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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2019

Frecher als die Bilder glauben machen

Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus
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Die winzig kleine Hummelfledermaus Henrietta Penelope, genannt Hetty Flattermaus, hat es trotz ihrer geringen Körpergröße faustdick hinter den Ohren. So gelingt es ihr trotz aller Vorkehrungen ihrer besorgten ...

Die winzig kleine Hummelfledermaus Henrietta Penelope, genannt Hetty Flattermaus, hat es trotz ihrer geringen Körpergröße faustdick hinter den Ohren. So gelingt es ihr trotz aller Vorkehrungen ihrer besorgten Mutter, aus ihrem Heim, einer Dachgaube, auszubüxen. Wie toll und bunt ist die Welt draußen! Alles sieht so freundlich und friedlich aus! Oder ist das nur schöner Schein? Hört Hetty da nicht die Hilferufe eines kleinen Lebewesens? Wo steckt es nur? Hetty gibt alles, den Hilfesuchenden zu finden, hoffentlich ist es nicht zu spät!
Die deutschen Autorinnen und Illustratorinnen Annette Roeder und Julia Christians haben mit „Hetty Fledermaus“ eine niedliche und vorwitzige Figur geschaffen. Die Sprache ist kindgerecht, kurze klare Sätze lassen auch junge Leser, bzw. Zuhörer verstehen, was Hetty so anstellt. Es gibt auch einige witzige Wortspiele, die mir gut gefallen. Ihr Ausflug in den Park ist tatsächlich auch lehrreich, man lernt einige Pflanzen in Wort und Zeichnung kennen. Gut finde ich, dass sie, nachdem sie mit ihrem Ausflug gegen ganz klare Regeln verstoßen hat, schlimme Probleme bekommt und dass ihre Freundin sie retten kann. So hat sie zumindest gelernt, dass Mama Huldas Ängste nicht unbegründet sind. Das Buch ist durchgehend farbenfroh illustriert, wobei mir die Bilder manchmal fast ein wenig zu niedlich sind.
Das Cover zeigt die Protagonisten inmitten einer Blumenwiese, schön bunt und wohl am ehesten kleine Mädchen ansprechend. Ich hätte mir etwas mehr „Frechheit“ gewünscht. Der Titel “Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus“ passt sehr gut zum Buch.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Freunde

Die Furchtlosen Fünf
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Jeremy Finns Freund Johnny J ist tieftraurig: seine Mutter ist schwer an Krebs erkrankt und selbst die Chemotherapie scheint nicht die erhoffte Wirkung zu zeigen. Zusammen mit ihren Freunden Sumo, Walker ...

Jeremy Finns Freund Johnny J ist tieftraurig: seine Mutter ist schwer an Krebs erkrankt und selbst die Chemotherapie scheint nicht die erhoffte Wirkung zu zeigen. Zusammen mit ihren Freunden Sumo, Walker und Charlie überlegen sie, wie sie ihr helfen können. Vielleicht gibt es Hilfe in Amerika? Doch so ein Flugticket ist unglaublich teuer (wir befinden uns im Jahr 1990), wie sollen die Freunde so viel Geld zusammentragen? Sie organisieren Boxkämpfe, doch die „Eintrittsgelder“ reichen bei weitem nicht aus. Außerdem können sie nicht boxen… Also doch ein Raubüberfall? Von 12-13jährigen Kindern? Ein schwieriges Unterfangen, doch schneller als man denkt werden aus den fünf Freunden „Die furchtlosen Fünf“!
„Die furchtlosen Fünf“ ist das erste Kinderbuch der irischen Autorin Anna McPartlin, die bis dato durch ihre bewegenden Romane um Rabbit Hayes berühmt ist. Auch dieser Roman für Kinder ist bewegend und rührt manchmal zu Tränen. Aber er ist auch lustig und voller Energie und Action. Der Schreibstil spricht meiner Meinung nach Kinder ab 10 Jahren an, er ist flüssig und unkompliziert zu lesen. Jeremy ist ein netter und hilfsbereiter Kerl, dem seine eigenen nicht immer so netten Ideen bald über den Kopf wachsen, der Leser kann sich gut mit ihm identifizieren. Sehr schön ist das Verhältnis zu seinen Geschwistern beschrieben: es wird geärgert und beschimpft, im Notfall halten aber alle zusammen. Die Aktionen, die die Freunde starten, sind schon recht extrem, vielleicht eine Nummer zu groß für Kinder in dem Alter. Sonst gefällt mir das Buch sehr gut, es ist spannend und gefühlvoll, was will man mehr?
Das Cover fällt durch die orange Farbe auf, das Bild passt zur manchmal etwas verrückten Clique. Der Titel, vor allem aber der Untertitel „…tun das Falsche, aber richtig“ ist super gewählt.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Gewissenskonflikt

Entführung
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Rechtsanwalt Pal Palushi wird zum Pflichtverteidiger eines Entführers ernannt. Dieser hat die Millionärstochter Lara Blum verschleppt, will sich aber nicht zu ihrem Aufenthaltsort äußern. Die Zeit läuft ...

Rechtsanwalt Pal Palushi wird zum Pflichtverteidiger eines Entführers ernannt. Dieser hat die Millionärstochter Lara Blum verschleppt, will sich aber nicht zu ihrem Aufenthaltsort äußern. Die Zeit läuft den Ermittlern davon, niemand weiß, wie es der Entführten geht. Als Pal einen versteckten Hinweis des Täters erhält, beginnt für ihn ein innerer Kampf, denn er ist an das Anwaltsgeheimnis gebunden und darf die Information nicht weitergeben. Doch Laras Leben steht auf dem Spiel, Pal sucht verzweifelt nach einem Ausweg. Dann kommen auch noch familiäre Verstrickungen dazu - gut, dass er zumindest auf die Hilfe der Ex-Polizistin Jasmin Meyer zählen kann…
Die Schweizer Autorin Petra Ivanov hat mit „Entführung“ einen spannenden Krimi geschrieben. Der angenehm flüssige und schnörkellose Schreibstil lässt den Leser mühelos durch das Buch eilen. Pal und Jasmin sind sympathische und engagierte Protagonisten. Die Autorin macht Pals Gewissenskonflikt für den Leser nachvollziehbar, man fiebert mit und ärgert sich, dass dieses Anwaltsgeheimnis, das ja durchaus seine Berechtigung hat, in diesem Fall einem Menschen das Leben kosten kann. Der Fall an sich entwickelt sich zu einer sehr komplexen und gut durchdachten Geschichte, die zudem aktuelle Bezüge hat und uns einige sehr dunkle Seiten unserer Gesellschaft aufzeigt. Zum Ende hin steigt die Spannung nochmals sehr an, die 379 Seiten lesen sich recht flott, es gibt nur wenige Längen.
Das Cover ist nicht besonders auffällig, nur die dunkle Farbgestaltung weist auf den Krimi hin. Der Titel „Entführung“ ist kurz und knapp und sehr passend.
Für mich war es das erste Buch dieser Autorin, aber es ist bestimmt nicht das letzte…

Veröffentlicht am 19.10.2019

Liebenswert

Umarmst du mich mal?
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"Umarmst du mich mal?“ fragt der Igel verschiedene Tiere, denn er ist sehr traurig. Doch jedes einzelne andere Tier ist zu beschäftigt, der Fuchs muss eine Tonne umwerfen, das Eichhörnchen seine Nüsse ...

"Umarmst du mich mal?“ fragt der Igel verschiedene Tiere, denn er ist sehr traurig. Doch jedes einzelne andere Tier ist zu beschäftigt, der Fuchs muss eine Tonne umwerfen, das Eichhörnchen seine Nüsse zählen und die Elster ein seeeehr langes Lied singen. Ähnliches erlebt die ebenso traurige Schildkröte mit dem Dachs, dem Hasen und dem Frosch. Wie sollen die beiden traurigen Tiere nur zu ihrer tröstenden Umarmung kommen? Weiß die kluge Eule vielleicht Rat?
Dieses wunderbare Bilderbuch wurde vom irischen Autoren Eoin McLaughlin geschrieben, die liebevollen Illustrationen steuerte Polly Dunbar aus England bei. Der wenige Text ist klar und verständlich, so dass auch kleine Kinder ihn gut verstehen, gerade auch in Kombination mit den ebenfalls klaren und gut überschaubaren Bildern. Die Idee, diesem Buch kein vorne und hinten zu geben, sondern die Geschichten in der Mitte aufeinander treffen zu lassen, ist genial.
Das Cover ist beidseitig toll und überfordert auch kleine Kinder nicht. Der Titel „Umarmst du mich mal?“ bringt die Geschichte auf den Punkt.
Ein wunderschönes kleines Buch, das man sehr schön mit Kindern oder Enkeln anschauen kann.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Legendär!

Der Verein der Linkshänder
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Der legendäre Kommissar Van Veeteren bereitet sich auf seinen 75. Geburtstag vor. Er ist schon einige Jahre im Ruhestand, doch nun taucht plötzlich sein ehemaliger Kollege Münster bei ihm auf und berichtet ...

Der legendäre Kommissar Van Veeteren bereitet sich auf seinen 75. Geburtstag vor. Er ist schon einige Jahre im Ruhestand, doch nun taucht plötzlich sein ehemaliger Kollege Münster bei ihm auf und berichtet über einen Leichenfund, der Van Veeteren interessieren wird. Vor etlichen Jahren waren bei einem Brand in einer Pension vier Menschen ums Leben gekommen, nur einer dieser vormals fünfköpfigen Gruppe befand sich nicht unter den Opfern, war aber unauffindbar. So wurde davon ausgegangen, dass dieser Mann der Mörder war und untergetaucht sei. Doch nun wurde eben dieser Mann tot im Wald nahe der Pension gefunden, sein Tod liegt genau so lange zurück wie der vierfache Mord. Somit scheint sich der wahre Mörder noch auf freiem Fuß zu befinden, Grund genug für Van Veeteren, sich mit in die Ermittlungen zu stürzen, denn diesen Misserfolg möchte er nicht auf sich sitzen lassen.
Der schwedische Autor Hakan Nesser hat mit „Der Verein der Linkshänder“ einen umfassenden 604 Seiten starken Krimi geschrieben. Auf drei Zeitebenen erzählt er eine spannende Geschichte. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Van Veeteren liefert sich mit seiner Frau viele teils sehr humorvolle Dialoge, die den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringen. Man liest aus diesen Worten eine tiefe Liebe heraus, ohne dass es kitschig wird. Das hat mir sehr gefallen, obwohl ich normalerweise keine Liebesgeschichte im Krimi brauche. Einige wenige Längen kann man vernachlässigen, das Buch ist trotzdem, vor Allem durch die verschiedenen Zeitebenen, spannend, geschickt lässt der Autor uns der Lösung langsam näher kommen.
Das Cover zeigt eine einsame Landschaft, schön, aber nichts, was man unbedingt nur mit dieser Geschichte in Verbindung bringt. Den Titel finde ich etwas umständlich, ohne den Klappentext hätte ich mich wahrscheinlich nicht für dieses Buch interessiert – das wäre schade gewesen!