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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2020

Zu sich selbst finden

Milo und das Geheimnis von Polyrica
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Milo wird in der Schule gehänselt und hat darüber hinaus mit Armut zu kämpfen. Als er eines Tages die Chance erhält, in ein Buch einzutauchen, zögert er nicht lange. Doch kann er in Polyrica wirklich etwas ...

Milo wird in der Schule gehänselt und hat darüber hinaus mit Armut zu kämpfen. Als er eines Tages die Chance erhält, in ein Buch einzutauchen, zögert er nicht lange. Doch kann er in Polyrica wirklich etwas verändern?

Mir hat die Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist schön flüssig und ich mochte Milo sehr. Er beweist genau dann Stärke und Mut, wenn man es am wenigsten von ihm erwartet.

Man konnte die Geschichte gut nachvollziehen. Milo hat anfangs nach einer Zugehörigkeit sowie nach einer Unterkunft gesucht. Ich fand es toll, dass die anderen Kinder ihm sofort halfen und sich niemand über sein Nichtwissen lustig gemacht hat. Die ständigen Lügen, die sich Milo ausgedacht hat, wurden ihm zum Ende der Geschichte zum Verhängnis.

Auch fand ich den Ansatz, dass er in eine Welt eingetaucht ist, die weitaus weniger weit entwickelt war, als die, aus der ursprünglich kommt, sehr spannend.

Von den Charaktern her hat mir Milo am besten gefallen. Auch Kara fand ich spannend, da ich bereits das Gefühl hatte, dass sie nicht die ist, für die sie sich ausgibt.

Am Ende hat Milo das Wichtigste überhaupt gefunden: Nämlich auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören und das Leben zu leben, in dem er sich wohlfühlt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2020

Frauen-Schicksale aus verschiedenen Kulturen, von bekannten und weniger bekannten Autorinnen

Vollmond hinter fahlgelben Wolken
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Jean Rhys „Die weite Sargosso-See“ erschien 1966 und erzählt von Antoinette, der Tochter eines Plantagenbesitzers auf Jamaika und einer Kreolin, die 1830 eher widerwillig einen älteren Briten heiratet. ...

Jean Rhys „Die weite Sargosso-See“ erschien 1966 und erzählt von Antoinette, der Tochter eines Plantagenbesitzers auf Jamaika und einer Kreolin, die 1830 eher widerwillig einen älteren Briten heiratet. Über Schlangen und Kakerlaken muss der Zukünftige noch viel lernen und es scheint ausgeschlossen, dass er den auf Jamaika herrschenden Code je lernen wird. Die Vernunftehe einer kindlich wirkenden Hauptfigur gehört zu den Klassikern feministischer Literatur. Dieser Romanausschnitt (Mit traurigem Herzen) aus der Anthologie des Unionsverlags konnte mich noch nicht fesseln. Die Frage, wann die enthaltenen Texte entstanden sind, was über ihre Autorinnen bekannt ist und ob ihre Werke in Deutsche übersetzt wurden, fand ich jedoch sehr spannend. Auch in „Hue heiratet“ der 1976 geborenen Nguyen Ngoc Tu geht es um eine Heirat und das Geschachere um Töchter, die aufgezogen werden, um sie möglichst lukrativ zu verheiraten. In „Hundertmal am Tag“ der 1963 geborenen Fariba Vafi will der Icherzähler Amir Rückhalt in einer Ehe finden, zugleich soll seine Traumfrau seinen Plänen nach Flucht und Veränderung nicht im Weg stehen. Würde es diese Frauen geben, würden sie vermutlich keinen schwachen Mann wie Amir heiraten, der dennoch in der Beziehung den Ton angeben will, sondern eigene Karrieren anstreben. Unterschiedliche Schauplätze, Autorinnen verschiedener Generationen - bis in unser Jahrtausend hinein scheinen Frauen auf Ihre Rolle als Ehefrau reduziert zu sein, in mehr oder weniger erzwungenen Beziehungen. Auf den ersten Blick wirken die Themen der enthaltenen Kurzgeschichten banal. Es sind jedoch zentrale Ereignisse im Leben der Figuren - Heirat, Affären, Altern, mehr oder weniger glückliche Schwangerschaften und ambivalente Gefühle von Müttern gegenüber ihren Kindern. Hervorstechend ist aus europäischer Sicht, dass meist Frauen auf überholten Normen beharren, die den Lebensweg der Töchter-Generation bestimmen.

Beim genaueren Hinsehen treten vier Autorinnen aus verschiedenen afrikanischen Ländern hervor (Wicomb, Forna, Aidoo, Bugul) mit dem gemeinsamen Thema Bildungshunger, Auslandsstudium und Ambivalenz gegenüber einer Rückkehr nach Studienabschluss. Junge Leute müssen ins Ausland gehen, weil man in Afrika nichts über Afrika lernen kann, davon sind sie alle überzeugt. Sie sind dem Druck ausgesetzt, teure Geschenke aus dem Ausland mitzubringen und den Eltern durch ihre Karriere Ansehen zu verschaffen. Frauen erlangen bei Besuchen allerdings die deprimierende Einsicht, dass noch immer andere (u. a. weiße) Menschen Schönheitsideale definieren und Männer Macht und Ansehen erlangen für Dinge, die Frauen ebenso gut tun könnten (Bugul). Ken Bugul ragt mit ihrer Geschichte „Der Sandweg“ besonders heraus, die sich in der Du-Form an ihre 7-jährige Nichte richtet und einringlich vermittelt, dass Frauen die Spielregeln für andere Frauen festsetzen.

Die Bedeutung von Bildung liegt auch Achlam Bischarat (1975) aus Bhutan in „Die Fragenmappe“ am Herzen, in der Ärger und Enttäuschung über die Mutter deutlich wird, die hinnimmt, dass Mädchen Hausarbeit machen, anstatt zur Schule gehen. Ihre Brüder dagegen lernen Lesen und Schreiben, können Gebete lernen und damit Zugang zur Religion erhalten.

Für mich interessant war „Die Früchte“ von Han Kang (
1970) einem Vorläufer ihrer „Vegetarierin“, ein Text, mit dem ich die Autorin auf rund 25 Seiten kennenlernen konnte.

Jean Rhys (1890) ist die älteste in die Anthologie aufgenommene Autorin, Amanda Lee Koe (1987) aus Singapur die jüngste Autorin. Einige Texte sind Auszüge, erstaunlich viele der Geschichten lagen bereits auf Deutsch vor und wurden „neu gesetzt“ für diese Ausgabe. Der Anteil neuer Texte liegt bei circa der Hälfte der Geschichten.

Wie immer brilliert der Unionsverlag mit sorgfältig erstellten biografischen und bibliografischen Angaben zu Autorinnen und Übersetzerinnen, die Vergleiche zwischen Generationen und Kontinenten erst ermöglichen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2020

Schule außer Rand und Band - in England ein Kultbuch

Die Lehren des Schuldirektors George Harpole
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George Harpole sollte ein halbes Jahr lang den Direktor seiner Schule während dessen Fortbildung vertreten. Rückblickend sichtet und kommentiert Direktor Chadband in seinem Abschlussbericht, was in seiner ...

George Harpole sollte ein halbes Jahr lang den Direktor seiner Schule während dessen Fortbildung vertreten. Rückblickend sichtet und kommentiert Direktor Chadband in seinem Abschlussbericht, was in seiner Abwesenheit an der St. Nicholas Schule passierte. Aus persönlichen Briefen, schriftlichen Auseinandersetzungen mit der Schulbehörde, Leserbriefen und Kinderaufsätzen entsteht ein lebendiges Bild der Schlangengrube namens Schule. Mister Chadband befindet sich eindeutig in einer einfacheren Position als Harpole auf seinem beruflichen Schleudersitz, weil er dem jungen Kollegen Berufs- und Verwaltungserfahrung voraushat. Über Fehler, die einmal geschehen sind, hat man nachher leicht reden.

Dass der heimliche Direktor einer Schule der Hausmeister ist, damit hatte ich zu Beginn des Buchs gerechnet. Nicht jedoch mit dem durchaus komischen Auftritt einer engagierten Reformpädagogin und ihren Kritikern, die den Zusammenbruch der sozialen Ordnung befürchten. Die Ordnung der britischen Klassengesellschaft wurde allein schon dadurch gefährdet, dass Harpole wie ein jugendlicher Don Quichotte Rohrstock und „Dummen-Klasse“ an der Schule abschaffen will. Selbst das Christentum scheint in Gefahr, als Mrs. Foxberrow im Religionsunterricht die Frage aufwirft, ob Jesus als dunkelhäutiges Mitglied der Arbeiterklasse, das durch seinen Dialekt aufgefallen sein muss, im heutigen England eine Pfarrerstelle gefunden hätte. Ihre anschließende Auflösung gibt ein entlarvendes Bild davon, wie die britische Gesellschaft heute funktioniert. Harpole deckt auch auf, dass bei gleichen Leistungen Mädchen aus der Arbeiterschicht gegenüber Bürgertöchtern schlechtere Übertritts-Chancen auf weiterführende Schulen haben. Ein immer noch heißes Eisen.

J.L. Carr lässt in seiner Milieustudie unfreiwillig komische Kinderaufsätze auf knallharte, nicht weniger komische Auswüchse von Bürokratie prallen. Abgesehen davon, dass ich als Hobbybastler endlich gelernt habe, was ein Rollgabelschlüssel ist, habe ich mich köstlich über die St. Nicholas Schule und ihr Umfeld amüsiert. Die vielen Stimmen im Buch erfordern anfangs etwas Konzentration, dann wundert man sich als Leser nicht mehr, dass „The Harpole Report“ in England zum Kultbuch wurde.

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Ein spannendes und anrührendes Abenteuer - nicht nur für Kinder

Das Abrakadabra der Fische
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Wenn Vonkie mit ihrer Mutter in Opa Leos Dorf fährt, könnten die beiden annehmen, das Auto wäre eine Zeitmaschine. Bei Opa tragen die Leute Holzschuhe und haben Handys. Vonkie wird eine Woche bei ihrem ...

Wenn Vonkie mit ihrer Mutter in Opa Leos Dorf fährt, könnten die beiden annehmen, das Auto wäre eine Zeitmaschine. Bei Opa tragen die Leute Holzschuhe und haben Handys. Vonkie wird eine Woche bei ihrem Opa verbringen, weil ihre Eltern nach einem heftigen Streit Zeit für sich brauchen. Die 12-Jährige ist mehr als skeptisch, ob es ihr in dem alten Bauernhaus gefallen wird, in dem der verwitwete Opa allein lebt. Doch als das Mädchen vor Aufregung nachts nicht schlafen kann, zeigt sich der Opa als grandioser Geschichtenerzähler. Den Hof, auf dem er mit 6 Brüdern aufwuchs, hat inzwischen sein Neffe Pako übernommen. Jeder von ihnen hatte einen Spitznamen, Gisbert, mit dem Leo sich jahrelang das Zimmer teilte, war Beule – man kann sich vorstellen, weshalb – und der dickköpfige Leo wurde Eisen genannt. Sieben unternehmungslustige Söhne in einem Bauernhaus direkt am Kanal – als Mutter hätte ich jeden Abend drei Kreuze gemacht, wenn kein Kind ins Wasser gefallen oder im Eis eingebrochen wäre. Auch am nächsten Tag erzählt Opa, mit welch harten Bandagen die Brüder kämpften und stritten und wie Beule ihn immer wieder gerettet hat. Dass seine Mutter hart war, wie Vonkie feststellt, kann Leo dagegen nicht finden, ihre Taten waren fürsorglich. Nur an den mitfühlenden Worten, wenn sie mal wieder ein verletztes und verschlammtes Kind versorgen musste, hat es wohl gehapert. Leo erzählt und erzählt, dabei wahrt er eisern zwei Geheimnisse. Er will nicht damit herausrücken, was damals in der ausgebrannten Mühle passierte und warum er seit 50 Jahren nicht mehr mit Beule/Gisbert redet, seinem Blutsbruder. Das Abrakadabra war bei den Jungs Beules unverständliches Gemurmel, wenn er für die Schule lernte. Vonkie ist Feuer und Flamme, beide Rätsel zu lösen. Ihr Cousin Sven erweist sich dabei als überraschend gewitzter Gefährte. Gemeinsam mit dem Geheimnis, das Leos Mutter auf der Seele lag, sind schließlich drei Handlungsfäden zu verknüpfen, was Simon van der Geest mit Bravour gelingt. Vonkie wirkt anfangs noch sehr kindlich, dabei entschlossen und absolut glaubwürdig. Die Moral für Vonkie: in ihrer Familie aus Dickköpfen muss sie sich über den Streit ihrer Eltern wirklich nicht wundern. Und auch unter eisernen Dickköpfen muss zumindest einer darüber reden, was derjenige bescheuert findet. Ich muss mir das Buch wohl zur Mahnung sichtbar ins Regal stellen …

Simon van der Geest erzählt hier - aus Zeiten als niederländische Kinder im Winter auf Schlittschuhen in die Schule fuhren - Geschichten aus seiner eigenen Familie. Das tut er so anrührend und spannend, dass sein Buch auch für erwachsene Leser ein besonderes Erlebnis ist. Beule, Opa Leo, die geheimnisvolle Johanna und Leos Mutter bleiben unvergessliche Figuren.

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Ermittlungen in einem abgelegenen Höhlengebiet

Verhängnisvolles Calès
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Mitten im Winter wird in den Grotten von Calès (bei Lamanon) nach einem Felssturz ein Skelett gefunden. Aufgrund seines recht jungen Alters interessiert es jedoch stärker Gerichtsmediziner als die Archäologen, ...

Mitten im Winter wird in den Grotten von Calès (bei Lamanon) nach einem Felssturz ein Skelett gefunden. Aufgrund seines recht jungen Alters interessiert es jedoch stärker Gerichtsmediziner als die Archäologen, die in der Nähe eine Grabung durchführen; es stammt aus dem 20. Jahrhundert. Eine Verbindung zum Zweiten Weltkrieg oder zur Nachkriegszeit liegt nahe, auch dass ein Täter hier ortskundig gewesen sein muss. Ohne den Felssturz wäre die tote Person in dem längst für Wanderer gesperrten Tal vermutlich nie gefunden worden. Die von Menschen um einen Talkessel herum angelegten Höhlen waren schon immer leicht zu verteidigen und gaben in Kriegszeiten Bewohnern der Region Obdach. M. Compagnat, ein erfahrener Wanderführer, assistiert der Archäologin Agnes Havel bei ihren Grabungen; denn er kennt hier jeden Stein. Sollte Havel einen bedeutenden Fund freilegen, fürchtet der knorrige Alte schon jetzt eine Touristenschwemme. Doch außer Havel gibt es mindestens eine weitere Person, der die Grotten vertraut sind wie die eigene Hosentasche …

Roger Blanc plant bereits für Weihnachten, als sein gemauerter Kamin einstürzt und er in seiner historischen Ölmühle plötzlich im Kalten sitzt. Eigentlich hatte er sich endlich mit seiner Tochter Astrid versöhnen wollen. Als wäre das neben den üblichen Scharmützeln unter Kollegen und seiner Affäre mit der Untersuchungsrichterin nicht Stress genug, verschwindet von einer großen Hochzeitsfeier ein 9-jähriges Mädchen. Die Feier findet im Chateau de la Barben statt, auf einem Gelände, das die Gendarmerie schwer und vor allem nicht zügig bis in den letzten Winkel durchsuchen kann. Die Zeit rennt den Ermittlern davon. In der klirrenden Kälte wird ein Entführungsopfer in einem der zahlreichen Gebäude nicht lange überleben. Blanc und sein Team verfolgen die naheliegende Spur, wer die kleine Noelle so gut gekannt haben kann, das sie mit dieser Person das Gelände verlassen würde. Wer profitiert von der Entführung und wie würde ein Kind in dieser Situation denken? Die Familiengeschichte der Schlossbesitzer reicht bis in Zeiten zurück, in denen die Region Revolutionären und Widerspenstigen ein Refugium bot – in diese Geschichte muss Blanc tief einsteigen, um beide Fälle zu lösen. Er kann sich dabei auf Einheimische stützen, die sich an die Ereignisse damals erinnern und die wissen, wo man im Archiv suchen muss, um seinen Verdacht auch beweisen zu können.

Cay Rademachers 6. Band um den südfranzösischen Capitaine Roger Blanc ist mit rund 450 Seiten erheblich umfangreicher als die Vorgängerbände. Der Krimi fesselt durch einen für die Öffentlichkeit gesperrten Schauplatz, seine Verknüpfung mit der regionalen Geschichte und zahlreiche liebevoll ausgearbeitete Nebenfiguren. Blancs private und berufliche Verstrickungen sind zwar bewährte Krimi-Zutaten, Rademacher schafft jedoch wie in jedem Blanc-Band eine Atmosphäre zu schaffen, die Lust weckt, sofort nach Südfrankreich zu reisen.

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