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dear_fearn

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2020

Hat mich echt gepackt

Drei
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Das Buch hat mich echt kalt erwischt. Ich hatte mich im Vorfeld überhaupt nicht mit der Handlung beschäftigt und bin demnach auch ohne Erwartungshaltung herangegangen. So viel kann ich schon mal verraten: ...

Das Buch hat mich echt kalt erwischt. Ich hatte mich im Vorfeld überhaupt nicht mit der Handlung beschäftigt und bin demnach auch ohne Erwartungshaltung herangegangen. So viel kann ich schon mal verraten: Ich fand es klasse, aber es hat mir den Schlaf geraubt.

Das Buch ist in drei Erzählabschnitte unterteilt.
Der erste Abschnitt befasst sich mit Orna, einer alleinerziehenden Mutter, die gerade eine schlimme Scheidung hinter sich hat. Über ein Dating-Portal lernt sie einen Mann kennen, auf den sie sich schließlich einlässt. Dieser Abschnitt ließ mich einigermaßen sprachlos zurück, denn das Ende kam für mich abrupt und vollkommen unerwartet.
Abschnitt zwei befasst sich mit Emilia, die nach dem Tod des alten Mannes, den sie zwei Jahre lang gepflegt hat, neue Orientierung und Halt sucht. Sie findet Zuflucht in der Kirche, aber vor allem auch bei einem Mann. Diesen Abschnitt habe ich mit anhaltender Gänsehaut gelesen und beendet.
Das Finale ist der dritte Abschnitt mit Ella, einem Wechsel der Zeitform zu Futur, etwas anders aufgebaut, aber wirklich spannend. Und ich meine damit schwitzige-Handflächen-spannend!

Dror Mishani ist ein männlicher Autor und schreibt aus der Sicht dreier Frauen. Das merkt man ihm an, denn alle drei bleiben für mich distanziert und auf gewisse Weise unnahbar. Ich finde aber, gerade das macht den Thrill aus. Alles ist unerwartet, weil man sich als Leser so schwer in die Frauen hineinversetzen kann, geschweigedenn in den Mann, den ich bis zum Ende des Buchs nicht wirklich durchschauen konnte.

Das Buch besticht mit der realistischen Handlung, die mir immer noch Gänsehaut über den Rücken treibt. Einzig gegen Ende gab es mir ein bisschen zu viele Zufälle und "Bauchgefühl" bzw. Intuition, aber trotzdem ist es mehr als gelungen! Klare Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2020

Pures Drama

Hör mir zu, auch wenn ich schweige
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Nachdem Frank seine Frau Maggie ein halbes Jahr lang angeschwiegen hat, unternimmt sie einen Selbstmordversuch. Am Krankenbett beginnt Frank nun, ihr trotz Koma Stück für Stück zu berichten, was ihn zu ...

Nachdem Frank seine Frau Maggie ein halbes Jahr lang angeschwiegen hat, unternimmt sie einen Selbstmordversuch. Am Krankenbett beginnt Frank nun, ihr trotz Koma Stück für Stück zu berichten, was ihn zu seinem Schweigen getrieben hat und erzählt dem Leser dabei die Geschichte ihrer bisherigen 40 Ehejahre.

Das Buch dreht sich hauptsächlich um drei Charaktere: Frank, Maggie und ihre gemeinsame Tochter Eleanor. Viele Nebenfiguren gibt es nicht, nennenswert wäre noch die liebenswerte Krankenschwester Daisy und die enge Freundin Edie.

Abbie Greaves' Schreibstil macht das Buch zu einem echten Pageturner. Das ist auch nötig, sonst wäre es schwer zu ertragen. Alle Protagonisten haben Probleme mit Angst, emotionalem Rückzug und Verschwiegenheit. Niemand scheint offen miteinander zu sprechen, vieles wird für sich behalten, obwohl alle Beziehungen von übermäßiger Liebe geprägt sind. Man beobachtet die Familie quasi in ihrem Abwärtsstrudel, ohne Ausblick auf Besserung. Ständig gibt es Resümees wie "Ich hätte es verhindern können", "Hätte ich es damals schon ahnen sollen?" u.ä. - sehr nervenaufreibend, erzeugt Spannung.

Frank wechselt in seinen Erzählungen immer wieder von Gegenwart zu Vergangenheit, was teilweise sehr verwirrend ist. Maggies Erzählteile ähneln seinen zu sehr, hier hätte sprachlich noch besser differenziert werden können. Die Zwischensequenzen in Franks momentane Situation waren für mich haarsträubend, zu viel des Guten, zu lasch. Das Ende empfand ich als zu verklärt und weichgespült.

Für traurige Geschichten habe ich ja ein Faible, von daher fand ich's eigentlich ganz gut, teilweise war es mir aber zu viel Drama und Effekthascherei, am Ende auch noch Kitsch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2020

Etwas für Nerds

Ausgestorben - Das Buch der verschwundenen Tiere
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Los geht's mit einem Überblick über die einzelnen Zeitabschnitte auf der Erde (Kreidezeit, Pleistozän, Eozän etc.). Diesen Zeitabschnitten werden Seite für Seite die jeweiligen Erdbewohner zugeordnet, ...

Los geht's mit einem Überblick über die einzelnen Zeitabschnitte auf der Erde (Kreidezeit, Pleistozän, Eozän etc.). Diesen Zeitabschnitten werden Seite für Seite die jeweiligen Erdbewohner zugeordnet, in Kategorien sortiert und ihre besonderen Merkmale beschrieben. Der Seitenaufbau ist immer ähnlich. Einleitend gibt es ein großes Gesamtbild, auf dem alle Tiere des Abschnitts abgebildet sind, manchmal sogar richtig in ihrem jeweiligen Lebensraum in Szene gesetzt. Die Grafiken sind einfach, aber hübsch. Je weiter man in der Zeit voranschreitet, desto bekannter kommen einem die Tiere vor. Es tauchen kleine Säugetiere auf, Affen, Vögel, auch Insekten. Das verschafft einen guten Überblick.
Es werden einige wichtige Paläonthologen benannt, außerdem Ausgrabungsstätten und Fundorte, und es gibt eine Weltkarte mit den berühmtesten Museen, die Skelette und andere Funde beherbergen.
Natürlich gibt es auch eine Übersicht über Theorien, woran die Dinosaurier verendet sind und warum auch heutzutage noch so viele Arten aussterben oder vom Aussterben bedroht sind. Grund ist natürlich der Mensch, Einschränkung des Lebensraums und verändertes Klima. Deshalb hinterlässt der Anblick des fröhlichen Dodos auf dem Cover einen bitteren Beigeschmack.
Das Buch empfinde ich für 8-jährige noch als etwas zu schwer, da sind wohl eher die Bilder und teilweise Namen interessant. Optimal ist vermutlich ein Alter von 12. Einige Begrifflichkeiten, z.B. peinlicherweise "borealer Nadelwald", musste ich erst nochmal nachschlagen. Die Fülle und Dichte an Informationen ist ziemlich hoch, das kann man sich unmöglich alles merken. Die Schrift ist für einen Grundschüler auch recht klein gewählt. Im Prinzip ist es ein hübsch aufgemachtes Lexikon, mit großen Bildern, das einen Ehrenplatz im Bücherregal erhält und gern wieder in die Hand genommen werden wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2020

Eichhörnchen-Entdeckungsreise

Such mich! Wo bin ich?
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Das Buch hat nur wenige Seiten, die aber vor Bildern nur so strotzen. Einband und Inhaltsseiten sind karton-dick, da ist kein Umknicken möglich. Das Papier ist matt (nicht glatt-gestrichen), sodass ich ...

Das Buch hat nur wenige Seiten, die aber vor Bildern nur so strotzen. Einband und Inhaltsseiten sind karton-dick, da ist kein Umknicken möglich. Das Papier ist matt (nicht glatt-gestrichen), sodass ich mir schon denken kann, wer die Seiten demnächst mit Buntstiften bekritzelt.
Aber erstmal war's das reinste Lese- und Such-Vergnügen! Man geht mit einem kleinen Eichhörnchen auf Wanderschaft und besucht die Lebensräume verschiedenster Tiere. Auf jeder Doppelseite ist ein anderer Lebensraum dargestellt, der mit einem kurzen Vers eingeleitet wird. Daneben sind dann Abbildungen einiger Tiere aus dem großen Bild, die es zu finden gilt. Gut fand ich Wald, Sumpf und Berglandschaft. Teilweise sind Tiere dabei, bei denen ich auch als Erwachsene kurz nach dem Namen grübeln musste. Ein bisschen geärgert hat mich wieder mal der Bauernhof... Sowas gibt es kaum noch, aber große Mastanlagen mit zusammen gepferchten Tieren werden nie gezeigt. Naja, sei's drum, für ein Komplettbild aller Nutztiere in Gedenken an die frühere Lebensweise ist es okay.
Insgesamt ist das Buch sehr süß gemacht und gut fürs Spielen und Tiere-kennenlernen geeignet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2020

Macht Trauer einsam?

Nach Mattias
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Mattias stirbt unerwartet und hinterlässt eine Menge Menschen, die ihn kannten und auf ganz unterschiedliche Weise mit ihm verbunden waren... Freundin, Mutter, bester Freund, Online-Gaming-Kumpel und weitere. ...

Mattias stirbt unerwartet und hinterlässt eine Menge Menschen, die ihn kannten und auf ganz unterschiedliche Weise mit ihm verbunden waren... Freundin, Mutter, bester Freund, Online-Gaming-Kumpel und weitere. Es gibt keinen festen Erzählstrang und zeitlich verläuft auch nicht alles linear. Jeder Charakter bekommt einmal oder teilweise auch mehrfach die Gelegenheit, seinen jeweiligen Lebensabschnitt "nach Mattias" zu beleuchten. Von Mattias selbst erfährt man als Leser über die Geschichten der Anderen leider nur wenig. Auch die einzelnen Hinterbliebenen bleiben seichte Charaktere, sprechen eher abgehackt und wirken nicht besonders warm. Man bekommt wenig Einblick ins Wie und Warum. Sowas macht mich persönlich als Leserin ja immer rasend. Da will man direkt mal paar therapeutisch-angehauchte Zwischenfragen stellen, um ein Gesamtbild hinzukriegen, das der Autor leider nicht erschafft.

Peter Zantinghs Idee für das Buch war die Frage, was nach dem Tod mit den Hinterbliebenen geschieht und wie sich jeder verändert bzw. auf den Verlust reagiert. Diese Frage ist nun beantwortet: Sie werden traurig, unterdrücken ihre Gefühle, reden nicht mehr miteinander und isolieren sich. Das ist der Eindruck, den ich gewonnen habe. Und das erschreckt mich. Ich habe selbst schon mehrfach um Menschen trauern müssen und kann das so nicht bestätigen... Das Buch soll sicherlich Hoffnung wecken, hinterlässt bei mir allerdings nur ein sehr bedrückendes Gefühl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere