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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2019

Mystik gestickt mit moderner Wissenschaft, gewürzt mit ein bißchen Wahnsinn

Inferno
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Die Erzählung beginnt mitten in der Geschichte, weshalb man eine Weile braucht, um sich zu orientieren. Düstere Musik stimmt auf eine dunkle Geschichte ein. Der Sprecher unterstreicht mit einem leichten ...


Die Erzählung beginnt mitten in der Geschichte, weshalb man eine Weile braucht, um sich zu orientieren. Düstere Musik stimmt auf eine dunkle Geschichte ein. Der Sprecher unterstreicht mit einem leichten Tremolo in der Stimme die Stimmung. Der amerikanische Kunstprofessor Robert Langdon taucht mit Gedächtnisverlust in einem italienischen Krankenhaus auf. Nach und nach findet er heraus, warum er verfolgt wird und wie es dazu kam, daß er mit einem Streifschuss im Krankenhaus gelandet ist. Bald schon muss er aus dem Krankenhaus fliehen. Und weil es spannender ist, wenn er nicht allein flieht, hat der Autor ihm die britische Ärztin aus dem Krankenhaus an die Seite gestellt. Ihre Identität bleibt zunächst völlig im Dunkeln. Natürlich kommen die Widersacher ihnen auf die Spur und jagen sie durch die Altstadt von Florenz. Immerwieder finden sich - typisch Dan Brown- Anspielungen auf alte Meister wie Dante und Boticelli. Dies steht im Widerspruch zu der Hightech-Ausrüstung der Gegner. Die schwarzen Soldaten jagen ihn mit Hilfe von Drohnen und IT quer durch Florenz und später auch Venedig. Sind sie tatsächlich vom Gegner angeheuert worden oder spielt ihm sein post-traumatisches Gehirn einen Streich? Oder ist alles doch ganz anders? Der Gegner stellt sich bald als genialer Wissenschaftler heraus, der die Überbevölkerung dezimieren will, um die Welt zu retten. Denn die Menschheit steuert auf ihren hausgemachten Untergang zu, der durch das Elend, das die Überbevölkerung mit sich bringt, bedingt ist. Leider hat sich dieser Wissenschaftler das Leben genommen und kann nicht mehr befragt werden, geschweige denn geschnappt werden. Die Protagonisten finden mehr und mehr Hinweise, die auf eine drohende Pestepidemie hindeuten. Sie haben sich dazu verschworen, diese zu verhindern. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Unheimliche Zeichen, böse Vorsehungen, verborgene Gänge, düstere Grotten, all das darf nicht fehlen. Alles wird noch ein bißchen mit Endzeitstimmung gewürzt. Schaffen die Protagonisten es rechtzeitig, die Katastrophe zu verhindern?

Mittelalterliche Mystik gespickt mit moderner Wissenschaft, gewürzt mit ein wenig Wahnsinn und fertig ist der neue spannende Bestseller von Dan Brown. Eine rasante (fast) glaubhafte Geschichte, die Kurzweile verspricht- ein modernes lesenswertes/hörenswertes Buch, auch für jene, die die Vorgänger-Romane nicht gelesen/ gehört haben. Volle Punktzahl

Veröffentlicht am 22.07.2019

Keine Liebesgeschichte

Aller Anfang ist Apulien
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Mir wurde eine Liebesgeschichte versprochen. Ich habe schöne kitschige herzerfüllende Belletristik erwartet. Stattdessen wird diese Liebesgeschichte mit Geschichten zum Menschenhandel und Schutzgelderpressung ...


Mir wurde eine Liebesgeschichte versprochen. Ich habe schöne kitschige herzerfüllende Belletristik erwartet. Stattdessen wird diese Liebesgeschichte mit Geschichten zum Menschenhandel und Schutzgelderpressung gespickt. Och nee. Entweder oder, aber nicht beides, bitte. Die Biografie der Autorin gibt doch Stoff für 3 Bücher her. Warum hat sie also alles in eins gepackt?
Dennoch 4 Sterne, weil es sich gut liest.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Lesenswerte Biographie einer streitbaren Person

Lebenslauf
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Das Buch liest sich sehr flüssig und angenehm. Frau Schwarzer kann ohne Zweifel schreiben! Zum einen beschreibt sie tatsächlich ihren Lebenslauf von Anfang bis Ende. Zum anderen berichtet sie aber auch ...

Das Buch liest sich sehr flüssig und angenehm. Frau Schwarzer kann ohne Zweifel schreiben! Zum einen beschreibt sie tatsächlich ihren Lebenslauf von Anfang bis Ende. Zum anderen berichtet sie aber auch über die Reaktionen anderer Leute, vor allem Journalistenkollegen. Es ist schockierend, wie sie in einem Land, das behauptet, es gäbe hier eine Pressefreiheit, immerwieder übelst verbal angegriffen wird. Wo bleibt die neutrale Berichterstattung? Berichte werden zensiert, wenn sie zu sehr pro-Schwarzer sind. Oder gar nicht erst geschrieben. Hallo? Wo leben wir denn? Und immerwieder dieser Vorwurf, sie sei eine lesbische hässliche Männerhasserin. Dabei ist sie einfach nur modern. Sie hat in Paris gelebt, hatte jahrzehntelang einen (männlichen) Lebenspartner, trug schicke Kleider, hat ihr eigenes Geld im Wunschberuf verdient und hat nie die Klappe gehalten. Wie ihre Analysen aller möglichen Dinge das Buch durchziehen ohne langweilig zu wirken, das imponiert mir. Sie ist eine Analystin, eine Kämpferin. Wir haben ihr viel zu verdanken, Männer wie Frauen. Man muß nicht in allem ihrer Meinung sein, aber man sollte sie respektieren.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Kein typischer Stephen King

Joyland
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Wer beim neuesten Werk von Stephen King eine Art "Carry", "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Es" erwartet, der wird enttäuscht sein. Joyland ist kein Horrorschocker von Stephen King. Joyland ist anders. ...


Wer beim neuesten Werk von Stephen King eine Art "Carry", "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Es" erwartet, der wird enttäuscht sein. Joyland ist kein Horrorschocker von Stephen King. Joyland ist anders. Im Prinzip ist die Geschichte schnell erzählt. Ein Student namens Devin nimmt in den 70-er Jahren einen Ferienjob in einem Freizeitpark an. Dort lernt er nicht nur eingefleischte Schausteller "von altem Schrot und Korn", sondern auch andere Studenten kennen, die durch den Ferienjob ein bißchen Geld verdienen wollen, um das nächste Semester finanzieren zu können. Die Wochen plätschern so dahin. Devin ist sehr beliebt, nicht nur weil er ein besonderes Talent besitzt, Kinder in einem Hundekostüm glücklich zu machen. Er ist ein zuverlässiger Mitarbeiter und rettet sogar zwei Menschen das Leben. Doch eine Sache lässt ihm keine Ruhe: vor Jahren ist in der Geisterbahn eine junge Frau ermordet worden, und ausgerechnet seinem studentischen Kollegen Tom ist sie dort erschienen. Devin hätte gerne mit Tom getauscht. Der Fall ist noch ungelöst, und so macht sich Devin mit Hilfe von Erin, einer weiteren Studentin, daran, die Umstände des Mordes zu erforschen. Dabei stoßen sie auf weitere ähnliche Morde, die wahrscheinlich von ein- und demselben Täter begangen wurden. Während Tom sich von nun an von der Geisterbahn fern hält, will Devin tiefer graben. Erst später erkennt er Zusammenhänge, die ihn schließlich auch zum Mörder führen. Warum King eine Nebenhandlung mit einem behinderten Jungen und seiner Mutter, die ganz in der Nähe von Devins Pension, wohnen, erschafft, ist zunächst unklar. Doch er begreift, daß der Junge, das "zweite Gesicht" hat und erinnert sich an die Prophezeiung der Wahrsagerin von Joyland. Die sagte ihm nämlich an seinem ersten Tag im Park ebenso ein Kind und einen dunklen Schatten, der auf ihm laste, voraus. Hier kommt ein bißchen Stephen King-Gefühl auf, ein wenig Übersinnliches. Man wartet aber vergeblich auf unheimliches. Letztendlich endet das Buch in einem vorhersehbaren Showdown. Das Gute siegt über das Böse. Der Protagonist entkommt in letzter Minute aus einer ausweglosen Situation.

Joyland ist keiner der früheren Horrorschocker von Stephen King. Im Gegenteil, das Buch mutet fast etwas langweilig an, wenn man mit der Vorfreude daran geht, unheimlichen kurzatmigen Horror zu erleben. Man könnte es wohlmeinend als nette Geschichte beschreiben. Brillant formuliert ist es zweifelsohne, aber es fehlt die Originalität der Geschichte, der Biß. Der Sprecher des Hörbuches trägt leider noch zur Durchnittlichkeit des Buches bei.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Spannend, temporeich und ralistisch

Die Puppenmacherin
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Mit 8 CD und 555 Minuten ist das Hörbuch recht umfangreich. Es handelt sich um die vollständige Lesung des Nachfolgethrillers von "Der Federmann". Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, man kann ...


Mit 8 CD und 555 Minuten ist das Hörbuch recht umfangreich. Es handelt sich um die vollständige Lesung des Nachfolgethrillers von "Der Federmann". Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, man kann also auch mit der "Puppenmacherin" beginnen. Die Charaktere lernt man schnell kennen. Nils Trojan ist ein Berliner Kommissar, der mit einem außergewöhnlichen Fall betraut wird. Der Täter erstickt seine Opfer mit Bauschaum, indem er die Masse in Mund und Nasenlöcher sprüht. Der Vorgang weist Parallelen zu einem Fall aus dem Vorjahr auf, bei dem eine junge Frau in einem Keller gefangen gehalten und mit Bauschaum eingesprüht wurde. Glücklicherweise konnte sie entkommen, der Täter starb an einem Autounfall. Doch die neuen Fälle weisen Merkmale der alten Fälle auf, so daß die Möglichkeit besteht, daß im vergangenen Jahr entweder vom falschen Täter ausgegangen wurde oder ein Nachahmer sein Unwesen treibt. Immer mehr kristallisiert sich das ehemalige Opfer, Josephine Maurer, als Schlüssel zur Lösung des Falls heraus. Diese ist nach den Erlebnissen des vergangenen Jahres schwer traumatisiert und verschanzt sich hauptsächlich in ihrer Wohnung. Als dann nach und nach Menschen aus ihrer direkten Umgebung auf dieselbe Art und Weise erstickt werden, beleuchtet Trojan Josephines Lebensumfeld und Vergangenheit und stößt dabei auf hilfreiche Zusammenhänge. Interessant, sehr tiefsinnig und glaubhaft ist hierbei die Psyche der beiden Protagonisten dargestellt, sehr gut auch die Art und Weise wie der Sprecher Axel Milberg den Text liest. Seine Stimme weist unendliche Nuancen auf, sei es beim reinen Beschreiben eines Tatorts, dem Quasseln einer Pflegeheimbewohnerin oder dem Gespräch zwischen Psychotherapeutin und Patient.
Die Geschichte ist spannend, detailreich und gewissenhaft geschrieben. Sie ist glaubhaft, es finden sich keine Logikfehler. Schauplatz ist Deutschland. Man hat das Gefühl, die Ermittlungsarbeit und die Handlungen der Opfer und Täter könnten sich tatsächlich so abgespielt haben. Hollywood ist in dieser Geschichte weit weg, und das FBI ermittelt in Deutschland nicht.
Nach ca. 2/3 der Geschichte hat man das Gefühl, es löst sich jetzt alles, es kommt zum Showdown. Doch man irrt sich, es geht genauso spannend weiter. Faszinierend, wie Bentow es schafft, die Spannung so lange zu halten. Und dann macht er dem Leser noch ein Geschenk: er lässt den Täter zu Wort kommen und die Geschichte in einem Rückblick aus seiner Sicht erzählen. Jetzt wird dem Leser einiges klar, man erkennt Zusammenhänge. Auch wenn man deswegen keine Sympathie zum Täter entwickelt, so ist es doch befriedigend, Antworten zu bekommen.
Das Buch "Die Puppenmacherin" ist ein sehr empfehlenswerter, spannender und glaubhafter Thriller. Er enthält ebenso temporeiche wie emotionale Abschnitte. Die Geschichte ist ungewöhnlich und detailreich geschrieben. Volle Punktzahl.