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Veröffentlicht am 10.10.2021

Ein Sommer in Blackberry Island ...

Wie zwei Inseln im Meer
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"Wie zwei Inseln im Meer" ist der erste von bisher vier Bänden der "Blackberry Island"-Reihe von der amerikanischen Autorin Susan Mallery. Dies ist mein erstes gelesenes Buch der Autorin und ich war zu ...

"Wie zwei Inseln im Meer" ist der erste von bisher vier Bänden der "Blackberry Island"-Reihe von der amerikanischen Autorin Susan Mallery. Dies ist mein erstes gelesenes Buch der Autorin und ich war zu Beginn sehr gefesselt von der Geschichte, dies nahm aber ab der Hälfte des Buches immer mehr ab weil die Story immer kitschiger und realitätsfremder wurde.

Inhalt: Als Michelle nach einer schweren Verletzung bei der Army nach Hause ins Blackberry Inn zurückkehrt, trifft sie nach sehr langer Zeit wieder auf Carly. Carly, ihre ehemals beste Freundin, wegen der sie ihre Heimat fluchtartig verlassen hat. Leider muss sie feststellen, dass die Zukunft ihres geliebten Zuhauses kurz vor dem Ruin steht und sie muss sich mit der verhassten Carly zusammen tun um das Blackberry Inn zu retten. Doch ist dies bei solch tiefen Wunden überhaupt möglich?

Cover und Design: Ich habe die E-Book-Version gelesen und das Cover finde ich für diesen Frauen-Roman sehr ansprechend. Es versprüht lockerleichte Sommer-Gefühle, der perfekte Roman für den Urlaub am Strand. Ganz so locker war die Geschichte zwar nicht, weil sie doch auch ernste Themen behandelte, dennoch finde ich das Cover mit seinen marinen Stil sehr ansprechend für Blackberry Island.

Meine Meinung: Bei "Wie zwei Inseln im Meer" handelt es sich um einen typischen Frauenroman mit Frauenfreundschaften, Liebe und verbitterten Vergangenheiten. Es beginnt mit sehr viel Potential, das von der Autorin aber in meinen Augen weggeworfen wurde. Es hatte so viele gute Ansätze und zu Beginn war ich wirklich gefesselt. Leider ließ dies aber ab der Hälfte immer mehr nach und es wurde immer kitschiger und realitätsfremder. Die Autorin hat die Geschichte sehr geheimnisvoll gestaltet, in der immer wieder kleine Offenbarungen aus der Vergangenheit preisgegeben wurden. Als Leser:in macht man sich ein Bild von den Charakteren, durch die kleinen Offenbarungen wird dieses Bild aber ständig hin und her geworfen, so dass man schlussendlich gar nicht mehr weiß was man denken soll. Ich mag Überraschungen und Geheimnisse in Romanen, jedoch kam mir in dieser Geschichte sehr viel zu gewollt vor. Viele der Offenbarungen wurden plötzlich in die Geschichte geworfen, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat und auch nicht wirklich ins Bild passen wollten. Einige Überraschungen waren gut, insgesamt waren es dann aber zu viele, denn ungefähr nach jedem 5. Kapitel tauchte wieder eine neue Überraschung auf, die die bisherige Story und meine Meinung zu den Charakteren wieder komplett über den Haufen geworfen hat.

Was mir sehr gut gefallen hat war das Setting. Die kleine Insel Blackberry Island mit seinen malerischen Ortschaften, der unverwechselbare Kleinstadt-Flair und Zusammenhalt dessen Bewohner. Das Hotel und die Gegend wurden wunderbar, romantisch beschrieben und ich musste sofort recherchieren ob es diese Insel tatsächlich gibt, weil ich am liebsten sofort dahin auf Urlaub gefahren wäre. Leider wurde Blackberry Island an der Küste von Seattle frei erfunden, das hat jedoch nicht den Charme der Insel ruiniert.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Michelle und Carly erzählt, somit bekommt man einen Einblick in beide Ansichten. Da sich die beiden im Streit befinden, sind diese zwei Ansichten auch bitter nötig, denn beide denken nicht wirklich das Beste übereinander. Die Protagonistinnen haben beide Stärken und Schwächen, wirklich sympathisch war aber keine von Beiden. Die Beiden sind sich nichts schuldig und haben sich gegenseitig schreckliche Dinge in der Vergangenheit angetan. Ich muss ehrlich sagen, dass ich eine Versöhnung bei ihrer gemeinsamen Vergangenheit nicht als möglich gesehen habe. Die Autorin hat die Geschichte so gestaltet, dass man einmal Sympathien für Michelle bekommt, dann wird ein Geheimnis offenbart, das sie ins schlechte Licht rückt und Carly wieder sympathischer macht. Schlussendlich sind sich die Beiden aber nichts schuldig und in meinen Augen sind Beide keine Vorbilder oder Vorzeigefrauen, sondern im Gegenteil sehr klischeebelastet.
Michelle hat aus ihrer Zeit bei der Army nicht nur eine schwere Hüftverletzung mit nach Hause gebracht, sondern auch eine posttraumatische Belastungsstörung. Sie hat in ihrer Zeit in Afghanistan schreckliches durchgemacht und sehnt sich nach Vergessen. Dies versucht sie mit Hilfe von Alkohol zu erreichen und ihr psychisches Leiden hat mich sehr mitgenommen. Die Autorin hat Michelles Trauma sehr gut und wahr dargestellt und ihre posttraumatischen Probleme wirkten niemals unecht oder überdramatisiert. Viel zu selten wird so ein ernstes Thema in Frauenromane gepackt. In den Krieg ziehen tut es sich leicht, auch die Krieger als Helden zu verehren, dass diese Krieger bei der Rückkehr zerstört sind, will aber keiner wahr haben und die großen Helden werden einfach vergessen. Amerika ist ja leider berühmtberüchtigt, sich zu wenig bzw. gar nicht um ihre Kriegsveteranen zu kümmern und ich finde es richtig, dass Susan Mallery dies in ihrem Buch angesprochen hat.
Wo Michelle düster und pessimistisch ist, ist Carly übertrieben fröhlich und verständnisvoll. Ihr Charakter war mir ein bisschen zu nett und freundlich, auch wenn sich dies nach einiger Zeit änderte. Schlussendlich konnte ich aber keine der Beiden in mein Herz schließen.

Die eingebauten Liebesgeschichten lösten in mir keine Gefühle aus und vor allem die Lovestory von Carly kam mir viel zu plötzlich. Michelles Lovestory hatte definitiv Potential, doch auch da waren viel zu wenig Gefühle und romantische Szenen im Spiel. Die Geschichte hätte keine Lovestory benötigt, weil die Vergangenheit und die Zwistigkeiten zwischen Michelle und Carly genug Stoff hergab. Die Liebe wirkte gewollt am Rande eingebaut, weil dies in Frauenromanen nun mal so ist.
Das Ende der Geschichte war mir bei all den Streitigkeiten und schrecklichen Vergangenheiten zu schnell und realitätsfremd abgehandelt. Wenn die ganze Lobby inklusiver Touristen plötzlich in Beifall ausbricht, wenn sich zwei erwachsene Frauen umarmen, dann frage ich mich wirklich, was denn das soll und ob die nichts besseres zu tun haben. Ich belausche doch nicht in einem Hotel zwei Angestellte und klatsche wenn sie sich umarmen. So ein Blödsinn! Ein Happy-End, viel zu kitschig und aufgesetzt für meinen Geschmack.

Außerdem werden Werte vermittelt mit denen ich nicht einverstanden war. Frauen, die schnell und leichtsinnig mit Männern schlafen, werden hier sofort als Schlampe abgestempelt und anstatt, dass die Frauen eine Gemeinschaft bilden, bezeichnen sie sich gegenseitig als Hure. Auch die Protagonistinnen vertreten diese Meinung und mir hätte es sehr viel besser gefallen, wenn unsere Hauptfiguren aus diesem Status Quo ausgebrochen wären.

Eine Urlaubslektüre mit malerisch-romantischem Setting und einer guten Story-Grundidee. An der Umsetzung scheiterte es aber. Der Verlauf der Story hat mir weniger gefallen und das Ende wirkte zu gewollt und kitschig. Der Schreibstil der Autorin war aber sehr gut und trotz der Schwächen habe ich die Geschichte gerne verfolgt. Ich werde die Reihe vor allem wegen der malerischen Insel "Blackberry Island" weiterverfolgen und habe die Hoffnung, dass mir Band 2 mit anderen Charakteren und einer anderen Story besser gefallen wird.

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Veröffentlicht am 09.10.2021

Ihr seid der Sturm, doch ich bin der Ozean ...

Neon Birds
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"Neon Birds" ist der erste von drei Teilen einer dystopischen Sci-Fi-Trilogie von der deutschen Autorin und Coverdesignerin Marie Graßhoff. Dies ist mein erstes gelesenes Buch der Autorin und sie konnte ...

"Neon Birds" ist der erste von drei Teilen einer dystopischen Sci-Fi-Trilogie von der deutschen Autorin und Coverdesignerin Marie Graßhoff. Dies ist mein erstes gelesenes Buch der Autorin und sie konnte mich mit ihrem Schreibstil und Weltenbau absolut begeistern.

Inhalt: Es ist das Jahr 2101. Ein außer Kontrolle geratener technischer Virus verwandelt Menschen in hyperfunktionale Zombie-Cyborgs, sogenannte Moja, die dem Willen einer außer Kontrolle geratenen künstlichen Intelligenz KAMI gehorchen. In Sperrzonen eingepfercht, werden sie von Supersoldaten bekämpft, die man weltweit als Stars feiert.
Doch als es den Moja gelingt, die Mauern der Sperrzonen zu durchbrechen, entflammt ein erbitterter Krieg zwischen Menschheit und Technologie. Luke, Flover, Okijen und Andra befinden sich mitten in diesem Krieg und müssen feststellen, dass KAMI noch sehr viel gefährlicher ist, als vermutet und es im Krieg immer zwei Seiten gibt.

Cover und Design: Das Cover des Buches kann mich nicht ganz ansprechen. Als E-Book fand ich das Cover toll, als ich aber die gedruckte Version in Händen hielt, kommt mir das Cover bei genauerem Hinsehen überladen vor. Die Farben und die Grundidee finde ich zwar gut, aber ein bisschen mehr Aufwand bei dem gedruckten Design des Buches wäre sehr viel schöner gewesen. Der schlichte Einband des Taschenbuches und die glänzend folierte Oberfläche lassen das Buch billig wirken, was ich wirklich sehr schade finde, da es ja von einem Verlag veröffentlicht wurde. Ich hatte schon Bücher von Self-Publishern in Händen, die sehr viel schöner und aufwändiger gestaltet waren. Als E-Book Top, die gedruckte Version eher ein Flop.
Innerhalb des Buches befinden sich immer wieder Auszüge aus den militärischen Geheimakten, inklusive Personalakten. Dabei befinden sich auch Charakter-Prints von den Protagonisten, die wirklich wunderschön und detailliert illustriert wurden. Die Illustrationen stammen von Mona Finden, einer wahnsinnig talentierten Künstlerin aus Norwegen. Diese Illustrationen von den Hauptcharakteren waren ein richtiges Highlight beim Lesen, schade nur, dass sie in der Print-Version des Buches in schwarz/weiß sind. Im Internet kann man sich die färbigen Prints aber ansehen.

Meine Meinung: Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich es genossen habe, dieses Buch zu lesen. Von Anfang an bis zur letzten Seite habe ich mit den Charakteren und der Story mitgefiebert und war absolut gefesselt. Der Schreibstil der Autorin war außergewöhnlich, denn man wird als Leser:in gleich ins Geschehen hineingeworfen und erst innerhalb des Buches in die ganze Story der Geschichte eingeführt. Das große Thema: außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz. Die Autorin hat daraus eine Cyberpunk-Zombie-Dystopie gewebt. Ein einzigartiges Setting und absolut genial herausgearbeitet. Ich liebe es, was die Autorin aus dieser Idee geschaffen hat. Jedes kleinste Detail ergibt das Große und Ganze und erschafft eine Welt, die mich absolut begeistern konnte. Ich will dazu gar nicht mehr verraten, denn ich will euch nicht die Freude am Entdecken dieser Welt nehmen. 😉

Die Geschichte ist actiongeladen, wo sich die Spannung nicht erst am Ende entlädt, sondern bereits auf den ersten Seiten beginnt. Zwischendurch wird es wieder etwas ruhiger, bevor sich die Spannung dann wieder explosionsartig entlädt. Die Geschichte war kein einziges Mal langweilig. Wenn gerade kein fesselnder Kampf oder Geheimnisse aufgedeckt wurden, wurde man mit informativen Fakten über die Welt und dessen Vergangenheit oder mit dem besseren Kennenlernen der Charaktere beträufelt. Unvorhergesehene Wendungen lenken die Story ständig in neue Richtungen., so dass sie niemals langweilig, sondern durchgehend spannend bleibt. Das Ende ist offen geblieben und hat mich als Leserin ein bisschen zerstört. 😅 Gefesselt saß ich in meinem Lesestuhl, gedanklich in einer völlig anderen Welt und war fassungslos. Das Buch hat es geschafft, dass ich alles rund um mich herum völlig vergessen habe.

Man verfolgt die Geschichte aus Sicht von vier jungen Erwachsenen, die wirklich alle einzigartig ausgearbeitet sind. Da gibt es einerseits Flover, der in einer geheimen Militär-Organisation für die Auslöschung der Mojas arbeitet und unter der Stellung seiner Mutter leidet, die eine führende Position in der Welt-Politik einnimmt. Sein Mitbewohner ist Luke, ein Militär-Student, der sich auf die Politikwissenschaften spezialisiert hat und aus dem vor Jahren gefallenen Sao Paulo kommt. Als Sao Paulo von den Mojas übernommen wurde, wurde Luke in sehr jungen Jahren von Tod und Leid geprägt. Okijen ist ein ehemaliger Supersoldat, der als Promi gefeiert wird. Er hat mehr Mojas ausgelöscht als jeder andere Soldat. Das hat ihn aber dementsprechend stark geprägt, nicht nur seinen Charakter, sondern auch seinen Körper, der nach vielen starken Verletzungen hauptsächlich aus Technik und Metall besteht. Andra musste erleben, wie die Mojas ihr Dorf, ihren Stamm und ihre gesamte Familie auslöschten. Sie hat nichts mehr, außer ihr Talent mit dem Umgang von Pfeil und Bogen. Diese vier Hauptcharaktere haben es alle in mein Herz geschafft und ich habe auf jeder Seite mit ihnen mitgefiebert. Flover hat sich derzeit zu meinem Liebling herausgemausert und ich bin schon so unglaublich gespannt, wie seine Geschichte weitergehen wird, denn die Autorin hatte für Flover in "Neon Birds" kein unbedingt nettes Schicksal im Sinn.

Ich habe zuvor schon viele gute Meinungen zu dieser Buchreihe gehört, habe aber niemals damit gerechnet, dass ich so begeistert davon sein würde. Diese Geschichte hat mich wirklich von vorne bis hinten total überzeugt. Episch, düster, apokalyptisch mit einem Touch Sci-Fi, unvorhergesehenen Wendungen und einem winzigen Hoffnungsschimmer - ich LIEBE es!
Ich würde dieses Buch auch Leser:innen empfehlen, die kein Fan von Science-Fiction-Büchern sind, denn diese Geschichte beinhaltet keine Aliens oder Raumschiffe, sondern künstliche Intelligenz. Ein Thema, das heutzutage schon fast nicht mehr als Sci-Fi bezeichnet werden kann, sondern tragisch realitätsnah. Neon Birds ist für mich ein absolutes Highlight gewesen und ich bin unglaublich gespannt auf die Fortsetzungen.

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Veröffentlicht am 06.10.2021

Die Kälte in meinem Herzen ...

Right Here (Stay With Me)
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"Deine Stimme ist wie warme Milch mit Honig, wenn ich nicht schlafen kann. Jede Berührung wie ein Feuer, das mich aufwärmt."

"Right Here" ist der Auftakt zur neuen Reihe von der deutschen Autorin Anne ...

"Deine Stimme ist wie warme Milch mit Honig, wenn ich nicht schlafen kann. Jede Berührung wie ein Feuer, das mich aufwärmt."

"Right Here" ist der Auftakt zur neuen Reihe von der deutschen Autorin Anne Pätzold. Und wieder einmal hat Anne ein außergewöhnliches Thema aufgegriffen, welches im gesättigten New-Adult-Genre wirklich selten ist: Eiskunstlauf. Da ich die "Love NXT"-Reihe der Autorin absolut geliebt habe, hatte ich dementsprechend hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt wurden. Ehrlich gesagt hat mich "Right Here" ein bisschen enttäuscht.

Inhalt: Lucys Leben besteht nur aus einem: dem Eiskunstlaufen. Sie liebt und lebt diesen Sport und das Training für den Wettbewerb, der in einem Monat stattfindet, füllt ihre komplette Freizeit aus. Sie will unbedingt gewinnen, vor allem da ihre Eltern ihr ein Ultimatum gesetzt haben. Entweder meistert sie den Wettbewerb mit einem Stockerlplatz oder Lucy muss wieder ihr still gelegtes Studium aufnehmen. Doch obwohl sie sich eigentlich voll aufs Training konzentrieren sollte, trifft sie auf Jules, der ihr Herz höher schlagen lässt und sie muss sich die Fragen stellen, was im Leben wirklich wichtig ist.

Cover und Design: Das Cover des Buches ist traumhaft. Eigentlich recht schlicht gehalten, versprüht es einen Zauber, der mich sofort neugierig auf die Geschichte machte. Das Cover ist anders gestaltet, als all die anderen LYX-Bücher mit den typischen Aquarell-Pastell-Tönen und sticht dadurch aus der Menge. Ich würde im Büchermarkt sofort danach greifen, auch wenn ich die Autorin noch nicht kennen würde.
Zu Beginn befindet sich wieder eine Playlist, die von der Autorin zusammen gestellt wurde. Die Playlist konnte diesmal zwar nicht ganz meinen Geschmack treffen, aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Meine Meinung: Den Schreibstil von Anne Pätzold kannte ich bereits aus ihrer "Love NXT"-Reihe und dieser ist genau so schön und einzigartig geblieben. Ihr Schreibstil ist zwar ruhig, aber jedes Wort trifft mitten ins Herz. Im Buch gibt es kein Wort zu viel, sondern jeder Satz hat eine Bedeutung. Obwohl das Buch einige ernste Themen behandelt, habe ich mich vor allem zu Beginn richtig wohl gefühlt. Dies hat sich im Laufe der Geschichte zwar verändert, aber das ändert nichts daran, dass der Schreibstil der Autorin wirklich wundervoll ist.

Das Buch hat mich sofort wegen dem außergewöhnlichen Thema angesprochen: Eiskunstlauf. Ich habe bisher noch kein einziges Buch mit diesem Thema gelesen und habe mich wirklich unglaublich darauf gefreut. Dieser Sport hat mich schon immer fasziniert und versprüht in meinen Augen eine gewisse Magie. Zu Beginn war diese Magie noch zu spüren, denn Lucys Leidenschaft für diesen Sport wurde wunderbar widergegeben. Recht schnell hat das Buch aber einen Verlauf genommen, der vom Eiskunstlauf wegführte und der Zauber, den ich mir erhofft habe, blieb aus. Stattdessen griff die Geschichte psychische Belastungen und sehr ernste Themen auf. Wichtige Themen, über die viel mehr gesprochen werden muss, die aber ein bisschen zu lasch umgesetzt wurden. Die Autorin ist nicht berühmt für ihre übertriebenen Dramen, sondern sie greift alltägliche Probleme von Jedermann auf. Während die Love-NXT-Reihe aber einen märchenhaften Zauber versprühte, wirkte "Right Here" etwas plump und unausgereift auf mich.

Meine Meinung zu unserer Protagonistin Lucy ist etwas zwiegespalten. Sie war mir zwar sehr sympathisch und ich konnte ihre Denkweisen und Handlungen durchaus nachvollziehen, jedoch hätte ich ihr auch gerne mal einen Stoß gegeben, weil Lucy sich ständig im Kreis dreht, ohne voranzukommen. Lucy hat einen Traum, den sie gerne hauptberuflich verwirklichen möchte. Sie steht sich dabei aber selbst dermaßen im Wege, so dass sie nicht die gewünschten Erfolge erzielen kann. Das ist ein Teufelskreis, der sich nur um so weiter maximiert, je länger sie sich krampfhaft behaupten will. Sie ist ein stiller Mensch, der viel zu viel nachdenkt anstatt zu handeln und ich konnte mich da überhaupt nicht mit ihr identifizieren. Außerdem fehlt ihr der Ehrgeiz zur Unabhängigkeit, sondern sie verlässt sich ständig auf ihre Mitmenschen. Sie hat depressive Seiten, die von der Autorin unglaublich gut beschrieben wurden und mir im Herzen weh taten. Ihr Charakter ist während des Buches gewachsen, sie hat sich aber auch immer wieder selbst zurückgeschleudert. Einen wirklichen Charakter-Fortschritt hatte sie bis zum Ende nicht wirklich.

Das Verhältnis zu ihren Eltern ist mehr als angespannt und wirklich schwierig, obwohl offensichtlich keiner dem anderen Wehtut. Doch anstatt miteinander zu reden, schweigen sie und die Stille kann ja bekanntlich tiefer schneiden als Worte. Lucys Eltern waren für mich undurchschaubar. Manchmal haben sie Sympathien in mir geweckt, dann wieder absolutes Unverständnis und auch Wut. Es ist der Autorin nicht gelungen, die Gefühle innerhalb der Familie ausdrücklich darzustellen und wie mit diesem schwierigen Problem umgegangen wurde, hat mich verwirrt. Ich habe mir die ganze Zeit gewünscht, dass die Familie mal klipp und klar ihre Gefühle aussprechen würde, denn es kommt mir nicht so vor als wären sie keine liebevollen Eltern, sondern als fehle einfach die Brücke über den scheinbar unüberwindbaren Fluss. Es gab dahin zwar ein paar gute Ansätze, an der Umsetzung hat es aber gescheitert.

Jules ist Lucys Gegenpol, denn er hat zwar auch einen ruhigen Charakter, spricht seine Meinungen und Gefühle aber aus. Das Herz der Geschichte ist Jules kleiner Bruder Mika. Der Kleine ist so abgöttisch niedlich und die Geschwister-Beziehung der Beiden wurde wirklich wundervoll dargestellt. Jules hat sich rührend um seinen kleinen Bruder gekümmert und man hat sofort gemerkt, wie innig die Beziehung zwischen den Beiden ist.
Jules bringt Lucys Charakter zum Wachsen und gibt ihr Rückendeckung. Natürlich hat auch Jules sein Päckchen zu tragen, das wirklich alles andere als leicht ist, aber es versucht seine Probleme in den Griff zu bekommen und geht voran anstatt stehen zu bleiben. Dabei muss noch einmal erwähnt werden, wie gut die Autorin Gefühle übermittelt konnte. Jedes Wort traf direkt in mein Herz und ich konnte Jules Verzweiflung in meiner Seele spüren.

Die eingebaute Lovestory hat mich zu Beginn voll überzeugt. Es hat mir besonders gut gefallen, dass die Autorin mit allen Klischees aufgeräumt hat und der Junge genau so verunsichert ist, wie das Mädchen. Lucy ist hier diejenige, die öfter die Initiative ergreift und Jules ist derjenige, der verlegen und schüchtern wirkt. Es wird wirklich Zeit, dass auch in den romantischen Lektüren mit diesen aufgezwungenen Geschlechterrollen aufgehört wird. Den 08/15-Badboy in New Adult-Büchern kann man ja wirklich nicht mehr ab und Jules bietet da eine nette Abwechslung, denn das Zeug zu einem Book-Boyfriend hat er allemal.
Die Lovestory zwischen den Beiden hat so unglaublich süß gestartet und nach der ersten Hälfte des Buches konnte ich beinahe Schmetterlinge im Bauch fühlen. Leider hat sich ihre Beziehung dann aber nicht weiter entwickelt und ich konnte keinerlei Knistern mehr zwischen den Beiden spüren. Die Autorin hat sehr viel Wert darauf gelegt großes Vertrauen entstehen zu lassen, die Leidenschaft dabei aber vergessen. Und damit meine ich keinen hemmungslosen Sex, sondern einfach ein gewisses Verlangen, das für mich aber gar nicht spürbar war.

Das Ende der Geschichte hat mich ein bisschen stutzig werden lassen, denn es gab eigentlich kein richtiges Ende. Für mich wurden zu viele Themen dem Ungewissen überlassen. Zuerst habe ich mich noch mit Band 2 getröstet, doch dann habe ich erfahren, dass dieser von anderen Protagonisten handelt. Das Ende konnte mich somit nicht zufrieden stellen.

Ich habe mich so sehr auf die Leidenschaft und den Zauber des Eiskunstlaufs gefreut und als sich dieses Thema in eine völlig andere Richtung entwickelte, war ich ein bisschen enttäuscht. Ich habe mir einfach etwas anderes erwartet und als dann auch die Lovestory nicht wirklich voran ging und weder Lucy noch ihre Familie sichtbare Fortschritte machte, würde das Weiterlesen für mich mühsam.

Leider muss ich sagen, dass für mich "Right Here" nicht mit der "Love NXT"-Reihe mithalten kann. Mir hat der Zauber, den ich sonst bei der Autorin immer gespürt habe, gefehlt und am Ende wurde mir auch zu wenig geklärt. Mein Resultat sind gemischte Gefühle. 😕

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Spannend aber sehr unrealistisch ...

Das Gold von Sparta
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"Das Gold von Sparta" ist der erste von vielen Bänden der "Fargo"-Reihe vom amerikanischen Autor Clive Cussler und ich würde es als modernen Indiana Jones-Abenteuerroman beschreiben. Der Autor hat beim ...

"Das Gold von Sparta" ist der erste von vielen Bänden der "Fargo"-Reihe vom amerikanischen Autor Clive Cussler und ich würde es als modernen Indiana Jones-Abenteuerroman beschreiben. Der Autor hat beim Schreiben Unterstützung vom amerikanischen U.S. Navy-Veteranen Grant Blackwood erhalten. Vieles hat mir gefallen, einiges hat mit aber auch die Haare zu Berge stehen lassen. Ich habe das Abenteuer des Ehepaars Fargo aber trotz der unzähligen sehr unrealistischen Verfolgungsjagden gern gelesen, vor allem wegen den historischen Details.

Inhalt: Das Ehepaar Sam und Remi Fargo sind stinkreich, abenteuerlustig und mehr oder weniger berühmte Hobby-Schatzjäger. Als sie in den Sümpfen von Pocomoke River auf ein verschollenes U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg stoßen, nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Denn darin befindet sich ein Artefakt, das der Milliardär und Mafiosi Hadoin Bondaruk um jeden Preis haben will. Aber Aufgeben liegt definitiv nicht in der Natur der Fargos und es beginnt eine Schnitzeljagd auf Leben und Tod.

Meine Meinung: "Das Gold von Sparta" ist mein erster gelesener Roman von Clive Cussler und hat mich etwas zwiespältig zurück gelassen. Die positiven Aspekte sind auf jeden Fall der Schreibstil, denn dieser ist sehr fesselnd und trotz der vielen historischen und abenteuerlichen Details leicht verständlich. An Spannung mangelt es dem Buch auch nicht, denn Sam und Remi Fargo landen von einer gefährlichen Situation in die Nächste. Mir war das ganze aber schon ein bisschen zu viel des Guten, denn durch die ganzen Verfolgungsjagden und todbringenden Szenen hat man beim Lesen zwischen all der Spannung gar keine Zeit zum Luft holen. Einige Szenen waren auch dermaßen unrealistisch, dass es sogar mir als Fantasy- und Science-Fiction-Fan die Haare sträuben ließ. Ich bin mir z.B. ziemlich sicher, dass ein U-Boot das Jahrzehnte im Meer verschollen ist, bestimmt nicht mehr dazu taugt, eine Flucht durch einen unterirdischen Fluss zu überstehen. Oder dass eine Gletscherhöhle in den Alpen trotz Gletscherschmelze, unzähliger Höhlenforscher und offensichtlich einem bestehenden Zugang bis heute unentdeckt geblieben ist. Naja, aber es ist eben auch ein Abenteuerroman und wir lesen solche Romane ja um der Realität zu entfliehen. Ein bisschen Fantasie und Größenwahn ist da schon in Ordnung, aber da im Buch so viele dieser haarsträubenden Aspekte vorkamen, war mir das dann doch ein bisschen zu viel des Guten.

Was wäre ein Schatzjäger-Roman ohne historischen Schatz und dieser Schatz wurde sehr gut in die Geschichte eingearbeitet. Der Autor hat wirklich ein Händchen dafür historische und geschichtliche Elemente in die Story einzubauen ohne das Buch langweilig werden zu lassen. Natürlich gibt es einen verschollenen Schatz der Antike, der gefunden werden will und das Ehepaar Fargo macht sich auf den Weg in eine abenteuerliche Schnitzeljagd von Hinweis zu Hinweis. Auch hier hat der Autor ein bisschen übertrieben, denn in der Geschichte finden die Fargos nicht nur ein verschollenes Relikt, sondern gleich mehrere Schätze, die eigentlich alle die Hauptrolle verdient hätten. Leider wurden viele dieser verschollenen Schätze vom Autor erfunden, was ich etwas schade fand, aber das Buch ist trotzdem gespickt mit unzähligen historisch belegten Fakten und wahrer Geschichte. Der Co-Autor von Clive Cussler und U.S. Navy-Veteran Grant Blackwood hat sein militärisches und marines Wissen beigetragen und insgesamt wirkte das Buch wirklich sehr gut recherchiert und kann mit seinen Fakten und dem Hintergrundwissen überzeugen.

Unsere Protagonisten Sam und Remi Fargo sind humorvoll, abenteuerlustig und stinkreich. Sie haben für ihr Leben bereits lange ausgesorgt und können sich voll und ganz ihrem großen Hobby widmen. Geld spielt dabei keine Rolle und so wird ihrer Leidenschaft, der Schatzjägerei zumindest finanziell keine Grenzen gesetzt. Leider vergessen die Beiden auch immer wieder, dass die Dinge, die sie jagen einen hohen geschichtlichen Wert haben und nehmen sich gleich mal vorweg gefundene Dinge den Behörden vorzuenthalten. Als Archäologie-Fan haben mir einige leichtfertige Entscheidungen der Fargos im Herzen wirklich sehr weh getan, auch wenn ich natürlich weiß dass es sich dabei nur um einen erfundenen Roman handelt. Was mir an den Beiden am Besten gefallen hat, war ihr unverwechselbarer Humor, der mir des Öfteren ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte und die Art und Weise, wie die Beiden miteinander umgegangen sind. Trotz der vielen gefährlichen und auch tödlichen Situationen waren sie stets liebevoll und haben sich fürsorglich umeinander gekümmert. Dass sich die Beiden lieben, habe ich niemals angezweifelt und konnte die Beiden für ihren Zusammenhalt nur bewundern. Sam und Remi Fargo können und wissen aber alles. Aus jeder Situation finden sie einen Ausweg, auch wenn er noch so bizarr ist. Sie sind jedem und allem überlegen, sowohl körperlich als auch geistig. Irgendwann ging mir das wirklich auf die Nerven, weil ich sofort wusste, dass die Beiden zu jedem Problem sofort eine Lösung parat haben werden.

Aber ich kann nicht bestreiten, dass ich das Abenteuer der Fargos trotz der vielen unstimmigen Aspekte gerne verfolgt und meine Freude beim Lesen hatte, gerade weil es teilweise so übertrieben war. Die historischen Elemente wurden gekonnt in das Abenteuer eingewebt, auch wenn einiges davon für die Story frei erfunden wurde. Der Schluss bietet natürlich ein Happy-End, inklusiver gefundenen Schatz und besiegtem Bösewicht. Das Ende war zwar genau so übertrieben, wie der Rest der Geschichte, ich habe aber auch nichts anderes erwartet. Irgendwie hat mich die Geschichte an eine erwachsenere und historischere Version von den Abenteuern der "Fünf Freunde" von Enid Blyton erinnert. 😀
Mit Charme, Rätseln und jede Menge Action begeben sich die Fargos auf eine Schnitzeljagd nach verschollenen Schätzen der Geschichte. Ein actiongeladenes Abenteuer für Zwischendurch für Indiana Jones- und Tomb Raider-Fans.

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Gelungene, düstere Dystopie mit vielen ethischen Fragen und einzigartigen Plottwists ...

Scythe – Die Hüter des Todes
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"Hoffnung im Schatten von Angst ist die stärkste Motivation auf der Welt."

"Scythe - Die Hüter des Todes" ist der erste Band und somit der Auftakt zur "Scythe"-Trilogie vom amerikanischen Erfolgsautor ...

"Hoffnung im Schatten von Angst ist die stärkste Motivation auf der Welt."

"Scythe - Die Hüter des Todes" ist der erste Band und somit der Auftakt zur "Scythe"-Trilogie vom amerikanischen Erfolgsautor Neal Shusterman. Die Reihe steht schon länger auf meiner Want-To-Read-Liste und hat mich definitiv nicht enttäuscht, auch wenn ich mich an den Schreibstil des Autors erst gewöhnen musste.

Inhalt: Citra und Rowan haben nicht viel gemeinsam, außer Eines: Sie wurden von einem der berühmtesten Scythe der Welt als Lehrlinge ausgewählt. Die Scythe sind in einer scheinbar perfekten Welt, in der die Bevölkerung bereits alle Ziele und somit die Unsterblichkeit erreicht hat, die Hüter des Todes. Denn auch wenn Krankheit, Armut und Hunger besiegt wurden und die Menschheit praktisch nicht sterben kann, so muss die Bevölkerung doch auf einem bestimmten Stand bleiben, damit sich die Erde nicht überbevölkert. Die Scythe sorgen dafür, dass willkürlich Menschen für den Tod auserwählt werden. Doch nicht alle Scythe halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde und Citra und Rowan stehen vor der größten Entscheidung ihres Lebens.

Cover und Design: Das Cover des broschierten Taschenbuchs ist einfach und modern gehalten, hat aber dennoch eine bedrückende Stimmung. Am Vordergrund ist ein Scythe mit roten Umhang und dem Sensensymbol zu sehen. Die Sense und Figur haben zum Teil auch eine abstrakte Wirkung, die ich sehr ansprechend finde. Der Titel des Buches hätte gerne auch fühlbar hervorgehoben werden können. Insgesamt erinnert mich das Buch stark an ein Computerspiel, weshalb ich es für so eine düstere Dystopie eher mäßig gut gewählt finde.

Meine Meinung: Die Geschichte rund um die Hüter des Todes hat mir sehr gut gefallen, vor allem weil es mal etwas völlig Anderes war und auch völlig anders endete. An den Schreibstil des Autors musste ich mich aber erst gewöhnen. Neal Shusterman hat zwar ein Talent dafür die Geschichte richtig spannend werden zu lassen, jedoch springt er innerhalb eines Kapitels von einer Erzählperspektive in die Nächste. Zuerst erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Citra, wenige Zeilen später dann aus Rowans Perspektive. Dieses switchen war für mich sehr anstrengend, weil ich dafür doppelt Konzentration brauchte und bis zum Schluss habe ich mich noch nicht ganz daran gewöhnt. Ansonsten war der Schreibstil aber leicht verständlich und sehr spannend.

Der Einstieg in die dystopische Zukunfts-Welt ist mir sehr leicht gefallen. Der Autor hat eine leicht verständliche und gut beschriebene Einführung in die Welt der Scythe geschaffen und nach wenigen Kapiteln ist man schon mitten im Geschehen. Wir befinden uns in einer dystopischen Zukunft, in der die Bevölkerung mittels Technologie den Tod besiegt hat. Krankheiten, Altersschwäche, Armut und Hunger wurden ausgelöscht und die Menschen können praktisch nicht mehr sterben. Wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, können sie sich "resetten" und auf z.B. 30 Jahre rückführen lassen. Bei Unfällen und Verletzungen regeneriert sich der Körper in kurzer Zeit wieder. Damit aber keine Überbevölkerung entsteht, wurden die Scythe ins Leben gerufen. Die Scythe sind berufen sogenannte "Säuberungen" durchzuführen, was nichts anderes ist als willkürlicher und statistischer Mord. Die Scythe sind öffentlich anerkannt und werden von der Bevölkerung als Engel der Todes verehrt. Jeder Scythe hat eine gewisse Sterbensquote zu erfüllen um eine Überbevölkerung zu verhindern. Wie und womit sie diese Quote erfüllen, ist aber den Scythe selbst überlassen, sie dürfen dabei aber nicht ungerecht handeln. Rassismus, unnötige Gewalt und Diskriminierung werden bei der Gilde der Scythe nicht geduldet. Natürlich hält sich aber nicht jeder an diese Regeln und Größenwahn ist bekanntlich ein Nebeneffekt von zu viel Macht. Es kommen in der Geschichte also sehr viele ethische Probleme und Fragen auf und ich kann sehr gut verstehen, dass das Buch nicht für Jedermann geeignet ist. Ich kann es durchaus verstehen, wenn jemand Probleme mit kalkuliertem Mord hat, auch wenn es in dieser dystopischen Welt ein notwendiges Übel ist.

Die Geschichte ist in fünf Teile aufgeteilt und jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus dem Tagebuch eines berühmten Scythe. Diese Auszüge fand ich sehr interessant und machten die Geschichte noch um einiges spannender. Viele Fragen kamen dabei auf, und man lernte die Scythe dadurch um einiges besser kennen.

Unsere beiden Protagonisten Citra und Rowan waren mir Beide auf Anhieb sehr sympathisch und ich konnte ihre Ansichten sehr gut verstehen, auch wenn ihre Charaktere und Persönlichkeiten von Grund auf sehr verschieden sind. Citra erinnerte mich immer ein wenig an den Charakter von Hermine Granger. Sie ist lernwillig und saugt das Wissen nur so auf - ein typischer "Streber" also. Ihre Persönlichkeit ist unschuldig und sie hat zu Anfang große Probleme mit der Berufung der Scythe und den damit verbundenen "Säuberungen" umzugehen. Für die Gilde der Scythe ist sie somit der perfekte Lehrling, denn am besten als Scythe geeignet sind diejenigen, die es nicht sein wollen.
Rowan ist komplett anders. Unter seinen vielen Geschwistern und Familienmitgliedern wurde er stets von seinen Eltern vernachlässigt und ist alles andere als ein beliebter High-School-Schüler. Als er von den Scythe ausgewählt wurde, wirkte er zu Beginn noch als perfekter Kandidat. Die Dunkelheit lockt ihn aber zu sich und sein "unperfekter" Charakter konnte mich sofort einnehmen. Doch auch wenn er einen Hauch von Düsternis aufweist, sind seine Ansichten und Gedankengänge stets nachvollziehbar. Die Welt ist eben nicht nur Schwarz oder Weiß und Rowan kann perfekt in die Kategorie GRAU zugeordnet werden. Ich habe jede Seite aus Rowans Sicht sehr gerne verfolgt und vor allem am Ende wurde er zu einem wahren Lieblingscharakter.

Die eingebaute Liebesgeschichte war in meinen Augen etwas unnötig und konnte mich nicht wirklich überzeugen. Der erste Kuss hat mich sehr überrascht, aber nicht gerade in positivem Sinn. Es gab zuvor keine wirklichen Andeutungen auf eine Liebesgeschichte und ich konnte somit auch keinerlei Gefühle dafür entwickeln. Wenn es bei inniger Freundschaft geblieben wäre, hätte mich das sehr viel glücklicher gemacht.

Die Geschichte ist am Anfang noch recht ruhig. Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit damit die LeserInnen gut in die Welt einzuführen. Dann nimmt die Story aber sehr schnell Fahrt auf und viele ethische und moralische Fragen kommen auf und geben der Geschichte das gewisse Etwas. Zwischendurch hat das Buch zwar seine Längen aber gegen Ende hin gibt es dann einen blutigen Plotttwist, der mich wirklich überrascht und beeindruckt hat. Ich war völlig von den Socken und das Ende hat mich sehr mitgenommen. Nach Beenden des Buches war ich eine Zeit lang einfach nur perplex und musste ständig an dieses Ende zurückdenken und mir bereits zusammenreimen wie es wohl in Band 2 weitergeht. Ein tolles, düsteres Ende, wie ich es bisher noch nie erlebt habe.

Das Buch und vor allem die Plotttwist haben mich beeindruckt und ich wurde mehrmals sehr positiv überrascht. Der Schreibstil war zwar nicht ganz meins aber die Geschichte ist wirklich einzigartig. Ich könnte mir "Scythe" wegen der düsteren Story auch sehr gut als Serie vorstellen. Ich kann das Buch Dystopie-Fans empfehlen, die gerne düstere und blutige Geschichten mögen. Wer Sympathien für die Dunkelheit hat und keine geradlinigen Geschichten mag, der ist mit "Scythe" auf jeden Fall bestens bedient.

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