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Veröffentlicht am 15.01.2020

Schräge Vögel, eine Leiche und viel Schnee

Tod und kein Erbarmen
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„Tod und kein Erbarmen“ von Elias Haller ist ein Thriller, der im Dezember 2019 bei Editon M erschienen ist.
Kriminalhauptkommissar Erik Donner, vom Dienst freigestellt, will seinen privaten Kummer in ...

„Tod und kein Erbarmen“ von Elias Haller ist ein Thriller, der im Dezember 2019 bei Editon M erschienen ist.
Kriminalhauptkommissar Erik Donner, vom Dienst freigestellt, will seinen privaten Kummer in dem kleinen Ort Pöhla im Erzgebirge im Alkohol ertränken. Doch die Idylle in dem kleinen Ort ist trügerisch. Vor zehn Jahren verschwand die kleine Violette auf ihrem Weg zur Schule und wurde trotz intensiver Bemühungen nicht gefunden. Nun wendet sich Violeta Cousine an Erik Donner und bitte ihn um Hilfe, denn sie glaubt, neue Hinweise zu haben. Donner kann sich das jedoch nicht vorstellen und schickt sie nach einem Wortwechsel weg. Das soll er noch bitter bereuen, denn am nächsten Morgen steht er unter Mordverdacht.

Es ist zwar schon der 7. Band der Thrillerreihe um Kriminalhaupt-kommissar Erik Donner, doch für mich war es der erste. Die ruppige Art von Erik Donner und seine eigenwillige und doch erfolgreiche Art zu ermitteln, haben mich sofort gefesselt. In Zusammenarbeit mit Sokrates Vogel, der ebenfalls sehr speziell ist, läuft er zu Hochform auf. Ich konnte der Story sehr gut folgen und die Rückblenden ermöglichten ein Mitraten, was damals vor zehn Jahren geschah. Die einzelnen Personen sind gut ausgearbeitet und man spürt die Bindung des Autors zu seinen Hauptpersonen, mit wieviel Liebe er ihre Charakterzüge ausgearbeitet hat. Elias Haller gelingt es mit seiner fesselnden Schreibweise spielend den Leser auch mal auf falsche Fährten zu führen. Die Nebenfiguren sind absolut lebendig geschildert. Besonders gefallen hat mir Sokrates Vogel und seine Art mit seinen Mitmenschen umzugehen. Man muss ihn einfach mögen. Sein Umgang mit der neuen Assisstentin Lia Winter und wie sie sich seinen Respekt verdient, das war einfach super und ich musste mehr als einmal schmunzeln. Hallers Ermittler sind menschlich und doch auch zäh, fast unverwüstlich, denn er lässt sie einiges mitmachen und das hat seinen eigenen Reiz. Selten habe ich so mitgefiebert. Es ist zwar nur Fiktion, denn es wird selten sein, dass ein Cold Case und ein aktueller Fall zusammenhängen und von derart schrägen Ermittlern bearbeitet werden, doch trotzdem ist es ein Thriller der Extraklasse. Spannung vom Anfang bis Ende. Diesen Autoren sollte man sich merken. Ich kann diesen Thriller nur empfehlen und werde die ersten sechs Bände bestimmt auch noch lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2019

Reden ist manchmal Gold, Verdrängen falsch

Die Schuld jenes Sommers
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„Die Schuld jenes Sommers“ von Katherine Webb ist ein Roman der besonderen Art und im Oktober 2019 im Diana Verlag erschienen.
Die junge Frances soll auf den kleinen Davy aufpassen, doch weil sie einfach ...

„Die Schuld jenes Sommers“ von Katherine Webb ist ein Roman der besonderen Art und im Oktober 2019 im Diana Verlag erschienen.
Die junge Frances soll auf den kleinen Davy aufpassen, doch weil sie einfach mal alleine sein möchte, lässt sie ihn bei einem Ehepaar. In dieser Nacht fallen Bomben auf die englische Stadt Bath und danach ist Davy verschwunden. Frances macht sich bittere Vorwürfe, doch es kommt noch mehr auf sie zu. Der Bombenangriff hat dazu geführt, dass das Skelett eines kleinen Mädchens freigelegt wurde. Bei der Toten handelt es sich um Wyn, Frances beste Freundin, die vor mehr als 20Jahren spurlos verschwand und deren Verschwinden Frances nie ganz verwinden konnte. Zu ihrer Suche nach Davy kommt die Suche nach ihren Erinnerungen, nach ihrer Vergangenheit, nach dem was vor mehr als 20 Jahren geschah.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt – das Jahr 1942, in dem das Verschwinden von Davy Schuldgefühle bei Frances auslöst, die dazu führen, dass sie sich an das Jahr 1918, in dem Wyn verschwand erinnert und dass es etwas gibt, dass sie unbedingt sagen muss, aber sie kann sich anfangs nicht daran erinnern. Für die Polizei ist der Vermisstenfall Wyn mit dem Fund des Skelettes abgeschlossen, doch nicht für Frances. Sie spürt, dass es Ungereimtheiten gibt, dass sie sich erinnern muss, doch sie weiß nicht an was. Dieser Zwiespalt, in dem sie sich befindet, wird von der Autorin wunderbar herausgearbeitet. Auf der einen Seite tut sie alles, um Davy zu finden, denn sie ist sich sicher, dass er noch lebt, auch wenn sie damit ziemlich allein dasteht. Auf der anderen Seite scheint es auch Schuldgefühle in Bezug auf das Verschwinden ihrer Freundin zu geben, die man aber erst im weiteren Verlauf der Geschichte versteht. Zur Seite stehen ihr gottlob zwei Menschen, denen sie vertrauen kann.
Die Autorin bettet einen Kriminalfall gekonnt in einen historischen Kontext ein. Es bleibt spannend bis zum Schluss. Für mich hätte es ein wenig kürzer sein können. Ich habe mir am Ende gewünscht, dass Frances sich schneller erinnert. Mein Verdacht hat sich fast bestätigt, aber nicht ganz. Trotzdem fand ich die Auflösung sehr gelungen.
Es war mein erstes Buch von dieser Autorin, wird aber stimmt nicht das letzte sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2019

Kunst und Flammen - eine tödliche Mischung

Fleischmaler
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„Fleischmaler“ von Jo Machedanz ist ein Kriminalroman, der im Juli 2019 erschienen ist.
In Berlin wird ein Mann mit einem Flammenwerfer ermordet, gleichzeitig verschwindet eine junge Frau. Ihre Freundin ...

„Fleischmaler“ von Jo Machedanz ist ein Kriminalroman, der im Juli 2019 erschienen ist.
In Berlin wird ein Mann mit einem Flammenwerfer ermordet, gleichzeitig verschwindet eine junge Frau. Ihre Freundin Kiki, die hörgeschädigt ist, ermittelt auf eigene Faust, als sie bemerken muss, dass die Polizei ihre Vermisstenanzeige nicht ernst nimmt. Sie bekommt Hilfe von dem frisch geschiedenen Aussteiger Paul. Gleichzeitig sucht der amerikanische Privatdetektiv Adam Peppercorn im Auftrag eines Millionärs nach Aktgemälden des Malers Adolf Ziegler. Es bleibt nicht bei einem Toten. Wird die Polizei das junge Mädchen rechtzeitig finden?
Der Autor erzählt in unterschiedlichen Handlungssträngen, die erst am Ende zusammengeführt werden. Überfälle, Hass, Gewalt – ja sogar Gewalt an Kindern werden eingewoben in eine Geschichte, bei der einem manchmal sogar der Atem stockt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Am besten hat mir Kiki gefallen, die trotz ihrer Behinderung eine Kämpferin ist und alles tut, um ihre Freundin zu finden. Die Einbindung des Internets ist wunderbar gelungen. Das Historische ist hervorragend recherchiert und jede einzelne Person wunderbar ausgearbeitet, selbst wenn sie nur eine kleine Rolle spielt. Die Schauplätze gibt es zum Teil und das macht es noch erlebbarer. Die Spannung hält einem bis zum Schluss gefangen und man zittert mit den Hauptpersonen mit.
Der Schreibstil des Autors liest sich leicht und flüssig und auch wenn ständig aus der Sicht einer anderen Person erzählt wird, macht es keine Mühe der Geschichte zu folgen.
Die Auflösung hat mich überrascht, aber es war ein passendes Ende.
Krimifans kann ich das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Sie werden nicht aufhören können zu lesen – und nach der letzten Seite bedauern, dass es schon vorbei ist.
Ich freue mich schon auf weitere Werke des Autors.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.12.2019

Knochemarkspende - eine Wende für zwei Leben

Genetischer Zwilling
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„Genetischer Zwilling“ von Jana Kleinkes ist eine Erzählung über eine Knochenmarkspende und im September 2019 bei epubli erschienen.
Lilien, eine Frau, die in einem Hospiz arbeitet, sucht nach dem Sinn ...

„Genetischer Zwilling“ von Jana Kleinkes ist eine Erzählung über eine Knochenmarkspende und im September 2019 bei epubli erschienen.
Lilien, eine Frau, die in einem Hospiz arbeitet, sucht nach dem Sinn ihres Lebens. Ein Traum bringt sie auf den Gedanken, dass sie – und nur sie – die einzige Person ist, die einem anderen Menschen das Leben retten könnte. Der Gedanke lässt sie nicht mehr los und sie handelt.
Obwohl es sich um eine fiktive Geschichte handelt, die von wahren Ereignissen inspiriert wurde, spürt man deutlich, wie wichtig dieses Thema für die Autorin ist. Mir hat gefallen, dass die Geschichte um die Knochenmarkspende eingebunden wurde in die Geschichte über Lilien, dass man so viel aus ihrem Leben erfährt. Der Wunsch anderen zu helfen, leitet sie, aber die Arbeit in einem Hospiz zerrt auch an ihr, denn es gibt dort Menschen, denen sie nicht helfen kann. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen gestaltet sich alles andere als einfach. Als ihr im Traum ein Engel erscheint und ihr die Botschaft vermittelt, dass sie einem Menschen das Leben retten könne, da zögert sie nicht. Sie meldet sich bei der DKMS an, bekommt das Testset und wird als Spenderin registriert. Es ist der Autorin gelungen, dem Leser auf einfühlsame Weise zu zeigen, wie schwierig der Weg bis zur Spende sein kann und auch, dass es manchmal nicht möglich ist, den Geretteten persönlich kennen zu lernen, weil er oder sie eben nicht aus demselben Land stammen.
Ich bin ebenfalls bei der DKMS registriert, wurde aber bisher noch nicht als Spender benötigt, aber wenn, würde ich es selbstverständlich tun. Das Thema wird viel zu wenig behandelt, obwohl es so wichtig ist, denn es gibt zu wenig Spender. Ursache hierfür sind wohl auch die Skandale in diesem Bereich.
Mir hat die Geschichte gefallen, allerdings kann ich nur 4 Sterne geben, weil die Fehlerhaftigkeit doch zu groß ist. Besonders gestört hat mich hier, dass die Personen ab und an in der dritten Person von sich reden. Mein Tipp wäre hier eine Überarbeitung und vielleicht eine Neuauflage. Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht sogar die DKMS hier unterstützen würde, denn das Buch stellt ja auch eine Werbung dar.
Mit dem Cover konnte ich zunächst nicht wirklich was anfangen bis ich an die Versuche mit den Erbsen von Gregor Mendel dachte und begriff, dass es hiervon inspiriert ist.
Auf jeden Fall wünsche ich der Autorin für ihre weiteren Bücher, die sie hoffentlich schreiben wird, viel Erfolg.

  • Cover
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Veröffentlicht am 11.12.2019

Was ist, wenn Mord nur der Weg, aber nicht das Ziel ist?

Die perfekte Strafe
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"Die perfekte Strafe“ von Helen Fields ist ein Thriller wie er besser nicht sein kann. Erschienen ist er am 27.11.2019 im Lübbe Verlag.
Als auf Edinburghs Hausberg ein junges Mädchen erfroren aufgefunden ...

"Die perfekte Strafe“ von Helen Fields ist ein Thriller wie er besser nicht sein kann. Erschienen ist er am 27.11.2019 im Lübbe Verlag.
Als auf Edinburghs Hausberg ein junges Mädchen erfroren aufgefunden wird, denkt zunächst niemand an ein Verbrechen, auch wenn die Umstände nicht ganz gewöhnlich sind. Als dann auch noch die Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation an Gift stirbt, ist schnell klar, hier geht ein Mörder um. Doch ist es in beiden Fällen derselbe Täter? DI Callanach und DCI Turner begeben sich auf eine riskante Jagd, die ihnen alles abverlangt und sie vor schwere Entscheidungen stellt. Wie weit werden sie gehen, um den Mörder zu fassen?
Dies ist bereits Band 3, in dem Luc Callanach und Ava Turner gemeinsam ermitteln. Für mich war es daher wie das Wiedersehen mit guten Freunden. Den Täter empfinde ich dieses Mal als besonders gelungen, wenn man das so sagen darf. Er tötet sanft, denn es geht ihm nicht wirklich um das Umbringen. Sein Ziel sind die Angehörigen und ihre Trauer. Da in mehreren Handlungssträngen erzählt wird, lernt man sowohl den Täter als auch die späteren Opfer und ihre Familien sehr gut kennen und kann sich in sie einfühlen. Einige Verwirrspiele wie z. B. wechselnde Namen machen die Täterjagd noch spannender. Der Täter wird dadurch, dass man ihn besser kennenlernt, fast sympathisch und man versteht die Trauernden, dass sie sich von ihm trösten lassen. Die Streitereien zwischen Ava und Luc lockern das Ganze auf, auch wenn ihre Freundschaft dieses Mal an ihre Grenzen stößt. Ava überschreitet eine Grenze und ich denke, dass ist der Grund, warum Luc tatsächlich am Ende mit einer Frau ausgeht. Dass auch die privaten Probleme der Ermittler einbezogen werden, bringt sie einem menschlich sehr nahe und man fiebert noch mehr mit, wenn sie in Gefahr geraten.
Das Ende hat mich echt überrascht, aber es war passend. Ich konnte das Buch zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen.
Der Schreibstil der Autorin hat sich von Band zu Band gebessert und fand ich den ersten Band schon super, so begeistert mich dieser noch mehr.
Man kann ihn lesen ohne die ersten beiden Bände zu kennen, aber natürlich ist es nicht von Nachteil, wenn man sie gelesen hat, weil einem einige Figuren dann schon vertraut sind.
Thrillerfans kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Helen Fields ist eine Autorin, die man sich merken muss. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil