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Veröffentlicht am 13.05.2021

Es brennt, auch im Nachhall!

Drei Kameradinnen
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Erst einmal gilt zu sagen, dass das Cover grandios ist. Auf dem Bild kommt es nicht ganz so gut rüber, aber das Gelb ist in Wirklichkeit ein glänzendes Gold. Deutschland, wie es brennt.
Das Bemerkenswerte ...

Erst einmal gilt zu sagen, dass das Cover grandios ist. Auf dem Bild kommt es nicht ganz so gut rüber, aber das Gelb ist in Wirklichkeit ein glänzendes Gold. Deutschland, wie es brennt.
Das Bemerkenswerte sind die Leserinnenführung und der Erzählstil. Beides zeugt hier von einer sehr talentierten Autorin. Ich weiß nicht, ob ich jemals einer so unzuverlässigen Erzählerin wie der in diesem Buch begegnet bin. Aber der Punkt ist, dass sich dadurch nichts an der Glaubwürdigkeit bzw. der Wiedererkennbarkeit unserer Realität in diesem Land ändert. Die Leserschaft wird auf eine harte Probe gestellt und muss eingestehen, dass sie längst bemerkt hat, was kaum einer ausspricht.

Der spitze Ton der Erzählerin, gepaart mit dem ausschweifenden Stil und der verschiedenen Ebenen konnten mich nicht nur gut unterhalten: Ich hatte das Gefühl, die Erzählerin würde neben mir sitzen und mir teilweise aus dem Herzen schreiben. Ich habe mich und auch andere Menschen wiedererkannt. Viele Diskussionen habe ich ähnlich selbst geführt oder miterlebt. Diese Mischung aus Fiktion und purem und realem Material wirkten wie ein Sog auf mich. Es war nicht wichtig, ob alles so passiert ist, allein die Tatsache, dass man es für möglich hält, etabliert eine Spannung.

Diese Spannung beruht darauf, dass es eine Rahmenerzählung bzw. einen anfänglichen Teaser gibt. Auf das Ende soll hingearbeitet werden. Als Leserin habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie es dazu kommen soll und es mit jeder Seite für unmöglicher und wahrscheinlicher zugleich gesehen, dass es so kommen wird, wie es zu Anfang prophezeiht wurde. Weil einem die Charaktere mit jeder Seite mehr ans Herz wachsen, die drei Kameradinnen. Deswegen hat die Spannung auch mit jeder Seite zugenommen, bis ich am Ende platt war.

Das Buch ist hart mit den Leser
innen, den Charakteren und Deutschland, könnte man meinen. Aber darauf würde ich antworten, dass das Leben in Deutschland für viele Menschen hart ist. In einem Land, in dem Demokratie und Gleichheit groß geschrieben und die Aufarbeitung der Geschichte eine allseits gegenwärtige Tatsache darstellen, steht es um die Toleranz gegenüber Migrant*innen (ganz besonders gegenüber dem Islam) und um gleiche Chancen immer schlechter. Was den Main Stream entweder nicht stört oder ihm zugute kommt. Deswegen ist es so wichtig, dass unsere Stimmen Gehör finden und in den Kanon der Literatur aufgenommen werden. Schon krass, dass es manchmal erst Fiktion braucht, um auszudrücken, was eigentlich in eine Reportage gehört...

Aber es geht hier noch um so viel mehr! Am Anfang dachte ich noch, dass es vllt zu viel ist und ich habe mich gefragt, wo die Erzählung hinführen soll. Aber man muss es als genau das sehen: Eine Erzählung. Besser noch: Als ein tiefgründiges Gespräch mit einer sehr guten Freundin. Hin und wieder schweift man vom Thema ab, um auf dem Nachbarfeld ins Schwarze zu treffen. Brisant und aktuell sind die Themen allemal und vor allem aus der Mitte des Lebens gegriffen. Am Ende habe ich mich über meinen anfänglichen Einwand nur gewundert. Letztendlich war es eine total runde Sache. Hinter der ganzen Unordnung habe ich System entdeckt. Ein interessanter Fakt ist vielleicht noch, dass es keine Kapitel gibt. Es ist eine zusammenhängende Erzählung. Die Autorin hat Mut zu experimentieren und ihren Mund aufzumachen sowie mit der Leserschaft zu spielen. Mir hat es ausgesprochen gut gefallen.

Aber man sollte sich darauf einstellen, besonders am Ende öfters zu schlucken und tief Luft zu holen, ich musste Pausen machen. Mehrmals hat die Autorin mir das Herz gebrochen und es dann wieder zusammengeschustert. Am Ende würde ich sogar sagen, dass sie nach einer aufregenden Achterbahnfahrt uns unsere 3D-Brillen abgenommen hat, damit wir draußen auf das echte Karussell vorbereitet sind. Auf dem wir schon unser Leben lang fahren, aber übel wird uns erst mit der Brille auf der Nase. Dabei habe ich in der Retrospektive den Eindruck, dass die Erzählerin uns trotzdem immer noch min. mit einem Samthandschuh angepackt hat. Wer das Buch zuschlägt, wird wohl kurz geschockt sein, sicherlich (hoffe ich!) nicht ungerührt und bestimmt ab jetzt genauer hinsehen. Und womöglich viele Situationen hinterfragen und auch nachträglich aus einer anderen Perspektive betrachten. Das wäre jedenfalls schon mal ein Anfang und ein Lichtblick.
Die Message, die ich empfangen habe, ist nicht, dass es darum geht, die Sichtweise zu wechseln, sondern anzuerkennen, dass es da draußen noch mindestens eine weitere gibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2021

Es motiviert uns, an uns selbst zu glauben!

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz
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Wer dieses Buch aufschlägt, sollte sich wappnen! Uns springt förmlich eine ganze Wikinger-Truppe entgegen mit einer unfassbar legendären Anführerin: Zelda! Sie nimmt uns mit durch eine wohl sehr prägende ...

Wer dieses Buch aufschlägt, sollte sich wappnen! Uns springt förmlich eine ganze Wikinger-Truppe entgegen mit einer unfassbar legendären Anführerin: Zelda! Sie nimmt uns mit durch eine wohl sehr prägende Zeit ihres Lebens: Wie sie lernt, ihre eigenen Stärken einzusetzen und das Leben ihres Bruders, ihres Beschützers zu retten, indem sie ihre eigene Legende schreibt. Wenn das nicht motivierend auf die Leserinnen wirkt, dann weiß ich auch nicht. Ich habe das Buch eben zugeschlagen, mit feuchten Augen. Und einem Lächeln im Gesicht. Am liebsten würde ich gleich anfangen, meine eigene Legende zu schreiben, aber das ist nicht die Message. Sie ist viel mehr die, dass wir das ohnehin tun, mit jedem Tag den wir meistern und für das einstehen, woran wir glauben.

Mit Zelda hat Andrew David MacDonald nicht einfach nur einen Romancharakter, sondern einen Menschen erschaffen. Eine Freundin, eine Kämpferin, ein Vorbild. Während des Lesens hatte ich durchweg ihre Stimme im Ohr, obwohl ich diese noch nie gehört habe. Bei den "Nebencharakteren" war es nicht anders: Sie wurden durch Zelda ebenfalls sehr plastisch gezeichnet, sodass das Leseerlebnis unheimlich intensiv war. Wenn es hier keine Verfilmung geben wird, dann weiß ich auch nicht! Zeldas Sprache wirkt sehr authentisch. Ich würde mal sagen, dass wir auch viel über das Wikingeruniversum lernen, denn dort fühlt sich Zelda zuhause.

Unverhofft kommt oft... So würde ein Außenstehender die Lebenssituation der Geschwister Zelda und Gert wohl umschreiben. Nicht nur, dass die Mutter Alkoholikerin war und an Krebs starb, oder, dass der Vater über alle Berge und der Onkel ein Unhold ist. Nein, auch Gert selbst ist in krumme Geschäfte verwickelt und als Schlägertyp bekannt. Dass seine kleine Schwester da auch noch mit einer Behinderung leben muss, so möge manch einer behaupten, ist zu viel des Guten und höchst unwahrscheinlich. Glaubst du, sag ich da nur. Denn leider hängen die meisten Schicksalsschläge miteinander zusammen und sind für viele Menschen Realität. Wie sagt man so schön: Armut und Elend vererben sich. Da hat man aber noch nicht mit Zelda abgerechnet: Sie zeigt auf beeindruckende Weise, dass nicht überall das drinsteckt, was draufsteht. Sie verzichtet auf die Opferrolle und gehört zu den mutigsten Menschen zwischen diesen Seiten. Sie reißt das Etikett ab, das ihr aufgeklebt wurde und ist für die da, deren Aufgabe es eigentlich ist, sie zu beschützen. Was lehrt uns das? Wir sollten verdammt nochmal mit unseren Schubladen aufhören. Das Leben ist zu schade für eine einzige ausgelatschte Perspektive. Und es gibt keine Grenze zwischen "normal", "anormal", "behindert" und "total ungehindert". Wir sind alle komplett verschieden und vor allem ist gestern nicht morgen. Wir entwickeln uns ständig.

Es ist auch nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. "Wenn ich es recht überlege, ist fast gar nichts gut". Würde der Pessimist sagen. "Warum muss ich dann die ganze Zeit beim Lesen schmunzeln?" Sagt der Optimist. "Stimmt doch gar nicht, gerade hast du noch das Buch entsetzt zugeschlagen". "Und du hast eine Träne verdrückt". So streiten sie sich und werden sich nicht einig. Wie im echten Leben. Wobei ich damit nicht andeuten möchte, dass die meisten von uns auch nur einen Bruchteil von dem erlebt haben, was Zelda widerfährt. Sie ist den meisten von uns an Lebenserfahrung überlegen. Einige kritisieren, dass das FASD heruntergespielt wird, weil Zelda ein so fortschrittliches "Exemplar" dieses Syndroms ist. Das halte ich für völligen Quatsch! Leser
innen müssen nicht mit Samthandschuhen angepackt werden. Sie können schon noch selbst denken. Und außerdem geht es genau darum: Wir sollten einen Menschen nicht nach dem beurteilen, was er sein soll oder was man über ihn sagt, sondern danach, was er wirklich ist. Zelda hat liebe Menschen um sich, die an sie glauben. Und was noch wichtiger ist: Sie glaubt selbst an sich. Deswegen wurde sie so gefördert, dass es ihr möglich ist, immer selbstständiger zu werden. Das färbt auf ihr Umfeld ab.
Aber es zeigt, dass MacDonald sich nicht zu schade ist, auch unschöne Szenen darzustellen. Und aus Zeldas Perspektive wirkt es nochmal echter und berührender. Aber es macht einen auch wütend. Es werden einige wichtige Themen angesprochen, die Ernst genommen werden müssen. Dafür sind Geschichten wie diese genau das richtige: Durch sie können die Emotionen der Leser*innen erreicht werden, ohne dass es zu ernst wird. Nicht ernster als das Leben selbst.
Man könnte einwenden, dass neben der Behandlung von Der FASD-Syndroms zu viele anderen Themen eine Rolle spielen, wie Homosexualität, Rassismus, Gewalt, Kriminalität, Drogen... Aber genau das wäre ein falsches Bild: Es würde bedeuten, dass wir überfordert wären, wenn wir in zwei oder mehr Bereichen gleichzeitig für mehr Toleranz einstehen sollen. Im echten Leben können wir auch nicht alle anderen "Probleme" oder Aspekte ausblenden, wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren wollen. Live and fight for Diversity!
Denn letztendlich geht es für uns alle nur darum: Unsere eigene Legende so gut wie möglich zu schreiben. Das Wissen um mehr Toleranz und Offenheit, aber auch Aufklärung, verhilft uns zu Stärke, die wir in der Schlacht gut gebrauchen können. Denn die erleben wir jeden Tag aufs neue, soviel ist mal klar. Skål, wie Zelda jetzt sagen würde.

Wichtige Botschaften:

1. Jeder Tag ist eine Schlacht
2. Wir alle sind Krieger
3. Und können uns unsere Sippe, für die wir das Schild hochhalten, selbst aussuchen
4. Die Welt besteht nicht nur aus Helden und Unholden
5. Und dennoch gibt es von beidem mehr als man denkt
6. Auch Frauen können eine holde Maid haben und in die Schlacht ziehen
7. Und manchmal brauchen diejenigen unsere Hilfe, die uns sonst beschützen
8. Die besonderen Ereignisse im Leben stehen auf keiner Liste
9. Und manchmal müssen wir die Regeln selbst festlegen
10. Um am Ende epochalen Mut zu beweisen und unsere eigene Legende zu schreiben

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2021

Auch Nicht-Menstruierende sollten es lesen!

