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Yolande

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Veröffentlicht am 03.07.2020

Deprimierend

Staub zu Staub
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Inhalt (Klappentext):

Niederlande, 1949: Der ehemalige Widerstandskämpfer Siem Coburg lebt nach dem Krieg und dem tragischen Verlust seiner großen Liebe zurückgezogen und als gebrochener Mann auf einem ...

Inhalt (Klappentext):

Niederlande, 1949: Der ehemalige Widerstandskämpfer Siem Coburg lebt nach dem Krieg und dem tragischen Verlust seiner großen Liebe zurückgezogen und als gebrochener Mann auf einem Hausboot. Erst als ihn der alte Bauer Tammens bittet, den Tod seines Enkels aufzuklären, kehrt Coburg in die Stadt zurück. Der siebzehnjährige Siebold starb unter mysteriösen Umständen in einem katholischen Heim für geistig behinderte Kinder, und sein Großvater ist sicher, dass mehr dahintersteckt, als die Heimleiter ihn glauben machen wollen. Während Coburg immer tiefer in die Vergangenheit des Heims eintaucht, muss er feststellen, dass Siebold nicht der einzige Schutzbefohlene mit ungeklärter Todesursache ist …


Meine Meinung:

Ich fand das Buch düster und trostlos. Alles wird grau in grau geschildert - die Umgebung, das Wetter, die Menschen. Immer wieder kommt es zu Rückblenden, die aber zunächst nicht unbedingt als solche erkennbar sind, was bei mir zu Beginn zu einiger Verwirrung führte. Mit der Zeit bekam ich zwar ein Gefühl dafür, wäre aber doch über Zeitangabe zu Beginn des jeweiligen Abschnitts dankbar gewesen. Der Hauptprotagonist Coburg ist verschlossen und unnahbar, ein Einzelgänger. Durch seine Erlebnisse im niederländischen Widerstand und den Verlust seiner großen Liebe kann man diese Schroffheit einigermaßen nachvollziehen, aber sympathisch war er mir zu keinem Zeitpunkt. Ich fand ihn kaltblütig, auch wenn er für einzelne Personen durchaus Sympathien, bzw. Beschützerinstinkte entwickeln konnte.

Im Klappentext las ich, dass der Autor durch Berichte über mysteriöse Todesfälle und Misshandlungen innerhalb der katholischen Kirche zu dieser Geschichte inspiriert wurde. Auf den hinteren Seiten des Buches wird auch erläutert, dass viele der handelnden Personen real waren, ebenso wie einige der Geschehnisse. Meines Erachtens hat Weber hier aber zu viele Themen zusammenbringen wollen. So wird ein weiter Bogen gespannt; von grauenvollen Berichten eines Sanitäters von den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges über die teils erschreckenden Verhältnisse in katholischen Heimen für behinderte Kinder und Euthanasie bis hin zu der Verbitterung der Aktiven des niederländischen Widerstands, die ohnmächtig mitansehen mussten, wie Nazi-Kollaborateure nach dem Krieg ohne große Schwierigkeiten in ihre alten Positionen und Rollen zurückkehren konnten.

"Sie hatten die Finger nicht am Abzug gehabt, und die Zeit des Wartens auf ihre Zielperson war ihnen nicht endlos vorgekommen. Und nachdem die Orden ausgeteilt und die Worte des Dankes gesprochen worden waren, entschieden sie sich dafür, Abstand zu halten, weil Menschen, die getötet haben, so gerechtfertigt das damals auch war, trotzdem Mörder blieben. In viel größerem Maße wandte man sich jedoch von ihnen ab, weil sie, die Widerstand geleistet hatten, einen an die eigene Feigheit erinnerten." (Seite 182)

So sprang die Geschichte hin und her und ich hätte mir eine stärkere Fokussierung gewünscht. Die Krimihandlung, mit der das Buch angepriesen wurde, geriet ziemlich in den Hintergrund.

Fazit:

Eine düstere und triste Geschichte aus dem Niederlande der Nachkriegszeit. Die Anhäufung bedrückender Details fand ich viel zu deprimierend.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2020

Ein durchaus interessantes Thema, leider unbefriedigend umgesetzt

Der Funke des Lebens
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Inhalt (Klappentext):

An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, ...

Inhalt (Klappentext):

An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und die Anwesenden als Geiseln genommen. Als McElroy im Begriff ist, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, kommt auf seinem Handy eine schockierende Nachricht an: Seine 15-jährige Tochter Wren befindet sich in der Klinik. McElroy setzt alles daran, Wren und die anderen Geiseln zu befreien - Frauen in Not, engagierte Ärzte und Krankenschwestern, bedroht von einem fanatischen Abtreibungsgegner, selbst Vater einer Tochter im Teenageralter, der Amok läuft, um sich Gehör zu verschaffen ...

Meine Meinung:

Die Geschichte wird stundenweise rückwärts erzählt. Warum die Autorin diese Erzählweise benutzt hat, ist mir ehrlich gesagt bis zum Ende nicht klar geworden. Da das Schicksal der meisten Beteiligten bekannt ist (bis auf einen kleinen Cliffhanger, der sich erst am Schluss auflöst) kommt es zu keinen größeren Überraschungen. Jedes Kapitel beschreibt eine Stunde des gleichen Tages und innerhalb dieser Kapitel kommen die Geschichten, Gedanken und Gefühle der Protagonisten ans Licht. Hier hätte ich mir eine stärkere Fokussierung gewünscht, durch den ständigen Wechel zwischen den Personen konnte keine nähere Bindung entstehen. Vielleicht wollte Picoult dadurch die verschiedenen Standpunkte und Meinungen zu dem umstrittenen Thema Abtreibung stärker zum Ausdruck bringen. Der Leser erhält eine Unmenge an medizinischen und rechtlichen Informationen, es werden aber auch persönliche Schicksale geschildert, von den die Autorin im Zuge ihrer Recherchen gehört hat. Sie selbst bezieht keine klare Meinung zu diesem Thema, vielleicht um nicht einen Teil ihrer Leserschaft zu verprellen. In den USA ist die Frage "Abtreibung - ja/nein" viel stärker mit religiösen Standpunkten belastet, so dass ein Vergleich mit den Verhältnissen in Deutschland eher schwerfällt. Auch die Gewalt gegen die Abtreibungskliniken sowie den dort tätigen Ärzten und Personal, ist in den USA ein viel größeres Thema.

Fazit:

Durch die vielen Informationen und ständigen Wechsel zwischen den Protagonisten konnte mich das Buch nicht fesseln, auch der Aufbau hat mir nicht gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2020

Das Leben mit einem Überlebenden

Der Schrecken verliert sich vor Ort
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Inhalt (Klappentext):

Als Lena im Gerichtsflur auf Heiner trifft, weiß sie, dass sie diesen Mann festhalten muss. Er zögert. Soll er sich auf eine Frau aus Deutschland, dem Land der Täter, einlassen? ...

Inhalt (Klappentext):

Als Lena im Gerichtsflur auf Heiner trifft, weiß sie, dass sie diesen Mann festhalten muss. Er zögert. Soll er sich auf eine Frau aus Deutschland, dem Land der Täter, einlassen? Sie wagen diese Liebe, Heiner zieht zu Lena. Sie fragt sich, ob sie die Welt, in der ihr Mann zuhause ist, je verstehen wird. Und Heiner fragt sich, wie weit man Erfahrungen weitergeben kann. Denn während Lena vom gemeinsamen Urlaub in der Südsee träumt, kämpft Heiner mit den Albträumen seiner Vergangenheit, dem Schrecken von Auschwitz. Immer wieder landen sie in Sackgassen und immer wieder hilft ihnen eine überraschende Fähigkeit: Humor.

Meine Meinung:

Ich habe sehr lange mit mir gerungen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es ist ein ungeheuer wichtiges Thema und auch wenn mich die drastischen Schilderungen sehr mitgenommen und entsetzt haben, finde ich diese schonungslosen Berichte richtig und wichtig gegen das Vergessen.

Ich bin immer wieder fassungslos darüber, wie grausam und mitleidslos "normale" Menschen ihre sogenannte Pflicht erfüllten und mit welcher Leichtigkeit und scheinbar ohne den geringsten Ansatz von Schuldbewusstsein oder Gewissenbisse sie in ihr altes Leben zurückgekehrt sind. Ich finde es auch schockierend, dass sie sich selbst nach Jahren und mit der Vergangenheit konfrontiert auch noch als Opfer sehen, da ja ihr Tun zu diesem Zeitpunkt erforderlich, bzw. gewünscht war. Mir wird immer schlecht, wenn ich so etwas lesen muss.

Das Buch wirft aber einen stärkeren Blick auf die Überlebenden. Was macht so eine Tortur mit einem Menschen? Wie kann man nach solch entsetzlichen Erfahrungen weiterleben?

Meine durchschnittliche Bewertung kommt von meine Schwierigkeiten mit dem Protagonisten. Ich kam mit der Person des Heiner einfach nicht klar und das ist es auch, was mich am meisten umgetrieben hat. Darf ich jemanden unsympathisch und egoistisch finden, der solche traumatische Erlebnisse hinter sich hat? Niemand weiß, wie man selbst in derartigen Situationen reagiert und es ist auch nicht so, dass ich nicht verstehen kann, weshalb Heiner so ist wie er ist. Aber meiner Meinung nach war diese Paarbeziehung zwischen Heiner und Lena so dermaßen ungleich. Lena war eigentlich immer in der Defensive. Sie hat das gut gemeistert und sich oft auch nicht unterkriegen lassen, aber es hat mich extrem aufgeregt. So manches Mal fand ich Heiners Verhalten einfach ungeheuerlich.

Der erste Teil des Buches hat mir noch am besten gefallen. Das vorsichtige Kennenlernen, die Zweifel auf beiden Seiten, das war gut. Der zweite Teil war interessant und gut geschrieben, aber da wuchs mein Unbehagen stark an und ich habe sogar eine Leserunde abgebrochen, weil ich erst einmal mit meinen eigenen ambivalenten Gefühlen klar kommen musste.

Ich kann gut verstehen, dass viele Leser dieses Buch als herausragend empfinden, bei mir haben sich am Ende dann doch die eher negativen Gefühle durchgesetzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2020

Er wird immer besser

Das schwarze Band
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Inhalt (Klappentext:)

Wien im Juli 1921: Die Stadt ächzt unter einer Hitzewelle, Wasser wird rationiert, und der Asphalt schmilzt. Kriminalinspektor August Emmerich macht noch ein ganz anderes Problem ...

Inhalt (Klappentext:)

Wien im Juli 1921: Die Stadt ächzt unter einer Hitzewelle, Wasser wird rationiert, und der Asphalt schmilzt. Kriminalinspektor August Emmerich macht noch ein ganz anderes Problem zu schaffen: Weil er sich wieder einmal danebenbenommen hat, wird er von den Ermittlungen an zwei ermordeten Tänzerinnen abgezogen und in einer Kadettenschule interniert. Dort soll er, gemeinsam mit anderen schwarzen Schafen aus dem Polizeidienst, bessere Umgangsformen lernen. Doch als in der Schule ebenfalls ein Mord passiert, muss Emmerich für seine Nachforschungen erneut alle Regeln brechen. Denn er sieht sich mit einer blutigen Intrige konfrontiert, die ihn bis in die höchsten politischen Kreise führt ...

Meine Meinung:

Auch mit dem 4. Fall um den Kriminalinspektor August Emmerich schafft es Alex Beer den Leser in das historische Ambiente eintauchen zu lassen. Im Gegensatz zu den vorherigen Büchern, die alle im tristen und kalten Winter spielen, herrscht hier eine Hitzewelle und es ist wiederum die arme Bevölkerung, die am meisten unter diesen Umständen leiden muss. Da Emmerich zeitweise aus dem Verkehr gezogen wird, ist sein sympathischer Assistent Ferdinand Winter auf sich allein gestellt und es hat mir gut gefallen, wie seine, zu Beginn der Reihe eher kleine, Rolle immer weiter ausgebaut wird. Es gibt wieder einige sympathische und unsympathische Nebencharaktere, teils alte Bekannte, aber es sind auch ein paar neue und interessante Persönlichkeiten dabei. Der zunächst einfach aussehende Mordfall erweist sich als komplexe Verschwörung und das wahre Ausmaß wird erst am Ende deutlich. So entwickelt sich eine spannende Geschichte, die sich sehr gut und leicht lesen lässt und so nebenbei erfährt der Leser auch noch einiges Wissenswerte über die damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Schluss macht zusätzlich noch große Hoffnung auf eine weitere Fortsetzung.

Fazit:

Ein spannender und historisch stimmiger Krimi mit sympathischen Haupt- und Nebenfiguren. Sehr gelungen!

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2020

Genial

Der dunkle Garten
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Inhalt (Klappentext):

Toby Hennessy, 28, führt ein unbeschwertes Leben in Dublin. Bis er eines Nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird. Toby überlebt nur knapp, kann sich nicht mehr auf ...

Inhalt (Klappentext):

Toby Hennessy, 28, führt ein unbeschwertes Leben in Dublin. Bis er eines Nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird. Toby überlebt nur knapp, kann sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Er flüchtet sich in das »Efeuhaus« – das alte Anwesen der Familie, wo er sich um seinen sterbenden Onkel Hugo kümmern soll. Doch der dunkle Garten des Hauses birgt ein schreckliches Geheimnis.

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Bücher von Tana French gelesen und liebe ihren unaufgeregten und detaillierten Schreibstil. Nachdem ich die letzten beiden Bänder der Dublin Murder Squad-Reihe etwas schwächer fand, ist ihr hier wieder ein absolut genialer Roman gelungen.

Der Ich-Erzähler Toby ist nach einem Überfall körperlich und geistig stark eingeschränkt und kann dadurch seinen Erinnerungen nicht mehr richtig trauen. Die Geschichte geht ganz behutsam und allmählich los, nimmt aber durch diese Erzählperspektive immer wieder überraschende Wendungen und so manche Klarheiten lösen sich im weiteren Verlauf in Luft auf. Irgendwann scheint alles geklärt und die Wahrheit offen gelegt. Da aber noch ca. 100 Seiten übrig waren, habe ich mich gefragt, wo diese Geschichte noch hinführen mag. Das Ende, mit dem ich in keinster Weise gerechnet habe, hat mich dann wirklich umgehauen und das, für mich, schon sehr gute Buch zu einem genialen gemacht. Der absolute Wow-Effekt!

Fazit:

Eine spannende, teilweise verstörende Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen und einem absolut genialen Abschluss. Großartig!

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