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Veröffentlicht am 01.10.2020

Sabine Priess – Klar bin ich von hier!

Klar bin ich von hier! Was ein schwarzer Junge in Deutschland erlebt (Kinder- und Jugendbuch)
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Es ist aktuell eigentlich nicht möglich, sich mit dem Thema Rassismus nicht zu beschäftigen. Auch ich rede darüber mit Freunden und Familie, doch dazu gelesen habe ich noch nichts. Weder Romane noch Sachbücher. ...

Es ist aktuell eigentlich nicht möglich, sich mit dem Thema Rassismus nicht zu beschäftigen. Auch ich rede darüber mit Freunden und Familie, doch dazu gelesen habe ich noch nichts. Weder Romane noch Sachbücher. Da kam die Rezensionsanfrage quasi gerade recht und ich taste mich langsam mit diesem Kinderbuch ans Thema heran.

Malik ist schwarz. In seinem Leben spielt das eigentlich keine Rolle. Warum auch? Seine Mutter ist weiß, sein Vater schwarz. Na und? Doch die Leute in seinem Umfeld reagieren auf den Fakt. Unbedachte Worte, penetrante Fragen und Übergriffigkeiten muss er immer wieder über sich ergehen lassen. Ob es das Anfassen seiner Haare ist, das Ausgrenzen von Spielen aufgrund seiner dunklen Haut oder das überraschende Antreffen beleidigender Bezeichnungen. Es nimmt den Jungen mit. Zum Glück hat er viele Leute, die ihm den Rücken stärken.

Ich bin weiß und ich komme aus einer Kleinstadt, in der es so gut wie keine schwarzen Menschen gab. Menschen anderer Nationen gab es bei uns generell sehr, sehr wenige. Ich bin mit dem Thema Rassismus also hauptsächlich über die Medien in Berührung gekommen. Das Bewusstsein für Alltagsrassismus entwickelte sich langsam nach und nach. Mit dem Umzug in eine Großstadt wurde alles dann wieder ein Stück präsenter.

Was ich von dunkelhäutigen Freunden hörte, spiegelt sich in dem Buch wider.
Das Buch wird für Kinder ab acht Jahren empfohlen. Ganz sanft werden in einzelnen Kapiteln Situationen beschrieben, die für Malik verletzend sind. Durch seine Eltern und Lehrer gibt es eine Instanz, die sowohl Malik als auch den Lesern mit einfachen Worten erklärt, warum bestimmte Dinge nicht gefragt oder gesagt werden sollten. Auch Handlungsalternativen und Antwortmöglichkeiten werden den Kindern an die Hand gegeben.

Es ist alles verständlich be- und geschrieben, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Beim (Vor-)Lesen erwischt sich der ein oder andere vielleicht auch selber, diese oder jene Aussage getroffen oder Frage gestellt zu haben.
Malik war dabei eine kleine, sympathische Hauptfigur, ein toller Junge, den ich auch mal ganz gern in den Arm nehmen wollte, wenn er traurig war, weil schon wieder gefragt hat, woher er denn nun wirklich kommt.

Unterstrichen war das Geschriebene an einigen Stellen mit Illustrationen von Hélène Baum, die immer gut passten. Mir persönlich gefiel der Stil der Bilder zwar nicht so richtig, aber das war nebensächlich.

Was nicht nebensächlich war, waren die beschrieben rassistischen Begebenheiten. Ich hätte es aber auch gut gefunden, wenn es ein oder zwei „härtere“ Geschichten gegeben hätte. Dabei meine ich keine ernste Gewalt, aber eben auch mehr als teilweise unbedachte Worte. Denn die Lebensrealität von schwarzen Menschen sieht ja leider nicht so aus, dass sie nur mit gemeinen Worten klarkommen müssen. Vor allem auch, wenn der Titelzusatz „Was ein schwarzer Junge in Deutschland erlebt“ lautet.
Zum Sensibilisieren und Aufmerksam-Machen ist „Klar bin ich von hier!“ aber natürlich trotzdem sehr gut geeignet.

Am Ende des Buches gibt es noch Unterrichtsideen für den Einsatz als Klassenlektüre zum Thema Alltagsrassismus, Diskriminierung und Diversität. Darüber hinaus gibt es zwei kenianische Rezepte.

Für mich gab es in dem Buch wenig neue Punkte, denn ich habe mich schon viel mit dem Thema auseinandergesetzt. Doch das Buch gibt Eltern und Lehrern etwas Tolles an die Hand, um Kindern zu zeigen, was Alltagsrassismus ist, wie man ihn vermeidet und wie man Freunden, die so etwas erleben müssen, helfen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2020

Ein Panda auf Abwegen

Brumm!
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Dr. Urs A. Podini ist Chef einer Agentur und am Ende des Tages nicht erfüllt. Trotz des Geldes, trotz der schönen Wohnung, trotz des guten Jobs – und ein bisschen wegen Karolin. Seine Freundin hält Urs ...

Dr. Urs A. Podini ist Chef einer Agentur und am Ende des Tages nicht erfüllt. Trotz des Geldes, trotz der schönen Wohnung, trotz des guten Jobs – und ein bisschen wegen Karolin. Seine Freundin hält Urs klein und übernimmt wie ein Feldwebel alles, was ihm gehört – selbst seine Gedanken gehören nicht mehr ganz ihm. Schon beim kleinsten egoistischen Gedanken gibt es von seiner inneren Karolin mittlerweile mächtig Ärger.
Doch dann zieht er durch eine Verkettung (un)glücklicher Zufälle ein Panda-Kostüm an und entdeckt den Bären in sich. Und damit entsteht eine Welle von Veränderungen in allen Lebensbereichen…

Ich bin weder ein Mann Ende 40 noch habe ich eine derartig anstrengende Beziehung, aber mit dem Agenturleben kann ich mich sehr gut identifizieren. Und da das Buch mit einer Szene aus dem Arbeitsleben beginnt, hatte es mich direkt.
Dass Urs recht fix an das Kostüm kam, tat sein Übriges. Ich war so gespannt, die Veränderungen, die sukzessive eintrafen, zu verfolgen. Denn der Panda bleibt kein verschämtes Bärchen, das nur zuhause den Fummel mal überwirft. Urs gerät – mehr unfreiwillig als freiwillig – in seiner neuen Wesenheit an die Öffentlichkeit. Und ab da entwickeln sich die Dinge rasant – jedoch nie unglaubwürdig. Da wird ein Strafprozess im Fursuit fast schon zur Nebensache.
Doch trotz der Fülle an Entwicklungen fühlte ich mich nicht durchs Buch gehetzt. Der Autor gab jeder Lage die Zeit, sich angemessen zu entfalten.

Auch wenn ich, wie bereits gesagt, an sich recht wenig mit Urs gemeinsam habe: Ich konnte mich gut mit ihm identifizieren – nicht nur wegen der Arbeit. Er war insgesamt eine tolle Figur, die ich gern begleitete – die ich am Ende sogar äußerst ungern losließ. Auch seine Wegbegleiter waren alle interessant, authentisch und gaben mir beim Lesen ein Gefühl von mittendrin statt nur dabei.

Was mich aber vielleicht am meisten überraschte war die Tatsache, dass ich regelmäßig laut lachen musste. Das hat sehr, sehr lange kein Buch mehr geschafft. Mit dem trockenen Humor und den überraschenden Pointen, konnte Helmut Barz mich wirklich begeistern. Der Humor war auch nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern saß pointiert an genau den richtigen Stellen.

Für mich hat das ganze Buch nur einen Kritikpunkt: In die Schreibart musste ich mich hineinfinden. Gerade am Anfang fühlte es sich manchmal so an, als müsste ich mich richtiggehend durch die Sätze arbeiten. Es dauerte gute 60, 70 Seiten, bis ich wirklich im Flow war. Ab dort las ich das Buch dann auch in drei Tagen fertig. Nur hin und wieder wurde ich durch vereinzelte Worte aus dem Lesefluss gerissen. Denn – ohne den Autoren persönlich zu kennen – ich würde behaupten: Er ist schlau (oder hat ein sehr gutes Synonym-Wörterbuch). Und das merkt man an vielen Stellen. Doch das Hineinstreuen von Fremdwörtern ist eben nicht immer der Schlüssel. Manches Mal fand ich es ein wenig drüber.

Insgesamt schmälert die Sprache aber natürlich nicht den Inhalt. Nachdem das Buch ein, zwei Tage gesackt ist, gefällt es mir sogar fast noch ein bisschen besser als direkt nach dem Beenden. Nur die Sprache und das Ende waren nicht gänzlich meins.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2021

Starke Story mit allerhand Schwächen

The Second Princess. Vulkanherz
10

Als ich das Cover sah, war ich sofort fasziniert. Es war so edel und düster und ich habe mir etwas Großes bei dem Buch versprochen. Die Leseprobe der ersten 40 Seiten bestätigte dann auch mein Gefühl und ...

Als ich das Cover sah, war ich sofort fasziniert. Es war so edel und düster und ich habe mir etwas Großes bei dem Buch versprochen. Die Leseprobe der ersten 40 Seiten bestätigte dann auch mein Gefühl und ich war sehr dankbar, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe.

Anders als andere Bücher über Monarchien spielt es im Hier und Jetzt. Ich mochte die Schlossatmosphäre sehr gern, aber es gibt auch Autos, Fernseher, Handys. Es ist überraschend keine Art Mittelalter zu bekommen, obwohl hier und da ein Gefühl dafür durchblitzt. Ich mochte den Bruch aber sehr gern. Es war mal etwas anderes.
Ebenso wie die Geschichte an sich. Ich mochte die Idee um die kleine Inselmonarchie mit all seinen Geheimnissen sehr. Um vieles wird sowohl von der Autorin als auch von den Figuren erst einmal ein Geheimnis gemacht, das der Leser erst nach und nach aufdeckt. Dabei spielen vor allem immer mehr Fantasyelemente eine Rolle.

Da ich eine Leserunde zu dem Buch hatte, steckte ich mir täglich 45 Seiten ab und die lasen sich immer super schnell. Ich mochte den bildlichen Schreibstil sehr gern.

Doch leider waren diese Punkte auch schon so ziemlich alles Positive, was ich sagen kann.

Schon mit den Figuren wurde ich nicht warm. Die Königin und die älteste Schwester Livia, die kurz vor ihrer Krönung zur Königin steht, fand ich unmöglich. Sie sind beide unangebracht gemein und kaltherzig. Es kann mir keiner sagen, dass ein Volk das von seinen Monarchen erwartet oder wünscht.
Saphina, die die Ich-Erzählerin ist, war anfangs noch ganz lustig und süß, doch umso weiter die Geschichte voranschritt, umso nervtötender und zickiger wurde sie. Natürlich hat sie einiges an Leid erfahren und die Wendung, die ihr Leben nimmt, nachdem sie in der Thronfolge aufrückt und zur Geheimniswahrerin der Bell-Familie wird, ist allumfassend und schwer. Aber ihr Verhalten ist damit trotzdem nicht in Einklang zu bringen. Ich dachte erst, dass ich sicher ins Herz schließen werde, aber dann wurde es immer distanzierter.
Und von Dante, der immer eng an der Seite der Familie, vor allem dann an der Seite von Saphina, ist, möchte ich fast gar nicht erst anfangen. Er ist total ambivalent und wankelmütig und man weiß nie, in welcher Stimmung man ihn als nächstes antrifft. Dabei lässt die Autorin dann aber trotzdem keine Klischees in Bezug auf sein Verhältnis zu Saphina aus.

So gern ich den Grundgedanken der Geschichte mag – sowohl die Ausgangssituation als auch die Entwicklung – so viel Unverständnis ruft sie auch in mir hervor. Von Saphina werden nach dem Aufrücken in der Thronfolge Sachen verlangt in ihrer neuen Rolle und dabei wird extrem viel Druck gemacht. Das ist aber total unnötig und unverständlich – es ergibt nur Sinn, wenn man den weiteren Verlauf der Story schon kennt. Da hat die Autorin mit brachialer Gewalt etwas aufgebaut, nur weil es für die Geschichte von Vorteil war, aber logisch reingepasst hat es nicht.
Ebenso wie der Fakt, dass Maylin, die ursprüngliche Nummer zwei, ihr Leben lang verbergen konnte, welche Geheimnisse der Familie sie bewahren muss.

Im Fortschreiten der Geschichte werden allerhand Gefahren angekündigt und künstlich aufgebauscht. Nichts davon konnte wirklich gehalten werden. Das meiste war viel zu kurz – und einfach – abgehandelt.

Man sieht, ich habe viele Kleinigkeiten, die mich wirklich gestört haben.
Ganz grob lässt sich mein Gefühl für „The Second Princess“ in zwei gegensätzlichen Stimmungen zusammenfassen:
1. Ich fand die Geschichte und die Idee cool und anders. Es gab ein paar neue Ansätze und interessante Wendungen. Die Spannung blieb manchmal etwas auf der Strecke, aber ich wollte immer weiterlesen und hatte so meinen Spaß.
2. Viele Dinge fand ich unrealistisch, unangenehm oder klischeehaft. Das Buch war auch trotz seiner 400 Seiten stellenweise zu dünn. Es hätten ein paar unwichtige Nebenhandlungen weggelassen werden können, damit die Hauptstory mehr Raum bekommt.

Die Kombination dieser beiden Punkte ergibt für mich 3,5 Sterne.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Fantasie
Veröffentlicht am 27.12.2020

Spannung zum Auspacken

Das Geschenk
0

Als ich das Buch begann, wusste ich zwei Dinge: Den Titel und dass viele Leute das Buch nicht gut bewerteten. Ich war also gespannt, was sich entwickeln wird.

Ich stürzte mich in das Abenteuer um Milan, ...

Als ich das Buch begann, wusste ich zwei Dinge: Den Titel und dass viele Leute das Buch nicht gut bewerteten. Ich war also gespannt, was sich entwickeln wird.

Ich stürzte mich in das Abenteuer um Milan, der mit aller Kraft versucht, seinen Analphabetismus vor seiner Außenwelt zu verstecken. Bisher ist er so ganz gut durchs Leben gekommen, doch plötzlich hält neben ihm ein Auto, auf dessen Rückbank ein völlig aufgelöstes junges Mädchen sitzt. Das wäre noch gar nicht so ungewöhnlich. Doch sie sieht Milan flehend an und hält einen Zettel an die Autoscheibe. Einen Zettel, den Milan nicht entziffern kann. Also folgt er dem Auto und auch wenn sich die Szene in Normalität aufzulösen scheint, bleibt sie Milan im Kopf. Also macht er sich mit seiner Freundin Andra auf, das Rätsel zu lösen. Dabei schlittert er in etwas, was sein komplettes Leben auf den Kopf stellen wird.

Wie immer hat Fitzek seiner Hauptfigur ein schweres Schicksal mit auf den Weg gegeben. Dieses Mal nicht in Form von toten Frauen oder Kindern, sondern in Form von Analphabetismus – und einer verstorbenen Mutter. Verhältnismäßig heil ist Milans Welt, bis sie vollkommen aus den Angeln gehoben wird und sich mit jeder Schicht, die er zusammen mit Andra freilegt, ein immer neues, grausames Detail ans Tageslicht kommt.

Ein wenig ist „Das Geschenk“ wie ein Road-Trip. Eine Fahrt von Berlin nach Rügen, getrieben von einem Mann mit einem Plan. Ein Plan, bei dem Milan nicht versteht, wie er dort hineinpasst. Warum ausgerechnet er?

Man lernt Milan mit einem Knall kennen, denn da er nicht Lesen und Schreiben kann, arbeitet er nicht. Er verdient sein Geld mit Überfällen. Die Kälte, mit denen er das plant und durchführt, hat geschafft, dass ich mich nie ganz auf Milan eingelassen habe, auch wenn er im Laufe des Buches immer nahbarer und verletzlicher wurde. Aber nicht unbedingt freundlicher.
Hier und da stießen ein paar Personen zum Ensemble dazu und jedem Einzelnen stand ich skeptisch gegenüber.

Die größte Kritik an dem Buch, die ich vor allem auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hörte, bezog sich darauf, wie konstruiert das Buch ist. Eigentlich kann ich darüber immer ganz gut hinwegsehen, doch bei diesem Buch fällt es mir zum ersten Mal schwer. Die unlogischen Zufälle häufen sich und manchmal will sich das auch das ganze Buch über nicht so recht zurechtruckeln. Wie immer passen am Ende alle losen Enden zusammen, aber so richtig viele gab es davon dieses Mal gar nicht. Im Prinzip war die Story recht limitiert und geradlinig mit wenigen Überraschungen.

Gut geschrieben war „Das Geschenk“ wie immer. Es ließ sich schnell und locker weglesen und ich blieb die ganze Zeit am Ball. Auch in den Lesepausen war ich mit den Gedanken beim Buch. Spannung kam auf, blieb aber permanent auf einem flachen Niveau. Fitzek löste dieses Mal nicht alles mit einem großen Knall am Ende auf, sondern im Laufe der Geschichte wurden immer mal Hinweise oder kleine Auflösungen gegeben.

Ganz besonders ist die Verpackung. Denn passend zum Namen gibt es einen Umkarton, den man wie ein Geschenk öffnen kann. Ich liebe dieses Detail.

Alles in allem wurde ich gut unterhalten. Eine interessante Geschichte mit einem ungewöhnlichen Protagonisten und einigen Fragen, bei denen man gut miträtseln konnte. Die Spannung war jedoch nicht auf einem überzeugenden Niveau und manche Ereignisketten waren dann doch zu unauthentisch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.10.2020

Poet X

Poet X
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Dieses Buch war ein absoluter Spontankauf im letzten Jahr. Es reizte mich schon so lange, also zog ich es jetzt spontan vom SuB, obwohl eigentlich andere Bücher dringender gelesen werden müssen.

Xiomara ...

Dieses Buch war ein absoluter Spontankauf im letzten Jahr. Es reizte mich schon so lange, also zog ich es jetzt spontan vom SuB, obwohl eigentlich andere Bücher dringender gelesen werden müssen.

Xiomara ist ihrer Meinung nach zu groß und zu kurvig für ihr Alter. Doch den obszönen Sprüchen der Jungs begegnet sie mit ihren Fäusten. Ihrer strenggläubigen Mutter hat sie jedoch deutlich weniger entgegenzusetzen. Sie soll sich um den Haushalt kümmern. Sie soll zum Kommunionsunterricht gehen. Sie soll still sein und sich zügeln. Xiomara sucht einen Ort, an dem sie ihre Gedanken lassen kann und findet ihn im Schreiben von Gedichten.

Die Wichtigkeit des Themas der Poesie erkennt man schon in der Form des Buches. Es gibt keine Prosa, sondern jedes Gespräch, jede Situation ist in Versform verfasst. Dabei gibt es keine Beschreibungen von Personen oder Räumlichkeiten, kein großes Abschweifen – X bleibt im Geschehen. Die Sätze sind kurz, abgehackt, passen sich der Form an.
Doch gerade diese Versform, die einen schon anspringt, wenn man das Buch das erste Mal aufklappt, hat eine falsche Erwartung in mir ausgelöst. Ich hoffte, relativ schnell Gedichte von Xiomara, von Poet X, zu lesen. Doch auch wenn die Form und die klaren, kurzen Sätze dafür sprechen: Gedichte bekommt man nicht ernsthaft zu lesen. Es reimt sich nichts, es gibt keine wiederkehrenden Muster, die man von hiesigen Poetry Slammern gewohnt ist.
Es ist einfach Xiomaras Leben. Verknappt.

Leider ist dieses Leben der Hauptbestandteil des Buches. Auch wenn Xio schreibt, um vor ihren Erlebnissen in der Schule und der Familie fliehen zu können – diese Erlebnisse nehmen fast die vollständige Geschichte ein.
Vor allem die Religiosität ihrer Mutter, die schon an Fanatismus grenzt, ist Dreh- und Angelpunkt des Buches. Alles muss sich an der Mutter messen lassen. Die aufkeimenden Gefühle für einen Mitschüler, der Wunsch dem Poetry-Slam-Club beizutreten und die Hoffnung, nicht an der Kommunion teilnehmen zu müssen. Immer wieder kommt es zurück auf die Mutter. Immer wieder stellt X ihre Wünsche und Begierden hintenan.
Ehrlicherweise wurde mir das schnell zu viel. Selbst wenn Xio eher meine Meinung zum Thema Religion vertritt, fühlte ich mich beim Lesen häufig in auswegloser Verzweiflung. Eingeengt von der Mutter. Demnach gut gemacht von Elizabeth Acevedo. Aber es nervte mich auch und brachte mich zum Kopfschütteln.

Letztlich ist es das: Ein Buch, das im Namen und in der Form „Poesie“ schreit und das dann keine Gedichte zeigt. Man erfährt von all den Gedichten, die Xiomara schreibt und vorträgt, bekommt aber selber keins zu Gesicht. Dafür erfährt man viel über die Einschränkungen, die ein junges, dominikanisches Mädchen mit einer strenggläubigen Mutter erlebt.
An vielen Stellen hat mich das Buch deswegen frustriert.

Aber trotz allem, trotz zu viel Religion und zu wenig Poetry Slam mochte ich das Buch irgendwie. Ich mochte Xiomara, denn obwohl sie auch gern ihre Fäuste sprechen ließ, konnte ich ihre Beweggründe verstehen. Ich mochte, wie schnell sich das Buch lesen lies und dass die Versform etwas Besonderes mit der Sprache machte. Das Negative, mein Kopfschütteln und Genervtsein kann ich aber nicht außer Acht lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere