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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2020

Dystopischer Roman, der zum Nachdenken anregt

Der Report der Magd
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Ich bin auf den "Report der Magd" von Margaret Atwood durch die dazugehörige Serie aufmerksam geworden. Vor jeder Serie, die mich interessiert, lese ich gerne das Original - von daher stand der Roman schnell ...

Ich bin auf den "Report der Magd" von Margaret Atwood durch die dazugehörige Serie aufmerksam geworden. Vor jeder Serie, die mich interessiert, lese ich gerne das Original - von daher stand der Roman schnell auf meiner Liste.

Er handelt im Staat Gilead, einer streng religiösen Gesellschaft, die sich auf dem ehemaligen Gebiet der Vereinigten Staaten in einer Zeit entwickelt hat, in der die meisten Menschen unter Unfruchtbarkeit leiden. Um die menschliche Rasse zu erhalten, und dabei gleichzeitig die hohen Staatsfunktionäre zu begünstigen, müssen die wenigen fruchtbaren Frauen als Mägde für eben jene Männer und ihre Frauen Kinder austragen. Den "Report der Magd" verfasst Desfred, die als eben solche Magd dem Kommandanten Fred Waterford zugeteilt wurde.

Dystopisch ist tatsächlich die richtige Beschreibung für diesen Roman. Er zeichnet eine für Frauen äußerst finstere und aussichtslose Gesellschaft - und hat mich dadurch sehr zum Nachdenken angeregt. Margaret Atwood schreibt fantastisch - sodass ich mich sehr stark in die Geschichte hineinversetzen, allerdings nicht mehr als ein bis zwei Kapitel pro Tag lesen konnte, weil mir der Roman dann schon fast zu real vorkam, und ich mich wieder in die weitaus freundlichere Realität flüchten musste.

In jedem Fall regt der Roman zum Nachdenken an und zeigt, wie schnell sich Gesellschaftsstrukturen ändern können, ohne dass ein Gros der Bevölkerung dies realisiert oder gar dagegen widersprechen kann.

Ich kann "Der Report der Magd" jedem uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein Roman, der von Tiefgründigkeit und Spannung gleichermaßen zeugt, und den man gelesen haben muss.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2020

Gelungener Abschluss einer packenden Reihe

Träume aus Samt
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Vier Monate habe ich nun darauf gewartet, dass die Reihe endlich ein Ende findet. Ich habe mich gefreut, als der Roman am letzten Dienstag dann endlich auf meinem Kindle erschienen ist.

Der Roman knüpft ...

Vier Monate habe ich nun darauf gewartet, dass die Reihe endlich ein Ende findet. Ich habe mich gefreut, als der Roman am letzten Dienstag dann endlich auf meinem Kindle erschienen ist.

Der Roman knüpft direkt an den Vorgänger an und beschreibt Familie Meyer, die auf der Scythia von England nach Amerika übersetzt. Weil sie die Sitten und Gebräuche ihrer neuen Heimat nicht kennen, werden sie auf dem Weg mehrmals Opfer von Betrügern, erreichen Chicago nach einigen Hürden jedoch unbeschadet. Dort müssen sie sich in ein neues Leben einfinden, und sich nicht nur an die neue Sprache gewöhnen, sondern auch daran, dass sie fortan nicht mehr zur wohlhabenden Mittelschicht gehören. Ruth und ihr Vater finden schnell eine Arbeit. Ruth versucht darüber hinaus, vergangene Träume weiterzuverfolgen und findet die große Liebe.

Mir persönlich hat der Roman ebenso gut gefallen, wie die Vorgänger. Es ist unheimlich interessant gewesen zu lesen, wie die Familie sich in den Vereinigten Staaten einlebt und auf welche (kulturellen) Hürden sie stößt. Das überrascht, weil man ja denkt, dass Amerika und Europa sich sehr ähneln. Es ist beeindruckend, wie Ruth es schafft, sich an alles anzupassen, Herausforderungen zu meistern und mit Rückschlägen zurechtzukommen.

Auch die Liebesgeschichte mit Eddie war sehr schön. Ingsesamt finde ich, dass Ruth sich als Charakter stark entwickelt hat. Sie ist sehr erwachsen geworden - und man merkt die Veränderung auch im Schreibstil der Autorin.

Gefehlt hat mir ein Handlungsstrang über die Verbliebenen in Deutschland. Meiner Meinung nach kam das mit einem (sehr traurigen) Kapitel viel zu kurz. Man hätte hier einen tollen Kontrast schaffen können - und nicht nur das paradiesische Amerika, sondern auch die grausame Realität in Deutschland stärker beleuchten können. So war das Buch als Abschluss der Reihe etwas fröhlicher und rosaroter, als ich es vermutet habe.

Insgesamt hat mir die Reihe ausgesprochen gut gefallen. Das liegt u.a. daran, dass große Teile auf wahren Gegebenheiten beruhen. Wenn ich dann darüber nachdenke, das all das wirklich geschehen ist, dann gewinnt die Reihe nochmals an Bedeutung.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2020

Bis zum Ende spannend

Mörderisches Lavandou
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Im idyllischen Küstenstädtchen Le Lavandou wird ein abgetrennter Fuß gefunden. Schon bald stellt sich heraus, dass es sich bei der grausigen Tat um einen Serienmörder handelt, der junge Frauen entführt ...

Im idyllischen Küstenstädtchen Le Lavandou wird ein abgetrennter Fuß gefunden. Schon bald stellt sich heraus, dass es sich bei der grausigen Tat um einen Serienmörder handelt, der junge Frauen entführt und zersägt. Der Gerichtsmediziner Leon Ritter versucht, zunächst in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie, und am Ende alleine, den Täter zu finden und aufzuhalten. Dabei gerät er selbst unter Verdacht.

"Mörderisches Lavandou" von Remy Eyssen ist der erste Krimi, den ich seit vielen Jahren gelesen habe. Eigentlich hat mich auch hier nur der Titel angesprochen. In Le Lavandou habe ich zahlreiche Urlaube verbracht, und fand es daher, gerade in einer Zeit in der Reisen nicht möglich sind, ganz passend, zumindest mit einem Buch wieder an die Côte d'Azur zu kommen.

Der Krimi war bis fast zuletzt sehr spannend. Ich hatte zwischenzeitlich drei Verdächtige im Blick - und am Ende stellte sich doch jemand ganz anderes als Täter heraus. Diese Spannung und das undurchsichtige Puzzle, das ich als Leserin selbst erleben durfte, fand ich wirklich sehr ansprechend. Zudem hat mir als bekennender Lavandou-Fan natürlich ausgezeichnet gefallen, das ich mich stets an bekannten Orten, wie zum Beispiel der Kirche in Bormes, wiederfinden durfte.

Leon Ritter ist ein sympathischer Protagonist. Als Gerichtsmediziner denkt er logisch und interpretiert die Fakten, die er selbst an den Körpern der Opfer sehen und entdecken konnte. Zudem ist er sehr authentisch. Er macht auch mal Fehler und tut Dinge, die ihm hinterher leidtun. Gut gefallen hat mir auch, wie er mit seiner Logik bei den Polizisten auch mal anecken kann, sich selbst und seiner Mission aber treu bleibt.

Da der Krimi aus der Sicht eines Gerichtsmediziners geschrieben ist, kann es schon einmal blutig werden. Teilweise bin ich ganz schnell weitergeblättert, weil mir bei einigen Beschreibungen doch etwas mulmig wurde - ich bin dahingehend aber auch nichts mehr gewohnt, und das soll keineswegs eine Kritik sein, sondern eher eine Warnung an alle Zartbesaiteten.

Einen halben Punkt Abzug gebe ich dafür, weil ich die psychologischen Motive am Ende des Falls nicht ganz ausreichend aufgeklärt fand. Ich hätte gerne mehr über die Gedanken des Mörders erfahren, um seine Beweggründe zu "verstehen".

Obwohl ich nie einen anderen Leon-Ritter-Krimi gelesen habe, kam ich gut mit und habe alles verstanden. Die vorangehenden Bücher braucht man also nicht unbedingt gelesen haben.

Insgesamt ein äußerst spannender Krimi mit Provence-Bezug, der mir sehr gut gefallen hat!

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2020

Historisch exzellent recherchiert - nur der große Lesespaß hat sich nicht eingestellt

Das Spiel der Nachtigall
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Im Roman "Das Spiel der Nachtigall" von Tanja Kinkel beschreibt die Leben der Protagonisten Walther von der Vogelweide und Judith von Köln, die sich, vor dem Hintergrund des deutschen Thronstreits zwischen ...

Im Roman "Das Spiel der Nachtigall" von Tanja Kinkel beschreibt die Leben der Protagonisten Walther von der Vogelweide und Judith von Köln, die sich, vor dem Hintergrund des deutschen Thronstreits zwischen Welfen und Staufern, immer wieder begegnen - teils auf verschiedenen Seiten stehen, ineinander verlieben und schließlich gemeinsam in den Verlauf der Geschichte eingreifen.

Während Walther ein historischer Protagonist ist, ist Judith eine fiktive Hauptfigur im Roman. Walther von der Vogelweide war einer der bedeutensten Lyriker und Minnesänger des Mittelalters. Im Roman gelingt es ihm, durch seine Dichtungen und Lieder bestimmte politische Positionen zu vertreten und zu stärken. Er nimmt im Roman einen bedeutenden Stellenwert bei der Gewinnung von Verbündeten der Staufer ein. Judith begibt sich zu Beginn des Romans nach Salerno, um sich dort zu Ärztin auszubilden lassen. Die Ausbildung schließt sie erfolgreich ab und arbeitet fortan immer wieder als Leibärztin der Irene von Byzanz. Obwohl sie dadurch eine Verbindung zu den Staufern hat, wird sie von ihrem Onkel, einem Kaufmann aus Köln, zunächst auf die welfische Seite gezogen und unterstützt den Thronanwärter Otto. Weil dieser jedoch einen schlechten Charakter hat, und sie von ihrer Familie zunehmend ausgenutzt wird, wechselt Judith schließlich vollends auf die staufische Seite - und unterstützt fortan Philipp von Schwaben.

Eines kann man Tanja Kinkel lassen: Sie liefert einen Roman, der historisch exzellent recherchiert ist und beschreibt den deutschen Thronstreit in allen Facetten. Das Buch hat mir diesen Teil der deutschen Geschichte, den ich bislang gar nicht vor Augen hatte, näher gebracht und auch mein Interesse dafür geweckt. Ich habe eine Menge dazugelernt - und das ist ein großer Pluspunkt für ein Buch.

Neben dem Lerneffekt wollte sich nur der große Lesespaß bei mir leider nicht einstellen. Mit den Protagonisten bin ich einfach nicht richtig warm geworden. Ihre Ziele und Wünsche waren mir zu undurchsichtig und zu unklar, sodass ich mich nicht wirklich hineinversetzen konnte, warum Judith und insbesondere Walther bestimmte Handlungen ergreifen oder die Seiten wechseln. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Protagonisten eigene, individuelle Ziele verfolgt hätten und das stärker herausgearbeitet worden wäre. So erscheint es mir ein wenig unglaubhaft, dass ein Lyriker und eine Ärztin so wesentliche politische Entscheidungen praktisch ohne eigene Motive beeinflussen.

Die Handlung war mir bis zur Mitte des Buchs relativ unklar. Ab da zeigt sich, dass es um die Entscheidung des Thronstreits geht. Bis zu diesem Zeitpunkt zog sich das Buch etwas, weil ich als Leserin schwer einschätzen konnte, wo die Reise hingeht. Daher kam auch selten richtig Spannung auf. Insgesamt habe ich zwei Wochen an diesem Buch gelesen (eine lange Zeit, wenn man bedenkt dass ich für 700 Seiten normalerweise nur zwei bis drei Tage brauche), weil ich mich einfach zu wenig zum Weiterlesen motivieren konnte und mich der Roman nicht richtig packen konnte.

Der Schreibstil ist sehr gut. Das Buch liest sich flüssig. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Gedanken der Charaktere expliziter beschrieben sein müssten. Von Zeit zu Zeit gab es immer wieder Situationen, wo Judith und Walter plötzlich Zusammenhänge gezogen haben, die ich einfach nicht verstanden habe, weil sie nicht ausformuliert und auch aus dem Kontext nicht erschließbar waren. Das hat den Lesefluss dann etwas gestört.

Insgesamt kann ich zusammenfassen, dass das Spiel der Nachtigall ein Roman mit tollem, ausführlichem und relevantem historischen Hintergrund ist, aus dem ich sehr viel gelernt habe. Dennoch würde ich das Buch kein zweites Mal lesen, da ich die Protagonisten und die Handlungsstränge der Protagonisten nicht fesselnd fand. Für alle, denen es aber hauptsächlich oder ausschließlich um den historischen Hintergrund geht, ist es sicherlich ein wunderbares Buch!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2020

Historisch exzellent recherchiert - nur der große Lesespaß hat sich nicht eingestellt

Das Spiel der Nachtigall
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Im Roman "Das Spiel der Nachtigall" von Tanja Kinkel beschreibt die Leben der Protagonisten Walther von der Vogelweide und Judith von Köln, die sich, vor dem Hintergrund des deutschen Thronstreits zwischen ...

Im Roman "Das Spiel der Nachtigall" von Tanja Kinkel beschreibt die Leben der Protagonisten Walther von der Vogelweide und Judith von Köln, die sich, vor dem Hintergrund des deutschen Thronstreits zwischen Welfen und Staufern, immer wieder begegnen - teils auf verschiedenen Seiten stehen, ineinander verlieben und schließlich gemeinsam in den Verlauf der Geschichte eingreifen.

Während Walther ein historischer Protagonist ist, ist Judith eine fiktive Hauptfigur im Roman. Walther von der Vogelweide war einer der bedeutensten Lyriker und Minnesänger des Mittelalters. Im Roman gelingt es ihm, durch seine Dichtungen und Lieder bestimmte politische Positionen zu vertreten und zu stärken. Er nimmt im Roman einen bedeutenden Stellenwert bei der Gewinnung von Verbündeten der Staufer ein. Judith begibt sich zu Beginn des Romans nach Salerno, um sich dort zu Ärztin auszubilden lassen. Die Ausbildung schließt sie erfolgreich ab und arbeitet fortan immer wieder als Leibärztin der Irene von Byzanz. Obwohl sie dadurch eine Verbindung zu den Staufern hat, wird sie von ihrem Onkel, einem Kaufmann aus Köln, zunächst auf die welfische Seite gezogen und unterstützt den Thronanwärter Otto. Weil dieser jedoch einen schlechten Charakter hat, und sie von ihrer Familie zunehmend ausgenutzt wird, wechselt Judith schließlich vollends auf die staufische Seite - und unterstützt fortan Philipp von Schwaben.

Eines kann man Tanja Kinkel lassen: Sie liefert einen Roman, der historisch exzellent recherchiert ist und beschreibt den deutschen Thronstreit in allen Facetten. Das Buch hat mir diesen Teil der deutschen Geschichte, den ich bislang gar nicht vor Augen hatte, näher gebracht und auch mein Interesse dafür geweckt. Ich habe eine Menge dazugelernt - und das ist ein großer Pluspunkt für ein Buch.

Neben dem Lerneffekt wollte sich nur der große Lesespaß bei mir leider nicht einstellen. Mit den Protagonisten bin ich einfach nicht richtig warm geworden. Ihre Ziele und Wünsche waren mir zu undurchsichtig und zu unklar, sodass ich mich nicht wirklich hineinversetzen konnte, warum Judith und insbesondere Walther bestimmte Handlungen ergreifen oder die Seiten wechseln. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Protagonisten eigene, individuelle Ziele verfolgt hätten und das stärker herausgearbeitet worden wäre. So erscheint es mir ein wenig unglaubhaft, dass ein Lyriker und eine Ärztin so wesentliche politische Entscheidungen praktisch ohne eigene Motive beeinflussen.

Die Handlung war mir bis zur Mitte des Buchs relativ unklar. Ab da zeigt sich, dass es um die Entscheidung des Thronstreits geht. Bis zu diesem Zeitpunkt zog sich das Buch etwas, weil ich als Leserin schwer einschätzen konnte, wo die Reise hingeht. Daher kam auch selten richtig Spannung auf. Insgesamt habe ich zwei Wochen an diesem Buch gelesen (eine lange Zeit, wenn man bedenkt dass ich für 700 Seiten normalerweise nur zwei bis drei Tage brauche), weil ich mich einfach zu wenig zum Weiterlesen motivieren konnte und mich der Roman nicht richtig packen konnte.

Der Schreibstil ist sehr gut. Das Buch liest sich flüssig. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Gedanken der Charaktere expliziter beschrieben sein müssten. Von Zeit zu Zeit gab es immer wieder Situationen, wo Judith und Walter plötzlich Zusammenhänge gezogen haben, die ich einfach nicht verstanden habe, weil sie nicht ausformuliert und auch aus dem Kontext nicht erschließbar waren. Das hat den Lesefluss dann etwas gestört.

Insgesamt kann ich zusammenfassen, dass das Spiel der Nachtigall ein Roman mit tollem, ausführlichem und relevantem historischen Hintergrund ist, aus dem ich sehr viel gelernt habe. Dennoch würde ich das Buch kein zweites Mal lesen, da ich die Protagonisten und die Handlungsstränge der Protagonisten nicht fesselnd fand. Für alle, denen es aber hauptsächlich oder ausschließlich um den historischen Hintergrund geht, ist es sicherlich ein wunderbares Buch!

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