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Veröffentlicht am 18.11.2022

Eine Geschichte von Schuld und Sühne ...

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Schon der Titel, der ein wunderschönes Bild des Malers Vermeer beschreibt, ist ein absoluter Knüller, macht er doch noch viel neugieriger auf den Inhalt als es der Klappentext vermag. Und genau um dieses ...

Schon der Titel, der ein wunderschönes Bild des Malers Vermeer beschreibt, ist ein absoluter Knüller, macht er doch noch viel neugieriger auf den Inhalt als es der Klappentext vermag. Und genau um dieses Bild, neben einigen anderen, baut die Autorin Alena Schröder eine spannende Geschichte, die sich zum einen in der Gegenwart mit der alt gewordenen Evelyn und ihrer Enkelin Hannah und zum anderen um das Kind Evelyn dreht, das in eine Zeit geboren wird, die bald aus den Fugen geraten wird. Beide Frauen haben komplizierte Zeiten hinter sich und hatten Mütter, die sie nicht im Leben willkommen heißen konnten oder wollten. Während Evelyn inzwischen bereit ist, sich dem Tod hinzugeben, steckt in Hannah noch viel Leben, mit dem sie derzeit aber nichts Richtiges anzufangen weiß. So stürzt sich dann auch auf den ominösen Brief aus Israel, den ihre Großmutter vor wenigen Tagen erhalten hat. Sie will Licht ins Dunkel bringen und erfahren, was es mit der jüdischen Vergangenheit auf sich hat …

Alena Schröder verarbeitet in ihrem Debütroman die Geschichte der Frauen einer Familie über vier Generationen. Geschickt verwebt sie tatsächliche Begebenheiten mit einer fiktionalen Familie, die sie durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg, Lebensentscheidungen und Erinnerungen stolpern lässt. Die Geschichte ist so spannend geschrieben, dass ich beim Lesen quasi an den Seiten klebte und gar nicht aufhören wollte. Für mich machten neben der Story an sich vor allem die beiden Frauen Hannah und Evelyn den großen Unterschied zu manch anderem Buch, das ich zu diesen Themen gelesen habe. Sie sind authentisch, sie haben Ecken und Kanten, sie sind besonders. Deshalb vergebe ich für diesen wunderschönen Roman auch gerne fünf dicke, fette Sterne und eine absolute Leseempfehlung. Der Autorin wünsche ich von Herzen, dass sich noch viele Leser auf ihre berührende und spannende Reise in die Vergangenheit begeben werden und ich freue mich schon heute auf hoffentlich noch zahlreiche Romane aus der Feder von Alena Schröder.

Veröffentlicht am 15.11.2022

Der Bergbau überlebt in den Herzen und Köpfen ...

Die Sehnsucht nach Licht
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Und wieder mal ein Volltreffer der sympathischen Autorin Kati Naumann, die mir mit „Die Sehnsucht nach Licht“ ein Stück deutsch-deutsche Geschichte ein bisschen nähergebracht hat. Bis dato wusste ich eigentlich ...

Und wieder mal ein Volltreffer der sympathischen Autorin Kati Naumann, die mir mit „Die Sehnsucht nach Licht“ ein Stück deutsch-deutsche Geschichte ein bisschen nähergebracht hat. Bis dato wusste ich eigentlich wenig über den Bergbau im sächsischen Erzgebirge, der so vielen Leuten Fluch und Segen zugleich war. Doch ich hatte Dank Kati das große Glück mehr darüber durch die Augen und Ohren der fiktiven Familie Steiner zu erfahren. Vier Generationen stolzer Bergleute hat sie hervorgebracht und man spürt den Zusammenhalt der Familie in jeder Zeile. Erzählt wird ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen. Die erste erstreckt sich über die Jahre von 1908 bis 1989, dem Jahr des Mauerfalls, der alles verändern sollte. Im zweiten Erzählstrang begleite ich die junge Luisa, Kind der vierten Generation, die sich mit ihrer Großtante und deren Freundin auf eine Reise aufmacht, die Licht in die Vergangenheit bringen soll, um mit verschwundenen Menschen Frieden schließen zu können. Man spürt in dem Roman die Liebe, die die Steiners füreinander empfinden, aber auch die, die die Autorin für ihre Heimat hat und kann nur erahnen, welch umfangreiche Recherchearbeit in das Buch geflossen sein muss. Nachdem ich mich in die Thematik eingelesen hatte, fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen und ich ertappte mich dabei, das neue Wissen quasi aufzusaugen und, gemeinsam mit der drumherum erfundenen Familiengeschichte, in eine für mich neue Welt einzutauchen. Ich vergebe hier gerne mit fünf Sternen die volle Punktzahl und werde mich sicher wieder an dieses Buch erinnern, wenn ich zu Weihnachten meinen eigenen Schwibbogen ins Fenster stelle für „die Sehnsucht nach dem Licht“. Die bekommt nun eine ganz neue Bedeutung!

Veröffentlicht am 10.11.2022

Eine Reise auf der Suche nach dem inneren Frieden ...

Der Pfirsichgarten
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Mal wieder musste ich feststellen, was ich doch noch für Lücken in meinem Geschichtswissen habe. Während man in Europa der 30er und 40er Jahre unter Hitler und seinen Schergen leidet, tobt auch am anderen ...

Mal wieder musste ich feststellen, was ich doch noch für Lücken in meinem Geschichtswissen habe. Während man in Europa der 30er und 40er Jahre unter Hitler und seinen Schergen leidet, tobt auch am anderen Ende der Welt ein Krieg, nämlich der zwischen China und Japan, der die chinesische Bevölkerung immer wieder zur Flucht quer durch das Land zwingt. Doch die junge Meilin und ihr Sohn Renshu verlieren mehr als ihre Heimat, denn ihr geliebter Mann und Vater des einzigen Sohnes bleibt als Soldat im Krieg. „Er ist als Held gestorben!“ versichert ihr sein Bruder Longwei und nimmt sich der Beiden, sehr zum Leidwesen seiner eigenen Frau Wenling, an. Als die Familie schließlich in den Wirren der Flucht getrennt wird, findet sich Meilin mit ihrem Sohn auf sich allein gestellt und beschließt die gefährliche Reise nach Taiwan anzutreten. Sie kämpft wie eine Löwin für ein besseres Leben für Renshu und wünscht sich nichts sehnlicher als ihn glücklich zu sehen. Eine alte Schriftrolle, die sie immer wieder zum Geschichten erzählen animiert, rettet die Beiden über die schlimmsten Jahre. Die Geschichten werden Renshu später immer wieder begleiten. Doch er tut sich schwer damit, sein Herz und seine Seele zu öffnen und droht darüber fast seine Familie zu verlieren …

Mich hat die Geschichte der Familie Dao sehr berührt. Die ewige Flucht und die damit verbundene Angst konnte ich mit jeder Seite, die ich umblätterte, spüren. Manch einer mag den Roman für ein wenig gefühlsarm halten aber die Schreibweise passt ganz wunderbar zur chinesischen Mentalität, die selten überbordend, sondern eher zurückhaltend höflich zu sein scheint. Auch konnte ich einige Gemeinsamkeiten mit meiner eigenen Geschichte, bzw. der meiner Kinder feststellen. Sie sind wie Renshus Tochter Lily mit zwei Kulturen und an immer wieder wechselnden Wohnorten aufgewachsen, so dass auch sie schon oft in Frage gestellt haben, was sie mit dem Wort Heimat verbinden sollen. Trotz einer eher bedrückenden Stimmung hat mir das Buch immer wieder Hoffnung vermittelt. Hoffnung über das, was man erreichen kann, Hoffnung auf die schönen Momente, die das Leben lebenswert machen. Es hat mir Spaß gemacht mich auf eine Reise in die mir doch sehr fremde chinesische Welt zu begeben und ich habe das Buch Seite für Seite genossen, ja beinah aufgesogen. Von mir gibt es deshalb mit fünf Sternen die volle Punktzahl!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 07.11.2022

Wir drei ... nur wir drei !!!!

Labyrinth der Freiheit
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Ein absolutes Highlight! Endlich ein Wiedersehen mit dem dreiblättrigen Kleeblatt bestehend aus Isi, die sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen lässt, Artur, den man sich lieber nicht zum Feind ...

Ein absolutes Highlight! Endlich ein Wiedersehen mit dem dreiblättrigen Kleeblatt bestehend aus Isi, die sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen lässt, Artur, den man sich lieber nicht zum Feind machen möchte und dem sympathischen Carl, der als Kameramann den Einzug des Tonfilms miterleben darf.

Gleich der Anfang dieses letzten Teils der Trilogie beginnt mit einem tödlichen Paukenschlag, der mich als Leser ein wenig ratlos zurückließ. Doch schon im nächsten Abschnitt fügten sich die Teile für mich wie bei einem guten Puzzle wieder zusammen. Es war einfach nur schön, die drei mal wieder ein Stück ihres turbulenten Weges begleiten zu dürfen. Wie immer bewegen sie sich nahe am Rande der Legalität und dennoch bleiben sie authentisch und sympathisch. Artur ist und bleibt der glänzende Ritter, während Carl auf seine eher zurückhaltende Art den nötigen Ausgleich schafft. Diesmal gilt es Isi aus einer wohl aussichtslosen Situation zu befreien und bis zum Schluss bleibt der Puls beim Lesen erhöht und ein Weglegen des Buchs scheint fast unmöglich! Der Schreibstil ist, wie schon bei den beiden vorangegangen Teilen rasant und das Cover liefert einen schönen Wiedererkennungseffekt. Ich bin ein wenig traurig, dass es vorbei ist aber unendlich froh, dabei gewesen sein zu dürfen. Ich vergebe natürlich auch diesmal wieder mit fünf Sternen die volle Punktzahl und spreche eine absolute Leseempfehlung aus an alle, die sich zusammen mit Isi, Carl und Artur gerne mal auf eine Achterbahnfahrt der besonderen Art begeben wollen. Aber ich empfehle, wie eigentlich immer bei Trilogien oder Buchreihen … haltet die Reihenfolge ein. Nach eins kommt zwei und danach dieser wunderbare Abschluss.

Veröffentlicht am 07.11.2022

War für mich eine schöne Einstimmung auf Wien ...

Das Sacher
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Einen Zeitraum von knapp dreißig Jahren deckt der Roman „Das Sacher“ ab, ein Zeitraum, in dem sich einiges entwickelt hat und der einfach keine Langeweile aufkommen lässt. Der frühe Tod von Eduard Sacher ...

Einen Zeitraum von knapp dreißig Jahren deckt der Roman „Das Sacher“ ab, ein Zeitraum, in dem sich einiges entwickelt hat und der einfach keine Langeweile aufkommen lässt. Der frühe Tod von Eduard Sacher lässt seine Frau Anna 1892 als Witwe mit drei kleinen Kindern zurück. Ihr Schwiegervater, Franz Sacher – der Erfinder der heute noch berühmten Torte, die seinen Namen trägt – will das Hotel verkaufen, denn er selbst möchte nicht mehr und eine Frau kann doch unmöglich ein Hotel führen! Doch die selbstbewusste Anna gibt nicht auf und erkämpft sich schließlich das Recht, das Hotel weiterzuführen. Wer nun glaubt, eine Geschichte rund um das Sacher und seine Entwicklung zu lesen, wird vielleicht enttäuscht werden bezüglich der Entwicklung des Romans, denn das Sacher und auch Anna treten schnell ein wenig in den Hintergrund. Meiner Ansicht nach sind die eigentlichen Protagonisten die Eheleute von Traunstein und die Aderholds, ein junges Verlegerpaar aus Berlin, die durch Zufall nach und nach im Hotel Sacher aufeinandertreffen und schließlich eine Beziehung ganz eigener Art eingehen werden. Als dann schließlich auch die vermisste Marie Stadler wieder auftaucht, beginnt einspannender Wirbel der Gefühle wie ein Tornado durch den Roman zu pusten …

Während des Lesens dieses etwas eigenwilligen Romans frage ich mich, ob mir der Schreibstil gefällt oder nicht. Die Antwort war schnell ein eindeutiges „Ja“ und so möchte ich dann auch aus meiner Sicht verdiente 4,5 von 5 Sternen vergeben. Die Mischung aus realen und fiktiven Personen ließ mir genug Gelegenheit selbst noch ein wenig dazu im Internet zu stöbern aber auch mich entspannt zurückzulehnen und einfach nur zu genießen. Nachdem ich „Der Palast“ aus der Feder der Autorin Rodica Doehnert bereits kenne, werde ich nun auch „Das Adlon“ auf meine Wunschliste setzen.