viel tell, wenig show :(
The Tainted CupDisclaimer: Dieses Buch ist sehr beliebt bei sehr vielen Menschen, darum bitte meine Rezension mit einer Prise Zweifel nehmen.
Tainted Cup ist als Fantasy-Krimi angelegt, mit klaren Anleihen an klassische ...
Disclaimer: Dieses Buch ist sehr beliebt bei sehr vielen Menschen, darum bitte meine Rezension mit einer Prise Zweifel nehmen.
Tainted Cup ist als Fantasy-Krimi angelegt, mit klaren Anleihen an klassische Detektivgeschichten: Die exzentrische Ermittlerin Ana im Stil von Sherlock Holmes und ihr Assistent Din als eine Art Watson bewegen sich durch eine sekundäre Welt, die von Leviathanen, Seuchen, magischen Modifikationen und politischer Korruption geprägt ist. Ein Mord sieht zunächst wie ein Krankheitsfall aus, stellt sich aber dann als etwas ganz anderes, tieferes heraus. Die Ermittungen der beiden erschließt weit mehr Variablen und größere Probleme. Es geht um eine Mordaufklärung, aber auch um Macht, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Das Grundkonzept ist originell , ebenso die Atmosphäre und wenigen Beschreibungen der Welt. Ein Beispiel sind die gigantischen Leviathane oder der dichten Umgebungen, die besonders dann überzeugt, wenn Din allein unterwegs ist und seine Eindrücke schildert. Auch die ruhige, stellenweise elegante Prosa sowie ein zarter romantischer Nebenstran hat mir eigentlich ganz gut gefallen.
Nun aber zu meinen Problemen mit der Geschichte. Für mich haben weder die Figuren noch die Handlung emotional Input gehabt. Die Charaktere blieben flach, schwer greifbar und teilweise irritierend. Es fiel mir schwer, eine echte Bindung zu Din oder Ana aufzubauen oder mich für ihr Schicksal zu interessieren. Ana ist oft ziemlich drüber, und Din ist zwar potenziell interessant, vor allem am Anfang, hätte aber in meinen Augen noch so viel mehr sein können. Für einen Mordfall fehlte es mir zudem an Spannung – statt Neugier oder Nervenkitzel stellte sich eher Ungeduld ein.
Mein größter Kritikpunkt ist der, dass das Buch ein perfektes Beispiel für für den Hinweis „show, not tell“ ist. Anstatt die Welt, die Figuren und ihre Konflikte durch Handlung, Dialoge und erlebte Szenen erfahrbar zu machen, erklärt der Text vieles direkt. Motive, Zusammenhänge und Bedeutungen werden benannt, statt sie entstehen zu lassen. Dadurch bleibt vieles oberflächlich; man bekommt ständig gesagt, wie etwas ist oder warum es wichtig sein soll, fühlt es aber nicht. Ich mag das "show" in Büchern sehr gerne und brauche es mehr oder minder, um mir meine Bilder vorzustellen oder auch um die Atmosphäre wahrzunehmen. Das hat mich hier leider sehr enttäuscht.
Gleiches erfuhr ich leider auch beim Wordbuilding: Die Welt ist zwar sehr kreativ und groß, aber durch die unzureichenden Erklärungen wirkte es trotzdem leer und teilweise mit logischen Lücken, die ich in meinem Kopf nicht füllen konnte.
Die Schreibweise und der Flow hat mir hingegen ganz gut gefallen, die Kritik von oben mal ausgeklammert. Ja, es wird viel geflucht, aber das fand ich in keinster Weise komisch oder störend.
Insgesamt bin ich der Meinung, dass das Buch zwar großes Potential und spannende Ideen hat, aber für mich persönlich einfach nicht in der Richtigen Umsetzung. Das Buch ist für Lesende, die noch wenig Erfahrung im Fantasy-Bereich haben, gerne miträtseln und ungewöhnliche Settings mögen. Wenn du unsicher bist, probiere es auf jeden Fall aus. Band zwei gibt es auch schon bald!
Ganz großes Dankeschön an den Adrian-Verlag für das Rezi-Exemplar <3