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Veröffentlicht am 26.09.2021

Gelungene, düstere Dystopie mit vielen ethischen Fragen und einzigartigen Plottwists ...

Scythe – Die Hüter des Todes
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"Hoffnung im Schatten von Angst ist die stärkste Motivation auf der Welt."

"Scythe - Die Hüter des Todes" ist der erste Band und somit der Auftakt zur "Scythe"-Trilogie vom amerikanischen Erfolgsautor ...

"Hoffnung im Schatten von Angst ist die stärkste Motivation auf der Welt."

"Scythe - Die Hüter des Todes" ist der erste Band und somit der Auftakt zur "Scythe"-Trilogie vom amerikanischen Erfolgsautor Neal Shusterman. Die Reihe steht schon länger auf meiner Want-To-Read-Liste und hat mich definitiv nicht enttäuscht, auch wenn ich mich an den Schreibstil des Autors erst gewöhnen musste.

Inhalt: Citra und Rowan haben nicht viel gemeinsam, außer Eines: Sie wurden von einem der berühmtesten Scythe der Welt als Lehrlinge ausgewählt. Die Scythe sind in einer scheinbar perfekten Welt, in der die Bevölkerung bereits alle Ziele und somit die Unsterblichkeit erreicht hat, die Hüter des Todes. Denn auch wenn Krankheit, Armut und Hunger besiegt wurden und die Menschheit praktisch nicht sterben kann, so muss die Bevölkerung doch auf einem bestimmten Stand bleiben, damit sich die Erde nicht überbevölkert. Die Scythe sorgen dafür, dass willkürlich Menschen für den Tod auserwählt werden. Doch nicht alle Scythe halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde und Citra und Rowan stehen vor der größten Entscheidung ihres Lebens.

Cover und Design: Das Cover des broschierten Taschenbuchs ist einfach und modern gehalten, hat aber dennoch eine bedrückende Stimmung. Am Vordergrund ist ein Scythe mit roten Umhang und dem Sensensymbol zu sehen. Die Sense und Figur haben zum Teil auch eine abstrakte Wirkung, die ich sehr ansprechend finde. Der Titel des Buches hätte gerne auch fühlbar hervorgehoben werden können. Insgesamt erinnert mich das Buch stark an ein Computerspiel, weshalb ich es für so eine düstere Dystopie eher mäßig gut gewählt finde.

Meine Meinung: Die Geschichte rund um die Hüter des Todes hat mir sehr gut gefallen, vor allem weil es mal etwas völlig Anderes war und auch völlig anders endete. An den Schreibstil des Autors musste ich mich aber erst gewöhnen. Neal Shusterman hat zwar ein Talent dafür die Geschichte richtig spannend werden zu lassen, jedoch springt er innerhalb eines Kapitels von einer Erzählperspektive in die Nächste. Zuerst erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Citra, wenige Zeilen später dann aus Rowans Perspektive. Dieses switchen war für mich sehr anstrengend, weil ich dafür doppelt Konzentration brauchte und bis zum Schluss habe ich mich noch nicht ganz daran gewöhnt. Ansonsten war der Schreibstil aber leicht verständlich und sehr spannend.

Der Einstieg in die dystopische Zukunfts-Welt ist mir sehr leicht gefallen. Der Autor hat eine leicht verständliche und gut beschriebene Einführung in die Welt der Scythe geschaffen und nach wenigen Kapiteln ist man schon mitten im Geschehen. Wir befinden uns in einer dystopischen Zukunft, in der die Bevölkerung mittels Technologie den Tod besiegt hat. Krankheiten, Altersschwäche, Armut und Hunger wurden ausgelöscht und die Menschen können praktisch nicht mehr sterben. Wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, können sie sich "resetten" und auf z.B. 30 Jahre rückführen lassen. Bei Unfällen und Verletzungen regeneriert sich der Körper in kurzer Zeit wieder. Damit aber keine Überbevölkerung entsteht, wurden die Scythe ins Leben gerufen. Die Scythe sind berufen sogenannte "Säuberungen" durchzuführen, was nichts anderes ist als willkürlicher und statistischer Mord. Die Scythe sind öffentlich anerkannt und werden von der Bevölkerung als Engel der Todes verehrt. Jeder Scythe hat eine gewisse Sterbensquote zu erfüllen um eine Überbevölkerung zu verhindern. Wie und womit sie diese Quote erfüllen, ist aber den Scythe selbst überlassen, sie dürfen dabei aber nicht ungerecht handeln. Rassismus, unnötige Gewalt und Diskriminierung werden bei der Gilde der Scythe nicht geduldet. Natürlich hält sich aber nicht jeder an diese Regeln und Größenwahn ist bekanntlich ein Nebeneffekt von zu viel Macht. Es kommen in der Geschichte also sehr viele ethische Probleme und Fragen auf und ich kann sehr gut verstehen, dass das Buch nicht für Jedermann geeignet ist. Ich kann es durchaus verstehen, wenn jemand Probleme mit kalkuliertem Mord hat, auch wenn es in dieser dystopischen Welt ein notwendiges Übel ist.

Die Geschichte ist in fünf Teile aufgeteilt und jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus dem Tagebuch eines berühmten Scythe. Diese Auszüge fand ich sehr interessant und machten die Geschichte noch um einiges spannender. Viele Fragen kamen dabei auf, und man lernte die Scythe dadurch um einiges besser kennen.

Unsere beiden Protagonisten Citra und Rowan waren mir Beide auf Anhieb sehr sympathisch und ich konnte ihre Ansichten sehr gut verstehen, auch wenn ihre Charaktere und Persönlichkeiten von Grund auf sehr verschieden sind. Citra erinnerte mich immer ein wenig an den Charakter von Hermine Granger. Sie ist lernwillig und saugt das Wissen nur so auf - ein typischer "Streber" also. Ihre Persönlichkeit ist unschuldig und sie hat zu Anfang große Probleme mit der Berufung der Scythe und den damit verbundenen "Säuberungen" umzugehen. Für die Gilde der Scythe ist sie somit der perfekte Lehrling, denn am besten als Scythe geeignet sind diejenigen, die es nicht sein wollen.
Rowan ist komplett anders. Unter seinen vielen Geschwistern und Familienmitgliedern wurde er stets von seinen Eltern vernachlässigt und ist alles andere als ein beliebter High-School-Schüler. Als er von den Scythe ausgewählt wurde, wirkte er zu Beginn noch als perfekter Kandidat. Die Dunkelheit lockt ihn aber zu sich und sein "unperfekter" Charakter konnte mich sofort einnehmen. Doch auch wenn er einen Hauch von Düsternis aufweist, sind seine Ansichten und Gedankengänge stets nachvollziehbar. Die Welt ist eben nicht nur Schwarz oder Weiß und Rowan kann perfekt in die Kategorie GRAU zugeordnet werden. Ich habe jede Seite aus Rowans Sicht sehr gerne verfolgt und vor allem am Ende wurde er zu einem wahren Lieblingscharakter.

Die eingebaute Liebesgeschichte war in meinen Augen etwas unnötig und konnte mich nicht wirklich überzeugen. Der erste Kuss hat mich sehr überrascht, aber nicht gerade in positivem Sinn. Es gab zuvor keine wirklichen Andeutungen auf eine Liebesgeschichte und ich konnte somit auch keinerlei Gefühle dafür entwickeln. Wenn es bei inniger Freundschaft geblieben wäre, hätte mich das sehr viel glücklicher gemacht.

Die Geschichte ist am Anfang noch recht ruhig. Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit damit die LeserInnen gut in die Welt einzuführen. Dann nimmt die Story aber sehr schnell Fahrt auf und viele ethische und moralische Fragen kommen auf und geben der Geschichte das gewisse Etwas. Zwischendurch hat das Buch zwar seine Längen aber gegen Ende hin gibt es dann einen blutigen Plotttwist, der mich wirklich überrascht und beeindruckt hat. Ich war völlig von den Socken und das Ende hat mich sehr mitgenommen. Nach Beenden des Buches war ich eine Zeit lang einfach nur perplex und musste ständig an dieses Ende zurückdenken und mir bereits zusammenreimen wie es wohl in Band 2 weitergeht. Ein tolles, düsteres Ende, wie ich es bisher noch nie erlebt habe.

Das Buch und vor allem die Plotttwist haben mich beeindruckt und ich wurde mehrmals sehr positiv überrascht. Der Schreibstil war zwar nicht ganz meins aber die Geschichte ist wirklich einzigartig. Ich könnte mir "Scythe" wegen der düsteren Story auch sehr gut als Serie vorstellen. Ich kann das Buch Dystopie-Fans empfehlen, die gerne düstere und blutige Geschichten mögen. Wer Sympathien für die Dunkelheit hat und keine geradlinigen Geschichten mag, der ist mit "Scythe" auf jeden Fall bestens bedient.

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Veröffentlicht am 21.09.2021

Die "Bibel" von Ravka ...

