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Yolande

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Veröffentlicht am 03.09.2021

Eine unheilvolle Schiffsreise

Der Tod und das dunkle Meer
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Inhalt (Klappentext):
Gerade noch hat Samuel Pipps im Auftrag der mächtigen Männer der Ostindien-Kompanie einen kostbaren Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden. Nun befindet er sich auf dem Weg ...

Inhalt (Klappentext):
Gerade noch hat Samuel Pipps im Auftrag der mächtigen Männer der Ostindien-Kompanie einen kostbaren Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden. Nun befindet er sich auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und Freund Arent Hayes ist mit an Bord der Saardam. Genau wie der Generalgouverneur und seine Frau Sara Wessel. Doch kaum auf See, beginnt der Teufel sie heimzusuchen. Unerklärliche Morde geschehen, und ein Flüstern weht durch das Schiff, das alle an Bord dazu verführt, ihren dunkelsten Wünschen nachzugeben. Pipps muss seinem Freund Arent und Sara dabei helfen, ein Rätsel zu lösen, das alle Passagiere verbindet und weit in die Vergangenheit zurückreicht. Bevor das Schiff sinkt und sie alle in die Tiefe reißt.
Stuart Turton liefert mit diesem Buch ein prächtiges Spektakel. Schon von Beginn an wird der Leser von der bildhaften Atmosphäre eingefangen. Das bunte Treiben im Hafen von Batavia, die knarrenden Segel, das Getümmel auf den Schiffen der Ostindien-Kompanie. Aber auch das Unheilvolle und Dunkle, das über dieser Reise zu hängen scheint, wird sehr gut transportiert. Wie schon bei seinem Debütroman „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ ist die Handlung äußerst komplex und genreüberschreitend. Turton beschränkt sich aber nicht nur auf den abenteuerlichen und geheimnisvollen Plot, sondern schildert nebenbei auch noch die teils unzumutbaren Zustände, die damals bei diesen Überfahrten herrschten, die strengen Hierarchien innerhalb der Mannschaft, aber auch der Passagiere sowie die Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen und sozialen Stellung. Dies alles beschreibt er in einem flotten und gut lesbaren Stil. Im Mittelteil kommt es hin und wieder zu ein paar Längen und es wurde kurzzeitig auch etwas unübersichtlich, aber zum Ende wurde die Geschichte wieder gradliniger und die Auflösung besticht durch ihre Stringenz.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen und mich wunderbar unterhalten. Ein echter Schmöker für gemütliche und spannende Lesestunden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2021

Guter Anfang, dann leider langweilig

Harlem Shuffle
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Inhalt (Klappentext):

Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen, doch die Einkünfte aus seinem Laden reichen nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin ...

Inhalt (Klappentext):

Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen, doch die Einkünfte aus seinem Laden reichen nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin Freddy bringt gelegentlich eine Goldkette vorbei, die Ray bei einem Juwelier versetzt. Doch was tun mit dem Raubgut aus dem Coup im legendären „Hotel Theresa“ im Herzen Harlems, nachdem Freddy sich verdünnisiert hat? Als Polizei und Gangster Ray in seinem Laden aufsuchen, steht sein waghalsiges Doppelleben auf der Kippe.

Der Beginn des Buches hat mich sofort mitgenommen. Colson Whitehead fängt sehr gut die Stimmung und Atmosphäre des New Yorker Stadtviertels Harlem Ende der 50er Jahre ein. Es gibt kleine geschichtliche Ausflüge und Anekdoten aus dieser Zeit, die so nebenbei eingeflochten werden und für das richtige Flair sorgen. Zwischenzeitlich konnte ich mir das Ganze auch gut als Film vorstellen. Der Protagonist Ray ist ein sympathischer Kerl. Trotz seiner schwierigen Kindheit und denkbar schlechten Voraussetzungen versucht er, seinem Leben einen Aufwärtstrend zu verpassen, was ihm auch so nach und nach zu gelingen scheint. Doch ab dem zweiten Teil schleichen sich erhebliche Längen ein. Was am Anfang noch vergnügliche Einwürfe waren, wächst sich hier leider oft zu Abschweifungen aus, die zu sehr ablenken und die Geschichte unnötig in die Länge ziehen. Es ist kein schlechtes Buch, es ist unterhaltsam und beiläufig bekommt man auch einen Einblick in das Leben der schwarzen Bevölkerung zu dieser Zeit, mit dem ganzen herrschenden Alltagsrassismus, der mir so manches Mal doch den Atem verschlagen hat. Aber die Leichtigkeit und das Augenzwinkernde, das mir das Buch so schmackhaft gemacht hat, ging leider etwas verloren, so dass ich doch nur 3 Sterne vergeben kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2021

Fragwürdig

Kreutzersonate
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Die Kreutzersonate ist eine Novelle von Leo Tolstoi, die in den Jahren 1887-89 entstand. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein berühmter Schriftsteller, der allerdings eine Sinnkrise durchlebte. Schon seit ...

Die Kreutzersonate ist eine Novelle von Leo Tolstoi, die in den Jahren 1887-89 entstand. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein berühmter Schriftsteller, der allerdings eine Sinnkrise durchlebte. Schon seit 1881 hatte er sich intensiv religiösen und moralischen Fragen zugewandt.
In der Novelle schildert Tolstoi die Geschehnisse einer Zugreise. Die Passagiere kommen miteinander ins Gespräch über Liebe und Ehe und während dessen Verlauf offenbart sich der Gutsbesitzer Posdnyschew als Mörder seiner Ehefrau. Die meisten der Mitreisenden wechseln daraufhin empört das Abteil, doch ein Passagier, der Ich-Erzähler, möchte aus Mitleid oder Neugier die ganze Geschichte erfahren.
Zu Beginn ist das Ganze eine unaufhörliche Tirade gegen die herrschende Moral der Gesellschaft, gegen eheliche Untreue und Sexualität an sich. Der Geschichte vorangestellt sind zwei Bibelzitate, die mich schon gleich etwas verstörten. Es gab zu der Zeit eine russische Sekte, die sogenannten „Skopzen“, die völlige sexuelle Enthaltsamkeit propagierte und deswegen sogar die Verstümmlung der Geschlechtsteile, wie Kastration oder Amputation der Brüste, unterstützte. Sie beriefen sich auf ebendiese Textstellen der Bibel.
Dieser Abschnitt hat mich sehr ermüdet und befremdet, weil ich mit den kruden Ansichten des Protagonisten Posdnyschew überhaupt nichts anfangen konnte. Offensichtlich hatte Tolstoi hier versucht, seine eigenen Ansichten im Deckmantel einer Novelle unters Volk zu bringen. Erst als die eigentliche „Handlung“ begann, konnte ich mich ein wenig mit der Geschichte anfreunden. Aber auch hier ufert das Erzählte immer wieder aus und P. stellt sich mehrfach als Opfer der Umstände dar. Er versucht sich zu rechtfertigen und ist doch im Grunde nur ein Mörder, der aus rasender Eifersucht, begründet oder nicht, die physische Stärke gegenüber seiner Frau ausnutzt.
Das Nachwort von Olga Martynova, einer russischen Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin, versucht der Novelle noch einen bedeutenden gesellschaftlichen Stellenwert beizumessen. Eine, in Anbetracht der Berühmtheit des Autors, verständliche Auslegung, der ich aber nicht folgen konnte. Überzeugen konnte mich einzig und allein die manchmal aufblitzende Erzählkunst Tolstois, weswegen ich auch noch zwei Sterne vergebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 11.08.2021

Die Wahrheit werden wir nie erfahren

Ein Raum aus Blättern
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Bei diesem Buch handelt es sich um die fiktiven Memoiren von Elizabeth Macarthur (1766-1850), der Ehefrau des berühmten und einflussreichen John Macarthur (1767-1834), der als Begründer der Schafzucht ...

Bei diesem Buch handelt es sich um die fiktiven Memoiren von Elizabeth Macarthur (1766-1850), der Ehefrau des berühmten und einflussreichen John Macarthur (1767-1834), der als Begründer der Schafzucht in Australien gilt. Beide sind in Australien bekannte Persönlichkeiten, die sogar mit Briefmarken und ihrem Bildnis auf Dollarmünzen und -noten geehrt wurden. Hierzulande sind sie jedoch eher unbekannt.

„John Macarthur galt als streitsüchtig und hitzköpfig, aber durch Elizabeth' Seriosität und Charme behielt das Paar sein soziales Ansehen“, schreibt Wikipedia. Kate Grenville hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, diese starke Frau hinter den Kulissen stärker zu beleuchten. Dabei nutzt sie das Mittel der „geheimen Memoiren“, die angeblich bei Bauarbeiten gefunden wurden. Sie bietet uns einen Blick auf die vermeintlich echte Elizabeth und ihre wahren Gedanken.

Ohne Selbstbestimmung und große Wahl musste sie ihre Heimat verlassen, um ihren Ehemann in das frisch kolonialisierte Australien zu begleiten. Sydney Cove war zu dieser Zeit nur eine Strafkolonie, die Verhältnisse äußerst primitiv und es herrschte Nahrungsmittelknappheit, da die Versorgung der Bevölkerung ausschließlich vom englischen Mutterland gewährleistet wurde.

Auf unterhaltsame Weise beschreibt Kate Grenville nun, wie sich die junge Frau an der Seite ihres ungeliebten Mannes behauptet hat. Mit ironischem Blick schaut sie auf diese Männerwelt, erzählt aber auch von der Unterdrückung ihrer Bedürfnisse sowie der Suche nach Raum für ihre eigene Selbstbestimmung, die den damaligen Frauen nicht zugestanden wurde.

Ich hätte gerne noch etwas mehr über das Leben der indigenen Bevölkerung, ihre Unterdrückung und das schwierige Zusammenleben der Völker erfahren, da aber das Hauptaugenmerk auf den Befindlichkeiten Elizabeth' lag, kamen solche Geschichten eher nur am Rande vor. Auch lag der Schwerpunkt mehr auf der Vorgeschichte des Erfolgs der Macarthurs und zum Ende hin wurden die Geschehnisse ziemlich komprimiert erzählt

Trotzdem ist die Geschichte ist sehr unterhaltsam und fesselnd und es gibt wunderbare poetische Natur- und Landschaftsbeschreibungen. Die Kapitel sind kurz gehalten und geben ein gutes Tempo vor. Ich gebe ehrlich zu, dass ich zu Beginn auch auf die „echten“ Memoiren hereingefallen bin, aber durch die moderne Sprache wurde mir dann doch schnell klar, dass es sich hier nur um Fiktion handeln kann. Vielleicht ist es der Autorin gelungen, den ein oder anderen wahren Gedanken der Elizabeth Macarthur einzufangen. Die Wahrheit jedoch werden wir nicht erfahren.

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Veröffentlicht am 28.06.2021

Unentschlossen

Die Skrupellosen
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Inhalt (Klappentext):

Dan ahnt nicht, wie millionenschwer die Eltern seiner Frau sind. Das junge Paar lebt bescheiden in einem kleinen Apartement in London. Bea ist zufrieden, doch Dan träumt von einem ...

Inhalt (Klappentext):

Dan ahnt nicht, wie millionenschwer die Eltern seiner Frau sind. Das junge Paar lebt bescheiden in einem kleinen Apartement in London. Bea ist zufrieden, doch Dan träumt von einem ganz anderen Leben. Um dem tristen Alltag einmal zu entfliehen, nehmen sich die beiden eine Auszeit. Einen Sommer lang wollen sie die schönsten Flecken Europas erkunden. Ihre Reise bringt sie zunächst zu Beas Bruder nach Burgund, wo Alex ein Hotel führt, Doch schon hier endet die ersehnte Idylle. Das Hotel ist heruntergekommen, und Alex gibt zu, dass er noch nie Gäste beherbergt hat. Kaum sind die Koffer ausgepackt, kündigen sich zu Beas Entsetzen ihre Eltern zu einem Überraschungsbesuch an. Dan weiß bisher nicht, warum sich Bea so sehr von ihrer Familie distanziert (…)

Meine Meinung:

Die Geschichte macht einen sehr ambivalenten Eindruck auf mich. Es scheint, als hätte sich die Autorin nicht so recht entscheiden können, ob sie einen Beziehungsroman oder doch lieber einen Krimi schreiben wollte. Immer wieder kommt es zu merkwürdigen Situationen und verstörenden Szenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Vielleicht sollen durch diese Begebenheiten, die immer Bea widerfahren, dem Leser der Charakter dieser Protagonistin näher gebracht werden. Ich weiß es nicht, aber ich empfand diese Szenen als sehr beunruhigend. Die Charaktere sind meist sehr holzschnittartig und klischeehaft geschildert. Der protzige Millionärsvater, mit der „Mein Haus-Mein Auto-Mein Boot“-Attidüde, die Mutter nur auf ihr Aussehen und ihre äußere Wirkung bedacht, die sie mit theatralischen und dramatischen Gesten unterstreicht. Tochter Bea, die sich komplett konträr zum Lebensstil ihrer Eltern verhält und ihre Herkunft soweit verleugnet, dass sie nicht einmal ihrem Ehemann davon erzählt. Einzig ihr Mann Dan wird etwas vielschichtiger dargestellt. Er, der von dem sagenhaften Reichtum der Familie nichts wusste und nun versucht ist, den Schritt in die Welt der Reichen und Schönen zu wagen.
Was mich völlig entsetzte, war das brutale Ende, das für mich aus heiterem Himmel kam. Ich fand das völlig unnötig und es machte auf mich den Eindruck, als wollte die Autorin das Buch unbedingt mit einem Knalleffekt abschließen. Sehr schade, bis dahin hätte ich mich vielleicht noch mit der Geschichte anfreunden können, aber dieser Schluss hat mir alles verdorben.

Fazit:

Ein unentschlossenes Buch mit klischeehaften Protagonisten und einem unnötig brutalen Ende.

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