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Veröffentlicht am 14.04.2019

Ein Riesendrama

So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt
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Maike Voß wurde 1995 in Hamburg geboren und hat dort ihren Abschluss an der Technischen Kunstschule gemacht. London ist ihre gewählte zweite Heimat....

Inhalt (Klappentext):
Viola und Leon sind beste ...

Maike Voß wurde 1995 in Hamburg geboren und hat dort ihren Abschluss an der Technischen Kunstschule gemacht. London ist ihre gewählte zweite Heimat....

Inhalt (Klappentext):
Viola und Leon sind beste Freunde - bis sie nach einem gemeinsamen Konzertbesuch die Nacht miteinander verbringen.
Für Leon ist dies die Erfüllung all dessen, was er sich heimlich ersehnt hat. Doch Viola packt die Panik, dass sie wieder nur auf jemanden hereingefallen sein könnte. Am Morgen verlässt sie deshalb ohne Nachricht Leons Wohnung. Doch Leon kann und will Violas Verschwinden nicht so einfach hinnehmen und versucht herauszufinden, warum sie vor ihm wegläuft - ohne Ergebnis. Denn von einem auf den anderen Tag scheint sie wie vom Erdboden verschluckt.

Das Buch wird aus zwei Ich-Perspektiven erzählt. Diese erscheinen immer abwechselnd und sind mit Sie und Er überschrieben. Ich-Perspektiven erlauben dem Leser immer einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten, aber hier wurde es mir echt manchmal zuviel. Für mich haben diese selbstzerfleischenden und vor Selbstmitleid triefenden Gefühlsausbrüche nichts mit einem Liebesroman zu tun.
Die Autorin ist mit 24 Jahren noch sehr jung und auch die beiden Protagonisten sind erst 20 Jahre alt. In diesem Alter hat man gerne noch einen Hang zum Theatralischen, vielleicht bin ich einfach zu alt für dieses Buch. Ich fand es einfach nur furchtbar zu lesen, wie alles zu einem Riesendrama aufgepumpt wurde und hätte die beiden gerne mal geschüttelt. Interessanterweise gibt es einige vernünftige Nebencharaktere, die aber leider keinen großen Raum bekommen.
Das einzig Positive an diesem Buch war für mich das Sprachtalent der Autorin. Es gibt sehr viele wunderbare Sätze, wie z.B. auch der Titel und ich bin überzeugt, dass Maike Voß noch eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere bevorsteht.

Fazit: Meiner Meinung nach ist das kein Liebesroman, sondern einfach nur ein Riesendrama, einfach furchtbar.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Komödie mit einer gewissen Tragik

Der eingebildete Kranke
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Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Molière, wurde am 15. Januar 1622 in Paris geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Händler für Heimtextilien, der das Amt eines Tapissier ...

Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Molière, wurde am 15. Januar 1622 in Paris geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Händler für Heimtextilien, der das Amt eines Tapissier du Roi, d.h. eines königlichen Dekorateurs und Raumausstatters innehatte. Molière studierte Jura in Orléans, arbeitete aber wohl nie in diesem Beruf. Er fühlte sich vom Theater angezogen und lernte im Alter von etwa 20 Jahren die Schauspielerin Madeleine Béjart kennen. Er weigerte sich die Nachfolge seines Vaters anzutreten und gründete gemeinsam mit Béjart eine Theatergruppe, das L'illustre Théatre. Nach dessen Bankrott schloss er sich einer Wandertruppe an, die hauptsächlich in West- und Südfrankreich auftrat. Er stieg zum Direktor dieser Gruppe auf und begann eigene Theaterstücke zu schreiben. Nach der Rückkehr nach Paris gelang es ihm, die Gunst des Königs Ludwig XIV. zu gewinnen und er durfte nun mit seiner Truppe regelmäßig auftreten.

Molière schrieb einige, noch heute sehr bekannte Theaterstücke, wie z.B. Tartuffe, L'Avare (Der Geizige) oder Le Misanthrope (Der Menschenfeind). Häufiges Thema seiner Komödie war die Heuchelei.
Le Malade imaginaire (Der eingebildete Kranke) ist sein letztes Werk. Molière war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank. Bei den ersten Aufführungen spielte er die Hauptrolle selbst, nach dem Ende der vierten Vorstellung am 17. Februar 1673 erlitt er einen Blutsturz und verstarb wenige Stunden später.
(Quelle: Wikipedia)

Inhalt:
Der reiche Argan bildet sich ein, dass er todkrank sei. Seine Ärzte und sein Apotheker unterstützen ihn in diesem Glauben und machen gute Geschäfte mit ihm. Er möchte nun seine Tochter mit dem Sohn eines seiner Ärzte verheiraten, doch die liebt einen anderen. Bei turbulenten Zusammenkünften kommen einige Wahrheiten ans Licht.

Theaterstücke zu lesen ist immer etwas speziell. Gerade bei Komödien geht es meist turbulent zu und die Charaktere sind teilweise völlig überspitzt dargestellt. Trotzdem spürt man hier eine gewisse Tragik und die massive Ärztekritik ist wohl auf eigene Erfahrungen Molières gestützt.
Ich hatte viel Freude an diesem Stück und würde es gerne einmal auf der Bühne sehen, bevorzugt als klassische Inszenierung.
Ich habe die äußerst informative Ausgabe der Suhrkamp Bibliothek mit einem ausführlichen und verständlich geschriebenen Kommentar gelesen. Ich kann jedem Interessierten nur raten, zu dieser Ausgabe zu greifen, wenn er auf interessante und wissenswerte Hintergrundinformationen Wert legt. Es gibt Begriffserklärungen, eine Zeittafel zum Leben des Autors, sowie Texte zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte und Aspekte der Deutung.

Es lohnt sich auf jeden Fall diese berühmte klassische Komödie einmal gelesen zu haben und mit seinen insgesamt 122 Seiten stellt es auch keine große Herausforderung dar.

Veröffentlicht am 13.04.2019

Interessante, volkstümliche Geschichtensammlung

Das Dekameron
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Giovanni di Boccaccio wurde am 16. Juni 1313 als unehelicher Sohn eines Kaufmanns geboren. Seine Kindheit verbrachte er im Haus seines Vaters in Florenz. Als Jugendlicher wurde er nach Neapel in eine Filiale ...

Giovanni di Boccaccio wurde am 16. Juni 1313 als unehelicher Sohn eines Kaufmanns geboren. Seine Kindheit verbrachte er im Haus seines Vaters in Florenz. Als Jugendlicher wurde er nach Neapel in eine Filiale des Geschäfts seines Vaters geschickt, um den Beruf des Kaufmanns zu erlernen.
In Neapel bekam Boccaccio Zugang zu höfischen Kreisen, dies hatte großen Einfluss auf seine persönliche und intellektuelle Entwicklung. 1340 kehrte er nach Florenz zurück und trat in den Staatsdienst ein.
Sein populäres Werk "Il Decamerone" entstand wahrscheinlich zwischen 1349 und 1353 nach einer Pestepidemie, die 1348 in Italien grassierte.
Boccaccio schloss Freundschaft mit Francesco Petrarca und widmete sich den klassischen Werken des Altertums. Er war ein anerkannter Experte des Dante Aligheri, dem Verfasser der der "Divina Commedia" (Die Göttliche Komödie), den er sehr verehrte.
Giovanni di Boccaccio starb am 21. Dezember 1375 in Certaldo bei Florenz.

Bei dem Dekameron handelt es sich um eine Novellensammlung mit 100 Geschichten.
Es gibt eine Rahmenhandlung, in der sich zehn junge Menschen, sieben Frauen und drei Männer, aus dem von der Pest heimgesuchten Florenz aufs Land zurückziehen. Nicht um sich zu retten, sondern um sich in diesen schweren Zeiten aufzuheitern und sich auf andere Gedanken zu bringen. Jeden Tag wird ein anderer aus der Reihe zum König oder zur Königin gewählt. Dieser, bzw. diese gibt nun ein Thema der zu erzählenden Geschichten vor. Nun muss jeder der zehn eine zu diesem Thema passende Geschichte erzählen. Nachdem jeder der Zehn einmal König war und jeweils zehn Geschichten am Tag erzählt wurden, kehrt die Gruppe nach Florenz zurück.
Die Geschichten selbst sind volkstümliche Erzählungen, die Boccaccio gesammelt und in diesem Werk zusammengetragen hat. Da in einigen der Novellen sexuelle Freizügigkeit oder Ehebruch über die christliche Sittenlehre gestellt werden, bekam das Dekameron einen etwas zweifelhaften Ruf. Die Kirche und ihre Angestellten kommen oft nicht sehr gut weg.
Boccaccios Novellensammlung gilt als Meisterwerk der Weltliteratur und viele der darin enthaltenen Geschichten wurde später von anderen Dichtern oder Schriftstellern verarbeitet. Auch der Aufbau wurde viele Male kopiert, so z. B. bei den "Canterbury Tales".

Das Buch lässt sich, trotz der etwas altertümlichen Sprache sehr gut lesen. Man bekommt einen Einblick in die Sittenlehre und Wertvorstellungen der damaligen Zeit, die offensichtlich nicht so prüde waren wie in späteren Jahrhunderten. Manche Erzählungen sind recht deftig, andere wiederum sehr fromm, oft gibt es eine Moral. Mit der Zeit ist es zwar etwas ermüdend, da es viele ähnliche Handlungen gibt, aber das Buch war für mich eine bemerkenswerte und aufschlussreiche Leseerfahrung.
Meiner Ausgabe ist eine sehr ausführliche Einleitung von André Jolles, einem niederländisch-deutschen Sprach- und Literaturwissenschaftler vorangestellt. Diese Ausführungen waren sehr informativ und man bekommt auch einen anderen Blickwinkel auf diese Novellen, allerdings war mir dieser Text oftmals zu theoretisch und intellektuell verfasst.

Fazit: Es kann nicht schaden, diese berühmte Novellensammlung gelesen zu haben, auf die Dauer wird es aber aufgrund der ähnlichen Abläufe und Handlungen etwas langweilig.

Veröffentlicht am 11.04.2019

Die schwarze Nacht

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Joel Dicker wurde am 16. Juni 1985 in Genf geboren. Bereits in seiner Jugend war er Herausgeber und Chefredakteur einer Zeitung (La Gazette des animaux). 2010 schloss er ein Jurastudium an der Universität ...

Joel Dicker wurde am 16. Juni 1985 in Genf geboren. Bereits in seiner Jugend war er Herausgeber und Chefredakteur einer Zeitung (La Gazette des animaux). 2010 schloss er ein Jurastudium an der Universität Genf ab. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seinen ersten Roman. Bereits sein zweites Buch La Vérité sur l'Affaire Harry Quebert (Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert) wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet und in über 40 Sprachen übersetzt.

(Quelle: Wikipedia)

Inhalt (Klappentext):
Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea an der amerikanischen Ostküste: An diesem warmen Sommerabend wird der idyllische Badeort durch ein unfassbares Verbrechen erschüttert. In einem Vierfachmord sterben der Bürgermeister mitsamt seiner Familie sowie eine zufällige Passantin. Jesse Rosenberg und Derek Scott, zwei junge Cops der State Police, bekommen die Ermittlungen zu diesem schrecklichen Fall übertragen. Und es gelingt ihnen, einen Schuldigen zu präsentieren.

Sommer 2014: Zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich damals geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau spurlos. Was hat sie herausgefunden? Haben Rosenberg und Scott wirklich den Falschen zur Rechenschaft gezogen? Die beiden Cops beschließen, den Fall noch einmal neu aufzurollen. Die örtliche Polizei ist nicht gerade begeistert, dass die alten Geschichten wieder aufgewärmt werden. Doch Jesse und Derek haben eine Verbündete vor Ort: Anna Kanner, Neuling im Polizeirevier von Orphea, die ihre eigenen Motive hat...

Joel Dicker hat wieder einen höchst komplexen, spannenden und unterhaltsamen Roman vorgelegt. Damit bleibt er dem Stil seiner vorherigen Bücher treu, die ich beide mit großem Vergnügen gelesen habe.
Die Handlung ist anspruchsvoll aufgebaut, es gibt mehrere Perspektiven und es kommt immer wieder zur Rückblenden, die aber keineswegs chronologisch angeordnet sind. Es ist die große Kunst des Autors den Leser, trotz dieser Komplexität nicht zu verwirren, sondern ihn durch diesen Dschungel an Informationen zu führen, im richtigen Moment wichtige Details zu enthüllen und somit die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten.
Manche der Charaktere sind für meinen Geschmack vielleicht etwas zu nervig und überspitzt dargestellt und einige Situationen kippen fast ins Absurde, aber auch das kennt man schon aus Dickers früheren Büchern. Irgendwie passt es und führt dazu, die Grundstimmung dieses doch kompromisslosen Krimis nicht allzu düster werden zu lassen.
Ich habe dieses Buch wirklich sehr genossen und Joel Dicker hat es nun endgültig in die Riege meiner absoluten Lieblingsautoren geschafft.

Veröffentlicht am 30.03.2019

Zwischen Leben und Tod

Niemalswelt
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Marisha Pessl wurde 1977 in North Carolina geboren und studierte Englische Literatur an der Columbia University. Sie lebt in New York.


Inhalt (Klappentext):
Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen von ...

Marisha Pessl wurde 1977 in North Carolina geboren und studierte Englische Literatur an der Columbia University. Sie lebt in New York.


Inhalt (Klappentext):
Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen von ihren Freunden mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist doch passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen - bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt.

"Niemalswelt" ist bereits der dritte Roman von Marisha Pessl, den ich gelesen habe. Auch in diesem Buch konnte mich die Autorin mit ihrem bildhaften und flüssigen Schreibstil überzeugen.

Die Küste von Rhode Island - abgesehen vom Schickimicki-Teil bei Newport mit den steilen Klippen und den Prachtvillen, die selbstgefällig auf die kleinen Segelboote unten im Hafen hinterschauten - war rau und vergammelt, lässig und sonnenverbrannt. Sie war wie ein alter, obdachloser Strandstreuner in einem verwaschenen T-Shirt, der sich nicht erinnern konnte, wo er letzte Nacht geschlafen hatte. Das Gras war hart und vertrocknet, die Straßen salzig und voller Risse, garniert mit verblichenen Schildern und kaputten Ampeln. Brücken erhoben sich mühsam aus den Marschen und sanken auf der anderen Seite erschöpft in sich zusammen. (Seite 20)

Bei der Geschichte handelt es sich um einen Jugendroman. Die Protagonisten, die, teil etwas flapsige, Sprache und die fantastischen Elemente sind sehr gut geeignet die Altersgruppe der Teenager und jungen Erwachsenen anzusprechen. Aber auch ich, als etwas älteres Semester, hatte viel Vergnügen bei der Lektüre. Ich fand es spannend und es gab einige überraschende Wendungen. Manche der Charaktere blieben leider etwas blass und oberflächlich, aber ihre Handlungsweisen waren meist nachvollziehbar, auch wenn ich nicht immer Verständnis dafür hatte. Das Ende kam, nach den vorherigen dramatischen Ereignissen, etwas abrupt und war mich leider auch nicht ganz stimmig. Aber das sind nur kleine Mängel, die der Lesefreude keinen Abbruch taten.

Fazit: Ein gelungener Roman, der sehr gut für die Zielgruppe geeignet ist, aber auch mir als älterem Semester viel Freude bereitet hat.