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Veröffentlicht am 17.09.2020

Bezauberndes Buch, das zum Nachdenken anregt

Fuchs 8
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George Saunders hat in meinen Augen ein kleines Meisterwerk mit “Fuchs 8” geschaffen. Von der ersten Seite an war ich einfach begeistert von diesem Buch. Schließlich beginnt das Buch so:
“Libe Leserinen ...

George Saunders hat in meinen Augen ein kleines Meisterwerk mit “Fuchs 8” geschaffen. Von der ersten Seite an war ich einfach begeistert von diesem Buch. Schließlich beginnt das Buch so:
“Libe Leserinen und Leser: Zuers möchte ich sagen, Entschuldigung für alle Wörter di ich falsch schreibe. Weil ich bin ein Fuks!”

Ist das nicht einfach zuckersüß?! Ja, für manche ist das bestimmt anstrengend das durchweg zu lesen, aber mir hat das erstaunlicherweise nichts ausgemacht und ich finde, dass es sehr gut zu Fuchs 8 passt.

Fuchs 8 ist etwas anders als die anderen Füchse, denn er ist neugierig und hat die menschliche Sprache gelernt, indem er den Menschen zuhörte, die ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlesen. Doch eines Tages wird ein riesiges Einkaufszentrum errichtet, das den Wald zerstört, in dem die Füchse leben, sodass sie kaum noch Nahrung finden.

Das Buch ist humorvoll geschrieben und während ich anfangs noch ganz viele “awws” von mir gegeben habe, wurde es später ernst. In mir wurde eine Traurigkeit geweckt, als Fuchs 8 von seiner verlorenen Heimat berichtete und sich fragt wie die Menschen so etwas nur tun konnten. Dadurch vermittelt er eine wichtige Botschaft an uns Menschen und zeigt wie egoistisch und grausam wir sein können und dabei die Umwelt komplett missachten. Es ist eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Die Illustrationen von Chelsea Cardinal sind schlicht in schwarz-weiß gehalten und lediglich die Füchse stechen durch ihre rote Farbe hervor. Diese passen aber sehr gut zum Erzählton von Fuchs 8 und machen das Buch zu etwas Besonderem.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2020

Außergewöhnlich

Papierklavier
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Elisabeth Steinkellner hat es geschafft ein wunderschönes Jugendbuch zu schreiben und Anna Gusella bringt das Erzählte durch ihre Illustrationen wunderbar zur Geltung.

“Papierklavier” ist Maias Tagebuch, ...

Elisabeth Steinkellner hat es geschafft ein wunderschönes Jugendbuch zu schreiben und Anna Gusella bringt das Erzählte durch ihre Illustrationen wunderbar zur Geltung.

“Papierklavier” ist Maias Tagebuch, das sie mit ihren vielen Zeichnungen verziert. Sie ist gerade mal 16 Jahre alt, muss sich aber bereits um ihre zwei jüngeren Schwestern kümmern und in einem Saftladen arbeiten. Wir begleiten Maia durch ihren Alltag und lernen ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen kennen. Mit ihren zwei besten Freund*innen trotzt sie allem und kämpft gegen Schönheits- und Gendernormen.

Ich finde es klasse, wie in diesem Buch wichtige Themen wie Transgender, Schönheitsideale und auch gegenderte Sprache angesprochen werden. Selbstverständlich kann man solche riesige Themen nicht in einem Buch behandeln, aber die Tatsache, dass sie angesprochen werden und das Bewusstsein darauf lenkt, ist für mich sehr lobenswert.

Obwohl Maias Leben alles andere als perfekt ist, ist der Ton des Buchs unentwegt optimistisch und stimmt dadurch auch mich positiv. Sie schreibt so offen und witzig und gleichzeitig auch so einfühlsam, sodass sie Mut macht. “Papierklavier” ist wirklich ein ganz besonderes Buch, das so ganz anders ist, weshalb ich es auch gar keinem Genre wirklich einordnen kann, auch wenn es eigentlich ein “Jugendbuch” ist. Denn es ist so viel mehr als das.

“Manche denken
nur in zwei Kategorien:
Daumen rauf oder
Daumen runter,
hot or not,
Mann oder Frau,
richtig oder falsch,
schwarz oder weiß.

Ich aber mag die Dazwischens,
die vielen Nuancen,
D e t a i l s
und Widersprüchlichkeiten,
die dem Leben erst
seine Würze verleihen.”

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2020

Brutales Buch über ein Mädchen, das manipuliert wird und in die Prostitution hineinrutscht

Fuck.
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“Fuck.” ist ein äußerst passender Titel für F. E. Møles Debüt und hat es wirklich in sich. Definitiv kein Buch zum Entspannen! Bereits hier möchte ich eine T R I G G E R W A R N U N G setzen [Vergewaltigung, ...

“Fuck.” ist ein äußerst passender Titel für F. E. Møles Debüt und hat es wirklich in sich. Definitiv kein Buch zum Entspannen! Bereits hier möchte ich eine T R I G G E R W A R N U N G setzen [Vergewaltigung, Selbstverletzung, Gewalt]. Denn es ist ein brutales Buch, das zeigt wie ein Mädchen in die Prostitution hineinrutscht.

Die Geschichte wird aus Yessicas Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, sodass man als Leser*in sehr nah am Geschehen ist. Sie ist 18 Jahre alt, wurde von der Schule geschmissen und auch die Eltern scheinen sie aufgegeben zu haben. Dann lernt sie Hassan kennen und alles ändert sich. Plötzlich steht Yessica auf dem Strich, um für ihren Freund Geld zu verdienen, denn er hat Schulden, die er nicht alleine abbezahlen kann. Sie liebt ihn, weshalb sie alles für ihn tun würde. Und sie meint damit auch alles. Eines Tages stirbt einer ihrer Stammkunden. Welche Rolle spielt ihre neue coole Freundin Dana dabei? Und ist auch ihr eigenes Leben in Gefahr?

Mit der Loverboy-Masche habe ich mich in der Vergangenheit beschäftigt und Dokumentationen dazu angesehen. Doch dies ist das erste Mal, dass ich das in einem Roman thematisiert sehe. Es ist beängstigend und frustrierend mitzuerleben wie Yessica immer mehr in diese Abwärtsspirale gerät, ohne dass man ihr irgendwie helfen kann. Man merkt, dass sie naiv und unreif ist, aber natürlich fällt mir das jetzt mit 27 Jahren einfach zu sagen. Wenn man allerdings in dieser Situation ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man das gar nicht so wahrnimmt bzw. wahrnehmen will.

Obwohl sie jede Kritik persönlich nimmt, merkt man, dass sie sich letztendlich nur nach Zuneigung, Verständnis und Liebe sehnt. Dies findet sie bei Hassan, auch wenn es nur vorgespielt ist und bei mir alle Alarmglocken geläutet haben, als ich gelesen habe wie die beiden miteinander interagieren. Yessica klammert sich an ihre Illusion fest und wird vollkommen emotional von ihm abhängig. Es ist regelrecht traurig mit anzusehen wie sie überhaupt nicht weiß, wie es ist wertgeschätzt zu werden. Leider kennt sie es nicht anders und misst ihren Selbstwert lediglich an ihrer “Geilheit”.

Das einzige, was mir nicht ganz zusagte, war das Tempo am Ende. Die Auflösung fand ich gelungen, aber ich hätte es mir intensiver und ausgedehnter gewünscht. Mir ging es dann doch etwas zu schnell. Außerdem fände ich eine Triggerwarnung am Anfang des Buches nicht schlecht. Ansonsten habe ich absolut keine Beschwerden.

Kurz: “Fuck.” ist ein sehr gelungenes Erstlingswerk mit einer spannenden Thematik!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2020

Wunderschönes und ergreifendes Buch, das Nostalgie weckt

Being Young
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Die norwegische Autorin Linn Skåber hat für ihr Buch “Being Young” Teenager zu ihrem Leben befragt. Daraus ist eine poetische Sammlung von authentischen und ergreifenden Monologen entstanden, die diese ...

Die norwegische Autorin Linn Skåber hat für ihr Buch “Being Young” Teenager zu ihrem Leben befragt. Daraus ist eine poetische Sammlung von authentischen und ergreifenden Monologen entstanden, die diese seltsame Zeit zwischen Kindsein und Erwachsenwerden perfekt einfangen und wiedergeben.

“Wann haben die Erwachsenen das vergessen? Oder, schlimmer noch, wann haben sie beschlossen, es zu vergessen? Beschlossen, dass es nicht wahr ist? Dass dein Pferd aus Holz ist? Wann ist das plötzlich so geworden?”

Die 32 Kurzgeschichten beinhalten die unterschiedlichsten Themen, die einen in dieser Zeit beschäftigt wie: Liebe und Freundschaft, Eltern, Ängste, Träume und Realität, Schule, Körper und sexuelle Orientierung. Sie zeigen, und erinnern mich selbst wieder daran, wie es ist ein Teenager zu sein. Dieses komische Gefühl, dass sich irgendwie alles plötzlich verändert und diese Ungewissheit, was als Nächstes kommt. Meine Jugendzeit liegt nun 10 Jahre zurück und habe das nun alles besser im Blick, da ich “auf der anderen Seite stehe”. Es war schön etwas in Nostalgie schwelgen zu können, gleichzeitig habe ich so viele andere Facetten des “Jugendlichseins” kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte allen dieses Buch ans Herz legen. Nicht nur, dass es literarisch berührend ist, auch die farbenfrohen Illustrationen von Lisa Aisato passen wunderbar zum Buch. “Bein Young” ist schlichtweg liebevoll gestalten und jede einzelne Geschichte hat mich auf eine andere Art und Weise bewegt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.09.2020

Gute Idee, die Umsetzung hingegen überhaupt nicht

Realmord
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“Tödliche Regie” ist das Erstlingswerk von Ralph F. Wild und die neu überarbeitete Ausgabe des bereits 2015 bei Digital Publishers erschienen Titels Realmord. Obwohl die Idee wirklich gut ist, war es die ...

“Tödliche Regie” ist das Erstlingswerk von Ralph F. Wild und die neu überarbeitete Ausgabe des bereits 2015 bei Digital Publishers erschienen Titels Realmord. Obwohl die Idee wirklich gut ist, war es die Umsetzung leider überhaupt nicht. Ich hätte nicht nur den Klappentext, sondern auch die Leseprobe lesen sollen, dann hätte ich von vornherein gewusst, dass dieses Buch mir nicht zusagt.

In diesem Thriller wird der deutsche Unternehmer und Topmanager Frank Mellendorf ungewollt der Hauptdarsteller im neuen Film seines Freundes Michael Mc Lorey. Um als Legende in die Filmgeschichte einzugehen, hat der Regisseur vor einen Film zu drehen, in dem ein echter Mord begangen wird. Dabei soll kein Geringerer als Mellendorf selbst der Mörder sein.
Ehrlich gesagt, gibt es sehr viel zu kritisieren und nicht wirklich etwas zu loben. Bereits am Anfang des Buches fand ich es schrecklich, dass die Frauen ständig mit "langbeinig" und als "Schönheiten" beschrieben wurden. Etwas Abwechslung hätte da nicht geschadet. Und diese Fixierung auf die Füße der Sekretärin.... Aber nun gut, kann ja auch ein Fetisch von Mellendorf sein. Den empfinde ich übrigens als viel zu naiv, insbesondere da er doch ein erfolgreicher Geschäftsmann ist!

Das Buch habe ich am Kindle gelesen und evtl. lag es da an der Formatierung, aber in den Kapiteln gab es häufig inhaltliche Sprünge oder plötzliche Ortswechsel, die mich sehr verwirrt haben. Da hätte ich mir einen Absatz mehr gewünscht oder eine Art von Kennzeichnung, damit man sofort Bescheid wusste, dass man jetzt woanders ist.

Generell ist das ganze Buch zu hektisch und zu unlogisch gestalten. Konstant war ich am Kopfschütteln und “urgh”-Laute von mir geben, weil es immer abstruser wurde.
Außerdem fangen so viele Sätze mit Pronomen, den Namen der Charaktere oder "der Deutsche/Amerikaner/Ungar" an. Das fand ich wirklich schrecklich! Für mich war es regelrecht eine Qual weiterzulesen und ich hätte das Buch längst abgebrochen, wenn es kein Rezensionsexemplar gewesen wäre. Es fehlt an jeglicher Spannung, die Frauen werden nur sexualisiert und der Schreibstil ist für mich schlichtweg nicht ansprechend.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere