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Veröffentlicht am 11.06.2019

Ein cooler Fall für Garvie „Sherlock“ Smith

Running Girl
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Der 16jährige Garvie Smith sieht nicht nur richtig gut aus, er hat auch noch ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an seiner Schule gegeben hat, allerdings auch absolut miese Noten. ...

Der 16jährige Garvie Smith sieht nicht nur richtig gut aus, er hat auch noch ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an seiner Schule gegeben hat, allerdings auch absolut miese Noten. Garvie fühlt sich völlig unterfordert und ist von seinem ereignislosen Alltag an der Marsh Academy total genervt. Lieber beschäftigt er sich mit hochkomplexen mathematischen Problemen und hängt zum Ärger der Mutter mit seinen zwielichtigen, saufenden und kiffenden Kumpels ab.
Doch als eines Tages seine hübsche Ex-Freundin Chloe, eine eher unbeliebte aber sehr talentierte Sportlerin, vom Joggen nicht heimkommt und ihre Leiche später in einem Teich entdeckt wird, ist das Interesse des cleveren Garvie geweckt und Langeweile passé. So beginnt er kurzerhand mit seinen eigenen Nachforschungen und lässt den Unterricht einfach sausen. Als der junge Detective Inspektor Singh mit seinem Team bei den Ermittlungen wichtige Hinweise übersieht und einfach nicht weiterkommt, hat Garvie gar keine andere Wahl, als ihnen bei der Tätersuche ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Schließlich hat er den besseren Durchblick, zieht die richtigen Schlussfolgerungen und ist der Polizei bald immer eine Nasenlänge voraus. Dummerweise bringt ihn seine dreiste, hartnäckige Art aber auch in große Schwierigkeiten ...

”Running girl” ist der vielversprechende Auftakt der neuen „Garvie-Smith-Mysteries“-Reihe von Simon Mason. Das Buch ist ein sehr gelungener Krimi für Jugendliche ab 14 Jahren mit einem mitreißenden Schreibstil, einem spannenden und wendungsreichen Fall und der absolut coolen Hauptfigur Garvie Smith.
Mit seiner flotter Jugendsprache und spritzigen, authentischen Dialogen ist es Mason sehr gut gelungen, mich in seine unterhaltsame und humorvoll erzählte Geschichte zu ziehen.
Die mit witzigen Szenen gespickte Handlung entwickelt sich sehr temporeich, ist voller Rätsel und undurchschaubarer Spuren und so ist „Youngh Sherlock“ Garvie ganz schön gefordert, das düstere Geheimnis um das beinahe makellose Mordopfer zu ergründen.
Der Krimi lebt vor allem von seiner sehr charismatischen Hautfigur Garvie, der sehr lebendig und vielschichtig gezeichnet ist. Mit seinen außergewöhnlichen Talenten und trotz seiner Eigenarten wie sein obercooles, oft arrogantes Auftreten, muss man diesen Teenager einfach mögen. Beeindruckend sind seine geniale Beobachtungsgabe, brillante Kombinationsfähigkeit und sein wacher Verstand – alles beste Voraussetzungen, um diesen hochkomplexen Fall wie seine geliebten mathematischen Knobelaufgaben zu lösen. „Ein Ausdruck erschien auf seinem Gesicht, den seine Mutter schon lange nicht mehr gesehen hatte und den sie erst mit Verzögerung wiedererkannte. Es war nicht der übliche Ausdruck von blanker Langeweile, den sie so gut kannte, sondern so etwas wie Verblüffung – als wäre ihm, zum ersten Mal seit Jahren, etwas unter die Haut gegangen und würde ihn nachdenklich machen.“
Garvie ist ein starker Charakter, der während der Handlung eine interessante Entwicklung nimmt und am Ende sogar über sich hinauswächst. Sehr unterhaltsam ist vor allem die Interaktion und das Kräftemessen zwischen den charakterlich völlig unterschiedlichem Duo - dem cleveren, respektlosen und risikofreudigen Garvie und dem jungen sehr nüchternen DI Singh, der sich bei den Mordermittlungen mit seinem unflexiblen, rein kopfgesteuerten Ansatz äußerst inkompetent anstellt, wichtige Spuren übersieht und sich natürlich von einem frechen Teenager Garvie keine Tipps geben lassen möchte. Sehr gut hat mir gefallen, wie sich im Laufe der wendungsreichen Ermittlungen der abgeklärte, frostige Umgang der beiden miteinander schrittweise zu gegenseitigen Respekt und einer freundschaftlichen Beziehung wandelte.
Zum Ende hin gibt es eine sehr unerwartete Wendung, die Ereignisse überschlagen sich regelrecht und gipfeln in einem grandiosen Finale und einer überraschenden Auflösung.
Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung dieser tollen Krimi-Reihe, auf ein Wiedersehen mit dem charismatischen, aber keineswegs perfekten Garvie und einem neuen kniffligen Fall für ihn!

MEIN FAZIT
Ein spannender Krimi mit tollen, vielschichtigen Charakteren, einem komplexen Fall und witzigen Dialogen.
Nicht nur für Jugendliche lesenswert!

Veröffentlicht am 04.06.2019

Beklemmende Zukunftsvision

Dry
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KEIN WASSER. NICHT HEUTE. NICHT MORGEN. VIELLEICHT NIE MEHR.
Schon seit einiger Zeit herrscht in Kalifornien eine katastrophale Dürre, die zu einer drastischen Wasserknappheit — oder „Tap-Out“ wie es von ...

KEIN WASSER. NICHT HEUTE. NICHT MORGEN. VIELLEICHT NIE MEHR.
Schon seit einiger Zeit herrscht in Kalifornien eine katastrophale Dürre, die zu einer drastischen Wasserknappheit — oder „Tap-Out“ wie es von offizieller Seite genannt wird - geführt hat. Gesetzlich verordnetes Wassersparen ist angesagt mit einer endlosen Liste von Verboten, wie beispielsweise NICHT den Rasen sprengen, NICHT den Pool füllen oder NICHT ausgiebig Duschen. Doch mit dem Schlimmsten hat niemand wirklich gerechnet.
Als die junge Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, kommt plötzlich kein Wasser mehr. In den Nachrichten heißt es nur, dass die Einwohner Kaliforniens sich gedulden und Ruhe bewahren sollen. Als das Problem jedoch bestehen bleibt, setzt eine verzweifelte Jagd auf die letzten Wasservorräte in Supermärkten und Tankstellen ein, und Alyssas ruhige Vorstadt verwandelt sich plötzlich in eine bedrohliche Kriegszone. Ein gnadenloser Kampf um die letzten Wasservorräte und ums nackte Überleben hat begonnen …
Auch Alyssa, ihre Bruder und ihre Eltern haben sich schwerwiegenden Entscheidungen zu stellen …

Der Jugendroman „Dry“ des Bestsellerautors Neal Shusterman und seinem Sohn Jarrod ist eine aufrüttelnde Dystopie über die Auswirkungen einer plötzlichen Wasserknappheit, die vor der aktuellen Problematik des Klimawandels und sich häufender Naturkatastrophen erschreckend realitätsnah und gar nicht so weit hergeholt klingt. In ihrer erschütternden Überlebensgeschichte beschreibt das Autorenduo sehr anschaulich, wie sich durch den Ausnahmezustand der soziale Zusammenhalt zwischen den Menschen schlagartig wandelt, jegliche Hemmschwellen fallen und wozu die Menschen angesichts beschränkter Überlebenschancen fähig werden. Eine sehr beklemmende Thematik, die die Autoren äußert überzeugend umgesetzt haben. Hautnah erleben wir eine ganze Bandbreite an glaubhaften Szenarien und möglichen Verhaltensweisen mit, wenn trinkbares Wasser zum kostbarsten, weil überlebensnotwendigen Gut wird – von der nur noch auf den engsten Familienkreis beschränkten Hilfsbereitschaft und Solidarität oder kurzfristigen Zweckgemeinschaften, bis zum Einsetzen eines erschreckenden Werteverfalls, aber auch zu erstaunlichen, unter der Oberfläche schlummernden Kräften und dem Erfindungsreichtum der Menschen.
„Eine Katastrophe ist eine Sache, Unruhen eine andere, aber die komplette Auflösung der Gesellschaft? Ist es das, was wir gerade erleben? In meinem Kopf kreisen postapokalyptische Visionen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie real werden könnten… .“
Die Geschichte wird abwechselnd aus den unterschiedlichen Perspektiven einer zusammengewürfelten Gruppe von Jugendlichen erzählt, in deren Mittelpunkt die Protagonisten Alyssa, ihr jüngeren Bruder Garett und ihr Nachbar Kelton stehen sowie die später noch hinzukommende Jaqui und Henry. Ich konnte mich sehr gut in ihre verzweifelte Lage und ihre Beweggründe hineinversetzen und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung nachvollziehen. Sehr schnell beginnt man mit ihnen mit zu fiebern und stellt sich unwillkürlich die Frage, wie man sich selbst verhalten hätte, wie man den sogenannten „Wasserzombies“ begegnet wäre und welche grenzwertige Entscheidung man mitgetragen hätte. Gebannt verfolgt man den sehr authentisch und eindringlich geschilderten Ereignissen und unberechenbaren Extremsituationen, denen sie während ihrer nervenaufreibenden Suche nach Trinkwasser immer wieder ausgesetzt sind. Mit immer neuen Überraschungsmomenten zieht die Spannung stetig an und die Geschichte gipfelt in einem absolut packenden Finale. Über das Ende kann man zwar geteilter Meinung sein und auch die ein oder andere unlogische Entwicklung bemängeln, doch insgesamt ist „Dry“ ein wirklich packender und nachdenklich stimmender Roman.

MEIN FAZIT
Eine sehr realitätsnahe Dystopie und überzeugend umgesetzte Überlebensgeschichte, die nicht nur jugendliche Leser packen kann! Beklemmend, aufrüttelnd, fesselnd – lesenswert!

Veröffentlicht am 29.05.2019

Packende Dystopie

Cainstorm Island - Der Gejagte
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»Meine Zuschauer lieben die Gefahr. Zumindest, wenn ich sie erlebe und sie durch meine Augen dabei zuschauen dürfen.«
Der 17-jährige Emilio kennt nur eine geteilte Welt: auf der einen Seite Asaria - reich ...

»Meine Zuschauer lieben die Gefahr. Zumindest, wenn ich sie erlebe und sie durch meine Augen dabei zuschauen dürfen.«
Der 17-jährige Emilio kennt nur eine geteilte Welt: auf der einen Seite Asaria - reich und hochtechnisiert, auf der anderen Cainstorm Island - überbevölkert, verdreckt und verarmt. Emilio lebt in der Megacity Milescaleras auf Cainstorm Island und ihren Slums, die von skrupelosen Gangs beherrscht werden. Um die Schulden seiner Familie abzutragen geht Emilio in seiner Verzweiflung einen Deal mit der Firma Eyevision aus Asaria ein. Ein in seinem Kopf implantierter und an den Sehnerv angeschlossener Chip wird zukünftig täglich für eine halbe Stunde übertragen, was Emilio sieht. Die auf seinem Videokanal hochgeladenen Clips sollen waghalsige Kletter- und Trainsurf-Stunts zeigen, um die Zuschauerzahlen in die Höhe zu treiben. Denn je mehr Likes und Kommentare er hat, desto mehr Geld fließt - eigentlich eine einfache Sache für Emilio. Doch als Emilio während eines Livestreams den Bruder des Anführers der gefürchteten, brutalen Gang "Las Culebras" in Notwehr tötet, gerät er in größte Gefahr und sein Leben nimmt eine schreckliche Wendung. Rasant verbreitet sich das Video und Emilio wird zum Gejagten. Eine gnadenlose Hetzjagd auf Emilio beginnt. Doch nicht nur die Gang will seinen Tod, auch Millionen der Zuschauern aus Asaria fordern eine blutige Show und Eyevision wittert ein großes Geschäft ¿ "Cainstorm Island: Der Gejagte" ist der unglaublich fesselnde Auftakt einer dystopischen Reihe der deutschen Autorin Marie Golien, die auch Entwicklerin von interaktiven Anwendungen und Spielen ist. Goliens mitreißender Schreibstil lässt uns schnell abtauchen in die atemberaubende, packende Geschichte der Hauptfigur Emilio. Sehr anschaulich und faszinierend schildert die Autorin ihre in Arm und Reich geteilte Welt, so dass man schnell ein Bild von Emilios Heimat vor Augen hat - dem heruntergekommenen, überbevölkerten Cainstorm das ein beklemmendes 3. Welt-Szenario widerspiegelt. Und auf der anderen Seite das reiche Asaria "¿die Welt dort drüben ist völlig anders: Wolkenkratzer aus Glas, die sich wie Pflanzen mit der Sonne drehen. Parks mit Büschen, die unter ihren Blüten fast zusammenbrechen, Wasserfälle und tiefe Wälder mit seltsamen Tieren." voll gelangweilter, sensationsgieriger Menschen, die sich dank Eyevision online über ihre Eyewatch immer neue Nervenkitzel fordern - "....einfach nur eine habe Stunde spannendes Kino für die Zuschauer aus dem fernen Asaria liefern. Die würden meine Stadt, Milescaleras, gerne kennenlernen, aber nicht persönlich. Das wäre zu gefährlich, zu dreckig und zu ansteckend." Schon von Beginn an hat man einen besonders tiefen Einblick in Emilios Gedanken und Gefühle, da die Ereignisse aus seiner Sicht in der Ich-Perspektive geschildert werden. Durch die einfühlsame, vielschichtige Zeichnung des sympatischen Protagonisten fällt es leicht, sich in seine schwierige Lebenswelt hinein zu versetzen. Ein junger Mann, der waghalsige Abenteuer und die tagtäglichen Herausforderungen liebt, in seinem kurzen Leben schon viel Elend erlebt hat, sich von den Banden fernhält und einfach seiner Familie helfen will. Schon bald entwickelt sich die Geschichte zu einem actionreichen, rasanten Thriller, denn unversehens steht Emilio im Zentrum einer gnadenlosen und fast aussichtslosen Hetzjagd auf ihn und seine Familie. Sehr überzeugend stellt die Autorin ihren Held im emotionalen Ausnahmezustand dar zwischen Panik, verzweifelten Kampf und Resignation. Es ist eine unglaublich temporeiche, aufreibende Achterbahnfahrt auch für uns Leser, die alles hautnah miterleben und mit Emilio mitfiebern. Mit so einigen unerwarteten Wendungen wird die Spannung bis zum überraschenden Ende immer mehr gesteigert. Das abrupte Ende lässt uns schon voller Ungeduld auf die Fortsetzung warten.
MEIN FAZIT
Ein rasant erzählter, packender Auftakt einer neuen Dystopie-Reihe mit Pageturner-Qualitäten.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Tolles, unvergessliches Lesehighlight

Rückwärtswalzer
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Lorenz Prischinger, ein leidlich erfolgreicher Schauspieler, steckt in einer ausgewachsenen Lebenskrise - arbeitslos, pleite und frisch von seiner Freundin Stephi abserviert. Nur gut, dass seine drei alten ...

Lorenz Prischinger, ein leidlich erfolgreicher Schauspieler, steckt in einer ausgewachsenen Lebenskrise - arbeitslos, pleite und frisch von seiner Freundin Stephi abserviert. Nur gut, dass seine drei alten Tanten Mirl, Wetti und Hedi auch in Wien leben und in der Not auf die Prischinger-Schwestern Verlass ist. So kommt Lorenz vorübergehend bei seiner Tante Hedi und ihrem Lebensgefährten Willi unter. Doch als Onkel Willi plötzlich stirbt, kommt eine riesige Herausforderung auf sie alle zu, denn dieser wollte unbedingt in seiner Heimat Montenegro bei seiner Familie beerdigt werden. Dummerweise können sie aber das Geld für eine ordnungsgemäße Überführung nicht aufbringen. Um seinen letzten Wunsch zu erfüllen beschließen sie kurzerhand, Willis steifgefrorenen Leichnam mit ihrem kleinen Fiat Panda in den Balkan zu transportieren. So begibt sich die Familie Prischinger - die drei alten Schwestern auf der Rückbank und Willis Leichnam als schlafenden Senior mit Sonnenbrille und Kappe getarnt auf dem Beifahrersitz - auf ein über 1000 km langes, ereignisreiches Abenteuer in den Balkan ....
Von der jungen österreichischen Bestsellerautorin Vea Kaiser ist ein neuer, sehr unterhaltsamer Roman erschienen - „Rückwärtswalzer“ ein tolles, bewegendes Familienepos eingebettet in einen überdrehten, witzigen und sehr turbulenten Roadtrip als Rahmenhandlung.
Vea Kaiser ist in ihrem Roman eine wundervoll beschwingte Mischung aus urkomischen, amüsanten Elementen und schwierigen Themen wie Schuld, tragischem Verlust und Tod gelungen, die mich gerade mit den berührenden und nachdenklich stimmenden Momenten überzeugt hat.
Ihre mitreißende Geschichte über die aus dem niederösterreichischen Waldviertel stammende Familie Prischinger und ihr bewegendes Schicksal ist herzerwärmend und sehr humorvoll erzählt. In den eingeschobenen Rückblenden in die Vergangenheit, die über mehrere Jahrzehnte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart reichen, erfahren wir nach und nach immer mehr Details über das Leben dieser besondere Familie, die Hintergründe für ihre große Verbundenheit mit Willi aber auch die wohlgehüteten Geheimnisse der drei Schwestern Mirl, Wetti und Hedi.
Jeder von ihnen wird unweigerlich von den Seelen der Verstorbenen begleitet und hat mit prägenden Erlebnissen und Fehlern aus der Vergangenheit zu kämpfen, die tiefe Spuren bei ihnen hinterlassen haben.
Vor allem die sehr einfühlsam und vielschichtig ausgearbeiteten Charaktere der Hauptfiguren konnten mich mit ihrer Lebendigkeit, ihrem exzentrischen Verhalten, ihren witzigen Lebensweisheiten und ihren vielen originellen Geschichten sehr begeistern. Was auch immer in der Vergangenheit geschehen ist, die drei patenten Schwestern bieten allen Widrigkeiten die Stirn und halten in Notzeiten als Familie Prischinger zusammen, ganz nach ihrem tief verinnerlichten Credo "Wir sind eine Familie, niemand wird zurückgelassen." Und so habe ich bald mit ihnen gebangt und gehofft, dass ihr irrwitziger Roadtrip und Willis letzte Reise nach Montenegro einen guten Ausgang haben werde.
MEIN FAZIT
Ein außergewöhnliches, sehr unterhaltsames Familienepos – witzig, mitreißend geschrieben und sehr berührend. Ein tolles, unvergessliches Lesehighlight!

Veröffentlicht am 28.05.2019

DOGCHILD

Deathland Dogs
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Nach dem Untergang der Zivilisation befindet sich die Welt in einem desolaten Zustand. Im Niemandsland befinden sich die wenigen verbliebenen Menschen in ständigem Überlebenskampf um die vorhandenen Ressourcen ...

Nach dem Untergang der Zivilisation befindet sich die Welt in einem desolaten Zustand. Im Niemandsland befinden sich die wenigen verbliebenen Menschen in ständigem Überlebenskampf um die vorhandenen Ressourcen und müssen um rationiertes Nahrung und Wasser streiten. Doch bald sind auch die letzen Reserven erschöpft.
Der junge Jeet ist ein sogenanntes »Dogchild«, der von einem Rudel wilder, wolfsähnlicher Hunde – den Deathland Dogs – in einer öden Wüste aufgezogen wurde. Seit er von seinem Onkel Starry vor einigen Jahren wieder "rehumanisiert" wurde, lebt Jeet nun mit den letzten seines Volkes in einer alten, ummauerten Stadt am Rande der Deathlands, die von einem viel größeren feindlichen Clan – den Dau - belagert wird. Ein alles entscheidender Kampf zwischen seinen Leuten und den Dau steht bevor. Wegen seiner besonderen Fähigkeiten als Hundskind erhält Jeet vom seinem Clan-Anführer den gefährlichen Auftrag, aus der Siedlung der feindlichen Dau wichtiges Material für den bevorstehenden Kampf zu stehlen. Noch ahnt er nicht in welchen undurchsichtigen Machtkampf er unversehens hineingezogen wird…
“Deathland Dogs” ist das neue Werk von dem britischen Erfolgsautor Kevin Brooks und diese packende, sehr mitreißend erzählte Dystopie für Jugendliche ab 14 Jahren hat es wirklich in sich.
Wir erleben eine spannende, hochdramatische Abenteuergeschichte in einer unwirtlichen, apokalyptischen Welt voller Verrat, Intrigen, Brutalität, Gewalt und Tod!
Brooks erzählt trotz vieler blutrünstiger und brutaler Szenen auch die bewegende Geschichte von Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt, Liebe und vom Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Im Mittelpunkt steht die Hauptfigur Jeet - ein außergewöhnlicher Junge mit einzigartigen Fähigkeiten, der aber Schwierigkeiten hat, sich mit seiner Identität zu arrangieren. Noch immer schlummern die Urinstinkte als »Dogchild« in ihm, während er von den Menschen als Außenseiter gemieden wird und als Hundskind abgestempelt ist.
„Die meisten anderen Jüngeren zeigen ihre feindliche Haltung Hundskindern gegenüber nur dann wenn sie in halbwegs großen Gruppen auftreten – allein haben sie zu viel Angst sich gegen uns zu stellen.“
Erzählt wird Jeets Geschichte aus der Ich-Perspektive in Form von Tagebuchaufzeichnungen, die er auf Wunsch seines Clan-Anführers Gun Sur über die Ereignisse anfertigen soll. So erlebt man hautnah mit, welche Emotionen Jeet durchlebt, kann an seinen Gedanken teilhaben und fühlt sich bald mit ihm verbunden. Sehr glaubhaft und eindringlich beschreibt Brooks den Identitätskonflikt seiner sympathischen Hauptfigur. Jeet merkt bald, dass er durch seine Andersartigkeit einen besonderen Überlebensvorteil im bevorstehenden Konflikt hat, denn in kritischen Situationen kann er auf seine menschlichen Fähigkeiten und einzigartigen tierischen Instinkte vertrauen. Spannend ist es mitzuverfolgen, wie Jeet beginnt, das bestehende Machtgefüge zu hinterfragen, für die ihm wichtigen Menschen zu kämpfen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Oft ist es schwierig, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden, denn die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer mehr. Doch er kann nicht verhindern, dass er schließlich in eine fast aussichtslose Gewaltspirale hineingezogen wird.
Neben seinem dicht gezeichneten Protagonisten sind auch die übrigen Charaktere vor allem seine Gegenspieler sehr vielschichtig und lebensnah ausgearbeitet. Eine wichtige Nebenrolle in der Geschichte spielt Jeets eigentliche Hundemutter und ihr Rudel. Die enge Bindung zu ihr, die Interaktionen zwischen den Hunden und dem Hundskind sowie ihre Verständigung untereinander im Kampf ums Überleben hat Brooks glaubwürdig und mit viel Gespür eingefangen.
„Es war für meine Mutter nicht wichtig dass ich biologisch von Menschen abstammte. Auch wenn sie mich nicht zur Welt gebracht hatte war ich in ihrem Herzen ein Hund geworden. Sie hatte ihre uralte Seele an mich weitergegeben.“
Da die Geschichte in einer fernen Zukunft spielt, in der nur noch wenige Menschen lesen und schreiben können, hat Brooks im Original eine stark vereinfachte Schreibung verwendet. In der deutschen Übersetzung konnte dies allerdings lediglich durch fehlende Kommasetzung umgesetzt werden. Dieser eigenwillige Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig, doch dauert es nicht lange, bis man diesen problemlos lesen kann und in das Geschehen hineinfindet. Durch diese orthografische Eigenheit und den Erzählstil in Tagebuchform bekommt Jeets Geschichte einen sehr authentischen Touch.
Auch wenn im Mittelteil die Geschehnisse zeitweise etwas zu ausschweifend und sicher einigen Lesern zu langatmig wird, zieht das Tempo zum packenden Showdown immer mehr an, so dass man sich dem Sog der Geschichte einfach nicht entziehen kann.
MEIN FAZIT
Eine packende, schonungslos erzählte Dystopie für Jugendliche ab 14 Jahren mit einem außergewöhnlichen Helden! Lesenswert!