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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2020

Berührende und urkomische Geschichte

Pandatage
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Seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau Liz vor etwas mehr als einem Jahr läuft bei Danny Malooley alles schief. Er verliert seinen Bauarbeiter-Job, das Geld wird immer knapper und sein Vermieter droht ...

Seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau Liz vor etwas mehr als einem Jahr läuft bei Danny Malooley alles schief. Er verliert seinen Bauarbeiter-Job, das Geld wird immer knapper und sein Vermieter droht ihm damit, ihn aus der Wohnung zu werfen, wenn er nicht schleunigst die Miete zahlt. Am schlimmsten ist aber, dass er kaum noch eine Verbindung zu seinem kleinen Sohn Will hat, der seit dem Tod der Mutter aufgehört hat zu sprechen.
Doch da kommt Danny die rettende Idee, als Straßenkünstler Geld zu verdienen. Von seinem letzten Geld kauft er ein schäbiges Pandakostüm für eine Tanzbär-Nummer.
Dumm nur, dass er überhaupt nicht tanzen kann...

In seinem gelungenen Roman “Pandatage” erzählt der britischen Autor James Gould-Bourn eine wunderbar berührende Vater-Sohn-Geschichte, in der es um Trauerbewältigung geht, und zugleich eine warmherzige Story voller Lichtblicke und Hoffnungsschimmer.
Ein tolles Buch, das man mit einem lachendem und weinendem Auge liest, denn die Geschichte ist einerseits voller Tragik und Emotionen, bietet aber andererseits auch mit britischem Humor und viel Situationskomik jede Menge witzige Unterhaltung.
Sehr zu Herzen gehen die einfühlsam geschriebenen Szenen, in denen der Autor schildert, wie Vater und Sohn nicht mehr miteinander klar kommen und beide in ihrer Trauer um die verstorbene Liz gefangen sind. Doch bevor die Stimmung zu bedrückend und traurig wird, sorgen absolut schräge Szenen und die eigenwilligen Charaktere wie die Nachtclubtänzerin Krystal und Dannys russischer Freund vom Bau Ivan nebst Gattin Ivana für viel Abwechslung und sehr humorvolle Episoden.
Mal rührend und mal urkomisch – diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann und entwickelt ihren ganz besonderen Charme! Da ist es auch nicht weiter von Bedeutung, dass einige Entwicklungen vorhersehbar sind und die Handlung manchmal etwas zu überspitzt und Comedy-mäßig rüberkommt.
MEIN FAZIT
Ein witziger, warmherziger und berührender Roman – tolle kurzweilige Unterhaltung! Absolut empfehlenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.06.2020

Spannender Thriller

Der Fahrer
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Ein raffinierter Serienmörder geht in Hamburg um. Seine Opfer sind junge Frauen, die nachts unterwegs waren und den neuen Fahrdienst namens MyDriver genutzt hatten, um sicher nach Hause zu kommen. Nach ...

Ein raffinierter Serienmörder geht in Hamburg um. Seine Opfer sind junge Frauen, die nachts unterwegs waren und den neuen Fahrdienst namens MyDriver genutzt hatten, um sicher nach Hause zu kommen. Nach der Entführung der Frauen hat die Polizei 24 Stunden Zeit, um sie noch lebendig aufzufinden. Die Gesichter der aufgefundenen Opfer sind mit Leuchtfarbe bestrichen. Ebenfalls in Leuchtfarbe ist das seltsame Hashtag #findemich, das überall auftaucht und ein unmissverständliche Botschaft an die Ermittler ist. Während der fieberhaften Ermittlungen gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass diese Aufforderung direkt an Jens Kerner gerichtet ist. Wird es ihm gelingen, das perfide Spiel des Täters zu stoppen?
Mit seinem neuen Thriller “Der Fahrer” enttäuscht Bestsellerautor Andreas Winkelmann seine Fangemeinde nicht, fesselt er doch von Anfang an und lässt einen nicht mehr los.
Auch der dritte Fall für das sympathische Ermittlerduo Jens Kerner und Rebecca Oswald verspricht eine Menge Nervenkitzel. Andreas Winkelmann hat wieder einmal ein packendes Szenario ersonnen, denn ein Serienmörder ist auf einem privaten Rachefeldzug gegen den Ermittler Jens Kerner. Mit dem kurzen Prolog, der sich dem Leser erst viel später erschließt, erzeugt Winkelmann von Anfang an Spannung und zieht den Leser sofort in den Bann. Zudem ist Andreas Winkelmanns Schreibstil gewohnt gut zu lesen, so dass die 400 Seiten nur so vorbeifliegen.
Der Thriller ist hoch spannend und raffiniert konstruiert. Das rasante Tempo, rasche Perspektivwechsel und Cliffhanger am Ende der recht kurzen Kapitel sorgen für viel Dynamik.
Der raffinierte Mörder ist dem Ermittlerteam stets eine Nasenlänge voraus und lässt sie kaum zum Verschnaufen kommen. Die eingeschobenen Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt geben nach und nach seine Beweggründe preis, zeigen seine Gefährlichkeit und sorgen für richtiges Gänsehautfeeling.
Jens Kerner als grundsympathischer, etwas unnahbarer Charakter und auch seine Kollegin Rebecca Oswald ergänzen sich sehr gut und geben ihr Bestes, das perfide Katz-und-Maus-Spiel des Täters zu durchschauen, haben aber beide auch mit privaten Herausforderungen zu kämpfen. Die Einblicke in Kerners Vergangenheit haben mir gut gefallen und geben der Figur mehr Profil. Aber auch die weiteren Figuren sind gut getroffen und passen perfekt zur Szenerie dieses Thrillers.
Die bedrohliche Atmosphäre, überraschende Wendungen und stetig steigende Spannungskurve tragen dazu bei, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Nach einigen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen konnte mich Winkelmann mit der Auflösung doch sehr überraschen.

MEIN FAZIT
Rasante, spannende und packend geschriebene Thrillerunterhaltung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2019

Arena der Grausamkeiten

Die Arena: Grausame Spiele
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London in naher Zukunft:
Die Gesellschaft ist in zwei Klassen gespalten: Die Pures als Elite führen ein komfortables und luxuriöses Leben, während die Dregs als Ausgegrenzte und mittellose Geächtete ein ...

London in naher Zukunft:
Die Gesellschaft ist in zwei Klassen gespalten: Die Pures als Elite führen ein komfortables und luxuriöses Leben, während die Dregs als Ausgegrenzte und mittellose Geächtete ein Dasein am Rande der Gesellschaft fristen. Viele talentierte Kinder der Dregs werden ihren Familien entrissen, um in einem Wanderzirkus für die sensationslüsternen Pures aufzutreten. Die jungen Artisten blicken jedoch bei ihren Auftritten stets dem Tod ins Auge, denn in der Arena müssen sie sich gegen hungrige Löwen behaupten oder waghalsige Hochseilakte absolvieren.
Auch die junge Dreg Hoshiko muss jeden Abend als Hauptattraktion auf dem Hochseil Unglaubliches vollbringen. Jeder Auftritt könnte ihr letzter sein, denn sie muss ihre Kunststücke in 15 Meter Höhe ohne Fangnetz vorführen.
Der Teenager Ben, Sohn einer hochrangigen Pure-Politikerin, besucht zum ersten Mal den Zirkus, fühlt sich sofort zu der faszinierenden Hoshiko hingezogen und ist schockiert vom dekadenten Amüsement der Pures. Ben beginnt das Leben der privilegierten Klasse immer mehr zu hinterfragen und möchte Hoshiko helfen. Doch er ahnt nicht, dass er sich damit in tödliche Gefahr begibt…
„Die Arena - Grausame Spiele“ von der Engländerin Hayley Barker ist der fesselnde erste Teil einer dystopischen Dilogie für jugendliche Leser*innen ab 12 Jahren. Die Autorin hat für ihren Jugendroman ein originelles, vielversprechendes Zirkus-Setting vor der düsteren, bedrückenden Kulisse einer rassistischen Zweiklassengesellschaft in einer nicht allzu fernen Zukunft gewählt. Allerdings kommt ihre Geschichte mit einigen sehr grausamen und brutalen Szenen daher, die verstören und nichts für empfindliche Gemüter sind. Es ist aber auch eine aufrüttelnde und sehr aktuelle Geschichte, die auch junge Leser sensibilisiert und zum Nachdenken über Klassenunterschiede, Rassismus und die Ausgrenzung Andesartiger in der Gesellschaft anregt.
Das besondere Flair der faszinierenden Zirkuswelt konnte mich anfangs sehr fesseln, auch wenn doch einiges an „Hunger Games“ erinnert. Die Autorin führt uns die intolerante und menschenverachtende Einstellung der elitären Pures gegenüber den Dregs sehr anschaulich vor Augen, die in der reinrassigen Gesellschaft als minderwertig angesehen, diskriminiert und ausgebeutet werden.
Leider ist es Barker aber nicht gelungen, ihre interessante Ausgangsidee in eine außergewöhnliche und stimmige Geschichte umzusetzen. Die von ihr aufgezeigten gesellschaftskritischen Aspekte werden nur oberflächlich angerissen und die Hintergrundgeschichte ist insgesamt zu wenig ausgearbeitet. So werden zum Beispiel die Ursprünge für die Rassentrennung und menschenverachtende Politik der Pures nicht näher erläutert. Auch der eigentliche Handlungsverlauf erscheint oft wenig einfallsreich, vorhersehbar und ist ohne große Überraschungen oder Wendungen umgesetzt.
Durch die oft kurzen Kapitel und raschen Szenenwechsel kommt schnell Tempo und Spannung auf. Der mitreißende Schreibstil der Autorin ist zwar einfach gehalten, lässt sich aber angenehm lesen.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive der Hauptfiguren Hoshiko und Ben, wobei sich die Erzählperspektiven teilweise auch überlappen. Sehr fesselnd ist es mitzuerleben, wie die so gegensätzlichen Welten der beiden zusammentreffen und die beiden Protagonisten schließlich zusammenfinden.
Hoshi ist eine interessante Protagonistin, die eine knallharte, nervenstarke und mutige Seite hat, aber zugleich auch sehr mitfühlend und verletzlich ist – eine sympathische Heldin und Kämpferin, die man schnell ins Herz schließt. Ben hingegen lernen wir als angepassten, verwöhnten Pure kennen, der erst durch die schockierenden Erlebnisse beim Zirkus-Besuch und die schicksalhafte Begegnung mit Hoshi sein Leben zu hinterfragen beginnt. Schon bald setzt bei Ben eine erstaunliche Entwicklung ein, die sich in seinem aufmüpfigen Verhalten seiner dominanten Mutter gegenüber und seiner Auflehnung gegen das ungerechte Klassensystem zeigt. Schade, dass die Ausarbeitung der beiden Charaktere doch etwas flach geraten ist, denn hätte ich gerne noch mehr über Bens innere Konflikte und Ängste erfahren.
Trotz der zwei Erzählperspektiven ist der Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Hauptfiguren aber leider sehr oberflächlich. So konnte ich einige charakterliche Entwicklungen der Figuren und Beweggründe nicht ganz nachvollziehen, während einige Reaktionen in der geschilderten Situation sehr unpassend scheinen. Vor allem wirkte ihre plötzliche Insta-Love-Geschichte auf mich sehr überstürzt und klischeehaft.
Der erste Band der Dilogie endet in einem ziemlich rasanten Finale, das an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten ist. Der fiese Cliffhanger am Ende macht neugierig auf eine Fortsetzung der Dystopie. Ich bin gespannt, wie es für das ungleiche Paar weitergehen wird und hoffe sehr, dass die Autorin nach diesem durchwachsenen Auftakt das Potential ihres tollen Settings nutzt und ihre vielversprechende Geschichte im 2. Teil etwas tiefgründiger und stimmiger umsetzen wird.
MEIN FAZIT
Ein nicht ganz überzeugender Auftakt einer neuen YA-Dystopie mit einem faszinierenden Setting - aber leider auch einigen Schwächen bei der Charakterzeichnung und im Plot. Schade hier wäre mehr dringewesen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2019

Mitreißendes, unterhaltsames & sehr berührendes Hörerlebnis

Alles nur aus Zuckersand
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Ostdeutschland, 1979:
Der zehnjährige Fred und sein bester Freund Jonas wachsen in Falkenwerder in der DDR nahe der deutsch-deutschen Grenze auf. Jeden Tag erleben sie neue Abenteuer – vor allem, wenn ...

Ostdeutschland, 1979:
Der zehnjährige Fred und sein bester Freund Jonas wachsen in Falkenwerder in der DDR nahe der deutsch-deutschen Grenze auf. Jeden Tag erleben sie neue Abenteuer – vor allem, wenn sie auf dem verlassenen Fabrikgelände spielen, denn dies ist ihnen strengstens verboten. Als Jonas' alleinerziehende Mutter jedoch einen Ausreiseantrag stellt, ändert sich für die beiden unzertrennlichen Freunde alles. Ab sofort soll Fred zu seinem Freund Jonas keinen Kontakt mehr haben und sein Vater will, dass er sich von „diesem Staatsfeind und Verräter“ lossagt. Als die beiden sich nur noch heimlich treffen können, schmieden sie einen tollen Plan und beginnen damit, einen Tunnel nach Australien zu graben. Denn eines ist ganz sicher - auch wenn Jonas mit seiner Mutter bald in die BRD ausreist und die DDR verlässt, Fred und Jonas werden immer Freunde bleiben und sich natürlich wiedersehen…
Der Regisseur und Drehbuchautor Dirk Kummer erzählt in seinem sehr berührenden Kinderbuch „Alles nur aus Zuckersand“ die bewegende Geschichte einer unzertrennlichen Freundschaft zwischen Fred und Jonas – zwei 10jährigen, Ende der 1970er Jahre in der DDR aufwachsenden Jungen.
Basierend auf seinem vielfach ausgezeichneten deutschen Fernsehfilm „Zuckersand“ aus dem Jahr 2017 hat Kummer nun den zeitgeschichtlichen Stoff erneut aufgegriffen. Viele Szenen aus dem ostdeutschen Familiendrama finden sich in seinem speziell für jüngere Leser ab 10 Jahren verfassten Roman wieder und sind in der einfühlsam und oft auch humorvoll erzählten Geschichte für die jüngere Leserschaft anschaulich und sehr kindgerecht umgesetzt. Trotz des eher einfachen Schreibstils ist die ergreifende Geschichte vor dem spannenden zeitgeschichtlichen Hintergrund sicher auch für interessierte Jugendliche und erwachsene Leser ansprechend und lehrreich.
Aus der kindlichen Sichtweise seiner jungen Hauptfigur Fred Ernst gelingt es Kummer sehr gut, den Alltag in der damaligen DDR einzufangen und auch jungen Lesern sehr authentisch vor Augen zu führen, wie sehr das politischen System das Leben jedes Einzelnen beeinflusste. So wird schnell deutlich, was es bedeutete, tagtäglich mit den besonderen Gegebenheiten des Sozialismus, der ständigen Beobachtung und Bevormundung von oben konfrontiert zu sein oder mit der fehlenden Reisefreiheit zu leben. Oder auch welche Auswirkungen es für diejenigen hatte, die nicht in der Partei waren und sich nicht System-konform verhielten - Außenseiter wie beispielsweise Herr Malek oder Jonas‘ Familie. Schnell ist man von den lebendigen, sympathischen Charakteren und ihren Schicksalen gefesselt. „Dort, wo unsere Hauptstrasse zu Ende ist, beginnt Westberlin. Es ist ein anderer Staat. Ausland. Unerreichbar wie Mauritius. Mein bester Freund Jonas erzählt mir viel über die Grenze zwischen Ost und West. Zu Hause reden wir gar nicht darüber.“ Einfühlsam und berührend erzählt Kummer von ihrer kindlichen Unbefangenheit, ihrem Mut und dem unerschütterlichen Glauben der beiden Jungen an ihre enge Freundschaft, die vielen Bewährungsproben ausgesetzt ist. Dennoch ahnt man, dass das unheilvolle Ende ihrer unbeschwerten Kindheit herannaht und ihre Freundschaft durch weit mehr als eine unüberwindbare, physische Grenze getrennt wird.
Sehr gelungen ist auch die Umsetzung des Romans als 120 minütiges Hörbuch, das bei Silberfisch-Hörbuch als leicht gekürzte Lesung herausgebracht wurde. Mit dem bekannten Schauspieler, Regisseur und versierten Hörbuchsprecher Charly Hübner hat man eine hervorragende Besetzung gefunden. Mit seinem lebendigen, facettenreichen Vortragsstil sorgt er auch für jüngere Kinder für ein mitreißendes und sehr unterhaltsames Hörerlebnis. Rasch nimmt Hübner seine Hörer mit einer angenehmen Erzählstimme mit in Freds und Jonas Welt, und dank der lebendig vermittelten Figuren man nimmt Anteil an ihrem Alltag und ihren Träumen. Der Hörer schlägt sich schnell auf die Seite der beiden sympathischen Freunde und hofft, dass sie einen Weg finden werden, weiterhin in Kontakt zu bleiben.

MEIN FAZIT
Ein fesselnder, berührender Roman für Kinder ab 10 Jahren über eine wundervolle, „grenzenlose“ Freundschaft und mitreißendes, sehr unterhaltsames Hörerlebnis!

Veröffentlicht am 14.09.2019

Außergewöhnliche Geschichte eines Sklavenjungen

Washington Black
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Barbados, 1830: Der elfjährige schwarze Sklavenjunge Wash, der von seinem Master eigentlich den Namen George Washington Black erhalten hat, lebt seit seiner Geburt unter unmenschlichen Bedingungen auf ...

Barbados, 1830: Der elfjährige schwarze Sklavenjunge Wash, der von seinem Master eigentlich den Namen George Washington Black erhalten hat, lebt seit seiner Geburt unter unmenschlichen Bedingungen auf einer Zuckerrohrplantage in Barbados. Als er Christopher Wilde, einem Naturforscher, Entdecker und Erfinder, zum Diener ausgewählt wird, befürchtet er Schlimmstes. Zu seiner großen Überraschung ist der Bruder des neuen brutalen Plantagenbesitzers ein sehr außergewöhnlicher Mensch und erweist sich als ausgesprochener Gegner der Sklaverei. Bald eröffnet sich dem wissbegierigen Wash eine völlig neue Welt. Als sein Assistent und Diener lernt er nicht nur Lesen und Schreiben, hilft „Titch“ beim Bau eines Luftschiffs und entdeckt sogar ein ganz besonderes Talent in sich. Nach einem folgenschweren Unfall und der Verkettung unglücklicher Umstände müssen die beiden mit ihrem „Wolkenkutter“ Hals über Kopf von der Plantage fliehen. Es ist der Beginn einer abenteuerlichen Flucht, die Wash nicht nur in die Freiheit sondern auch um die halbe Welt führen wird.

„Washinghton Black ” ist das neue Werk der kanadischen Autorin Esi Edugyan, das im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den renommierten Man Booker Prize zu finden war. Hierbei handelt es sich um einen außergewöhnlichen, sehr mitreißend und wortgewaltig erzählten Roman, der eine interessante Mischung aus amerikanischer Historie, Abenteuerroman, Liebesgeschichte und sogar einigen fantastisch-mystischen Elementen ist.
Die Autorin beleuchtet in ihrem Roman nicht nur die Auswirkungen der Sklaverei auf die unterdrückten Slaven, sondern befasst sich auch mit der menschenverachtenden Einstellung und der Rolle, die die Weißen in diesem ausbeuterischen System hatten.
Die im Rückblick aus der Sicht des jungen Protagonisten Wash in der Ich-Perspektive erzählte Geschichte beginnt mit dem unglaublich leidvollen, schockierenden Leben des Sklavenjungen auf der Plantage in Barbados. Eindringlich und ungeschönt führt uns die Autorin das Schicksal der Sklaven vor Augen, die alltäglich Opfer von unsäglicher Willkür, Brutalität, und Gewaltexzessen auch von Seiten anderer Sklaven sind. Trotz aller Unmenschlichkeit in seinem Umfeld erfährt Wash als Sklavenjunge auch Mitgefühl, Schutz und liebevolle Fürsorge von seiner Ziehmutter Big Kit und von Titch, der ihn zu seinem Assistenten ausgewählt und unter seine Fittiche genommen hat. Durch die Arbeit mit dem Wissenschaftler und Naturforscher Titch eröffnen sich Wash ganz neue Perspektiven, die ihm später ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit erst ermöglichen. Gut kann man sich in die wechselnden Emotionen des Jungen hineinversetzen, der erstmals eine Art Freundschaft, Vertrauen und Loyalität kennenlernt.
In dem gelehrigen Jungen schlummert jedoch ganz unerwartet auch ein einzigartiges, künstlerisches Talent, das er später als wissenschaftlicher Illustrator perfektionieren kann.
MEIN FAZIT
Eine mitreißende, einfallsreiche und leider auch abschweifend erzählte Abenteuergeschichte - mit einem außergewöhnlichen Helden auf der Suche nach Freiheit und nach sich selbst.

  • Cover
  • Idee
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre