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Veröffentlicht am 03.04.2021

Dr. Josephine Burkett, Ärztin aus Leidenschaft

Zu Befehl, Frau Doktor!
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Texas in den 1890er-Jahren. Zur damaligen Zeit war eine Frau als Ärztin sehr ungewöhnlich. Eine davon ist die 28-jährige Josephine Burkett, die ihr Leben der Medizin verschrieben hat und somit unverheiratet ...

Texas in den 1890er-Jahren. Zur damaligen Zeit war eine Frau als Ärztin sehr ungewöhnlich. Eine davon ist die 28-jährige Josephine Burkett, die ihr Leben der Medizin verschrieben hat und somit unverheiratet ist. Als eines Tages Hauptmann Matthew Hanger seinen verletzten Kollegen in die Praxis von Dr. Jo bringt, ahnt er nicht, daß er sich auf die Behandlung einer Ärztin einstellen muss. Und dann auch noch eine, die so wortgewandt wie herrisch, dafür aber ungemein attraktiv ist. Daraus entspinnen sich Situationen, die mich das Buch mit einem Dauergrinsen haben lesen lassen. Der verbale Schlagabtausch zwischen den beiden ist herrlich witzig! Der eine steht dem anderen in nichts nach. Wunderbar. Ich liebe so einen Humor.
„Sie focht genauso mit Worten wie Preach mit seinem Kavalleriesäbel.“
Ich bin sofort in den Wilden Westen des späten 19. Jahrhunderts abgetaucht und konnte mich gut in die Situation der sympathischen und klugen Ärztin hineinversetzen. So wie die Autorin die Lebens-und Arbeitsweise der Menschen beschrieben hat, kam es mir sehr realitätsnah vor. Die damaligen Hygienestandards, die Art der häufigsten Verletzungen, die zur Verfügung stehenden Instrumente und Medikamente, die Vorurteile. Das alles fand ich sehr spannend und gut in die Geschichte integriert.
Die Handlung ist extrem fesselnd. Die Behandlung des verletzten Kameraden ist nur der Auftakt zu einer Reihe Abenteuer, von denen sich die toughe Ärztin natürlich nicht fernhalten lässt.
Die Krönung ist die wunderbar und passend eingewebte Liebesgeschichte, die sich durch das ganze Buch zieht. Sie ist so voller Leidenschaft und Sehnsucht. Und natürlich gibt es ein Happy End, aber erst nach jeder Menge Drama und zu versorgender Wunden. So liebe ich es!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2021

Die Geschichte einer lebensverändernden Begegnung

Hey June
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Im Prinzip ist die Handlung schnell zusammengefasst: Leah zieht wegen eines Projekts ihres Architekturbüros für ein Jahr von Frankfurt nach Leipzig. Ihr Freund Peer behagt das ganze gar nicht, weil er ...

Im Prinzip ist die Handlung schnell zusammengefasst: Leah zieht wegen eines Projekts ihres Architekturbüros für ein Jahr von Frankfurt nach Leipzig. Ihr Freund Peer behagt das ganze gar nicht, weil er Angst hat, sie an die Stadt zu verlieren. Tatsächlich trifft sie am ersten Abend in einer Bar einen Unbekannten, der sie magisch anzieht. Wie sie sich letztendlich entscheidet, wird natürlich nicht verraten. Diese kurze Zusammenfassung wird der Geschichte überhaupt nicht gerecht. Sie ist gerade mal das Grundgerüst für eine wahnsinnig tiefsinnige und emotionale Geschichte mit starken Charakteren. Dazwischen passiert sehr viel Bewegendes.

Kaum treten die Protagonisten auf, ziehen sie mich auch schon in ihren Bann. Ihr Weg ist so feinfühlig und realistisch gezeichnet, daß ich am Ende Probleme habe loszulassen. Ich will es auch gar nicht. Dabei gibt es niemand, der polarisiert. Ich werde nicht in Sympathie oder Antipathie gedrängt. Es gibt keinen Bösewicht, keine Hexe, keine Prinzessin, kein Opfer. Es werden nicht mal die gängigen Klischees ausgeschlachtet.

Das Buch ist einfach nur gut geschrieben. Fesselnd, atmosphärisch, gewaltig, großartig, sehr gefühlvoll und intensiv. Und ich werde Gott sei Dank von künstlichen Tränendrüsen-Momenten verschont. Natürlich gibt es dramatische und auch traurige Momente, aber die sind absolut stimmig und gut eingebettet.

Ich kann kaum glauben, daß die Autorin sonst Thriller schreibt. Vielleicht hat sie deshalb ein paar Geheimnisse und unerwartete Wendungen eingebaut? Auch diese sind vollkommen stimmig.

Ich bin überwältigt von der Lektüre und weiß jetzt schon, daß dieses Buch zu meinen Jahreshighlights gehören wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2021

Zuggerschnecksche, Strandfunde und ein Familiengeheimnis

Bernsteinsommer
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Christina ist Konditorin mit eigenem Café in Frankfurt. Ihr Leben läuft nicht ganz rund, aber sie arrangiert sich ganz gut mit ihrem Schicksal. Sehr bewegend finde ich, wie sie sich mit der Alzheimer-Erkrankung ...

Christina ist Konditorin mit eigenem Café in Frankfurt. Ihr Leben läuft nicht ganz rund, aber sie arrangiert sich ganz gut mit ihrem Schicksal. Sehr bewegend finde ich, wie sie sich mit der Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters auseinandergesetzt. Sie und ihre Mutter kümmern sich ganz rührend um ihn, ohne an diesem Schicksal zu zerbrechen. Sehr gut gefallen hat mir hierbei die authentische Beschreibung des Krankheitsbilds und den vorbildlichen Umgang mit Betroffenen und auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Das hat die Autorin sehr schön rübergebracht.

Doch das ist nicht das einzige Thema im Buch. Es ist vielmehr eine ausgewogene Mischung aus Liebesgeschichte, Verwirklichung beruflicher und privater Träume und einer Art Familiensaga.

Christina geht nämlich auf die Suche nach einem Maler/einer Malerin, von dem/der sie nur die Initialen auf verschiedenen Bildern kennt, die sie in einer Mappe ihres Vaters findet. Da niemand aus dem näheren Umfeld ihr weiterhelfen kann, reist sie kurzerhand nach Rügen zu entfernteren Verwandten und forscht dort weiter. Sie vermutet den Ursprung der Bilder an der Ostsee. Das hat mir ebenfalls gut gefallen, weil es sich gut und nicht zu dominant in die Geschichte einfügt. Wie bereits erwähnt, sind die einzelnen Inhalte im Buch sehr gut ausbalanciert.

Die Autorin zeichnet sich durch wundervoll gezeichnete Charaktere aus, die ganz fantastisch miteinander agieren. Klischees wie Mißverständnisse durch Schweigen finden sich hier glücklicherweise nicht, auch keine künstlichen Dramen, Intrigen und Verwechslungen. Dafür bin ich immer dankbar, denn das habe ich einfach schon zu oft gelesen.

Apropos Balance: Es gibt so wunderbar humorvolle Szenen, z.B. in hessischem Dialekt und auch wunderschöne Abschnitte, in denen mir das Herz aufgegangen ist.

Über herzallerliebste Gesten und kleine nette Überraschungen habe ich mich auch sehr gefreut. Die finden sich immer wieder im Buch.

Einige kluge Weisheiten sind mir im Gedächtnis geblieben. Dabei wirken sie überhaupt nicht belehrend, sondern einfach passend.

In dem Abschnitt, in dem Christina an der Ostsee ist, habe ich richtig Lust auf Rügen und Hiddensee verspürt. Ich wäre so gerne mit auf Strandgutsuche gegangen.

„Bernsteinsommer“ ist ein wohltuend ausbalanciertes Buch mit ernsten, humorvollen und liebevollen sowie romantischen Abschnitten, mit klugen Lebensweisheiten, vorbildlichen Familienbanden, echten Freundschaften, sehr sympathischen und gut ausgearbeiteten Charakteren und einer gesunden Portion Lokalkolorit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2021

Was man aus Liebe tut

Lavendeltage in der Auberge de Lilly
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Helen und Leo machen eine spontane Tour in die Provence, zurück zu den Wurzeln ihrer Beziehung, denn in Aix-en-Provence haben sie sich kennengelernt. Leider verläuft die Fahrt nicht reibungslos, so daß ...

Helen und Leo machen eine spontane Tour in die Provence, zurück zu den Wurzeln ihrer Beziehung, denn in Aix-en-Provence haben sie sich kennengelernt. Leider verläuft die Fahrt nicht reibungslos, so daß sie in der Auberge de Lilly stranden. Hier geht das Abenteuer erst richtig los. Leserinnen von „Das kleine Hotel in der Provence“ treffen hier ein paar bekannte Figuren wieder.
Vor dem Szenario einer Beziehungskrise lernen Helen und Leo neue Bekannte kennen, die sie mehr oder weniger stark beeinflussen. Hier gibt es einige sehr reizend gelungene Charaktere, aber auch Nervbacken und mit Vorsicht zu genießende Personen.
Die Geschichte ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und der Suche nach beruflicher Verwirklichung, garniert mit einer Prise guter Laune, duftenden Lavendelprodukten und einem Hauch Action.
Die Autorin hat einige nette Ideen und Wendungen in ihr Buch eingearbeitet, die aber nicht verraten werden.
Ein Happy End ist wichtig und kann auch bei solch einem schönen Cover gar nicht anders sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2021

Das Herz will, was das Herz will - das Geheimnis um die großartigste Stadt der Welt

Die großartigste Stadt der Welt
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Emma ist persönliche Assistentin eines ehemaligen IT-Girls, das an der Konzernspitze eines Medienunternehmens steht. Durch ihre Loyalität und ihr Organisationstalent ist sie wie geschaffen für den stressigen ...

Emma ist persönliche Assistentin eines ehemaligen IT-Girls, das an der Konzernspitze eines Medienunternehmens steht. Durch ihre Loyalität und ihr Organisationstalent ist sie wie geschaffen für den stressigen Job. Als jedoch der gleichaltrige Sohn ihrer Chefin von New York nach Regensburg kommt, wird ihr Leben plötzlich um einiges turbulenter. Auf einmal zeigt nicht nur der attraktive Adrian Interesse an ihr, sondern auch sein bester Freund und langjähriger Kollege Jonas. Zudem lebt Emma mit ihrem besten Freund Elliot zusammen in einer WG. Und auch bei ihm wird es allmählich turbulenter.

Was ich an diesem Buch ganz besonders schätze ist, daß es ganz unaufgeregt daherkommt. Es gibt keine künstlichen Dramen oder Intrigen, die die Erzählung spannender machen sollen. Keine vorhersehbaren Wendungen, keine abgearbeiteten Klischees, keine zerstörungswütigen Bad Boys, skrupellosen CEOs, erfolgsverwöhnten Anwälte oder raffgierigen Immobilienmogule, keine Alpha-Männer mit gewissen Neigungen, keine devoten Frauen und auch keine Verwechslungs-Szenen. Die Reihe lässt sich beliebig lang fortführen. Und dennoch hat es die Autorin geschafft, daß ich mich kein einziges Mal beim Lesen gelangweilt habe. Die Lektüre ist einfach nur schön, einfallsreich und rund.

Die Charaktere sind so authentisch, bodenständig, menschlich, die Geschichte so aus dem Leben gegriffen, so gefühlvoll geschrieben, daß ich in die Erzählung eingetaucht bin und einfach nur noch weiterlesen wollte. Die Protagonisten dürfen nervös sein oder auch mal weinen. Auch die attraktiven und erfolgreichen dürfen mal ins Fettnäpfchen treten. Die Figuren dürfen reden! Chefs müssen keine Unsympathen sein. Mir kam alles so ausgewogen vor, nichts wurde mir zu viel. Kleine, aber feine herzliche Gesten haben mein Herz geöffnet. Die Personen sind zu meinen Freunden geworden. Genauso würde ich mir meine Clique wünschen.

Ein unaufgeregtes, aber dennoch fesselndes und wunderschönes Buch. Ich kann es guten Gewissens ein echtes Wohlfühl-Buch nennen. Ein gutes Beispiel dafür, daß es Autoren gibt, die mich mit ihrem Schreibstil so fesseln können, daß sie nicht auf künstliche Dramen zurückgreifen müssen, um mich hervorragend zu unterhalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere