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Yolande

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Veröffentlicht am 21.04.2021

Allein gegen alle

Eine bittere Wahrheit
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Inhalt (Klappentext):
Erst seit Kurzem lebt Tabitha wieder im Ort ihrer Kindheit, einem idyllischen Dorf an der englischen Küste. Doch der Wunsch, dort Ruhe zu finden, verwandelt sich in einen Alptraum, ...

Inhalt (Klappentext):
Erst seit Kurzem lebt Tabitha wieder im Ort ihrer Kindheit, einem idyllischen Dorf an der englischen Küste. Doch der Wunsch, dort Ruhe zu finden, verwandelt sich in einen Alptraum, als sie des Mordes an ihrem Nachbarn beschuldigt wird. Alle Indizien sprechen gegen sie. Und sie kann sich nicht erinnern, was an jenem 21. Dezember geschehen ist, als im Schuppen hinter ihrem Haus die schlimm zugerichtete Leiche gefunden wurde. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft und wartet auf ihren Prozess. Ihre Anwältin rät ihr, sich schuldig zu bekennen. Doch Tabitha spürt, dass sie nicht die Mörderin ist. Und nur sie selbst kann das beweisen.

Meine Meinung:
Es handelt sich um einen ungewöhnlichen Plot, alles dreht sich um die Beschuldigte, die aus dem Gefängnis heraus versucht, ihre Unschuld zu beweisen. Alle Ereignisse rund um das Geschehen erfährt man nur aus dritter Hand und da sich auch die Protagonistin nicht richtig erinnern kann, weiß man als Leser lange nicht worauf die Story hinausläuft. Die Heldin macht es einem nicht leicht, sie ist leicht reizbar, unberechenbar in ihren Stimmungen, depressiv, verwirrt und manchmal unglaublich naiv. Nach ungefähr der Hälfte verlegt sich die Handlung in den Gerichtssaal und wird zu einem „Justizthriller“ (HÖRZU). Naja, von Thrill kann eigentlich keine Rede sein, aber es ist ohne Frage spannend und die Idee und der Aufbau des Buchs sind interessant genug um die Leserschaft zu fesseln. Ich wage zwar zu bezweifeln, dass man als selbstverteidigender Angeklagter mit so einem Verhalten vor Gericht durchkommt, aber es ist sehr unterhaltsam und natürlich ist man auf der Seite des „Underdog“, der alleine gegen alle kämpft.
Das Buch liest sich leicht und schnell und hat mich gut unterhalten. Die Handlung ist ein wenig abseits der üblichen Massenware und trotz des Mordes nicht blutrünstig und reißerisch. Ich freue mich, mit Nicci French einen neuen Krimiautor entdeckt zu haben, der meine Vorliebe für packende und hintergründige Krimis befriedigen kann ohne dass es allzu bestialisch und brutal wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Highway of Tears

Frostmond
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Inhalt:

In Montreal wird die Leiche einer jungen Indianerin angespült. Es handelt sich um die 15jährige Jeanette Maskisin, die vor kurzem aus einem Cree-Reservat aus dem Norden Québecs in die Stadt kam. ...

Inhalt:

In Montreal wird die Leiche einer jungen Indianerin angespült. Es handelt sich um die 15jährige Jeanette Maskisin, die vor kurzem aus einem Cree-Reservat aus dem Norden Québecs in die Stadt kam. Eigentlich werden solche Fälle eher nachlässig gehandhabt, aber in letzter Zeit wurden mehrere Frauenleichen mit den gleichen Tötungsmerkmalen aufgefunden und die indianischen Verbände und auch die Presse üben Druck auf die Ermittlungsbehörden aus und wollen rasche Ergebnisse. So bekommt der desillusionierte und in einer Lebenskrise steckende Jean-Baptiste LeRoux, ein Sergeant der Sûreté du Québec einen Profiler der englischsprachigen Royal Canadian Mountain Police (RCMP), Ted Garner, zur Seite gestellt. Die Gegensätze zwischen den beiden könnten nicht größer sein. Hier der korrekte, fast pedantische Garner, auf der anderen Seite LeRoux, dessen private Probleme so großen Raum einnehmen, dass er für seine polizeiliche Arbeit kaum Energie aufbringen kann. Die Ressentiments zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen Kanadas scheinen größer zu sein, als ich vermutet habe und LeRoux und Garner treffen mit den größten Vorurteilen aufeinander. „Froschfresser“ gegen „Hinterwäldler“. Beiden gemeinsam sind allerdings die Vorbehalte gegenüber der indigenen Bevölkerung, in ihren Augen alles minderwertige und alkohol- oder drogenabhängige Nichtsnutze, die auf Kosten der kanadischen Steuerzahler leben. Natürlich stoßen die beiden Ermittler auf eine Mauer des Schweigens, das Misstrauen gegenüber den Behörden ist groß. Jeanettes Cousin Leon lebt noch im Reservat und versucht, die alten Traditionen und Lebensweisen der Cree-Indianer aufrechtzuerhalten und sein eigenes Leben danach auszurichten. Ihn erreichte vor einiger Zeit ein Hilferuf Jeanettes und nun fühlt er sich schuldig. Deshalb bricht er Richtung Montreal auf, um ihren Mörder auf eigene Faust zu finden.

Meine Meinung:

Die Autorin lebte für einige Zeit in einem Reservat der Cree-Indianer und lernte so die teils katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen kennen, unter den die Menschen dort leben. Auch das Verschwinden junger Frauen meist indianischer Herkunft entlang des Transcanda Highways ist leider traurige Realität.

Zu Beginn war ich wirklich sehr angetan von dieser Geschichte. Die gegensätzlichen Ermittler und das Thema des alltäglichen Rassismus gegenüber der First-Nation-Bevölkerung versprachen eine spannende Lektüre. Auch der gehobene Schreibstil ist sehr ansprechend. Der Anfang ist vielleicht aufgrund der ausführlichen Charakterbeschreibungen wenig „krimiartig“, aber gerade das hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mit der Figur des Sergeant LeRoux wenig anfangen konnte. Ungefähr ab der Mitte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf und es wird richtig spannend. Allerdings kommt es hier zu einigen seltsamen Zufällen und Konstruktionen, die mich nicht überzeugen konnten. Die Handlungsweisen einzelner Figuren sind wenig nachvollziehbar und, für mich, auch stellenweise unglaubwürdig. Die Hintergründe der Mordtat sind erschreckend, aber durchaus schlüssig, doch es gibt einige merkwürdige Nebenschauplätze, die aus dem Nichts auftauchen und wohl als Ablenkungsmanöver dienen sollen. Vielleicht stehe ich mir hier als Leser selbst im Weg, dass ich solche Begebenheiten zu sehr hinterfrage und mich dann leider auch an Kleinigkeiten aufhänge, aber mir hat es den ersten guten Eindruck leider ziemlich geschmälert. Es ist ohne Frage ein gutes Buch mit einem wichtigen Thema, nur die Auflösung und das Ende hätte ich mir etwas durchdachter und differenzierter gewünscht. Deshalb kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben, die ich auf 4 Sterne aufrunde.

In Montreal wird die Leiche einer jungen Indianerin angespült. Es handelt sich um die 15jährige Jeanette Maskisin, die vor kurzem aus einem Cree-Reservat aus dem Norden Québecs in die Stadt kam. Eigentlich werden solche Fälle eher nachlässig gehandhabt, aber in letzter Zeit wurden mehrere Frauenleichen mit den gleichen Tötungsmerkmalen aufgefunden und die indianischen Verbände und auch die Presse üben Druck auf die Ermittlungsbehörden aus und wollen rasche Ergebnisse. So bekommt der desillusionierte und in einer Lebenskrise steckende Jean-Baptiste LeRoux, ein Sergeant der Sûreté du Québec einen Profiler der englischsprachigen Royal Canadian Mountain Police (RCMP), Ted Garner, zur Seite gestellt. Die Gegensätze zwischen den beiden könnten nicht größer sein. Hier der korrekte, fast pedantische Garner, auf der anderen Seite LeRoux, dessen private Probleme so großen Raum einnehmen, dass er für seine polizeiliche Arbeit kaum Energie aufbringen kann. Die Ressentiments zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen Kanadas scheinen größer zu sein, als ich vermutet habe und LeRoux und Garner treffen mit den größten Vorurteilen aufeinander. „Froschfresser“ gegen „Hinterwäldler“. Beiden gemeinsam sind allerdings die Vorbehalte gegenüber der indigenen Bevölkerung, in ihren Augen alles minderwertige und alkohol- oder drogenabhängige Nichtsnutze, die auf Kosten der kanadischen Steuerzahler leben. Natürlich stoßen die beiden Ermittler auf einer Mauer des Schweigens, das Mißtrauen gegenüber der Behörden ist groß. Jeanettes Cousin Leon lebt noch im Reservat und versucht, die alten Traditionen und Lebensweisen der Cree-Indianer aufrechtzuerhalten und sein eigenes Leben danach auszurichten. Ihn erreichte vor einiger Zeit ein Hilferuf Jeanettes und nun fühlt er sich schuldig. Deshalb bricht er Richtung Montreal auf, um ihren Mörder auf eigene Faust zu finden.

Die Autorin lebte für einige Zeit in einem Reservat der Cree-Indianer und lernte so die teils katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen kennen, unter den die Menschen dort leben. Auch das Verschwinden junger Frauen meist indianischer Herkunft entlang des Transcanda Highways ist leider traurige Realität.

Zu Beginn war ich wirklich sehr angetan von dieser Geschichte. Die gegensätzlichen Ermittler und das Thema des alltäglichen Rassimus gegenüber der First-Nation-Bevölkerung versprachen eine spannende Lektüre. Auch der gehobene Schreibstil ist sehr ansprechend. Der Anfang ist vielleicht aufgrund der ausführlichen Charakterbeschreibungen wenig „krimiartig“, aber gerade das hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mit der Figur des Sergeant LeRoux wenig anfangen konnte. Ungefähr ab der Mitte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf und es wird richtig spannend. Allerdings kommt es hier zu einigen seltsamen Zufällen und Konstruktionen, die mich nicht überzeugen konnten. Die Handlungsweisen einzelner Figuren sind wenig nachvollziehbar und, für mich, auch stellenweise unglaubwürdig. Die Hintergründe der Mordtat sind erschreckend, aber durchaus schlüssig, doch es gibt einige merkwürdige Nebenschauplätze, die aus dem Nichts auftauchen und wohl als Ablenkungsmanöver dienen sollen. Vielleicht stehe ich mir hier als Leser selbst im Weg, dass ich solche Begebenheiten zu sehr hinterfrage und mich dann leider auch an Kleinigkeiten aufhänge, aber mir hat es den ersten guten Eindruck leider ziemlich geschmälert. Es ist ohne Frage ein gutes Buch mit einem wichtigen Thema, nur die Auflösung und das Ende hätte ich mir etwas durchdachter und differenzierter gewünscht. Deshalb kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2021

Eine mutige junge Frau

Wie schwer ein Menschenleben wiegt
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Die deutsche Journalistin und Historikerin Maren Gottschalk zeigt in diesem Buch den Lebensweg der Galionsfigur des kaum vorhandenen Widerstands während der Nazizeit nach. Mit vielen Tagebucheinträgen ...

Die deutsche Journalistin und Historikerin Maren Gottschalk zeigt in diesem Buch den Lebensweg der Galionsfigur des kaum vorhandenen Widerstands während der Nazizeit nach. Mit vielen Tagebucheinträgen und Briefen zeigt sie uns ein Bild der jungen Sophie Scholl, die sich zunächst auch von der Nazipropaganda einfangen lässt und ein begeistertes und engagiertes Mitglied der deutschen Hitlerjugend, bzw. dem weiblichen Pendant Bund Deutscher Mädel wird. Auch ihr Bruder Hans, ebenfalls Mitglied der "Weißen Rose", war zu Beginn ein überzeugtes HJ-Mitglied und Gruppenführer. Aber so nach und nach rebellieren die Geschwister gegen diese starre und unnachgiebige Autorität, die selbstständiges Denken und Handeln unterdrücken möchte. Spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs geht Sophie Scholl in die Meinungsopposition, auch wenn sie diese zunächst nur im engsten Freundes- und Familienkreis äußert. Aber ihre inneren Widerstände gegen das Unterdrückungsregime werden immer größer und so zögert sie kaum, der Gruppe der "Weißen Rose" um ihren Bruder Hans beizutreten und sie tatkräftig zu unterstützen. Die "Weiße Rose" war keine militante Widerstandsgruppe, sie hatte nur versucht, eine andere Meinung oder Wahrheit zu verbreiten, in der Hoffnung viele Menschen zu motivieren es ihnen gleichzutun. Es erforderte viel Mut aller Beteiligten und leider haben sechs junge Menschen diese Kühnheit mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Der Schreibstil des Buchs ist sehr nüchtern und sachbuchartig, aber trotzdem konnte ich es zum Ende hin kaum aus der Hand legen, obwohl mir der Ausgang der Geschichte natürlich schon bekannt war.

Am 9. Mai 2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Sie wurde im Alter von 21 Jahren von den Nazis ermordet, weil sie so mutig war, in dieser Zeit der Unterdrückung und Gewalt, ihre Meinung laut zu äußern. Wir sollten Sie und ihre Mitstreiter niemals vergessen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2021

Spannend mit kleinen Schwächen

Der andere Sohn
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Inhalt:

Der amerikanisch-schwedische FBI-Agent John Adderly muss nach einem missglückten Undercover-Einsatz in ein Zeugenschutzprogramm. Zur gleichen Zeit erreicht ihn ein Hilferuf seiner schwedischen ...

Inhalt:

Der amerikanisch-schwedische FBI-Agent John Adderly muss nach einem missglückten Undercover-Einsatz in ein Zeugenschutzprogramm. Zur gleichen Zeit erreicht ihn ein Hilferuf seiner schwedischen Mutter. Vor 10 Jahren verschwand Emily, die junge Erbin eines Modekonzerns spurlos und Johns Halbbruder Billy wurde damals als Hauptverdächtigter festgenommen und verhört. Mangels Beweisen und weil es keine Leiche gab, kam er wieder frei und beteuerte immer wieder seine Unschuld. Nun soll dieser Cold Case neu aufgerollt werden und John's Mutter befürchtet, dass Billy wieder ins Visier der Ermittler gerät. John lässt sich mit einer neuen Identität nach Schweden versetzen und wird Teil des neu gegründeten Ermittlerteams.

Die beiden schwedischen Autoren Peter Mohlin und Peter Nyström kennen sich seit ihrer Kindheit. Schon damals haben sie sich gemeinsam Geschichten ausgedacht. Hier haben sie einen spannenden Krimi geschrieben, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Im ersten Teil gibt es noch zwei Zeitebenen. In 2009 erleben wir das Verschwinden von Emily, ihr Vater Heimer steht dabei im Mittelpunkt der Erzählung. Die andere Ebene spielt 2019 und berichtet über Johns Undercover-Einsatz und die Zeit bis zu seinem Untertauchen im Zeugenschutzprogramm. Ab dem zweiten Teil ist die Geschichte nur noch im Jetzt (2019), die Fokussierung auf John und Heimer bleibt aber bestehen. Immer abwechselnd folgt man diesen beiden Charakteren und man bekommt gute und tiefe Einblicke in deren Gefühls- und Gedankenwelt. Die Geschichte ist packend und flüssig geschrieben, der Leser hat keinen Wissensvorsprung und wird von einigen unerwarteten Wendungen überrascht. Es gibt allerdings ein paar kleine Kritikpunkte meinerseits: Ich finde die Tatsache, dass das FBI ihrem wichtigen Zeugen ausgerechnet in seiner alten Heimatstadt eine neue Identität gibt, eher fragwürdig und unprofessionell. Und die aufschlussreichen Ermittlungsergebnisse, die John schon nach wenigen Tagen abliefert, werfen ein doch eher zweifelhaftes Bild auf die schwedische Polizeiarbeit. Vielleicht bin ich auch einfach zu mäkelig, aber diese Punkte haben dem Buch leider einen Stern Abzug gebracht. Ansonsten ist es ein spannender Pageturner, der mich wirklich gut unterhalten hat und der kleine Cliffhanger am Ende verspricht eine weitere aufregende Fortsetzung, die ich mir sicher nicht entgehen lassen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2021

Kaleidoskop einer Epoche

Der Mann im roten Rock
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"Im Juni 1885 kamen drei Franzosen in London an.""

Mit diesem Satz beginnt Julian Barnes die ungewöhnliche Biografie über den französischen Gynäkologen Dr. Samuel Pozzi. Der zu seiner Zeit sehr bekannte ...

"Im Juni 1885 kamen drei Franzosen in London an.""

Mit diesem Satz beginnt Julian Barnes die ungewöhnliche Biografie über den französischen Gynäkologen Dr. Samuel Pozzi. Der zu seiner Zeit sehr bekannte Arzt schrieb ein fortschrittliches Standardwerk über Gynäkologie und war DER Arzt der gesellschaftlichen Oberschicht während der sogenannten "Belle Époque". Das Gemälde "Dr. Pozzi at Home" des amerikanischen Porträtmalers John Singer Sargent weckte das Interesse des Autors sich näher mit dem Leben Pozzis und vor allem dieser faszinierenden Epoche zu beschäftigen. Und so ist dieses Buch auch weniger eine Biografie einer einzelnen Person, sondern eher eine Sammlung von Anekdoten und Geschichten der Zeit. Es enthält eine Fülle an Informationen; Namen und Begebenheiten, aber auch Klatsch und Tratsch. Nicht alles ist interessant, vieles nebensächlich, aber wenn man sich intensiv mit Buch befasst, erfährt man viel Wissenswertes und kann viel Freude an diesem Plauderton haben. Die wunderbare Gestaltung des Buches hat es mir besonders angetan. Das Papier ist etwas fester, es gibt viele Fotografien, aber auch farbige Bilder von Gemälden, die sehr aufmerksam und detailreich beschrieben werden, unter anderem das schon erwähnte "Dr. Pozzi at Home". Die Bildbeschreibungen haben mir am besten gefallen und auch der leichte Plauderton Barnes' mit dem er durch diese Zeit wandelt, traf genau meinen Nerv. Ich hatte bisher noch nichts von diesem Autor gelesen, was ich jetzt schnell nachholen möchte.

Wer eine reine Biografie des durchaus interessanten und beschreibenswerten Lebens Pozzis erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, mir hat in dieser Hinsicht auch ein wenig die Gradlinigkeit gefehlt, aber es ist ein interessantes Buch mit vielen Geschichten und Geschichtchen einer faszinierenden Epoche.

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  • Charaktere