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Veröffentlicht am 20.07.2026

Schwierige Themen wie Suizid und Homosexualität

Von dem, der bleibt
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Ein Trauma aus 1998 wird autobiographisch aufgearbeitet und erst Jahrzehnte später in Romanform schriftlich verarbeitet. Der emotionale Weg des Autors bei der Schmerz- und Schuldbewältigung wird thematisiert ...

Ein Trauma aus 1998 wird autobiographisch aufgearbeitet und erst Jahrzehnte später in Romanform schriftlich verarbeitet. Der emotionale Weg des Autors bei der Schmerz- und Schuldbewältigung wird thematisiert wie auch die Behandlung von Homosexualität und Suizid in der Gesellschaft, in einem katholischen Italien, im familiären, dörflichen Rahmen. Der lange zurückliegende Selbstmord seines Lebensgefährten durch Erhängen in seiner Wohnung veranlassen den Autoren als Hinterbliebenen, sein Leben und Leiden danach in fragmentarischen Erinnerungsschleifen zu rekapitulieren, voller bedrückender Hilflosigkeit, in dem verzweifelten Versuch, selbst auf dem langen Weg durch Selbsthilfegruppen oder psychotherapeutische Institutionen irgendeine Linderung mit positivem Blick in die Zukunft zu verspüren. Dieser Pfad entlang wechselnden Scham- und Schuldgefühlen, neben Trauer aber auch Wut, ist voller ewig unbeantworteten Fragen nach der eigenen Rolle in dieser Tragik, jedoch final neuen Sinn in einer weiteren homosexuellen Beziehung findend.
Diese Ich-Erzählung wirkt sehr authentisch, tief berührend über wichtige Inhalte, über die kaum jemand spricht, in schonungsloser bis zu intimer Offenheit.
Vielleicht vermag dieses Buch ein Begleiter durch eine solch dunkle, wirre Lebenserfahrung sein, ohne natürlich Heilung versprechen zu können. 4*

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Veröffentlicht am 18.07.2026

Geschwister und ihr schmales Elternhaus – sehr realistisch geschildert!

Elternhaus
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Das Cover gibt das Retro-Ambiente der abwaschbaren Blümchentischdecke und des farbigen Kaffeetassensets ideal wieder. Das selbstgebaute Haus auf großem Grundstück im dörflichen Rotshausen ist Elternhaus ...

Das Cover gibt das Retro-Ambiente der abwaschbaren Blümchentischdecke und des farbigen Kaffeetassensets ideal wieder. Das selbstgebaute Haus auf großem Grundstück im dörflichen Rotshausen ist Elternhaus für drei sehr verschiedene Schwestern, die im Erwachsenenalter mit ihrer Entfremdung zueinander hadern, sind sie doch auch charakterlich sehr verschieden. Die Älteste, Sanne, immer pflichtbewusst, verheiratet, zwei Kinder, kümmert sich um die alternden Eltern und verliert sich schließlich im Zerfall ihrer eigenen Familie. Ihre nächste Schwester Petra, introvertiert, studiert, ledig, Außenseiterin, philosophiert viel über ihre Kindheit, ihr Elternhaus und die Klassenunterschiede in der Nachbarschaft. Das jüngste Geschwister Gitti entpuppt sich als lockerer, entspannter Charakter, bleibt bei den sich abwechselnden Perspektiven von Sanne und Petra im weiteren Geschehen eher im Hintergrund. Mangelnde Kommunikation, keine wohlmeinende Vertrautheit herrscht zwischen den Geschwistern vor. Auch kein spektakuläres Thema stellt der etwas aufgezwungene Umzug der Eltern in eine altengerechte Wohnung dar – eine einsame Entscheidung von Sanne. Dennoch mag man sich besonders in den Kindheitserinnerungen der Mädchen realistisch gespiegelt wiederfinden. Die Spannungen untereinander und besonders Sannes psychischer Zusammenbruch und ihre Gefühle von Wertlosigkeit ohne ihre Familienrolle sind gut beschrieben. Erst durch den vermeintlichen Verkauf des Elternhauses erfolgt eine lose Kontaktaufnahme ohne klare Annäherung, leider ohne Konfliktklärung.
Diese Erzählung über alternde Eltern in einem sie überfordernden Haus betont hier stark die verschieden tiefe Bedeutung eines Elternhauses für jedes der beschriebenen Geschwister. Ist ein Elternhaus nicht doch mehr als nur ein Gebäude, vielleicht ein Sehnsuchtsort, eher ein Gefühl von Sicherheit wie in einer Burg oder von Heimat gewährend? Wie lange in seinem Leben braucht man ein Elternhaus? Was macht ein Zuhause so einmalig bzw. so besonders, dass man gar nicht weg wollte?
Das plötzliche Ende überrascht, lässt es doch viele wichtige Fragen offen.

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Veröffentlicht am 16.07.2026

Scheidungen in den 1950-er Jahren in Reno, Nevada

Der Club der geschiedenen Frauen
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Das Cover hätte auch zu einem modernen Frauenroman in neuerlichem Zeitrahmen gepasst.
Dieser Roman handelt von jungen Frauen, die nach einer erforderlichen sechswöchigen Wohnsitzpflicht in Reno vor der ...

Das Cover hätte auch zu einem modernen Frauenroman in neuerlichem Zeitrahmen gepasst.
Dieser Roman handelt von jungen Frauen, die nach einer erforderlichen sechswöchigen Wohnsitzpflicht in Reno vor der Antragstellung auf Scheidung z. B. auf der renommierten, seriösen, auf Diskretion bedachten Golden Yarrow Ranch diese Zeit neben Anwalt- und Gerichtsterminen gemeinsam verbringen. Angenehm ausgefüllt mit Ausritten, Planschen am Pool und Alkohol durchtränkten Besuchen von Bars und Casino finden die in Scheidung lebenden Frauen beaufsichtigte Sicherheit vor manchem zudringlichen Ehepartner oder auch reichlich Gelegenheit, ihre Zukunftsängste zu verdrängen. Das Alltagsleben auf der Ranch, das muntere Treiben in den Bars und im Casino – alles wirkt sehr authentisch beschrieben. Über das ihnen aufgezwungene Eheleben wird reflektiert, über Uneinigkeit hinsichtlich des Kinderwunsches bis zur Sinnleere in deren Ehe. Mit den Hauptfiguren Louis und Greer werden zwei gegensätzliche Frauenbilder lebendig dargestellt, die trotz Verschlossenheit und vieler Geheimnisse eine innige Freundschaft bilden. Mutproben, initiiert durch Greer, sorgen nicht nur für allgemeine Dramatik bis zu Missstimmung, sondern Louis spürt dadurch auch, wie sie offener, selbstbewusster und mutiger wird. Sie wächst und wärmt sich an den kleinen Zeichen der Anerkennung der anderen Frauen auf der Ranch. Ihr Weg zur Maskenbildnerin, zu ihrem wahren Ich, ohne Abhängigkeit von Ehemann oder Geld der Familie wird realistisch beschrieben, während das Schicksal der heimtückischen, verlogenen Geers eine überraschende Wendung nimmt. Mit Louis als perfekte Komplizin hat diese durchtriebene Figur ein leichtes, naives Opfer gefunden, das verzweifelt auf einen Neuanfang zusammen mit ihr hofft.
Ein ansprechendes Buch über Selbstbestimmung und Mut.

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Veröffentlicht am 14.07.2026

Als Jüdin im Exil in New York, am East River

Ein Fenster am East River
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Dieser Roman spielt hauptsächlich in der Zeit von 1943 bis 1944 in New York mit Vorgeschichten in Brüssel und Prag. Der anfänglichen Beschreibung von Fremdartigkeit der „Neuen Welt“ für die Hauptfigur, ...

Dieser Roman spielt hauptsächlich in der Zeit von 1943 bis 1944 in New York mit Vorgeschichten in Brüssel und Prag. Der anfänglichen Beschreibung von Fremdartigkeit der „Neuen Welt“ für die Hauptfigur, der jungen Tschechin Anna Martinek,, und der harten Lebens- und Erwerbsbedingungen in manchem Slumviertel werden Szenen voller quirliger Lebensfreude beigemischt. Ernste Inhalte wie die Verfolgung durch die Nationalsozialisten oder die europaweiten Kriegshandlungen entzünden sich auch an der Person des Jürgen Niederode, einem bekannten deutschen Violinvirtuosen. In Brüssel noch als Annas verliebte Bekanntschaft beschrieben, entpuppt er sich im plötzlich besetzten Prag als Vertrauensmann, der sie als Jüdin in die rettende Schweiz schleust. Jahre später, vom Geheimdienst irrtümlich als Verräter eingestuft, konzertiert er erfolgreich in den USA und outet sich der verheirateten Anna gegenüber als eitler Egoist, voller Herrschsucht, Engstirnigkeit getarnt als Liebe. Als männlicher Gegenpart spielt Annas Ehemann Tom Sörensen, als Arzt gegen das Leid in der Welt ankämpfend, eine ausgleichende Rolle, achtet er doch auch Annas emanzipatorische Freiheiten. Neben einer Liebesgeschichte findet sich neben Gesellschaftskritik wie z.B. Rassismus-Fragen auch ein politisches Statement, gepaart mit der Hoffnung auf eine bessere Welt nach Kriegsende.
Ein interessanter Roman einer jüdischen Exilantin!

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Veröffentlicht am 11.07.2026

Norwegen unter deutscher Besatzung – Interessant!

Die Unwürdigen
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Vor besonderer historischer Kriegskulisse des 2. Weltkriegs geht es um den von Armut, Hunger und sonstiger Not geprägten Arbeiteralltag in einem Vorort von Oslo. Im Mittelpunkt steht eine clevere Fünfer-Bande, ...

Vor besonderer historischer Kriegskulisse des 2. Weltkriegs geht es um den von Armut, Hunger und sonstiger Not geprägten Arbeiteralltag in einem Vorort von Oslo. Im Mittelpunkt steht eine clevere Fünfer-Bande, die schnell erwachsen werden muss, denn nach dem Verlust ihrer Väter versorge sie ihre mehrköpfigen Familien meist durch riskante Diebstähle und suspekten Schwarzmarkthandel. Ohne regelmäßigen Schulbesuch, ohne Interesse am Politischen, erhält besonders Carl Erling vom norwegischen Widerstand später Kenntnis, arbeitet er doch für die Besatzer. Nicht alle Bandenmitglieder überleben in Freiheit aufgrund dramatischer Fehler. Sie bilden untereinander sogar eine vertrauensvolle Ersatzfamilie für jüngere Geschwister. Figuren und riskante Ereignisse in der Gummifabrik, auf Dachböden und in Kellern oder in verlassenen Villen, auf dem Schwarzmarkt sind detailliert und spannend in Szene gesetzt. Erst nach Kriegsende erfahren sie vom Widerstand ihrer Väter oder vom Verlust ihres Eigentums nach sicherer Rückkehr aus Schweden. Wie stark die verschworene Gemeinschaft war und auch ihre dramatischen Einzelschicksale, wird eindrücklich erzählt.
Insgesamt ein warmherziges Banden-Porträt in einer leidgeprüften, norwegischen Arbeiterschicht in Kriegs-und Nachkriegszeiten.

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