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Veröffentlicht am 01.08.2020

Das Buch, um das 21. Jahrhundert zu verstehen

Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert
1

Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert – Neue Erklärungsansätze zum Verständnis eines komplexen Zeitalters.

Vorausschicken möchte ich, dass ich das Buch bereits vor einigen Wochen ...

Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert – Neue Erklärungsansätze zum Verständnis eines komplexen Zeitalters.

Vorausschicken möchte ich, dass ich das Buch bereits vor einigen Wochen erhalten habe, es aber eine Sperrfrist gab, bis zum 24.07.2020. Bezogen habe ich das Buch über den Erich von Werner Verlag als Rezensionsexemplar. Das beeinflusst meine Meinung aber nicht. Aufmerksam wurde ich darauf über Auszüge, Fachartikel und Hinweise in verschiedenen Medien.



Worum geht es überhaupt?

Klappentext:

"Die Welt wandelt sich in rasender Geschwindigkeit. Alles dreht sich, wirkt aus den Fugen geraten. Eine Wirklichkeit, die nicht selten auf Unverständnis trifft und nach Erklärungen fordert. Diese gelingen aber oft nicht befriedigend, was die Frage aufwirft, ob sie ausreichend sind, um die komplexen Veränderungen darzustellen. Können sie das noch? Oder müssen sie weiterentwickelt werden? Bedarf es vielleicht anderer Ansätze, um das 21. Jahrhundert verstehen zu können?

Andreas Herteux schließt die offenen Lücken, offeriert eine Vielzahl von neuen bzw. weiterentwickelten Erklärungsansätzen für globale gesellschaftliche, politische sowie wirtschaftliche Phänomene und bietet damit eine faszinierende Sicht auf ein neues Zeitalter: das des kollektiven Individualismus."



Eigene (einfache) Worte:

Andreas Herteux, der Autor des Buches, beobachtet, was gerade so in der Gesellschaft passiert und bietet dafür neue oder bessere Erklärungen, die es größtenteils so noch nicht gab. Er beginnt mit der Gegenwart und entwirft am Ende eine mögliche Gesellschaft der Zukunft.



Wie anspruchsvoll ist das Buch zu lesen?

Hier hatte ich große Befürchtungen, da manche Büche und Artikel des Autors ganz gezielt ein wissenschaftliches Publikum ansprechen sollen, aber: Das Buch ist auch für normale Menschen gut zu lesen. Allerdings fordert es ein Mindestmaß an Bildung.Wer beispielsweise mit dem Wort "Kapitalismus" nichts an fangen kann, ist hier falsch. Der Stil ist flüssig und selbst wenn es mal wissenschaftlich-abstrakt wird, folgen Beispiele, die ein Verständnis erleichtern. Gut gefallen, haben mir auch die historischen Ausflüge, die der Autor immer wieder macht. Jetzt kenne ich mich auch im alten Rom, Mesopotamien oder Griechenland etwas besser aus. Der Autor wendet sich dabei nicht nur an ein Fachpublikum, denn auch ein interessierter Laie, kann Herteux Gedanken folgen.



Autor

Andreas Herteux kannte ich bis dato nur als Kolumnist in verschiedenen Medien. Ein Blick auf sein Portfolio zeigt eine breite Palette als Schriftsteller, wobei er sich in den letzten Jahren vermehrt auf die Wissenschaft konzentriert hat. Seine Forschungseinrichtung, die Erich von Werner Gesellschaft, war mir bis dahin unbekannt.



Inhalt

Kurz und knapp: Andreas Herteux hält, was er verspricht. Andreas Herteux liefert mit seinem Buch "Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert" eine überaus interessante Diskussionsgrundlage darüber, wie die Gesellschaft wurde, wie sie ist und wie sie sein wird.

1. Kapitel

Herteux zeigt, dass die Gesellschaften auf der Welt längst in kleine Gruppen zerfallen sind (Milieus) und das in jeder Gesellschaft auf der Welt in einem ähnlichen Muster. Die Milieus sind Welten für sich, die einen eigenen Lebensstil haben, eigene Stile und Verhaltensmuster. Ursächlich dafür wäre der sogenannte Zeitenwandel.

Meinung:

Dass mein Nachbar vielleicht völlig andere Wertvorstellungen haben könnte als ich, hatte ich nie auf den Schirm. Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Rest des Landes ähnlich denkt wie ich. Der Autor zeigt hier, dass es nicht so ist und ich vermute, dass er richtig liegt. Die Idee der Bündelung der großen Veränderungen in einem Wort finde ich richtig gut.

2. Kapitel

Herteux zeigt, dass der Individualisierungsprozess durch eine neue Form des Kapitalismus, den er Verhaltenskapitalismus nennt vorangetrieben wird.

Meinung:

Erschreckend, aber leider 100% wahr und durch Herteux Analyse endlich mal greifbar.

3. Kapitel

Herteux zeigt, wie sich die moderne Reizgesellschaft nach dem Krieg etablieren konnte und wie der Homo sabiens teilweise zum Homo stimulus umgewandelt wird.

Meinung:

Vielleicht das Kapitel, gegen das ich mich innerlich am meisten gewehrt habe. Bin ich auch ein Reizmensch? Oder schon ein Homo stimulus. Nein, das will ich nicht sein und trotzdem hat Herteux auch hier 100% ins Schwarze getrofen. Ja, so ist es. Will ich das hören? Nein, will ich nicht.

4. Kapitel:

Herteux stellt eine Theorie für gesellschaftliche Konflikte auf (Milieukampf) und legt noch gleich eine für das Problem Individuum/Milieurolle (moderne Identifikationsdissonanz) nach.

Meinung:

Nachdem ich sowieso schon aufgewühlt war, weil ich kein Homo stimulus sein will, wirft Herteux so viele liebgewonne Ideen wie das linksrechts-schema oder den Klassenkampf einfach auf den Müll der Geschichte. Bei ihm haben viele gesellschaftliche Konflikte ihre Ursache im Kampf der Milieus.Und ehrlich? Das ist auch schlüssig. Genauso so das mit der modernen Identifikationsdissonanz.

5. Kapitel

Herteux wirft einen Blick in die Welt von morgen und ordnet all seine Theorien noch einmal ein. Der Blick selbst ist brilliant und auch das Zusammenfügen seiner Theorien, die ein abgeschlossenes und schlüssiges Weltbild ergeben von dem man sagen kann: Ja, so könnte es sein.



Gesamtfazit:

Das Buch hält, was es verspricht. Es bietet tatsächlich Erklärungen an, die die Wirklichkeit zeigen könnte, wobei ich da vorsichtig bin, da das Buch auch so geschrieben ist, dass es den Leser einfängt und in seine Erklärungsmuster reinzieht.

Zeitenwandel, Milieus, Identititätsdissonanz, Homo stimulus, Verhaltenskapitalismus, kollektiver Individualismus, Milieukampf oder kollektiver Individualismus.

Alles das ist neu. Herteux bietet eine Vielzahl von Erklärungsmodellen, die eine komplexe Zeit verständlicher machen. Es kommt heute selten vor, dass man eine halbwegs plausible Theorie für findet, die halbwegs hilft, die Komplexität der gesellschaftlichen Veränderungen zu verstehen. Hier finden sich ein halbes Dutzend origineller Denkansätze, die ein faszinierendes Bild der Wirklichkeit ergeben.

Es ist aber auch egal, ob ich eingefangen wurde oder nicht. Das Buch bleibt lesenswert, da es etwas neues bietet, man es gut lesen kann und es originell ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2020

Das Buch, um das 21. Jahrhundert zu verstehen

Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert
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Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert – Neue Erklärungsansätze zum Verständnis eines komplexen Zeitalters.

Vorausschicken möchte ich, dass ich das Buch bereits vor einigen Wochen ...

Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert – Neue Erklärungsansätze zum Verständnis eines komplexen Zeitalters.

Vorausschicken möchte ich, dass ich das Buch bereits vor einigen Wochen erhalten habe, es aber eine Sperrfrist gab, bis zum 24.07.2020. Bezogen habe ich das Buch über den Erich von Werner Verlag als Rezensionsexemplar. Das beeinflusst meine Meinung aber nicht. Aufmerksam wurde ich darauf über Auszüge, Fachartikel und Hinweise in verschiedenen Medien.



Worum geht es überhaupt?

Klappentext:

"Die Welt wandelt sich in rasender Geschwindigkeit. Alles dreht sich, wirkt aus den Fugen geraten. Eine Wirklichkeit, die nicht selten auf Unverständnis trifft und nach Erklärungen fordert. Diese gelingen aber oft nicht befriedigend, was die Frage aufwirft, ob sie ausreichend sind, um die komplexen Veränderungen darzustellen. Können sie das noch? Oder müssen sie weiterentwickelt werden? Bedarf es vielleicht anderer Ansätze, um das 21. Jahrhundert verstehen zu können?

Andreas Herteux schließt die offenen Lücken, offeriert eine Vielzahl von neuen bzw. weiterentwickelten Erklärungsansätzen für globale gesellschaftliche, politische sowie wirtschaftliche Phänomene und bietet damit eine faszinierende Sicht auf ein neues Zeitalter: das des kollektiven Individualismus."



Eigene (einfache) Worte:

Andreas Herteux, der Autor des Buches, beobachtet, was gerade so in der Gesellschaft passiert und bietet dafür neue oder bessere Erklärungen, die es größtenteils so noch nicht gab. Er beginnt mit der Gegenwart und entwirft am Ende eine mögliche Gesellschaft der Zukunft.



Wie anspruchsvoll ist das Buch zu lesen?

Hier hatte ich große Befürchtungen, da manche Büche und Artikel des Autors ganz gezielt ein wissenschaftliches Publikum ansprechen sollen, aber: Das Buch ist auch für normale Menschen gut zu lesen. Allerdings fordert es ein Mindestmaß an Bildung.Wer beispielsweise mit dem Wort "Kapitalismus" nichts an fangen kann, ist hier falsch. Der Stil ist flüssig und selbst wenn es mal wissenschaftlich-abstrakt wird, folgen Beispiele, die ein Verständnis erleichtern. Gut gefallen, haben mir auch die historischen Ausflüge, die der Autor immer wieder macht. Jetzt kenne ich mich auch im alten Rom, Mesopotamien oder Griechenland etwas besser aus. Der Autor wendet sich dabei nicht nur an ein Fachpublikum, denn auch ein interessierter Laie, kann Herteux Gedanken folgen.



Autor

Andreas Herteux kannte ich bis dato nur als Kolumnist in verschiedenen Medien. Ein Blick auf sein Portfolio zeigt eine breite Palette als Schriftsteller, wobei er sich in den letzten Jahren vermehrt auf die Wissenschaft konzentriert hat. Seine Forschungseinrichtung, die Erich von Werner Gesellschaft, war mir bis dahin unbekannt.



Inhalt

Kurz und knapp: Andreas Herteux hält, was er verspricht. Andreas Herteux liefert mit seinem Buch "Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert" eine überaus interessante Diskussionsgrundlage darüber, wie die Gesellschaft wurde, wie sie ist und wie sie sein wird.

1. Kapitel

Herteux zeigt, dass die Gesellschaften auf der Welt längst in kleine Gruppen zerfallen sind (Milieus) und das in jeder Gesellschaft auf der Welt in einem ähnlichen Muster. Die Milieus sind Welten für sich, die einen eigenen Lebensstil haben, eigene Stile und Verhaltensmuster. Ursächlich dafür wäre der sogenannte Zeitenwandel.

Meinung:

Dass mein Nachbar vielleicht völlig andere Wertvorstellungen haben könnte als ich, hatte ich nie auf den Schirm. Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Rest des Landes ähnlich denkt wie ich. Der Autor zeigt hier, dass es nicht so ist und ich vermute, dass er richtig liegt. Die Idee der Bündelung der großen Veränderungen in einem Wort finde ich richtig gut.

2. Kapitel

Herteux zeigt, dass der Individualisierungsprozess durch eine neue Form des Kapitalismus, den er Verhaltenskapitalismus nennt vorangetrieben wird.

Meinung:

Erschreckend, aber leider 100% wahr und durch Herteux Analyse endlich mal greifbar.

3. Kapitel

Herteux zeigt, wie sich die moderne Reizgesellschaft nach dem Krieg etablieren konnte und wie der Homo sabiens teilweise zum Homo stimulus umgewandelt wird.

Meinung:

Vielleicht das Kapitel, gegen das ich mich innerlich am meisten gewehrt habe. Bin ich auch ein Reizmensch? Oder schon ein Homo stimulus. Nein, das will ich nicht sein und trotzdem hat Herteux auch hier 100% ins Schwarze getrofen. Ja, so ist es. Will ich das hören? Nein, will ich nicht.

4. Kapitel:

Herteux stellt eine Theorie für gesellschaftliche Konflikte auf (Milieukampf) und legt noch gleich eine für das Problem Individuum/Milieurolle (moderne Identifikationsdissonanz) nach.

Meinung:

Nachdem ich sowieso schon aufgewühlt war, weil ich kein Homo stimulus sein will, wirft Herteux so viele liebgewonne Ideen wie das linksrechts-schema oder den Klassenkampf einfach auf den Müll der Geschichte. Bei ihm haben viele gesellschaftliche Konflikte ihre Ursache im Kampf der Milieus.Und ehrlich? Das ist auch schlüssig. Genauso so das mit der modernen Identifikationsdissonanz.

5. Kapitel

Herteux wirft einen Blick in die Welt von morgen und ordnet all seine Theorien noch einmal ein. Der Blick selbst ist brilliant und auch das Zusammenfügen seiner Theorien, die ein abgeschlossenes und schlüssiges Weltbild ergeben von dem man sagen kann: Ja, so könnte es sein.



Gesamtfazit:

Das Buch hält, was es verspricht. Es bietet tatsächlich Erklärungen an, die die Wirklichkeit zeigen könnte, wobei ich da vorsichtig bin, da das Buch auch so geschrieben ist, dass es den Leser einfängt und in seine Erklärungsmuster reinzieht.

Zeitenwandel, Milieus, Identititätsdissonanz, Homo stimulus, Verhaltenskapitalismus, kollektiver Individualismus, Milieukampf oder kollektiver Individualismus.

Alles das ist neu. Herteux bietet eine Vielzahl von Erklärungsmodellen, die eine komplexe Zeit verständlicher machen. Es kommt heute selten vor, dass man eine halbwegs plausible Theorie für findet, die halbwegs hilft, die Komplexität der gesellschaftlichen Veränderungen zu verstehen. Hier finden sich ein halbes Dutzend origineller Denkansätze, die ein faszinierendes Bild der Wirklichkeit ergeben.

Es ist aber auch egal, ob ich eingefangen wurde oder nicht. Das Buch bleibt lesenswert, da es etwas neues bietet, man es gut lesen kann und es originell ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere