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Veröffentlicht am 03.09.2020

Wunderschönes Buch über die erste Liebe

Was ist mit uns
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Ein Teil meines Freundeskreises weiß es schon und hier noch einmal offiziell: Ich L I E B E “Was ist mit uns” von Becky Albertalli & Adam Silvera und wirklich jede*r sollte dieses wundervolle Buch lesen! ...

Ein Teil meines Freundeskreises weiß es schon und hier noch einmal offiziell: Ich L I E B E “Was ist mit uns” von Becky Albertalli & Adam Silvera und wirklich jede*r sollte dieses wundervolle Buch lesen! Highlight meines Lesemonats August 2020!

“Ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick. An das Schicksal, die Macht des Universums, an all das. Nicht, wie ihr jetzt denkt. Nicht à la: Wir sind zwei Teile ein und derselben Seele, die auf ewig zusammengehören. Ich denke bloß, dass in unserem Leben einige Begegnungen vorherbestimmt sind. Dass uns das Universum bestimmte Menschen vor die Füße schiebt.”

Arthur verbringt als Praktikant einen Sommer in New York, was für ihn ein Traum ist, denn er ist ein großer Broadway Liebhaber! Für Ben hingegen könnte der Sommer nicht schlimmer sein. Frisch getrennt und dann muss er auch noch mit seinem Ex zur Sommerschule. Doch als Ben seinem Ex ein Paket mit seinen restlichen Sachen zuschicken möchte, trifft er im Postamt auf Arthur. Bevor sie Kontaktdaten austauschen konnten, wurden sie von einem Flashmob getrennt. Nach dieser kurzen Begegnung denken sie immer wieder an den anderen und versuchen fortan verzweifelt den anderen wiederzufinden. Gar nicht so einfach in so einer Großstadt, aber natürlich schaffe sie das, denn sonst wäre das ein ziemlich kurzes Buch. Dennoch stellen sie sich dann die große Frage: “Was ist mit uns?”

Mit diesem Buch habe ich mich zum ersten Mal bewusst auf eine LGBTQ+ Geschichte eingelassen und ich bin einfach so begeistert. Es ist mehr als eine klischeehafte oder “kitschige” Liebesgeschichte. Auch, wenn es hin und wieder um das Schicksal und das Universum geht. Sowohl Ben als auch Arthur sind unglaublich sympathische Charaktere, die mehr sind als ihre sexuelle Orientierung. Besonders gut hat mir gefallen, dass Ben nicht einfach nur “Puerto Ricaner” als Beschreibung erhalten hat, sondern auch mehr hinter diese Identität steckt. Ich fand es auch schön zu sehen, dass nicht nur “böse” Menschen rassistische Bemerkungen machen, sondern auch Menschen, die wir mögen. Diese sind zwar meist nicht böse gemeint, aber solche Bemerkungen können dennoch einiges bei dem anderen auslösen und dies wird ebenfalls thematisiert. Rassismus ist ein Thema mit dem ich mich (ohne, dass ich wirklich eine Wahl habe) beschäftige, sodass es mich wirklich überrascht und umso mehr gefreut hat, dass auch Alltagsrassismus in diesem Buch vorkommt und mir zeigt wie die Charaktere damit umgehen.

Abwechselnd erzählen Ben und Arthur was sie erleben und denken. Außerdem wird durch den Wechsel der Schriftart klar, ob etwas aus der Sicht von Ben oder Arthur erzählt wird, etwas im Internet steht oder etwas im Chat geschrieben wurde. Für mich war das sehr angenehm zum Lesen.

Letztendlich ist es ein Buch voller Gefühle und Humor! Wirklich große Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.09.2020

Unterhaltsam und gleichzeitig traurig

Farbenblind
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Als ich mitbekommen habe, dass Trevor Noah ein Buch geschrieben hat, war ich sofort interessiert! Dann habe ich gelesen, worum es geht und wollte es unbedingt kaufen! Allerdings habe ich mich dieses Mal ...

Als ich mitbekommen habe, dass Trevor Noah ein Buch geschrieben hat, war ich sofort interessiert! Dann habe ich gelesen, worum es geht und wollte es unbedingt kaufen! Allerdings habe ich mich dieses Mal für das Hörbuch entschieden. Der entscheidende Faktor: Trevor Noah selbst liest das Buch! Ich liebe seine Stimme und die Art und Weise wie er Geschichten erzählt.

"Learn from your past and be better because of your past, but don’t cry about your past. Life is full of pain. Let the pain sharpen you but don’t hold on to it."

"Born a Crime" ist ein bewegendes Buch, in den Trevor Noah von seinen Erfahrungen als eine Person, die einen Weißen und Schwarzen Elternteil hat. Dies spielt eine große Rolle und erklärt den Titel, denn damals war dies während der Apartheid in Südafrika illegal. Seine bloße Existenz war also eine Straftat. Er erzählt von seiner Jugend, dem Problem nirgendwo "richtig" dazuzugehören, wodurch er aber gelernt hat sich durch die unterschiedlichen Gruppen wie ein Chamäleon zu bewegen.

Noah schafft es sowohl lustige und unterhaltsame mit ernsten und traurigen Geschichten zu verweben. Ich habe gelacht und geweint, als ich mir das Hörbuch anhörte. Teils konnte ich gar nicht glauben wie schrecklich Menschen sich verhalten können. Wenn man Trevor Noah mag, wird man sicherlich auch sein Buch mögen. Es sprüht nur vor Charme und man lernt viel über die Probleme während der Apartheid. Definitive Lese- bzw. Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.09.2020

Ein interessierter Beobachter des Lebens

Mein Leben als Hoffnungsträger
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“Mein Leben als Hoffnungsträger” von Jens Steiner ist ein ungewöhnlicher Roman über den Alltag, und wer hätte gedacht, dass es möglich wäre den Alltag so spannend zu beschreiben!

"Mir ist nicht wohl ...

“Mein Leben als Hoffnungsträger” von Jens Steiner ist ein ungewöhnlicher Roman über den Alltag, und wer hätte gedacht, dass es möglich wäre den Alltag so spannend zu beschreiben!

"Mir ist nicht wohl dabei, weil Joãos Geschäft wie alle Geschäfte wachsen will, weil es wie jedes Geschäft die Weltherrschaft anstrebt. Ich aber will keine Herrschaft, ich will im dunklen Dickicht der Gegenwart bleiben. Mir gefällt es hier. Warum muss man immer besser werden, warum immer noch ein Diplom erwerben, warum immer weiter dorthin streben, wo die Luft dünn ist, wo Stressjob und Haushypothek ständig die Hand an deiner Gurgel haben? Ich verstehe es nicht und will es nicht verstehen."


Nachdem Philipp seine Lehre zum Mechatroniker abgebrochen hat und aus seiner WG rausgeschmissen wurde, weil die Mitbewohner seinen Putzfimmel nicht mehr tolerieren wollten, vertreibt er sich die Zeit an einer Tramhaltestelle die Zeit mit dem Auflesen von Stanniolpapieren. Dabei wird Uwe, der Leiter des städtischen Recyclinghofs auf ihn aufmerksam, und nimmt ihn unter seine Fittiche. Uwe nennt Philipp seinen neuen Hoffnungsträger und zeigt ihm alles, was es auf dem Recyclinghof zu wissen gibt. Phillipp wirkt mehr wie ein interessierter Beobachter als ein Teilnehmer des Lebens, denn er lässt das Leben einfach geschehen.

Zu den "Fantastischen Vier" des Recyclinghofs gehören noch Arturo und João dazu, zwei Portugiesen, die aus den abgegeben Waren ihren eigenen, nicht ganz legalen Nutzen ziehen, für den sie bald auch Philipp gewinnen wollen – bis ihnen ein Großprojekt aus dem Ruder läuft und die aufgeräumte Welt des Recyclinghofes gehörig ins Wanken gerät.

Es ist einfach unglaublich spannend die Gedanken von Philipp mitzuverfolgen, weil sie so wunderschön lyrisch dargestellt werden.


Klare Leseempfehlung von mir, denn auch das Ende ist nicht 08/15.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 03.09.2020

Verstörend. Bizarr. Kafkaesk. Das alles auf eine positive Art und Weise.

Die Vegetarierin
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"Die Vegetarierin" von der südkoreanischen Autorin Han Kang wurde im Original als drei separate Novellen veröffentlicht und dann zu einem Roman zusammengestellt.

[SPOILER]

Im ersten Teil stellt der ...

"Die Vegetarierin" von der südkoreanischen Autorin Han Kang wurde im Original als drei separate Novellen veröffentlicht und dann zu einem Roman zusammengestellt.

[SPOILER]

Im ersten Teil stellt der Ehemann der Protagonistin Yeong-hye die beiden vor: Ganz gewöhnliche Eheleute, schon fast langweilige Menschen. Denn er geht lediglich seinem Bürojob nach, sie ist zwar eine pflichtbewusste Hausfrau, scheint aber allem gegenüber apathisch zu sein. Alles ändert sich, als Yeong-hye sich plötzlich dazu entschließt keine tierischen Produkte mehr zu sich zu nehmen. (Das Buch heißt zwar "Die Vegetarierin" aber da es den Begriff "Veganerin" im Koreanischen nicht existiert, außer evtl. als Anglizismus, deckt "Vegetarierin" oft auch Veganismus ab.) Während die meisten sich aus ethischen oder der Umwelt wegen zu solch einem Lebensstil entscheiden, ist Yeong-hyes Begründung: "Ich hatte einen Traum."

Der erste Teil hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen! Hauptsächlich, weil mich der egoistische und sexistische Ehemann konstant aufgebracht hat. Seine Frau nimmt extrem ab, weil sie einfach auf alles Tierische verzichtet und nicht auf eine ausgewogene Ernährung achtet, und seine größte Sorge ist, dass sie keinen Sex will?! [TRIGGERWARNUNG: Vergewaltigung und Suizid] Ich weiß gar nicht, was ich an dem Ehemann am schlimmsten finde. Die schlimmsten Vorfälle sind aber definitiv, dass er sich durch ihren Gesichtsausdruck gestört fühlt, als er sie mehrmals vergewaltigt, weil sie so schaut, als hätte sie schlimme Erfahrungen gemacht und dass er nach Yeong-hyes Suizidversuch Ekel empfindet... Ihr Ehemann verkörpert auf erschreckende Weise den unterdrückenden Pa­t­ri­ar­cha­lis­mus, denn es scheint ihn nur zu interessieren, dass seine Ehefrau nicht mehr wie früher "funktioniert".

Dann kommt noch ihre Familie hinzu, bestehend aus ihren Eltern, einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder. Sie alle haben kein Verständnis für ihre Ernährungsumstellung, also zwingen sie Yeong-hye dazu Fleisch zu essen. Die Essens-Szene zeigt dabei wunderbar die hierarchische Familienstruktur in Südkorea. Die Kinder haben den Eltern zu gehorchen, insbesonders dem Vater, denn sie wollen nur das Beste für dich und ansonsten ist man nicht pietätvoll.

Der zweite Teil ist aus der Sicht von Yeong-hyes Schwager geschrieben und offenbart den Leserinnen seine sexuelle Obsession mit Yeonghye und benutzt sie um seine künstlerische Vision wahr werden zu lassen. Kurz darauf haben sie eine Affäre miteinander, die von der älteren Schwester aufgedeckt wird. Im dritten Teil erfahren die Leserinnen aus der Perspektive der älteren Schwester, dass Yeong-hye mittlerweile in einer Psychiatrie ist und sie die einzige ist, die sich noch um sie sorgt. Diese beiden Teile zeigen verstärkt wie sehr sich Yeong-hye immer mehr gegen ihre unterdrückende Umgebung wehrt. Letztendlich träumt sie von einem Leben als Baum, um allem zu entfliehen.

Ein intensives Buch mit einem puristischen Schreibstil, das verstört und zum Nachdenken anregt.

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  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 20.08.2020

Gutes Konzept, schlechte Ausführung

Der Circle
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“Mae sah auf die Uhr. Es war sechs. Sie hatte noch jede Menge Stunden, um sich zu verbessern, auf der Stelle, und sogleich stürzte sie sich in hektische Aktivität, verschickte vier Zings und zweiunddreißig ...

“Mae sah auf die Uhr. Es war sechs. Sie hatte noch jede Menge Stunden, um sich zu verbessern, auf der Stelle, und sogleich stürzte sie sich in hektische Aktivität, verschickte vier Zings und zweiunddreißig Kommentare und achtundachtzig Smiles. Binnen einer Stunde stieg ihr PartiRank auf 7.288.”

“The Circle” ist ein dystopischer Science Fiction von Dave Eggers und erzählt von Mae, die es dank ihrer Freundin Annie, in den Internetkonzern “Circle” geschafft hat. Der Circle bietet all die Funktionen an, die wir von Facebook, Twitter, Amazon und Paypal kennen, und stattet alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität aus. Die Slogans “GEHEIMNISSE SIND LÜGEN”, “TEILEN IST HEILEN” und “ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL” fassen den Circle sehr gut zusammen.


Obwohl die Geschichte für mich verlockend klang, war ich leider enttäuscht wie oberflächlich Maes Charakter gestalten ist. Sie ist naiv und ihr einziger Antrieb ist es von allen gemocht zu werden und ein besseres Ranking zu erhalten. Sie ist passiv, wird leicht manipuliert und ist ständig in Sorge, was andere wohl über sie denken könnten. Eine schreckliche Protagonistin. Vor allem, so vieles, was sie tut, hat aus irgendeinem Grund keine Konsequenzen? Was ist mit dem heimlich aufgenommenen Sexvideo, worüber sie so besorgt war und sich (zu Recht) aufgeregt hat? Aber nach einigen Seiten, war wieder alles in Ordnung? Generell waren alle Sexszenen im Buch unnötig und vor allem als Frau sehr… unangenehm zu lesen, weil Mae den Sex offensichtlich nicht gut fand.


Eggers scheint versucht zu haben, Mae langsam in die Circle-Mentalität einführen zu wollen, sodass man auch als Leser das so mitempfindet. Allerdings wirkte es auf mich eher so, als hätte er Mae ins kalte Wasser geschmissen und sie hätte davon sofort wach werden und wegrennen sollen. Allerdings stellt Eggers auch ziemlich interessante, innovative Ideen vor, die alle ein eigenes Buch füllen könnten.


Im Großen und Ganzen war das Konzept des Buches wirklich toll, aber die Umsetzung war nicht überzeugend. Es ist aber vom Schreibstil her angenehm zu lesen, sodass es sich relativ flüssig lesen lässt.

  • Cover
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  • Charaktere