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Veröffentlicht am 05.11.2017

Die Magie der Worte erreicht nicht jeden...

Bird and Sword
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Eckdaten

Titel: Bird and Sword
Autor: Amy Harmon
Verlag: LYX-Verlag (26. Oktober 2017)
Teil 1 der Bird-and-Sword-Reihe, Band 2 „The Queen and the Cure“

Klapptext

Ein Mädchen ohne Stimme.
Ein König ...

Eckdaten

Titel: Bird and Sword
Autor: Amy Harmon
Verlag: LYX-Verlag (26. Oktober 2017)
Teil 1 der Bird-and-Sword-Reihe, Band 2 „The Queen and the Cure“

Klapptext

Ein Mädchen ohne Stimme.
Ein König in Ketten.
Ein Fluch, der sie vereint.

Mit fünf Jahren musste Lark mit ansehen, wie ihre Mutter vor ihren Augen hingerichtet wurde. Mit dem letzten Atemzug nahm sie ihrer Tochter die Stimme und die Macht der Worte. Denn Magie ist eine Todsünde in Jeru. Dreizehn Jahre später erscheint der junge König Tiras am Hof von Larks Vater, um diesen an seine Treuepflicht im Krieg zu erinnern. Er nimmt die stumme junge Frau als Geisel mit sich. Zunächst fürchtet Lark den König, doch sie merkt schnell, dass Tiras ebenso wenig frei ist wie sie und dass die Liebe womöglich die einzige Waffe ist, die ihrer beider Ketten sprengen kann -

Cover

Das in sanften Gelb- und Goldtönen gehaltene Cover zeigt eine junge Frau, umgeben von fliegenden Federn. In Anbetracht der derzeitigen Fantasybranche kein ungewöhnliches Cover, zieren doch zuhauf Mädchen in schönen Kleidern die Vorderseite eines verheißungsvollen Romans.
Bei „Bird and Sword“ kann man diesem Bild dennoch eine Bedeutung zukommen lassen; wer das Buch aufmerksam verfolgt, wird vielleicht bemerken, welche Szene hier dargestellt wird…

Einschätzung

Die sprachlich wunderbar gestaltete Leseprobe verspricht einen interessanten Fantasyroman, der magische Elemente der neuen Art mit kriegerischer Spannung vereint. Kann „Bird and Sword“ dieser Erwartung gerecht werden?

Mit der stummen Hauptprotagonistin Lark wird der Leser in das Geschehen eingeführt und lernt eine liebenswerte, junge Frau kennen, die ihre eigenen Prinzipien zugunsten der der anderen zurückstuft. Aufgewachsen wie ein Vogel in einem Käfig hat sie sich so eine gewisse Naivität bewahrt, die mit der eines unschuldigen Kindes zu vergleichen ist. Aus der Ich-Perspektive geschildert, vernehmen wir Larks Gedanken und Eindrücke, die ihre Stummheit zu keinem störenden Faktor machen.
Neben Lark zählt auch König Tiras als wichtiger Charakter, wobei sich bei ihm die Geister scheiden. Einmal verständnisvoll und geduldig, wirkt er im nächsten Moment wie der typische, verstockte Steinzeitmann, der weder seine Gefühle nachvollziehen kann, noch ehrenhaft mit seinen Mitmenschen umgeht.
Daher sind es die Nebencharaktere, welche der Geschichte ihren Reiz verleihen. Der Troll Boojohni oder auch Tiras‘ Gefolgsmann Kjell wecken das Interesse des Lesers und lassen einen wünschen, mehr über diese Gestalten zu erfahren. Leider bleiben beide schlichte Randgestalten und dienen nur der näheren Charakterisierung der Hauptprotagonisten, die dennoch nicht überzeugend wirkt.
Wer gerade bei der kindlich dargestellten Lark eine charakterliche Entwicklung erwartet, wird enttäuscht werden. Auch von Tiefe kann bei diesen Protagonisten nicht gesprochen werden, denn trotz Ich-Perspektive erfährt man wenig über die wahre Gefühlswelt der jungen Frau.

Die Idee, welche hinter der Magie der Worte schlummert, ist eine faszinierende. Worte, welche die Macht haben, zu schaden oder zu heilen. Verschiedene Arten der Magie, die das Land Jeru bestimmen – und die dennoch im Geheimen ausgeübt werden müssen. Ein Krieg, der Tiras‘ Königreich zu vernichten droht. Vielversprechende Ansätze sind da. Die Umsetzung gelingt nicht immer.

Die Erwartung eines Fantasyepos à la Brooks oder Rothfuss ist an dieser Stelle nicht angebracht, führt sie doch nur zu Enttäuschung, wie es bei mir der Fall war. Anstatt eines spannend umgesetzten Kampfes um das Heimatland der Bewohner, bekommt der Leser eine Geschichte serviert, die sich hauptsächlich an zwei Charakteren orientiert. Von der näheren Beschreibung des geheimnisvollen Landes Jeru fehlt leider jede Spur, Handlungsstränge erscheinen vorhersehbar und plotholes führen zu irritierten Rückfragen, die nie aufgelöst werden. Immer wieder bekommt der Leser Informationen zugespielt, die er für wichtig hält; Anspielungen, die auf Kosten der Haupthandlung jedoch nie vollständig erläutert werden.

Dabei hätte „Bird and Sword“ so viel Potenzial! Der schöne Schreibstil Amy Harmons garantiert einen stetigen Lesefluss und bildreiche Vorstellungen. Es scheitert an der Planung einer unausgereiften Fantasywelt.
Harmon, die sonst für ihre gefühlvollen Liebesromane bekannt ist, hat einen wenig überzeugenden Ausflug in die Welt der Fantasy gewagt. Keineswegs als schlecht abzustempeln, kann dieser Roman durchaus unterhalten – doch die Errichtung einer Fantasiewelt benötigt Zeit und überlegte Planung, die hier leider nicht zu spüren war…

Wer mit den richtigen Erwartungen an „Bird and Sword“ herangeht, wird durchaus unterhalten werden und eine kurzweilige Lesezeit vollbringen. Meine Erwartungen waren wohl die falschen, aber vielleicht schafft es Harmon, mich mit einem anderen Buch zu verzaubern... nur wird es bei mir nicht „Bird and Sword“ sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Fantasie
  • Gefühl
Veröffentlicht am 31.10.2017

Wenig überzeugende Schatzjagd nach Indien

IMMORTAL - DER UNSTERBLICHE
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Eckdaten

Titel: IMMORTAL – Der Unsterbliche
Autor: Krishna Udayasankar
Verlag: Luzifer-Verlag (31. Oktober 2017)
Preis: 2,99 € (eBook), 13,95 € (Taschenbuch) à 400 Seiten

Inhalt

Ein Professor, der nicht ...

Eckdaten

Titel: IMMORTAL – Der Unsterbliche
Autor: Krishna Udayasankar
Verlag: Luzifer-Verlag (31. Oktober 2017)
Preis: 2,99 € (eBook), 13,95 € (Taschenbuch) à 400 Seiten

Inhalt

Ein Professor, der nicht sterben kann, auf der Suche nach dem Stein der Weisen…

Als Krieger namens Asvattama geboren, verbüßt der heutige Professor Bharadvaj die Strafe des ewigen Lebens. Mit der Annahme verschiedener Identitäten verdingt er sich nun als Historiker, welcher es aufgegeben hat, das Geheimnis hinter seiner Unsterblichkeit lüften zu wollen.
Doch plötzlich steht die junge Maya Jervois vor seiner Tür, die ihn mit nichts anderem beauftragt, als nach dem Stein der Weisen zu suchen – dem Stein, der das Rätsel seines Daseins lösen könnte.
Eine Schatzjagd voller Gefahren beginnt, denn der Professor und Maya sind nicht die Einzigen, die das Geheimnis des „Varja“ lüften wollen…

Cover

Das in recht dunklen Tönen gehaltene Cover verspricht eine Geschichte voller Abenteuer und Geheimnisse. Durch die indisch angemuteten Ornamente und Gebäude im Hintergrund fühlt man sich sofort nach Indien versetzt. Ein schönes Cover voller Mystik!

Einschätzung

Ein zynischer Professor der nicht altert, skrupellose Gegner und eine Schatzjagd, die einen mit glänzenden Augen an Gold denken lässt…
Nicht zuletzt wegen besagter Schatzjagd und dem indischen Setting habe ich mich an „IMMORTAL“ gewagt, denn beides hat mich schon immer fasziniert.

Mit einem recht brutalen Prolog landet der Leser direkt im Geschehen und lernt den Professor kennen, welcher sich aus einer brenzligen Situation befreit. Schon von Beginn an fallen die komplizierten Orts- und Götternamen ins Auge, die sich durch den gesamten Roman ziehen. Eine gute Gelegenheit, um mehr über Indiens Götterwelt zu recherchieren – doch mit der Zeit wird der Lesefluss dadurch gewaltig gehemmt.

Die Charaktere, neben dem Professor vor allem Maya Jervois und Manohar, konnten mich in ihrer Authentizität nicht überzeugen. Bharadvaj, der gerne über sein viertausend Jahre andauerndes Leben philosophiert und komplizierte Zusammenhänge in Sekunden herstellt, bekommt durch diese Charakterzüge nicht nur den Hauch eines amerikanisierten Bad Boys, sondern wirkt durch seine Überlegenheit auch sehr arrogant. Nur zu gerne lässt er seine Mitreisenden darüber rätseln, wo die nächsten Teile des „Varja“ zu finden sind. Und trotz seiner langen Lebensspanne sowie der daraus resultierenden Menschenkenntnis zweifelt er keine Sekunde an der Ehrlichkeit Maya Jervois‘.
Eben genannte konnte bei mir keine Sympathie erringen. Aufgrund ihres Berufs hatte ich mir eine toughe Frau erhofft, die sich selbst zu helfen weiß. Allerdings vermittelt Jervois eher den Eindruck einer angegriffenen Diva, die mit Manohar um die Gunst des Professors konkurriert und sich bissige Wortgefechte liefert…
Als Mitarbeiter/Freund von Bharadvaj konnte Manohar noch die meisten Sympathiepunkte erringen. Er versteht seinen Job und wirkt kompetent, bis er sich auf das Gunstgerangel mit Jervois einlässt.

Die Gesamthandlung weist durchweg einen roten Faden auf und ist dank des flüssigen Schreibstils mit einigen Spannungsmomenten gespickt. So war die Jagd nach dem Stein der Weisen durchaus interessant und auch das Setting der alten, indischen Tempel konnte positiv überraschen. Doch die schnellen Schlussfolgerungen des Professors, gefolgt von häufigen Rückblenden in seine Vergangenheit, lassen den Leser oft verwirrt zurück.

In der Tat sind die Grundansätze von „IMMORTAL – Der Unsterbliche“ nicht schlecht. Mit einer interessanten Idee und einem schönen Setting hat Krishna Udayasankar die richtigen Grundbausteine gelegt. Leider konnten mich weder Charaktere noch Umsetzung der Handlungsstränge wirklich überzeugen.
Ein teilweise unterhaltsamer Ausflug in die indische Götter- und Schatzwelt, daher von mir 2/5 Sternen.

Veröffentlicht am 02.10.2017

Nicht alles, was glitzert, ist Gold...

The Promise - Der goldene Hof
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Titel: „The Promise – Der Goldene Hof“
Autor: Richelle Mead
Verlag: ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG (29. September 2017), 592 Seiten à 18,00 €
Erster Teil der Reihe „The Glittering Court“; Zweiter ...

Titel: „The Promise – Der Goldene Hof“
Autor: Richelle Mead
Verlag: ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG (29. September 2017), 592 Seiten à 18,00 €
Erster Teil der Reihe „The Glittering Court“; Zweiter Band „The Midnight Jewel“

Klapptext

Der Goldene Hof verspricht auserwählten Mädchen ein völlig neues Leben. Nicht nur, dass sie lernen, sich in vornehmen Kreisen zu bewegen, sie werden auch auf eine glamouröse Zukunft im aufstrebenden Nachbarland Adoria vorbereitet.
Die junge Adelige Elizabeth scheint bereits ein solches Leben zu führen. Doch nach dem Tod ihrer Eltern fühlt sie sich wie in einem Gefängnis, aus dem sie nur noch fliehen will. Als Elizabeth dann den charmanten Cedric Thorn vom Goldenen Hof kennenlernt, weckt er einen waghalsigen Plan in ihr: Sie muss es irgendwie nach Adoria schaffen. Und kurze Zeit später tritt sie unter falschem Namen die Ausbildung am Goldenen Hof an -

Cover

Auf den ersten Blick hat mich das märchenhaft gestaltete Cover überzeugt! Die schönen Blautöne des Hintergrunds werden durch ein goldenes Funkeln durchbrochen, welches perfekt zum Titel des Romans passt. Abgerundet wird dieses Design durch die Rückansicht einer jungen Frau, welche durch die Goldelemente etwas Magisches bekommt.

Einschätzung

Von Beginn an wird der Leser mit der taffen Adeligen Elizabeth konfrontiert, welche ihre eigenen Pläne schmiedet und nur ungern den Anweisungen ihrer Großmutter folgt. Dazu verdammt, einen unbekannten Cousin zu heiraten, entscheidet sich Elizabeth für die Flucht und versucht ihr Glück in einer vollkommen fremden Welt. Dabei muss sie nicht nur verbergen, wer sie wirklich ist, sondern auch mit der Rivalität am „Goldenen Hof“ zurechtkommen… und mit ihren unerwarteten Gefühlen, die alles zerstören könnten.
Unterstützung findet sie bei ihren Freundinnen Tamsin und Mira, die jedoch selbst mit einigen Problemen zu kämpfen haben und vor Geheimnissen nur so strotzen.

Dank Richelle Meads flüssigem Schreibstil und einer taffen Hauptprotagonistin findet man als Leser sehr schnell in die Geschichte. Die Seiten fliegen in rasantem Tempo vorbei, auch wenn die Handlung am Anfang eher dahinplätschert. Trotz ihres ehemals vorhandenen Reichtums wirkt die Adelige Elizabeth nicht überheblich und zeigt Verletzlichkeit, wenn es um ihre Lieben geht, die sie aufgrund der Hoffnung auf eine selbstbestimmte Zukunft hinter sich gelassen hat.
Die Idee des „Goldenen Hofes“ ist in der Tat nicht neu, doch gekonnt versetzt Mead den Leser in eine Welt des Aufbaus, in der Siedler mit bloßen Händen ihr Leben gestalten.

Am „Goldenen Hof“ angekommen, stürzt sich Elizabeth / Adelaide in ein Versteckspiel der riskanten Art und konkurriert mit den anderen Mädchen, welche ebenfalls eine gute Partie machen wollen. Zu diesen zählt vor allem Tamsin, eine Freundin Adelaides und voller Ehrgeiz. Während Tamsin im ersten Teil des Romans noch ein präsenter Charakter ist, so wird sie als Figur im weiteren Verlauf immer blasser. Dieses Phänomen lässt sich auch bei Mira beobachten, welche als mysteriöse Figur viel Potenzial bietet, das jedoch (aufgrund des zweiten Bandes) nicht ausgeschöpft wird.
Vielmehr sind es die Nebencharaktere, welche im Gedächtnis bleiben und zu Spekulationen anregen, obwohl hierbei immer wieder die Frage aufkommt, welche Rolle ebenjene Nebencharaktere einnehmen. Insgesamt bleiben die Figuren so eher unausgereift und weisen an manchen Stellen eine Naivität auf, die schon sehr verwundert.

Empfindet man das „Dahinplätschern“ der Handlung auf den ersten Seiten noch als angemessen, so fragt man sich spätestens nach dem Mittelteil, wo denn die Spannung bleibt. Mead schneidet viele, verschiedene Handlungsstränge an, die allerdings erst auf den letzten Seiten des Romans abgehandelt werden – und das in einer Zielstrebigkeit, die vermuten lässt, dass das Buch schnell beendet werden musste. Auch die bereits erwähnte Spannung baut sich erst auf den letzten Seiten auf, konnte mich allerdings nicht ganz überzeugen und wird viel zu rasch abgehandelt. Für jedes Problem steht auf einmal eine Lösung vor der Tür, die im Gesamtkontext zwar glaubhaft wirkt, auf die Hauptprotagonistin aber ein eher schlechtes Licht wirft.
So gesehen mag die Handlung zwar schlüssig sein, wirkt in meinen Augen an manchen Stellen aber nicht rund und zu konstruiert.

Als Jugendbuch mag „The Promise“ einen guten Dienst ableisten, das kurzweiliges Lesevergnügen verspricht und durchaus unterhalten kann. Mit Elizabeth führt Mead eine Hauptprotagonistin ein, die sich erstaunlich wandelt und gegen Ende Sympathien gewinnen kann. Auch die Gestaltung der landschaftlichen Verhältnisse in Adoria versetzen einen in die Zeit der Siedler und malen einem wunderbare Bilder in den Kopf, was das setting realistisch macht.
Doch trotz dieser Pluspunkte wirkt es auf mich so, als wolle mit aller Macht ein glitzerndes Happy End herbeigezogen werden, damit im nächsten Band die Geschichte von Mira beginnen kann.

„The Promise“ ist in der Tat kein schlechter Roman und konnte mich teilweise gut unterhalten, aber er verschenkt doch viel Potenzial. Wer sich als Leser daran nicht stört, darf nur zu gerne in die Welt von Elizabeth eintauchen – und wer weiß, vielleicht fällt Band zwei ja stärker aus!

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Handlung
Veröffentlicht am 11.09.2017

Die Vergangenheit wirft lange Schatten…

In tiefen Schluchten
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Eckdaten
Titel: In tiefen Schluchten
Autor: Anne Chaplet:
Verlag: KiWi-Taschenbuch (17. August 2017), à 320 Seiten
Preis: Taschenbuch für 9,99 €
Erster Teil der Reihe rund um Victoria „Tori“ Godon

Klapptext
In ...

Eckdaten
Titel: In tiefen Schluchten
Autor: Anne Chaplet:
Verlag: KiWi-Taschenbuch (17. August 2017), à 320 Seiten
Preis: Taschenbuch für 9,99 €
Erster Teil der Reihe rund um Victoria „Tori“ Godon

Klapptext
In der wilden, elementaren Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen wohnen Rebellen und Eigenbrötler, Aussteiger und Propheten. Und seit einigen Jahren auch Tori Godon, ehemalige Anwältin, 42 Jahre alt, frisch verwitwet und auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Als ein holländischer Höhlenforscher, der sich bei ihrer Freundin einquartiert hat, verschwindet, ist Tori beunruhigt. Als der alte Didier Thibon, der ihr von sagenhaften Schätzen und Schmugglerverstecken in den Höhlen erzählte, tot aufgefunden wird, ist Tori alarmiert. Und als sie auf der Suche nach dem Holländer auf dem Karstplateau in eine Felsspalte stürzt, ist plötzlich auch ihr Leben in Gefahr. Wie hängen die Aktivitäten des Holländers mit den Hugenotten zusammen, die in dieser Region einst Zuflucht fanden? Und was hat das alles mit der Geschichte des Dorfes zu tun?

Cover
Ein Einblick in die ungestüme Landschaft des Vivarais, ein altes Dorf, welches sich an die Berghänge schmiegt und dunkle Wolken, die sich darüber aufbauschen…
Das landschaftlich schöne Cover lädt direkt dazu ein, nach Frankreich zu reisen und Tori bei ihren Recherchen zu begleiten. So gesehen passt es perfekt zur Handlung des Buches und ist definitiv ein Blickfang.

Einschätzung
Wer mit „In tiefen Schluchten“ von Anne Chaplet einen herkömmlichen Kriminalroman erwartet, wird überrascht werden – denn dieser Roman ist alles andere als gewöhnlich. Manch einer mag von dem Fehlen der typischen, kriminalistischen Elemente enttäuscht sein, dafür kann „In tiefen Schluchten“ mit einer ganz eigenen Spannung aufwarten.

Tori Godon, ehemals Patentanwältin und Zugezogene in Belleville, erforscht die hugenottischen Wurzeln ihres Ehemannes Carl und stößt bei der Dorfgemeinschaft auf misstrauische Vorsicht. Ihre Nachforschungen rühren nicht nur an der Skepsis der verschrobenen Dorfbewohner, sondern bringen auch einige Steine der Vergangenheit ins Rollen, die lieber liegen geblieben wären…

Für manch einen mag der Einstieg etwas schwer fallen, denn die bildlichen, landschaftlichen Beschreibungen der Autorin bringen die Handlung nur langsam voran. Sehr ausführlich wird Toris Leben in Belleville geschildert und man fühlt sich sofort in dieses malerische Dörfchen mit seinen eigenbrötlerischen Bewohnern versetzt. Dank des malerischen Schreibstils ist dieser Roman definitiv allen Frankreichfans zu empfehlen, die einen Einblick in die wilde Landschaft des Vivarais erhalten möchten.
Allerdings sind es diese ausholenden Ausführungen, welche nach einiger Zeit zur Langatmigkeit führen. Fast das komplette erste Drittel zieht sich dahin, ohne dass der erwartete Krimi eintritt.
Es ist nicht die übliche Kriminalistik, die man „In tiefen Schluchten“ erwarten darf. Hier liegt der Fokus definitiv auf der Geschichte des Dorfes und einer Familienfehde, die seit hunderten von Jahren schwelt. Zwar finden Ermittlungen statt, doch die französische Polizei bemüht sich, diese auf eine Bahn zu lenken, welche weiterhin Frieden in der Dorfgemeinschaft gewährleistet.

Etwas Spannung kommt erst etwa in der Mitte des Buches auf und steigert sich zum Schluss hin. Dabei sollte angemerkt werden, dass einige Handlungselemente zwar eingestreut, aber nie ganz aufgelöst werden (Funktion der Bärenskulptur, ihre „Visionen“, …). Wer sich an diesen offenen Fragen nicht stört, darf den Roman mit interessanten, historischen Fakten getrost weiterverfolgen und sich an den landschaftlichen Metaphern erfreuen.
Auch die Charaktere rund um Tori erscheinen sympathisch, obwohl man während des Lesens immer wieder vermutet, dass der ein oder andere Dorfbewohner Dreck am Stecken hat. Mit July hat die Hauptprotagonistin einen liebenswerten Hund zur Seite gestellt bekommen, welchen man sofort ins Herz schließt. Ebenso der lesende Metzger kann Sympathien wecken, während der plötzlich auf der Bildfläche erscheinende Jan eher blass bleibt.

Schlussendlich hat Anne Chaplet mit „In tiefen Schluchten“ einen soliden Roman geschaffen, den ich allerdings eher als solchen bezeichnen möchte. Ein überragend malerischer Schreibstil und fesselnde, historische Fakten entführen den Leser nur zu schnell nach Frankreich!
Zwar mögen einige, kleinere Unstimmigkeiten ins Auge fallen und der Kriminal-Anteil eher vergeblich gesucht werden, doch wer sich daran nicht stört, kann bei diesem Buch getrost ins Regal greifen.
Daher vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Das Leben ist eine Skizze

Festtagsgäste
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… über das Leben zweier Frauen, die liebevoll porträtiert zu ihrer Stärke finden und durch eine besondere Freundschaft gemeinsam ihre dunkelsten Momente überwinden.

Titel: „Festtagsgäste“
Autor: Anke ...

… über das Leben zweier Frauen, die liebevoll porträtiert zu ihrer Stärke finden und durch eine besondere Freundschaft gemeinsam ihre dunkelsten Momente überwinden.

Titel: „Festtagsgäste“
Autor: Anke Schläger
Verlag: Books on Demand Verlag, 1. August 2017; 346 Seiten

Klapptext

Fröhliche Weihnachten? Von wegen! Kurz vor dem Fest bricht Lisannes vermeintlich heile Welt entzwei. Sie erfährt, dass ihr Mann eine zweite Familie hat. Und die wird bald auf dem Biohof einziehen, der das Zuhause von Lisanne und ihren Kindern ist. Als der Hofladen in Flammen steht und Lisanne Hals über Kopf die Flucht ergreift, nimmt ihre Stammkundin Marlene spontan die Verfolgung auf. So beginnt eine Freundschaft zwischen zwei grundverschiedenen Frauen, die schon bald ihre größte Bewährungsprobe erlebt …
Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte über Umwege, die mit harten Brocken gepflastert sind – und doch zum Ziel führen.

Cover

Das Cover des Romans „Festtagsgäste“ versetzt mit seinen winterlichen Mistelzweigen und dem abgebildeten Engel sofort in Weihnachtsstimmung. Schlichtes Blau bildet den Hintergrund, was die Aufmerksamkeit vermehrt auf den Titel lenkt. Zwar passt die Gestaltung zur weihnachtlich vorherrschenden Zeit im Roman, doch mehr Bezug zur Haupthandlung lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen.

Einschätzung

Sie pflegen seit Jahren miteinander Umgang, doch eine richtige Freundschaft bildet sich erst, als ihre Probleme sie zu überwältigen drohen: Die beiden Hauptprotagonistinnen Lisanne und Marlene haben beide ein Päckchen zu tragen. Während die gebürtige Niederländerin vor dem Betrug ihres Mannes und dem Unglück flieht, hadert die oft zerstreute Marlene mit einer belastenden Vergangenheit.
Umso überraschender, dass Marlene es wagt, die Sicherheit ihres Alltags zu verlassen, um die verzweifelte Lisanne zu verfolgen! Ein Weg voller ernster Themen, wie Vertrauens- und Eheprobleme sowie Kinderlosigkeit, führt zu einer zart aufkeimenden Freundschaft, die nur allzu bald einer Zerreißprobe unterzogen wird…

Ein mitreißender Roman darüber, wie das Leben so spielen kann. Und dass auch in der dunkelsten Zeit eine Freundschaft erblühen kann, die Halt gibt, um weiterzumachen. Nicht nur ein Roman für ältere Leser, sondern auch für das Jungvolk (zu dem ich mich zähle), wenn man gewillt ist, sich mit ernsteren Themen zu befassen.


Angesiedelt in der Weihnachtszeit, startet Anke Schlägers Debütroman mit einer schockierenden Enthüllung, die Lisanne den Boden unter den Füßen entreißt. Fortgeführt mit einer amüsanten Verfolgungsjagd rund um die beiden Frauen, lernt der Leser auch diese besser kennen. Die gut eingestreuten Erzählungen über Marlene und Lisanne verleihen den beiden eine charakterliche Tiefe, wie ich sie selten so authentisch erlebt habe. Beide Frauen haben ihre Ecken und Kanten; dennoch wirken sie gerade durch diese sehr sympathisch, sodass man als Leser gar nicht anders kann, als ihre gemeinsame Geschichte weiter zu verfolgen.

Gerade durch die hervorragend entwickelten Charaktere lassen sich die Handlungen und Reaktionen gut nachvollziehen. Angemerkt sei hierbei, dass man sich manchmal als Leser etwas gedulden- und das Geschehen weiter verfolgen muss, bevor der Grund für eine gewisse Verhaltensweise aufgelöst wird.
Die Gesamthandlung erscheint schlüssig und plausibel, bis zum Ende lässt sich ein roter Faden erkennen. Auffällig sind hierbei die kleinen Details, welche im Roman auftauchen und gegen Ende erneut aufgegriffen werden. Sei es die „Kuchen-Metapher“ oder Lisannes Wandbild - Anke Schläger verwendet schöne Sinnbilder, um ihre Absichten auszudrücken und legt den Charakteren eine eigene Sprache in den Mund, die immer wieder auftaucht. Diese Detailgenauigkeit verleiht dem Roman seinen ganz eigenen Charme und macht das Lesen zu einem Vergnügen. Und wer genauer darüber nachdenkt, wird gegen Ende feststellen, dass der gewählte Titel passt „wie die Faust aufs Auge“

So hat Anke Schläger einen unterhaltsamen Roman geschaffen, der nicht nur mit liebevollen Details aufwarten kann, sondern ebenso mit sympathischen Charakteren. Allerdings kommt auch der Ernst des Lebens nicht zu kurz und wer gerne über eine Lektüre nachdenkt, kann mit Griff ins Bücherregal getrost die „Festtagsgäste“ hervornehmen.

Ein weihnachtliches Lesevergnügen über charakterliche Stärke, den Halt einer Freundschaft und einen Funken Hoffnung, wenn man keinen Ausweg mehr sieht.