Abwechselnd aus den Sichten von Faye und ihren Eltern erzählt, begleitet man die Protagonisten entweder in das sonnige Sardinien oder das windige West Dorset. Wer anfangs noch lieber bei Faye in Sardinien geblieben wäre, fängt bald an, der Nebenhandlung entgegenzufiebern.

Auf Sardinien wird Faye als Innenarchitektin damit beauftragt, ein altes Theater zu restaurieren. Dort trifft sie nicht nur auf den launischen Besitzer Alessandro und dessen zurückhaltende Schwester Marisa, sondern auch auf den ehemaligen Schauspieler Pasquale, der schrullige Angewohnheiten zu pflegen scheint. Wenig verwunderlich trifft Faye auf Probleme, was sowohl die Renovierung als auch Alessandro anbelangt.
Der eigentlich interessantere Handlungsstrang findet allerdings in West Dorset statt. Sehr überraschend erfährt Faye, dass ihre Eltern beschlossen haben, sich nach Jahrzehnten der Ehe zu trennen. In wechselnden Kapiteln erfährt der Leser, wie es zum Auseinanderleben von Ade und Molly kam. Missverständnisse, Geheimnisse und auch eine gesunde Portion Egoismus haben dazu beigetragen, dass beide entschlossen sind, von nun an getrennte Wege zu gehen. Für mich einmal ein erfrischend neuer Ansatz, denn viele Romane bieten lediglich eine Perspektive: Das Kennenlernen und anschließende Zusammenkommen eines Paares; nicht jedoch, wie es ist, Jahrzehnte zusammen zu verbringen, nur um irgendwann festzustellen, dass man vom Partner ein ganz falsches Bild hat.

Somit ist die Gesamthandlung glaubwürdig, auch wenn sich einige Verhaltensweisen der Charaktere hinterfragen lassen. Diese werden zwar in einem recht übereilten Schluss aufgeklärt und wirken im Kontext auch logisch, doch zufrieden ist der Leser damit trotzdem nicht. Hatte man zuvor einen recht ausführlichen und etwas langsameren Mittelteil, so wird im Schluss alles rasant aufgelöst. Ein Ereignis folgt auf das andere, alte Geheimnisse kommen verstaubt ans Tageslicht und dann ist die letzte Seite auch schon gelesen.
Auch der angehauchte Theaterumbau hätte meiner Meinung nach mehr Ausführlichkeit verdient, denn was eigentlich als Haupthandlung wahrgenommen wird, läuft mehr oder weniger still im Hintergrund ab.

Allerdings werden die Schwachstellen der Handlung von einem leichten und sehr bildlichen Schreibstil abgeschwächt. Die wunderschönen, landschaftlichen Beschreibungen der Autorin lassen ein südländisches Flair vor dem inneren Auge entstehen und nebenbei lernt man auch noch jede Menge über sardische Gerichte. Durchaus angemessen für eine schöne Sommerlektüre, die nicht in dieses Raster passen mag.

"Das kleine Theater am Meer" mag keine typische, seichte Sommerlektüre sein, doch mit ganz neuen Handlungsperspektiven und zauberhaften Beschreibungen entführt sie dennoch in das malerische Deriu. Rätselhafte Charaktere tragen dabei schwer an ihren Geheimnissen und lüften diese in einem abrupten Ende, das etwas mehr Ausführlichkeit vertragen hätte. Für Leser, die auf der Suche nach guter Unterhaltung sind, ein solider Roman mit gut ausgearbeiteten Charakteren, die (beinahe) zu schnell ans Herz wachsen.

  • Cover
  • Geschichte
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2017

"Eine Ermittlung braucht Ermittler"

Harte Landung
1

Eckdaten

Titel: Harte Landung
Autor: Ellen Dunne
Verlag: Insel Verlag; Auflage: Originalausgabe (7. August 2017)
Seitenzahl: 441 Seiten
Preis Taschenbuch: 10,95 €

Klapptext

"Carolin Höller, Top-Managerin ...

Eckdaten

Titel: Harte Landung
Autor: Ellen Dunne
Verlag: Insel Verlag; Auflage: Originalausgabe (7. August 2017)
Seitenzahl: 441 Seiten
Preis Taschenbuch: 10,95 €

Klapptext

"Carolin Höller, Top-Managerin bei der erfolgreichen Online-Tauschbörse Skiller, hat alles: Musterkarriere. Musterehe. Musterkinder. Bis man sie unterhalb ihres Bürofensters tot auffindet. Schnell ist klar: Sie ist nicht freiwillig gesprungen. Immer tiefer gräbt sich Patsy in Carolins Leben und die Strukturen von Skiller, stößt auf Lügengebäude und hohle Fassaden. Erst recht, als man sie ins Skiller-Hauptquartier nach Dublin schickt. Ausgerechnet in die Stadt, um die sie seit dem Selbstmord ihres Vaters einen großen Bogen macht. Kein gutes Omen. Und prompt überschlagen sich die Dinge …

Harte Landung ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe um Hauptkommissarin Patsy Logan. Schlagfertig und eigensinnig liefert die »Frau der Stunde« Ergebnisse – mit klarem Verstand, trockenem Humor und einem Instinkt, der niemandem unheimlicher ist als ihr selbst."

Cover

Das ernste Cover des Kriminalromans mit den goldenen Lettern „Harte Landung“ ist nicht nur auf den ersten Blick schön anzusehen, sondern hat im Nachhinein mehr mit dem Inhalt gemein, als man ahnt. Nicht nur, dass sich der abgebildete Brunnen in München befindet, nein, gleichzeitig wird der Spruch „außen hui und innen pfui“ sehr gut verbildlicht. Was das bedeuten soll? Lest selbst!


Patsy Logan, deutsch-irische Hauptkommissarin beim Münchner LKA, wird nicht nur mit einem Fall konfrontiert, der neben knallharter Ermittlungstaktik auch Fingerspitzengefühl erfordert, sondern hat auch mit einem turbulenten Privatleben zu kämpfen.
Der Fall „Carolin Höller“ erweckt internationale Aufmerksamkeit, droht er doch den bevorstehenden Börsengang des Online-Unternehmens Skiller in eine Pleite zu verwandeln; und gleichzeitig fühlt sich Patsy von diesem Fall seltsam berührt. Mitten in einem Kampf um die Wahrheit droht ihr ihre Unfähigkeit, ein Kind zu empfangen, die Kontrolle zu entreißen. Der Druck ihres Ehemannes Stefan, die Lügenkonstrukte rund um Skiller und die unangenehme Rückkehr nach Dublin stellen die Ermittlerin vor mehr Herausforderungen, als eine taffe Frau ertragen kann – könnte man meinen.
Denn Patsy wäre nicht Patsy, würde sie sich nicht mit ihrem einzigartigen Humor und ihrer Schlagfertigkeit durch eine von Männern dominierte Branche kämpfen, um an die Wahrheit zu gelangen.


Die Haupthandlung beinhaltet parallel mehrere Stränge. Vordergründig natürlich der Fall Carolin Höller, doch auch Patsys Eheprobleme werden ebenso behandelt wie ihre schwierige Kindheit. Diese Kindheit wird im zweiten Handlungsort Dublin aufgerollt, der neben München ein entscheidender Schauplatz für die polizeilichen Ermittlungen ist. Dort trifft Patsy auf den charismatischen Iren Ben Ferguson, der sie bei ihren Ermittlungen unterstützen soll.

Begleitet man Patsy bei ihren Ermittlungen bis zum bitteren Ende, so fällt auf, dass keinerlei Widersprüche innerhalb der Handlung erkennbar sind. Die Charaktere wirken in ihrer Handlung absolut authentisch, was gerade durch kleine Details verdeutlicht wird, die immer mal wieder im Geschehen auftauchen.
So haucht Ellen Dunne mit viel Geschick ihren Protagonisten Leben ein und gibt ihnen gleichzeitig einige Schwächen mit auf den Weg, die das Identifikationsgefühl des Lesers verstärken.
Darüber hinaus wird dem Leser am Ende ein gewisser Spielraum zugestanden, der ihm erlaubt, selbst über Motiv und Absicht des Täters nachzudenken.

Aber nicht nur die rasante Handlung lässt einen das Buch kaum mehr aus der Hand legen, sondern auch der fesselnde Schreibstil, welcher durch strukturierte Klarheit besticht. Gekonnt wird Spannung aufgebaut, bildliche Vergleiche regen die Vorstellungskraft an und spritzige Dialoge bringen einen zum Schmunzeln (dabei bleibt Patsy natürlich die „Frau der Stunde!).


Ellen Dunne hat mit „Harte Landung“ einen spannenden Kriminalroman mit authentischen Charakteren geschaffen, die nicht nur der Gerechtigkeit wegen kämpfen, sondern auch um sich selbst. Das Ermittlerteam rund um Patsy Logan lässt auf weitere, abenteuerreiche Nachfolgebände hoffen, die nicht nur das Herz des Krimi-Liebhabers höher schlagen lassen; sie bringen auch den Menschen dazu, nachzudenken.

An dieser Stelle vielen Dank an den Insel-Verlag für das zur Verfügung gestellte Buch und an Ellen Dunne, die eine tolle Autorenbegleitung war!