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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2019

Lesenswerte Biographie einer streitbaren Person

Lebenslauf
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Das Buch liest sich sehr flüssig und angenehm. Frau Schwarzer kann ohne Zweifel schreiben! Zum einen beschreibt sie tatsächlich ihren Lebenslauf von Anfang bis Ende. Zum anderen berichtet sie aber auch ...

Das Buch liest sich sehr flüssig und angenehm. Frau Schwarzer kann ohne Zweifel schreiben! Zum einen beschreibt sie tatsächlich ihren Lebenslauf von Anfang bis Ende. Zum anderen berichtet sie aber auch über die Reaktionen anderer Leute, vor allem Journalistenkollegen. Es ist schockierend, wie sie in einem Land, das behauptet, es gäbe hier eine Pressefreiheit, immerwieder übelst verbal angegriffen wird. Wo bleibt die neutrale Berichterstattung? Berichte werden zensiert, wenn sie zu sehr pro-Schwarzer sind. Oder gar nicht erst geschrieben. Hallo? Wo leben wir denn? Und immerwieder dieser Vorwurf, sie sei eine lesbische hässliche Männerhasserin. Dabei ist sie einfach nur modern. Sie hat in Paris gelebt, hatte jahrzehntelang einen (männlichen) Lebenspartner, trug schicke Kleider, hat ihr eigenes Geld im Wunschberuf verdient und hat nie die Klappe gehalten. Wie ihre Analysen aller möglichen Dinge das Buch durchziehen ohne langweilig zu wirken, das imponiert mir. Sie ist eine Analystin, eine Kämpferin. Wir haben ihr viel zu verdanken, Männer wie Frauen. Man muß nicht in allem ihrer Meinung sein, aber man sollte sie respektieren.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Kein typischer Stephen King

Joyland
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Wer beim neuesten Werk von Stephen King eine Art "Carry", "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Es" erwartet, der wird enttäuscht sein. Joyland ist kein Horrorschocker von Stephen King. Joyland ist anders. ...


Wer beim neuesten Werk von Stephen King eine Art "Carry", "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Es" erwartet, der wird enttäuscht sein. Joyland ist kein Horrorschocker von Stephen King. Joyland ist anders. Im Prinzip ist die Geschichte schnell erzählt. Ein Student namens Devin nimmt in den 70-er Jahren einen Ferienjob in einem Freizeitpark an. Dort lernt er nicht nur eingefleischte Schausteller "von altem Schrot und Korn", sondern auch andere Studenten kennen, die durch den Ferienjob ein bißchen Geld verdienen wollen, um das nächste Semester finanzieren zu können. Die Wochen plätschern so dahin. Devin ist sehr beliebt, nicht nur weil er ein besonderes Talent besitzt, Kinder in einem Hundekostüm glücklich zu machen. Er ist ein zuverlässiger Mitarbeiter und rettet sogar zwei Menschen das Leben. Doch eine Sache lässt ihm keine Ruhe: vor Jahren ist in der Geisterbahn eine junge Frau ermordet worden, und ausgerechnet seinem studentischen Kollegen Tom ist sie dort erschienen. Devin hätte gerne mit Tom getauscht. Der Fall ist noch ungelöst, und so macht sich Devin mit Hilfe von Erin, einer weiteren Studentin, daran, die Umstände des Mordes zu erforschen. Dabei stoßen sie auf weitere ähnliche Morde, die wahrscheinlich von ein- und demselben Täter begangen wurden. Während Tom sich von nun an von der Geisterbahn fern hält, will Devin tiefer graben. Erst später erkennt er Zusammenhänge, die ihn schließlich auch zum Mörder führen. Warum King eine Nebenhandlung mit einem behinderten Jungen und seiner Mutter, die ganz in der Nähe von Devins Pension, wohnen, erschafft, ist zunächst unklar. Doch er begreift, daß der Junge, das "zweite Gesicht" hat und erinnert sich an die Prophezeiung der Wahrsagerin von Joyland. Die sagte ihm nämlich an seinem ersten Tag im Park ebenso ein Kind und einen dunklen Schatten, der auf ihm laste, voraus. Hier kommt ein bißchen Stephen King-Gefühl auf, ein wenig Übersinnliches. Man wartet aber vergeblich auf unheimliches. Letztendlich endet das Buch in einem vorhersehbaren Showdown. Das Gute siegt über das Böse. Der Protagonist entkommt in letzter Minute aus einer ausweglosen Situation.

Joyland ist keiner der früheren Horrorschocker von Stephen King. Im Gegenteil, das Buch mutet fast etwas langweilig an, wenn man mit der Vorfreude daran geht, unheimlichen kurzatmigen Horror zu erleben. Man könnte es wohlmeinend als nette Geschichte beschreiben. Brillant formuliert ist es zweifelsohne, aber es fehlt die Originalität der Geschichte, der Biß. Der Sprecher des Hörbuches trägt leider noch zur Durchnittlichkeit des Buches bei.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Spannend, temporeich und ralistisch

Die Puppenmacherin
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Mit 8 CD und 555 Minuten ist das Hörbuch recht umfangreich. Es handelt sich um die vollständige Lesung des Nachfolgethrillers von "Der Federmann". Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, man kann ...


Mit 8 CD und 555 Minuten ist das Hörbuch recht umfangreich. Es handelt sich um die vollständige Lesung des Nachfolgethrillers von "Der Federmann". Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, man kann also auch mit der "Puppenmacherin" beginnen. Die Charaktere lernt man schnell kennen. Nils Trojan ist ein Berliner Kommissar, der mit einem außergewöhnlichen Fall betraut wird. Der Täter erstickt seine Opfer mit Bauschaum, indem er die Masse in Mund und Nasenlöcher sprüht. Der Vorgang weist Parallelen zu einem Fall aus dem Vorjahr auf, bei dem eine junge Frau in einem Keller gefangen gehalten und mit Bauschaum eingesprüht wurde. Glücklicherweise konnte sie entkommen, der Täter starb an einem Autounfall. Doch die neuen Fälle weisen Merkmale der alten Fälle auf, so daß die Möglichkeit besteht, daß im vergangenen Jahr entweder vom falschen Täter ausgegangen wurde oder ein Nachahmer sein Unwesen treibt. Immer mehr kristallisiert sich das ehemalige Opfer, Josephine Maurer, als Schlüssel zur Lösung des Falls heraus. Diese ist nach den Erlebnissen des vergangenen Jahres schwer traumatisiert und verschanzt sich hauptsächlich in ihrer Wohnung. Als dann nach und nach Menschen aus ihrer direkten Umgebung auf dieselbe Art und Weise erstickt werden, beleuchtet Trojan Josephines Lebensumfeld und Vergangenheit und stößt dabei auf hilfreiche Zusammenhänge. Interessant, sehr tiefsinnig und glaubhaft ist hierbei die Psyche der beiden Protagonisten dargestellt, sehr gut auch die Art und Weise wie der Sprecher Axel Milberg den Text liest. Seine Stimme weist unendliche Nuancen auf, sei es beim reinen Beschreiben eines Tatorts, dem Quasseln einer Pflegeheimbewohnerin oder dem Gespräch zwischen Psychotherapeutin und Patient.
Die Geschichte ist spannend, detailreich und gewissenhaft geschrieben. Sie ist glaubhaft, es finden sich keine Logikfehler. Schauplatz ist Deutschland. Man hat das Gefühl, die Ermittlungsarbeit und die Handlungen der Opfer und Täter könnten sich tatsächlich so abgespielt haben. Hollywood ist in dieser Geschichte weit weg, und das FBI ermittelt in Deutschland nicht.
Nach ca. 2/3 der Geschichte hat man das Gefühl, es löst sich jetzt alles, es kommt zum Showdown. Doch man irrt sich, es geht genauso spannend weiter. Faszinierend, wie Bentow es schafft, die Spannung so lange zu halten. Und dann macht er dem Leser noch ein Geschenk: er lässt den Täter zu Wort kommen und die Geschichte in einem Rückblick aus seiner Sicht erzählen. Jetzt wird dem Leser einiges klar, man erkennt Zusammenhänge. Auch wenn man deswegen keine Sympathie zum Täter entwickelt, so ist es doch befriedigend, Antworten zu bekommen.
Das Buch "Die Puppenmacherin" ist ein sehr empfehlenswerter, spannender und glaubhafter Thriller. Er enthält ebenso temporeiche wie emotionale Abschnitte. Die Geschichte ist ungewöhnlich und detailreich geschrieben. Volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Skurril, witzig, fesselnd

Die dunklen Gassen des Himmels
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Bobby Dollar erzählt eine Geschichte aus dem Jenseits. Er und sein Freund Sam arbeiten als Verteidiger-Engel für den Himmel, aber auf der Erde. Immer wenn ein Mensch stirbt, streiten sich die Mitarbeiter ...


Bobby Dollar erzählt eine Geschichte aus dem Jenseits. Er und sein Freund Sam arbeiten als Verteidiger-Engel für den Himmel, aber auf der Erde. Immer wenn ein Mensch stirbt, streiten sich die Mitarbeiter des Himmels mit denen der Hölle um dessen Seele. Dann bringt jede Seite ihre Argumente vor, und ein Richter aus heiligem Licht entscheidet, wer sie bekommt. Die Szenen im Himmel und der Hölle muten teilweise an wie in "Per Anhalter durch die Galaxis". Die Höllenwesen sehen größtenteils bizarr aus und haben auch ähnlich schrille Namen. Es kommen auch verwandelte Menschen wie z.B. ein Wer-Eber vor. Die Schauplätze sind ähnlich verworren. Es gibt die reale Welt, welche von allen Jenseitigen mithilfe geliehener Körper bewohnt werden kann. Dann gibt es noch das Jenseits, in das man gelangt, indem man einen Reißverschluß öffnet. Im Jenseits gibt es eine Art Himmel mit einer himmlischen Stadt, sowie die Hölle und eine Art Vor-Hölle, das Fegefeuer. Alle jenseitigen Wesen haben Berufe, benutzen Handys und Computer, schlafen, essen oder lassen sich in Bars zulaufen. Die Berufe können sehr unterschiedlich sein: Auf der Himmelseite gibt es z.B. neben den Verteidiger-Engeln auch hauptberufliche Schutzengel, Erzengel oder Problembereiniger. Die Höllenwesen dagegen sind ebenfalls Verteidiger oder in einer Art Höllen-Adel organisiert.
Zuweilen hat man zwar Mühe, der Handlung zu folgen, weil die Personen ständig vom Jenseits in die reale Welt hin und her wechseln, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und kann der Erzählung gut folgen.
Die Geschichte plätschert zunächst so dahin, bis eines Tages Sam ein Praktikant zugeteilt wird. Ab diesem Moment passieren seltsame Dinge. Die Seele eines bekannten Unternehmers, der Selbstmord begangen hat, verschwindet plötzlich. Himmel und Hölle beschuldigen sich daraufhin gegenseitig, sie für sich vereinnahmt zu haben. Es wird versucht, die unangenehme, noch nie dagewesene Situation zu klären. Doch plötzlich wird der zuständige Höllen-Verteidiger auf bestialische Art und Weise umgebracht bzw. vielmehr seine geliehene fleischliche Hülle. Daß die Himmels-Mitarbeiter damit nichts zu tun haben, versteht sich von selbst. Aber wer steckt sonst dahinter? Zumal im Verlauf noch viel mehr Seelen verschwinden. Bobby Dollar wird unfreiwillig in die Sache hineingezogen und ermittelt auf eigene Faust. Dabei gerät er in allerhand Schwierigkeiten, die ihm nicht nur eine Vorladung vor dem Himmelsgericht einbringen. Plötzlich wird er gejagt und gerät mehrmals in brenzlige Situationen. Dennoch hört er nicht auf, seine gefährlichen Ermittlungen weiterzuführen. Und zwischendrin ist noch Zeit für eine Liebesgeschichte, die eigentlich nicht sein darf.

Tad Williams hat einen ungewöhnlichen Roman erschaffen. Skurril, witzig, fesselnd, zuweilen sogar rührig. Wer "Per Anhalter durch die Galaxis" liebt, der wird auch "Die dunklen Gassen des Himmels" mögen. Das Ende kommt leider etwas zu abrupt. Der Protagonist Bobby Dollar sammelt während der ganzen Erzählung mühsam einzelne Puzzleteile zusammen, riskiert dabei fast durchgehend sein erdgebundenes Engelsleben, und am Ende löst sich alles viel zu schnell auf. Dennoch gibt es die volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Scary und subtil

Doctor Sleep
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Dr. Sleep ist die Fortsetzung von "Shining", aber man muss den ersten Teil nicht gelesen oder gesehen haben. Anfangs und auch zwischendrin werden die wichtigsten Eckdaten wiedergegeben.
Im Prinzip gibt ...

Dr. Sleep ist die Fortsetzung von "Shining", aber man muss den ersten Teil nicht gelesen oder gesehen haben. Anfangs und auch zwischendrin werden die wichtigsten Eckdaten wiedergegeben.
Im Prinzip gibt es 2 Protagonisten. Dan ist der Junge, der mit seiner Mutter die Horror- Geschichte im Overlook- Hotel in "Shining" überlebt hat. Zuerst wird sein Werdegang erzählt. Er wächst mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf, denn der Vater war damals in jenem Geisterhotel umgekommen. Der Hotelkoch hat ebenfalls überlebt und wird Dans Mentor, denn er besitzt ebenfalls das Shining, jene übersinnliche Kraft, um die es im ersten Teil geht. Dan versucht bereits als Jugendlicher seine mentale Gabe mit Alkohol zu dämpfen und wird zum Alkoholiker. Weil er dadurch immer wieder seine Jobs verliert, reist er von einer amerikanischen Stadt zur nächsten, bis er schließlich an der Ostküste landet und Arbeit in einem Freizeitpark findet. Hier finden sich Paralellen zu Stephen Kings Buch "Joyland". Dan findet nicht nur eine neue Heimat, sondern wird dank seines Chefs, einem Ex-Alkoholiker, wieder trocken. Dadurch nimmt sein Shining wieder an Stärke hinzu. Im nahegelegenen Hospiz findet er schließlich seine berufliche Bestimmung, indem er Sterbende beim "Hinübergehen" begleitet. Hier stößt er auf die zweite Protagonistin: Abra. Ein kleines Mädchen, das aus der benachbarten Kleinstadt mental Kontakt zu ihm aufnimmt. Ihre Eltern sind verzweifelt, weil sie Angst vor dieser übersinnlichen Kraft ihrer Tochter haben, denn sie hat im Gegensatz zu Dan sogar telekinetische Kräfte, welche sie z.B. auf einem Kindergeburtstag demonstriert, indem sie Besteck an die Decke hängt. Als Leser/Hörer ist man zuweilen genervt von der Unwissenheit und dem Leugnen der Eltern, was die Gabe ihrer Tochter betrifft. Durch diese enorme mentale Kraft schnappt Abra eines Tages den Mord an einem Jugendlichen in einem entfernt liegenden Bundesstaat auf. Sie erkennt, daß auch der Jugendliche mentale Kräfte hatte. Von nun an lässt sie dieser Mord nicht mehr los. Wieso konnte sie eine Verbindung zu den Mördern herstellen, die den Jungen zunächst noch brutal gefoltert haben? Sie kommt einer Gruppierung auf die Spur, die sich "Der wahre Knoten" nennt. Es handelt sich um eine Gruppe uralter menschlich aussehender Wesen, die von der Essenz verstorbener Menschen mit außergewöhnlich viel Shining, leben. Sie nennen es 'Steem". Durch diese Essenz können sie nicht nur ewig leben, sie stärkt sie auch mental und physisch. Da Abra offensichtlich sehr viel Steem zu besitzen scheint, beginnt die Jagd auf das Mädchen. Weil ihr mit so einer irren Geschichte weder ihre Eltern noch die Polizei Glauben schenken würde, wendet sie sich an Dan, ohne ihn jemals gesehen zu haben. Der erkennt die Gefahr und später auch Parallelen zum Overlook-Hotel, rauft ein paar mehr und weniger übersinnlich begabte Freunde zusammen und heckt mit Abra einen cleveren Plan aus. Als Abras Eltern dahinter kommen, was die beiden planen, sind sie natürlich strikt dagegen, weil sie um die Sicherheit ihrer Tochter fürchten und sich alles viel zu abstrakt abhört. Außerdem kennen sie Dans Rolle noch nicht. Daß die Aktion tatsächlich ziemlich gefährlich ist, zeigt sich am Ende im Showdown.
Im Film kann man mit Überraschungseffekten und gruselig aussehenden Figuren eine typische Stephen King-Geschichte zum Leben erwecken. Beim Lesen und Hören fehlen die visuellen Effekte. Figuren sind immer nur so gruselig, wie man sie sich selbst vorstellt. Dennoch schafft es dieses Buch/ Hörbuch nach einem sehr zähen Intro eine gewisse Spannung aufzubauen. Es geht hier nicht um Effekte, sondern vielmehr um die subtile Geschichte des Übernatürlichen, des " Anders-Sein" und wie man damit umgeht. Es geht auch um Loyalität, Vertrauen und Überwindung von Komplexen und den Umgang mit Sucht und deren Folgen. "Doktor Sleep" ist wieder mehr ein typischer Stephen King als das letzte King-Buch "Joyland", aber es finden sich gewisse Parallelen. Die Geschichte ist in sich schlüssig und logisch. Sie ist abgeschlossen, bietet aber dennoch Stoff für mehr Geschichten um Dan und Abra.