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Veröffentlicht am 03.05.2018

Still riding the rails ...

König der Hobos
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Der sympathische Autor und Lebenskünstler Fredy Gareis entführt uns in eine unbekannte Welt, nämlich in den Hobo-Alltag USA, das vermeintlich letzte große Abenteuer. Ihm gelingt es mit viel Geduld in diese ...

Der sympathische Autor und Lebenskünstler Fredy Gareis entführt uns in eine unbekannte Welt, nämlich in den Hobo-Alltag USA, das vermeintlich letzte große Abenteuer. Ihm gelingt es mit viel Geduld in diese Welt einzutauchen, und so reist er das längste Stück des Weges mit Shoestring, einem Hobo der schon fast ein bisschen Kultstatus hat. Auf seiner Reise erfährt er Freiheit und Nervenkitzel, lernt aber auch die Schattenseiten dieses Daseins kennen. Er hat Einblick in die Welt der Drogen und des Alkohols, die von vielen Hobos in rauen Mengen konsumiert werden, was natürlich oft in der Kriminalität endet, denn beides ist nicht billig. Der Ausdruck „living life on the edge“ scheint mir perfekt zu sein um das Leben dieser „Vagabunden“ zu beschreiben. Während sie sich an eiskalten und feuchten Nächten sicher manchmal zu Hause an den warmen Herd wünschen, brennt tief in ihrem Inneren ein Feuer, das sie immer wieder losziehen lässt. Sehr schön beschreibt Fredy am Ende des Buchs, dass auch aus ihm dieses Abenteuer einen veränderten Menschen gemacht hat. Er ist rastloser geworden und entscheidet für sich „to get rid of all the clutter and stuff“ in seinem Leben.
Mir hat das Buch mit seiner wunderbaren Bilderstrecke in der Mitte sehr gut gefallen. Ich habe viel gelernt über das Leben auf den Gleisen und den unheimlichen Weiten Amerikas. Vielen Dank, dass ich dich auf deiner Reise ein Stück begleiten durfte, lieber Fredy!

Veröffentlicht am 30.04.2018

Lektüre, die glücklich macht ...

Die unzähligen Wunder der Carmine Street
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Dieses Buch fällt mit seinen kleinen magischen Elementen normalerweise in eine Kategorie, die ich eher selten lese. Wäre es mir nicht durch einen Lesekreis in die Hände gefallen, hätte ich es wohl kaum ...

Dieses Buch fällt mit seinen kleinen magischen Elementen normalerweise in eine Kategorie, die ich eher selten lese. Wäre es mir nicht durch einen Lesekreis in die Hände gefallen, hätte ich es wohl kaum gekauft. Im Nachhinein jedoch bin ich sehr froh, mir diese zauberhafte Geschichte gegönnt zu haben. Wie soll man es beschreiben? Für mich ist es eine Mischung aus dem „Glücksbüro“ von Andreas Izquierdo und „Harry Potter“ gepaart mit einem kleinen Schuss „Peter Pan“. Walter Lavender Jr., von Geburt an mit einem Sprachfehler gestraft, hat es nicht leicht im Leben. In der Schule findet er durch sein Handicap schwer Anschluss. So dreht sich seine ganze kleine Welt um seinen Hund Milton, die Patisserie, seine Mutter und die Angestellten, die ihm inzwischen zur Ersatzfamilie geworden sind. Als ein skrupelloser neuer Besitzer droht, diese Welt zu zerstören, macht sich Walter auf die Suche nach einer Lösung. Ein Abenteuer nach dem anderen gilt es für ihn zu bestehen und am Ende, tja am Ende … lasst euch überraschen von dieser liebenswerten Geschichte, die einem mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurücklässt.

Veröffentlicht am 26.04.2018

"Nie wieder Krieg!" ...

Marlene
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Gleich zu Anfang möchte ich erwähnen, dass es hier unbedingt empfehlenswert ist, den Vorgängerband „Honigtod“ der gleichen Autorin zu hören, bzw. zu lesen. In „Marlene“ wird sich viel darauf bezogen und ...

Gleich zu Anfang möchte ich erwähnen, dass es hier unbedingt empfehlenswert ist, den Vorgängerband „Honigtod“ der gleichen Autorin zu hören, bzw. zu lesen. In „Marlene“ wird sich viel darauf bezogen und ich glaube, man würde sich mit den Zusammenhängen sonst eventuell schwertun.
Aber nun zu diesem wunderbaren Buch, das sich aus einer Mischung von Fiktion gepaart mit realen Ereignissen und Personen zusammensetzt. Ich habe schon viele Bücher zum Thema Zweiter Weltkrieg gelesen und gehört aber selten ist mir so ein spannendes und zugleich berührendes Buch unterkommen, das die Rolle des Widerstands gegen die Nazidiktatur und seine tapferen Kämpferinnen und Kämpfer beleuchtet. In genau dieser Rolle findet sich Anna von Dürkheim, die sich als Widerstandskämpferin Marlene Kalten nennt, wieder. Sie, die einst ihre Freundin Deborah, Tochter der berühmten Opernsängerin Elisabeth Malpran und dem jüdischen Arzt Gustav Berchinger, für den guten Zweck des Widerstands gewinnen konnte, wähnt diese tot und ist fest entschlossen allein für die Sache weiterzukämpfen. Mehr als einmal begibt sie sich in Lebensgefahr, wird gequält und gedemütigt und landet schließlich im KZ Lager Ausschwitz. Sie gibt nicht auf und kämpft den Kampf ums Überleben stets mit dem ultimativen Ziel vor Augen, diesen grausamen Krieg und seine Schergen zu stoppen und damit auch dem unsinnigen Morden an allen Fronten Einhalt zu gebieten.
Zum Einstieg der Geschichte lernen wir die Marlene der Gegenwart kennen, die sich mit ihren inzwischen 93 Jahren dazu entschließt, ihre Lebensgeschichte zu Papier zu bringen und noch einmal ihre Familie und ihre zahllosen Weggefährten um sich zu versammelt. In ähnlicher Form lernten wir im ersten Band auch die junge Felicity und ihre Mutter kennen, die zu Deborahs Familie gehörten. Lasst euch überraschen, wie die beiden Familien am Schluss doch noch zueinander finden werden.
Während mir der Schluss ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, war ich doch während des Hörens immer wieder erschüttert, wie grausam der Zweite Weltkrieg wirklich war. Durchzogen mit sogenannten „Kriegssplittern“ voller wertvoller Informationen formte die Autorin in meinem Kopf unweigerlich den Satz: „Nie wieder Krieg!“. Ganz zum Schluss möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass die begabte Sprecherin Anne Moll auch hier wieder ein Meisterwerk hingelegt hat – Chapeau!

Veröffentlicht am 26.04.2018

Beschuldigt, gefoltert, verbrannt ...

Die Seelen im Feuer
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Ich habe mich in der Literatur schon des Öfteren mit dem Thema Hexenverfolgung befasst, da es mich einfach fasziniert aber natürlich im gleichen Maße erschreckt, wie leicht man in den Verdacht der schwarzen ...

Ich habe mich in der Literatur schon des Öfteren mit dem Thema Hexenverfolgung befasst, da es mich einfach fasziniert aber natürlich im gleichen Maße erschreckt, wie leicht man in den Verdacht der schwarzen Magie und Hexerei geraten kann. Es konnte damals jeden treffen, Männlein, Weiblein, ja sogar Kinder. Oft wurden gerade bei wohlhabenden Familien nach und nach alle Familienmitglieder verdächtigt, angeklagt und umgebracht. Die Malefizkammer bereicherte sich so bequem an ihrem Erbe. Während schon die Unterbringung in den Gefängnissen und sogenannten Hexentürmen menschenunwürdig war, die Folter, die diese armen Menschen ertragen mussten, war an Grausamkeit wohl kaum zu überbieten.
Die bekannte Autorin Sabine Weigand lässt uns als Leser bzw. Hörer teilhaben am Leben im frühen 17ten Jahrhundert und die damit einhergehende Hexenjagd. Als Schauplatz wählt sie Bamberg, die Stadt, die man getrost als Zentrum der Hexenverbrennungen bezeichnen kann. In 20 Jahren starben dort fast 1.000 Männer, Frauen und Kinder. Auch die Protagonistin Johanna, eine junge Apothekerstochter, gerät in den Strudeln der Jäger. Sie, ihre Familie und viele weitere Bürger kommen in Gewahrsam und werden der Folter unterzogen. Wird es dem jungen Cornelius gelingen hier Einhalt zu gebieten? Verbissen kämpft er gegen den fanatischen Weihbischof sowie gegen den gnadenlosen Hexenkommissar Herrenberger. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, dessen Weg viel zu viele Opfer säumen …
Ich habe selbst einige Jahre in Bamberg gelebt und konnte mich wunderbar mit den verschiedenen Tatorten und Lokalitäten identifizieren. Ein erneuter Besuch in Bamberg steht für mich in Kürze an. Ich werde Bamberg wohl diesmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Wer sich für dieses dunkle Kapitel in unserer Geschichte interessiert, dem sein dieses Buch ans Herz gelegt. Das Buch ist übrigens auch Grundlage für einen gleichnamigen Film, der für das ZDF gedreht wurde.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Wenn die Fassade zu bröckeln beginnt ...

Kranichland
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Zugegeben, ich habe zum Thema DDR bisher noch nicht sehr viele Bücher gelesen. Mein Wissen beschränkt sich hauptsächlich auf die Funk- und Fernsehmedien und was so in der Familie erzählt wurde. Wir hatten ...

Zugegeben, ich habe zum Thema DDR bisher noch nicht sehr viele Bücher gelesen. Mein Wissen beschränkt sich hauptsächlich auf die Funk- und Fernsehmedien und was so in der Familie erzählt wurde. Wir hatten seinerzeit Verwandtschaft in West-Berlin und fuhren dadurch des Öfteren durch die Zone. Was sich dort aber wirklich abgespielt hat, konnten und können wir bis heute eigentlich nur erahnen. Umso mehr freute ich mich über die Offenheit mit der die begabte junge Autorin in ihrem Debütroman mit diesem Thema umgeht. Geschickt verwebt sie reale Geschichte mit der Geschichte der fiktiven Familie Groen, die in der deutschen demokratischen Republik leben und lieben. Der Vater, der als Junge im Zweiten Weltkrieg alles verlor, was ihm lieb und teuer war, sehnt sich nach Geborgenheit und einer Art heiler Welt als er selbst erwachsen wird. Sein damaliger Retter Kolja, ein russischer Offizier, scheint ihm genau das durch das linientreue Leben in der DDR bieten zu können. In seiner verzweifelten Anstrengung alle ihm gestellten Anforderungen zu erfüllen merkt er erst als es fast zu spät ist, dass ihm seine Familie zu entgleiten scheint. „Du hast deine Frauen nicht im Griff!“ wird ihm mehr als einmal zum Vorwurf gemacht.
In der Gegenwart versucht die jüngste Schwester Teresa herauszufinden, warum gerade sie ein Haus in Rostock von der großen Schwester Marlene geerbt hat und wer ihr mysteriöser Miterbe Tom ist. Sie beginnt die Vergangenheit Schicht um Schicht zu lüften und macht schließlich nicht nur eine traurige Entdeckung ….
Beim Hören dieses wunderbaren Romans war mir nicht eine Minute langweilig. Fast gebannt hing ich der tollen Sprecherin Beate Rysopp an den Lippen. Sie verstand sich blendend darauf, den jeweiligen Charakteren eine eigene Stimme zu verleihen. Die Autor verschaffte mir einen fantastischen Einblick in eine Welt, die ich nur als Außenstehender kenne und dafür vergebe ich gerne eine Lese- bzw.eine Hörempfehlung. Ich hoffe, wir hören noch mehr von Anja Baumheier. Für mich eine wunderbare Neuentdeckung.