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Veröffentlicht am 31.03.2018

Fesselnder und unterhaltsamer Jugendthriller

ONE OF US IS LYING
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INHALT
Bayview High, 24. September:
Fünf Schüler versammeln sich zum Nachsitzen im Chemie-Raum. Bronwyn, die viel versprechende Musterschülerin auf dem Weg nach Yale, Addy, die hübsche Homecoming-Queen, ...

INHALT
Bayview High, 24. September:
Fünf Schüler versammeln sich zum Nachsitzen im Chemie-Raum. Bronwyn, die viel versprechende Musterschülerin auf dem Weg nach Yale, Addy, die hübsche Homecoming-Queen, Cooper, der gefeierte Baseball-Star, Nate, der Drogendealer auf Bewährung sowie Simon, der Urheber der berüchtigten Gossip-App, die schon so manchem das Genick gebrochen hat. Doch der Nachmittag verläuft bald anders als erwartet, denn Simon bricht mit einem anaphylaktischen Schock zusammen und jede Hilfe kommt für ihn zu spät. Plötzlich stehen die vier Schüler unter dem dringenden Verdacht, etwas mit Simons tragischem Tod zu tun zu haben. Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen und stellt bald fest, dass jeder der vier einen triftigen Grund hatte, Simon aus dem Weg zu räumen, denn dieser hatte für den nächsten Tag einen neuen Skandalpost geplant, bei dem pikante Geheimnisse über Bronwyn, Addy, Cooper und Nate veröffentlicht werden sollten. In den Augen der Polizei ist jeder von ihnen verdächtig und könnte sogar ein Motiv für einen Mord an dem missliebigen Mitschüler haben. Aber wer von ihnen lügt? Oder haben sie sich sogar zusammengetan, um ihre dunklen Geheimnisse zu verbergen?
MEINE MEINUNG
Mit „One of us is lying“ ist der amerikanischen Autorin Karen M. McManus ein wirklich fesselnder Jugendbuch-Thriller gelungen, den ich schon bald nicht mehr aus der Hand legen konnte.
McManus hat für ihren Thriller ein sehr packendes und faszinierendes Ausgangsszenario gewählt, das im amerikanischen Highschool-Ambiente angesiedelt ist. Gleich zu Anfang wird der Leser mit einem höchst tragischen, aber auch sehr verdächtigen Todesfall konfrontiert, der viele Fragen aufwirft und vier mutmaßliche Verdächtige zurücklässt, die als einzige zusammen mit dem Opfer Simon in einem Raum waren. Als bekannt wird, dass Simon kurz davor war, mit seiner Gossip-App wieder einen Skandal zu posten, geraten die vier Jugendlichen schnell sogar unter Mordverdacht. Die Spekulationen schlagen schnell große Wellen. Nicht nur in der Schule sondern auch in den Medien sickern belastende Details durch, folgenschwere Vorverurteilungen werden verbreitet und die Situation für die betroffenen Schüler gerät zunehmend außer Kontrolle.
Erzählt wird der Thriller abwechselnd aus der Perspektive der vier verdächtigen Schüler Bronwyn, Addy, Cooper und Nate aus der jeweiligen Ich-Perspektive. Der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven bringt enorm Spannung in die Geschichte, denn je besser wir die vier Protagonisten und ihr Umfeld kennenlernen, desto mehr erfahren wir auch über die Geheimnisse, die sie zu verbergen haben. Dinge, von denen keiner möchte, dass die bekannt oder gar veröffentlicht werden, und somit ein potentielles Mordmotiv für die Polizei darstellen. Geschickt hat die Autorin immer wieder Verdachtsmomente in das Geschehen eingestreut, die einen aufs Neue rätseln lassen, wie die verwirrenden Details zusammenhängen können und wer nun der Täter ist. Die Autorin hat ihren Thriller mit jeder Menge Lügen, Intrigen, Gossip und unerwarteten Wendungen wirklich sehr packend und zusätzlich mit der eingebauten Liebensgeschichte äußerst abwechslungsreich gestaltet. Zum Ende hin zieht die Spannung noch einmal enorm an und gipfelt in einem unglaublich mitreißenden Finale. Auch die Auflösung des Falls war insgesamt sehr schlüssig, und das Ende für meinen Geschmack geschickt gewählt. Sehr angenehm zu lesen ist der flüssige, jugendliche Schreibstil der Autorin.
Die verschiedenen Hauptfiguren des Thrillers wirken sehr authentisch und sind mit ihren unterschiedlichen Eigenarten vielschichtig charakterisiert. Auch wenn sie anfangs noch etwas eindimensional erscheinen, bekommen sie im Laufe der Handlung immer mehr Tiefgang, so dass man sich hervorragend in ihre Lage hinein versetzen kann und zunehmend mitzufiebern beginnt.
Ein wirklich fesselndes Buch, das auch wichtige Themen anspricht, die zum Nachdenken anregen. Sehr anschaulich thematisiert McManus in ihrem Thriller nicht nur das Mobbing unter Jugendlichen, das durch die Social Media rasch Kontrolle geraten kann, sondern auch welche weitreichenden Folgen es für die Betroffenen haben kann, wenn der Schutz der Privatsphäre verletzt wird.
FAZIT
Ein sehr fesselnder und unterhaltsamer Jugendthriller mit jeder Menge Lügen, Intrigen und Gossip über die fatalen Auswirkungen von Cyber-Mobbing und die Abgründe der menschlichen Psyche.
Nicht nur für Jugendliche sehr lesenswert!

Veröffentlicht am 10.03.2018

Eine verstörende, beklemmende Geschichte

Bananama
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INHALT
Ein sechsjähriges Mädchen lebt mit ihren Eltern in einem Haus am Waldrand mit kleinem Garten fernab von der Zivilisation. Als selbst ernannte Aussteiger versuchen sie sich an einem einfachen Leben ...

INHALT
Ein sechsjähriges Mädchen lebt mit ihren Eltern in einem Haus am Waldrand mit kleinem Garten fernab von der Zivilisation. Als selbst ernannte Aussteiger versuchen sie sich an einem einfachen Leben in ihrem idyllischen „Bananama“ ohne großen Kontakt zur Außenwelt und ganz im Einklang mit ihren Idealen. Doch immer häufiger muss sie bei ihren Eltern Veränderungen feststellen, die sie sehr befremden und ihr Angst machen. Zunehmend wird ihr Paradies von der „Welt da draußen“ bedroht, doch die Eltern verschließen die Augen vor der Realität und halten zwanghaft an ihrer Vision fest. Doch der allmähliche Zerfall ihres kleinen Bananama lässt sich nicht mehr aufhalten…
MEINE MEINUNG
Mit „Bananama ” ist der deutschen Autorin Simone Hirth ein bemerkenswerter Roman gelungen, der dem Leser mit seiner beklemmenden Intensität unter die Haut geht und ihn noch länger beschäftigt.
In ihrem Roman beleuchtet die Autorin Widersprüche und Absurditäten des gesellschaftlichen Lebens und übt deutliche Kritik an unserer Konsumgesellschaft und der rein materialistischen Denkweise. Zugleich enthüllt sie aber auch auf ironische Weise die Beschränkungen des menschlichen Daseins und Denken.
Schon bald kann man sich der enormen Sogwirkung dieser Erzählung nicht mehr entziehen und wird von den sich zuspitzenden, unwirklichen Geschehnissen und der zunehmend bedrückenden Atmosphäre unweigerlich gefangen genommen. Hervorragend ist auch der eindringliche, bildreiche und sprachgewaltige Schreibstil der Autorin.
Im Mittelpunkt dieser skurrilen Geschichte steht die Hauptfigur und namenlose Ich-Erzählerin im Grundschulalter, die mit ihren Eltern recht abgeschieden in ihrem selbstgeschaffenen Aussteiger-Paradies „Bananama“ lebt.
Sehr subtil schildert die Autorin aus dem unschuldigen Blickwinkel eines sehr aufgeweckten Kindes, wie das idealistische Lebensmodell ihrer Eltern jenseits aller gesellschaftlichen Normen und mit ihren selbstgestrickten Konventionen mehr und mehr Risse bekommt. Den Herausforderungen des Alltags scheinen sie nicht so recht gewachsen zu sein, trotz propagiertem Konsumverzicht werden häufig der örtliche Tauschkreis und Bestellungen über das Internet genutzt. Der Vater versucht dem Mädchen sein „Weltbild“ zu vermitteln, indem er ihr Begriffe wie Ressourcenknappheit, Globalisierung, Biosphärenpark und Materialismus erklärt, die für sie jedoch sperrige Worthülsen bleiben und sie befremden. Völlig überfordert, vereinsamt und auch emotional auf sich allein gestellt wünscht sich das Mädchen nichts sehnlicher als ein bisschen Normalität aus der Welt „da draußen“ und sei es nur ein Schokoriegel, eine Freundin, Schwester oder zumindest eine Puppe. Sie rettet sich in selbst geschaffene Rituale wie beispielsweise das Beerdigen von Wörtern, die ihr eine gewisse Stabilität und Sicherheit geben.
So muss sie miterleben, wie der idyllische Schein ihres Aussteigerlebens abbröckelt und die Eltern in eine äußerst widersprüchliche Scheinwelt abdriften, wodurch sie den Bezug zur bedrückenden Realität ihres Lebens immer mehr verlieren. Zunehmend baut die Autorin eine sehr unheilvolle Spannung auf, indem sie die angespannte, oft unheimliche Situation immer stärker außer Kontrolle geraten, eskalieren und surrealer werden lässt. Die Eltern verharren schließlich in einem passiven Verhalten und hüllen sich in eine Mauer des Schweigens, unfähig sich den Realitäten zu stellen und ihr Weltbild zu revidieren. Gekonnt entlarvt die Autorin mit sehr zynischem Blick wie ihre Ideale und ihre utopische Vorstellung eines sicheren Lebens schrittweise kläglich scheitern. Lediglich die junge Ich-Erzählerin beginnt dies zu begreifen und kann durch ihr konsequentes Handeln dem ihr aufgezwungenen Lebenskonzept entkommen.
Geschickt lässt die Autorin ihren Roman mit einem offenen Ende ausklingen, so dass einige Geschehnisse und Entwicklungen ungeklärt und die Deutungen der Fantasie der Leser überlassen bleiben.
FAZIT
Eine verstörende, beklemmende Geschichte, die den Leser auf ganzer Linie herausfordert und ihm ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis beschert.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Ein witziges, sehr unterhaltsames Jugendbuch!

Absolute Gewinner
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INHALT
Der 13-jährige Luca, der mit seiner alleinerziehenden Mutter in Hamburg-Hamm lebt, ist ein schüchterner Einzelgänger, hat keine Freunde, aber eine große Leidenschaft: das Basketballspielen. Jeden ...

INHALT
Der 13-jährige Luca, der mit seiner alleinerziehenden Mutter in Hamburg-Hamm lebt, ist ein schüchterner Einzelgänger, hat keine Freunde, aber eine große Leidenschaft: das Basketballspielen. Jeden Tag trainiert er allein auf einem Schul-Basketballplatz, bis er eines Tages von dem etwas seltsamen Hausmeister angesprochen wird, ob er nicht beim „Night Move“, einem Basketballturnier für Jugendliche, mitmachen möchte. Schon bald trainiert er mit weiteren „Underdogs“ in einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft für das Turnier. Und das äußerst erfolgreich, denn das Loser-Team ist gar nicht mal so schlecht und gewinnt sogar ganz unerwartet. Doch am nächsten Tag ist plötzlich ihr Trainer verschwunden und bleibt unauffindbar. Wie sollen sie sich nun auf ihr Finale in Berlin vorbereiten? Ihr Coach muss dringend wieder her! Während Luca und seine Teammitglieder versuchen, seinem rätselhaften Verschwinden auf die Spur zu kommen, ahnen sie noch nicht, in welche heikle Sache sie durch ihre Nachforschungen hineingeraten werden …
MEINE MEINUNG
Mit „Absolute Gewinner“ ist Jürgen Scheuring ein witziges und sehr unterhaltsames Jugendbuch gelungen. Erzählt wird die Geschichte rund um Luca und sein Basketballteam in einer authentischen, frischen Jugendsprache gewürzt mit viel Humor, wobei auch einige berührende, nachdenklich stimmende Episoden nicht fehlen.
Mit seinem Protagonisten 13-jährigen Luca hat Scheuring einen liebenswerten Ich-Erzähler gewählt, der uns in seiner humorvollen, selbstkritischen und locker-flockigen Art seine Geschichte erzählt und dabei sehr lebensecht wirkt. Durch die Ich-Perspektive werden uns seine Emotionen und Gedanken anschaulich nahegebracht und man sich gut in ihn hineinversetzen. Schüchtern, eher in sich gekehrt, ohne Freunde und mit enormen Komplexen wegen seiner piepsigen Stimme lernen wir Luca zu Anfang kennen und können im Laufe der Story mit verfolgen, wie er immer mehr Selbstvertrauen hinzugewinnt und zum Ende hin über sich hinaus wächst.
Hervorragend gelingt es Scheuring, auch die verschiedenen Nebencharaktere vielschichtig und sympathisch zu schildern, so dass sie mit ihren Eigenheiten sehr realistisch und lebendig wirken, auch wenn einige Figuren sicher ein wenig überzeichnet sind. Meine besonderen Favoriten waren natürlich Jana mit ihrem Pommes-frites-breiten Mund und der türkische Computer-Nerd und Alleswisser Heinrich.
Sehr anschaulich beschrieben finde ich auch die tolle Atmosphäre während des Basketball Trainings und das allmählich aufkommende Gemeinschaftsgefühl zwischen den charakterlich so unterschiedlichen Teammitgliedern. Hier spürt man richtig, wie viel Spaß es machen kann, in einem Team Basketball zu spielen und seine besonderen Talente einzubringen. Mir haben die „Lebensweisheiten“ ihres Coachs „Sichel“ sehr gut gefallen, die einem noch einmal vor Augen führen, worauf es beim Teamsport wie Basketball vor allem ankommt. Ein echtes Highlight sind die lebendigen Schilderungen der Spiele, die ein richtig authentisches Feeling vermitteln, und bei denen der Autor gekonnt sein Expertenwissen eingebracht hat.
Mit dem plötzlichen Verschwinden des Coachs hat der Autor zudem eine packende Nebenhandlung eingebracht. Die nachfolgenden Ermittlungen und mysteriösen Geschehnisse entwickeln sich bald zu einer fesselnden und sehr turbulenten Krimi-Handlung. Auch wenn einige der Episoden etwas unrealistisch und überspitzt erscheinen, so sind sie doch äußerst witzig, unterhaltsam und bringen zusätzlichen Schwung in die Geschichte.
„Absolute Gewinner“ ist aber nicht nur ein unterhaltsames Buch für Jugendliche, sondern regt auch zum Nachdenken über Themen wie Diskriminierung, Gewalt, Teamgeist, Freundschaft und Vertrauen an.
Der Magellan Verlag hat für Christoph Scheurings Roman eine außergewöhnlich ansprechende Gestaltung des Cover verwendet, die mich sehr begeistert hat – neben dem tollen Basketball Feeling zwischen den Seiten haben wir auf der Vorderseite zudem eine geniale Basketball-Haptik!
FAZIT
Ein witziges, sehr unterhaltsames Jugendbuch! Lesenswert!
Ein absolutes Muss für alle Basketball-Fans ab zwölf Jahren aber auch für solche die es noch werden wollen!

Veröffentlicht am 12.01.2018

Lesenswerter Alpenkrimi - witzig, skurril und unterhaltsam

Im Grab schaust du nach oben
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INHALT
Ausnahmezustand herrscht im idyllisch gelegenen Kurort im Werdenfelser Land, denn der G7-Gipfel findet auf Schloss Elmau statt. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften versucht die angespannte Lage ...

INHALT
Ausnahmezustand herrscht im idyllisch gelegenen Kurort im Werdenfelser Land, denn der G7-Gipfel findet auf Schloss Elmau statt. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften versucht die angespannte Lage und die angereisten Gipfelgegner im Ort unter Kontrolle zu halten. Mittendrin Kommissar Jennerwein mit seinem Team, der zudem noch den unerwarteten Tod eines geschätzten Kollegen und seine bewegende Beerdigung verkraften muss.

MEINE MEINUNG
Der neunte Fall von Kommissar Jennerwein startet ziemlich verwirrend: Ein tödlicher Schuss, der zunächst lange keine weitere Erwähnung findet, eine bis ins kleinste Detail geschilderte, traditionell-bayuwarische Bestattung und viele neue Schauplätze rund um den G7 Gipfel, die man nicht zuordnen kann. Verwirrung kommt auf, denn eigentlich gibt es für Jennerwein weder etwas zu ermitteln noch einen Mordfall zu lösen. Geschickt hat der Autor jedoch wichtige Hinweise eingebaut, die anfangs leicht überlesen und bei einigen doch sehr skurrilen Nebenhandlungen schnell aus dem Auge verloren werden können. In einem ausführlichen Rückblick werden schließlich die vor der Beerdigung liegenden Ereignissen erzählt. So langsam nimmt dann der eigentliche Kriminalfall Gestalt an und wird immer spannender. Endlich gelingt es, die wichtigen Figuren zu eruieren und ihre Rolle in der kompliziert gestrickten Geschichte zu erfassen. Trotz eingestreuter Anekdoten, einiger absurder Episoden und den obligatorischen Wendungen habe ich nun nicht mehr den roten Faden verloren und konnte hervorragend spekulieren und miträtseln. Die Auflösung des Falls war dann für mich keine große Überraschung mehr, einige Enthüllungen und vor allem der Cliffhanger am Ende jedoch schon.
Schön ausgearbeitet sind die unterschiedlichen Charaktere wie beispielsweise die besonnene Psychologin Dr. Maria Schmalfuß, Polizei-Obermeister Ostler oder der gute Hölleisen. Zudem haben wieder viele alte Bekannte wie das zwangspensionierte Bestatter-Ehepaar Grasegger oder der zwielichtige Gangster Swoboda Karl und seine Mafia-Geliebte einen Gastauftritt.

FAZIT
Auch dieser Alpenkrimi ist wieder – wie seine Vorgänger - sehr unterhaltsam und zum Ende hin sogar richtig spannend, gespickt mit absolut witzigen Dialogen und einem tollen bayerischen Lokalkolorit.

Insgesamt trotz einiger Abstriche ein Buch mit hohem Unterhaltungswert.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Die Malerin im Schatten Kandinskys

Die Malerin
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„Die Kunst war ihr Leben – Kandinsky ihr Schicksal“

INHALT
München, zu Beginn des 20. Jahrhunderts:
Die junge Gabriele Münter, genannt Ella, möchte trotz aller Widerstände unbedingt Malerin werden. Bei ...

„Die Kunst war ihr Leben – Kandinsky ihr Schicksal“

INHALT
München, zu Beginn des 20. Jahrhunderts:
Die junge Gabriele Münter, genannt Ella, möchte trotz aller Widerstände unbedingt Malerin werden. Bei ihrem Malunterricht in München verliebt sie sich in ihren verheirateten Lehrer, Wassily Kandinsky. Das Künstlerpaar unternimmt viele Reisen, und Gabriele wird seine Muse, Gefährtin und Geliebte – ein Skandal zu jener Zeit. Während Kandinsky schon bald als Meister der Abstraktion gefeiert und als Begründer des „Blauen Reiters“ berühmt wird, kämpft Ella um ihre Anerkennung als Frau in der Kunst. Gegen den Willen ihrer Familie lebt sie mit dem Künstler fast 15 Jahre lang zusammen, bis schließlich der Erste Weltkrieg ausbricht und Kandinsky nach Russland zurückkehrt - um dort heimlich eine andere Frau zu heiraten. Es ist das tragische Ende einer großen Liebe, das die Malerin in eine schwere Krise stürzt.

MEINE MEINUNG
Die amerikanische Autorin Mary Basson hat mit ihrem Debüt „Die Malerin“ eine sehr eindrückliche und insgesamt recht gut recherchierte Romanbiographie über das Leben der bedeutenden Malerin des Expressionismus Gabriele Münter vorgelegt. Als Dozentin im Milwaukee Art Museum, das die umfangreichste Gemälde-Sammlung der Malerin in Nordamerika besitzt, war die Autorin von Münters Malerei derart fasziniert, dass sie beschloss, einen Roman über diese faszinierende Frau zu schreiben, die weniger als Künstlerin der Moderne, sondern lediglich als langjährige Muse und Geliebte des berühmten Malers Wassily Kandinsky von sich reden machte. Bei ihrer ausführlichen Recherchearbeit zum Leben und Werk Münters begab sich Basson auf ihrer Spurensuche auch an die Originalschauplätze in München und zum „Gelben Haus“ nach Murnau im bayerischen Voralpenland.
In verschiedenen Episoden aus dem Leben der Künstlerin erfährt der Leser sehr viel über Münters Gedanken, Empfindungen, Familie und ihre Leidenschaft für die Kunst, aber auch politische und gesellschaftliche Hintergründe jener Zeit. So lernt man die junge, schüchterne Ella kennen, die sich in während ihres Malunterrichts unsterblich in ihren verheirateten Lehrer „Professor K“ verliebt, erfährt wie sie sich später an der Seite ihrer großen Liebe Kandinsky künstlerisch weiterentwickelt, aber auch die Licht- und Schattenseiten ihres Lebens mit einem schwierigen Menschen durchlebt. Ihr Gelbes Haus in Murnau wird mit der Gründung des „Blauen Reiters“ zum Zentrum der künstlerischen Avantgarde, doch mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt es zum tragischen Ende ihrer Liebe. Erst nach Jahren bangen Wartens erfährt sie, dass Kandinsky in Russland eine andere Frau geheiratet hat. Dieser unverzeihliche Verrat stürzt sie in eine tiefe Krise, an der sie beinahe zerbricht. Ein echtes Highlight zum Ende des Romans hin ist die fesselnde Schilderung, wie Münter mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eichner mit beispiellosem Mut die „Entartete Kunst“ Kandinskys vor der Beschlagnahmung und Zerstörung der Nazis bewahrte und dadurch die Sammlung des Blauen Reiters für die Nachwelt rettete.
Der Roman lässt sich sehr angenehm lesen, und ist unterhaltsam und verständlich geschrieben. Insgesamt gelingt es der Autorin sehr gut, Münter mit ihrer vielschichtigen Persönlichkeit auf den verschiedenen Stationen ihres ereignisreichen Lebens für den Leser lebendig werden zu lassen. Die Autorin zeichnet ein einfühlsames, weitgehend authentisch wirkendes Bild einer talentierten Frau, die trotz ihrer Begabung stets im Schatten des weltberühmten Malers und Kunsthistorikers Kandinskys stand und der die künstlerische Anerkennung für ihre Werke verwehrt blieb. Entsprechend differenziert und feinfühlig wird die sich wandelnde Beziehung der beiden Künstler von er verliebten Anfangsphase, den späteren Reibereien bis hin zum qualvollen Auflösungsprozess beschrieben. Auch die übrigen Charaktere sind gut herausgearbeitet, und wirken lebendig und glaubwürdig.
In die Handlung eingestreut sind immer wieder mit „Galerie“ betitelte Kapitel, in denen verschiedene Gemälde von Gabriele Münter herausgegriffen und kenntnisreich beschrieben werden. So erhält der Leser einen aufschlussreichen Einblick in das künstlerische Schaffen und einige kunsttheoretische Hintergründe.
Etwas oberflächlich geraten sind die Schilderungen zur Entstehung der Künstlervereinigung »Blauer Reiter« und Hintergründe zu Ellas Stellung als talentierte, eigenständige Malerin im Umfeld der Münchner Künstler fehlen fast völlig. Leider hat die Autorin Münters neu erwachte Schaffenskraft nach dem 1. Weltkrieg weitgehend ausgespart, so dass der Eindruck erweckt wird, dass Münters breitgefächertes Werk mit ihrer Beziehung zu Kandinsky endete.
Wie so häufig bei Romanbiografien ist es schwierig, tatsächlich Geschehenes bzw. historisch Verbürgtes von der fiktionalen Fantasie der Autorin zu unterscheiden. Daher ist es schade, dass in ihrem Nachwort keine weitere Erläuterungen zu ihrer Recherchearbeit zu finden sind und auch ein Literaturverzeichnis zu ihren herangezogenen Quellen fehlt.

FAZIT
Eine unterhaltsame Romanbiographie über Gabriele Münter und zugleich ein faszinierendes Porträt einer großen Malerin und eigenwilligen Frau gefangen zwischen ihrer großen Liebe, Selbstverwirklichung und gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit!
Ein lesenswerter Roman, der dazu anregt sich weiter mit Gabriele Münter und ihrem facettenreichen Werk zu beschäftigen.