Periode ist politisch
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Ich hatte das Buch im letzten Jahr schon öfter in der Buchhandlung in der Hand. Zum einen aufgrund des provokativen Titels und auffälligen Covers, zum anderen auch, weil es mich inhaltlich sehr angesprochen ...

Ich hatte das Buch im letzten Jahr schon öfter in der Buchhandlung in der Hand. Zum einen aufgrund des provokativen Titels und auffälligen Covers, zum anderen auch, weil es mich inhaltlich sehr angesprochen hat. Und nein, das nicht nur, weil ich eine Frau bin. Da wären wir auch schon bei meinem ersten Kritikpunkt: Viele Stellen im Buch, nicht zuletzt die Widmung, haben bei mir den Eindruck erweckt, dass das Buch hauptsächlich an Betroffene (Ups, jetzt trage ich auch schon dazu bei, dass es sich so anhört, als würde es um eine Krankheit gehen!) gerichtet ist. Jeder, dem das Wohl der Gesellschaft und eines Großteils der Menschen in ihr am Herzen liegt, der nicht bloß wegsehen und zur Ignoranz beitragen möchte, sollte dieses Buch lesen, denn wie die Autorin nicht müde wird zu betonen: Es geht uns alle etwas an.

Der Zugang ist dementsprechend sehr leicht gefallen, weil von Anfang an eine Übereinkunft der Erwartungen an das Thema mit dem, was das Buch schon auf dem Cover verspricht, übereinstimmte. Die liebevolle Aufmachung und der sehr sympathische Ton der Autorin machten es nochmal leichter. Sie hat einen sehr mitreißenden und humorvollen, aber auch provokant scharfen Schreibstil. Das braucht es in dieser "Nische" auch. Das Ziel ist es, den Leser zu überzeugen und das mithilfe von Argumenten. Auffällig ist, dass vor allem mit dem Mittel der Wiederholung gearbeitet wird. Das habe ich aber keineswegs als störend empfunden, sondern als absolut notwendig. Wenn wir als Menschheit gesehen alles beim ersten Mal Hören/Lesen aufnehmen würden, hätten wir viele Probleme nicht. Die Message ist sehr klar und deutlich, die aufkeimende Wut bei den Lesenden auch: Es ist echt unfassbar, mit was für hohlen Birnen wir auf der Welt leben und wie sehr diese auch noch unseren Alltag, unsere Ausgaben und unsere Sicht auf die Welt bestimmen und dabei selbst noch nie geblutet haben. Nach Lesen dieses Buches war ich schon ein wenig fassungslos, dass man selbst als Frau so wenig davon mitbekommen hat und musste mir bei dem einen oder anderen Punkt an die eigene Nase fassen.

Nach dem Lesen sollte es nicht einfach dabei bleiben, dass man das mit Klebezetteln versehene Buch an die Freundin weitergibt und sich anderen Dingen widmet, sondern zumindest eine Reflektionsphase sollte einsetzen: Habe ich mich schon mal für meine Tage geschämt? Habe ich schon mal versucht, es auch verbal zu verheimlichen? Kann ich etwas tun, um die Umwelt zu entlasten? Gibt es Petitionen, die ich unterschreiben kann, um eine weitere Steuersenkung zu unterstützen?

Was aber auf jeden Fall gesagt sein muss, ist, und das kommt meiner Meinung nach im Buch zu kurz, dass es am Ende darum geht, dass wir uns alle in unserem Körper wohlfühlen. Franka Frei ist ihren Weg gegangen, indem sie rausgegangen ist und den Mund aufgemacht hat. Das bedeutet aber nicht, dass wir unserer Umgebung erzählen müssen, dass und wann wir unsere Tage haben. Wir müssen keine Tampons offen rumliegen haben, um für uns einzustehen. Es steht uns auch frei, nach unseren Belieben Hygieneprodukte für unsere Bedürfnisse selbst auszuwählen und da sollte keiner reinreden. Bevor ich das Buch las, hatte ich auch nicht wirklich das Gefühl, es bestünde für mich persönlich ein Problem. Denn manche Dinge sind einfach persönlich und die will man für sich behalten. Aber auf die gesamte Gesellschaft bezogen, und damit ist die globale gemeint, denke ich schon, dass wir ein Problem mit Tante Rosarot aus Unterleibzig haben. Und wenn ich an meine Teenagerjahre in der Schule zurückdenke, würde ich schon von Einschränkungen sprechen.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Vielseitigkeit, mit der die Autorin die Auseinandersetzung angeht: Geschichtlich, biologisch, politisch, wirtschaftlich... Es findet auch ein stetiger Wechsel zwischen Satire und Ernsthaftigkeit statt, sodass ich sagen kann: Bei so vielen schockierenden Fakten kann es gar nicht langweilig werden. Zumal Franka Frei sich entschieden hat, auch von ihrer Reise und menschlichen Begegnungen mit anderen Frauenrechtsaktivisten auf der Welt zu erzählen. Es geht letztendlich nicht nur um Fakten, sondern um die Menschen aus aller Welt, die das betrifft. Denn wir sind es ja letztendlich, um die es geht.

Der Autorin scheint es wirklich um die Sache an sich zu gehen. Das merkt man auch daran, dass sie auf viele andere Werke, Literatur und Menschen verweist, die einen Zugang zu der Thematik bieten.

Letztendlich bleibt mir noch zu sagen, dass ein gutes Sachbuch mit einem aktuellen, wichtigen und unterschätzten Thema dann besonders gelungen ist, wenn der Autor einen schon nervt mit seiner Verbissenheit und Prägnanz. Denn genau darum geht es: Würden nicht einige wenige auf die Rechte der Benachteiligten beharren, wäre es für alle Zeiten bequemer, man beließe alles wie es ist. Zum Glück gibt es Menschen, die sich trauen, die Lesenden quasi direkt anzugreifen und ihre Hintern vom Sofa hochzuziehen, für manch einen den "Gutmenschen" spielen. Genau da, wo es unangenehm wird für den Lesenden, weil er sich betroffen fühlt, vielleicht auch im negativen Sinn, fängt die Wirkung an. Und das ist hier der Fall.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2021

Es macht, dass die Sonne lacht!

Die Mitternachtsbibliothek
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Ich wusste es! Ich habe seit langem auf ein Buch wie diesem gewartet und als es dann da war, hat es nach mir gerufen. Zum Glück habe ich es gehört! Schon der Titel und das Cover haben mir die Freundschaft ...

Ich wusste es! Ich habe seit langem auf ein Buch wie diesem gewartet und als es dann da war, hat es nach mir gerufen. Zum Glück habe ich es gehört! Schon der Titel und das Cover haben mir die Freundschaft angeboten, der Klappentext kam einer Liebeserklärung gleich. Jetzt rückblickend kann ich erleichtert sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde.

Matt Haig schreibt mir aus dem Herzen. Ich frage mich, ob es irgendeinen Menschen gibt, der sich in diesem Roman nicht wiederfindet. Und wenn er existiert: Ist er zu beglückwünschen oder zu bedauern? Ich meine es ernst: Ich bin mir sicher, dass wir alle ab und zu düstere Gedanken haben und uns nicht vorstellen können, dass es auch bessere Zeiten geben wird. Und genau dieses Thema wird hier aufgegriffen. Manche haben diese Gedanken öfter als andere, aber früher oder später wird die Frage "Was wäre ich, wenn..." allgegenwärtig. Wir werden wehmütig und stellen uns uns in einem Paralleluniversum vor.
Wer gerne über das Leben philosophiert, der ist mit diesem Buch gut bedient.

Das Schöne dabei ist, dass Matt Haig zwar sehr belesen wirkt, aber Zitate nur zur Bereicherung, nicht zur Unterdrückung des Lesers einsetzt. Es ist gerade sein großes Erfahrungs-Repertoire, dass es ihm ermöglicht, in Worte zu fassen, was die meisten anderen nur denken können. Dafür hat er meinen Respekt! Die Verweise auf Philosophen, Theorien und Songs untermalen die grundsätzlichen Aussagen, nicht andersherum. Sehr angenehm!

Die Sprache ist sehr eindringlich wie man es vielleicht auch erwartet. Sie soll den Leser erreichen, nicht nur unterhalten und das ist auf jeder Seite bemerkbar. Deswegen ist sie zwar einfach gehalten, aber auf den Punkt. Es gibt viele interessante Bilder und Vergleiche, und ja: Es werden auch große Worte geschwungen. Aber es ist keinesfalls mit Weisheiten überladen. Diese Gefahr besteht bei diesem Genre ja immer.

Für den einen oder anderen mag es ins Pathetische abdriften. Auch ich habe mir deswegen Sorgen gemacht, besonders angesichts der ersehnten Auflösung. Letztendlich waren alle Sorgen unbegründet. Da auch Matt Haig nicht Gott ist und die Antwort auf ein glückliches Leben nicht gepachtet hat, kann er nur seine eigenen Erfahrungen einfließen lassen und dem Leser mitgeben. Die Reise, die die Protagonistin durchlebt, legitimiert jedes einzelne Wort, das in der Auflösung fällt. Ich bin mit dieser sehr zufrieden. Es ist so ähnlich gekommen, wie ich es mir ausgemalt habe und was sie mit der Message anstellt, muss jede Person für sich entscheiden.

Mich hat das Buch inspiriert und ich kann mir vorstellen, dass es besonders depressiven Menschen das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Es wird sie nicht heilen, aber zumindest zeigen, dass die Macht in einem selbst steckt und unendliches Glück nur eine Illusion ist, was übrigens auch für das Unglück gilt. Wer nicht an Paralleluniversen glaubt, wird dennoch ein Fünkchen Wahrheit für sich entdecken, man muss dafür nicht mal in die Quantenmechanik gehen. Und wenn das einzige, was man mitnimmt, nur ein positives Gefühl und Sonnenstrahlen im Herzen sind, dann war es das Lesen doch wohl wert, meinst du nicht?

Ich wurde für diese Rezension übrigens nicht bezahlt oder sonst wie honoriert. Ich bin nur eine zufriedene, X-beliebige Leserin, die gerade von einem aufregenden Ausflug in die Mitternachtsbibliothek zurückgekehrt ist und der Meinung ist, dass es mehr Bücher von dieser Art geben sollte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2020

Starke Reihe bis zum Schluss!

Obsidian 5: Opposition. Schattenblitz
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Zuallererst: Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, was Premiere bei dieser Reihe ist. Dark Elements dagegen habe ich vollständig als Hörbuch gehört. Es hat mich gefreut, dass es sich hier um dieselbe Sprecherin ...

Zuallererst: Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, was Premiere bei dieser Reihe ist. Dark Elements dagegen habe ich vollständig als Hörbuch gehört. Es hat mich gefreut, dass es sich hier um dieselbe Sprecherin handelte. Es fiel mir nicht schwer zuzuhören und das meiste habe ich trotz meiner gelegentlichen Konzentrationsschwäche mitbekommen.

Die Reihe hat ja bis jetzt in der Bewertung immer geschwankt, weswegen ich mit einem mulmigen Gefühl den Abschluss gewagt habe. Was soll ich sagen: Ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht!
Es hat schon gut angefangen, weil der vierte Teil ja mit einem Cliffhänger endete. Es ist natürlich nichts Neues, dass Katy und Daemon getrennt wurden, aber diesmal ist es anders. Es ist ernster und das Band zwischen ihnen nimmt Risse an, jedenfalls wird es ordentlich auf die Probe gestellt. Es geht um Fragen der Loyalität. Endlich wird auch der Einfluss auf die normalsterbliche Weltbevölkerung, zumindest auf die amerikanische, gezeigt. Und der Rassenkonflikt zwischen Lux, Arum, Origins und Menschen ist eine sehr authentische Zeichnung unserer Wirklichkeit.

Von Anfang bis Ende war es spannend und leider auch traurig. Es macht Spaß, Katy und Daemon zu begleiten, sie sind zusammen keinesfalls langweilig.
Diesmal haben mich der Plot und die Beziehungen nicht an Twilight, sondern an den sechsten Teil von den Chroniken der Unterwelt erinnert. Katy versucht, ihre Liebe zu retten und muss mit ansehen, wie deren Gehirn scheinbar gewaschen wird.

Der Epilog war für mich ein ganz besonderes Highlight. Mehr kann ich leider nicht verraten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere