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Veröffentlicht am 19.09.2018

Zuviel Unwichtiges, zuwenig Wichtiges, keine Auflösung

Idaho
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Inhalt

Ein flirrender Sommertag, eine Familie im Wald. Zwei Mädchen, die spielen, während die Eltern den Pick-up mit Brennholz für den Winter beladen. Die Luft steht, die Muter hat ein Beil in der Hand ...

Inhalt

Ein flirrender Sommertag, eine Familie im Wald. Zwei Mädchen, die spielen, während die Eltern den Pick-up mit Brennholz für den Winter beladen. Die Luft steht, die Muter hat ein Beil in der Hand - und von einer Sekunde auf die andere ist die Idylle für immer zerstört.

Eindruck

Nie hat ich mich so durch ein Buch quälen müssen wie durch "Idaho". Der Titel, die Aufmachung und die Beschreibung haben mich so neugierig auf
die Geschichte gemacht, doch es hat mich enttäuscht und verwirrt zurück gelassen.

Der Schreibstil steif und distanziert, ständige Zeitsprünge, die mir normalerweise gut gefallen, doch hier haben sie mich immer wieder aus dem Lesefluss
gebracht, Nebenstränge die meiner Meinung nach mit der Geschichte nichts zu tun haben und sie auch keinen Millimeter voranbringen und nicht einmal der
Ansatz einer Auflösung. Eine Protagonistin, die mir von Beginn an auf die Nerven ging, weil das Motiv ihres Handels für mich im Dunkeln blieb.

Die Beschreibungen der Landschaften und die Schwierigkeiten des einsamen Lebens auf dem Berg mit all seinen Widrigkeiten - vor allem im Winter - sowie Wades schleichender Verfall konnten mich für sich gewinnen.

Fazit

"Idaho" eine Geschichte die mich frustriert zurücklässt mit der Frage: "Was will mir die Autorin mit dieser Geschichte sagen?"

Veröffentlicht am 13.04.2018

Eine Prophezeiung, ein Lied, eine Vermächtnis

Der Glanz der Dunkelheit
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Inhalt

Lias Zukunft könnte so einfach sein. Rafe wünscht sich nichts mehr, als sie zur Königin an seiner Seite zu machen. Doch Lia spürt, dass andere Aufgaben auf
sie warten. Sie muss ihrem Heimatland ...

Inhalt

Lias Zukunft könnte so einfach sein. Rafe wünscht sich nichts mehr, als sie zur Königin an seiner Seite zu machen. Doch Lia spürt, dass andere Aufgaben auf
sie warten. Sie muss ihrem Heimatland zu Hilfe eilen. Für Morrighan würde sie notfalls auch in die Schlacht ziehen. Während sie Rafe schweren Herzens zurück-lässt und einer ungewissen Zukunft entgegenreitet, quälen sie viele Fragen. Kann sie es schaffen, den drei Königreichen Morrighan, Venda und Dalbreck endlich Frieden zu bringen? Wie soll sie im Kampf gegen ihren
Gegenspieler, den Komizar von Venda, bestehen? Und wird es für Rafe und sie eine Zukunft geben?

Eindruck

"Der Glanz der Dunkelheit" - gelungener Abschluß einer sehr tollen Reihe. Die Würfel sind natürlich gefallen und eins hat sich zum anderen gefügt. Die Guten
haben über das Böse gesiegt und auch die Liebe wurde gefunden, dort wohin sie jeweils gehört.
Es haben sich Konstellationen ergeben, mit denen eigentlich zu rechnen war und mit dem ein oder anderen muss man leben können. Ein geleuterter Attentäter ist nicht jedermanns Sache, aber aufgrund der riesen Entwicklungen, die jeder einzelne Charakter gemacht hat, empfand ich ihn als nicht mehr so sehr unangenehm. Mit Lia's Entscheidung über ihre Zukunft hätte ich niemals gerechnet, aber die Liebe zu einem Reich und seinen Bürgern hat gesiegt und das hat mich
sehr berührt und gefreut.

Der Beginn dieses letzten Bandes hat mich ein wenig irritiert, denn der Stil erschien mir anders als in den Bänden vorher. Teilweise ein wenig gehetzt, was
sich aber im Laufe der Handlung gegeben hat. Ich habe es dann als das genommen, was vermutlich transportiert werden soll und bei mir auch so ankam - nämlich die Vorbereitungen, der Stress und die Anspannung auf den letzten großen, alles entscheidenden, großen Kampf, bei dem es auf Leben und Tot gehen wird und der über die Zukunft und den Fortbestand aller Reiche entscheidet.

"Der Glanz der Dunkelheit" ist das Ende der Chroniken der Verbliebenen, allerdings bietet er auch viel Stoff für noch eine Fortsetzung - nämlich die Zeit der
Neuordnung...

Fazit

Sehr tolle spannende Reihe mit einem tollen Schreistil der den Leser in diese Welt eintauchen lässt, stark wachsenden Charakteren und den fesselnden alten
Texten, die dem ganzen eine sehr besondere Note geben. Ich kann die "Chroniken der Verbliebenen" ohne Wenn und Aber empfehlen und werde sie mit Sicherheit noch 1, 2 oder auch 3 mal lesen.

Veröffentlicht am 28.02.2018

Die Liebe tief im Inneren, die nimmt man mit

Die Farben im Spiegel
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Inhalt

Die 45-jährige Alev steht zwischen zwei Männern. Mit dem einen hat sie Kinder und einen gemeinsamen Alltag. Mit dem anderen, Koray, verbindet sie eine gemeinsame Kindheit und die erste Liebe. Seitdem ...

Inhalt

Die 45-jährige Alev steht zwischen zwei Männern. Mit dem einen hat sie Kinder und einen gemeinsamen Alltag. Mit dem anderen, Koray, verbindet sie eine gemeinsame Kindheit und die erste Liebe. Seitdem kreisen sie umeinandern, verlieren sich, können sich nicht vergessen.Die Geschichte einer liebe, die manchmal flüchtig ist und dennoch alles einfordert. Haben Alev und Koray noch eine Chance?

Eindruck

Flüchtig ist die Liebe manchmal vielleicht, aber es ist die einzig wahre, die große, die tiefe, die alles überdauernde und alles ertragende Liebe. Diese eine, die wahrscheinlich die wenigsten Menschen in ihrem Leben finden. Vorbehaltlos, bedingslos, kompromißlos. Wenn... ja, wenn wir sie nur erkennen, uns zu ihr bekennen und sie leben. Wenn wir die Gefühle unterdrücken, uns nicht trauen, dem anderen unser Innerstes zu offenbaren, leiden wir still und tief in uns selbst - ein Leben lang. Wenn wir begriffen haben, dass da ein Mensch ist, der im gleichen Takt funktioniert wie wir selbst, der uns versteht, den wir verstehen und bei dem wir das Gefühl haben zu Hause zu sein, dann sollte uns nichts davon abhalten, diesem Menschen unsere Liebe zu gestehen, egal was passiert, egal wie dieser Mensch zu uns steht. Nur wenn wir Gewissheit bekommen, können wir ein Leben mit oder ohne diesen führen. Doch die Ungewissheit es nicht einmal versucht zu haben, wird an uns nagen.

"Die Farben im Spiegel" ist jedoch nicht nur eine Geschichte über die eine wahre große Liebe sondern auch die Frage, welche Farben sehen wir wenn wir in den Spiegel schauen? Unsere oder die unserer Eltern? Ganz deutlich macht Deniz Selek, das wir die Verhaltensweisen, Lebenseinstellungen, Tradition aber vor allem auch die Fehler unserer Eltern aufsaugen wie ein Schwamm und ob wir wollen oder nicht, diese eins zu eins fortführen und an unsere Kinder weitergeben.

Dieses Buch wird meine zweite Bibel, denn es hat mir - wie kein anderes Buch bisher - die Augen geöffnet, dass ich Sklave meiner Erziehung bin, gefangen in den Mustern derer, die an mir herumgefeilt haben. Wenn ich meine eigenen Farben sehen will, muss ich anders handeln, muss für mich das angenehme und sinnvolle aus meiner Kindheit und Jugend herausfiltern und daraus meine bunte Palette zusammenstellen. Finde ich dann den richtigen Pinsel, male ich mir mit gekonnten Strichen ein Bild der Erfüllung und Zufriedenheit - egal wie alt ich bin, egal in welchem Leben ich gerade stecke.

Wie immer hat Deniz Selek gefühlvoll, liebevoll und ehrlich die deutsch/türkischen Kulturen vereint ohne die Schwierigkeiten zu verstecken, die sich nun einmal bei diesen großen Unterschieden ergeben. Aber wie schon in ihrem Roman "Die Frauen am Meer" macht sie deutlich, dass es funktionieren kann, wenn wir aufeinander zugehen. Und ihre Liebe zu beiden Wurzeln wird durch farbenfrohe Bilder und genussvolle kulinarische Beschreibungen deutlich. Deniz' Bücher liest man nicht nur, man fühlt, riecht und schmeckt sie - man GENIESST.

Fazit

Mein sechstes Buch von Deniz, dass ich niemals wieder hergeben werde, hüte wie einen Schatz und wieder und wieder lesen werde.

Veröffentlicht am 16.12.2017

Glaube, Aberglaube, Naturwissenschaft, Liebe

Die Schlange von Essex
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Inhalt

London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin ...

Inhalt

London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins gerät sie dort mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, beide fühlen sich
unaufhaltsam zum anderen hingezogen.

Eindruck

Sarah Perry hat einen sehr wort- und bildgewaltigen Schreibstil, der mir hier sehr gut gefallen hat und mich voll in das Setting - Essex im viktorianischen Zeitalter - hineingezogen hat. Es war nah, greifbar, faszinierend und gleichzeitig bedrückend. Denn die Rolle der Frauen war eben nicht die, mit der ich aufgewachsen bin. Umso mehr hat mich beeindruckt, dass die Hauptperson - Cora - nach dem Tod ihres Mannes das gesellschaftliche Korsett sprengen konnte und fortan ihre Interessen auslebte, sowie das Selbstbewußtsein
entwickelte, welches nach einer unterdrückenden und gewaltvollen Ehe nicht mehr vorhanden zu sein schien. So war es doch auch nicht verwunderlich, dass sie nicht wirklich getrauert hat und nach kurzer Zeit bereit für einen neuen Mann war - einen verheirateten Familienvater. Somit - vor allem zu der Zeit und für mich auch heute noch - eine Frage der Moral.

Die Kontroverse zwischen diesen beiden - Religion / Naturwissenschaft - kam mir leider zu kurz, denn der Fokus in dieser Geschichte lag eindeutig auf den vielen Facetten der Liebe, wie sie uns begegnet, uns erheben und zerstören kann. Perry hat ein gefühlvoll, emotionales und kompliziertes Geflecht von drei Menschen geschaffen, bei dem man sich die Frage stellen konnte, geht es um den Mythos der Schlange von Essex, handelt es sich um die Schlange aus dem
Paradies oder einfach um eine Geschichte wie sie tausendfach auf dieser Welt geschieht - Liebe. Und wenn sie drei Menschen in einem Geflecht getroffen hat, ist mindestens einer zuviel und bleibt auf der Strecke.

Viele weitere Protagonisten begleiteten Cora auf ihrem Weg. Zeitweise habe ich mich gefragt, warum und in welcher Form sie für die Geschichte von Bedeutung waren, aber nachdem ich die Geschichte sacken gelassen habe war die Antwort einfach. Auch sie stellten eine Form der Liebe dar und somit waren sie in ihrer Bandbreite wichtig.

Fazit

"Die Schlage von Essex", für mich ein kleines Schätzchen, dass ich mit Sicherheit noch mehrfach
lesen werden. Denn die Fragen die man sich stellt sind umfangreich und kompliziert zu beantworten. Liebe, leben und leben lassen, Moral, gesellschaftliche Konventionen - all das findet man in Essex. Sarah Perry ist eine Autorin die ich im Auge behalten werde.

Veröffentlicht am 26.11.2017

Liebevoll schrullig - JA, nervig - NEIN!

Britt-Marie war hier
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Inhalt

Britt-Marie ist pedantisch und ziemlich zugeknöpft, sagen die Leute. Britt-Marie hat wegen ihrer Ehekrise nichts mehr außer ihren Putzmitteln und ihren Balkonpflanzen. Borg hat wegen der Wirtschaftskrise ...

Inhalt

Britt-Marie ist pedantisch und ziemlich zugeknöpft, sagen die Leute. Britt-Marie hat wegen ihrer Ehekrise nichts mehr außer ihren Putzmitteln und ihren Balkonpflanzen. Borg hat wegen der Wirtschaftskrise nichts mehr außer ein paar Fußballverrückten und einem Jugendzentrum ohne Hausmeister.

Eindruck

Zu Beginn des Buches dachte ich, meine Güte ist die Protagonistin eine Nervensäge. Doch es ging relativ schnell, dass sie mich für sich eingenommen hat und das nervige einem schrulligen Charme gewichen ist. Diverse Ticks, die schon in der Kindheit vorhanden waren, haben sich durch ein Trauma manifestiert und sind mit ihr stetig gewachsen. Dann die erste Enttäuschung in der Jugend, die nächste in der Ehe... eine Frau ist auf dem Weg sich selbst zu finden und neu zu erfinden. Britt-Marie hat in Borg erfahren, das sie gebraucht und geliebt wird und das auf jede
erdenkliche Art und Weise wie die Liebe einem Menschen begegnen kann.

Backman nimmt seinen Leser mit auf die kleine abenteuerliche Reise von Selbstverwirklichung
und der Frage nach dem "Wer bin ich", "Was kann ich" und "Wo will ich hin". Die Frage danach, wo man im Leben steht, was hinter einem liegt und was man noch erleben möchte. Außerdem scheint er einen Hang zu seltsamen Orten zu haben, die am Rande dümpeln. Orte die eh nicht die große Attraktion sind und denen nichts geblieben ist, außer eine Sportart, die sie ein klein wenig wieder zu altem Glanz erheben könnte.

Die Charaktere sind sehr schön geschrieben und sehr vielfältig, so dass man sich bei ihnen und mit ihnen in Borg zu Hause fühlen kann, wenn man sie und den Ort in sein Herz lässt.

Fazit

Anrührender Roman mit Herz, Charme und Humor über die Stationen eines Lebens und wie man sich darin definiert. Über das Verlieren und Gewinnen und darüber, dass es für einen Neuanfang nie zu spät ist.