Die Leben der Heiligen
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"Die Leben der Heiligen" ist ein Zusatzbuch zum Grischa-Universum ohne eigenständige Geschichte, sondern bestehend aus 28 kleinen Kurzgeschichten zu den Heiligen Ravkas. Alina hatte dieses Buch bereits ...

"Die Leben der Heiligen" ist ein Zusatzbuch zum Grischa-Universum ohne eigenständige Geschichte, sondern bestehend aus 28 kleinen Kurzgeschichten zu den Heiligen Ravkas. Alina hatte dieses Buch bereits in "Goldene Flammen" in Händen und das Buch ist genau so aufgebaut wie Alinas Nachschlagewerk in der Grischa-Trilogie.

Das Buch ist sehr aufwändig mit bunten Illustrationen von allen Heiligen und Verschnörkelungen und Bildern auf den einzelnen Seiten gestaltet. Auch der Einband hat eine bessere Qualität, so dass man das Buch durchaus als Schmuckausgabe bezeichnen kann. Beim Darüberstreichen könnte man beinahe glauben, es handelt sich um einen Ledereinband und er ist auch altertümlich mit Goldornamenten verziert. Die hässliche, goldene Papier-Broschur, die man am Titelbild erkennen kann und auf dem der Titel des Buches groß vermerkt ist, kann man zum Glück abnehmen und dann entpuppt sich das Buch zu einem wahren Schmuckstück.

Zu Beginn befindet sich ein ausführliches Inhaltsverzeichnis mit allen Heiligen, wo auch gleich erkennbar ist, um welchen Schutzpatron oder um welche Schutzheilige es sich handelt. Zum Nachschlagen ist dieses Inhaltsverzeichnis perfekt geeignet. Wenn in Leigh Bardugos Büchern also wieder einmal die Rede von Heiligen ist, dann kann man hier dessen Geschichte sofort genauer nachlesen.

Auf der letzten Seite befindet sich eine Werbung für das zuletzt erschienene Buch aus dem Grischa-Universum "Rule of Wolves", die überhaupt nicht ins Buch passt. Nicht nur weil die Werbung das altertümliche Design des Buches zerstört, sondern auch weil es auf Grund der letzten Kurzgeschichte besser wäre, wenn man "Rule of Wolves" bereits gelesen hätte.

Bei den Kurzgeschichten handelt es sich um märchenhaft erzählte Geschichten, wie und aus welchen Hintergründen die Heiligen zu ihrer Verehrung gelangten. Dabei handelt es sich um Texte, die durch die Gläubiger stark beeinflusst und auch verfälscht wurden. Wenn man die Grischa-Bände bereits gelesen hat, dann kann man sich zu den meisten Geschichten ein Bild machen und zusammenreimen was tatsächlich passiert ist. Dass es sich bei den Heiligen hauptsächlich um Grischa mit magischen Fähigkeiten handelt ist sehr offensichtlich. Das Leben dieser Menschen wurde aber so optimiert dargestellt, dass sie als Heilige verehrt werden können.
Die meisten Kurzgeschichten haben mir sehr gut gefallen, vor allem weil man von vielen Heiligen bereits gehört hat, da sie von Alina und Co erwähnt wurden. Andere haben mir weniger gut gefallen, weil es darin nicht um das direkte Leben der Schutzheiligen ging, sondern um Geschehnisse von Menschen, die zu den Heiligen beten. Zwar auch informative Geschichten, die aber mehr an Märchen erinnern. Mir hätte die Erklärung, wie die Heiligen zu ihren Schutzaufgaben kamen, mehr interessiert. So wird zum Beispiel auch eine Geschichte erzählt, in der Waisenkinder zu Sankta Alina von der Schattenflur beten und auch der Sternenlose Heilige wurde bereits unter den Heiligen aufgenommen. Das Buch sollte also definitiv erst nach "Rule of Wolves" gelesen werden, da man ansonsten die letzte Kurzgeschichte nicht verstehen würde.
Mir persönlich waren manche Geschichten zu kurz, sie wurden so aufgebaut, dass sie Kindern vorgelesen werden können, aber ein bisschen mehr Informationen hätten nicht geschadet. Leigh Bardugo hat sich mit den ganzen Heiligen sehr viel Stoff für viele weitere Geschichten geschafft, denn wenn die Geschichte rund um Nikolai, Kaz und Co beendet ist, dann kann man definitiv wieder zurück in die Vergangenheit gehen und sich das tatsächliche Leben so mancher Heiliger genauer ansehen. An Potential für viele spannende und auch grausame Geschichten mangelt es nicht.

Ich würde das Buch nur eingefleischten Grischa-Fans empfehlen, da das Buch schnell langweilig werden kann, wenn man sich nicht dafür interessiert. Für Fans die aber mehr Informationen über das Leben der Heiligen Ravkas haben wollen, ist diese Kurzgeschichten-Sammlung ein MUSS.

"Die Leben der Heiligen" ist zwar nicht ganz so hübsch wie "Die Sprache der Dornen", weder im Inhalt noch im Design, aber trotzdem ein schönes Schmankerl für alle Grischa-Fans. Es ist immer wieder schön in dieses einzigartige Universum einzutauchen.

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Die Herren von Winterfell ...

Das Lied von Eis und Feuer 01
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"Der Tod ist grausam endgültig, während das Leben voller Möglichkeiten bleibt."

"Die Herren von Winterfell" ist der Auftakt zum umfangreichen High-Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer" vom amerikanischen ...

"Der Tod ist grausam endgültig, während das Leben voller Möglichkeiten bleibt."

"Die Herren von Winterfell" ist der Auftakt zum umfangreichen High-Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer" vom amerikanischen Autor George R. R. Martin. Obwohl die Bücher schon etwas älter sind, erfreuen sie sich noch immer auf Grund der erfolgreichen HBO-Serie "Game of Thrones" großer Beliebtheit. Nachdem das Ende der Serie nun schon einige Zeit her ist, und ich Anfang Herbst immer in düsterer Fantasy-Stimmung bin, widme ich mich nun den Büchern. Band 1 unterscheidet sich noch nicht wirklich von der Serie, weil der Auftakt trotz der vielen Seiten rein zum Kennenlernen dieser umfangreich ausgearbeiteten High-Fantasy-Welt und dessen zahlreichen Haupt-Charakteren dient.

Inhalt: Im Königreich Westeros herrscht seit 7 Jahren Sommer und nach einer langen Sommerzeit folgt bekanntlich ein um so härterer Winter. Doch der nächste Winter wird Jahrzehnte andauern, dessen ist sich Eddard Stark, der Lord von Winterfell, im Norden Westeros, sicher. Die Anzeichen dafür sind erkennbar. Der Winter naht und mit ihm seine Schrecken.
Während sich der Norden für den Winter rüstet und bereit macht, kümmert sich der Süden und die Königsstadt von Westeros wie gewohnt um Macht, Wohlstand und Intrigen.

Cover: Das Cover des Taschenbuchs ist für mich sehr ansprechend, vor allem durch das schlichte aber doch prägende Design. Der Hintergrund ist in Pergament-Optik gestaltet. Im Vordergrund das Wappen der Starks mit Leitspruch. Durch die Drachen und Ritterrüstung erkennt man sofort, dass es sich nicht um einen historischen Roman handelt, sondern um ein Fantasy-Werk mit mittelalterlichem Setting. Der Buchrücken gefällt mir besonders gut, weil dort die Nummer des Bandes, in diesem Fall die 1, noch einmal extra detailliert herausgearbeitet wurde.
Die Inhaltangabe auf der Hinterseite fehlt, was mir weniger gut gefällt. Da "Game of Thrones" mittlerweile aber so ziemlich jedem ein Begriff ist, weiß vermutlich auch der Großteil worum es geht. Ansonsten findet sich eine kurze Inhaltsangabe im Inneren der Klappenbroschur.
Zu Beginn und am Ende findet sich eine schön illustrierte und sehr detailreiche Karte von Westeros. Auf der ersten Seite findet sich der Norden und auf der Letzten der Süden. Am Ende des Buches befindet sich auch ein Glossar, mit allen wichtigen Persönlichkeiten und Anmerkungen und Beschreibungen zu allen Häusern von Westeros. Wenn man noch gar keine Ahnung von "Game of Thrones" hat, rettet die Karte und das Glossar vermutlich Leben und ist wirklich hilfreich. Bei all den Namen und Orten, kommt man ansonsten sehr schnell durcheinander.

Meine Meinung: Ich habe die Serie "Game of Thrones" bereits gesehen und geliebt und da das Ende der Serie schon einige Zeit her ist und ich in düsterer Fantasy-Herbst-Stimmung bin, habe ich beschlossen mich nun den Büchern zu widmen. Der Schreibstil von George R. R. Martin ist perfekt für düstere High-Fantasy und anders als ich es von anderen Autoren kenne. Er legt irrsinnig viel Wert darauf, einzigartige und unglaublich detailliert ausgearbeitete Charaktere zu erschaffen. Ich habe bisher noch kein Fantasy-Werk gelesen, in denen es so viele Protagonisten gibt. Und jeder dieser Protagonisten hat eine eigene Persönlichkeit, manche sympathisch, andere weniger, aber trotzdem einzigartig und umfassend gestaltet. Ich werde jetzt nicht alle Charaktere vorstellen, dann würde diese Rezension vermutlich den Rahmen sprengen. 😅 Da ich die Serie bereits kenne, habe ich schon meine Lieblingscharaktere und so mancher Plottwist konnte mich leider nicht mehr überraschen, aber ich bin sehr gut darin, Bücher und dessen Verfilmung trennen zu können. Es hat mich daher etwas überrascht, dass sich Tyrion trotzdem zu meinem Lieblingscharakter des Buches entwickelt hat. Ich hätte eher angenommen, dass seine Persönlichkeit erst im Laufe der Geschichte zu strahlen beginnt, aber falsch gedacht. Tyrion ist von Anfang an ein unglaublicher Charakter und nicht ohne Grund gehört er zu meinen absoluten Lieblingscharakteren überhaupt. Trotz seiner mangelnden Erscheinung hat er das Köpfchen eines Riesen und das Herz eines Helden.
Während mir einige Charaktere sofort ans Herz gewachsen sind, konnten mich Andere noch nicht wirklich überzeugen, so zum Beispiel Sansa Stark, die älteste Tochter des Lords von Winterfell, und Catelyn Stark, die Lady von Winterfell, war mir sogar sehr unsympathisch, obwohl ich sie in der Serie eigentlich mochte. Der Charakter und die Persönlichkeit von Daenaeys wirkt im Buch sehr viel realer und naher als in der Serie. Ich konnte sie sehr viel besser verstehen und habe den Anfang von ihrer Geschichte vom unschuldigen und unwissenden Kind zu einer selbstbewussten jungen Frau sehr gerne verfolgt.

Das Buch lässt sich schnell und zügig lesen, ist einfach geschrieben, auch wenn man für die Einführung in diese fantastische Welt, mit seinen Legenden und Geschichten und seinen Machtspielchen und Intrigen, viel Aufmerksamkeit benötigt. Da sich der Autor für das Kennenlernen der Charaktere und der Welt sehr viel Zeit gelassen hat, geht die Story trotz der 570 Seiten noch nicht wirklich voran. Da der Verlauf der Story noch nicht so viel Fahrt aufnimmt, hat das Buch gewisse Längen. Das Eintauchen in diese fantastische High-Fantasy-Welt macht das aber wett und da ich ja weiß, dass die Story noch sehr spannend wird, gibt es da so einiges auf das ich mich noch freuen kann. Einige Andeutungen im Buch schüren dabei meine Vorfreude. Ich bin schon sehr gespannt, ab wann und wie stark die Bücher von der Serie abweichen. Bisher unterscheidet sich das Buch noch nicht so stark von der Verfilmung, außer in der äußerlichen Darstellung einiger Charaktere. Das Buch ist bisher auch bei Weitem nicht so blutrünstig und brutal. Durch das mittelalterliche Setting ist ein bisschen Blut und Grausamkeit ja auch vonnöten, um überzeugend zu sein.

Ich muss sagen, dass ich mir von Band 1 ein bisschen mehr erhofft habe, aber ich verstehe, dass das bei so einem umfangreichen Epos mit so vielen einzigartigen Charakteren kaum möglich gewesen wäre. Dann wäre diese fantastische Geschichte vermutlich nur halb so episch. Der Autor hat sehr viel Wert darauf gelegt, dass man diese umfangreiche Geschichte aus mehreren Blickwinkeln und Perspektiven betrachten kann und hat wunderbar detaillierte Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell wieder vergessen wird.

Guter Einstieg in ein episches High-Fantasy-Meisterwerk, auch wenn Band 1 nur dazu da ist, um die wichtigsten Charaktere kennen zu lernen!
George R. R. Martin hat mit "Lied von Eis und Feuer" wirklich ein Meisterwerk geschaffen und auch wenn er sich jetzt auf seinen Lorbeeren ausruht, hat er für diese ideenreiche und einzigartige Welt wirklich Hochachtung und Anerkennung verdient. Wer braucht schon einen Ritter in glänzender Rüstung, wenn man stattdessen Drachen haben kann?! 😉

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Vorgeschichte zur Hexer-Saga ...

Der letzte Wunsch
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"Der letzte Wunsch" ist der erste Teil der Vorgeschichten zur Hexer-Saga vom polnischen Fantasy-Autor Andrzej Sapkowski und ist keinesfalls der erste Band der "Witcher"-Reihe, sondern es handelt sich dabei ...

"Der letzte Wunsch" ist der erste Teil der Vorgeschichten zur Hexer-Saga vom polnischen Fantasy-Autor Andrzej Sapkowski und ist keinesfalls der erste Band der "Witcher"-Reihe, sondern es handelt sich dabei um Kurzgeschichten, die vor den Handlungen der Hexer-Saga spielen. Band 1 der "Witcher"-Reihe ist "Das Erbe der Elfen" und ich weiß nicht warum "Der letzte Wunsch" oft als erster Band der Reihe angesehen wird, da es sich dabei eben nicht um einen durchgehenden Roman handelt, sondern um einige Kurzgeschichten. Ich habe die "Witcher"-Reihe bereits vor einiger Zeit gelesen und widme mich jetzt diesen Vorgeschichten, weil ich unbedingt wieder einmal in Geralts Welt eintauchen wollte. Die erste Staffel der Netflix-Serie behandelt diese Vorgeschichten, somit kannte ich den ein oder anderen Inhalt bereits, trotzdem wurde ich super unterhalten und hatte einige fantastische Lesestunden.

Inhalt: Geralt von Riva ist ein Hexer. Das bedeutet er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Kampf gegen Ungeheuer aller Art. Ein lukratives Geschäft, vor allem weil Drachen, Vampire und andere dämonische Wesen ein anhaltendes Problem für die Bevölkerung darstellen. Dabei darf Geralt aber sein Herz nicht vergessen, das er an die schöne Zauberin Yennefer verloren hat.

Cover und Design: Das broschierte Taschenbuch reiht sich optisch perfekt zu den anderen Bänden der "Witcher"-Reihe ein und ist ebenso ein Augenschmaus. Der Hintergrund des Covers wurde in Steinoptik gestaltet und sogar beim Darüberstreichen hat man durch Erhebungen und Maserungen am Buch das Gefühl über Stein zu streichen. Mir hat dieses Design bei der ursprünglichen Reihe schon so gut gefallen und bin froh, dass auch für die Vorgeschichten dieses Design gewählt wurde, damit die Bücher im Regal wunderbar zusammenpassen. Ich muss sagen, dass ich ein immer größer werdender Fan von diesen broschierten Taschenbüchern bin, weil sie sehr viel handlicher sind als ein Hardcover, der Buchrücken aber trotzdem nicht so leicht bricht wie bei herkömmlichen Taschenbüchern. Wunderschön und aufwändig gestaltet werden diese Broschuren heutzutage auch genauso wie bei harten Einbänden.
Im Inneren des Buches befindet sich wieder eine illustrierte Karte des "Witcher"-Universums und ist für diese Kurzgeschichten zwar nicht unbedingt nötig, aber für einen ersten Überblick oder den Wiedereinstieg in diese Welt sehr hilfreich.

Meine Meinung: Wie bereits erwähnt, habe ich die "Hexer"-Saga bereits vor einiger Zeit gelesen und widme mich erst jetzt den Vorgeschichten. Man benötigt die Vorgeschichten nicht unbedingt, um die Reihe zu verstehen und sie wurden auch erst nach bzw. zwischen den einzelnen Bänden der "Witcher"-Reihe veröffentlicht. Man kann "Der letzte Wunsch" auf keinen Fall als Band 1 der Reihe betrachten, weil es sich in diesem Buch um 7 Kurzgeschichten handelt, in der Geralt von Riva die Hauptrolle spielt. Es schadet aber natürlich auch nicht, wenn man die Vorgeschichten vor der tatsächlichen Reihe lesen möchte, aber es muss einem bewusst sein, dass diese nicht wie ein einzelner Roman aufgebaut sind.
Ich kenne den Schreibstil des Autors also bereits, der sehr speziell ist. Es ist kein einfacher Schreibstil und man benötigt mehr Aufmerksamkeit als bei einem leichten Jugendbuch. Das Geschehen wird hauptsächlich in sehr langen Dialogen abgehandelt, in der viele Geschichten erzählt werden. Ich finde diesen Schreibstil für Zwischendurch aber wunderbar erfrischend und habe keinerlei Probleme damit. Im Gegenteil, es erinnert mich sehr stark an den "Dorftratsch" aus meiner Heimat und das gepaart mit High-Fantasy bringt mir immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht. Aberglaube und Getratsche spielt somit eine große Rolle in Geralts Hexer-Welt.
Die 7 Kurzgeschichten sind alle ungefähr 50 Seiten lang und darin erfährt man sehr viel Informatives über den Hexer Geralt von Riva, z.B. wie er zu seinem Beinamen "Der Schlächter von Blaviken" kam oder wie er seine große Liebe Yennefer kennen lernte. Auch über seine Ausbildung als Hexer erfährt man mehr und was in der Hauptreihe zu kurz kam, wird in den Kurzgeschichten sehr ausführlich behandelt: nämlich die Ausübung von Geralts Beruf, das Kämpfen gegen Monster aller Art.

Für "Witcher"-Fans sind die Vorgeschichten ein Muss und es ist immer wieder schön in diese Welt einzutauchen. Der Autor zaubert mir mit seinem Schreibstil und trockenen Humor immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und die Seiten sind nur so verflogen. Die Kurzgeschichten sind informativ und helfen das Witcher-Universum und Geralt als Hexer besser zu verstehen. Wer das mit der "Vorhersehung" aus der Hauptreihe nicht ganz verstanden hat, wird hier bei der letzten Kurzgeschichte vollständig darüber aufgeklärt. Ich hatte auf jeden Fall ein paar unterhaltsame Lesestunden und freue mich schon auf weitere Zusatzgeschichten.

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Veröffentlicht am 18.08.2021

Wenn der König fällt, fallen wir alle.

Ophelia Scale - Die Welt wird brennen
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"Diese Welt ist ein Gefängnis ohne Hoffnung ... Jemand muss die Mauern einreißen."

"Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie und gleichzeitig das Debut der deutschen ...

"Diese Welt ist ein Gefängnis ohne Hoffnung ... Jemand muss die Mauern einreißen."

"Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie und gleichzeitig das Debut der deutschen Autorin Lena Kiefer. Am Talent der Autorin bleibt kein Zweifel offen und die Geschichte ist einzigartig und bietet sehr viel Potential, mit der Protagonistin hatte ich aber so meine Probleme.

Inhalt: Ophelia lebt in einer Welt, in der die digitale Technik von einem Tag auf den anderen strengstens verboten wurde. Schuld daran ist der König, der diktatorisch jeden digitalen Fortschritt strengstens verfolgt. Verbittert schließt sich Ophelia dem Wiederstand an und als eine Auswahl zur Leibgarde der Monarchie ausgerufen wird, wittert sie ihre Chance dem König und der Tyrannei ein Ende zu setzen. Doch als sie den jungen und geheimnisvollen Lucien kennenlernt, scheint sich ihre ganze Welt und ihre Ansichten auf den Kopf zu stellen und sie muss sich Fragen welche Seite eigentlich im Recht ist.

Cover: Das Cover des Buches ist leider gar nicht ansprechend auf mich. Das Gesicht der jungen Frau wirkt unscheinbar und das Gesamtbild ist in meinen Augen nichtssagend. Das einzige spezielle Detail sind die Wolkenkratzer über dem Schriftzug, ansonsten könnte es das Cover jedes x-beliebigen Jugendbuches sein. Die Bearbeitung des Covers dieser Dystopie hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, um genauso herauszustechen wie die einzigartige Geschichte, die sich dahinter verbirgt.

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin ist wahnsinnig gut und da es sich hierbei um ihr Debüt handelt, kann man sofort das Talent von Lena Kiefer erkennen. Die Geschichte ist spannend, ideenreich, emotionsvoll und voller Gefühl. Die Seiten fliegen nur so dahin und es wird nie langweilig. Einige Plotttwists drehen die Story immer wieder in eine andere Richtung und als LeserIn steht man immer wieder vor der Frage, wer oder was nun eigentlich die "richtige" Seite ist? Die Autorin hat sehr gut dargestellt, dass es immer, auch in einem Krieg, zwei Seiten gibt, die beide glauben im Recht zu sein und das es eigentlich keine gute und schlechte Seite gibt. Jeder kämpft für seine Sache und Licht existiert nur mit Dunkelheit.

Die Idee hinter der Story ist neu und ich habe noch nichts vergleichbares gelesen. Der König des zukünftigen Europas hat die digitale Technik eingedämmt und strengstens verboten. Die Bevölkerung hat sich aber nicht, wie vermutet, rückschrittlich ins Mittelalter zurück katapultiert, sondern lebt zivilisiert und eigentlich recht zufrieden zusammen. Da sich aber vor allem die jugendliche Generation sehr stark von der modernen Technik abhängig gemacht hat, gibt es so einige Probleme als plötzlich nicht nur alle Bildschirme schwarz wurden, sondern auch im Körper eingebaute Hilfsmittel, wie z.B. für besseres Sehen oder zielstrebigeres Denken, zerstört wurden. Man kann sich vorstellen welch ein Chaos in so einer Situation ausbrechen sollte. Arbeitslosigkeit, Krankheiten und Hilflosigkeit waren die Folgen, welche von der dortigen Regierung aber sofort im Keim erstickt und gar nicht so schlecht gelöst wurden. Armut und Arbeitslosigkeit sinken auf ein Minimum und jeder muss seinen Beitrag leisten um in der Gemeinschaft einen Platz zu haben. An und für sich kein schlechtes System, das funktioniert, wäre da nicht die diktatorische Politik.

Wir verfolgen die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Ophelia Scale, der ich leider nicht so viel abgewinnen konnte. Ophelia ist stur, zickig, glaubt alles besser zu wissen und hat keine eigene Meinung. Bereits zu Beginn war sie mir mit ihren engstirnigen und zum Teil gemeinen Ansichten total unsympathisch. Sie hält sich für was Besseres als ihre Stiefmutter, weil diese sich gut in die neue Gesellschaft eingewöhnt hat und einen ökologischen Beitrag leisten will. Menschen, die auf die Natur und den Ackerbau, anstatt moderner Technik, setzen, werden von ihr belächelt und synthetische Lebensmittel sind ihr lieber als eine reife Tomate. Ophelia hält stur an ihren Ansichten fest, die in meinen Augen zum Teil lächerlich sind, und rebelliert still und heimlich in einer Widerstandsbewegung. Zuerst lässt sie sich nichts sagen, außer dieser jemand ist wichtig, dann ändert sie plötzlich ihre Meinung von 0 auf 100, bevor sie nach einem Rückschlag wieder engstirnig herumschmollt. Die Makel ihres Charakters macht sie zwar mit Mut und Entschlossenheit wieder weg, genervt hat sie mich aber dennoch oft. Ich weiß auch nicht ... Ophelia war einfach nicht mein Liebling und ich werde mich wohl niemals mit ihrem wankelmütigen und naiven Charakter identifizieren können. Dennoch habe ich die Geschichte aus ihrer Sicht sehr gerne verfolgt, wer weiß also, was die Fortsetzungen noch bringen werden und ob ihr Charakter nicht doch noch eine positive Entwicklung haben wird. Immerhin ist sie noch ein Teenager, der aus ihren Fehlern lernen kann.

Die eingebaute Liebesgeschichte ging mir persönlich etwas zu schnell, war aber sehr gefühlvoll und voll tiefer Emotionen. Der erste Kuss ging so schnell, dass ich wirklich gar nicht damit gerechnet habe und Schwupps-die-Wupps ... landeten die Beiden auch schon im Bett. Einerseits sehr erfrischend, weil es kein ewiges Hin und Her gab, andererseits aber doch etwas verwunderlich. Dabei bleibt es aber jugendfrei, detaillierte Sexszenen gibt es keine. Obwohl die Lovestory mich nicht ganz abgeholt hat und ich mich gerne mehr in Lucien verliebt hätte, hat mein Herz doch tiefe Emotionen erfahren und ich habe sehr mit den Charakteren mitgelitten.

Die Story der Geschichte lässt sich in zwei Teilen aufspalten. Zu Beginn lernen wir die dystopische Welt kennen und bekommen einen sehr überschaubaren und umfangreichen Einblick in diese futuristische Welt. Maia nimmt an einem Auswahlverfahren teil, der aber trotz den Wettkämpfen noch zum Einblick in die Geschichte dient und recht schnell abgehandelt wird. Danach kommt der größere Teil, der sich in der Hauptstadt des Königreichs, im Herzen der Monarchie, abspielt. Und ab diesem Moment wird es richtig spannend und auch geheimnisvoll. Mir hat die dystopische Welt, die politischen Ansichten und der Einbau von Geheimdiensten sehr gut gefallen. Zwischen all den Dystopien bietet Lena Kiefer Abwechslung und bereitet einige spannende Lesestunden.

Wie bereits erwähnt bietet die Handlung einige Plotttwists, aber auch einen gemeinen Cliffhänger. Das Ende spaltet einen das Herz und hat mich sehr betrübt zurück gelassen, hinterlässt aber auch Vorfreude auf die Fortsetzung. Man sollte Teil 2 also unbedingt gleicht zur Hand haben. 😉

Ich kann diese Reihe, trotz der gewöhnungsbedürftigen Protagonistin, wirklich empfehlen. "Ophelia Scale" sticht bei all den Jugend-Dystopien mit der einzigartigen und wendungsreichen Handlung heraus. Es gab zwar einige Makel, die mir unlogisch erschienen, über die konnte ich aber getrost hinwegsehen und ich war an den Seiten gefesselt. Ein tolles Buch für einige atemberaubende Lesestunden.

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