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Veröffentlicht am 30.09.2022

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Vega – Der Wind in meinen Händen
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Wie dringend wir Bücher wie dieses brauchen, ist wahrscheinlich nicht notwendig zu betonen. Leicht zu lesende Fantasy-/Sci-Fi-Romane, die trotzdem einen wahren Kern haben, wie hier den Klimawandel, der ...

Wie dringend wir Bücher wie dieses brauchen, ist wahrscheinlich nicht notwendig zu betonen. Leicht zu lesende Fantasy-/Sci-Fi-Romane, die trotzdem einen wahren Kern haben, wie hier den Klimawandel, der die Menschheit bedroht, erreichen die Leser auf einer emotionalen Ebene. Wahrscheinlich spricht "Vega" genau die Generation von "Fridays for Future" an. Das Cover ist auch im Manga-Stil gestaltet, so wie es vermutlich vielen jungen Leuten gefallen könnte.
Allerdings ist die erste Hälfte des Romans leider so unemotional geschrieben, dass es nicht leicht ist Sympathien für die Protagonisten oder Verständnis für deren Handlungen zu entwickeln. Vega als Hauptperson kommt dabei noch am besten weg, wobei auch bei ihr Motivation und vor allem Details zu ihrer besonderen Gabe fehlen. Warum kann sie den Wind beeinflussen, wie macht sie das? Es tauchen so viele Fragen auf, von denen leider auch im Laufe des Buches nur ein Bruchteil beantwortet wird.
Im Grunde beginnt die Handlung rasant. Bei einem von Vegas Einsätzen als Wettermacherin, also im Grunde als Regenbringerin für die verdorrten Städte, regnet es ätzende Tropfen. Dies veranlasst die zuständige Kontrollbehörde sie zu jagen. Es entspinnt sich eine Verfolgungsjagd, die Vega zum Glück nicht alleine bestreiten muss. Zufällig rettet sie Leo aus der Situation. Warum? Wieso hilft er ihr? Sehr lang erfährt man auch zu ihm nichts.
Erst gegen Ende nimmt die Story wieder Fahrt auf und einige Zusammenhänge werden aufgeklärt. Hierbei spielen auch Umweltaktivisten und korrupte Großunternehmen eine Rolle. Natürlich wird nicht alles verraten, denn es gibt einen zweiten Band, hier eingeleitet durch einen gemeinen Cliff-Hanger. Man muss dann auch Band 2 lesen, denn die Geschichte in Band 1 wirkt alles andere als abgeschlossen.
Ein wenig außergewöhnlich spielt dieser fast dystopische Roman in Deutschland. Allerdings hätte man durchaus behaupten können, es wäre ein anderes Land. Es gab keine charakteristischen Merkmale, die zu einer Identifikation hätten führen können.

Fazit: Es hätte so viel Potential gegeben, aber es schien als musste sich die Autorin selbst an ihre Geschichte gewöhnen und erst in Fahrt kommen. Details hätten besser ausgeschmückt werden und die Figuren mehr "Charakter" bekommen können. Das Thema rüttelt trotzdem auf und lässt einen über die verschwenderische Wassernutzung und generell den Klimawandel nachdenken. Hoffentlich macht Band 2 noch etwas gut.

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Veröffentlicht am 17.06.2022

Tradition oder Moderne, wer gewinnt gegen den Berg?

Vom Gehen und Bleiben
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"Der große Mocken hat dich ganz schön erschöpft, hm, tgigl? Stell dir nur vor, wie anstrengend so ein Bergsturz sein muss, du tust dir doch nur selbst weh. Bleib, wo du bist."

Denkt sich Ria, eine Bäuerin ...

"Der große Mocken hat dich ganz schön erschöpft, hm, tgigl? Stell dir nur vor, wie anstrengend so ein Bergsturz sein muss, du tust dir doch nur selbst weh. Bleib, wo du bist."

Denkt sich Ria, eine Bäuerin und junge Mutter aus dem schweizerischen Dorf Vischnanca, das von der zerstörerischen Kraft des benachbarten Piz Brunclia bedroht wird. Schon etliche Generationen ihrer Familie lebten im Dorf, der Berg kann sie nicht vertreiben.

Doch auch die neu zugezogene Familie aus Deutschland möchte ungern direkt wieder weg ziehen. Die Ingenieure kümmern sich schon darum.

In diesem Buch prallen Welten aufeinander. Tradition und Moderne, Bauern und Technik. Kann das gut gehen? Die LeserInnen werden mitgenommen in die Gedankenwelt der Dorfbewohner, alte und neue. Wie fühlen sie? Sind sie wirklich so verschroben und stur, was treibt sie an? Die eindrückliche Sprache der Autorin lässt die Menschen wirklich werden. Jeder neue erste Satz eines Kapitels bringt Bilder zum Leben, die manchmal fröhlich sind, oft bedrückend, meistens atmosphärisch. Die detaillierten Beschreibungen der Zustände lassen einen tief in die Materie eintauchen. Sind manchmal aber auch ein bisschen viel. Sie lassen die Handlung etwas stocken.

Petra Hucke geht das Thema Naturgewalt und Einfluss des Menschen recht pragmatisch an. Es wird nicht groß belehrt, aber aufmerksam gemacht. Sie lässt die junge Johanna in Social Media über den Berg berichten. Mit allen Höhen und Tiefen eines jugendlichen Lebens belastet ist dies keine leichte Aufgabe, wenn man kritische Menschen auf der Gegenseite hat. Dass man trotzdem etwas bewegen kann, bleibt am Ende stehen.

Auch die kleinen zwischenmenschlichen Tragödien der Dorfbewohner werden aufgegriffen und sind leitende Motive in der Geschichte. Lug und Betrug, Enttäuschung auf der einen Seite, aber auch Leidenschaft. Diese Episoden tauchen allerdings eher blitzlichtartig auf, sind also nicht tragendes Element. Ganz essentiell wird das Thema Zusammenhalt und Dorfgemeinschaft beleuchtet.

Eine Besonderheit des Buches ist die eingestreute Verwendung von Surmiran, einer Untergruppe des Rätoromanischen, der vierten offiziellen Sprache in der Schweiz. Wie bereits im Eingangszitat zu sehen. Dies belebt die Dialoge, macht sie sehr authentisch. Am Ende des Buches gibt es einen kurzen Abstecher mit Erklärungen, wie die Worte ausgesprochen werden und was einzelne Wörter bedeuten. Im Text ergeben sich die Bedeutungen meist.

Der Roman führt einem sehr deutlich vor Augen, was Heimat und Zugehörigkeit bedeuten kann. Heutzutage werden andere Kriterien angewandt als noch eine Generation vorher. Angenehm erschien mir, dass die Autorin keine Unterschiede im Bildungsstand vorgegeben hat, sondern vielmehr die Verbindung der Figuren zur Natur und Technik dargestellt hat und die daraus resultierenden Haltungen nachvollziehbar waren.

Fazit: Eine eindrucksvolle Geschichte, die gerade Stadtmenschen die Sicht auf das Dorfleben öffnet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wer die Berge liebt, wird das Buch in einem Rutsch lesen wollen. Wer allerdings große Spannung und tiefgreifende Beziehungsdramen erleben will, ist hier eher weniger gut bedient.

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Ein Porträt einer verlogenen Zeit

Die goldenen Jahre des Franz Tausend
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Mit großen Erwartungen bin ich an das Lesen dieses Buches heran gegangen. Nach "Der Tag X" war dieser Roman das zweite von Titus Müller geschriebene und mir gelesene Buch. Und der erst genannte Roman hat ...

Mit großen Erwartungen bin ich an das Lesen dieses Buches heran gegangen. Nach "Der Tag X" war dieser Roman das zweite von Titus Müller geschriebene und mir gelesene Buch. Und der erst genannte Roman hat mich damals restlos begeistert. Wird es dieses hier auch schaffen?

Teils, teils

Eindringlich bewegt haben mich wieder die historischen Begebenheiten, die wunderbar spannend, nah an den Figuren bzw. tatsächlich existenten Menschen und somit lebendig vermittelt werden. Es wurde eine gute Mischung verschiedener Charaktere gewählt. Der Hochstapler Franz Tausend, der sich als Chemiker verkaufte, der berühmte Literat Thomas Mann, der pazifistische Journalist Carl von Ossietzky und zuletzt der ehrbare Polizist Heinrich Ahrndt.

Nach einem etwas holprigen Start durch das erste Kapitel, wurde ich bald in die Geschichte hinein gezogen. Fand mich stets wandelnd auf verschiedenen Wegen, was manchmal zu ein wenig Verwirrung führte. Ab und an habe ich mich gefragt, ob ein Handlungsstrang weniger für mehr Klarheit gesorgt hätte und gleichzeitig mehr Raum für Details gelassen hätte.

Perfekt für Leser, die wissen wollen was damals war

Die klare Stärke von Müllers Romanen, so auch hier, ist die historische Wiedergabe von Fakten im schicken, lesbaren Kleid. Ich liebe Bücher, die mir etwas Neues vermitteln und hier bekommt man so einiges geboten, was in der Weimarer Republik an Unrecht passierte.

Etwas unzufrieden war ich letztlich damit, dass Franz Tausend insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spielte. Dafür, dass er groß auf dem Cover prangt, ist er nicht unbedingt die Figur, die mir nach dem Lesen besonders im Gedächtnis geblieben ist. Das war eher Carl von Ossietzky. Über seine Bedeutung und seinen Mut war ich bisher nicht im Bilde, das hat sich zum Glück nun geändert.

Fazit

Trotz einiger Abstriche durch abschweifende Nebenhandlungen und dadurch etwas verstrickte Geschichten, spreche ich eine klare Leseempfehlung für "Die goldenen Jahre des Franz Tausend" aus. Man benötigt sicherlich eine Portion Interesse für Politik und einen gesunden Gemeinschaftssinn, um mit den Figuren mitzuhalten, aber man wird mit einer vielfältigen und lehrreichen Geschichte um die Machtergreifung der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik belohnt, die einem aufzeigt, dass Unmenschlichkeit sich wiederholen kann, aber keineswegs sollte.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Der „Duke“ ermittelt im zerstörten Berlin

Pandora
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Dieser hochkarätige historische Krimi liefert so einiges: einen vertrackten Mord im Rotlichtmillieu, den täglichen Kampf im abgeschotteten Westsektor Berlins, eine brisante Aufdeckung eines medizinischen ...

Dieser hochkarätige historische Krimi liefert so einiges: einen vertrackten Mord im Rotlichtmillieu, den täglichen Kampf im abgeschotteten Westsektor Berlins, eine brisante Aufdeckung eines medizinischen Skandals und obendrein authentische Figuren, mit denen man rätseln, leiden und mitfiebern kann.

In diesem großartigen und historisch interessanten Debüt des Autorenduos Amber & Berg erhebt sich die gebeutelte Hauptstadt aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. An ihrer Seite steht die neu gegründete Mordinspektion West, die vor Kurzem Zuwachs durch Kommissar Stein bekam. Der Neue wird nicht gerade mit offenen Armen begrüßt, sind doch noch viele versteckte Nationalsozialisten unter den Polizisten, die den aus England kommenden Stein – alias „Duke“ - kritisch beäugen. Dies hindert ihn aber nicht daran den Mord am Bordellbesitzer Braunke aus allen möglichen Richtungen zu untersuchen.

Neue alte Leichen

Es ist eine kritische Zeit, ein Umbruch, in der alte Schuld aufgedeckt und neue Gerechtigkeit geschaffen werden muss. Stein und sein Kollege Wuttke müssen in diesem Gefüge ihren Platz finden, bleiben aber zum Glück ihrem Gewissen treu. Mir hat es außerordentlich gut gefallen, dass durch die unterschiedlichen Figuren und deren Vergangenheit die Konflikte zwischen Tätern, Opfern und auch Mitläufern der NS-Zeit herausgearbeitet wurden.

Normalerweise lese ich nicht so gerne Bücher über diesen Zeitraum, aber hier haben die Autoren es geschafft mich mitzureißen und gut zu unterhalten. Dies mag zum einen an der illustren Umgebung liegen, in der ermittelt wird. Zum anderen aber auch an der spannenden und schlüssigen Story. Außerdem mag ich es, wenn ich durch einen Roman etwas Neues erfahren kann, wie hier über die Schandtaten der Psychiater in den Wittenauer Heilstätten.

5-Sterne wohl verdient

Auch als reiner Krimileser, mit wenig Interesse für historische Fakten, wird man mit „Pandora“ sehr zufrieden sein. Der Mordfall entwickelt sich rasant und zieht immer weitere Kreise durch verschiedene soziale Schichten. Ich hatte schon bald einen Verdacht, der sich am Ende auch bestätigte, trotzdem bin ich gerne den Ermittlern Stein und Wuttke gefolgt. Und besonders die Gestaltung des Finales hat mir sehr gut gefallen, sodass ich bei einem weiteren Fall des „Duke“ gern wieder dabei bin.

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Veröffentlicht am 15.12.2019

Einschlafen mit der kleinen Maus

Wenn am Himmel Sterne stehen
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In kurzen Reimen und mit herzigen Illustrationen rund um die kleine Maus, ihre Freunde und Familie, wird in diesem Büchlein eine wundervolle Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

Den Kleinen wird gezeigt, dass ...

In kurzen Reimen und mit herzigen Illustrationen rund um die kleine Maus, ihre Freunde und Familie, wird in diesem Büchlein eine wundervolle Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

Den Kleinen wird gezeigt, dass nach dem Nach-Hause-Kommen, Ausziehen, Zähne putzen und Waschen wichtig sind, bevor es schließlich mit Mama und Papa ins Bettchen geht. Dazu werden den (weniger kreativen) Vorlesenden hilfreiche Hinweise gegeben, wie sie die Geschichte lebendiger vortragen bzw. mit Aktionen wie Streicheln, Nase anstupsen, usw. untermalen können.

Der Text ist kurz gefasst und gibt den schönen, natürlichen Bildern genug Raum um zu wirken. Im handlichen Format mit etwa 18x18 cm eignet sich dieses Buch auch gut, um im Bett gelesen zu werden.

Uns haben besonders die bunten, aber nicht zu grellen Farben und niedlichen Tierchen gefallen. Deswegen gibt es von uns auch 5 Sterne und eine herzliche Empfehlung an alle kleinen Leser ab etwa einem Jahr.