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Yolande

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Veröffentlicht am 10.12.2020

Eher für journalistische Zwecke

Deadline
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Der Schweizer Journalist und Autor Constantin Seibt schrieb von Mai 2012 bis Juli 2014 auf der Webseite des Tages-Anzeiger Zürich seinen Blog "Deadline". Dieses Buch enthält eine überarbeitete Auswahl ...

Der Schweizer Journalist und Autor Constantin Seibt schrieb von Mai 2012 bis Juli 2014 auf der Webseite des Tages-Anzeiger Zürich seinen Blog "Deadline". Dieses Buch enthält eine überarbeitete Auswahl an Texten aus diesem Blog.

Auf der Suche nach Tipps zum besseren Schreiben von Texten bin ich auf dieses Buch gestoßen. Leider ist es nicht ganz das, was ich gesucht habe, weil sich die Tipps und Tricks in der Hauptsache auf Zeitungsartikel, Reportagen oder Kolumnen, also journalistische Arbeit, beziehen. Aber das Buch bietet interessante Einblicke in die Welt der Printmedien und Zeitungsverlage, die ja seit dem Erstarken der Online-Angebote mit dem Überleben zu kämpfen haben. Seibt schreibt fluffig und gut lesbar, entwickelt aber im Verlauf des Buches einen gewissen oberlehrerhaften Ton. Er hat für seine Tätigkeit als Journalist schon einige Preise gewonnen, unter anderem wurde er 2013 zum Kolumnisten des Jahres in der Schweiz gewählt, aber das lässt er leider zwischendurch auch etwas raushängen.

Wie schon gesagt ist das Buch für meine Zwecke eher ungeeignet, da ich nicht journalistisch tätig bin und meine Texte nur für den Hausgebrauch (Rezensionen!) bestimmt sind, aber den ein oder anderen Tipp konnte ich schon mitnehmen.

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Veröffentlicht am 25.08.2021

Fragwürdig

Kreutzersonate
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Die Kreutzersonate ist eine Novelle von Leo Tolstoi, die in den Jahren 1887-89 entstand. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein berühmter Schriftsteller, der allerdings eine Sinnkrise durchlebte. Schon seit ...

Die Kreutzersonate ist eine Novelle von Leo Tolstoi, die in den Jahren 1887-89 entstand. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein berühmter Schriftsteller, der allerdings eine Sinnkrise durchlebte. Schon seit 1881 hatte er sich intensiv religiösen und moralischen Fragen zugewandt.
In der Novelle schildert Tolstoi die Geschehnisse einer Zugreise. Die Passagiere kommen miteinander ins Gespräch über Liebe und Ehe und während dessen Verlauf offenbart sich der Gutsbesitzer Posdnyschew als Mörder seiner Ehefrau. Die meisten der Mitreisenden wechseln daraufhin empört das Abteil, doch ein Passagier, der Ich-Erzähler, möchte aus Mitleid oder Neugier die ganze Geschichte erfahren.
Zu Beginn ist das Ganze eine unaufhörliche Tirade gegen die herrschende Moral der Gesellschaft, gegen eheliche Untreue und Sexualität an sich. Der Geschichte vorangestellt sind zwei Bibelzitate, die mich schon gleich etwas verstörten. Es gab zu der Zeit eine russische Sekte, die sogenannten „Skopzen“, die völlige sexuelle Enthaltsamkeit propagierte und deswegen sogar die Verstümmlung der Geschlechtsteile, wie Kastration oder Amputation der Brüste, unterstützte. Sie beriefen sich auf ebendiese Textstellen der Bibel.
Dieser Abschnitt hat mich sehr ermüdet und befremdet, weil ich mit den kruden Ansichten des Protagonisten Posdnyschew überhaupt nichts anfangen konnte. Offensichtlich hatte Tolstoi hier versucht, seine eigenen Ansichten im Deckmantel einer Novelle unters Volk zu bringen. Erst als die eigentliche „Handlung“ begann, konnte ich mich ein wenig mit der Geschichte anfreunden. Aber auch hier ufert das Erzählte immer wieder aus und P. stellt sich mehrfach als Opfer der Umstände dar. Er versucht sich zu rechtfertigen und ist doch im Grunde nur ein Mörder, der aus rasender Eifersucht, begründet oder nicht, die physische Stärke gegenüber seiner Frau ausnutzt.
Das Nachwort von Olga Martynova, einer russischen Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin, versucht der Novelle noch einen bedeutenden gesellschaftlichen Stellenwert beizumessen. Eine, in Anbetracht der Berühmtheit des Autors, verständliche Auslegung, der ich aber nicht folgen konnte. Überzeugen konnte mich einzig und allein die manchmal aufblitzende Erzählkunst Tolstois, weswegen ich auch noch zwei Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 28.06.2021

Unentschlossen

Die Skrupellosen
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Inhalt (Klappentext):

Dan ahnt nicht, wie millionenschwer die Eltern seiner Frau sind. Das junge Paar lebt bescheiden in einem kleinen Apartement in London. Bea ist zufrieden, doch Dan träumt von einem ...

Inhalt (Klappentext):

Dan ahnt nicht, wie millionenschwer die Eltern seiner Frau sind. Das junge Paar lebt bescheiden in einem kleinen Apartement in London. Bea ist zufrieden, doch Dan träumt von einem ganz anderen Leben. Um dem tristen Alltag einmal zu entfliehen, nehmen sich die beiden eine Auszeit. Einen Sommer lang wollen sie die schönsten Flecken Europas erkunden. Ihre Reise bringt sie zunächst zu Beas Bruder nach Burgund, wo Alex ein Hotel führt, Doch schon hier endet die ersehnte Idylle. Das Hotel ist heruntergekommen, und Alex gibt zu, dass er noch nie Gäste beherbergt hat. Kaum sind die Koffer ausgepackt, kündigen sich zu Beas Entsetzen ihre Eltern zu einem Überraschungsbesuch an. Dan weiß bisher nicht, warum sich Bea so sehr von ihrer Familie distanziert (…)

Meine Meinung:

Die Geschichte macht einen sehr ambivalenten Eindruck auf mich. Es scheint, als hätte sich die Autorin nicht so recht entscheiden können, ob sie einen Beziehungsroman oder doch lieber einen Krimi schreiben wollte. Immer wieder kommt es zu merkwürdigen Situationen und verstörenden Szenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Vielleicht sollen durch diese Begebenheiten, die immer Bea widerfahren, dem Leser der Charakter dieser Protagonistin näher gebracht werden. Ich weiß es nicht, aber ich empfand diese Szenen als sehr beunruhigend. Die Charaktere sind meist sehr holzschnittartig und klischeehaft geschildert. Der protzige Millionärsvater, mit der „Mein Haus-Mein Auto-Mein Boot“-Attidüde, die Mutter nur auf ihr Aussehen und ihre äußere Wirkung bedacht, die sie mit theatralischen und dramatischen Gesten unterstreicht. Tochter Bea, die sich komplett konträr zum Lebensstil ihrer Eltern verhält und ihre Herkunft soweit verleugnet, dass sie nicht einmal ihrem Ehemann davon erzählt. Einzig ihr Mann Dan wird etwas vielschichtiger dargestellt. Er, der von dem sagenhaften Reichtum der Familie nichts wusste und nun versucht ist, den Schritt in die Welt der Reichen und Schönen zu wagen.
Was mich völlig entsetzte, war das brutale Ende, das für mich aus heiterem Himmel kam. Ich fand das völlig unnötig und es machte auf mich den Eindruck, als wollte die Autorin das Buch unbedingt mit einem Knalleffekt abschließen. Sehr schade, bis dahin hätte ich mich vielleicht noch mit der Geschichte anfreunden können, aber dieser Schluss hat mir alles verdorben.

Fazit:

Ein unentschlossenes Buch mit klischeehaften Protagonisten und einem unnötig brutalen Ende.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Es fing so gut an ...

Das Flüstern der Bäume
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Eine Familiengeschichte, aufgebaut wie die Jahresringe eines Baumes, beginnend im Jahr 2038, einer nicht allzu fernen Zukunft, die leicht dystopisch geschildert wird. Durch das "Große Welken" sind die ...

Eine Familiengeschichte, aufgebaut wie die Jahresringe eines Baumes, beginnend im Jahr 2038, einer nicht allzu fernen Zukunft, die leicht dystopisch geschildert wird. Durch das "Große Welken" sind die meisten Baumbestände der Erde vernichtet, es gibt nur noch wenige Waldoasen. Sie befinden sich im Privatbesitz von Firmen, die sich den Aufenthalt dort gut bezahlen lassen. Hier startet die Geschichte der Greenwoods mit der mittellosen Waldführerin Jacinda. Wir erfahren einiges über ihren Vater Liam, den sie nie kennengelernt hat, ihre Großmutter Willow, einer radikalen Umweltschützerin und Waldbewahrerin und ihren Urgroßvater Harris, der durch die Abholzung und den Verkauf von riesigen Waldbeständen zu einem Vermögen gekommen ist. Außerdem gibt es noch den Bruder von Harris, Everett, der 38 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte. Sie alle gehören zur Familie von Jacinda und von Generation zu Generation wird die Geschichte zum Ursprung zurückgeführt, zum Zentrum des Familienbaumes, um danach wieder die Richtung zu Jacinda wieder aufzunehmen.

"In Wahrheit aber sind alle Familienlinien von der höchsten bis zur niedrigsten irgendwo entstanden, an irgendeinem bestimmten Tag. Selbst die größten Bäume müssen einmal hilflos im Wind kreiselnde Samen gewesen sein und dann Schösslinge, die sich nur zaghaft aus dem Boden schieben." (S.253)

Das Buch liest sich sehr flüssig, es gibt wunderschöne Formulierungen und Vergleiche, wie z. B. gleich zu Beginn:

"Die belaubte Kuppel der Moschee, die aufwärts strebenden Türme der Abtei, das gerippte Gewölbe der Kathedrale - waren nicht die Sakralbauten aller Glaubensrichtungen von Bäumen inspiriert?" (S. 16)

So war ich zu Beginn auch sehr angetan von der Lektüre. Aber so nach und nach schlichen sich kleine Irritationen ein - Merkwürdigkeiten und Zufälle, die für mich nicht nachvollziehbar, aber durchaus noch tolerierbar waren. Leider wuchsen sich diese Ungereimtheiten im weiteren Verlauf immer mehr zu einer hanebüchenen Geschichte aus, die ich ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nicht mehr ernst nehmen konnte. Schlussendlich verkam das Buch zu einer rührseligen und zweifelhaften Soap-Opera und ich verlor endgültig die Freude daran. Ich habe nichts gegen phantasievolle Ideen und märchenhafte Entwicklungen. Ich lese mit großer Freude Geschichten von Autoren wie z.B. T.C. Boyle oder John Irving, aber dort werden solche Entwicklungen mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt, das hier leider völlig fehlte. Der Autor erweckte den Eindruck, dass er diese zunehmenden und aberwitzige Zufälle und Verläufe als durchaus ernst gemeint verkaufen wollte. Leider kann ich keine richtigen Beispiele anführen ohne zu spoilern, aber Geschichten über Babys, die tagelang ohne Nahrung auskommen, die "größte" Bibliothek der Erde in einem Kaff in Kanada und eine junge Frau mit Superkräften à la Hulk sind einfach nur lächerlich. Auch der Umweltgedanke, der so stark im ersten Abschnitt herausstach, ging unterwegs verloren und sollte wohl hauptsächlich als Verkaufsargument dienen.

In einigen Bücherforen - und magazinen wird dieser Schmöker als großartige und berührende Familiengeschichte angepriesen. Wenn man sich durch unglaubliche und absurde Wendungen nicht abschrecken lässt, kann man sich durchaus von dem poetischen und gut lesbaren Schreibstil unterhalten lassen. Durch die beiden letztgenannten Gründe kann ich dem Buch auch noch den zweiten Stern zugestehen, ansonsten wäre es der absolute Reinfall gewesen.

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Veröffentlicht am 03.07.2020

Deprimierend

Staub zu Staub
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Inhalt (Klappentext):

Niederlande, 1949: Der ehemalige Widerstandskämpfer Siem Coburg lebt nach dem Krieg und dem tragischen Verlust seiner großen Liebe zurückgezogen und als gebrochener Mann auf einem ...

Inhalt (Klappentext):

Niederlande, 1949: Der ehemalige Widerstandskämpfer Siem Coburg lebt nach dem Krieg und dem tragischen Verlust seiner großen Liebe zurückgezogen und als gebrochener Mann auf einem Hausboot. Erst als ihn der alte Bauer Tammens bittet, den Tod seines Enkels aufzuklären, kehrt Coburg in die Stadt zurück. Der siebzehnjährige Siebold starb unter mysteriösen Umständen in einem katholischen Heim für geistig behinderte Kinder, und sein Großvater ist sicher, dass mehr dahintersteckt, als die Heimleiter ihn glauben machen wollen. Während Coburg immer tiefer in die Vergangenheit des Heims eintaucht, muss er feststellen, dass Siebold nicht der einzige Schutzbefohlene mit ungeklärter Todesursache ist …


Meine Meinung:

Ich fand das Buch düster und trostlos. Alles wird grau in grau geschildert - die Umgebung, das Wetter, die Menschen. Immer wieder kommt es zu Rückblenden, die aber zunächst nicht unbedingt als solche erkennbar sind, was bei mir zu Beginn zu einiger Verwirrung führte. Mit der Zeit bekam ich zwar ein Gefühl dafür, wäre aber doch über Zeitangabe zu Beginn des jeweiligen Abschnitts dankbar gewesen. Der Hauptprotagonist Coburg ist verschlossen und unnahbar, ein Einzelgänger. Durch seine Erlebnisse im niederländischen Widerstand und den Verlust seiner großen Liebe kann man diese Schroffheit einigermaßen nachvollziehen, aber sympathisch war er mir zu keinem Zeitpunkt. Ich fand ihn kaltblütig, auch wenn er für einzelne Personen durchaus Sympathien, bzw. Beschützerinstinkte entwickeln konnte.

Im Klappentext las ich, dass der Autor durch Berichte über mysteriöse Todesfälle und Misshandlungen innerhalb der katholischen Kirche zu dieser Geschichte inspiriert wurde. Auf den hinteren Seiten des Buches wird auch erläutert, dass viele der handelnden Personen real waren, ebenso wie einige der Geschehnisse. Meines Erachtens hat Weber hier aber zu viele Themen zusammenbringen wollen. So wird ein weiter Bogen gespannt; von grauenvollen Berichten eines Sanitäters von den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges über die teils erschreckenden Verhältnisse in katholischen Heimen für behinderte Kinder und Euthanasie bis hin zu der Verbitterung der Aktiven des niederländischen Widerstands, die ohnmächtig mitansehen mussten, wie Nazi-Kollaborateure nach dem Krieg ohne große Schwierigkeiten in ihre alten Positionen und Rollen zurückkehren konnten.

"Sie hatten die Finger nicht am Abzug gehabt, und die Zeit des Wartens auf ihre Zielperson war ihnen nicht endlos vorgekommen. Und nachdem die Orden ausgeteilt und die Worte des Dankes gesprochen worden waren, entschieden sie sich dafür, Abstand zu halten, weil Menschen, die getötet haben, so gerechtfertigt das damals auch war, trotzdem Mörder blieben. In viel größerem Maße wandte man sich jedoch von ihnen ab, weil sie, die Widerstand geleistet hatten, einen an die eigene Feigheit erinnerten." (Seite 182)

So sprang die Geschichte hin und her und ich hätte mir eine stärkere Fokussierung gewünscht. Die Krimihandlung, mit der das Buch angepriesen wurde, geriet ziemlich in den Hintergrund.

Fazit:

Eine düstere und triste Geschichte aus dem Niederlande der Nachkriegszeit. Die Anhäufung bedrückender Details fand ich viel zu deprimierend.

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