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Veröffentlicht am 04.07.2020

Schmutzige Geheimnisse, Diebe und jede Menge Spannung!

Maggie und die Stadt der Diebe
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New York, 1870. Maggie ist auf der Flucht. Nur knapp ist sie den Männern entkommen, die sie aus dem Waisenhaus entführt haben. Der sagenumwobene Herrscher über die New Yorker Unterwelt ist hinter Maggie ...

New York, 1870. Maggie ist auf der Flucht. Nur knapp ist sie den Männern entkommen, die sie aus dem Waisenhaus entführt haben. Der sagenumwobene Herrscher über die New Yorker Unterwelt ist hinter Maggie her und hetzt seine Bandenmitglieder auf sie. Doch weshalb hat er ein solches Interesse an ihr? Auf der Suche nach einem Versteck, irrt Maggie durch die Slums von Manhattan und trifft auf eine Bande junger Diebe, die sie bei sich aufnehmen. Aber die Verfolger lassen nicht locker und Maggie spürt, dass sie sich endlich ihrer Vergangenheit stellen muss.
Eine Abenteuergeschichte voll von düsteren Geheimnissen und gemeinen Schurken.

Und das ist hier wirklich Programm! Ein Geheimnis jagt das nächste, eine gefährliche Situation nach der anderen und jede Menge Action und Abenteuer. Von Anfang bis Ende spannend, ohne Längen dafür mit vielen ausdrucksstarken, einmaligen Charakteren, die so bildlich beschrieben sind, dass ich feinstes Kopfkino genießen durfte. Das war nicht immer der reine Genuss, da 1870 die hygienischen Zustände ja nicht gerade die blumigsten waren, um es mal so auszudrücken. Aber gerade das macht dieses Buch aus. Nichts ist schöngeredet, sondern alles so benannt, wie es nun mal ist bzw. damals war. Aber auch nichts ist überzeichnet oder übertrieben dargestellt. Das Leben der Straßenkinder ist nicht einfach, hier geht es ums Überleben und fertig.

Freundschaft, Zusammenhalt, Mut sind hier genauso Themen wie Verrat, Überlebenskampf, Kriminalität. Das Setting ist einfach faszinierend, die Charaktere und die Geschichte ebenso. Mich konnte Maggie fesseln (wenn auch nicht so sehr faszinieren wie der 2. Roman von Patrick Hertweck, „Tara & Tahnee“, aber das ist glaube ich schwer, da dieser mein bisheriges diesjähriges Kinderbuchhighlight ist) und ich habe diese spannende, kurzweilige Lektüre sehr genossen.

Sicher ein Buch, das man aufgrund der oben geschilderten Umstände mit den etwas jüngeren Lesern gemeinsam lesen bzw. darüber sprechen sollte. Ich bin rundum zufrieden und empfehle es sehr gerne allen abenteuerlustigen jungen oder junggebliebenen Lesern, die sich vorübergehend in der Welt und Zeit von damals verlieren möchten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2020

Ein aufregendes, magisch-fantasievolles Abenteuer

Mitternachtsstunde 1: Emily und die geheime Nachtpost
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Seltsame Briefe um Mitternacht? Kaum flattert einer davon in Emilys Haus, verschwinden kurz darauf ihre Eltern. Klar, dass Emily dem nachgehen muss. Bewaffnet mit Igel Hoggins und ihrer großen Klappe macht ...

Seltsame Briefe um Mitternacht? Kaum flattert einer davon in Emilys Haus, verschwinden kurz darauf ihre Eltern. Klar, dass Emily dem nachgehen muss. Bewaffnet mit Igel Hoggins und ihrer großen Klappe macht sie sich auf die Suche – und stolpert in eine andere Welt. Plötzlich tummeln sich auf Londons Straßen Hexen, Kobolde und Dämonen! Und alle sind altmodisch viktorianisch gekleidet. Zum Glück trifft Emily auf Tarquin. Der blumig duftende Polizist der Nachtwache in Ausbildung will ihr helfen. Und Hilfe kann sie gebrauchen, denn jetzt liegt es an Emily, eine böse Macht aufzuhalten und ihre Eltern zu retten.

Emily ist nun wirklich nicht auf den Mund gefallen und sehr mutig obendrein. Ich mag es, wie anfangs ihr Probleme geschildert werden, die sie mit ihren Eltern hat (Mutter peinlich, Vater langweilig) und wie im Lauf der Geschichte sich dann ein ganz anderes Bild zeigt. Und ich mag ihre große Klappe. Dieses Buch sprüht nur so vor schönen Ideen und fantasievollen Gestalten. Das bunte Treiben in der Nachtpost, Vampire, Gestaltenwandler, böse Bären, fliegende Fahrräder, pfeifende Hunde, duftende Ghuls und noch vieles mehr. Es ist witzig, aber auch spannend und manchmal ein kleines bisschen gruselig und wie gesagt: sehr fantasievoll. Der Schreibstil ist super flüssig, man fliegt förmlich durch die Seiten. Die Kapitel sind nicht zu lang und nicht zu kurz – gerade richtig, um junge Leser bei der Stange zu halten.

Die Charaktere selbst sind mir nahezu sofort ans Herz gewachsen: Emilys Eltern, Kamelie von der Nachtpost, Tarquin (der besonders – er ist einfach ein netter Typ), Hoggins der süße Igel und alle anderen Beteiligten – und natürlich Emily, die sich im Lauf der Geschichte vom eher bockigen Mädchen im Hausarrest zur sympathischen Heldin entwickelt. Ich stelle mir gerade vor, das Buch würde verfilmt… fantastisch! Kopfkino durch und durch.

Die Botschaft ist klar: Familie, Freundschaft, Zusammenhalt, Mut, gemeinsam sind wir stark. Alles verpackt in aufregende, bunte Fantasy, die Lust auf mehr macht. Zum Glück ist Band 2 schon in Vorbereitung.

Das Cover ist der Hammer und macht sofort neugierig auf die Geschichte. Und: es leuchtet sogar im Dunkeln – wie cool!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2020

Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite

Die verlorene Frau
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1960, Seaview Cottage: Die dreizehnjährige Rebecca und ihre Mutter leiden unter dem gewalttätigen Vater. In einer stürmischen Nacht pocht jemand an die Tür des abgelegenen Cottages. Wenig später sterben ...

1960, Seaview Cottage: Die dreizehnjährige Rebecca und ihre Mutter leiden unter dem gewalttätigen Vater. In einer stürmischen Nacht pocht jemand an die Tür des abgelegenen Cottages. Wenig später sterben beide Eltern, doch die Umstände ihres Todes werden nie aufgeklärt.

2014, Chichester: Eine junge Mutter verschwindet spurlos mit ihrem todkranken Baby. Ihre Schwester Iris, eine Journalistin, soll sie so schnell wie möglich finden. Sie bittet ihre Mutter Rebecca um Hilfe – die ihr nie von der schicksalhaften Nacht vor über fünfzig Jahren erzählt hat. Doch nur mit dieser erschütternden Wahrheit kann es Iris gelingen, das Baby zu retten.

Nachdem für mich der Debutroman von Emily Gunnis („Das Haus der Verlassenen“) im letzten Jahr mein Lesehighlight war, habe ich mich jetzt mit großen Erwartungen auf „Die verlorene Frau“ gestürzt – und wurde nicht enttäuscht!

Von der ersten bis zur letzten Seite war ich gefangen von dieser rätselhaften Geschichte, die mehrere Jahrzehnte umfasst. In den Kapiteln wird zwischen den Jahren hin und her gesprungen, es gibt viele Beteiligte und Handlungsstränge, was mir am Anfang die Orientierung ein wenig schwer machte und die eine oder andere Frage aufwarf. Doch mit der Zeit „entblätterte“ sich die Geschichte, öffnete sich, gab immer mehr von sich preis und die Zusammenhänge wurden deutlich. Nie war es vorhersehbar, die Wendungen sind einfach genial und wie sich am Ende alles zusammenfügt ist brillant.

Emily Gunnis Schreibstil ist schlicht grandios. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt, was damals wirklich passiert ist und was die Tagebucheinträge von Rebecca´s Mutter aus den 50er Jahren noch alles offenbaren und mit hineinspielen in die Gegenwart.

Ganz großes Kino, ein absolut fesselnder Aufbau und ein Buch, das den Namen Pageturner wirklich verdient hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Ein Kunstwerk mit gewaltigem Sprachreichtum

Hotel du Lac
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Die Schriftstellerin Edith Hope wurde von ihren Freunden in Zwangsferien an den Genfer See geschickt. Sie finden nämlich, dass Edith sich zu Hause in England unmöglich gemacht hat, als sie, nicht mehr ...

Die Schriftstellerin Edith Hope wurde von ihren Freunden in Zwangsferien an den Genfer See geschickt. Sie finden nämlich, dass Edith sich zu Hause in England unmöglich gemacht hat, als sie, nicht mehr ganz jung und nicht übermäßig attraktiv, am Tag ihrer Hochzeit den Bräutigam sitzenließ. Wider Erwarten ist sie jedoch auch im gepflegt langweiligen Hotel du Lac verschiedenen Anfechtungen ausgesetzt – und gerät in Versuchung, sich erneut zu verloben.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass in diesem Buch nichts passiert. Aber das auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Edith Hope ist nun also in diesem Hotel du Lac mit einigen anderen Gästen, die alle mehr oder weniger normal sind – so wie Edith eben auch. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen und jeder geht anders damit um. Edith lernt so nach und nach alle kennen, doch alles nur oberflächlich. Sie selbst möchte ja schließlich von sich auch nichts wirklich preisgeben. Bis sie auf den einzigen männlichen Hotelgast trifft, der sie zu durchschauen scheint. Doch wer nun denkt, es handelt sich hier um eine Liebesgeschichte – weit gefehlt. Es ist vielmehr eine Studie über das Menschsein.

Anita Brookner, die 1928 geborene und bereits 2016 verstorbene Autorin, hat einen Schreibstil, der schlicht fasziniert. Sie geht mit der Sprache derart kunstvoll um, dass die Geschichte nicht einfach nur eine Geschichte ist, sondern vielmehr ein Kunstwerk. Ich halte mich für recht belesen, doch hier habe ich zwei Begriffe gefunden, dir mir bislang unbekannt waren. Aber dennoch ist es keine schwere Literatur. Man schwebt durch das Buch, ist plötzlich am Ende angelangt und denkt sich „wow“. Dabei passiert wie gesagt eigentlich nichts. Großartig!

Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für Literatur abseits des Mainstreams und für grandiosen Sprachreichtum begeistern kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Ein Buch über Familie und Liebe zum Mitfühlen, Mitlachen, Mitweinen, Mitleiden, Mitfreuen

Meine Mutter, unser wildes Leben und alles dazwischen
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Dido ist sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter Edie von London in eine Kleinstadt (Saffron Walden) in Essex zieht – dort hat Edie ein kleines Häuschen geerbt. Edie ist die coolste Mutter überhaupt, ...

Dido ist sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter Edie von London in eine Kleinstadt (Saffron Walden) in Essex zieht – dort hat Edie ein kleines Häuschen geerbt. Edie ist die coolste Mutter überhaupt, wenn auch etwas verrückt, und sie ist die einzige Familie, die Dido je hatte. Trotzdem fehlt ihr etwas. Auf einem Streifzug durch die neue Nachbarschaft entdeckt das neugierige Mädchen hinter einem Tor zum Nachbarsgarten ihr ganz persönliches Paradies: die perfekte Familie. Mutter, Vater und zwei Kinder – die Trevelyans sind alles, was sie sich immer erträumt hat. Von diesem Moment an ist Didos Schicksal untrennbar mit ihnen verbunden, doch welche Familie ist schon wirklich perfekt?

Dieses Buch ist sehr berührend und keine leichte Kost, obwohl es wunderbar leicht geschrieben ist. Erzählt wird alles von Dido selbst, die sich damit eigentlich direkt an ihre Mutter wendet, um ihr zu erklären, was es bedeutete, mit ihr zusammen zu leben. Es beginnt 1976 und endet im Jetzt. Ich habe Dido durch ihre Kindheit und Jugend begleitet, die alles andere als unbeschwert war. So manches Mal habe ich Edie verflucht und mir gewünscht, Dido vor dieser trinkenden, unordentlichen Mutter, für die Erziehung und Regeln ein Fremdwort sind, retten zu können.
Dido findet in den Trevelyans ihre Ersatzfamilie, die in ihren Augen perfekten Eltern. Deren Tochter Harry fühlt sich jedoch mehr zu Edie hingezogen. Das Gras auf der anderen Seite ist halt immer grüner. Und dann ist da noch Tom Travelyan, in den sich Dido quasi auf den ersten Blick verliebt hat.

Es ist eine wahre Achterbahn der Gefühle, Dido durchs Leben zu begleiten. Es gibt viel zu lachen, aber auch zu weinen. Ich hätte Dido gern geholfen, ihr aber auch manchmal am liebsten den Kopf gewaschen. Dann wiederum empfand ich so viel Mitleid mit ihr, nur um mich im nächsten Moment wieder unsagbar mit ihr zu freuen.

Joanna Nadin hat es mit ihrem fesselnden Schreibstil geschafft, mich völlig in ihren Bann zu ziehen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, Dido´s Leben. Und was aus allen wird, die darin eine Rolle spielen. Da Dido gerade einmal 3 Jahre vor mir geboren wurde, habe ich so einiges aus Ihrer Kindheit/Jugendzeit wiedererkannt und konnte mich einfach gut in sie hineinversetzen.

Ein unfassbar gutes, fesselndes, bewegendes Buch über das Leben, die Liebe und die Tatsache, dass das Gras auf der anderen Seite eben nicht immer grüner ist, sondern vielleicht nur so erscheint.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere