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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2026

Humorvoller Krimi mit etwas Lokalkolorit

Letzte Reise
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Mit dem Ermittlerteam Hummel, Zankl, Mader und Dosi der Münchener Mordkommission wechselt man sich bei der sehr abwechslungsreichen, schwierigen Ermittlung ab mit einer dörflichen Polizeistation in Niederbayern, ...

Mit dem Ermittlerteam Hummel, Zankl, Mader und Dosi der Münchener Mordkommission wechselt man sich bei der sehr abwechslungsreichen, schwierigen Ermittlung ab mit einer dörflichen Polizeistation in Niederbayern, denn dort stolpern die Ermittler über mehrere Tote aus dem Rotlichtmilieu und dem Drogenhandel. Verstrickt in diverse dunkle Machenschaften versterben Täter und Zeugen auf mysteriöse Weise lange ohne ein offensichtliches Motiv, alles sehr facettenreich mit realistischen Wendungen. Dass Hauptkommissar Hummel direkt zu Anfang mit Filmriss nach durchzechtem Abend in der Schlafkabine eines LKW aufwacht, wirkt jedoch sehr konstruiert, sogar unglaubwürdig. Durch die lebensnahen Charakteren und deren typischem Dialekt kommt Lebendigkeit und Authentizität in den unterhaltsamen Krimi. Das Privatleben aller Beteiligten wird umfassend mit einbezogen, verpackt in humorvollen Dialogen. Schließlich passen alle Puzzleteile schlüssig ineinander.
Ein Krimi mit hohem Unterhaltungswert!a 4/5*

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2026

Ein historisch informativer Krimi – genreübergreifend.

Kleopatras Grab
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Die alte Hafenstadt Alexandria, ein geschichtsträchtige Stadt voller diverser Religionsgemeinschaften, Nationalitäten und Traditionen wird auf dem Cover mit altertümlichen Tempelruinen und fälschlicherweise ...

Die alte Hafenstadt Alexandria, ein geschichtsträchtige Stadt voller diverser Religionsgemeinschaften, Nationalitäten und Traditionen wird auf dem Cover mit altertümlichen Tempelruinen und fälschlicherweise mit einem stilistischen Pyramidendreieck präsentiert. Doch die nächsten Pyramiden befinden sich in etwa 2015 km Entfernung in Kairo. Für Archäologiefreunde scheint diese laute Stadt viele tiefe Geheimnisse zu bieten wie dem Team um den reichen, ambitionierten Franzosen Jacques Bernheim, das mit seiner Suche nach dem Grab von Kleopatra dem Geheimbund Grata Repoa gefährlich nahe kommt. Der Leiter der Bibliotheca Alexandrina, Professor Hamdy , begleitet die Hauptfiguren sehr informativ in Sachen ägyptische Mythologie und Details zu Riten und Regeln in diesem antiken, einflussreichen Bund. Behilflich ist er der Hauptperson Kommissarin Theodora (Theo) Costanda, die nicht nur den Mord an Abuna Gabriel, Priester der Sankt-Nicholas-Kirche, aufzuklären hat. Etwas gefährlich unrealistisch agieren beide, die erfolgreiche Kriminalistin als Außenseiterin in einer arabisch geprägten Umgebung, als griechische Christin in einer absoluten Männerdomäne, und der Professor als Fluchthelfer über mehrere Tage hinweg in seinen Räumen. Die archäologische Suche von Bernheim im Untergrund von alten Kirchen Alexandrias könnte an die Expedition von Howard Carter mit seiner Suche nach Tutanchamuns Grab erinnern. Familiäre Dramen werden in Rückblenden eingestreut, verdichten hilfreich diverse Charakterzeichnungen. Die Aufklärung einer mysteriösen Mordserie ergibt sich relativ spät, sprachlich klar und schlüssig nachvollziehbar.
Mythologisch informativ und spannend mit Mordfällen verknüpft. 4

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Veröffentlicht am 18.08.2026

Was kommt nach zerstörter Kindheit?

Vor der Nacht
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Ab Sommer 1986 in einem Kinderheim in der Nähe von Baden-Baden beginnt die Erzählung über das Schicksal von sechs Kindern und spielt bis zum Jahr 2000 an wechselnden Schauplätzen im In- und Ausland. Der ...

Ab Sommer 1986 in einem Kinderheim in der Nähe von Baden-Baden beginnt die Erzählung über das Schicksal von sechs Kindern und spielt bis zum Jahr 2000 an wechselnden Schauplätzen im In- und Ausland. Der zunächst 14-jährige Ich-Erzähler Jonas alias Jimmy findet sich orientierungslos und unsicher bis zu seinem 18. Lebensjahr dort in einer idyllischen Gemeinschaft wieder, die sich gegenseitig Schutz, Vertrauen, Wärme und Freundschaft gewähren, verbunden mit berührenden abendlichen Ritualen voller Nähe und Geborgenheit. Im nächsten Lebensabschnitt als Erwachsener findet Jimmy im Schreiben weiterhin seine Überlebensstrategie. Diese Lebensphase ist jedoch bei den damaligen Freunden geprägt von Drogen, Prostitution, Selbstmord, Raub, Gewalt und Mord. Die atmosphärische Beschreibung von deren teils unwirtlichen, problematischen Lebensbedingungen wird begleitet vom Gedankenaustausch z.B. über Scham, Schuld, Sühne und Liebe. Neben Trauer und Verlust, Hoffnung und Verzweiflung zeigt sich besonders bei Jimmy `s Zimmergenossen Frei das gewaltbereite, dunkle Wölfische neben dem Guten in jedem Menschen – eine sehr gelungene Figurenzeichnung. Viele tiefgründige, menschliche Abgründe werden aufgefangen in einem melancholischen Schreibstil, teils sogar poetisch. Das kriminelle Verhalten und auch der Drogenkonsum werden insgesamt etwas zu verharmlost dargestellt.
Insgesamt ein aufrüttelnder Gedankenaustausch! 4*

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Veröffentlicht am 17.08.2026

Eine schmerzliche deutsche Vergangenheit

Bernie und Luise
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Über 65 Jahre in 63 Kapiteln entwickelt sich die dramatische jüdische Familiengeschichte in Berlin ab 1924, deren Fakten über mehrere Jahre auch aus Archiven zusammengetragen wurde. Viele neue negative ...

Über 65 Jahre in 63 Kapiteln entwickelt sich die dramatische jüdische Familiengeschichte in Berlin ab 1924, deren Fakten über mehrere Jahre auch aus Archiven zusammengetragen wurde. Viele neue negative politische Strömungen, auch schlechte wirtschaftliche Nachwirkungen des 1. Weltkriegs werden mit einbezogen. Rund um die zwei jungen Hauptfiguren Bernie und Luise und ihren vier Kindern spannt sich mit den meist sympathischen Nebenfiguren Jüdischer Abstammung ein aufregendes, sehr realistisch wirkendes Ambiente voller religiöser Traditionen und Wärme in einer wirren Zeit. Besonders aufrüttelnd sind Szenen rund um den Hausmeister und Blockwart Kurt, um die Agitationen der NSDAP in Fabriken, Öffentlichkeit und im Gewerkschaftshaus der KPD. Der Epilog schließt 1989 überraschend mit Luise Cäcilia Smedresman, 86, in einem christlichen Berliner Altenheim nach Auswanderung auf dem Auswandererschiff Galilea nach Palästina nach 1935. Nur Ruth wird als einzig überlebendes Familienmitglied erwähnt, das sie besuchen will. War die Immigration in Israel erfolgreich? Warum kehrte Luise nach Berlin zurück? Dieses Ende lässt weitere Fragen offen.
Schwierige Themen deutscher Geschichte in wortgewandtem Schreibstil dargeboten! 4*

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Veröffentlicht am 13.08.2026

Familiengeheimnissen auf der Spur

Mein Herz ist eine Krähe
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Viele deprimierende Themen werden in dieser schwedischen Familiengeschichte aufgeworfen: Armut, Hunger, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Depression, Abtreibung, Außenseiter – gesetzt in eine fast unberührte ...

Viele deprimierende Themen werden in dieser schwedischen Familiengeschichte aufgeworfen: Armut, Hunger, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Depression, Abtreibung, Außenseiter – gesetzt in eine fast unberührte Waldgegend Hälsinglands in Schweden.
Auf zwei sehr verschieden stark wirkenden Erzählebenen geht es um die charakterlich divers geprägten Frauen Unni und Kåra. Mit der Flucht aus Trondheim 1897 zusammen mit ihrem Sohn Roar und Armod beginnt für Unni ein sehr karges, Leid geplagtes Leben in rauer Natur, doch stets voller Liebe und Hoffnung in einer unwirtlichen Kate.
Neben diesem starken weiblichen Charakter zeigt sich mit Kåra auf der zweiten Erzählebene ca.70 Jahre später ein bedrückendes Familienleben voller Depression und Schweigen rund um üble Geheimnisse.
Die verbindende, sehr interessante Figur ist Roar, zunächst als Unnis liebenswerter, tatkräftiger Sohn und später als Kåras alternder Schwiegervater.
Die Lebens- und Naturbeschreibungen wecken durch viele Details starke Bilder, mit dem Symbol der Krähe mal als Unnis Vertraute, mal als Kåras Botin der Angst. Manche logische Ungereimtheit fern möglicher Realität springt ins Auge: Der 4-jährige Roar kann keinen erlegten, ausgewachsenen Dachs zur Kate transportieren, auch kann seine jüngere Schwester Rehfleisch nicht einsalzen. Bettwäsche (mit oder ohne Unnis Monogramm) kann nicht bei der total überstürzten Flucht eingepackt worden sein. Und wie sollte der schwer misshandelte elfjährige Roar mit gebrochenem Arm und verletztem Wangenknochen dem gewalttätigen Waldbauern mit heruntergelassener Hose den Schädel zertrümmert und bis zum Halbmeilenstein im Handkarren geschoben haben? Als dementer Greis, angewiesen auf Gehhilfe, konnte er sicher auch nicht einen Hochsitz erklimmen nach Durchquerung von durchwachsenem Waldgelände. Auch die Szene mit Tone-Amalie im abgebrannten Wald mit ihrer vergessenen Puppe stimmt nachdenklich, da sie nicht einfach ersetzbar ist durch eine andere.
Insgesamt gefallen die meisten atmosphärischen Beschreibungen, auch der finale Twist ist gelungen. 4*

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